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Himmelsgaben Band 1 Worte aus der
Höhe der Höhen, neben den großen Werken der Neuoffenbarung Schlüssel zur Schrift. – 13.
April 1840
[HiG.01_40.04.13,01] Da, wo Ich am wenigsten zu sagen scheine,
da sage Ich am meisten. – Und wo Ich aber am meisten zu sagen scheine, da
sage Ich nur soviel, als ihr zu ertragen imstande seid. [HiG.01_40.04.13,02] Das sei euch ein neuer Schlüssel zu
dieser Meiner Schrift! Von weltlicher Amtsmacht. – 18.
April 1840
[HiG.01_40.04.18,01] Hier seien ein paar Worte gerichtet an
den Andr. H., der da ein weltliches Amt auszuüben hat, das ein Recht ist zum
zeitlichen Wohle der Weltgroßen, durch Unterdrückung der Kleinen und
Schwachen, die da sind ohne Macht und Kraft der Welt und müssen die Großen
ernähren für nichts als für die Aufrechterhaltung eines Rechtes, das alle
Lasten legt auf ihren schwachen Nacken. [HiG.01_40.04.18,02] Außer Meine Liebe in euch und der
daraus hervorgehenden Weisheit, welche beide zusammen sind die ewige Ordnung,
aus der heraus alles, was da ist, gemacht wurde, vom Größten bis zum
Kleinsten, jegliches in endloser Zahl, gibt es nirgends ein Recht, als bloß
in dieser Meiner Liebe, die alles gerne gibt, was sie hat, die sich nichts
aneignet, um etwas zu besitzen, sondern nur um desto mehr geben zu können;
die nichts zerstört, sondern nur alles erhalten will, damit nichts zugrunde
gehen möchte, die allezeit bereit ist, für andere alles zu tragen, damit es
jedem wohlergehe in der großen Erleichterung seiner Bürde; und die noch dazu
geduldig, sanftmütig und voll Demut und Ergebenheit ist gegen jede
Anforderung der ihr allein zukommenden Weisheit, ja selbst zum Wohle anderer
imstande der Kraft ist, alle erdenklichen Unbilden zu erdulden in ungetrübter
Gelassenheit. Denke, ob es außer ihr noch etwas gibt, was „Recht“ heißen
könnte oder dürfte? [HiG.01_40.04.18,03] Wenn du dazu noch bedenkest, daß der
Liebe aus Mir allezeit der gerechte Anteil der wahren, freien Weisheit hinzukommt,
welche die alleinige gerechte Gesetzgeberin ist, alles am besten ordnet und
alles durchleuchtet und wohl durchschauet – ja, wenn also irgendwo Meine
Liebe zum Grunde ist, da ist auch das wahre Recht. Wo aber diese nicht ist,
da ist auch kein Recht, sondern nur das blanke Gegenteil. Ein solches
(Un-)Recht beruht dann auf der Eigenliebe und ist in seiner wahren Natur
nichts anderes, als ein human aussehendes Faust- oder Raubrecht. Und wenn es
dem blinden Menschen oft äußerlich auch erscheint, als wäre es Liebe, so ist
es denn aber doch nichts anderes als höllische Eigenliebe. [HiG.01_40.04.18,04] Sie, die Eigenliebe, lehrt euch dann,
mühsam nach und nach eure Bedürfnisse und den Vorteil eurer Handlungen
erkennen und läßt euch erkennen die Mittel, eure Verhältnisse so
einzurichten, daß sie gerade mit genauer Not dem Nächsten so viel
Handlungsraum zulassen, wie einem Vogel im Käfige oder einem Fisch im
Behälter. Von diesem Herrsch- oder vielmehr Raub-Standpunkte werden dann
Gesetze gegeben in einer Unzahl, je nach der Zahl der sich aus der Eigenliebe
immer mehr vermehrenden Wohlstands-Bedürfnisse. Daß sie streng gehalten
werden müssen, dafür wird gesorgt durch Kerker, Pulver und Tod. Mitunter gibt
dann die Eigenliebe den Sklaven auch Gesetze, damit sie sich selbst
untereinander nicht aufreiben in der langen Nacht der Verzweiflung, wodurch
dann der sogenannte Troß auch etwas scheinbar zu gewinnen wähnt und sich
ruhig verhält, da ihm doch noch erlaubt ist, etwas Weniges von dem zu
genießen, was für die Tische der Machthaber durchgehends nicht mehr taugt. [HiG.01_40.04.18,05] Nun siehe, dadurch werden dann die
Menschen oft notgedrungen, Meine Liebe zu verlassen und selbst die Eigenliebe
zu ergreifen und zu handeln im Kleinen böse, wie die Großen im Großen, die da
lügen, stehlen, rauben und morden und dazu sich noch frech erkühnen, Meine
Gesetze hinabzuziehen in ihren Kot, um dadurch denselben einen sogenannten,
von Mir aber verfluchten „moralischen Anstrich“ zu geben. Wehe ihnen
dereinst! Dadurch werden wohl die Blinden geblendet, aber Ich schaue ihre
Kniffe durch und durch und gebe sie kund Meinen Kindern, die Mich zu suchen
angefangen haben. [HiG.01_40.04.18,06] Daher rate Ich dir, eifrig Meine Liebe
zu suchen, in der alle Weisheit wohnt, aus welcher heraus du erst werden
kannst ein ganz gerechter Mann in der weisen Haltung des dir anvertrauten,
nicht geringen Amtes, zum wahren Wohle deiner vielen Brüder und Schwestern! [HiG.01_40.04.18,07] Und glaube Mir fest: Alles, was dich
die Weisheit aus Meiner Liebe lehren wird zu tun, wirst du ungehindert
durchsetzen, und dir wird darob kein Haar gekrümmt werden. Denn da, wo die
Weisheit gebietet, da hat sie auch von Mir zur Ausführung die besten Mittel
in großer Menge. [HiG.01_40.04.18,08] Dieses sage Ich, die Ewige Liebe,
unterdessen nur dir allein durch Meinen schwachen Knecht, der ein williger
Schreiber ist und wenig Furcht hat vor den Menschen, seit er Mich näher
kennt. – Amen. Ein Gruß aus der Höhe der Höhen.
– 19. April 1840
[HiG.01_40.04.19,01] Dieses Wort, gerichtet an den Ans. H.,
sei ihm ein Zeugnis, daß Mir seine Arbeit wohlgefällt! Und so er fortfährt,
aus Liebe zu Mir es fleißig zu vollbringen, wie er es begonnen hat, so soll
er wissen, daß Ich schon Meine Hand an den Hebel der Schleuse gelegt habe, um
sie über seinem Kopfe aufzuziehen und jählings einen großen Strom des
Gnadenlichtes über sein Haupt stürzen zu lassen. Und Mein Segen soll dann nie
mehr weichen von ihm, seinen Kindern und Kindeskindern. Und er soll nicht
mehr sorgen für dieselben körperlich, sondern nur geistig! [HiG.01_40.04.19,02] Ist es denn nicht schwerer, für den
Körper als für den Geist zu sorgen? – Daher leget das Schwere auf Mich und
behaltet das Leichte für euch, damit ihr frei bleiben möget in allen euren
Handlungen und eure Kinder erkennen mögen die große Liebe des heiligen Vaters
im Himmel, welcher der alleinige Geber aller guten Gaben ist, war und sein
wird ewig. – Das ist ein guter Rat für ihn! Das sage Ich, der liebe Vater,
ihm, damit er ja Mir vollkommen vertrauen kann. Denn Ich bin gar getreu in
allen Meinen Verheißungen. [HiG.01_40.04.19,03] Und das sage Ich ihm auch noch dazu,
daß Ich jedem, der beitragen wird zur Ausbreitung des Lichtes aus Mir, zur
Erkenntnis des Guten aus Meiner Liebe und des Wahren aus Meiner Weisheit für die
bald folgende große Verherrlichung Meines Namens, die Neugeburt und in
derselben auch die baldige volle Wiedergeburt mit einem neuen Namen schenken
werde; und Ich will ihn machen zum Zärtling Meiner Liebe, gleich meinem
holden, lieben Johannes, dem Geheimschreiber Meines Wortes. [HiG.01_40.04.19,04] Das sei ihm ein guter Gruß, das erste
Mal wörtlich von Mir, zum Tage seiner Eingeburt! – Das sage Ich, der ewige,
gute, liebe und heilige Vater! – Amen. Rechte Elternliebe. – 23. April
1840
[HiG.01_40.04.23,01] Gib dem Weibe des Ans. H. folgende
Worte! Denn Ich habe ihre Sehnsucht erkannt und will ihr daher einen kleinen
Trost geben, den sie ja beachten soll für sich und für ihre Kindlein,
Mägdlein und Knaben. [HiG.01_40.04.23,02] Ich habe Freude an jedem, der Freude
hat an Mir. Und Ich habe des Wassers in großer Menge, zu geben denen, die
danach dürsten. Und Meine Gnade ist ebenso breit als lang, und ist nirgends
anzutreffen ein schmalerer Teil. [HiG.01_40.04.23,03] Darum verteile du, Mutter des
Fleisches, deine Liebe unter die Deinen, wie Ich die Gnade – damit keines
Deiner Kinder ein scheeles Auge bekomme aus heimlichem Neide und nicht gut
schauen möchte dereinst auf seinen Bruder oder seine Schwester! Habe ein
volles und gleiches Maß der Liebe gegen jedes deiner Kinder – damit Ich ihnen
dann auch ein volles und gleiches Maß der Gnade schenken kann! Sonst aber
sollen die mehr Geliebten weniger Gnade und die weniger Geliebten mehr Gnade
von Mir empfangen. [HiG.01_40.04.23,04] Denn siehe, Ich bin ein Vater der Verfolgten,
ein Tröster der Betrübten – aber auch ein sehr strenger Richter der von euch
zuviel geliebten Kinder. Denn das Übermaß eurer Liebe verdirbt eure Kinder
und macht sie unfähig zum Empfange Meiner Gnade. – Daher lasse du künftig
allen gleich angedeihen, was ihnen nützlich ist, not- und wohltut, und
bezwinge dein Herz – und Meine Gnade wird dich in ihre Mitte nehmen! [HiG.01_40.04.23,05] Und glaube, daß Ich es bin, der dir
das sagt, als euer guter Vater. – Was du matt siehst, das sehe Ich scharf. Wohin
du aber mit aller Schärfe blickst, da schaue Ich durch die Finger. Was die
Welt richtet, das nehme Ich auf; was aber die Welt erhöht, das wird nieder zu
stehen kommen vor Mir. – Siehe die Ehebrecherin, gerichtet von der Welt! Ihre
Schuld habe Ich in den Sand geschrieben, damit sie der Wind möge verwehen. –
So sollt es auch ihr alle tun, wollt ihr Meine rechten Kinder sein, die Ich
mehr liebe, als du es je wirst fassen können. [HiG.01_40.04.23,06] So wie die Sonne scheint und wie der
Regen fällt auf alles Gras, so sei eure Liebe gegen eure Kinder! – Gegen die
fremden aber sei sie wie ein Feuerbrand und wie ein Wolkenbruch, damit keine
Eigenliebe in euch und in euren Kindern herrsche – wodurch dann euer
Vertrauen stark werde und Ich euch allezeit helfen kann und werde, da wo ihr
am schwächsten seid. [HiG.01_40.04.23,07] Das sei dir ein kleiner Trost! – Wo
Ich hinein will, da fege Ich zuerst! – Das sagt euer guter, heiliger Vater. –
Amen. Kreuz, Krone und – Liebe. – 24.
April 1840
[HiG.01_40.04.24,01] Der, die Freude hat an Meiner „Haut“
und da heißet M. S. und in hohen Ehren hält das Holz des Kreuzes und das
Eisen der Nägel gleichachtet den Händen, die durchbohrt wurden, und das Kreuz
gleich dem Gekreuzigten – und die schon viel gelitten hat wegen ihrer Doppelliebe,
der sage, was Ich ihr sagen lasse, ihrer Gesundheit und ihres Heiles willen. [HiG.01_40.04.24,02] Sie soll das Kreuz nicht mehr lieben
denn Mich und die Nägel nicht mehr denn das gekrönte Haupt! Denn die so tun,
müssen viel leiden aus dieser ihrer verkehrten Liebe. Wer das Kreuz liebt,
dem gebe Ich es gerne, und so die Nägel, so die Krone. Und wer aus Liebe zu
Mir das Kreuz, die Nägel und die Krone liebt, der wird gekreuziget gleich
Mir. Wer Mich aber so liebt, des Kreuzes, der Nägel und der Krone wegen, der
liebt Meine „Haut“, da sie ist voll Blutstropfen, Schlägen und Wundmalen, und
gleichet dadurch jenen Kindern, die ihre Eltern erst dann zu lieben anfangen,
wenn diese, von vielen Leiden gebückt, weinen vor der Türe ihrer Kinder. [HiG.01_40.04.24,03] Wer Mich aber recht lieben will, der
halte Meine Gebote und liebe Mich aus Meiner Liebe, die Ich jedem, ohne
Kreuz, Nägel und Krone, ganz rein, wie Ich es bin, gegeben habe. Sage ihr:
Wer mich in solcher Weise wahrhaft liebt, der liebt Mich auch ohne Kreuz,
Nägel und Krone. Wessen Liebe aber zweifelhaft ist, dem werde Ich schon
zukommen lassen entweder das Kreuz, die Nägel oder die Krone – damit seine
Liebe befestiget werde zu Mir, da er sehen wird, daß leiden schwerer ist als
lieben und daß Ich nicht Freude habe an den Leiden Meiner Kinder, sondern nur
ein trauriges Herz. [HiG.01_40.04.24,04] Denn sehet, Mein Joch ist sanft und
Meine Bürde ist leicht. Nur die Kinder der Welt müssen Meinem Reiche „Gewalt“
antun, wenn sie es an sich reißen wollen. Meine Kinder dagegen sollen nicht
eigenwillig ins Feld ziehen für Mich und sich ohne Not verwunden lassen von
Meinem Feinde – für sie werde schon Ich kämpfen. Denn die Liebe steht höher
als aller eigenmächtige Kampf. [HiG.01_40.04.24,05] Wer aber selber kämpfen will und
Freude hat am Kampfe, der muß sich schon auch auf allerlei Wunden gefaßt
machen und sehe zu, daß er nicht unterliege im Gefechte. Der Sieger aber
steht nicht über der reinen Liebe, sondern ist unter derselben, solange er
nicht die Siegerkrone in die Flamme der Liebe wirft. [HiG.01_40.04.24,06] Daher: die Mich lieben, für die werde
Ich kämpfen und siegen, und ihre Liebe wird Mir die schönste Siegeskrone
sein. Die aber eigenmächtig mitkämpfen wollen, die werde ich verteilen auf ihre
Posten. Und sie werden kämpfen müssen mit ihrer Kraft in großer Angst und
Hitze, und es wird ihnen der Sieg oft sehr sauer werden und teuer zu stehen
kommen, und dereinst werden sie viel Rechnung zu legen haben. [HiG.01_40.04.24,07] Eines noch muß hinzugesetzt werden,
nämlich: So jemand ein Haus kaufet, der begnüget sich nicht mit der
Beschauung der schönen Außenseite, welche blendet; sondern er gehe zum
Verkäufer und sage: „Laß mich erforschen die Grundfesten, die Mauern der
Wände, die Böden und das Dach.“ Und hat er das Haus fest befunden, so kaufe
er es um jeden Preis, da es ein gutes Haus ist. Ist es aber nicht so, dann
lasse man es, wie es ist, und handle nicht darum mit dem arglistigen
Kaufmann, selbst wenn dieser auch sagen würde, das Haus stehe schon so oder
so lange – wenn ein Erdbeben kommen wird, so wird es doch zusammenstürzen. –
So jemand aber wohnt in einem alten Hause, der halte sich beständig
reisefertig an der Türschwelle; und wenn er gewahr wird Schwebens und
Wankens, dann ist es hohe Zeit, sich schnell zu entfernen. [HiG.01_40.04.24,08] Das sagt der gute Hirte einem zahmen
Lamme auf der harten Weide der Knechte. – Amen. – Ich, Jesus-Jehova. Amen! Ave Maria! – 26. April 1840
[HiG.01_40.04.26] Auf eine Anfrage: [HiG.01_40.04.26,01] Seht, alle eure Pflicht ist, war und
wird ewig sein die Liebe, d.h. die reine, göttliche Liebe in euch zu Mir und
im gleichen auch zu allen euren Brüdern und Schwestern. [HiG.01_40.04.26,02] Nach dem Grade dieser Meiner Liebe in
euch wird euch gegeben werden von Mir, der Ich in Meinen ganzen Wesen die
Liebe selbst bin. Ihr seid, so ihr Mich liebet mit aller Kraft, allesamt
liebe Kinder Meiner Liebe – welche auch befruchtet hat Maria, die Mutter
meines irdischen Leibeswesens. Dieses irdische Leibeswesen aber ist ein
wahrer Bruder zu euch und stark genug, euch alle zu tragen als Brüderchen und
Schwesterchen mit aller Geduld und Sanftmut und euch zu führen als erwachsene
Brüder und Schwestern. Und wer zum Vater will, der wende sich nur an Mich als
des Vaters großen Liebling, welcher der alleinige wahre Bruder zu euch ist,
voll der höchsten Liebe und Weisheit. Und so habt ihr es nicht nötig, euch an
jemand andern, als gerade an Mich, in allen euren Anliegen und Nöten zu
wenden! [HiG.01_40.04.26,03] Sehet, der Gruß an Maria kam dereinst
bei der Verkündigung aus der allerhöchsten Höhe der Heiligkeit Gottes in
aller Fülle der Macht und Kraft Seines Geistes, damit euch allen die Liebe im
Vater ein wahrer Bruder werde. – Nun so fraget euch, was ihr jetzt noch mit
diesem Gruße wollt? – Maria dedarf dessen nicht und dürstet auch nicht nach
demselben. Und sie weiß es auch am besten von euch allen, daß Mein Ohr
schärfer ist als das ihrige und Mein Auge heller als das ihre; auch daß Meine
Liebe, Meine Demut und Meine Sanftmut zunichte macht die Liebe, Demut und
Sanftmut aller, auch der allerseligsten Geister des Himmels. [HiG.01_40.04.26,04] Wahrlich, es bereitete ihr eure
Unwissenheit und euer grober Irrtum nur Trauer, wenn Ich nicht aus Meiner
übergroßen Liebe zu euch allezeit, zuvorkommend, auf Mich nähme, was an sie
oder auch an einen andern seligen Bruder von euch gerichtet wird. Siehe,
daher mache Ich die Ohren der Seligen gegen solche unangebrachte Verehrungen
taub und ihre Augen blind, damit ihre Seligkeit nicht getrübt werde durch
eure große Torheit. [HiG.01_40.04.26,05] Wer Mich sucht, an dem wird auch Maria
Freude haben, und ebenso alle Seligen. Und sie werden allezeit bereitwilligst
sein, ihm zu dienen nach Meiner Liebe in ihnen, aus welcher ihnen kund wird,
wo und woran es euch gebricht. Daher ist es auch unnütze, anderswo als gerade
nur durch Mich zur Gnade gelangen zu wollen. Denn nur Ich allein bin die Türe
zum Vater, da alle Gnade innewohnt. Wer nicht durch Mich gehet, der kommt
nicht dahin. [HiG.01_40.04.26,06] Ihr könnt euch zwar alles dessen, was
auf Meine Menschwerdung Bezug hat, ehrerbietigst und liebevollst erinnern und
euch dadurch vorführen alle Fügungen Meiner großen Barmliebe für euch. Und es
wird Mir solches angenehm sein. – So ihr aber daraus wollt Plappergebete
formen, so seid ihr zu Narren geworden oder durch die große Blindheit der
Blindenleiter dazu gemacht und seid betrogen durch die betrogenen Betrüger. [HiG.01_40.04.26,07] Ich aber habe euch jetzt aus Mir in
allerhöchster Wahrheit gezeigt, wie sich die Sache verhält. Und so sollt ihr
auch danach tun, so ihr wollet sein wahre Kinder eines und desselben guten
Vaters und wahre Brüder des Sohnes der Maria, die euch liebt, so wie ihr Mich
liebet. – Amen. Drei Fragen. – 3. Mai 1840
[HiG.01_40.05.03] 1. Fehlt die römisch-katholische Kirche
nicht darin, daß sie den Laien den Kelch entzieht, da es doch bei Matth,
26,27 heißt: „Trinket alle daraus?“ [HiG.01_40.05.03] 2. Darf die Hostie angebetet werden? [HiG.01_40.05.03] 3. Sollen wir den Büchern Emanuel
Swedenborgs vollen Glauben schenken? [HiG.01_40.05.03,01] Für die drei Fragen, die dir zur
Beantwortung vorgelegt worden sind, will Ich den Fragestellern drei harte
Antworten geben, da sie fragen, ehe es an der Zeit ist, und dadurch
bereichern wollen ihr Wissen eher als die Liebe zu Mir, die doch höher steht
als alles Wissen. Sie bedenken nicht das, was zuerst not tut. Die Gabe der
Weisheit kommt jeglichem nach dem Grade der Liebe zu Mir, welche ist das
wahre „Brot“ und der wahre „Kelch“, oder „Mein Leib“ und „Mein Blut“, von dem
alle Propheten, von Moses an bis auf den Johannes und von Johannes an bis auf
den Emanuel Swedenborg, und alle aus Meiner Liebe gelehrten Weisen zeugen. [HiG.01_40.05.03,02] Ihr sehet die Sonne im Tautropfen und
saget: Das sei ein getreues Bild der Sonne, es fehle ihm nur die Wärme. Ich
aber sage: Es ist leichter den Tropfen zu erwärmen, als ein getreues
Lichtbild einer so großen Sonne hineinzulegen. – Da Ich das Letztere tue,
warum tuet ihr das leichte Erstere denn nicht und fraget demnach gar so
albern, ob die Hostie angebetet werden soll oder nicht? – Habe Ich euch allen
nicht schon hinlänglich gesagt und gezeigt, worin die wahre Anbetung bestehe
und wie Ich und die Materie uns verhalten?! [HiG.01_40.05.03,03] Zur ersten Frage: Was will denn euer
unzeitiger Vorwitz? – Nun wisset denn, was ihr wissen wollt, und merket es
euch wohl hinter euren dicken Ohren! – Machet lebendig euer Herz und sehet
hin nach Emmaus! Als Ich dort das Brot gebrochen habe, da erkannten Mich die
Jünger auch ohne Kelch und entbrannten in ihrer Liebe zu Mir. – Desgleichen
tuet auch ihr! Genießet das Brot in der wahren, reinen Liebe zu Mir und
stoßet euch nicht an der Form, an der nichts gelegen ist, sondern trachtet
nur nach der Liebe und dem aus ihr erwachsenden Glauben! Und Ich werde euch
Selbst den Kelch, voll des heiligen Geistes, welcher Mein Blut ist, reichen. [HiG.01_40.05.03,04] Der Wein des Kelches ist ein Getränk,
da innewohnt die Hurerei im Geiste aller Unlauterkeit. Und ihr sollet nicht
dürsten danach und sollet ihn trinken lassen allein die Knechte, die da ein
Grab des Unrates sind und damit befeuchten ihren unfruchtbaren Boden wegen
der Verkehrtheit ihrer Liebe, damit irgendeine Frucht, die da wächst, frei
werde und blühe gleich einer Sonnenblume auf den Gräbern des Unrates. [HiG.01_40.05.03,05] Nur der Kelch, den Ich euch reichen
werde, der ist der wahre Kelch, da aller Geist der Wahrheit und alles Lebens
innewohnt! Nach dem sollet ihr dürsten! [HiG.01_40.05.03,06] Zur zweiten Frage: Was die Hostie im
Abendmahle betrifft, so ist sie ein Brot, gebacken aus Mehl, wie das Brot in
Emmaus, und ebenfalls nur Materie, hat nicht Leben und kann nicht Leben geben
– sondern ist tot und gibt den Tod. [HiG.01_40.05.03,07] Nur der es bricht, segnet und gibt,
hat Leben und kann dasselbe allen geben, die es zum Zeichen der wahren Liebe
genießen im daraus lebendigen Glauben. Denn wo in euch wahre Liebe ist zu
Mir, da ist auch die Gabe zum Zeichen wohldienlich. Wo aber die Gabe ist, da
ist auch nicht ferne der Geber, dem allein alle Anbetung gebühret. [HiG.01_40.05.03,08] So suchet denn zuerst die Liebe in
Mir, durch die freiwillige Haltung der Gebote, so wird die Gabe euch
erleuchten, und ihr werdet erkennen den Geber in der Gabe, erbrennen in der
Liebe zu Ihm und anbeten Seine große Heiligkeit. [HiG.01_40.05.03,09] Daher liebet zuerst, dann wird die
Gabe gerecht sein, euch zur Leuchte, lebendig im Brote. Und dann erst wird
des Gebers Segen sein in der Gabe. Und ihr werdet sodann im Geiste und in der
Wahrheit anbeten dessen Heiligkeit. [HiG.01_40.05.03,10] Zur dritten Frage: Was den Emanuel
Swedenborg betrifft, so sollen sie die Fragesteller es versuchen, ob auch sie
ohne Meine Weisheit etwa solches zu sagen vermögen! [HiG.01_40.05.03,11] Er ward von Mir erweckt und wurde von
Meinen Engeln geführt in alle ihre Weisheit aus Mir, je nach Graden ihrer
Liebe. Und was er sagt, ist gut und wahr. [HiG.01_40.05.03,12] Meine Lehre und Mein lebendiges Wort
aber, das zu euch kommt aus Meinem Munde durch die Liebe in euch, steht höher
denn alle Propheten und alle Weisheit der Engel! – Denn die Liebe ist das
Erste und Höchste, hernach kommt erst die Weisheit. [HiG.01_40.05.03,13] Wer daher die wahre Liebe hat zu Mir,
dem wird auch Weisheit in der Fülle gegeben werden. Wer aber sucht die Wahrheit
ohne die Liebe vorher, der wird nichts finden denn Trug und wird sein ein
Doppelgänger und am Ende nicht wissen, welcher eigentlich der echte ist. [HiG.01_40.05.03,14] Darum liebet zuerst und lasset den
Vorwitz, so wird die Sonne in euch aufgehen. – Amen! Amen! Amen! [HiG.01_40.05.03,15] Das seien euch drei harte Antworten
aus der großen Höhe von Mir, Jehova. Amen. An Meine Freunde. – 9. Mai 1840
[HiG.01_40.05.09,01] Bei euren gegenseitigen
Liebesbezeugungen gönnet auch Mir einen Platz, um einen kleinen Gruß beilegen
zu können. Denn seht, Ich lade Mich gleich selber ein, wenn Ich nur
irgendeinen einigermaßen guten Bissen schmecke. Ich wußte aber, daß ihr Mir
heute nicht unfreundlich sein werdet, so Ich Mir die Freiheit nehme, Mich in
eurer Mitte als ein ungebetener Gast einzufinden. [HiG.01_40.05.09,02] Seht, die Ich lieb habe, da sie Mich
haben zu suchen und zu lieben angefangen und erkannt haben Meine Stimme durch
Meinen armen und schwachen Knecht, zu denen komme Ich gerne – wenn auch öfter
vielleicht zu einer etwas ungelegenen Zeit. Allein, was kann der Vater dafür,
daß Er mehr Liebe zu Seinen Kindern hat, als die Kinder zu Ihm!? Daher müßt
ihr schon Meiner großen Liebe zu euch zugute halten, daß Ich Mich euch öfter
ordentlich aufdränge. – O Meine Kinder, wie habe Ich euch doch alle gar so
lieb! Daher liebet auch ihr Mich, euren guten Vater, und sehet allezeit auf
Mich! – Oh, Ich Selbst werde einst euer Lohn sein! [HiG.01_40.05.09,03] Höret, die ihr Mich jetzt gerne sehet
in eurer Mitte, die werde Ich dereinst nehmen in die Mitte Meiner Liebe, und
sie werden speisen an der großen Tafel ihres Vaters! – Sehet, und so werde
Ich heute zum ersten Male ganz unter euch sein. Ihr werdet Mich zwar nicht
sehen mit euren leiblichen Augen. Aber eure Herzen werde Ich anrühren, so
euch Mein armer, schwacher Knecht diese Worte vorlegen wird. Und dann wisset,
daß Ich eingetreten bin in eurer Mitte! [HiG.01_40.05.09,04] Ihr müsset euch aber nicht genieren in
eurer Heiterkeit, sondern seid fröhlich und heiteren Mutes! Denn denket, wenn
Ich bei euch bin, so seid ihr ja auch bei Mir, eurem guten Vater! Und so seid
ihr zu Hause, und da hat das Genieren aufgehört. [HiG.01_40.05.09,05] Da Ich nun bei euch bin völlig, so
nehmet denn alle, Meine lieben Kinderchen und Kinder, Meinen gewiß
allerhöchst liebevollen Vatergruß hin, wie er euch allen gegeben wird! Und
dieser Mein wahrer Gruß sei euch auch ein wahrer Segen, so gewiß, als Ich der
wahre Vater bin für euch alle, so ihr ihn ebenso bereitwillig aufnehmet, wie
Ich ihn euch allezeit gerne gebe. – Der Gruß aber ist und lautet: [HiG.01_40.05.09,06] Friede sei mit euch! – Meine Liebe sei
euer einziger Reichtum! Und Meine Gnade erleuchte vor euch die Finsternisse
der Welt und zeige euch sanft den Weg des ewigen Lebens! – Amen. Kirchengeist und Liebesgeist. –
14. Mai 1840
[HiG.01_40.05.14,01] Dem, der da ist ein Furchtsamer vor
Mir (mehr der Kirche als Meinetwegen) und doch gerne ein tröstendes Wort
hätte, da er meint, Ich hätte etwas wider ihn, der Schwäche seines Glaubens
wegen – weil Ich nicht sogleich auch ihm tat, wie denen, die schon jahrelang
sich nach Meinem Lichte gesehnt haben, da er noch ruhig lebte in der
Außenkirche und den rauschenden Wind hielt für Meinen Geist und den Donner
für die Stimme des Lebens im Sohne – diesem sage: [HiG.01_40.05.14,02] Ich habe sein Herz angeschaut und habe
einen guten Keim in demselben gefunden. Er soll ja recht fleißig denselben
begießen mit dem Wasser des Lebens aus Mir, das er in großer Fülle finden
wird in der Schrift des Alten und Neuen Testamentes. Dann wird dieses
Senfkörnlein aufgehen in üppiger Frische. Und dann werden viele Geister der
Himmel munter und fröhlich kommen und werden Wohnung machen unter seinen
vielen Ästen und Zweigen. Und so Ich dann sehen werde die große Freudigkeit der
munteren Geister unter den Ästen und Zweigen des neuen Gewächses aus Mir (in
ihm), dann werde Ich kommen und auch seinen Geist in Bälde völlig erwecken
und ewige Wohnung machen bei ihm. [HiG.01_40.05.14,03] Er soll nicht ängstlich sein, so er
Mich liebt, und soll nicht denken, die Kirche aus Steinen sei lebendig, die
doch ebensogut wie ein anderes Haus von Menschenhänden gemacht ist! Noch soll
er denken, das Heil bringen ihm die Messen, die da sind ein stummer Dienst,
oder die Beichte, die euch unnütze ist, so ihr euch nicht ganz ändert in
euren Herzen, oder all die Sakramente, die ein wahres Gift der Seele sind, so
ihr sie nicht lebendig macht durch die wahre Liebe zu Mir in eurem
durchläuterten Herzen. [HiG.01_40.05.14,04] Er soll wissen: für den Lebendigen ist
alles lebendig und für den Toten alles tot. Wer Meine Liebe d.h. die reine,
himmlische Liebe zu Gott und zum Nächsten hat, der hat Mich Selbst, das Leben
alles Lebens, in sich. Wer aber Meine Liebe nicht hat, der ist gleich der
Materie, die tot ist aus dem Tode des Zornes Gottes; er ist selbst tot, und
das Leben gehet stumm an ihm vorüber, wie er selbst stumm fürs Leben ist. [HiG.01_40.05.14,05] Daher sehe du, Samuda, nur nach Meiner
großen Liebe und suche sie überall! Und wo du sie finden wirst, da, glaube
Mir, ist auch Leben. Und darum lasse dich an nichts binden, als nur einzig an
Meine Liebe, so wirst du leben, und wenn du auch stürbest zu tausend Malen! [HiG.01_40.05.14,06] Suche nicht das Licht, welches tot
ist, sondern die Liebe – so wird dir Licht werden in großer Fülle lebendig
aus Mir, der Ich bin die Liebe und das Leben selbst von Ewigkeit zu Ewigkeit.
– Amen. – Ich, Jesus-Jehova, Amen. Unnötige Sorgen. – 24. Mai 1840
[HiG.01_40.05.24] Frage: Dürfen wir Dich, o Vater in den
Himmeln, nicht in kindlicher Demut bitten, daß die Rekrutierung aufhöre,
wodurch der Mann dem Weibe, der Vater den Kindern, der Sohn seinen Eltern,
der Bürger seinem Gewerbe und der Landmann dem Feldbaue entrissen und oft zu
einem Stande gezwungen wird, in welchem wenig Christentum zu finden ist. –
Wie lange soll dieses Übel nach Deinem Willen noch währen? – Möge es Dir
wohlgefällig sein, von uns ein Opfer zu fordern, damit das harte Joch, dessen
Anblick uns mit bitterer Wehmut erfüllt, von unseren Brüdern genommen werde!
– Doch nicht unser, sondern Dein heiliger Wille geschehe in alle Ewigkeit! [HiG.01_40.05.24,01] Als euer guter, heiliger Vater habe
Ich allezeit Freude, so ihr euch in was immer für Anliegen an Mich wendet.
Nur müßt ihr Mich nicht um irgendein närrisches Zeug fragen, worauf Ich euch
dann keine Antwort geben möchte, da es unsinnig wäre, euch in einem Irrtum
oder Aberglauben zu bestärken. [HiG.01_40.05.24,02] Solche Fragen aber sind die über
Zeitbestimmungen nach Jahr, Tag und Stunde! – Denn seht, Ich bestimme nie
eine Zeit zu etwas, sondern handle allezeit nach der Beschaffenheit der
Umstände bei den Menschen, und zwar als Vater bei den Kindern und als Gott
bei den (Welt-)Menschen. Müßte Ich denn nicht grausam sein, so Ich sagen
würde: „Im nächsten Jahre werde Ich Mein Gericht über euch losbrechen lassen“
– und täte es bestimmt, auch so ihr euch von Grund aus bessern würdet!? –
Nun, urteilet selbst! – Und täte Ich es nicht, wäre Ich dann nicht ein barer
Lügner!? Und wie vertrüge sich das mit Meiner Liebe und Meiner Heiligkeit? [HiG.01_40.05.24,03] Aus dieser wahren Ursache lasse Ich
alle prophetischen Zeitbestimmer und Zeitrechner anrennen und am Ende
zuschanden werden. Und so werde also nicht Ich, sondern werden die Menschen
durch ihr Tun die Zeit unbewußt bestimmen. Und Ich werde dann kommen wie ein
Dieb, wann sie es am wenigsten gedenken werden. [HiG.01_40.05.24,04] Eine zweite solche närrische Frage
ist: Durch was für ein Opfer Ich zu etwas zu bewegen wäre? – Seht, eine
solche Frage tut Mir weh von Meinen Kindern, dieweil Ich daraus erkenne, daß
sie Mich noch für eine Art Götzen ansehen, statt in aller Wahrheit und Liebe
für ihren einzig guten, heiligen Vater, der von euch nichts will als eure
kindliche Liebe. – Eure kindliche Liebe, das ist das einzige Opfer, daran
Freude hat euer Vater und größtes Wohlgefallen euer Gott! [HiG.01_40.05.24,05] Doch was die Rekrutierung betrifft, so
ist sie der Weltübel größtes nicht, sondern nur eine Folge der Weltliebe –
und somit mehr als Folge anzusehen denn als das eigentliche Böse selbst. Und
so auch der Soldatenstand, welcher dauern wird, so lange, wie das Welttum aus
der Eigenliebe der Menschen ... Daher sollt ihr euch nicht so viel daraus
machen der Rekruten wegen. Denn seid vollkommen versichert, daß Meine Kinder
nie Waffen tragen sollen, denn Ich bin ihre Waffe gegen alles Übel. Und so
sie auch tun müßten gleich den Weltkindern, was nur selten geschehen wird und
kann, so glaubet Mir, Ich werde auch da ihr Vater sein und ein starker Gott,
ihnen zur scharfen, unbesiegbaren Waffe. [HiG.01_40.05.24,06] Sehet, es liegt sehr wenig daran, was
ihr da waret auf der Welt, ob Landleute, ob Bürger der Städte, ob Soldaten,
ob Fürsten, Könige und Kaiser. Sondern darauf kommt es an, wie ihr es waret –
aus Eigenliebe oder aus Nächstenliebe oder aus Meiner Liebe in euch (d.h. aus
Liebe zu Mir und daraus) zu den Nächsten. Danach wird sein euer Leben in der
Ewigkeit. [HiG.01_40.05.24,07] Daß da im Soldatenstande wenig
Religion anzutreffen ist, das weiß Ich wohl, auch daß dort die Ausschweifungen
offenbar ärger sind als bei dem Bürgerstande. Aber dafür ist auch die
Schuldstrafe strenger als die der Bürger. Und so wird doch manches verhütet,
was bei dem Bürger oft freien Lauf hat. [HiG.01_40.05.24,08] Übrigens ist Mir die Religion, wie sie
im allgemeinen unter euch ist, ebensogut wie gar keine. Denn wo nichts ist,
da läßt sich noch etwas errichten, was da gut sein kann. Wo aber nur
Schlechtes ist, da hat wenig Gutes mehr Platz. Alles Weltliche aber ist
zugleich Höllisches und daher auch angefüllt mit allerlei Grausamkeiten,
deren Lohn früher oder später nicht unterm Wege bleiben wird, so beim Bürger
wie beim Soldaten. [HiG.01_40.05.24,09] Jedoch Meine Kinder sollen sich um
nichts sorgen! Denn Ich habe den Unterdrückten und Notleidenden vieles zu
geben, so sie nur zu Mir kommen wollen. Und die da auf der Welt Meinetwegen
etwas verloren haben, so oder so – die werden es unendlichfältig wiederfinden
dereinst im Schoße ihres guten, heiligen Vaters. – Amen. Wie sollen wir die Propheten
lesen, um sie recht zu verstehen? – 26. Mai 1840
[HiG.01_40.05.26,01] Solche Fragen könnt ihr immerhin an
Mich richten, wenn es euch ernst ist, Meine Wege erleuchtet zu sehen. Und
werde Ich euch darauf auch keine vollbestimmte Antwort geben, so wird aber
doch ein Strahl durch alle Engelshimmel hindurch – von Mir ausgehend – euer
Herz erleuchten und euer Verstand wird schauen und empfinden große,
wunderbare Dinge des neuen Lebens aus Mir in euch, welches alles ist eine
Wirkung Meiner Liebe in euch, wie auch alles auf den Erdkörpern eine Wirkung
der Sonne ist, durch Meine Gnade. [HiG.01_40.05.26,02] Und sehet daher, so ihr einen Tropfen
Wassers aus dem uferlosen Meere Meiner Gnade leset in den Propheten, müsset
ihr ein starkes Vergrößerungsglas (nämlich das der Demut) nehmen – und dann
den Tropfen auf die Tafel eures Gewissens stellen und darunter anzünden eine
Lampe, angefüllt mit dem Öle des lebendigen Glaubens, damit die leuchtende
Flamme stark zu brennen anfängt. Und so dann über dieser heißen Liebesflamme
eure Gewissenstafel wird glühend geworden sein und ihr Bläschen werdet
aufsteigen sehen, dann nehmet das Vergrößerungsglas und sehet damit den
gischenden Tropfen an, und ihr werdet zahllose Wunder an und in ihm
entdecken! [HiG.01_40.05.26,03] Da werdet ihr dann eine große Freude
haben und eine eitle Lust. Aber da werdet ihr sie noch nicht begreifen. Und
erst, so ihr euch dann in aller Liebe demütig an Mich wendet und Mich bitten
werdet und stark wünschet Mein Gnadenlicht aller Himmel, dann erst werde Ich
einen Strahl dahinschießen lassen wie einen Pfeil, der euch äußerlich ein
wenig verwunden, aber dafür wecken wird euren Geist aus dem Schlafe des
Todes. Der Geist aber wird dann in Meinem lebendigen Lichte all die zahllosen
Wunder des Tropfens verstehen. [HiG.01_40.05.26,04] Und so werdet ihr dann lebendigen
Geistes ewig zu schauen haben die Wunder in den Wundern durch das größte
aller Wunder, nämlich durch eure lebendige Freiheit, durch die Liebe eures
großen, heiligen Vaters in und über allen Himmeln! Amen. – Ich, Jesus, die
ewige Liebe und das ewige Leben. Amen. Dankesworte des Knechtes. [HiG.01_40.05.26,00] So wolle denn auch gnädig aufnehmen
unseren schwachen Dank, wie Du, herablassend, uns armen, nichtswerten Sündern
nun offenbarst so große und tiefe Geheimnisse, deren wir nicht wert sind auch
nur im allergeringsten. Siehe, o guter, heiliger Vater, auf unser
zerknirschtes Herz, da wir uns schämen, auch nur dankend mir unseren
menschlichen Worten zu reden, nachdem wir Deine Worte voll Lebens vernommen
haben. [HiG.01_40.05.26,00] O großer Dank, große Ehre, großer Ruhm
sei Dir ewig, wie in den Himmeln, so auch in unserem Herzen! – Amen. J.L. Über den Eid oder Schwur. – 28.
Mai 1840
[HiG.01_40.05.28.a,01] Es fragt da einer nach dem Rechte
und der Wahrgeltung des Eides oder Schwures, welches eine verständige Frage
ist. [HiG.01_40.05.28.a,02] Sehet, so Ich im Herzen irgendeines
Menschen bin, dann hat er die Wahrheit in sich. Er tut, denkt und redet aus
derselben heraus, und diese dreifache Beschäftigung ist in solchem Falle eine
wahre Handlung und braucht nicht mehr denn Ja oder Nein. Alles darüber ist
eine Sünde; weil da sowohl vom Eidfordernden als vom Eidlegenden ein
schändliches Mißtrauen auf Meine unantastbare Heiligkeit gesetzt wird, die da
ist die Urquelle aller Weis- und Wahrheit in Mir ewig. [HiG.01_40.05.28.a,03] So aber jemand Mich nicht hat in
seinem Herzen treulich, dessen ganze Handlung ist falsch und trüglich im Tun,
Denken und Reden. Wie wollt ihr denn da in solchem Falle von dem
Wahrheitlosen ein Wahrzeichen fordern und somit der Lüge Meine Heiligkeit als
Sigill aufdrücken, damit ein weltrechtlich falsches Truggericht irgendeiner
eigennützigen Behauptung eines Eigenliebigen die volle Geltung als rechtlich
wahr erhalte!? [HiG.01_40.05.28.a,04] Nun aber gebe Ich euch einen Rat aus
Meiner Liebe, damit ihr Meine Heiligkeit schonet! – Sehet, wenn ein Eid euch
ein sicheres Zeichen ist, kann es nicht ebensogut das bloße „Ja“ oder „Nein“
sein? – So ihr beleget den falschen Eid mit Strafe, desgleichen könnet ihr ja
auch das „Ja“ und „Nein“! [HiG.01_40.05.28.a,05] Ich rate euch, so jemand in seiner
Aussage gelogen hat, entweder bejahend oder verneinend, dessen Name werde
öffentlich vor allem Volke so lange infam erklärt, bis er in aller Demut in
sich gegangen sein wird und öffentlich bekennt seiner Lüge Schuld, was dann
die erste Wahrheit sein wird auf seiner Zunge. [HiG.01_40.05.28.a,06] Dazu könnet und sollet ihr ihm auch
nach Umstand der Sache entweder ein Drittel oder die Hälfte, auch wohl sein
ganzes Hab und Gut als rechtliche Sühnung der durch einen solchen Lügner aus
Eigennutz gemißhandelten Wahrheit abnehmen. Denn er soll nicht haben ein
eigen Brot, noch Dach und Fach, da er die Wahrheit verabscheut hat! [HiG.01_40.05.28.a,07] Und ihr könnet versichert sein, daß
euch da selbst der schlimmste Bösewicht nicht anlügen wird. Eher wird er ganz
schweigen, gleich den Geistern der Hölle, die da Meinen Namen nicht
aussprechen können. [HiG.01_40.05.28.a,08] Wer da gerecht ist im Herzen, dem glaubet
aufs Wort, ohne Eid, so könnet ihr versichert sein, daß er die Wahrheit rede
und dieselbe mit seinem Blute unterschreibe. [HiG.01_40.05.28.a,09] Wer aber da hat ein treuloses,
eigennütziges Herz, dem ist Gott ferne und die Hölle nahe. Von dem könnet ihr
einen Eid um den andern fordern – aber fraget euch selbst wozu nütze? [HiG.01_40.05.28.a,10] Daher sei eure Rede: „Ja, ja“ oder
„Nein, nein“! Was darüber ist, ist eine Sünde im Geiste Meiner unantastbaren
Heiligkeit. [HiG.01_40.05.28.a,11] Das ist Mein Gesetz ohne eine
nachträgliche Verordnung! Denn Meine Gebote stehen fest und leiden keine
Abänderung wie eure heidnischen! – Amen. Ich, Jehova, die höchste Weisheit
und Gerechtigkeit von Ewigkeit. Amen. Irdische und himmlische
Rechtsordnung. – 28. Mai 1840
[HiG.01_40.05.28.b,01] Ich gebe euch im Folgenden einen
Tropfen Weisheit – genießbar für euch endliche Geschöpfe durch Meine ewige
Liebe. Denn als Gott habe Ich keine Kinder als das alleinige, ewige Wort in
Mir, welches ist der alleinige Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe. Aber im
Sohne bin Ich auch euer Vater und habe Wohlgefallen an euch, so ihr diesen
Meinen lieben Sohn in euch aufgenommen habt und somit auch Meine Heiligung
durch Ihn! [HiG.01_40.05.28.b,02] Aber dieser (Weisheits-)Tropfen
fällt auf den heißen Sand der wüsten Erde, da ihr damit wohl bereichern
könnet euer Wissen, aber außerstande seid, zu handeln darnach, was doch die
Hauptsache ist – da nur die Handlung, nie aber das bloße Wissen das ewige
Leben bedingt. [HiG.01_40.05.28.b,03] Sehet, all euer politisches „Recht“
beruht auf lauter Falschem und Bösem der Eigenliebe, welche die Erde
abgemarkt hat mit Grenzsteinen, darauf überall steht „Mein“ und niemals
„Dein“ – aus welchem unvertilgbaren Irrtume zumeist euere Vergehungen
herrühren und weshalb auch ganz widerrechtliche Gesetze erfunden werden
mußten, die jedem sein eingebildetes Eigentum durch Gewalt unerhörter
Strafen, ja selbst durch den Tod, sichern müssen – während Ich die Erde, wie
die Luft, wie das Wasser, wie den Regen und der Sonne Strahlen für alle
gemeinschaftlich erschaffen habe, und von Mir keinem irgendein Vorrecht
eingeräumt wurde. [HiG.01_40.05.28.b,04] Nun aber ist die Erde abgezirkelt
wie die Hölle, da jeder seinen bestimmten, unverlaßbaren Platz hat. Somit
kann auch nur eine entsprechende Rechtspflege und können demgemäß auch nur
ähnliche Strafen als Grenzen der Bosheit gesetzt sein. Und so können dann die
Strafen, wenn sie der Bosheit angemessen sind, nicht anders als „rechtlich“
sein – aus der Hölle betrachtet, da alles, Ich sage es euch, wortgetreu aus
ihr entnommen ist, so die Grenzsteine, so die Gesetze und so auch die
Strafen. [HiG.01_40.05.28.b,05] Sehet, bei solchen Umständen ist
schwer zu raten aus den Himmeln, wo einer hat alles für alle und alle haben
alles für einen aus Liebe – was euch lehret das Evangelium, da man zum
verlangten Mantel noch den Rock geben soll, um allen Streitigkeiten
auszuweichen. So ein jeder täte ein Gleiches, wie in den Himmeln, dann wären
keine neuen Höllengesetze vonnöten, da dann keiner etwas besäße und somit
auch frei bliebe vor jeder Beraubung oder Bestehlung. [HiG.01_40.05.28.b,06] Nun habe Ich euch in aller Kürze
gezeigt, wie die Sachen stehen. Aus solchem Grunde sollet ihr auch nicht
euren himmlischen Vater in die Rechtshändel der Hölle nötigen und dadurch
kränken Seine Langmut und große Geduld im Angesichte solcher Greuel und
Frevel, und das um so mehr, da Ich ohnehin schon bewaffnet an der Türe stehe,
um den letzten Rechtsspruch über die Erde hinzudonnern, damit der ganze
Höllenplunder über den Haufen geworfen werde, dahin, wo dessen Verfasser
schon lange seine bleibende Wohnstätte aufgerichtet hat. [HiG.01_40.05.28.b,07] Beherziget wohl diese Meine Worte
und handelt aus Liebe dabei, und es wird sich dereinst zeigen, wieviel Goldes
in dem Kehricht der Hölle anzutreffen sein wird! – Amen. Geduld zur Reife. – 30. Mai 1840
[HiG.01_40.05.30] An Jakob Lorber, wegen des Malers W.: [HiG.01_40.05.30,01] Es kann nicht gleichfort sein, wie du
es dir wünschest, sondern der rechte Zeitpunkt, so Ich an jemanden ein Wort
richten will, ist nur Mir allein wohlbekannt. [HiG.01_40.05.30,02] Die Zeit dessen aber, an den Ich nach
deinem Wunsche ein Wort richten soll, ist noch nicht zur vollen Blüte
gediehen. Daher noch eine kurze Frist, und zuvor viel Wasser des Lebens aus
dem reichen Brunnen Jakobs! Dann klein sein und groß sehen, gut hören und
stumm in der Rede sein! Nicht nur Sonnen zählen, sondern mehr noch das
bescheidene Gras der Erde. Und nicht nur steigen auf des Mondes Berge,
sondern sich vielmehr verweilen in den Tälern der Erde! [HiG.01_40.05.30,03] Siehe, mit Kindern rede Ich kindlich,
mit Männern als Mann, mit Herren als Herr, mit Fürsten als Gott, mit allen
Höhen als der Allerhöchste, mit Machthabern als der Mächtigste, mit den
Großen als der Unendliche, mit den Sündern als Hirt und Richter. Und so rede
Ich mit jedem der Genannten nach seiner Art als ein unerreichbarer Gott. Aber
mit dem Mich in aller Demut Liebenden rede Ich als Vater, Mich wie ein Bruder
zu ihm hinunterlassend von der Höhe aller unermeßlichen Höhen, als
Allerhöchster in aller Meiner unendlichen Fülle. [HiG.01_40.05.30,04] Daher nur noch eine kurze Zeit bis das
Eisen zu Gold wird durch den werktätigen Aufguß des lebendigen Wassers! [HiG.01_40.05.30,05] Ich, der rechte, alleinig-wahre
Immanuel. Amen. Bildnis des Herrn. – 1. Juni 1840
[HiG.01_40.06.01,01] Was den frommen Wunsch betrifft, den
da schon seit lange hat der Maler W., mehr im Kopf als in der Brust und deren
Eingeweiden, so sage Ich, daß Mir gar kein Bild, weder aus Farbe, noch
weniger aus Holz oder gar aus Metall oder Stein, angenehm ist. [HiG.01_40.06.01,02] Denn sehet, dieses alles ist nichts
als eine Materie und somit tot. So ihr mich aber nun bildlich darstellet in
der Materie, so stellet ihr Mich im Tode dar als ein Meiner Haut-Außenform
ähnliches Wesen – was da oft schon ausgezogen hat den Lebendigen aus euren
Herzen und hat an dessen Stelle hingeheftet ein totes Bild Meiner Haut. [HiG.01_40.06.01,03] Daher sollet ihr viel mehr trachten
nach dem lebendigen Bilde Meiner Liebe und Meiner Gnade in euren Herzen, als
nach dem getreuen Abdruck Meiner Haut! Denn gleich wie euer Leben nicht in
der Haut, sondern nur im Herzen wohnet, also geht auch aus Mir alles Leben
nicht von Meiner Haut, sondern aus Meiner tiefsten Tiefe in euch über – so
wie naturgemäß alles Licht und alle Wärme der Sonne ausgehet aus ihrem
Zentrum, da ein kleiner Funke Meiner Gnade und Barmliebe ruhend wohnet. –
Sehet, das ist die Wahrheit! [HiG.01_40.06.01,04] So ihr aber dennoch wollet ein Bild
Meiner Haut, so will Ich es euch auch geben wie dem israelitischen Volke
einen König! Wehe jedoch denjenigen, die es anzubeten sich unterstehen
möchten! Deren Seele wird matt werden, und deren Geist wird Mein Leben
schwerlich je mehr voll in sich finden. [HiG.01_40.06.01,05] Das aber ist die Gestalt Meiner Haut,
und zwar die des Kopfes, der Haare, Augen, Nase, des Mundes, der Ohren, des
Kinnes und Halses: [HiG.01_40.06.01,06] Der Kopf sei 10 Zoll hoch, ohne die
Haare, und 7 Zoll, da er ist am breitsten, ohne die Haare. Die Stirne habe
2/5 der ganzen Länge des Gesichts, und seien dann der Nase 1 1/2 Fünftel, und
so von der Nase bis zum Ende des Kinnes ebenfalls 1 1/2 Fünftel gegeben. [HiG.01_40.06.01,07] Die Stirne sei eiförmig gebogen, ohne
Falten, in der Farbe sehr licht, voll göttlicher Erhabenheit gegen die Haare,
die da lichtgoldblond sein sollen. [HiG.01_40.06.01,08] Die Augen sollen sein groß. Blau die
Iris. Die Pupille sehr schwarz verhältnismäßig zum Blau. Die Winkel rein. Die
Wimpern frisch, die Brauen stark und dunkelbraun. [HiG.01_40.06.01,09] Die Nase sei gerade und edel, weich
und nicht zu breit, auch nicht zu schmal. [HiG.01_40.06.01,10] Der Mund voll Würde und Anmut, halb
offen wie beim Reden eines Liebenden zu seiner Braut, nicht zu schmal, noch
zu weit, sondern gerecht, so die obere und so die Unterlippe, weich in den
Winkeln und sanft in der Mitte. [HiG.01_40.06.01,11] Ein etwas hervorstehendes Kinn, nicht
zu breit, noch zu enge, wohlgeschmückt mit einem etwas dunkler als die Haare
gehaltenen Barte, letzterer abgeteilt gerecht in der Mitte des Kinnes. Der
Bart soll sich eitel wenig verlieren längs den beiden Kinnladen und soll
nicht mehr als 1/5 der Wange einnehmen. So soll auch der Ober-Mundbart sein
gerecht, so daß weder die Lippen noch die beiden Mundwinkel beeinträchtigt
werden. [HiG.01_40.06.01,12] Das Ohr aber soll sein genau nach dem
Verhältnisse der Nase und soll sein frei von Haaren, welche hinter
demselbigen eine Handbreit sanft gewellt über den Nacken fallen sollen. [HiG.01_40.06.01,13] Der Hals aber sei mittellang,
vollkommen, wie der einer Jungfrau. [HiG.01_40.06.01,14] Der Ausdruck des Antlitzes soll
darstellen einen Bräutigam voll Liebe im wehmütigen Anblicke seiner
ungetreuen Braut, ähnlich dem mit liebevollstem Herzen Abschiednehmenden, mit
einer Träne der reinen wahren Liebe. [HiG.01_40.06.01,15] Die Gestalt sei angetan mit einem
himmelblauen, israelitischen, weiten Faltenrocke mit weißen, fingerbreiten
Brämen, stehend, barfuß, die rechte Hand ausstreckend nach euch Sündern –
gleichsam sagend: „Kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich
will euch erquicken!“ – und die linke aufs Herz legend, gleichsam sagend:
„Kinder, da ist der Weg des Lebens, da ist die Türe zum Vater! Wer nicht da
hindurchgeht, der kommt nicht zum Vater!“ [HiG.01_40.06.01,16] Dieses nun genau beschriebene Bild
soll stehen wie auf einem Hügel, hinter dem eine große Glorie aufgeht. Zu
Meiner rechten und linken Seite sollen sein zwei große Pfeiler, geziert mit
zwei feurigen Cherubim. Und in der Mitte der Pfeiler befinde sich eine
Gebottafel, getragen von einem Seraph. Von diesen zwei Pfeilern links und
rechts ziehe sich eine starke Mauer fort. [HiG.01_40.06.01,17] Unter dem Hügel in der Ebene aber
sollen dargestellt sein mehrere Menschengruppen, von denen wenige ihre Augen
nach Mir wenden, die meisten aber, sich von Mir abwendend, auf klein
zerbrochenen Gebottafeln stehen. Ganz im Winkel zur Linken befindet sich eine
Rotte, Leitern an die Mauern legend und dieselbe erstürmen wollend, während
die Leitern viel zu kurz und zu schwach sind, davon mehrere zerbrochene
Stücke zeugen sollen. [HiG.01_40.06.01,18] Hinter Meinem Haupte zeigen sich ganz
schwach – wie von lichtem Dunst umfangen – Teile der neuen Stadt der
Heiligkeit Gottes, die soeben vor euch herabzusteigen angefangen hat. [HiG.01_40.06.01,19] Sehet, das ist dann ein vollkommenes
Bild, wenn es wird, wie Ich es getreu angegeben habe. Aber es wird schwer
sein, dasselbe recht zu machen ohne Meine Gnade. Wenn es aber der Maler W.,
der eiserne, will machen aus reiner Liebe zu Mir, dann wird die Gnade nicht
unterwegs bleiben und das Bild wird in Erstaunen setzen alle, die es ansehen
werden, wenn auch nur aus Vorwitz, und wird zerbrechen manches steinerne
Herz, da es dann nicht sein wird ein bloßes Bild, sondern als solches ein
inhaltsschwerer Anfangsbuchstabe des neuen Jerusalem, als was es auch allein
angesehen werden sollte! – Amen. [HiG.01_40.06.01,20] Ich, Jesus, der wahre Christ voll
Liebe und Weisheit! Amen. Das vornehmste Gebot. – 2. Juni
1840
[HiG.01_40.06.02] Auf eine Anfrage über Markus 12,30: „Du
sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von
ganzem Gemüte und mit allen Deinen Kräften! – Das ist das vornehmste Gebot.“ [HiG.01_40.06.02,01] O ihr, Meine lieben Kinder! So kleine
Dinge begreifet ihr nicht, die doch euer tägliches Brot sind und sein
sollen?! Sagt, wie werdet ihr denn dann Größeres verstehen, etwa ein
Evangelium der Kräuter, der Pflanzen, der Sträucher, der Bäume und all des
Grases, so auch der Steine, der Erde, des Wassers, der Luft, des Feuers und
all der Gestirne, wie auch all der Tiere, welches alles zeuget von Mir!? Und
wie viel weniger werdet ihr hernach erst fassen Unbegreifliches, Geistiges
und Himmlisches!? Wie wollet ihr einst speisen an der großen Tafel Abrahams,
so alle eure Zähne (Weisheit aus dem Glauben des Wortes) hohl geworden sind
von den Weltsüßigkeiten und somit unfähig, euer tägliches Brot zu verkauen,
um welches ihr doch täglich in Meinem Gebete bittet (leider die große Menge
ums Brot der Würmer!)!? [HiG.01_40.06.02,02] Sehet, die Ursache ist: Da ihr mehr
liebet die Weisheit denn die Liebe und habt deshalb wenig Liebe und darum
auch ebensowenig wahren Verstand als gerechte Mitgabe der Liebe. [HiG.01_40.06.02,03] Liebt ihr Mich aber zunächst wie die
Kinder ihre Eltern vor der Zungenlöse, oder wie eine rechte Braut ihren
Bräutigam vor der eigentlichen näheren Bekanntschaft – dann würden Ströme des
Lichtes aus euren Lenden fließen! [HiG.01_40.06.02,04] Daher müsset ihr umgekehrt werden und
zuerst lieben! Dann wird euer Glaube lebendig werden. Sonst aber wird euer
Kopf angestopft mit allerlei, gleich dem Magen eines Ochsen, und euer Herz
aber wird leer bleiben wie ein Windbeutel. – An euren Kindern aber sollt ihr
euren Irrtum gutmachen – und dann werden wie sie. [HiG.01_40.06.02,05] Das ist aber das Verständnis jenes
„täglichen Hausbrotes“: [HiG.01_40.06.02,06] „Aus ganzem Herzen“; hier ist unter
„Herz“ zu verstehen der Geist des Lebens, der als treues Ebenbild Meiner
Liebe in der Prüfungsperiode in euch und eigentlich die pure Liebe ist. –
Dann „aus ganzer Seele“; hier ist unter „Seele“ zu verstehen ein ätherischer
Leib des Geistes, der ganz durchdrungen werden soll von der Urliebe in ihr,
damit sie dadurch lebendig werde in allen ihren Teilen. – „Von ganzem
Gemüte“; hier sind unter „Gemüte“ zu verstehen eure naturmäßigen
Wißtümlichkeiten, die da alle sollen gefangen werden von Meiner Liebe in
euch, damit die Seele, als Leib des Geistes, Festigkeit bekomme mit Haut und
Haaren und bekomme Füße zum Stehen und Gehen und Hände zum Greifen und
Handeln und Augen zum Sehen und Ohren zum Hören und Nase zum Riechen und
einen Mund, versehen mit all dessen Bestandteilen und tauglich, zu nehmen
höhere und bessere Speisen und selber zu reden Worte des Lebens aus Mir –
welches alles hernach sind „all die Kräfte“, die da auch sein sollen voll
Liebe! [HiG.01_40.06.02,07] Sehet, das ist das kurze und sehr
leichte Verständnis des kleinen Textes aus den Worten Meines lieben Markus
und aller Gleiches Sagenden. Aber wohlgemerkt, nicht für euren Verstand,
sondern für euer Herz habe Ich es euch gegeben, damit ihr Mich Meiner
Bereitwilligkeit wegen doch endlich einmal sollet zu lieben anfangen, so auch
alle übrigen Dinge von Mir nicht vermögen würden, euch zur Liebe zu Mir zu
stimmen. [HiG.01_40.06.02,08] Daher fasset es wohl in euer noch
leeres Herz, damit es täglich gesättigt werde mit dem Hausbrote der Himmel. –
Das wünsche vor allem Ich, euer heiliger und überguter Gott, als Vater im
Sohne Jesus-Jehova. – Amen, Amen, Amen. Die bösen Sieben. – 4. Juni 1840
[HiG.01_40.06.04] Über Lukas 11,24-26: „Wenn der unreine
Geist von einem Menschen ausgefahren ist, so durchirrt er wüste Gegenden und
suchet dort eine Ruhestätte; und wenn er keine findet, so sagt er: ‚Ich will in
Mein Haus zurückkehren, das ich verlassen habe‘. Wenn er dann hinkommt,
findet er es schön gefegt und aufgeräumt. Hierauf geht er hin und holt sich
noch sieben andere Geister, die schlimmer sind als er selbst; und sie ziehen
ein und wohnen dort; und das Ende wird bei einem solchen Menschen schlimmer
als der Anfang“. [HiG.01_40.06.04,01] Sage dem A. und allen seinen
erwachsenen Angehörigen, als welche sind: dessen Weib und Töchter: „Wer da
suchet, der findet; wer da klopfet an, dem wird aufgetan; und wer da bittet,
dem wird gegeben, um was er bittet, in der Fülle!“ [HiG.01_40.06.04,02] So jemand ein Weib hat, und das Weib
liebet ihren Gemahl im stillen, daß es nicht merken möchte die Welt, da sie
meint, es werde die Welt Unordentliches von ihr denken (so sie merken würde,
daß sie mit ganzem Herzen an ihrem Gemahl hänge), daher tut sie äußerlich
kalt und geschämig und läßt ihren Leib nicht berühren, während sie doch
innerlich brennt vor Begierde. So nun der Gemahl alle seine Mühe vergebens
verwendet, sein Weib heimelich und ganz ergeben zu machen, sie aber stets
schüchtern bleibt, teils ihrer Weiblichkeit, teils der Welt, teils aber der
Dumm- und Narrheit wegen – was wird wohl dieser Gemahl tun? [HiG.01_40.06.04,03] Ich sage, er wird sein zimperlich
dummes Weib aus Liebe in ihrer Narrheit lassen bis an ihr Ende und wird sie
nicht mehr auch nur mit einem Finger berühren, wird aber seinen Samen legen
auf fremden Boden, da viel Unkraut und Disteln sind, und wird sich denken:
„Kann ich da auch keine Ernte halten, so will ich mir doch einen Samen
ziehen, der da sei meines Namens für eine künftige Saat und reiche Ernte.“ [HiG.01_40.06.04,04] Und Ich sage, dieser Mann hat, dieses
als Züchtigung seinem Weibe, recht getan, da er es aus Liebe tat. Und Ich
sage nun auch euch: dieser Gemahl bin Ich, und das sehr dumme Weib seid ihr! [HiG.01_40.06.04,05] Nun habe Ich euch schon so oft
angreifen und an Mein Herz drücken wollen, doch ihr entwindet euch allezeit
durch allerlei Weltschüchternheiten und narrheitsvolle, gleichsam demütige,
weltzüchtige Gründe. Ihr haltet die Mir gehörige Liebe verschlossen in euch
und meinet, es werde die Zeit schon kommen, da Ich kommen und euch anblasen
werde, damit ihr Mich dann unermeßlich lieben könnet. Oder ihr meinet auch,
Ich werde diese Liebe in euch schon bemerken (vielleicht durch irgendein
Mikroskop). Allein ihr irret euch. Und so ihr beharret darin, so werde Ich
tun wie der Gemahl und euch in eurer Zimperlichkeit lassen. [HiG.01_40.06.04,06] Daher seid offen, wie Ich es bin! Und
redet mit Mir im Vertrauen und in offener, freier Liebe! Und Mein altes Buch
wird keinen Buchstaben haben, aus welchem euch nicht ein siebenfältiges Licht
entgegenstrahlen wird. Und in eurem Herzen werdet ihr, mit großer Schrift
enthüllt, das Geheimnis der großen Geisterwelt lesen. [HiG.01_40.06.04,07] Nun so sehet und höret das Verständnis
der drei Verse des Lukas! [HiG.01_40.06.04,08] So ein Mensch sittlich und recht lebt
nach dem äußeren Gesetze und hält dasselbe aus eigenem Antriebe und aus dem
Gefühle des Rechtes streng und genau und besiegt so auch standhaft durch den
dem Verstande untergeordneten Willen jede Versuchung – da sieht dann der
Versucher und Verführer, daß in diesem Hause für ihn nichts zu machen ist.
Und so verläßt er es denn ärgerlich – und fährt von dannen; durchsucht dann
alle solche dürren Stätten auf der ganzen Welt. Und da er sieht, daß an
solchen Stellen weder guter noch böser Samen Wurzel fassen kann, so sagt er
bei sich selbst: „Wo keine Feuchtigkeit ist, da gibt es Wüsten und somit keines
Bleibens daselbst für mich. Was soll ich nun tun? Ich will wieder umkehren
und sehen, wie nun meine erste Besitzung aussieht!“ [HiG.01_40.06.04,09] Er kehrt sich um und geht eilends
dahin. – Nun findet er die Stätte ganz gereinigt und wohl geschmückt mit
Tugend und Siegeskränzen. Es gefällt ihm nun sehr wohl daselbst, aber er
fühlt sich zu schwach, wieder davon Besitz zu nehmen, da er nur ein Geist des
Fleisches ist. [HiG.01_40.06.04,10] Da kehrt er zurück zur Hölle und nimmt
dort sieben Geister mit, jeder ärger denn er – als da sind: einen großen
Schmeichler, einen großen Heuchler, einen großen Lobredner, einen
Ehrgeizigen, einen Stolzen, einen Verächter und Verleumder und endlich noch
einen Hof- und Zeremonienmeister und einen Fein-, Wohl- und Vielschmecker,
hinter welchem letzten auch er selbst sich wieder befindet. Und so kommt dann
diese böse Rotte, bekommt leichten Einlaß und nimmt vollen Besitz darinnen. [HiG.01_40.06.04,11] Und so arg auch immer der erste
Zustand war unter den Anfechtungen des Fleisches, so wird aber doch dieser
zweite Zustand um vieles ärger sein als der erste, da der Wunsch dadurch sich
in seinem Selbsttum gefangen gegeben hat aller Bosheit, da all sein Rechttun
nicht aus Liebe zu Mir, sondern aus einer Eigenliebe hervorging und daher
verzehret hat alle (wahre Lebens-)„Feuchtigkeit“ in sich, daher er auch keine
Früchte mehr zu tragen imstande war und somit dürr und wie tot wurde. [HiG.01_40.06.04,12] Denn sehet, Ich allein bin das Leben
in euch – einzig durch eure Liebe zu Mir, durch die rechte Haltung der Gebote
sowohl im Handeln, wie im Reden, wie im Denken aus Liebe zu Mir. [HiG.01_40.06.04,13] Und möchtet ihr auch handeln so emsig
wie die Bienen und Ameisen – so ihr nicht das alles tut aus Liebe zu Mir,
welche euch allein Kraft und Leben gibt, zu widerstehen der Hölle und allen
ihren ferneren Versuchungen – so werdet ihr niemals Ruhe finden, weder hier
noch dort. Es wird euch ergehen wie den erwähnten Tierchen, denen Honig und
Brut genommen wird, trotz ihrer stechenden und zwickenden Waffen, indem sie
nur bloße Geschöpfe sind und geleitet werden durch den Instinkt, gleichwie
ein Mensch, der seinen Willen hat gefangennehmen lassen vom kalten Verstande
und ließ unbeachtet stehen die Liebe und somit auch seine Freiheit und das
wahre Leben aus ihr. [HiG.01_40.06.04,14] Sehet, das ist das Verständnis dieser
drei Verse! – Daher hütet euch vor dem Verstande, so er anderswo herrührt als
allein aus Meiner Liebe! Lasset ihn stets derselben untertan sein, gleichwie
die Gottheit untertan ist Mir, ihrer ewigen Liebe; sonst werdet ihr werden
gleich einem solchen gefegten und geschmückten Hause, wie das Gleichnis der
drei Verse es euch zeigt. – Amen. Über Kindererziehung. – 8. Juni
1840
[HiG.01_40.06.08] O Herr, wie sollen die Kinder erzogen werden,
damit sie fähig werden möchten, dereinst Deine Kinder zu heißen? [HiG.01_40.06.08,01] Nun, so schreibe! – Es ist das eine
gut und recht gestellte Frage, worauf Ich euch eine vollbestimmte Antwort
geben will. Aber sehet zu, so Ich euch ein rechtes Licht hierin gebe, daß ihr
getreue Hirten werdet eurer kleinen Herde, die euch gegeben wurde aus der
Tiefe, damit ihr sie bringet zur Höhe aller Demut und dadurch auf den Weg
alles Lebens durch das leuchtende Feuer Meiner Liebe. Aber es wird euch viel
Mühe machen, und diese Mühe soll sühnen eure Fleischeslust, die ihr mit euren
Weibern vielfach getrieben habt, wodurch euren Kindern erteilt wurde das
Kleid der Hure und ein Denkmal im zerstörten Jerusalem und ein weites und
tiefes Grab unter dem Schutte Babels. [HiG.01_40.06.08,02] Denn sehet, wäret ihr wiedergeboren
gewesen aus dem Geiste Meiner Liebe, dann hättet ihr die Jungfrau, die ihr
zum Weibe begehrt habt, zuvor reinigen können in den Strömen des lebendigen
Wassers, das da in unendlicher Fülle entströmt wäre eurem Wesen. Und so wäre
dann eure Ehe eine himmlische gewesen, und eure Kinder (gezeuget in der Lust
der Engel, welche ist eine wahre Einung der Liebe mit der Weisheit), wären
dann Kinder aus den Himmeln und wären schon zur Hälfte wiedergeboren, darin
der Geistessame bald gedeien würde zur Frucht in der neuen Erde, die da ist
gelegt in den großen Gärten des neuen Jerusalems. Und die Erziehung wäre euch
zur großen Freude geworden im Angesichte eures heiligen Vaters. [HiG.01_40.06.08,03] Da ihr nun aber eure Ehe geschlossen
habt in der Finsternis der Welt, zu verrichten die Werke des Todes und zu
zeugen Früchte der Hölle, das da sind eure lieben, verzärtelten Kinder – so
ist es auch schwer, der Brut der Schlangen das Gift zu nehmen. Und es kann
dies nicht anders geschehen, als durch die gänzliche Abtötung des Fleisches
und volle Gefangennehmung des Willens, weil der Eigenwille solcher Kinder ein
rein höllischer oder satanischer ist, da auch nicht ein Funke ist, der da
wäre ein himmlischer. [HiG.01_40.06.08,04] So ihr aber meint, Ich sage hier
zuviel, da entgegne Ich: Prüfet eure Brut, und ihr werdet nichts finden als:
Eigenliebe, Neid, Zorn, Trägheit, Unlust gegen alles Ernste und einen
heimlichen, entschiedenen Widerwillen gegen alles Göttliche, weshalb sie nur
durch Strafen oder (welt-)sinnliche Belohnungen können bewegt werden, irgend
einige magere Sätze aus den harten Katechismen zu erlernen. [HiG.01_40.06.08,05] Und nun denn, so ihr solches bei euren
Kindern gefunden habt, dann saget und bekennet offen, daß Ich euch das nun
nur aus Meiner übergroßen Liebe des Heils eurer Kinder und eurer selbst wegen
sage, daß eure Kinder wahre Kinder der Hölle sind! [HiG.01_40.06.08,06] Wollet ihr nun aus eurer Brut neu
zeugen Kinder der Liebe, so müsset ihr blind sein gegen eine niedliche und
geschmeidige Fratze und taub gegen jeden ihrer törichten Wünsche und müsset
schon frühzeitig gefangennehmen jeden Funken ihres bösen Eigenwillens, damit
da Raum werde für Meine Liebe und für einen neuen Willen daraus. [HiG.01_40.06.08,07] Alles, was die Kinder starrsinnig
begehren, müsset ihr ihnen versagen, und wäre es auch Gutes, damit nicht der
ihre, sondern euer Wille lebendig werde durch die Ergebung und den gerechten
und heilsamen Gehorsam in ihren Herzen. [HiG.01_40.06.08,08] Strafet allezeit den Eigensinn und den
Unwillen, die Trägheit, die Unlust zum Göttlichen, vorzüglich aber eine sich
heimlich im Herzen aufhaltende Geringachtung heilsamer Ermahnungen sowie
Meines Namens und alles darauf Bezug Habenden. [HiG.01_40.06.08,09] Beim Rechttun belobet nicht und noch
weniger belohnet die Kinder! Saget ihnen freundlich ernst, daß sie ein Werk
des neuen Willens ausgeführt haben, worüber der Vater im Himmel schon eine
kleine Freude habe. Und hat ein Kind aus eigenem Antriebe in einer
pflichtfreien Zeit als Erholung des Leibes etwas getan, das da scheine, als
wäre es etwas Gutes, dann fraget es ja haarklein aus, was es dazu bewogen
habe. Und habt ihr es bis auf den Grund erfahren, ob es aus Eigenliebe, oder
aus Liebe zur Pflicht, oder aus Liebe zu euch, oder aus Liebe zu Mir
geschehen ist, so richtet danach allezeit euer Miß- oder Wohlgefallen. [HiG.01_40.06.08,10] Aber mit euren Liebkosungen seid
sparsam wie der Winter mit den warmen Tagen, damit die Fruchttriebe nicht
zerstört werden in einer folgenden Versuchung, gleich den Blüten des
Frühlings durch einen späteren Reif. Jedoch lasset häufig kalte Winde wehen,
damit die Pestluft um die jungen Herzen zur Wohlfahrt des Geistes gereinigt
werde. [HiG.01_40.06.08,11] Die Knaben lehret blindlings gehorchen
und lasset sie die Ursache des Gebotes in Meiner Liebe erkennen. Und
bestrafet deren Neugierde und zu große (zuchtlose) Spielsucht und weiset sie
strenge zur Ruhe. [HiG.01_40.06.08,12] Die Mädchen aber haltet daheim und
lasset ja nicht auch nur die allerleiseste unziemliche Begierde in ihnen wach
werden, sei es in was immer. Und willfahret ja nie auch nur im
allergeringsten irgendeinem Wunsche, bevor euch nicht klar geworden die
geheimste Quelle desselben. [HiG.01_40.06.08,13] Hütet sie sorgfältigst vor
Zusammenkünften mit fremden Kindern, die eine Welterziehung genießen, sonst
habt ihr selbst schwere Hagelwolken zusammengezogen. Und da wird nicht eine
Ähre des Weizens verschont bleiben. [HiG.01_40.06.08,14] Mit dem Alter gehe auch eure gerechte
Strenge siebenfachen Schrittes vor. [HiG.01_40.06.08,15] Höret eure Kinder lieber weinen in der
Kränkung ihrer verderblichen Eitelkeit als frohlocken in ihren allezeit
hochmütigen Weltfreuden, damit ihr gleich werdet den Engeln im Himmel, die
große Freude haben an den reuig Weinenden der Welt. [HiG.01_40.06.08,16] Ein zorniges Mädchen soll fasten
siebenmal so lange, als ihr Zorn gedauert hat, damit sie sanft werde wie eine
Taube. [HiG.01_40.06.08,17] Eure Liebe sei ihnen verborgen, wie
Ich euren Augen, damit die neue, zarte Frucht nicht ersticke in der Hitze
eines unzeitigen Feuers. Und in dem Maße wie die Frucht sich zeiget, die aus
den neuen Samen des Himmels sproßt, und fester und fester wird, und wie
sicht- und sichtbarer wird in ihren Herzen die wahre, reine Liebe zu Mir und
daraus ein werktätiger Glaube, so auch öffne sich euer Herz in verständiger
Liebe zu den geistig neugeborenen Kindern. [HiG.01_40.06.08,18] Sehet, das ist der Weg des Lebens für
eure Kinder! Und das ist der einzige, und außer diesem gibt es keinen, wie es
außer Mir keinen Gott mehr gibt. Wer ihn wandeln will, der wird Segen finden
und erkennen, daß er aus Mir ist. – Wer aber tun wird nach dem Buche der
Welt, der wird auch da seinen Lohn sicher finden bei dem Fürsten der Welt im
Pfuhle der Ewigkeit. – Amen. Ich, Gott, der Allerheiligste, und Jesus, als
Vater. – Amen. Poesie des Himmels. – 9. Juni
1840
[HiG.01_40.06.09,01] Da K. G. L. auch ein Dichter ist nach
der besten menschlichen Weise und ein wohlbereitetes Herz hat und ein Mann
ist voll guten Willens gegen Mich und Freude hat an Meiner Liebe, auch ein
großer Freund ist Meiner Weisheit und sehr fröhlich ist, so er hört Mein
neues Wort und liest Mein altes – so will Ich ihm zeigen die Poesie des
Himmels, welche ist eine Umgangssprache daselbst und lautet wie da folgt als
ein kleines Beispiel: [HiG.01_40.06.09,02] In der Himmel reinen, weiten Kreisen,
/ nach der Engel liebevollen Weisen / singen alle übersel'gen Brüder / reine,
Mir allein geweihte Lieder. [HiG.01_40.06.09,03] Erstens singen sie von Meiner Liebe, /
aus des Herzens reinstem, heil'gem Triebe; / dann erbrennen sie in höchster
Wonne, / so sie sehen Mich als Gnadensonne. [HiG.01_40.06.09,04] Und wenn deren reinste Lichtesfülle /
ganz durchleuchtet ihres Geistes Hülle, / dann durchschauen sie in schönsten
Normen / zahllos Meiner Liebe Wunderformen. [HiG.01_40.06.09,05] Wonne drängt da Wonne in die Herzen, /
reich an wohlbekannten süßen Schmerzen, / welche sind des Himmels höchste
Gaben, / da sie wonnemüde Engel laben. [HiG.01_40.06.09,06] Wenn dann überselig sie geworden, /
sammeln sie sich in verklärten Horden; / dann ertönt ein Lied aus aller
Munde, / das Ich hier euch sag zur treuen Kunde. [HiG.01_40.06.09,07] „Vater!“ singen sie ganz liebetrunken,
/ „Vater!“ singen sie in Mich versunken, / „Vater!“ ist das Wort auf jeder
Zunge, / „Vater!“ ist der Hauch aus jeder Lunge. [HiG.01_40.06.09,08] „Groß ist Deine Macht und groß die
Ehre, / zahllos Deiner Liebeschöpfung Heere, / ungemessen Deiner Wege Tiefe,
/ unbegreiflich Deiner Allmacht Griffe. [HiG.01_40.06.09,09] Wer hat je geschaut der Gottheit
Augen? / Wer kennt all der Wesen weises Taugen? / Wo ist wohl ein so
verständig Wesen, / das da könnt' die Schrift der Wunder lesen? [HiG.01_40.06.09,10] Sehet hin in nie geahnte Tiefen, / wie
sie voll von neuen Wundern triefen! / Sehet dort des Vaters Liebe walten, /
sehet Seine Weisheit Sich entfalten! [HiG.01_40.06.09,11] Seht hinab zur Hölle, seht die Toten,
/ seht dahin, die Menge guter Boten / tragen frohe Kund' in ihren Händen, /
um auch dort Verlor'ne zu vollenden!“ [HiG.01_40.06.09,12] Und wenn sie sonach betrachtet haben /
Meiner Liebe große Wundergaben, / und wie Meiner Weisheit Gnadenspenden / ja
zur Hölle selbst die Engel senden – [HiG.01_40.06.09,13] dann entbrennen sie in Lieb' von
neuem, / daß darob selbst Sonnen sich erfreuen / und dann heller leuchten in
die Welten, / was euch heit're, schöne Tage melden. [HiG.01_40.06.09,14] Dann ergießen sich durch alle Kehlen /
einer Stimme süßen Klanges Wellen, / lautend bald wie großer Wasser Rauschen,
/ bald als wenn die Winde sich durchtauschen. [HiG.01_40.06.09,15] Singend so nach dieser schönen Weise,
/ sagend Mir die kleine Stroph' zum Preise: / „Lieber Vater! Sieh' in Deiner
Gnade / auch der armen Brüder dunkle Pfade! [HiG.01_40.06.09,16] Sieh' hinab der Erde Kinder wallen, /
hör', o Vater, ihre Klagen schallen! / O befreie diese schwachen Brüder / von
der grausen, bösen, gift'gen Hyder! [HiG.01_40.06.09,17] Vater, mache auch der Schlange Kinder,
/ ja, so möglich, selbst den Erzerfinder / allen Trugs und Fürsten aller
Lügen, / sich bescheiden Deiner Allmacht fügen! [HiG.01_40.06.09,18] Und so nur Dein Wille uns beschiede, /
was da nötig, daß der heil'ge Friede / in der Welten Tiefe mög' erstehen, /
Vater, laß geschehen, was wir flehen! [HiG.01_40.06.09,19] So sind wir bereit zu dienen allen /
Brüdern auf den finst'ren Erdenballen. / O erhöre unser kindlich Flehen, /
laß die Toten gnädig auferstehen!“ [HiG.01_40.06.09,20] Seht, daß sind die reinen, frommen
Weisen, / wie ihr sollt den heil'gen Vater preisen, / schauen Seiner Allmacht
große Werke, / loben Seiner Liebe heil'ge Stärke. [HiG.01_40.06.09,21] So wird euer Treiben, Tun und Dichten
/ euch so manche große Zweifel lichten. / Wenn ihr aber tut nach eurer Weise,
/ bleibt ihr Narren, selbst als hohe Greise. [HiG.01_40.06.09,22] Und wenn alt geworden sind die Bäume /
und ganz leer des Lebens heit're Räume, / dann ist's wohl zu spät, um
auszugleichen / Krummgemachtes aus der Jugend Streichen. [HiG.01_40.06.09,23] Nachwort: Und siehe, Mein lieber Karl,
Ich habe eine große Liebe zu dir, da du suchest Meinen Namen eifrig zu
reinigen und zu verherrlichen in deinem Herzen. Aber etwas habe Ich noch
wider dich, das da ist, daß dich noch Reden menschlicher Weisheit erbauen.
Denn siehe, der Geist erbauet den Geist, die Liebe die Liebe, der Mensch den
Menschen – so auch die Welt die Welt, wie ein Flitter den andern. So du aber
nun geschaut hast in Meine Tiefen, so laß das überseichte Zeug der Welt,
daran nichts als unreife Tollkirschen hängen, die da kein nütze sind. [HiG.01_40.06.09,24] Ich sage dir, tue nur, was Ich dir
rate! Denn Ich bin schon deinem Herzen sehr nahe gekommen. Und so du glaubst
und willst, sollst auch du Mir bald ein tüchtig Rüstzeug werden und schauen
selbst nie geahnte Tiefen, die Ich in dein eigen Herz legen will. [HiG.01_40.06.09,25] Dann erst wirst du ein wahrer Dichter
werden und ein Mann nach Meinem Herzen! – Amen. – Ich, dein lieber Jesus,
Amen! Der Vater bei den Konzilien, in
den Kirchen und – im Kinderskreise. – 29. Juni 1840
[HiG.01_40.06.29,01] Wo ihr immer zwei oder drei und auch
noch mehrere in Meinem Namen und in Meiner Liebe versammelt seid, da bin Ich
auch mitten unter euch – aber nicht wie bei den Konzilien, da Ich niemals
inmitten war. Denn bei den Konzilien, da hatte man sich versammelt in der
Absicht wie der jüdische Rat vor dem Hohenpriester Kaiphas und beratete sich
unter Meiner vermeintlichen Inspiration um die Vorrechte und Heiligkeit des
Hierarchen und dessen Unfehlbarkeit und berechtete und berechnete den großen
Verlust der zeitlichen Einkünfte des Stuhles und kümmerte sich wenig um Mich
und ließ Mir mit der allergenausten Not kaum so viel Raum, als Ich einer
Milbe im Weltenraume. Mein äußerlicher Name, gleich wie der einer andern
geschichtlichen Person, und einige Bruchstücke Meines Wortes, daraus ein
heidnischer Blindglaube und eine tote Liebe, eine systematische
Götzenverehrung und ein aus ihr hervorgehender Zeremonienkult, sind das
einzige, was Mir noch gelassen wurde. [HiG.01_40.06.29,02] Dadurch wurde Ich jenen Herrschern
gleich(-gestellt), die von ihren Beamten als ein Deckmantel aller ihrer
Niederträchtigkeiten auf den Thron gestellt werden und sich noch sehr hoch
gefallen lassen müssen, daß diese, ihnen beinahe allezeit unbewußt, ihren
Herrschernamen als amtliches Kraftsigill gebrauchen, um damit ihren Dekreten
und Verordnungen eine alleroberste Rechtskraft zu verschaffen. [HiG.01_40.06.29,03] Sehet, geradeso ergeht es Mir in den
meisten Meiner Kirchen. Überall sucht man Mich den Blicken Meiner Kinder zu
entziehen und stopfet ihre Ohren mir leerem Schall, damit sie nur Meine
Vaterstimme nicht vernehmen sollen. Man hält ihnen hölzerne Christusse vor
die Augen, damit sie ja den Lebendigen nicht sehen sollen, und macht mit dem
Geläute der Glocken ihre Ohren taub für Meine Stimme und läßt nicht laut
werden in den Herzen Mein lebendiges Wort! [HiG.01_40.06.29,04] Sehet, daher trete Ich nun als euer
Alles in eure Mitte und warne euch vor dem Sauerteige der eigennützigen
Pharisäer, damit ihr allezeit das Angesicht eures heiligen Vaters schauen
möget und höret Sein lebendiges Wort: Werdet klein wie die Kindlein, damit
Mein Reich das eurige werde! Denn darinnen liegt die größte Weisheit – wie in
der Liebe die höchste Seligkeit! [HiG.01_40.06.29,05] Dir aber, Du Mein lieber „Wortemsig“,
will Ich den Trost geben, wie auch deinem Mir schon recht liebgewordenen
Weibe, daß Ich deine Kindlein in Meinem Buche aufgezeichnet habe. Sage Ihnen,
daß Ich sie zu Kindern angenommen habe, als wären sie aus Meinem Segen
hervorgegangen, und daß Ich auch ihnen ein liebevollster, heiliger Vater sein
will! [HiG.01_40.06.29,06] Und so will Ich ihnen auch am heutigen
Tage einen kleinen Wunsch beilegen, nämlich, daß sie ja fleißig ihren Willen
gefangennehmen sollen in allem, was Ich durch Meinen Knecht angeordnet und
kundgegeben habe und noch kundgeben werde – und daß sie den willigsten
Gehorsam ihren daraus unterrichteten Eltern leisten sollen! Dann werden sie
alle recht bald schon erkennen und in sich wahrzunehmen anfangen, was das
heißen soll, Mich zum Vater zu haben, der so unermeßliche Schätze und
Reichtümer zum verschenken hat an jene Kinder, die Mich lieben. [HiG.01_40.06.29,07] Ihr aber, Meine lieben, noch sehr
wenigen Freunde, seid heiter und fröhlich in eurem Herzen! Denn Ich bin bei
euch und freue Mich mit euch, so ihr Freude an Mir habt. Und diese Freude
wird euch ein heller Stern sein, so ihr die Welt verlassen werdet. Sie wird
euch treu geleiten auf der weiten Reise in Meine großen Himmel und wird euch
dort, wie auch zum Teil schon hier, führen in Meine große Stadt! – Amen. [HiG.01_40.06.29,08] Nun also – seid fröhlich! Und wer von
euch mit Mir reden will, der rede! Und Ich werde den Mund und die Zunge lösen
in der Stunde Meinem armen Knechte. Aber ferne sei von euch aller Vorwitz und
desto näher die Liebe eures Herzens! Amen. Ich, euer liebevollster Vater in
Meinem Sohne Jesus! Amen, Amen, Amen. Ehelicher Rat. – 6. Juli 1840
[HiG.01_40.07.06,01] So schreibe denn an den Bruder, der da
ist ein Oberverwalter einer sehr zerrissenen Stadt, in welcher viel Hurerei
geistlich und leiblich getrieben wird, daß Ich mit Wohlgefallen seine Bitte
vernommen habe und ihm deshalb auch eine Lehre aus Meiner Liebe gebe. [HiG.01_40.07.06,02] Doch muß er glauben, daß Ich helfen
kann, und muß sein Glaube lebendig sein in der Kraft des Willens und der
höchsten Liebe. Und dann muß er nicht sein Weib fürchten des Geldes wegen und
ihr nicht deswegen, wenn auch ungern, nachgeben (was er gewiß nicht täte, so
er ein armes Weib hätte). Denn er soll nur gedenken des reichen Jünglings im
Evangelium, und es wird ihm daraus klar werden, wie schwer es einem Reichen
ist, in Mein Reich zu kommen. Jedoch, was bei den Menschen oft gar so unmöglich
erscheint, das ist bei Mir doch gar wohl möglich. Denn sehet die Erdbahn um
die Sonne, wie Ich sie geteilt habe in Tage und Nächte, zu umschließen einen
vollen Kreis des Jahres! Und Ich sage, bis jetzt war noch keinem Rechner
möglich, die „Quadratur des Zirkels“ zu entdecken, welche doch von Mir als
Basis aller Planeten- und Sonnenkreise gelegt ist! [HiG.01_40.07.06,03] Aber die Menschen sehen den Wald vor
lauter Bäumen nicht! Daher sehen sie auch nicht den Wald in einem Samenkorne.
Und so sieht auch Mein lieber Sohn das große Übel schlecht und meint, es
liege im Kleinen. Ich rate ihm daher, nach Meiner Art den Nagel auf den Kopf
zu treffen, ohne Scheu und ohne Furcht. Denn wer aus wahrer Liebe handelt um
Meines Namens willen, dem darf niemals bangen. Und wer Mich zu verherrlichen
sucht in dem Herzen seines Bruders, seiner Schwester und um so mehr seines
Weibes, der Kinder und ihretwegen – wahrlich, sage Ich, der wird nie
zuschanden werden. [HiG.01_40.07.06,04] Das aber ist der kurze Rat: Für alles,
was Ich dir anzeigen werde, sollst du dich ernstliebend auf das Zeugnis der
Schrift berufen und deinem Weibe zeigen, durch Wort und Tat, daß du das Haupt
bist und sie nur der Leib, daß sie dir gehorchen müsse nach Meinem Willen,
wie die Sarah dem Abraham und die Maria ihrem lieben Joseph – aus welchem
Grunde Ich auch allezeit Meine Befehle dem Joseph, nie aber der Maria, die
Mich doch im Leibe getragen hat, gegeben habe, damit Meine Ordnung, aus
welcher heraus alle Dinge gemacht worden sind, auch nicht im allergeringsten
verkehrt würde. [HiG.01_40.07.06,05] Und hast du dieses getan, so zeige
dann deinem Weibe, daß das wahre eheliche Glück nur darin besteht, daß ein
Verhältnis zwischen Mann und Weib gleich wird dem zwischen Gott und dem
Menschen oder zwischen Geist und Seele oder zwischen der wahren Kirche und
einem bestehenden Staate und in dergleichen wahren Verhältnissen mehr. [HiG.01_40.07.06,06] Ferner zeige deinem Weibe, daß es mit
den in ihrem Herzen über ihre Männer sich erhebenden Weibern geradeso steht,
wie mit den Atheisten oder Gottesleugnern, denen die Nächte zu langen
Folterbänken werden, besonders wenn sie dazu auch noch die zeitlichen Güter
verlieren, was meistens von Mir aus zu geschehen pflegt, damit dann endlich,
wenn sie noch nicht gar zu weit gesunken sind, doch noch eine Rückkehr
möglich wird. [HiG.01_40.07.06,07] Der Mann lernt Mich erkennen in seiner
Liebe zu Mir, das Weib aber in der Liebe des Mannes. Wie kann aber ein Weib
sagen: Ich liebe meinen Gemahl, wenn ihr nicht jedes seiner Worte und Wünsche
heilig ist? – Daher ist bei der Ehe für den Mann das Wichtigste, sich zuvor
ganz erkennen, damit er sehe in welchem Verhältnisse das Weib zu ihm steht
und dann das Weib richte nach seines Geistes Kraft. [HiG.01_40.07.06,08] Aber wenn der Mann in seiner eigenen
Blindheit ein wahrer Willens-Schwächling ist und auch nur in einem Punkte
seinem Weibe bei einer unrechten Sache nachgibt, so hat er einen Krebs auf
seinen dummen Stamm gepfropft, und da wird bald nicht eine gesunde eheliche
Lebensfaser mehr anzutreffen sein. [HiG.01_40.07.06,09] Daher soll der Mann nicht eher
ehelichen, bevor er sich selbst ganz durchschaut hat! [HiG.01_40.07.06,10] Das Geld sei dir entbehrlich, so du
Meine Gnade hast! – Du aber sei deinem Weibe unentbehrlich, da sie Meine Gnade
noch nicht hat! Was nützt ihr Geld und Gut ohne Meine Gnade!? Und hat sie
diese durch das fromme Herz des Mannes, so wird sie ihr Geld mit verbundenen
Augen ansehen. [HiG.01_40.07.06,11] O Mein lieber Sohn, siehe, Ich kenne
dein Weib viel besser, als du sie je kennen wirst. Daher glaube Mir, dein
Weib hat einen dreifachen Hochmut: Sie ist stolz auf ihr Geld; sie ist stolz,
dein Weib zu sein, deines Amtes wegen, worin ihre Neigung zu dir besteht;
denn wärest du nur zu einem Abschreiber befähigt gewesen, so wäre sie nie
dein Weib geworden! Da sie sich aber nun sehr reich wähnt und noch dazu so
ziemlich keusch ist, so ist sie auch stolz gegen dich, welches du jedoch
nicht so sehr merkst, und das zwar aus einer gewissen Gewohnheit. Aber
berühre sie nur einmal an der kitzlichschwachen Seite, so werden dir Meine
Worte alsogleich klar werden. [HiG.01_40.07.06,12] Daher zeige ihr fürs erste, daß du das
Haupt bist und Ich der Herr bin! – Fürs zweite zeige ihr, daß ihr Geld dir
außerordentlich entbehrlich ist und daß sie dir noch obendrauf, wie auch Mir
durch dich, für die taxenfreie Verwaltung ihres Vermögens den größten Dank
schuldet, welcher in der wahren Liebe und in der daraus erwachsenden
demütigen Erkenntnis deiner männlichen Rechte zu bestehen hat. Und fürs
dritte zeige ihr das Evangelium vom reichen Prasser und das vom reichen
Jünglinge; fordere zuerst von ihr die Erklärung in der ernst-freundlichen
Art, und dann aber erkläre es du ihr, wobei Ich dir schon helfen werde. [HiG.01_40.07.06,13] Dann lasse sie auch Mein neues Wort
sehen und zeige ihr, worin der ewige Tod und worin das ewige Leben besteht,
was die Wiedergeburt ist, worin sie bestehet und wie sie zur Erreichung des
ewigen Lebens unumgänglich nötig ist und wie ohne dieselbe mit dem zeitlichen
Tode auch der geistige unerläßlich verbunden ist. [HiG.01_40.07.06,14] Alles dieses tue alsogleich, so wird
mit Meiner starken Mithilfe schon noch alles gehen. Und binnen Jahr und Tag
hast du ein anderes Weib aus ihr gemacht. Noch schneller wird es gehen, so du
sie mit deinem Fleische unberührt lässest und dafür betest in deines Herzens
Kämmerlein. [HiG.01_40.07.06,15] Nach einer Zeit kannst du sie auch mit
Meinem Knechte J. L. bekannt machen. Denn der hat einen starken Donner in
seiner Brust verschlossen! [HiG.01_40.07.06,16] Nun handle, und Meine Gnade wird nicht
unterm Wege bleiben! – Amen! – Ich, Jesus, der beste Ratgeber. Amen, Amen,
Amen! Falsche und rechte Wohltätigkeit.
– 7. Juli 1840
[HiG.01_40.07.07,01] Jeder arme Hilfsbedürftige ist ein
nächster Bruder zu Mir, wie der Geizend-Reiche zum Satan. [HiG.01_40.07.07,02] So Ich euch Reichen, Wohlhabenden und
Vermöglichen Meine armen Brüder vor eure Türe sende, so denket, daß Ich Meine
Liebe von euch noch nicht zurückgezogen habe. [HiG.01_40.07.07,03] Aber habt ihr es einmal dahin gebracht
– Ich rede hier im allgemeinen –, daß die Armen sich nicht mehr vor eure
Wohnung zu kommen getrauen, dann wisset, daß Meine Liebe sich bei euch auch
für alle Zeiten beurlaubt hat. Ein solcher Reicher steht dann weltlich, zum verführerischen
Scheine, unter der Protektion der Hölle. Aber in allem seinem vermeintlichen
Glücke ist auch nicht ein Fünkchen Meiner Liebe und noch viel weniger Meiner
Gnade vorhanden. [HiG.01_40.07.07,04] Der nämliche Fall ist auch bei jenen
Welt- und Geld-Reichen, die des Ansehens und einer gewissen Pflicht wegen
entweder viel oder wenig als Almosen geben. – Und ein Greuel sind jene
sogenannten „milden“, Ich möchte sagen und sage: „Huren-“ Beiträge, welche
aus gewissen, Mir über alles verhaßten Tanz-, Spiel- und vielen andern
Belustigungsgelegenheiten sparsam herrühren, bloß nur des Namens wegen, um
der öffentlichen Buhlerei einen desto freieren Spielraum zu gönnen! O der
ewigen Schande, Mir in den Kapellen des Satans einen Opferaltar zu errichten! [HiG.01_40.07.07,05] Daher sollet ihr, Meine Lieben, nicht
handeln, wie die Kinder der Hölle tun, sondern eure Gabe sei von niemandem
gesehen als von Mir, von den Armen und von euch. Und jeder gebe reichlich
nach dem Verhältnisse seines Vermögens! [HiG.01_40.07.07,06] Denn wahrlich, wahrlich sage Ich euch:
Ihr werdet um einen Pfennig eine Erde und um einen Trunk lebendigen Wassers
eine Sonne bekommen und werdet daselbst Fürsten sein! – So ihr es aber tun
werdet aus reiner Liebe zu Mir, da, Freunde, sage Ich euch nichts als das:
Fürs erste wird keiner den Tod je sehen, noch fühlen schon in seinem
Leibesleben; denn sein süßes Sterben wird ein gar großes Erwachen sein in den
Armen seines heiligsten Vaters. Und was, fürs zweite, dann heißen wird: „ein
Freund Gottes zu sein ewig“ – das, Freunde – o bedenket, Wer euch Seine
Freunde nennt! – das könnet ihr nicht fassen! [HiG.01_40.07.07,07] Nun aber wird euch Mein Knecht einen
armen Mann zeigen – er ist doppelt arm, am Leib und am Geiste, helfet ihm
zuerst leiblich, dann aber auch geistig! – Wer der erste sein wird, der wird
viel Freude haben. Tuet und fraget nicht: „Wem?“ – sondern dem, der euch
vorgeführt wird, helfet! Er ist euer Bruder, und ums weitere sollet ihr euch
nicht kümmern, wollet ihr wahre Kinder sein eures Vaters im Himmel, der Seine
Sonne über Gute und Böse scheinen läßt und zu essen gibt sogar den reißenden
Tieren. – Amen! Ich, Jehova, euer Vater! Amen, Amen, Amen. Von Bällen und
Vergnügungsstätten. – 17. Juli 1840
[HiG.01_40.07.17.a,01] Das sage Ich dir, als Meinem faulen
Knechte, um dir die Ursache der Anwiderung anzuzeigen, welche dich befällt,
so du vom Tanze, der „Redoute“ der „Réunion“, dem „Balle“, „Casino“, und so
auch jetzt ganz besonders von der schlechten Fundation der sogenannten
bürgerlichen „Ressource“ irgend etwas vernimmst. [HiG.01_40.07.17.a,02] Die Anwiderung ist sehr gerecht, da
sie vom Geiste herrührt. Denn es ist eine Tanzunterhaltung, eine „Réunion“
und ein „Ball“ ein offenes Grab voller Unrat. Das „Casino“ ist ein
Aas(-haufen) von großen toten Amphibien. Und eine solche „Ressource“ ist ein
Abgrund, da in der untersten Tiefe der Satan ein blumengeziertes Faß
aufgestellt hat, damit man den hie und da doch mancher geistig empfindlichen
Nase sich bemerklich machenden groben, verführenden Gestank seines Unrates
nicht merken solle. [HiG.01_40.07.17.a,03] Wenn der Weisheit schon weniges
genügt, so habe Ich dir mit diesen kurzen Worten alles gesagt. Aber es sollen
auch deine Freunde sich davon ein Notabene nehmen. Und so ist es noch nötig,
ihrer beschränkteren Einsicht wegen, noch ein paar Worte hinzuzufügen. [HiG.01_40.07.17.a,04] Der Satan nämlich hat mit Leidwesen
und vielem Ärger gesehen, daß in dieser Stadt mehrere bessere Familien sich
seinen belustigenden Verführungen, des Gestankes wegen, nicht haben fügen
wollen. Darum hat er nun ein Mittel erfunden, nämlich in einem unendlich
tiefen Abgrunde, da hat er zuunterst ein großes, wohlverschlossenes Faß
aufgestellt; den Abgrund der Hölle aber hat er wohlverdeckt mit schönen, sehr
glatten Brettern und den Abtritt geziert mit sehr wohlriechenden Blumen der
Welt – damit ja niemand etwas Arges auch nur ahnen solle! [HiG.01_40.07.17.a,05] „Denn“, sagte er sich selbst, „hier
will ich mir eine gute Mahlzeit bereiten und will vom zarten Fleische der Kinder
zu leben anfangen und nicht immer das zähe Fleisch der ausgemergelten Huren
fressen; die sollen in der Zukunft meine (Höllen-)Engel verkauen und
verdauen. Ich werde mich hinter den wohlriechenden, anlockend schönen
Blümchen verborgen halten, da mich niemand bemerken soll. Und so dann die
blumensüchtigen Kindlein hinströmen, werde ich sie ergreifen, verschlingen,
verdauen und sie als feinen Unrat hinunterlassen ins Faß im Abgrunde. Da
sollen dann die Eltern sehen, wie sie dieselben von da wieder herausbekommen,
so wahr ich, Satan, der Mächtigste bin! Einen Fixstern vom hohen Himmel zu
reißen, soll ihnen leichter sein, als da heraus auch nur ein Haar eines
Kindes, sei's eines Fräuleins oder auch Jünglings, zu retten!“ [HiG.01_40.07.17.a,06] Da habt ihr geoffenbart des Satans
eigenes Wort und eigenen Plan! – Was meinet ihr, wie Mir eine solche Anstalt
gefalle?! [HiG.01_40.07.17.a,07] Ich habe euch jetzt väterlich und
göttlich fürsorgend die große Gefahr in aller Meiner unbestechbaren Wahrheit
gezeigt. In der ganzen Tiefe seiner Bosheit steht der Satan entblößt vor
euch, Meinen wenigen Kindern. Daher beherziget wohl Meine Liebe und diese aus
ihr fließende große Gnade eures heiligen Vaters und seid auf der Hut! Denn
wer den Feind sieht, der kann ihn fliehen. Wehe aber den Blinden und Tauben
und denen, die sich nicht kehren werden nach Meinem Rate! Ich will eher in
allen Höllen Meine Engel senden, zu bekehren die Verirrten und erleuchten die
Finsternisse alldort, als daß Ich ein solches Faß auch nur mit einem erbarmenden
Blicke ansehen würde! – Amen. – Wohlgemerkt, das sage Ich, Gott von Ewigkeit.
Amen. Wichtiger Erziehungsrat. – 17.
Juli 1840
[HiG.01_40.07.17.b] Auf Anfrage des A. H., ob er einem
jungen Manne, der sich bei ihm gemeldet, die Erziehung seiner Kinder
anvertrauen könne. [HiG.01_40.07.17.b,01] Sage dem A. H.: Ich habe sein Herz
geprüft und habe in demselben einen redlichen Sinn gefunden! Ich will ihm
einen Rat geben; den soll er wohl beherzigen und danach handeln! [HiG.01_40.07.17.b,02] Niemand kann etwas geben, das er
nicht hat! Zum Erziehen aber gehört nicht nur ein gutes, williges Herz,
sondern ein wohlunterrichtetes, von Mir gezogenes Gemüt. Denn wer sich noch
nie von Mir hat ziehen lassen und nicht weiß, wo und wer Ich bin und wie Ich
wirke – wohin soll dann ein solcher die Kindlein ziehen?! [HiG.01_40.07.17.b,03] Daher behandle diesen jungen
Menschen als einen doppelt Armen! – Du kannst deine Kinder von ihm
unterrichten lassen im Lesen, Schreiben und Rechnen und noch in anderen
blinden Wissenschaften. – Aber was Mich betrifft, da kann es nicht sein. Da
sollst du, soviel die äußere Kirche anlangt, die Kinder lehren lassen von
einem gescheiten Kaplane; jedoch das Herz sollst du allein treu bearbeiten
nach Meiner dir gegebenen Lehre. [HiG.01_40.07.17.b,04] Was aber den jungen Menschen
insbesondere betrifft, so steht er gleich jedem in Meiner Liebe und kann,
wenn er will, leicht wie irgendein anderer, Meine Gnade finden und das Leben
aus ihr. [HiG.01_40.07.17.b,05] Führe ihn daher zu Meinem Knechte, damit
ihm dieser den Weg zeige. Und so er ihn wandeln will, wird es ihm zum größten
Nutzen sein, zeitlich und ewig. [HiG.01_40.07.17.b,06] Doch soll er nicht im
allergeringsten gezwungen werden, sei es durch was immer; sondern soll selbst
den Rat Meines Knechtes als das höchste Mittel betrachten lernen, damit Ich
ihm zum Bedürfnisse werde, und wäre er auch mit allem versorgt. [HiG.01_40.07.17.b,07] Du aber siehe ihn allezeit
verständig ernst an. Und so du etwas wider ihn hättest, müßtest du es ihm
allezeit nur unter vier Augen sagen. [HiG.01_40.07.17.b,08] Er hat sich zu richten nach dem Rate
Meines Knechtes und dir allein zu gehorchen. Und in diesem Gehorsam in ihm
sollen auch die Kinder strenge gehorchen in allem sie Betreffenden, von dir
für sie Verordneten. Jedoch überall leuchte Mein Wille hervor! [HiG.01_40.07.17.b,09] So du Mir gehorchest, wird dieser
Gehorsam sichtbar werden an dem Menschen und so auch an den Kindern. Und ihr
könnet dann bald als eine kleine Herde unter Mir, dem alleinig guten Hirten, stehen.
– Amen. Ich, der alleinige gute Hirte! – Amen. Weltsinn und Herzenslicht,
Nachtrag zum „Engel“. – 17. Juli 1840
[HiG.01_40.07.17.c,01] Hinsichtlich Meines Engels(-liedes)
sage dem aufrichtigen K. G. L., er kann es ja aus Liebe zu Mir mit seiner extra
feinen Welt-Sprachbildung versuchen, Mein großes Lied umzuarbeiten nach
seiner Einsicht und nach seinem Urteile. Und hätte er es nachdem so zum
Stande weltlichen Glänzens gebracht, dann möge er es sich vorlesen und auch
euch allen, damit ihr den Unterschied merket und merken sollet. [HiG.01_40.07.17.c,02] Ich sage, es wird wohl eurem Kopfe
behagen, aber eure Herzen werden kälter werden, je mehr ihr abweichen werdet
von der Urschrift. – Denn sehet, die Sachen verhalten sich so: Wenn man
spricht zum Ohre, dann ist eine gebildete Sprache nach weltlicher Art ja
recht, da das Ohr weltlich ist. So ihr redet zum Auge, so müsset ihr in
gutbeleuchteten Bildern reden nach weltlicher Art, da das Auge weltlich ist.
Ferner, so ihr redet zu den Füßen, muß eure Rede geläufig sein, um zu heben
die weltlichen Füße. Redet ihr zum Gaumen oder Magen, da muß eure Rede süß
sein, wenn sie euch behagen solle. Und wenn ihr zum seichten,
(Lebens-)wasserlosen Herzen eines Mädchens redet, dann muß auch eure Rede
sein gleich ihrem Herzen, äußerlich voll Blümchen, innerlich aber voll
Unsinns, welche Art euch natürlich nicht viel Mühe kosten wird, denn da heißt
es – je dümmer und unsinniger, desto schöner und beliebter! [HiG.01_40.07.17.c,03] Allein unter allen diesen
Bedingungen habe Ich euch dieses Mein Gedicht nicht gegeben, sondern nur
unter der alleinigen Bedingung der Liebe eures Geistes in der Seele und in
deren Leibe, aber nicht in deren Exkrementen. [HiG.01_40.07.17.c,04] Daher sollet ihr es auch dort
erfassen, für wo es euch gegeben ist, und mit eurem Weltverstande ferne sein,
der ein wahrer Krebs ist dem Geiste, da er verzehret die Liebe und tötet den
Willen. Wie aber das Mark genährt wird aus dem Herzen, so soll auch euer
Verstand wachsen aus der Liebe und sein eine gute Frucht aus dem Leben des
Stammes – nicht aber gleich einer Schmarotzerpflanze an den Ästen des Lebens,
dasselbe zu untergraben, zu ersticken und endlich gar zu vernichten. [HiG.01_40.07.17.c,05] Das merket euch, ihr Wißbegierigen!
Was liegt Mir an aller Wissenschaft und Bildung der Welt! Fraget euch, ob ihr
auch nur einen Grashalm damit zuwege bringen möget!? Ja, es liegt sogar an
der Weisheit nichts, sondern allein an der Liebe! [HiG.01_40.07.17.c,06] Daher liebet Mich – das ist Mein
Reich! Alles andere wird euch gegeben nach Maßgabe eurer Liebe! – Amen. [HiG.01_40.07.17.c,07] Ich, die Ewige Liebe und Weisheit!
Amen, Amen, Amen. Vom geistigen Schauen und
Vernehmen. – 24. Juli 1840
[HiG.01_40.07.24,01] Seht, es steht noch so manches
Geheimnis hinter Meinem Rücken und so manches Wort in Meiner heiligen Brust
voll Lebens und voll Kraft, voll Liebe, voll Erbarmung und voll Gnade, wovon
ihr noch keine Ahnung je gehabt habt, und weshalb ihr sagen würdet: „Was ich
nicht weiß, macht mir nicht heiß!“ – O ja, das ist wohl ganz richtig und
solch eine Bemerkung wäre bei weltlichen Wißtümlichkeiten wohl recht gut
anzuwenden – aber nicht bezüglich Meiner großen Gnade, in der Unendliches für
alle Ewigkeiten der Ewigkeiten zu eurem stets sich mehrenden und wachsenden
Wohle in der tiefsten Verborgenheit vorhanden ist. [HiG.01_40.07.24,02] O Freunde, glaubet Mir, daß Ich es
bin, der euch dieses alles sagt! Und glaubet – so auch eine Ewigkeit um die
andere verrinnet – daß ihr noch werdet sagen müssen: „Gibt es denn keine so
geringe Zahl, auch in der gebrochensten Potenz, nach welcher wir unsere
Erkenntnisse zu Gott in irgendein mögliches Verhältnis zu bringen imstande
wären?“ – Und da wird eine Stimme aus eurer Brust euch antworten, und diese
Stimme wird kommen von Meinem Herzen und wird sagen: „Es gibt keine solche
Zahl! – Immer und ewig seid ihr nichts in all eurer Weisheit! Ich aber bin
alles in allem! Und ihr könnt alles sein in und durch Mich – in und durch
euch selbst aber ewig nichts!“ [HiG.01_40.07.24,03] Sehet, daher habe Ich euch noch gar
vieles zu sagen, was Ich Selbst den Aposteln zu sagen vorenthalten habe, da
sie es nicht ertragen hätten, indem sie nur notzeitige Früchte waren,
reifgemacht durch Meine nötigende, sichtbare Gegenwart. Allein da ihr ohne
Meine Sichtbarkeit liebet und glaubet, seid ihr auch fähig, Größeres zu
ertragen. Und so sollt ihr nun wieder erfahren, was euren Geist
unaussprechlich stutzen und staunen machen wird. – Daher merket wohl, was Ich
euch hier in der Kürze mitteilen werde, und fasset es tief in eurem Herzen! [HiG.01_40.07.24,04] Sehet, alles, was ihr euch nur immer
gedacht und geträumt habt, jetzt denket und träumet und noch in alle Zukunft
denken und träumen werdet, geht ewig nicht verloren. So, wie es in euch
vorging – geradeso werdet ihr es einst getreu wesenhaft wiederfinden und es
alsogleich als das Eurige erkennen und euch daran erfreuen oder betrüben. Das
ist zu berühren nötig gewesen, um das Künftige eurem Verständnisse
näherzuführen. Denn wer da nicht weiß und sieht, daß in ihm die ganze Schöpfung
kreiset, lebt und webt, der kann auch nicht den Grund seiner Triebe,
Begierden und Gedanken fassen. [HiG.01_40.07.24,05] Seht in eurem Geiste liegt die ganze
Unendlichkeit wesenhaft begraben, und dazu noch jedes einzelne
Unendlichfältig. Daher kommt es auch, daß ihr euch z.B. eine zahllose Menge
Erden, Sonnen, Bäume, Tiere, Menschen usw. nebeneinander denken könnet, d.h.
ihr könnet in euch eine und dieselbe Erscheinung, Erde, Sonne, Baum, Tier,
Mensch usw., ins Unendliche vervielfachen. Denn wäre es nicht so, so würdet
ihr mit eurem Denken bald zu Ende sein. – Und dieses geht auf folgende Weise
vor sich – um es euch recht verständlich klarzumachen: [HiG.01_40.07.24,06] Nämlich so ihr zwei sehr lichte
Spiegel gegeneinander stellen würdet, so würde sich einer in dem andern
vollkommen abbilden. Dieses Abbild spiegelte sich dann wieder in dem ersten
ab, und diese Abspiegelung dann wieder im Abbilde des zweiten – und so immer
gegenseitig A. in B. und B. in A., und natürlich so immerfort. Geradeso ist
es mit euch! Eure Seele ist für die Außenwelt ein solcher Spiegel und euer
Geist (ist es) für die innere Geisterwelt. Daher kommt es denn auch, daß
alles und jedes einzelne in euch unendlichfach vorhanden ist, und daher auch
bei dem Geiste die schnelle Gegenwart dessen, was er gedacht und gewollt hat. [HiG.01_40.07.24,07] Ihr wißt nun aber, je feiner poliert
irgendein Spiegel ist, desto reiner wird auch das Abbild. So ihr nun eure
Seele durch die Demut recht poliere, damit sie zu einer völlig geebneten
Fläche wird, indem ihr jegliche Erhöhung benommen ward, so werdet ihr bald
Wunderdinge in euch zu schauen beginnen, nämlich: durch die Seele die
Außenformen, und durch den Geist aus Mir aber, welcher eine Seele des Geistes
ist, den vollen Inhalt jeden Gegenstandes. [HiG.01_40.07.24,08] Und Ich setze denn ein Beispiel: Ihr
dächtet einen Stein oder einen Baum, ein Tier oder was immer, so werdet ihr
dessen Außengestalt zuerst ersehen. Dann aber wird sich das Licht des Geistes
in die Seele ergießen und wird dieses Bild durch und durch erhellen. Und so
werdet ihr dann ein solches Ding durch und durch zu erschauen imstande sein.
Wenn dann nun der Seelenspiegel durch das Licht des Geistes gar fein glänzend
wird, so werden sich die Innenformen in der Seele abzuspiegeln beginnen und
dadurch auch eurem Verstande sichtbar werden, als sehet ihr sie mit den
Leibesaugen. Und so ihr dann reden wolltet mit einem solchen Dinge, dann wird
Mein Geist in euch, von dem aus alles, vom Größten bis zum Kleinsten, nichts
als fixierte oder gefestete Gedanken sind, in das gedachte Ding treten und
aus demselben reden vom Urgrunde aus. [HiG.01_40.07.24,09] Seht, da liegt nun enthüllt vor euren
Augen, Ohren und Herzen, wie einst Adam und Abel und viele andere mit aller
Schöpfung haben reden können und auf welche Weise auch ihr euch in die
Verbindung mit der Geisterwelt setzen könntet, so ihr fest wollet. [HiG.01_40.07.24,10] Deshalb solltet ihr aber auch zuvor
eure Seele recht „polieren“, damit ihr alles dessen fähig würdet! Denn es
gibt noch gar vieles, was von Mir Zeugnis gibt. Aber ihr seid noch zu töricht
und unsinnig, um in der Schöpfung Meinen Namen zu merken. Daher schleifet,
glättet und polieret fleißig an eurer Seele, so werdet ihr die Welt bald mit ganz
anderen Augen anschauen und zu keinem Ende Meiner Wunder gelangen ewig! [HiG.01_40.07.24,11] Ein guter Schreiber aber gehe
nächstens mit Meinem Knechte bei guter Zeit und Gelegenheit an einen Felsen
oder sonst einen Naturgegenstand, und Ich werde denselben reden machen in
Meinem Knechte. Und das Kundgemachte soll der Schreiber aufzeichnen und ins
Reine bringen als ein gutes Zeugnis dieses Meines Wortes! [HiG.01_40.07.24,12] Denn sehet, es liegt nichts daran, wie
ein Ding sei im Raum und in der Zeit; aber es liegt alles daran, wie euer
Leben ist außer beidem. Mit den Augen des Fleisches nehmet ihr wahr Dinge
außer euch; mit den Augen der Seele in euch, und mit den Augen des Geistes
schauet ihr aus dem Zentrum der Dinge und so auch eures Wesens. Aber erst
durch den Hinzutritt Meines Geistes werden alle Dinge sprachfähig und
lebendig durch und durch. [HiG.01_40.07.24,13] Seht, Ich, euer heiliger Vater, zeige
euch vieles! Darum seid emsig in der Liebe, damit Meine Gnade nicht unterm
Wege bleibe! – Amen. Ein Wort über die Fürbitte. – 28.
Juli 1840
[HiG.01_40.07.28] O Herr, ich danke Dir demütigst wegen
Spanien! Darf ich noch ferner für dasselbe beten? Und tat ich recht, für
dasselbe gebetet zu haben? [HiG.01_40.07.28,01] Siehe – sagst du nicht: So die Kunst
in niederer Gewinnsucht nach Brot ringt, ist sie wenig nütze; und wird der
Kunst nicht Brot gereicht, hat sie sich erst gefunden in ihrer Wahrheit!? [HiG.01_40.07.28,02] Wie meinst du aber, daß mein Dienst
sei, wenn die Knechte ringen nach weltlichen Dingen – nach Brot, Gold und
Macht der Erde!? [HiG.01_40.07.28,03] Siehe, es gibt kein Land gleich
diesem, das du nanntest, welches mehr der schändlichen Hurerei getrieben
hätte, leiblich und geistlich, und mehr als dieses verbrannt und gemordet
hätte Meine unschuldigen Kindlein zu allen Zeiten. Könntest du sehen und
zählen wie ich, wie viele unschuldige Mägdlein von den überfalschen Horden
der Mönche geschändet und dann lebendig begraben und eingemauert wurden, wie
viel Knaben der sodomitischen Unzucht geopfert wurden; zu wie vielen tausend
und tausendartigen unerhörten Schändlichkeiten, Betrügereien und Greueln man
vorzüglich geistlicherseits seine niederträchtige Zuflucht nahm, um auch nur
einen geringen zeitlichen Zweck zu erreichen; wie man da öffentlich fluchte
über Mein geschriebenes Wort, weil es nicht passen wollte als Unterlage aller
erdenklichen Greueltaten – dann würdest du wohl sehr klar gesehen haben,
wonach daselbst Mein sein-sollender Dienst gestrebt und gerungen hat! [HiG.01_40.07.28,04] Und so jeder Arbeiter seines Lohnes
wert und würdig ist, so habe Ich auch diesen Arbeitern den lange schon sehr
wohl verdienten Lohn gegeben, als abschreckendes Beispiel wegen des
Hierarchen schon zeitlich – und behielt Mir das Ewige für jenseits vor! [HiG.01_40.07.28,05] Daß du aber gebetet hast dann und
wann, war ja recht. Tue desgleichen nur und anhaltender! Denn der Nutzen wird
auf deiner Seite sein, wenn du dich übest in Meiner großen Liebe. Aber denke
dabei stets, daß Meine Gerichte allezeit gerecht sind und nur diejenigen
treffen, welche sich derselben schon lange wohl verdient gemacht hatten. [HiG.01_40.07.28,06] Wäre Huß nach Meinem Rate klug statt
eigensinnig gewesen, gleich dem Nicolaus Kopernikus, der da war ein kluger
Rechner in Meiner Schöpfung – so wäre er nicht im Feuer zugrunde gegangen.
Denn Ich sage dir: Ihr sollet allezeit den Satan betrügen mit der Klugheit
eurer Sanftmut. – Amen. Ich, der gerechte Richter, Amen. Ein Quellen-Evangelium. –
Bekundungen am Ursprunge der Andritz, nördlich von Graz, in der Nähe von St.
Veit. – 30. Juli 1840
Lorber spricht aus, was ihm die Quelle, d.h. der Herr
namens der Quelle, sagt. – Schreibende: K. G. L.; Andr. H.; Ans. H. – [HiG.01_40.07.30,01] Bevor ich (die Quelle) euch meine
Wesenheit zeige, ist es vor allem notwendig zu wissen, woher und wie ich zur
Entstehung komme. [HiG.01_40.07.30,02] Mehr denn 4000 Klafter tief in einer
schiefen Richtung gegen Morgen ist eine weite, große Öffnung, welche bei der
Bildung der Berge durch das göttliche Feuer entstanden ist. Daselbst in
dieser Öffnung sammeln sich alle Wasser, die von den Bergen aus der feuchten
Luft angesogen werden. Und da diese große, weite Öffnung auf diese Weise fast
beständig voll erhalten wird und die Last der über dieser Öffnung erhöhten
Gebirgsmassen wie auch die in dieser Tiefe schon sehr verdichtete Luft auf
die Gewässer drückt, so wird nicht nur auf dieser Stelle, die ihr soeben
sehet, sondern auch noch auf vielen andern Stellen dieses unterirdische
Wasser sowohl durch kleine als auch durch größere Öffnungen und durch hohle
Gänge der Berge ans Tageslicht heraufbefördert. Denn seht, daß ich auf diese
Weise zur Oberfläche der Erde, auf der ihr euch befindet, herauf- und nicht
in die Tiefe hinabbefördert werde, wie mancher meinen würde, geschieht aus
dem Grunde, weil die Unterlage dieser meiner unterirdischen Wohnstätte, was
ihr das Bett nennet, ein festes und sehr gediegenes Gestein ist, in welchem
ich wie in einem Kessel ruhe. [HiG.01_40.07.30,03] Doch gibt es in diesem Kessel drei
mannarmsdicke Adern, welche in nordöstlicher Richtung mehr denn drei Meilen
tief unter dem Berge, den ihr „Schöckel“ nennt, hinziehen, allda noch ein
weit größerer Kessel und Wasserbehälter vorhanden ist, welcher ebenfalls
durch die Entstehung des benannten Berges mittelst des göttlichen
Kraftfeuers, das da ist die Liebe des Vaters, entstanden ist! [HiG.01_40.07.30,04] Ursprünglich hauste in diesen
Öffnungen noch viele Jahrhunderte daselbst das Feuer und brannte im Innern
unablässig fort. Und als das Wasser durch die Klüfte während des Feuerwallens
hineindrang in Massen, wurde ich schon unterm Wege durch die heißen Klüfte
beinahe verdunstet und verzehrt. Und meine ruhige Kraft ward rege gemacht
durch das Feuer und mußte die unterirdischen Massen an das Tageslicht fördern
helfen. Jedoch als nach und nach diese Klüfte durch das Losreißen von Teilen
größer und größer wurden, und ich dadurch ebenfalls in stets größeren und
größeren Massen dahin dringen und fallen konnte, um zu sänften den großen
Übermut des Feuers, welches, obschon aus der Liebe des Vaters stammend, doch
aber als Feuer einen bedeutenden Zornteil der Gottheit in sich faßte – da
erlosch nach und nach dasselbe in den untern Teilen des Kessels und brannte
nur noch dann und wann in den höheren Regionen der aufgeworfenen Massen, noch
zwei Jahrhunderte hindurch. [HiG.01_40.07.30,05] Endlich aber, als nach dem Willen des
Schöpfers die Berge ihre gerechte Form, Höhe, Breite und Last erhalten
hatten, da sandte die Ewige Liebe einen guten kleinen Engelsgeist und ließ
das Feuer gänzlich ersticken. [HiG.01_40.07.30,06] Es glaube da ja keiner, daß ein
solcher bergebeherrschender Geist eine Fabel sei! Denn da der liebevollen
Macht des Ewigen unendliche, zahllose Heere von Geistern liebewillig untertan
sind und die größte Freude und Seligkeit darin finden, so ihnen die Liebe des
Herrn nur irgendwo etwas zu tun gibt, so gewährt denn die Liebe des Herrn
auch gerne, was diese Geister liebend begehren. [HiG.01_40.07.30,07] Seht, wie ihr mich da vor euren Augen
seht, dringe ich nur durch kleine Äderchen bei hundert Klafter weit herauf zu
dieser sichtbaren Stelle. Und seht, wäre nicht auch meinem Zuge ein
wohlwollender Geist zugeteilt und reinigte er nicht meine Wege, so würden
diese, schon lange durch meine stumpfe Ungeschicklichkeit verstopft oder
sonst zugrunde gerichtet worden sein. Aber eben dieser mir zugeteilte, meine
Wege bewachende Geist erhält diese meine kleinen Wege beinahe über ein
Jahrtausend in derselben schönen, ruhigen und sanften Ordnung und läßt mich,
des sprechenden Beispiels wegen, nicht trübe werden – damit Menschen, die
mich meiner Reinheit und stillen Zurückgezogenheit wegen gerne besuchen und
ihr Auge ergötzen an meiner heiteren Frische und Klarheit, sich erinnern und
wohl bedenken sollen (wenn sie irgend auch nur eines reinen, Gottes würdigen
Sinnes sind), daß Reinheit und klare Anschauung bis in den Grund des eigenen
sowohl als auch eines andern Wesens einzig und allein nur durch ein ruhiges
und bescheidenes Auftreten in der stillen, in sich gezogenen Einsamkeit von
Gott bewirkt werden kann. [HiG.01_40.07.30,08] Einst wohnten in dieser Umgegend
mehrere fromme Menschen, deren Sinn Gott und deren Tun nichts als Liebe war.
Diese Menschen kamen fast täglich mit frommen und einfältigen Herzen an diese
Stelle, da ihr soeben euch befindet. Und wenn sie nun daselbst eine Gott
wohlgefällige Betrachtung, Andacht und Aufopferung ihres Tagewerks dem Herrn
vollbracht hatten, da kam allezeit von der Stelle dort zur linken Hand des
Monuments (welches erst vor gar kurzer Zeit unwürdig daher gesetzt wurde),
dieser selbe gute Geist hervor und lehrte die fromme Schar Gottesliebe und
Weisheit, Gehorsam und Demut und in diesen auch Gottes große Liebe und daher
auch allerlei wundervolle Geheimnisse der Natur kennen. [HiG.01_40.07.30,09] Und da unterhielten sich dann diese
Menschen mit diesem Geiste stundenlange. Und er verließ sie nur, sobald ihn
eine notwendige Handlung abrief. Da hättet ihr sollen zugegen sein und
schauen meinen Spiegel, so hättet ihr gesehen, daß vor Gott alles Freude gibt
und für Freude empfänglich ist. Ich sage euch nur soviel – aber es soll euch
nicht lächerlich vorkommen – ich hüpfte wie eine muntere Tänzerin in meinem
kleinen Becken, und die Steine lachten mir klatschend ihren sinnvollen
Beifall herab. [HiG.01_40.07.30,10] Aber die jetzt lebenden Menschen,
welche noch weit materieller geworden sind als diese mich umgebenden,
verwitterten Steine, dürften wohl nimmer ein solches naturgeistig-heiteres
Schauspiel erleben. Denn wer nicht das Leben des Geistes unter dem Einfluß der
Geister des Himmels durch Gehorsam und Demut vor dem allmächtigen Schöpfer in
sich lebend gemacht hat, dessen Leben ist bloß ein materielles Leben und wird
unterhalten von den Geistern der Materie, welche in ihn kommen durch Speise
und Trank. Ein solcher Mensch, da er dadurch wieder zur Materie wird, kann
mit seinen materiellen Sinnen auch nichts sehen, hören und empfinden als nur
die Materie, aus der er ist, leibt und lebt. [HiG.01_40.07.30,11] Allein ganz anders verhält es sich mit
dem demütigen und gehorsamen Geistesmenschen. Dieser sieht nicht nur die
Materie, sondern er sieht in der Materie das ihm verwandte, ursprüngliche
(Geistes-)Wesen lebendig und weise walten und erfährt durch bescheidene
Unterredung mit einem solchen Geiste die tiefsten Aufschlüsse über die
vielartige, hie und da ganz, hie und da zerstört, wie auch oft völlig
aufgelöst scheinende, gröbere Materie. Aber nicht nur mit einem Geiste wird
er sich in redende Gemeinschaft stellen können, sondern da gibt es für jedes
Reich der sichtbaren, sowohl lebenden als lebendscheinenden, wie auch
gänzlich tot scheinenden Natur viele Geister, mit denen er eine belehrende
Rede anbinden kann. [HiG.01_40.07.30,12] Seht, so ihr meinen Spiegel
betrachtet, werdet ihr so manche Bewegungen meiner Oberfläche gewahr werden:
eine ordentliche, regelmäßige, kreisförmige, die aus meinem Innern bewirkt
wird – und eine andere, unordentliche, unregelmäßige, unförmige, die durch
äußere Umstände, meinen Spiegel störend, bewirkt wird. [HiG.01_40.07.30,13] Sehet, die erstere Bewegung wäre euch,
so ihr in dem Leben des Geistes wäret, nicht nur eine durch grobe materielle
Umstände bewirkte Bewegung, sondern ihr würdet eine gar wunderbare,
wohlleserliche Schrift durch den allmächtigen Finger Gottes in großer
Klarheit entdecken. Allein, da ihr dessen nicht fähig seid, so will Ich euch
zum Schlusse in der Kürze etwas von diesem geistigen ABC und dessen
tiefsinniger Bedeutung kennen lehren. [HiG.01_40.07.30,14] Diese kreisförmige Bewegung entsteht
durch ein aus meinem Innern emporsteigendes materiell-geistiges Bläschen,
durch welches (verwundert euch nicht über das, was ich euch kundgeben werde)
ein gesänftetes Geistwesen aus dem zu harten Drucke der toten Materie befreit
wird; woraus ihr euch auch folgende, geistig entsprechende Lehre nehmen
könnet, daß auch euer Geist fürs erste auf eine ähnliche Weise aus der
Materie entbunden wurde und daß er ebenfalls in euch – wo er ebenfalls noch
an die Materie gebunden ist – den nämlichen Weg aus dem Innersten eures Wesens
bis zu eurer Oberfläche wandern und da sich ebenfalls in solcher geordneten,
gottesähnlichen Kreiswirkung offenbaren soll, um euer ganzes Wesen, das an
und für sich materiell ist, gleich wie meine spiegelglatte Oberfläche in eine
wohlgeordnete Bewegung zu versetzen. Meine Stellung aber sei euch auch ein
entsprechendes Bild, daß dies gottähnliche Leben des Geistes um so schöner
wird, je mehr ihr euch zurückgezogen habt von der von außenherstürmenden
bösen Welt. [HiG.01_40.07.30,15] Dieses wenige, was ihr hier vernommen
habt, ist alles, was ich von mir und aus mir zur Stunde euch mitteilen kann
und darf. Jedoch so ihr von eurem Geiste auf eurer Oberfläche ähnliche
Lebensbewegungen wahrnehmen werdet, wie ihr sie auf meiner spiegelglatten
Oberfläche sehet, dann kommet wieder und lernet an meinem kleinen und
seichten Ufer Wunderdinge der göttlichen Liebe und Macht tiefer erkennen! –
Amen. Jedem das Seine. – 2. August 1840
[HiG.01_40.08.02,01] Es gibt unter euch einige, die sich
bei Meinen Offenbarungen durch die Dinge der Natur von manchen Skrupeln und
daraus erwachsender Traurigkeit, ihrer Torheit wegen, gefangennehmen lassen –
da sie nicht so viel sehen und hören wie Mein Knecht. [HiG.01_40.08.02,02] Diese frage Ich zu ihrem großen
Troste: Warum sie denn eigentlich noch nie traurig geworden sind, wenn sie
gesehen haben, daß auf den Weidenbäumen keine Trauben wachsen!? Und doch ist
der Weidenbaum nicht minder ein Werk Meiner allmächtigen Heiligkeit als der
süße und geistvolle Weinstock! – Warum weinten und trauerten die Apostel denn
nicht, da Ich Mich auch nicht jedem wie dem Johannes geoffenbart habe? [HiG.01_40.08.02,03] Daher seid nur heiter und fröhlich und
voll Lust in euren Herzen! Denn Ich, euer Vater, sehe, was jedem vorderhand
not tut, und gebe jedem so viel, als er leicht ertragen kann. [HiG.01_40.08.02,04] Sehet, Mein Knecht ist klein und
einfältig und hat ein sanftes Herz und ist der Demut und Meiner Liebe schon
mehrere Jahre nachgelaufen. – Wenn Ich ihm nun ein kleines Licht Meiner Gnade
gegeben habe, so glaubet es, daß es wahr ist in allen Punkten und Zweigen, da
alles dieses in der geradesten Richtung zuallernächst unmittelbar von Mir in
ihn kommt, und das zwar, weil er es so hat haben wollen, was Mir auch am
liebsten ist! [HiG.01_40.08.02,05] Denn um was da jemand bittet in Meinem
Namen, das wird ihm gegeben ohne Falsch und Trug – freilich nicht über Nacht,
sondern nur nach und nach, je nach seiner Kraft und Stärke. [HiG.01_40.08.02,06] Daher liebet Mich und glaubet
ungezweifelt, was Ich euch durch Meinen einfältigen Knecht kundgebe! Machte
euch ein Stein schon stutzen, was werdet ihr erst sagen, so Ich eine ganze
Sonne vor euch enthüllen werde körperlich und geistig! Und was dann, wenn
einen Engel!? [HiG.01_40.08.02,07] Daher seid heiter und fröhlich und
voll Lust in eurem Herzen! Denn Ich, euer Vater, sehe, was jedem vorderhand
not tut. – Amen. Vom Leben des Baumes. – 6. August
1840, im Freibergerwald bei St. Leonhardt, Graz.
[HiG.01_40.08.06] Der Wald enthält Föhren, Fichten und
Tannen. – J. L. spricht, eigentlich der Herr durch ihn. – K. G. L., Andr. H.
und Ans. H. schreiben. [HiG.01_40.08.06,01] Allhier in diesem Walde, da ihr euch
soeben befindet und in dessen urwesentliche Tiefe ihr einzudringen gedenket,
steht schon zum zehnten Male ein Wald, und zwar stets besetzt mit derselben
Art von Bäumen, die mit der Natur des Bodens im Einklange steht, da nicht
leichtlich eine andere Baumgattung hier fortkommen dürfte. [HiG.01_40.08.06,02] Denn seht, ein jeder Baum steht auf
seinem Fleck und breitet da eine große Anzahl großer Wurzeln und besonders
auch kleiner, sogenannter Haarwurzeln in das lockere Erdreich, auf welchem er
sich befindet. Einem jeden solchen Baume nun aber ist eine vegetative Seele
gegeben, oder wie ihr es leichter versteht: es wohnt einem jeden Baume ein
stummer Geist inne. [HiG.01_40.08.06,03] Dieser Geist besitzt eine ganz
einfache Intelligenz. Mittelst dieses von Mir ihm verliehenen Vermögens
erkennt er in der Erde die ihm zusagenden Nahrungsteile, erschafft sich nach
Meinem Willen an den Wurzeln, da er vorzüglich wohnt, viele tausend Arme, mit
welchen er unter der lockeren Erde die Säfte aufgreift und treibt und führt
sie durch die von ihm gestalteten Röhrchen und Kanäle bis in den höchsten
Gipfel und in alle Zweiglein des Baumes. [HiG.01_40.08.06,04] Jedoch die Säfte, wie er sie unter der
Erde für seine Beschaffenheit ihm tauglich erkennt, sondert er erst in den
Zweigen in die verschiedenen Teile ab. Die gröberen werden abgesetzt in den
Stamm, und selbst davon werden noch die unreinen über die Sphäre des Stammes
getrieben und bilden da die Rinde oder gleichsam die Haut oder das Kleid des
Baumes. [HiG.01_40.08.06,05] Die feineren Säfte werden benützt zu
der Bildung der Äste. Denn sehet, allwo immer ein Ast aus dem Stamme eines
Baumes gewachsen ist, eben an dieser Stelle werdet ihr diesen Ast fast noch
bis in das Zentrum des Stammes in einer viel feineren und kompakteren Masse
eingedrungen erblicken. Daß dieses so geschieht, rührt von der einfachen
Intelligenz des Baumgeistes her, der da die Fasern und Röhrchen des Astholzes
ums zehnfache feiner macht als die des Hauptstammes. Durch diese feineren
Organe können demnach auch nur viel feinere Säfte durchgetrieben werden,
welche schon um ebenso vieles substantieller sind. [HiG.01_40.08.06,06] Wenn ihr nun die Äste betrachtet, so
werdet ihr von den Ästen selbst noch eine bei weitem größere Menge von
Zweiglein hinausragen sehen. Allda geschieht dasselbe von den Ästen aus in
die Zweiglein wie vom Stamm in die Äste. Und so ist der Saft in den Zweiglein
wieder um mehr noch als das Zehnfache feiner und substantieller und somit
auch kräftiger, als der vom Stamm in die Äste. [HiG.01_40.08.06,07] Von den Zweigen erst werden an vielen
tausend Stellen in guter Ordnung eine Menge allerkleinster Röhrchen offengelassen.
Durch diese wird ebenfalls in zehnfacher Feinheit – oder wie ihr es leichter
versteht – in zehnfacher (nach eurem gelehrten Ausdruck) „chemischer“
Verfeinerung ein Saft hinausgetrieben. Von diesem Safte werden von dem Geiste
nach seiner einfachen Intelligenz die nach Meiner Ordnung einem solchen
bestimmten Baume zusagenden Blätter oder Nadeln gebildet. Und hat ein solches
Blatt oder eine solche Nadel die ordnugsmäßige Vollkommenheit erreicht, dann
werden die Kanäle und Organe, die von den Zweiglein in dieselben führen, nach
und nach verstopft oder zugemacht, so zwar, daß von tausend dahinführenden
Röhrchen nur ein einziges, mittleres offengelassen wird, durch welches das
Blatt seine Erhaltungsnahrung bekommt. [HiG.01_40.08.06,08] Endlich wird aber selbst dieser Kanal
geschlossen. Und da dann das Blatt keine Erhaltungsnahrung mehr bekommt, so
fällt es verdorrt und tot vom Baume. [HiG.01_40.08.06,09] An den äußersten Ausläufern der
Zweiglein aber befinden sich in dem Durchmesser einer Nähnadel eine Million
der allerfeinsten Organe, welche mit einem animalischen Leben versehen sind.
Wenn die Säfte dahin gelangen, so geschieht alldort ein förmlicher Kampf oder
Krieg, denn da will der Geist in seiner Unlauterkeit aus seiner
Gefangenschaft (im Baume) die Freiheit ergreifen und das ganze materielle
Wesen des Baumes sozusagen im Stiche lassen. Allein bei einer solchen
Unternehmung beengen sich dann diese Organe so, daß sie ihm den Durchgang
versperren. [HiG.01_40.08.06,10] Da er dadurch in seiner einfachen Intelligenz
seiner Gefangenschaft gewahr wird, so steht er nach und nach von seinen
unfruchtbaren Versuchen ab und nimmt seine Zuflucht zur bescheidenen Demut,
wodurch dann sein ganzes Wesen anfängt, sich in Liebe zu verwandeln. [HiG.01_40.08.06,11] Wie nun dieses geschieht, so werden
diese sehr beengten Organe durch seine Liebeswärme erweicht und erweitert,
und er selbst wird dadurch ätherisch und wirklich lebendig durch seine Liebe. [HiG.01_40.08.06,12] Wenn dieses geschehen ist, dann
gedenkt er in seiner erhöhten Intelligenz an das entsprechende Gute der
Liebe, setzt sich da liebewirkend an den äußersten Ausläufern dieser Organe
als Frucht des Baumes an. Und nachdem er sich nun als solche für eure Augen
in kaum merklicher Größe liebewirkend angesetzt hat, da lasse Ich dann aus
Meiner Barmliebe durch die Gnadenwärme und das Licht der Sonne ein
außerordentlich kleines Fünkchen einhauchen. [HiG.01_40.08.06,13] Dieses Fünkchen ergreift er dann auf
den vielen hundert Ansätzen und Ausläufern begierig und verschließt es
sorgsam in ein kleines Hülschen. Wenn nun gleichsam diese naturgeistige Ehe
vor sich gegangen ist, dann wird alsobald die Blüte, als das Organ der
Zeugung, und endlich auch die Frucht dem Baume entsprechend gemacht und durch
die sich immer mehr und mehr ausbreitende Wärme des Fünkchens zur Reife
gebracht. [HiG.01_40.08.06,14] Es geschieht da öfter, daß aus
unsorglicher Trägheit des Geistes manche Ausläufer bei solchen Bäumen
übersehen werden, alsdann entflieht nach kurzer Zeit dieses Fünkchen wieder
zu seinem Ursprunge. Dann schnüren sich die Gefäße des Zweigleins alsogleich
zusammen und geben einem solchen Fruchtansatz keine Nahrung mehr. Eine solche
Frucht fällt dann auch bald welk und tot vom Baume. [HiG.01_40.08.06,15] In der Frucht aber, die da vollkommen
geworden ist, wird dieses Lebensfünkchen in einem feinen Hülschen in der
Mitte des Samenkornes wohl und sorglich verwahrt. Und da es ein
Lebensfünkchen aus Meiner Barmliebe ist, so enthält es, seinem Ursprunge
ähnlich, der Ich Selbst bin, Unendliches seiner Art in sich. Da können von
einem solchen Samenkorne auch nur in tausend Jahren schon mehr als
ebensoviele Millionen gleicher Bäume entstehen, und so fort bis ins
Unendliche. Denn Ich bin ewig und unendlich im Kleinsten wie im Allergrößten
und Unendlichen selbst. [HiG.01_40.08.06,16] Nun sehet, da habt ihr nun einen Baum,
oder soviele ihr wollt, in seinem ganzen Bestehen – nun muß Ich euch noch die
Entstehung sowie das Ende desselben zeigen. [HiG.01_40.08.06,17] Die Entstehung eines solchen Baumes
ist an und für sich sehr einfach. Nämlich ein solches Samenkörnchen fällt
oder wird gelegt in die Erde. Wie es sich nun in der Erde befindet, ruft es
einen in die Materie gebannten Geist zu und in sich. Dadurch nun bekommt ein
solcher Geist die erste Lebensregung und die allereinfachste Intelligenz
seines Wesens. Da er im Grunde böse ist, so will er sich alsogleich jenes aus
der Barmliebe Gottes dem Samenkorn eingehauchten Lebensfünkchens mörderisch
bemächtigen, allein dieses Lebensfünkchen entweicht immerwährend seiner
Nachstrebung. Daher sucht dann dieser Geist immer ihm ähnliche Teile oder ihm
ähnliche Geister in der Erde auf und vergrößert sich und vermehrt sich
dadurch sichtlich, wie ihr euch an einem emporgewachsenen Baume überzeugen
könnet. Denn dieses Emporwachsen des Baumes geschieht eben durch die
mörderische Nachstrebung dieses entbundenen Geistes – oder wenn ihr wollt –
einer ganzen Legion solcher Geister. [HiG.01_40.08.06,18] Das Lebensfünkchen aber entflieht
immer höher und höher aus dem Bereiche solcher bösartigen Nachstrebung. In
ihrem Grimme erhärten viele Millionen und Millionen solcher vom
Lebensfünkchen angezogener Geister wieder zur stummen, toten Materie, was ihr
am Holze und der Rinde eines Baumes wohl bemerken könnet. Durch solche, oft
viele Jahre hindurch fortgesetzte Nachstrebungen werden solche Geister
schließlich doch wieder gedemütigt und gelangen dann zur entsprechenden
nützlichen Freiheit und werden endlich eins mit dem Lebensfünkchen. [HiG.01_40.08.06,19] Ein solcher Geist, der auf diese Weise
sich an den Ansätzen liebend vereinigt hat mit dem Lebensfünkchen, wird nach
der Vollreife der Frucht ätherisch frei und in eine, Meiner ewigen Ordnung
gemäße höhere, intelligentere Wesenheit geführt, und so fort bis endlich zu
euch Menschen selbst. [HiG.01_40.08.06,20] Sind nämlich durch einen solchen Baum,
als eine materielle Erlösungs-Anstalt, eine möglichst hinreichende Anzahl der
(Natur-)Geister erlöst worden, und haben diese erlösten Geister in ihrer
ätherischen Freiheit aus den verschiedenartigsten Bäumen und Gewächsen sich
liebend vereinigt, so daß sie einen Geist in höherer Intelligenz darstellen,
so werden dann solche Geister in die tierische Welt übertragen und daselbst
zur zweiten Stufe gebracht. [HiG.01_40.08.06,21] Vereinen sich wieder alle Geister der
tierischen Welt liebend zu einem Geiste, dann ist ein solcher Geist fähig, in
die höhere Stufe aufzusteigen und als ein einfacher Geist in den Menschen
gelegt zu werden, von wo aus er nach seiner Reife selbständig frei wirkend heraustreten
kann zur Anschaung seines ewig liebenden Urquelles. – Ein solcher Geist wird
nimmer mit der Materie etwas zu schaffen haben. Nur mit dem im Menschen
wieder böse gewordenen Geistern, wo kein Mittel der Liebe auf wohlverständige
Weise etwas fruchtet, wird wieder ein ähnlicher, langwieriger Weg
eingeschlagen. [HiG.01_40.08.06,22] Ein in solcher Weise ausgedienter
Baumstock wird dann wieder tot, dorrt ab und verfault oder, was für ihn
besser ist, er wird abgehauen oder verbrannt. [HiG.01_40.08.06,23] Nun sehet, das ist das Geheimnis der
Gewächse, Sträucher und Bäume von ihrem Entstehen bis zu ihrem Ende! [HiG.01_40.08.06,24] Jedoch, da Ich gleich anfänglich
bemerkt habe, daß hier schon zum zehnten Male ein Wald steht, will Ich euch
in aller Kürze noch etwas hinzusagen: Seht, ebenso oftmal ist dieser Boden,
das Höllgrimmfeuer satanischer Bosheit dämpfend, jeweils über hundert Jahre
unter den Fluten gestanden. Daher, so ihr an manchen Stellen nur einige
Klafter tief graben würdet, so würdet ihr alsobald an einzelne verkohlte
Bäume aus der Vorzeit gelangen, allwo ihr an manchen Stellen in dem noch
vorfindlichen Harze wohlbehaltene Insekten aus dieser Zeit antreffen würdet.
Und dies würdet ihr schichtenweise zu zehn, zwanzig, fünfzig, hundert,
fünfhundert, tausend und noch mehr Klafter tief antreffen. [HiG.01_40.08.06,25] Seht, was Ich eines einzigen,
hochmütigen Engels wegen tue! – Ich sage euch, es wäre nie eine Erde, noch
eine Sonne, noch irgend etwas anderes Materielles erschaffen worden, wäre
dieser Einzige demütig geblieben. Allein aus Liebe füllte Ich, die Ewige
Liebe, die Unendlichkeit mit Sonnen und Welten, um auch den kleinsten Teil
dieses Gefallenen noch retten zu können. [HiG.01_40.08.06,26] Daher bedenket auch ihr, was Ich
euretwegen alles getan habe, noch tue und tun werde ewig. Amen. Ich, die
Ewige Liebe. Amen. „Liebe will Ich!“ – 8. August
1840
Etwas an alle, und zunächst an A. H. – [HiG.01_40.08.08,01] Wenn Ich euch an arbeitsfreien Tagen /
wunderbare Dinge pfleg' zu sagen / aus des armen Knechtes schwachem Munde, /
ladend euch dadurch zum neu'sten Bunde, / der hinfort in Liebe euch soll
binden, / um der Erd' ein heilig Reich zu gründen – / seht, da werdet traurig
ihr und schwach im Glauben, / denkend: Dornen tragen ja doch keine Trauben! [HiG.01_40.08.08,02] In der Zukunft soll nach solchen
Stunden, / die in Meiner Gnad' ihr habt empfunden / – da Ich nur aus
übergroßer Liebe / von den Augen euch des Schleiers Trübe / freundlich nehme
samt der Sünden Menge – / niemand tragen eine Herzensbänge. / Denn Ich gebe
euch kein neu Gebot. / Nur die Liebe tut euch allen not! [HiG.01_40.08.08,03] Seht, was euch von Dingen hier wird
Kunde, / geht, wie alles, nur aus Meinem Munde. / Sag' Ich euch da unerhörte
Dinge, / wenn Ich Selbst von Meiner Größe singe, / so bedenkt, daß Ich es bin
voll Gnade, / zeigend euch der Liebe heil'ge Pfade. / Denn es weiß sonst
niemand, was die Sünden, / als nur, dem's der Vater will verkünden. [HiG.01_40.08.08,04] Ich will niemals richten nach dem
Glauben, / nie an Augen legen Zwangesschrauben. / Jeder glaube nach der Kraft
der Sehe / seines Geistes. Doch ganz wohl verstehe, / jeder, was er glaubt
und wie er liebet! / Sonst, Ich sag' es euch, wird er betrübet / bis in
seines Herzens Tiefe werden / früher oder später noch auf Erden. [HiG.01_40.08.08,05] Nur die Liebe hab' Ich euch geboten, /
nie den Gauben, durch die Himmelsboten. / Diesen hab' Ich nur gelehrt,
geraten, / um zu wecken euch zu edlen Taten. / Wer da liebt aus wahrem
Herzensgrunde, / dem geb' Ich des Glaubens Licht zur Stunde. / Da zu Mir sein
Herz er hat gewendet, / wird in Meiner Gnade er vollendet! [HiG.01_40.08.08,06] Da auch ihr das Herz zu Mir gewendet /
und so manche Bitt' um Licht gesendet, / komm' Ich liebevoll in finst'rer
Nacht / – was Ich sag', von euch sei's wohl bedacht – / Selbst zu euch, als
Tröster und als Lehrer / und als wahrer, großer Gnaden-Mehrer. / Nun, wenn
so, was macht das Herz euch trübe? / Wißt ihr's wohl? – Nur eure schwache
Liebe! [HiG.01_40.08.08,07] Liebe will Ich, denn sie ist das
Leben! / Liebe hab' am Kreuz Ich hingegeben. / Ich, der ewig Selbst die Liebe
war, / bringe euch nun wieder Liebe dar. / Also glaubet, was Ich sage, gerne,
/ sei's dem Geiste nahe oder ferne; / denn dies gebe Ich euch frei zum Lohne.
/ Doch in Liebe nur thront Himmelswonne! [HiG.01_40.08.08,08] Sehet, wenn Ich euch die materielle
Welt nun enthülle, so will Ich dadurch nichts anderes bezwecken, als euch die
Nutzlosigkeit der Welt- oder vielmehr der Eigen- und Fleischliebe so recht
klar vor die Augen stellen – woraus ihr nach und nach doch endlich einmal
erkennen und begreifen werdet und auch sollet, wie euch so gar nichts an der
materiellen Welt gelegen sein solle, sondern alles nur an Mir, Meiner Liebe
und der darausfließenden Gnade. [HiG.01_40.08.08,09] Könntet ihr sonst nicht füglich
fragen: „Warum sollen wir denn die schöne Welt und ihre Schätze nicht lieben
und nach ihrem Vollbesitze aus all unsern Kräften trachten, ist sie doch von
Gott erschaffen, was soll's denn mit dem widrigen Gebote?!“ [HiG.01_40.08.08,10] So Ich euch aber nun die Wesenheit der
Welt und ihrer Materie entschleiere, so denket, daß Ich aus Meiner großen
Liebe euch dadurch für eure völlige Wiedergeburt eines großen Kampfes
überheben will. Denn werdet ihr erst die Materie tiefer und tiefer erkennen,
so wird euch auch ihr schnöder Wert desto klarer in die Augen springen. Und
ihr werdet sehen, daß im Tode nicht gut wohnen ist. – Amen. Ich, euer
liebevollster Jesus! Amen, Amen, Amen. Evangelium des Weinstocks. – 9.
August 1840
[HiG.01_40.08.09] Im Weingarten des Andr. H., bei Maria
Schnee, nächst dem Kloster der Karmeliterinnen. – J. L. spricht. – K. G. L.,
S., D., Andr. H. und Ans. H. schreiben. [HiG.01_40.08.09,01] An der Stelle, da ihr euch soeben
befindet, war vor einigen hundert Jahren noch ein dichter Wald und anderes
Gebüsch und Gestrüpp. Und vor zweitausend Jahren trieben noch gewaltige
Fluten ihr Spiel mit den Weichen der kleinen Berge und füllten damit die
Vertiefungen der Ebene. [HiG.01_40.08.09,02] Diese Höhe oder vielmehr diese kleine Emporragung
über die Ebene, da schon seit mehreren Jahren Reben hingepflanzt sind,
entstand ebenfalls, wie andere hohe Berge, nach dem Verlaufe vom Zeiten zu
Zeiten durch das innere Feuer der Erde. Jedoch, was gerade die Außenseite
oder die Stirne betrifft, so ist diese vielmehr eine Ablagerung teils durch
den Bildungsprozeß eines nachbarlichen, größeren Berges, teils aber auch
Anschwemmung durch die Fluten, welche da durch den entgegenstehenden
Schloßberg in ihrem raschen Strömen gehindert wurden. Seht, das ist die
vorläufige, notwendige Bekanntmachung mit der Bildung dieser kleinen Stelle. [HiG.01_40.08.09,03] Nun sehet, in Meiner Ordnung ist es
überhaupt so eingerichtet, daß immer eine edlere Stufe der Gewächse eine
unedlere verdrängt, und zwar durch den Einfluß teils der Witterung und dann
aber hauptsächlich durch die Menschen. Denn wo auf irgendeinem Orte längere
Zeit hindurch unfruchtbare Bäume, Dornen und Disteln gewachsen und gestanden
sind und vegetativ gelebt haben, da wird der Boden dieser Stelle eben dadurch
veredelt, daß die Baum-, Gesträuche- und Dornenwelt, die da zum intelligenten
Fortbestehen unnütz war, wieder stirbt und verfault und dadurch ein
fruchtbares Land bildet. Dann geschieht es durch Meine Anordnung, daß an
solchen fruchtbareren Stellen von Menschenhänden edlere Anpflanzungen
geschehen, wodurch dann den verfallenen geistigen Intelligenzen ein neuer und
auch vollkommener Weg zu ihrer Wiedererlösung geöffnet wird. [HiG.01_40.08.09,04] Der Weinstock ist eben eine solche
edlere Art des Pflanzentumes, welcher erst nach der erbarmenden Sündflut zu
den Zeiten Noahs gleichsam gewaschen und von Mir umgestaltet und gesegnet
wurde, und zwar aus der Ursache, da er bei seinem ersten Entstehen,
herrührend aus dem Willen Meines Feindes, dem ersten Menschen, da er eben
Meiner am meisten vergessen hatte und so in das Licht des Tages in seinem
Vergnügen dahinwandelte – zuerst zum weckenden Steine des Anstoßes wurde und
den ersten Menschen gewisserart dadurch nötigte, obschon schwer beladen mit
seinen Giftbeeren, doch wieder umzukehren in sein Haus. [HiG.01_40.08.09,05] Nun seht, aus eben dieser erwähnten
Ursache habe Ich, wie schon berührt, nach der Sündflut dem Weinstock das Gift
genommen und habe ihn viermal gesegnet, während Ich das Wasser neunundneunzig
Mal gesegnet habe; und eben durch diese vierfache Segnung gehört der
Weinstock nun zu den edelsten Gattungen des Pflanzentums. [HiG.01_40.08.09,06] Bevor Ich euch jedoch etwas aus der
innersten Tiefe dieses Gewächses sagen und enthüllen kann, muß Ich euch noch
zuvor notwendigerweise mit seiner äußerlichen – wie ihr zu sagen pflegt –
botanischen Pflanzenwesenheit bekanntmachen. [HiG.01_40.08.09,07] Seht, in einer jeden Beere werdet ihr
einen, oft auch mehrere fast herzförmige Kerne finden. Aus solchen herzförmigen
Kernen könnet ihr immerwährend auf die größere oder geringere Vollkommenheit
einer Pflanze schließen. Denn so wie das Herz der Tiere, je vollkommener sie
werden, eurem Herzen immer ähnlicher und ähnlicher wird – derselbe Fall ist
es auch bei den Kernen aus dem Pflanzenreiche. Und die vereinigten Geister
von solchen edleren Gewächsen können auch eine große Anzahl von tierischen
Stufen bei ihrem Neubildungsprozesse überspringen, ja oft sogar alsogleich in
die Klasse der Menschen aufgenommen werden. Und sie haben auch noch diesen
Vorteil, daß, während ihr Geistertum seinen Weg ruhig fortwandelt, ihre
materielle Hülle, bestehend aus zahllosen zarten Hülschen, in deren jedem ein
höherer Lebensnahrungsfunke eingeschlossen ist, höheren Lebewesen zunächst
zur Nahrung des Leibes und dadurch eben auch zur Ernährung und Ausbildung der
Seele dient. [HiG.01_40.08.09,08] Früchte wie z.B. das Getreide und
andere größere Obstgattungen dienen vorzugsweise zur Nahrung des Leibes –
aber die Frucht des Weinstockes dient, im reinen und mäßigen Genusse, mehr
zur Belebung der Seele als der des Leibes. [HiG.01_40.08.09,09] Nun seht, der Kern der Traube ist also
beschaffen, daß er in der Mitte der Beere wie ein Kind im Mutterleibe wächst
und mit der Beere selbst heranreift. Da geschieht es denn, daß durch das Mark
der Rebe, durch ein für eure Augen nicht sichtbares, mehr denn
spinnengewebefeines Haarröhrchen, ein ätherischer Feuersaft emporsteigt. Wenn
ihr die Rebe betrachtet, so werdet ihr sehen, daß sie sehr viele Glieder hat.
Bei einem jeden solchen Gliede verfeinert sich dieses Röhrchen und wird an
der Stelle, allwo sich die Frucht der Traube angesetzt hat, noch in viele
Arme geteilt – was ihr aus dem ersehen könnet, so ihr die Kerne in einer
Traube zählen würdet; denn ein jeder solcher Kern ist verbunden mit einem
solchen Organe. [HiG.01_40.08.09,10] Allein nicht der feste Kern, den ihr
sehet, wird gebildet aus diesem Feuersafte, auch nicht die von diesem festen
Kerne eingeschlossene ölichte Frucht; sondern in dieser ölichten Frucht ist
ein der äußeren Form des Kernes ähnliches, außerordentlich kleines und zartes
Hülschen eingeschlossen, welches gerade so klein ist, daß es nur den
zehntausendsten Teil der Größe der ölichten Frucht einnimmt. Dieses Hülschen
nun wird gefüllt von dieser feurigen Gnadensubstanz. [HiG.01_40.08.09,11] Ist nun dieses vor sich gegangen,
alsdann wird das Haar-Röhrchen, an welchem diese Hülse hängt, alsogleich fest
zugeschnürt. Und von diesem Röhrchen bilden sich dann mehrere kleine Arme
oder Seitenkanäle und umgeben, gleichsam umwindend, dieses Hülschen mir der
genannten ölichten Substanz, welche eben dadurch süß-ölicht wird, weil sie
aus den edleren, vormals schon in der unedleren Pflanzenwelt gereiften
geistigen Substanzen durch Meine Barmliebe gebildet wird. [HiG.01_40.08.09,12] Ist nun einmal dieser zweite Akt vor
sich gegangen, dann wird zum zweiten Male dieses Haar-Röhrchen wieder
zusammengeschnürt und bildet fast schon gleichzeitig den festen Kern, welches
auf folgende Weise geschieht: Da nämlich während der kleinen Zeitperiode der
Zusammenschnürungen sich die Säfte in der ganzen Länge dieses Röhrchens
verdichtet haben, so zersprengen die Säfte dann allezeit unter dem
Schnürpunkte, da natürlicherweise das Röhrchen am zartesten und gebrechlichsten
ist, dasselbe an vielen Stellen. Daraus fließen dann die verdichteten
Feuersäfte um die ölichte Frucht und drängen sich liebewetteifernd um den
Mittelpunkt ihres lebendigen Heiligtums. [HiG.01_40.08.09,13] Wenn nun der Kern gewisserart seine
Solidität erreicht hat und die noch immer nachstrebenden Säfte nur an
ihresgleichen stoßen und nicht mehr die Wärme des inneren Gnadenfünkchens
verspüren, dann durchbrechen diese Säfte in einem Kreise diesen Kanal und
umspinnen den Kern wie eine Raupe ihre Puppe. [HiG.01_40.08.09,14] Zu gleicher Zeit aber wird von
äußeren, gröberen Kanälen, welche durch die Rebe aufsteigen, eine gröbere
Hülse gebildet, was alles natürlich durch die einfache Intelligenz der einer
solchen Pflanze innewohnenden Geister geschieht. [HiG.01_40.08.09,15] Wenn nun diese gröbere Hülse eine
ordnungsmäßige, bestimmte Solidität erreicht hat, dann zerspringen die den
Kern umgebenden edleren Gefäße und fließen dann in einem süßlichen, geistigen
Safte in diese Hülse. Jedoch da diese Hülse doch ebenfalls ursprünglich von
Säften gebildet wird, welche in ihrer Natur herbe sein müssen, damit die
Frucht oder vielmehr die Hülse eine Festigkeit erhält – so kommen nun
innerhalb dieser Hülse anfänglich zwei Gattungen Säfte zusammen, nämlich ein
herber und ein süßer, woher es denn auch kommt, daß eine unreife Beere sehr
zusammenziehend sauer schmeckt. [HiG.01_40.08.09,16] Mit der Zeit jedoch wird das Herbere
und Schlechtere von dem inwendigen Süßen und Guten überwunden und an die
äußere Grenze als feste Hüllenmasse gedrängt. Und so wird dann, euch zu einem
guten Beispiele, durch das von innen aufsteigende Gute das Leben fürs erste
in einer ungebundenen Freiheit erhalten, welches hier der Kern zeigt, da alle
ihn ungebenden Säfte immer milder und lockerer und somit auch reifer und
geistiger werden; und fürs zweite wird das überwundene Herbe und gleichsam
Schlechte ebenfalls gut, da es zum allgemeinen Gefäße eines solchen
Pflanzenheiligtums wird. [HiG.01_40.08.09,17] Und nun sehet ferner, wenn ihr den
Weinstock wohl betrachtet, so werdet ihr an ihm ebenfalls Blätter, Zweige und
statt der Zweiglein euch wohlbekannte Fadenarme entdecken. Ihr werdet in
diesem Gewächse überhaupt, wenn ihr es recht sorglich betrachtet, schon mehr
tierisches Leben finden als in irgendeiner andern Pflanze. [HiG.01_40.08.09,18] Diese Arme entstehen zwar auf dieselbe
Art wie die Traube selbst, aber die Geister hatten noch zu wenig Liebe-Gutes
in sich, daher auch zu wenig Leben, um eine Frucht zu bilden. Wenn sie nun
ihre volle Größe erreicht haben und nun gewahr werden, daß in ihnen kein
Leben zur Bildung einer Frucht besteht, und das zwar einer gewissen
Unsorglichkeit wegen – dann meinen sie in ihrer einfachen Intelligenz, das
Lebensfünkchen sei ihnen gewisserart davongelaufen. Da dehnen sie sich so
weit als nur immer möglich aus, und wie sie dann auf einen fühlbaren
Gegenstand kommen, so meinen sie in ihrer Blindheit, sie hätten das Leben
gefunden, umsticken es dann auf ähnliche Weise, wie die feineren Gefäße den
Kern, und lassen es nicht mehr aus. Allein die Folge zeigt, daß sie bei
solchem Weitausgreifen statt des Lebens nur den Tod mit ihren Armen
umschlungen haben – und sterben am Tode selbst. [HiG.01_40.08.09,19] Das sei auch euch ein kleiner Wink!
Denn so jemand, sein Inneres außer acht lassend, nur glaubt, die Lebensfülle
in dem weit ausgedehnten Schöpfungsraume zu suchen, der hat ebenfalls seine
Arme und Augen weit nach dem Tode ausgesteckt – während Ich doch jeden durch
die tägliche Erfahrung handgreiflich lehre, daß die Welt immer schöner,
herrlicher und verklärter wird, je weiter ihr euch von derselben entfernt
befindet. Darüber sollte euch schon die Fernsicht einer Gegend einen nicht
unbedeutenden Wink geben. Denn ein weitliegendes Gebirge seht ihr oft mit
frommem, begeistertem Vergnügen an. Wie ist es dann aber, so ihr an dieses
Gebirge selbst gekommen seid, daß ihr an diesem Berg der Gebirge nichts
Schönes und auch kein andere Vergnügen mehr findet, als das der Fernsicht
wieder anderer Gegenden? [HiG.01_40.08.09,20] Seht, darin liegt es auch, daß je mehr
ihr euch von der Welt abzieht und euch gleichsam von derselben entfernet, sie
euch desto schöner, verklärter und duchsichtiger erscheint; erst da hat der,
der Meine Werke betrachtet und achtet, eine reine Lust daran. [HiG.01_40.08.09,21] Denn seht, das Leben wohnt im
Inwendigen – und der Tod im Auswendigen! Wer nach dem Leben strebt und
lebendig wird, für den wird alles verklärt und lebendig. Denn wer das Leben
hat, der haucht alle Dinge mit dem Leben an, und so werden sie dann lebendig vor
ihm und durch ihn. Dem Lebendigen muß der Tod seine Gefangenen ausliefern. [HiG.01_40.08.09,22] Wer aber nach außen strebt, sei es
nach was immer, der strebt nach dem Tode und ergreift auch bald das
Nächste-Beste, was ihm unterkommt, der eine dies, der andere jenes, das an
und für sich nichts als Tod ist. Ein solcher zerstreut sein Leben, wird
schwächer und schwächer und stirbt endlich ganz. Und somit ist für ihn auch
alles tot und soviel wie gar nicht daseiend. Woher es denn auch geschieht,
daß so viele Menschen sogar Mich, als das allerlebendigste Leben alles
Lebens, als gar nicht mehr daseiend aus ihren Augen und Herzen verlieren! [HiG.01_40.08.09,23] Seht, Ich hatte euch schon einmal von
dem Evangelium der Pflanzen eine kleine Erwähnung gemacht; da habt ihr
demnach hier ein kleines Evangelium des Weinstocks! Und so wollen wir nun
noch eine kleine fortschreitende Betrachtung des Weinstocks vernehmen. [HiG.01_40.08.09,24] Eine dritte Extremität des Weinstocks
ist das Blatt. Dieses wird gebildet aus einem dreifachen Safte. Es gehen
nämlich von dem Marke der Rebe Kanäle aus, und zwar gerade an der Stelle, da
die Rebe allezeit ein Glied bildet. Und das geschieht nun auf folgende Weise: [HiG.01_40.08.09,25] Nämlich, wie Ich euch schon beim
Wachstume des Baumes berührt habe, geschieht auch hier schon ein viel
lebhafteres Nachstreben nach Meinem Gnadenfünkchen, welches in dem Samenkorne
eingeschlossen ist. Und wenn nun die arglistigen (Natur-)Geister dieses
Fünkchens Aufsteigen in dem feinen Zentralgefäße verspüren, dann rennen sie
haufenweise schnell in diesem kleinen Stamme dem Fünkchen nach. Allein wenn
das Fünkchen zu einer gewissen Höhe emporgestiegen ist, dann umschlingt es,
was ihr nicht glauben könnet, mit Blitzesschnelle die Seitengefäße der
absurden Geister. Diese rennen aber demungeachtet dem Fünkchen nach und
wissen bei der tausendkrümmigen Bewegung des Hauptorgans nicht, wohin das
Fünkchen seine Richtung genommen hat. Daher suchen sie es auf dieser Stelle
wo die Rebe ein Glied bildet und schießen dann hier in feinerer Potenz vom
Stamme weg und bilden auf diesem Wege den Stiel eines Blattes. [HiG.01_40.08.09,26] Wenn sie nun da eine Zeitlang in
diesem Stiele fortgestrebt sind und das Lebensfünkchen demungeachtet nicht
gefunden haben, dann beraten sie sich in ihrer einfachen Intelligenz und
wollen nun nach allen Richtungen sich wenden, um den Gegenstand ihrer
mörderischen Liebe zu finden. Daher spannen sie sich nach allen Richtungen
netzförmig aus und lassen nach unten eine Menge Ausläufe, was gleichsam die
Haare am untern Teile des Blattes bildet. Und die Netz- und Zwischenräume
füllen sie dann durch ihr Suchen ebenfalls noch mit ihrer Substanz aus. [HiG.01_40.08.09,27] Nichts als nur ihre eigene schlechte
Hoffnung zwingt sie, nach solchen Teilen in Massen und Massen hinauszurennen.
Und wenn nun das Lebensfünkchen gewahr wird, daß da eine hinreichende Masse
hinausgeströmt ist, so schnürt es ihre Kanäle bis auf einen mittleren in eben
der Schnelligkeit zusammen, von welcher schon früher Erwähnung geschehen ist.
Das Lebensfünkchen selbst aber bricht oft gerade in der Mitte solcher
nachstrebender Horden aus, allwo dann der schon bekannte Prozeß vor sich
geht. [HiG.01_40.08.09,28] Auf gleiche Weise geschieht dann eine
solche Handlung, so oft ihr ein Glied an einer solchen Rebe bemerke. [HiG.01_40.08.09,29] Diese Blätter aber läßt das
Lebensfünkchen aus der Ursache entstehen, damit es erstens seine Fortbildung
unter einem sanften Schatten vornehmen kann, und fürs zweite saugt es dann
selbst für die Ausbildung des ihren Kern umgebenden Saftes aus dem
Lichtmeere, welches da in Fülle entströmt aus Meiner Gnadensonne, den
ätherischen Stoff in sich, in welchem eigentlich der vierfache Segen besteht. [HiG.01_40.08.09,30] Dieser vierfache Segen wird dann, wenn
die Traube ausgepreßt worden ist, das Geistige im Weine. Jedoch nicht eher,
als bis der Saft alles Unreine aus sich geworfen hat, tritt das Geistige in
dem Safte hervor. [HiG.01_40.08.09,31] Seht, auch hierin liegt ebenfalls wieder
ein kleines Evangelium – wie die innere Kraft des Lebens erst dann wirksam
und fühlbar in die gereinigte Materie übergeht, wenn diese selbsttätig,
freilich auch nur durch Meine gar starke Mithilfe, die Schmarotzer des Todes
hinausgeschafft hat. Dann wird die Materie selbst verklärt und rein, wie der
Saft der Traube im Fasse oder Schlauche. [HiG.01_40.08.09,32] Durch eine ähnliche Zurückgezogenheit
von der Welt in das schützende und haltbare Gefäß der Demut wird auch euer
materielles Wesen durch die Wirkung des hervortretenden Geistes gereinigt. In
dieser Demut geschieht dann eine ähnliche Gärung, wodurch alles Unreine und
Tote der Welt wieder zurückgegeben wird. Das Leben aber, vereint mit seiner
geheiligten Materie, bleibt, wie ein guter Wein, im Gefäße der Demut ewig in
aller Kraft beisammen. [HiG.01_40.08.09,33] Nun sehet, das ist von dem Weinstocke,
soviel ihr ertragen könnet, euch gegeben! Aber es liegt noch, wie überall,
Unendliches verborgen, welches ihr für jetzt nicht würdet ertragen können. Jedoch
zu seiner Zeit werdet ihr noch mehreres davon vernehmen, teils durch Meinen
Knecht, teils aber, so ihr auf euer Inneres aufmerksam sein wollt, auch in
euch selbst. – Amen. Eine Untat als Gleichnis. Das Wesentliche. – Nachtrag zur
„Untat“. – 11. August 1840
[HiG.01_40.08.11,01] Nun merket, ihr stummen, tauben und
blinden Vorwitzlinge! Meinet ihr denn, daß Ich ein Märchen-Erzähler bin wie
ein altes Weib oder ein alberner Schwätzer, wie ihr es seid, da unter tausend
Worten, mit denen ihr die Luft mißbraucht, kaum ein halbnützes ist! Sehet,
das bin Ich durchaus nicht, sondern Meine Worte sind Kraft und Leben und
wesenhaft wahr. [HiG.01_40.08.11,02] So Ich euch bei einer Gelegenheit
irgendein wohl passendes, eurem Innern entsprechendes Bild gebe, so sollet
ihr nicht nach einer lange schon vergangenen Tat, welche vor mehr als siebzig
Jahren geschehen und an der wenig mehr gelegen ist, trachten; sondern ihr
sollet da nur trachten nach Meinem Reiche, welches Ich euch, um euer Herz
verständiger zu machen, unter allerlei Formen vorführe, wie Ich es tat
gleichnisweise zu den Zeiten der Apostel. [HiG.01_40.08.11,03] Wie seid ihr aber töricht, so Ich euch
des Himmels goldene Schätze biete – daß ihr da noch könnt lüstern nach Kot
und faulen Würmern schnappen! O ihr Toren, meinet ihr, Ich werde euch
Weltrichtern einen Kriminal-Plapperer machen? O ihr habt euch gewaltig
geirrt! Ich Selbst bin ein gerechter Richter und als solcher brauche Ich euer
Gericht nicht. Denn was von Mir gerichtet wird, das wird gerichtet bleiben
ewig. Eure Gerichte aber sind ungerecht und voll Bosheit und verderben
geistig alles, was sie richten. [HiG.01_40.08.11,04] Ich aber richte jeden nach seiner
Liebe – wie ihr nach eurer Blindheit eure Urteile schlecht und unheilbringend
machet. [HiG.01_40.08.11,05] Daher sollet ihr auch gar nicht
richten, damit ihr nicht gerichtet werdet – sondern nur belehren, bessern und
unschädlich machen die Bosheit der Diebe, Räuber und Mörder. [HiG.01_40.08.11,06] Und daher gebe Ich euch zum Schlusse
diesen Rat: Leset diese Untat als Gleichnis und suchet euch selbst darinnen
in der Demut und wahren Liebe zu Mir. Dann werde Ich euch gerne zu Hilfe
kommen und euch leiten in Meiner Gnade. Denn eure Herzen sollen gebildet und
die Sinne eures Geistes verständig werden. Und dadurch soll euer ganzes Wesen
lebendig werden in Meiner Liebe. [HiG.01_40.08.11,07] Lasset also die Toten tot sein und
kümmert euch nicht um ihre Namen, sondern trachtet vielmehr, daß eure Namen
im Buche des Lebens aufgezeichnet werden! Trachtet vor allem nach Meinem
Reich und dessen ewiger Wahrheit! Alles andere wird euch zur rechten Zeit
gegeben werden. – Amen. Ich, die Ewige Liebe und Weisheit. Amen. Seid unbesorgt! – 13. August 1840
[HiG.01_40.08.13] An obengenanntem Tage empfing der Freund
Jakob Lorbers, Andreas Hüttenbrenner, Bürgermeister von Graz, das Schreiben
eines Unbekannten mit folgendem Wortlaut: [HiG.01_40.08.13] Wohlgeborener Herr! Auch die Schriften,
welche aus unseren Staaten ins Ausland zum Drucke gesandt werden, unterliegen
den k. k. Zensurgesetzen. Da man durch einen Beamten auf Ihr Vorhaben allhier
aufmerksam gemacht wurde, so erinnere ich Sie und ihre Herren Teilnehmer
freundschaftlich, diese Gesetze nicht zu übertreten, um sich nicht gewissen
Unannehmlichkeiten auszusetzen.“ [HiG.01_40.08.13] Jakob Lorber und seine Freunde richteten
danach folgende Bitte an den himmlischen Vater: [HiG.01_40.08.13] Herr! Wir bitten Dich in aller Demut,
wohlbewußt unserer großen Schwäche, infolge welcher wir ohne Dich, Du
allerbester Vater, nichts, mit und in Deiner großen Liebe und Gnade aber
alles nach Deinem heiligen Willen vermögen. Du weißt all unser Tun und
Lassen, und auf unserem Haupte ist kein ungezähltes Haar. Du weißt, daß uns
die Welt nicht mehr anziehen kann, am allerwenigsten aber die wie immer
gearteten politischen Verhältnisse; daß wir nur Dein lebendiges Wort suchen,
um nach demselben ein Dir, o bester Vater, wohlgefälliges stilles, sonst aber
aller Welt und deren Verhältnissen unschädliches Leben zu führen. Sage uns
gnädigst, was hinter dem Schreiben an Bruder A. steckt? O bester Vater, Du
Ewige Liebe in Jesu Christo, erhöre unsere Bitte! – Dein Wille geschehe!
Amen. [HiG.01_40.08.13] Es erging folgende Antwort: [HiG.01_40.08.13,01] Nun, so schreibe! – Ich sage dir,
nichts ist dahinter! – Wenn aber ein so großes Licht aus den allerhöchsten
Himmeln zur Erde darniedersteigt, wie sollte es geschehen, daß es nicht
irgend gewittert werden möchte!? Seht ihr doch noch den leisen Schimmer einer
unendlich fernen Sonne, wie wäre es möglich, daß das allerhöchste Licht so
ganz und gar unbemerkt zur Erde gelangen sollte!? [HiG.01_40.08.13,02] Aber seid unbesorgt, es geschieht
alles nur nach Meinem Willen! Keinem von euch wird je ein Haar gekrümmt
werden. Daher seid fröhlich und voll guten Mutes! Denn Ich bin ja allezeit
bei euch. [HiG.01_40.08.13,03] Liebet nur Mich und sehet allezeit auf
Mich! Und machet euer Vertrauen fester als einen Diamanten. Denn wer auf
Meinem Grunde baut, der bauet fest. Und Ewigkeiten werden keinen Stein
verwittern in allen Gemächern eines Hauses, das da gebaut wurde auf Meinem
Grunde in der wahren Liebe zu Mir! [HiG.01_40.08.13,04] Wahrlich, wahrlich, wahrlich sage Ich:
Diese ganze Erde wird verwehet sein wie Spreu mit all ihren schönen
Herrlichkeiten, ja, in der ganzen Unendlichkeit wird jede Sonne ewig zunichte
werden – aber höret, was da Ich gesagt habe, wird bestehen wesenhaft, solange
Ich, Gott, der Unendliche, der Ewige, bleiben werde! [HiG.01_40.08.13,05] Wehe aber dem, der es wagen wird,
böswillig daran auch nur ein Häkchen zu ändern, für den wäre es besser, er
wäre nie geboren worden. Denn ewig verflucht sei der, der da widerstreben
wird dem Geiste Meiner großen Gnade! [HiG.01_40.08.13,06] Ich lege der Welt keine Hindernisse in
den Weg und lasse sie wandeln ihre Schlammwege; aber das sage Ich: Den
Spötter werde Ich stürzen in die Gräber der Finsternis, den Verächter strafen
mit dem plötzlichen Tode, und wer da wird aufhalten wollen Meine Schritte,
der wird zerquetscht werden gleich einem Wurme. Wer aber aus zeitlichem Interesse
Meine Wege mit vernichtenden Augen ansehen wird, den wird Mein Blick
vernichtend treffen, und da soll ein blinder Teufel eher Gnade finden als ein
solcher Satansbruder! [HiG.01_40.08.13,07] Einst trat Ich als Bettler arm und
schwach auf die Erde und wurde gekreuzigt. Nun komme Ich als starker Held und
Mein Gericht mit Mir! Wer Mich ergreifen wird mit Liebe, der wird leben ewig;
wer aber auch nur einen Finger gegen Mich kehren wird, der soll gekreuzigt
werden im Feuer Meines Grimmes! [HiG.01_40.08.13,08] Das sei euch eine sichere Urkunde aus
Meinem Munde, daß ihr nichts zu besorgen habt. Denn jetzt nehme Ich jeden
auf, zu dem Ich komme und der Mich aufnimmt. Wer da hören wird Meine Stimme,
der wird leben; der Taube aber wird zugrunde gehen. [HiG.01_40.08.13,09] Das sage Ich, die Ewige Wahrheit, aus
der großen Mitte Meiner unendlichen Macht! – Amen, Amen, Amen. Die Perlenmuschel – und die
Urstufen der Tierwelt. – 15. August 1840
[HiG.01_40.08.15] Schreibende: K. G. L. – S. – Andr. und Ans.
H. – Das Thema „Perlen-Muschel“ wurde erst heute, als wir an den Schreibtisch
gingen, gewählt. Unser Herr sprach durch den Mund Seines Knechtes J. L.: [HiG.01_40.08.15,01] Bevor Ich euch etwas über diesen
Gegenstand (Perlenmuschel) sagen werde, ist es für euer Verständnis
notwendig, einen kleinen Rückblick zu machen; da eine vorgerückte Stufe nicht
begriffen werden kann, bevor das Vorhergehende zu einer gewissen Klarheit in
eurem Gemüte geworden ist. [HiG.01_40.08.15,02] Nun sehet, unter allen Gelehrten und
sogenannten Naturforschern weiß niemand, und schwerlich wird jemand aus sich
wissen, wo in der Schöpfung die eine (Wesen-)Klasse aufhört und in die andere
übergeht, noch wo die erste den Anfang nimmt. So weiß niemand, wo das
Mineralische den Anfang nimmt und wo es aufhört, ebensowenig weiß jemand den
Beginn der Pflanzenwelt und den Schluß derselben. Und am allerwenigsten weiß
jemand, wo die animalische Welt beginnt und wo sie ihr Ende nimmt. Denn dem
Forscher erscheint alles ineinandergeschmolzen, während bei Mir die
scharfbegrenztesten Unterschiede stattfinden. Ja, Ich sage euch, es gibt in
der ganzen Schöpfung auch nicht zwei Dinge, die davon eine Ausnahme machen. [HiG.01_40.08.15,03] Dem matten Auge eines solchen
Naturforschers erscheint freilich, daß Nacht und Tag sich in einem unmerklich
übergehenden Zusammenfließen vereinen. Aber seht, diese Bemerkung eines
solchen Naturforschers liegt bloß in der außerordentlichen Schwäche seiner
inneren Sehe begründet. [HiG.01_40.08.15,04] Damit ihr dieses jedoch
notwendigerweise leichter fassen und begreifen möget, so will Ich euch ein
paar sehr handgreifliche Unterschiede geben. [HiG.01_40.08.15,05] Sehet, dem Naturblinden schmelzen Tag
und Nacht innig zusammen, er wird zwischen der Nacht und dem schwachen Schimmer
des Tages einen kaum merkbaren Unterschied finden. Aber so ihr ein fernes
Gebirge betrachtet, besonders wenn die Luft noch ziemlich trübe ist, so
werdet ihr an dem Gebirge nichts als eine flache Wand erblicken, während
dieses Gebirge doch nichts weniger als eine flache Wand ist, wovon ihr euch
schon öfter werdet überzeugt haben. Dasselbe ist der Fall, so ihr eine
vollkommen ebene Fläche, z.B. eines wohlgeschliffenen Diamanten, betrachtet.
Würdet ihr diese Fläche mit einem Mikroskope betrachten, welches die Linien
zehnmillionenmal vergrößern würde, so würdet ihr auf einer solchen ebenen
Fläche ganze Klüfte und Abgründe entdecken – woraus euch schon in
naturmäßiger Hinsicht sehr leicht begreiflich werden würde, wie sehr sich die
halb und oft ganz blinden Naturforscher an der Natur irren, wenn sie meinen,
daß die Dinge in ihren Klassen, Formen und Charakteren ineinanderfließen. [HiG.01_40.08.15,06] Dieses war notwendig vorauszuschicken,
denn sonst könntet ihr das Folgende unmöglich begreifen. Es ist besser, von
einem Dinge und dessen Verhältnissen gar keine Vorstellung zu haben, als eine
falsche. Denn wer da steht auf einer morschen Stufe, der wird seinen Fuß
nicht eher zur zweiten heben als die erste samt ihm in den Abgrund sinken
wird. [HiG.01_40.08.15,07] Nun, so merket, wo die Tierwelt
anfängt! – Ihr werdet meinen, das Wasser sei die Mutter der Tiere. Allein es
ist dem nicht so. Denn wo ihr mit dem Mikroskope in einem Tropfen des Wassers
animalische Lebensformen entdeckt, da steht das Reich der Tiere schon auf der
tausendsten Stufe der Fortbildung. [HiG.01_40.08.15,08] Die erste Klasse der Tierwelt sind die
unendlich kleinen Bewohner des Äthers. Sie sind in demselben ungefähr das,
was ihr in eurer Sprache „Atome“ nennet und sind so außerordentlich klein (wohlgemerkt
nur eurem Auge), daß auf einem Punkte, den ihr nur unter einer starken
Vergrößerung als solchen entdecken könnt, schon mehrere Trillionen
überflüssigen Platz fänden. [HiG.01_40.08.15,09] Wenn ihr solche Tierchen mit euren
Augen entdecken wolltet, so müßtet ihr einen solchen Punkt trillionenmal
vergrößern können, was euch im irdischen Leben wohl nie gelingen wird, allda
nie ein sterbliches Auge die Dinge in ihrer Wahrheit wird schauen können,
sondern nur das Auge des Geistes. [HiG.01_40.08.15,10] Nun werdet ihr fragen, woher diese
Tiere kommen und wie sie entstehen? – Da sage Ich euch: Diese Tiere entsehen
aus dem Zusammenflusse der Sonnenlichtstrahlen, welche sich allenthalben in
dem unermeßlichen Schöpfungsraume begegnen. Und daher wird es euch auch
verständlich klar werden, wozu das viele Licht, welches der Sonne in die
weiten, leer scheinenden Räume entströmt, von Mir, gewiß nicht unweise,
verwendet wird. [HiG.01_40.08.15,11] Die Gestalt dieser Tiere ist die einer
Kugel, deren Oberfläche äußerst glatt ist. Ihre Nahrung ist die Essenz des
Lichtes. Und ihre Lebensdauer ist der trillionste Teil einer Sekunde, worauf
sie – nach ihrem Ableben zu Trillionen sich einend – eine zweite Klasse von
Wesen zu bilden anfangen, die sich zwar hinsichtlich der Größe von ihren
Vorgängern um nicht gar vieles unterscheiden; nur wird ihr Leben um soviel
konzentrierter, so zwar, daß sie schon ein Bedürfnis nach Nahrung empfinden;
daher sie auch schon mit einem Organe versehen und unter dem Ausdrucke
„Monaden“ zu verstehen sind. [HiG.01_40.08.15,12] Diese Tiergattung hat ihren Lebensraum
schon in der Planetensphäre, d.h. in dem Bereiche, allda Planeten um die
Sonne kreisen. Ihre Lebensdauer ist der tausendbillionste Teil einer Sekunde.
Sehet, wie groß auch der Unterschied zwischen der Lebensdauer eines Atomes
und einer Monade ist, so ist er aber für euch – eurem natürlichen Wahrnehmen
nach – doch ein ganz unmerkbarer, da ihr mit euren Sinnen den trillionsten
und tausendbillionsten Teil wohl niemals unterscheiden möchtet. Und doch wird
euch die Rechnung einen ungeheuren Unterschied zeigen. – Nun auf gleiche
Weise wird fast unter gleicher Gestalt eine Klasse nach der andern mit einem
stets potenzierteren Leben gebildet, bis endlich das Leben solcher Wesen zu
einer solchen Potenz gediehen ist, daß es anfängt, sich an der obersten
Luftregion als ein lichtvoller, bläulicher Dunst anzusiedeln. [HiG.01_40.08.15,13] Die Lebensdauer dieser Wesen ist dann
schon nach und nach bis zum tausendmillionsten Teile einer Sekunde
angewachsen. Da geschieht es dann öfter, daß sich durch einen innern Trieb
viele Trillionen und Trillionen solcher Blaulicht-Tierchen ergreifen und zur
Fortbildung einer höheren Klasse begatten. [HiG.01_40.08.15,14] Ein solcher Prozeß wird dann euren
Augen unter der Gestalt einer sogenannten Sternschnuppe sichtbar. Das Leben
vieler solcher Tierchen tritt dabei aus ihren leichten Larven und vereinigt
sich dann wieder zu einem Leben. Die Larven aber fallen dann vermöge ihrer
Lebenskraft-Kompression als scheinbare, oft als weichere, oft aber auch schon
als steinfeste, sogenannte „Meteoroliten“ zur Erde und vermehren die Erde mit
ihrer toten Wesenheit. [HiG.01_40.08.15,15] Die nun freigewordenen
Tierchen-(Seelen) sammeln sich dann gerade auf der spiegelglatten Oberfläche
der atmosphärischen Luft in großen Massen und werden euch sichtbar als
sogenannte „Lämmerwolken“. Bei diesen Tierchen, die noch immer unendlich
klein sind für euer Auge, findet schon eine Reproduktion ihresgleichen statt,
welche jedoch nicht permanent, sondern intermittierend ist. Denn wenn sie
sich bis zu einer gewissen Masse und großen Anzahl vermehrt haben, dann
werden sie vermöge der entlebten, freigewordenen Lebenshülschen schwerer und
schwerer und sinken dann unter die Oberfläche des Luftmeeres. Dadurch
geschieht wieder eine gewisse Vermählung erwähnter Tierchen-Massen mit dem in
der Luft konzentrierten wärmehaltigen Lichte, welches unter dem sogenannten
„elektrischen Stoffe“ verstanden wird. [HiG.01_40.08.15,16] Dadurch wird nun sogleich eine schon
vollkommenere, sehr lebhafte Klasse gebildet, und diese füllt dann die Luft
in dichter Wolkengestalt. [HiG.01_40.08.15,17] Wenn dann – was freilich nur
periodisch geschieht, je nach dem mehr oder minder starken Ausströmen des
Lichtes aus der Sonne (was von den verschiedenen, euch noch unbekannten,
großen Prozessen auf dem Sonnenkörper herrührt) – nach euren Begriffen diese
Wolken vermöge ihrer schon wieder potenzierten Reproduktionskraft zu einer
großen Masse herangewachsen sind, allda geschieht dann wieder ein
Klassenwechsel. Das Leben entbindet sich aus den noch immer kugelförmigen
Larven, welche jetzt schon so groß sind, daß sie unter einem starken
Mikroskope bereits wahrgenommen werden können, und fährt dann urplötzlich mit
großer Schnelligkeit und großem Getöse als sichtbarer Blitz zur Erde, oft
auch wieder in die feuchten Teile der Luft – und teilt sich sogestalt in
großer Schnelle teils der Materie, teils der Vegetation der Pflanzenwelt,
hauptsächlich aber einer in seiner Lebenssphäre ihm zunächstliegenden
Tierklasse mit. [HiG.01_40.08.15,18] In die entleerten Larven aber zieht
sich alsogleich beim Austritte des Lebens aus denselben die Feuchtigkeit der
Luft, welche Feuchtigkeit eigentlich eine wohlgesegnete Substanz Meiner
Barmliebe ist, und fällt dann nach Vereinigung vieler solcher segenerfüllter
Larven als Regen zur Erde. [HiG.01_40.08.15,19] Nun erst fängt ein irdisches Tierleben
an, und zwar in den Zwischenräumen solcher wassergefüllter Hülschen, und
saugt die Nahrung aus Meiner Barmliebe. [HiG.01_40.08.15,20] Wenn dann nun die erlösten und
freigewordenen Geister aus dem unteren Pflanzenreiche solches gewahr werden,
alsdann treten sie nach Meiner Ordnug alsobald aus ihren Hüllen, vereinigen
sich mit diesem gleichsam elektrischen Tierleben zu Millionen in eines und
bilden die euch schon etwas bekannten sogenannten Infusionstierchen; wovon
ihr euch überzeugen könnet, so ihr was immer für eine Pflanze nehmet,
dieselbe ins Wasser leget und einige Zeit stehen lasset. Wenn ihr dann einen
großen Tropfen unter ein gutes Mikroskop bringet, so werdet ihr da sobald
schon in einem nur sandkorngroßen Punkte gar viele frei lebende und sich
bewegende, geformte Wesen entdecken. Das ist nun die erste Tiergattung, die
in der sichtbaren Materie dem aufmerksamen Beobachter zum Vorscheine kommt. [HiG.01_40.08.15,21] Jedoch werdet ihr nach Verlauf einer
längeren Zeit in einem solchen Tropfen nicht nur eine, sondern wohl
tausenderlei Tiergattungen entdecken, die sich in ihrer Form und
Benehmungsweise wesentlich unterscheiden. Und ihr müßt ja nicht meinen, daß
diese Tiere zugleich entstehen, sondern da geht immer eine Klasse durch die
Vereinigung aus einer andern hervor. [HiG.01_40.08.15,22] Wenn ihr sehr gute Instrumente
besitzen würdet, welche bis jetzt freilich noch nirgends in erwünschter
Vollkommenheit vorhanden sind, so würdet ihr in der Beschaffenheit einer
höheren Klasse noch deutlich zahllose Formen einer unteren Klasse entdecken.
Denn da geht eine zweifache Zeugungsweise vor sich, nämlich die von
Seinesgleichen und die einer höheren Klasse, welches auf folgende Weise
geschieht: [HiG.01_40.08.15,23] Eine höherstehende Tierklasse nämlich
verschlingt sehr gefräßig eine Unzahl Lebewesen aus der unteren Klasse.
Dadurch wird nun aus dem materiellen Substrate und der individuellen
Beschaffenheit der höheren Klasse Seinesgleichen reproduziert. – Jedoch was
die vielen dadurch freigewordenen geistigen Potenzen in einer solchen höheren
Klasse betrifft, so bilden diese – sich wieder einend – immerwährend eine
noch höhere Klasse, welcher Akt dem materiellen Auge freilich niemals
sichtbar werden kann, da er ein geistiger ist. [HiG.01_40.08.15,24] Und so geht es von Stufe zu Stufe
höher, bis wieder ein Kreis von tausend Gattungen durchgegangen ist. Allda
geschieht dann wieder ein sichtbarer, großartiger Prozeß, welcher sich durch
Stürme oder sonstige große Bewegungen im Wasser kundgibt, allwann solche
Geister schon mächtig werden und ihre Gegenwart in den Winden fühlen lassen.
– Da geschieht dann eine Teilung. Einige vereinigen sich zu allerlei Gewürm
der Erde, andere aber zu dem Gewürm des Wassers. Und diese Weiterzeugung
geschieht dann durch Bewegung von sichtbaren größeren Hülsen, welche ihr
schon „Eierchen“ nennt, woraus dann wieder ein und dieselbe Gattung sich
reproduziert zur Aufnahme einer vielfältigeren unteren Klasse. [HiG.01_40.08.15,25] Zunächst solchen Würmern kommen dann
schon die kleineren Gattungen der Schaltiere, und zwar zuerst die der
Schnecken. Zunächst dieser auch zugleich die der Muscheltiere, welche beide
Gattungen fast zu gleicher Zeit entstehen – nur mit dem Unterschiede, daß der
bessere, gewisserart männliche Teil zu Schnecken und der schlechtere,
gewisserart weibliche Teil zu Muscheln wird. [HiG.01_40.08.15,26] In dieser Schnecken- und
Muschelgattung geschieht dann wieder bis zur Schildkröte eine ebenfalls
tausendfache Progression. Jedoch weiter wollen wir für diesmal die Ordnung
nicht verfolgen, sondern wollen nun bei der sogenannten Perlenmuschel
verbleiben. [HiG.01_40.08.15,27] Die Perlenmuschel steht in der Fortbildung
in der neunhundertneunzigsten Stufe und ist aus einer Vereinigung der euch
bekannten Perlmuttermuschel mit der euch ebenfalls bekannten
Perlmutterschnecke hervorgegangen. Allda vereinigt sich nämlich ein
zweifaches Leben, ein weibliches und ein männliches. [HiG.01_40.08.15,28] Das weibliche Leben verschließt sich
in eine äußerlich rauhe, innerlich jedoch sehr schön metallisch schimmernde
Doppelhülle und vegetiert in derselben ganz wohl. Es nährt sich von den substratreichen
Würmerlarven, aus denen es das Substrat in sich saugt. Die ganz ausgesaugte
Larve aber verwendet es zum Weiterbau seines Gehäuses, welches also
geschieht: [HiG.01_40.08.15,29] Wenn das Muscheltier durch seine
vielen Saugrüsselchen seine Kost genommen hat, so behält es das Substanzielle
als seine Nahrung in sich und schwitzt die leeren, erweichten Hülsen durch
eben diese Rüssel wieder an seine Schale, allwo sie sich ankleben und durch
den Beitritt des salzigen Wassers festen, da sie dadurch herbe,
zusammenziehend und kompakt werden. [HiG.01_40.08.15,30] Wenn nun eine Perlenschnecke gewahr
wird einer solchen weiblichen Muschel, dann kriecht sie sogleich hin zur
selben, setzt sich an die runzlichte Schale und bohrt an dem fühlbaren
feineren Teile der Muschel Öffnungen oder Löcher. Wenn nun die Muschel
solches liebegeartetes Treiben der Schnecke gewahr wird, alsdann fängt sie
an, ihre unverdaulichen Nahrungsteile, nämlich die Larven, deren erwähnt
wurde, an den Stellen, wo die Schnecke durchgearbeitet hat, abzusetzen, um
die Öffnungen gleichsam zu verstopfen. Die Schnecke aber hindert ihrerseits
das Gelingen soviel als ihr nur immer möglich. Denn sie schwitzt dann bei
solchen Öffnungen ebenfalls ihren Unrat hinein, wodurch sich natürlicherweise
eine Art Kugel innerhalb einer solchen Öffnung gestaltet, welche dann sowohl
aus den Exkrementen der Perlenmuschel als auch aus denen der Schnecke sich
formt und an welcher – besonders wenn sie größer geworden ist – noch allerlei
Kampfeindrücke wohl bemerkbar sind. [HiG.01_40.08.15,31] Auf solche Art geht dieser Kampf oft
viele Jahre vor sich. Und wenn dann eine bestimmte Lebenszeit verflossen ist,
alsdann verläßt die Schnecke ihre Stelle und macht sich an den sogenannten
Mund der Muschel, allwo sie mit einem ihr eigentümlichen Stachel das Fleisch
der Muschel durchsticht. Dadurch öffnet sie dem Leben der Muschel die Türe,
worauf sie ihr eigenes Haus verläßt, sich selbst mit diesem Leben vereinigt
und dann in einer höheren Schneckengattung, als die sogenannte Nautilus-Schnecke,
auftritt, allwo sie voll Freude ist, ein schönes Haus baut, selbes sogar
äußerlich und innerlich mit schönen Zierraten bemalt und zum Zeichen des
Sieges – besonders bei Stürmen, gleichsam ihr erhöhtes Leben zeigen wollend –
eine förmliche Fahne emporschießen läßt. [HiG.01_40.08.15,32] Nun sehet, das ist die ganze
naturgemäße Bildungsgeschichte der Perlenmuschel und kann euch als ein
sinnreiches Bild dienen, wie durch Beharrlichkeit und Ausdauer im Guten ein
schöneres und erhabeneres Leben durch die Vereinigung des Guten und Wahren
aus Mir hervorgeht und stark und mutig selbst die Stürme der Zeiten zu seiner
Freude verwendet. Denn dem Sieger ist das Zeichen der Macht eine Krone und
gibt ihm eine friedliche Seligkeit im Anblicke seines Beharrens. Nur dem
Besiegten ist der Anblick der Siegestrophäen eine Qual. [HiG.01_40.08.15,33] Daher sollet auch ihr mit dem Stachel
eurer Demut in euer Inneres graben, um dadurch eurem Geiste die Türe des
Lebens in euch zu öffnen. Und wie die kostbaren Perlen als Zeichen edlen
Strebens in der toten Muschel zurückbleiben, so werden eure Taten, wenn sie
aus Meiner Liebe und Wahrheit hervorgegangen sind, der Nachwelt dauernd
zurückbleiben. Und da wird keine so klein sein, daß sie nicht gleich einer
auch noch so kleinen Zahlperle an die große Zierschnur des menschlichen
Lebens frucht- und heilbringend gereiht werden möchte. [HiG.01_40.08.15,34] Sehet, das ist nun wieder ein kleines
Evangelium, welches euch eine Perlenmuschel predigt. Und so, wie in ihr,
liegt in jedem naturmäßigen Dinge eine große Spur, entsprechend Meiner ewigen
Liebe und Weisheit, verborgen. [HiG.01_40.08.15,35] Daher seid fleißig, dieweil es Tag
unter euch geworden ist, und sammelt euch des Öles viel von Meinem lebendigen
Ölbaume – damit, wenn nach dem Tage wieder eine Nacht kommen sollte, ihr euch
eine Lampe anzünden möget zur Zeit der Nacht und erwarten Mich, den Bräutigam
eures Lebens. Denn wenn Ich zu jemand komme, so komme Ich nie am Tage,
sondern allezeit zur Nacht, kehre aber nur in ein Haus ein, allwo Ich ein
sanftes Licht Meiner Liebe brennen sehe. [HiG.01_40.08.15,36] Denn die Liebe ist das wahre Öl des
Lebens. Wenn ihr dieses Öl in die Lampe eures Herzens gießet, so werde Ich es
anzünden mit Meiner Gnade. Und wenn nun dadurch die Nacht eurer Seele
erleuchtet ist, dann erst werde Ich kommen als wahrer Bräutigam des Lebens
und Wohnung nehmen in euren Herzen. [HiG.01_40.08.15,37] Daher seid emsig und fleißig! – Amen!
– Ich, die Ewige Liebe und Weisheit, sage es euch! – Amen. Die Naturseelenentwicklung im
Tierreich. – 16. August 1840
[HiG.01_40.08.16.a] Schreibende: K. G. L. – S. – D. – Andr.
und Ans. H. – Der Herr sprach durch Jakob Lorber wie folgt: [HiG.01_40.08.16.a,01] Damit ihr euer heutiges Thema,
welches in der inneren geistigen Darstellung einer Taube besteht, begreifet,
so ist es notwendig, einige flüchtige Rückblicke auf das am gestrigen Tage
euch Mitgeteilte zu machen. [HiG.01_40.08.16.a,02] Obschon die Bewohner der Luft nächst
den Bewohnern des Wassers die höhere Fortbildungsstufe einnehmen, so ist es
doch, wenn man aus dem Wasser gestiegen ist, nötig, zuerst über die Fläche
der Erde einen Blick zu werfen und dann sich erst in die Regionen der Luft zu
erheben, um daselbst eine nähere Bekanntschaft mit deren geflügelten
Einwohnern zu machen. [HiG.01_40.08.16.a,03] Im Wasser gibt es eine sonderbare
Art Wesen von einer sehr unförmlichen Gestalt, die da nicht besser aussieht
als ein vielbezweigter Baumast und von euch mit dem Namen „Polyp“ benamset
wird. Dieser Polyp setzt sich gleich einem Baumgewächse an irgendeiner Stelle
fest, wurzelt sich in dieselbe ein und ergreift mit seinen vier, fünf, sechs,
oft auch sehr vielen Armen oder Rüsseln die ihm nahekommenden Gewürmer und
andere Wasser-Insekten und verschlingt dieselben in sich, wodurch er dann –
besonders in den unteren Tiefen des Meeres – zu einer baumartigen Größe
heranwächst. [HiG.01_40.08.16.a,04] Wenn dadurch nun seine
Verdauungsorgane fester und fester geworden sind, so fängt er, auch hierin
gleich einem Baume, an, teilweise abzusterben und lebt nur noch in seinen
äußeren, jüngst gewachsenen Rüsseln fort. Jedoch nach und nach, besonders
wenn es ihm anfängt an hinreichender Nahrung zu gebrechen, so wird er dann
ganz tot. [HiG.01_40.08.16.a,05] Ist nun dieses mit ihm vorgegangen,
so geht sein ganzes unförmliches Wesen in eine unzählige Menge von kleinen
rötlichen Würmern über. Diese Würmer zehren dann, sich gewaltig vermehrend,
wohlbehaglich an einem solchen abgestorbenen Polypen. Und wenn sie sich so
gewisserart zu Tode gefressen haben, dann vereinigt sich ihr Leben zu einem
Leben, aus welchem dann eine Art Fische zum Vorscheine kommt. [HiG.01_40.08.16.a,06] Dieser Fisch ist der nämliche, der
euch unter dem Namen „Tintenfisch“ oder „Tintenwurm“ (Sepia) bekannt ist und
in großen Mengen seine Wohnung vorzugsweise in den größten Tiefen der Meere
hat. [HiG.01_40.08.16.a,07] Seine Nahrung besteht ebenfalls in
einer Art schwarzbrauner Würmer, welche ungefähr die Gestalt eines
Haferkornes haben, an ihren Bauchseiten gleich einem Fische mit zwei Flossen
versehen sind und ihren Feind ganz wohl kennen. Wenn nun unser Tintenfisch
seine Mahlzeit halten will, so trübt er das Wasser mit einem schwarzen Safte,
welcher zugleich eine betäubende Wirkung auf die kleine Tierwelt ausübt. [HiG.01_40.08.16.a,08] Nun, auf diese Weise bereitet er
sich dann immer seine Mahlzeiten. Und wenn er sich so jahrelang hindurch an
Tausenden und Tausenden solcher Würmer sattgefressen hat, so stirbt er
natürlich in der Menge seines Geschlechtes, nachdem er mehrere Millionen solcher
(Würmer-)Leben in sich aufgenommen hat. [HiG.01_40.08.16.a,09] Diese nun so potenziert vereinten
Würmerleben vereinen sich dann wieder – wie schon bekannt – in eines, von
welcher Vereinigung freilich wieder keinem Naturforscher je etwas geträumt hat.
Ich aber, als der Urheber aller Dinge, weiß wohl alle Wege, die Ich
vorgezeichnet habe in Meinen Werken. Und somit sage Ich euch, daß aus der
Vereinigung solcher Leben wiederum ein anderes Wesen hervorgeht, und das zwar
der sogenannte „Seefalk“ oder „fliegende Fisch“. [HiG.01_40.08.16.a,10] Dieser Seefalk nährt sich nun teils
von den Insekten des Meeres, teils aber auch von den Insekten, die er in
einem raschen Fluge in der Luft fängt; daher hat er auch seiner inneren
Gestaltung nach eine doppelte Einrichtung, nämlich die eines Fisches und die
eines Vogels. Er hat nämlich in seinem Bauche eine Blase, die er
augenblicklich mit atmosphärischer Luft füllen und nach seinem intelligenten
Vermögen auch wieder ganz oder zur Hälfte entleeren kann. [HiG.01_40.08.16.a,11] Aber da ist wieder für die
Naturforscher ein unauflöslicher Knoten vorhanden, da sie nicht wissen, wie
der Fisch in der Mitte des Wassers zu atmosphärischer Luft kommt und woher er
sie nimmt. Jedoch so schwer wie den Naturforschern wird es Mir nicht sein,
euch auch dieses Rätsel völlig zu lösen. Also merket: [HiG.01_40.08.16.a,12] Der Fisch läßt durch einen eigenen
Kanal einige Tropfen Wasser in die Blase hineindbringen. Unter der Blase aber
befindet sich ein dunkles, metallisch aussehendes Gewebe. Dieses Gewebe hat
die Eigenschaft, daß es alsbald eine über 80 Grad heiße Temperatur annimmt,
sobald sich ein Tropfen Wasser über ihm in der Blase befindet. Durch diese
plötzlich erzeugte Hitze wird das Wasser in einem Augenblicke in einen Dunst
aufgelöst und füllt somit die Blase mit atmosphärischer Luft. Diese chemische
Handlungsweise ist nach Meinem Willen jedem Fische, je nach seinem
Bedürfnisse, so geläufig wie euch die Bewegung eurer Hände und Füße. [HiG.01_40.08.16.a,13] Nun, eine solche Einrichtung hat
denn also unser fliegender Fisch. – Aber seht, so könnte er noch nicht
fliegen, und wären seine Flügel auch ellenweit. Sondern er hat noch nebst
dieser Blase durch sein ganzes Körperwesen eine Menge Röhrchen oder Organe
gezogen, welche – wenn er fliegen will – sogleich mit einem äußerst leichten
Gase gefüllt werden. Diese Füllung geschieht auf folgende Weise: [HiG.01_40.08.16.a,14] Die atmosphärische Luft wird durch
einen eigenen inneren, elektrischen Prozeß geteilt, dadurch sinkt das Schwere
der atmosphärischen Luft als tropfbare Flüssigkeit in der Blase nieder und
wird durch einen eigenen Kanal, der sich nur bei einer solchen Gelegenheit
öffnet, alsogleich hinausbefördert. Das sehr leichte Gas aber strömt dann in
die erwähnten vielen Röhrchen und benimmt der Fleischmasse des Fisches in
gerechtem Verhältnisse dessen natürliche Schwere, so zwar, daß sein Körper
annähernd gleichgewichtig wird mit der atmosphärischen Luft. Nun spannt der
Fisch seine Flügel aus und kann mittelst dieser auf natürliche Weise fliegen
wie ein Vogel. Dabei geben ihm seine Flossen nach seiner Intelligenz die
Richtung, und seine Flügel erheben ihn zu jeder beliebigen Höhe. [HiG.01_40.08.16.a,15] Sehet, das ist nun die mechanische
Beschaffenheit dieses Tieres. Wie aber dieses Tier von zweierlei Kost lebt,
so hat es auch zweierlei Feinde; nämlich im Meere eine größere Gattung der
Raubfische, und in der Luft eine Menge große Wasservögel, die fast allezeit
diesen Luft-Usurpator für seine Keckheit mit dem Tode bestrafen. [HiG.01_40.08.16.a,16] Da dieser Fisch nun eine ganz
gutmütige Gattung ist, so geschieht nach seinem Austritte aus solchem Leben
folgender Teilungsprozeß: Der weibliche Teil, somit auch der blödere,
vereinigt sich und geht sogleich in eine Vogelgattung über, welche bei euch
unter dem Namen die „Seemöve“ bekannt und noch immer auf die Nahrung der
Wasserinsekten beschränkt ist. – Der männliche Teil aber vereinigt sich
ebenfalls, und er wird zum Gegenstand eures heutigen Themas – und somit wären
wir zu der sehr bedeutungsvollen „Taube“ gekommen. [HiG.01_40.08.16.a,17] Ich sage euch, was das Lamm unter
den Vierfüßlern, das ist die Taube unter den Bewohnern der Luft, aus welcher
Ursache sie auch wohlbekanntermaßen von Mir als das Bild der Sanftmut, ja oft
auch als das Bild der Heiligkeit Gottes dargestellt wird. Und so steht dieses
Tier an der Spitze aller Bewohner der Luft und zugleich, durch seine Sanftmut
und gänzliche Unschädlichkeit, auf der letzten Stufe, allwo ihre Geister,
sogleich mit zahllosen Geistern aus andern edlen Kreaturen beherrschend
vereint, zu Menschen-Seelen werden. – Ihr weiblicher Teil entspricht der
sanften Liebe, ihr männlicher der daraus fließenden Gnade. [HiG.01_40.08.16.a,18] Ihr werdet euch zwar, da es im Meere
eine so gewaltige Menge der Tiergattungen gibt, fragen, auf welche Weise wohl
diese alle bis zur Stufe der Taube gelangen können. Allein da sage Ich euch,
der sogenannte Polyp ist eben auch sehr verschiedenartig, und da gibt es denn
fast jeder Tiergattung des Wassers entsprechende Polypen. Und diese Polypen
sind durchgehends nicht, der Meinung eurer Naturforscher entsprechend, eine
allerunterste Gattung der Tierwelt, sondern vielmehr ruhige
Läuterungsanstalten, welche immerwährend – ohne abzusetzen – in sich
verschlingen, was ihnen unterkommt. Und so sind sie eine Mittelstufe zwischen
den Würmern und allen möglichen Fischgattungen. Denn durch sie wird die Welt
der Würmer in eine höhere Stufe befördert. [HiG.01_40.08.16.a,19] Die Fische aber stehen schon
sämtlich auf dieser höheren Stufe, da sie nach ihrer Lebens-Vereinigung zu
Bewohnern der Luft werden. Und so entspricht fast jede Fischgattung einer
Vogelgattung. [HiG.01_40.08.16.a,20] Jedoch ist im Meere noch eine andere
Gattung der Tiere, welche durch das euch schon bekannte Schaltier-Leben
fortgebildet wird, deren letzte Bildungsstufe schon so gestaltet ist, daß sie
teils im Wasser, teils auch auf der Erde in atmosphärischer Luft leben
können. Dergleichen Tiere sind die Schildkröten wie auch noch andere,
schildlose Kröten- oder Frösche-Gattungen; welche Tiere alle schon mit den
Sinnen des Gesichtes, des Gehöres, des Geruches und des Gefühles sowie auch
des Geschmackes begabt sind. Ferner sind das Seekalb, der Seelöwe, das Walroß
und so auch alle Vierfüßlern entsprechende Tiere als Halbbewohner des Wassers
und der Erde anzusehen, durch deren Gattungsvereinigung entsprechende
Vierfüßler der Erde werden. [HiG.01_40.08.16.a,21] Es gibt dann noch eine dritte
Fortbildungsstufe im Meere, welche jedoch seltener, daher auch großartiger
und wunderbarer ist, davon Ich euch bei anderer Gelegenheit näheres kundgeben
werde. [HiG.01_40.08.16.a,22] Doch nun kehren wir wieder zu
unserer Taube zurück, welche wir noch näher beleuchten wollen. Entstehungsgeschichte und
Lebensbestimmung der Taube. – 16. August 1840 (Fortsetzung)
[HiG.01_40.08.16.b,01] Obschon die Taube auf diese nun
bekannte Weise dem Meere entstieg, so gehört sie aber doch in der Klasse der
Vögel zu derjenigen Gattung, welche aus allen drei Reichen der Natur – fast
gleich einem Menschen – Nahrung zu sich nehmen kann. Sie kann Körner, Gras,
Würmer, Insekten und sogar kleine Steinchen verzehren, in welcher Hinsicht
sie euren Haushühnern gleichkommt. [HiG.01_40.08.16.b,02] Die Taube selbst aber zerfällt in
ihrem Geschlechte, wie auch jede andere Vogelart, in mehrere Gattungen. Und
da gibt es eine sogenannte Holz- oder Wildtaube, eine Turteltaube, eine
Lachtaube, eine Feldtaube, eine Haustaube, welch letztere sich noch
unterscheidet in die sogenannte Kropftaube oder Goldtaube, Perltaube und so
fort. Und so gibt es noch in anderen Ländern viele Gattungen von verschieden
gearteten Tauben. [HiG.01_40.08.16.b,03] Jedoch die edelste von allen diesen
Taubengattungen ist die Haustaube, auch „die gemeine Haustaube“ genannt,
welche an ihrem ungleichartig gefärbten Gefieder leicht zu erkennen ist. Denn
es soll euch überhaupt das bei der Tierwelt ein Hauptaugenmerk sein: Wo euch
immer eine zahme Tiergattung von derselben Art vielfärbig vorkommt, da steht
sie auch schon eurem Wesen am nächsten; weil die Farbe da schon eine
Charakteristik der inneren vielfältigen Beschaffenheit ausdrückt – aus
welchem Grunde daher auch die weiße Farbe aller andern Färbung vorzuziehen
ist, da sie bei der Tierwelt einer soviel wie makellosen inneren Gemütsart
entspricht. – Da ist nun also eine Charakteristik, nach welcher ihr die
Entwicklungsstufe einer Tiergattung vermöge des Vorhergehenden wohl berechnen
könnet! [HiG.01_40.08.16.b,04] Auf diese Art ist nun die gemeine
Haustaube, wie schon gesagt, die edelste Gattung der Vögel und ist der
Lebensinbegriff aller ihrer Vorgattungen wie auch fast zahlloser Arten
anderer, sanfterer Luftbewohner. Und so ist sie auch ein Aufnahmegefäß des
besseren Lebens aus dem Pflanzenreiche wie auch sogar mitunter aus dem
Mineralreiche. [HiG.01_40.08.16.b,05] Seht, wenn nun eine Taube stirbt, so
vereinigt sich mit ihrem Lebensprinzip das Leben von allen möglichen
Gattungen, sowohl von Vögeln und Landtieren wie auch der Pflanzen und Steine,
und tritt als so vereintes geistiges Leben in den Menschen. [HiG.01_40.08.16.b,06] Jedoch müßt ihr nicht glauben, daß
einzig und allein von der Taube ein solcher Übertritt geschehe, sondern da
gibt es noch tausend Gattungen sowohl der Luftbewohner als auch der
Vierfüßler auf der Erde, durch welche solche Übertritte geschehen. Und möge
euch das noch so sonderbar und wunderbar klingen, so ist es demungeachtet
dennoch gerade also. Denn da kennt niemand Meine Wege, auch nicht ein Engel
des Himmels, als nur Ich allein und der Frommgläubige, dem Ich es mitteilen
will. [HiG.01_40.08.16.b,07] Wer da glaubt, dem werden gar viele
Wunder erschlossen werden. – Jedoch dem Ungläubigen ist weder zu raten noch
zu helfen. Umsonst schaut er mit seinen blinden Augen in Meine große
Werkstätte des Lebens. Ich sage euch: Er wird nichts finden als Exkremente
des Todes. Denn das Leben ist geistig. Und da hilft kein Mikroskop, um
dasselbe in seiner Wirkungssphäre zu belauschen; sondern nur das Auge des
Geistes, welches der Glaube ist, kann da schauen in die Tiefen der Wunder des
Lebens. [HiG.01_40.08.16.b,08] Und glaubet, soviel euch auch von
Mir gezeigt und schon gesagt wurde, so ist das aber doch noch nicht der
trillionste Teil selbst auch nur des Lebens einer Milbe! – Daher denket euch,
daß euer Vater noch gar vieles im Hintergrunde versteckt hat, was euch alles
nach und nach vollendeter und vollkommener gegeben wird, je mehr ihr euch
durch die wahre Demut, welche in dem willigsten Gehorsame besteht,
einfältiger und dadurch auch befähigter gemacht habt. [HiG.01_40.08.16.b,09] Seht, die Taube ist ein einfältiges
Tier. Aber eben in dieser Einfalt kann sie auch mit ihrem Flügelpaare über
alles irdische in die lichtvolle Luft sich erheben und da im raschen Fluge
ihr Gesicht nach allen Richtungen wenden und sich tragen durch die Ströme des
Lichtes, um allda aus dem ewigen Lebensborne stets frische Kost des Lebens in
sich zu saugen. [HiG.01_40.08.16.b,10] Ebenso auch ihr! So ihr geworden
seid gleich einer Taube in eurer Sanftmut und biederen Einfalt, dann wird
euer Geist, gleich diesem sinnlichen Sinnbilde, in dem Reiche des Lebens aus
Mir raschen Fluges Höhen erreichen, von denen keinem Sterblichen auf dieser
Erde auch die leiseste Ahnung gekommen ist. [HiG.01_40.08.16.b,11] Und so oft ihr eine Taube ansehet,
erinnert euch in eurem Herzen dieses kleinen Evangeliums! Und denket, da ihr
solches begreifet, daß euch das große Reich Meiner Gnade nahegekommen und daß
die Zeit herangereift ist, da der Feigenbaum saftig und voller Triebe
geworden ist. [HiG.01_40.08.16.b,12] Nächstens sollet ihr noch die
spezielle Beschaffenheit eines Vogels zur Anschauung bekommen und sehen, wie
er fliegt und wie seine Nahrung in ihm verwendet wird! [HiG.01_40.08.16.b,13] In dieser Erkenntnis werdet ihr
Außerordentliches zu sehen und in euch wohl zu erkennen bekommen. Allein wenn
Ich euch auch solches werde bis ins einzelne erörtert und zergliedert haben –
so denket dabei, daß Ich euch nicht naturmäßig fliegen lehren will, sondern –
geistig! – Amen. [HiG.01_40.08.16.b,14] Ich, die Ewige Liebe und Weisheit! –
Amen. Stellung zur Kirche. – 20. August
1840
[HiG.01_40.08.20,01] Ein ganz kleines Beiwort an jene, die
da meinen, in der Schrift „Der Weg zur Wiedergeburt“ nicht Meine, sondern des
Satans Stimme zu vernehmen, oder jene Schrift doch wenigstens als ein eitles
Machwerk Meines Schreibers ansehen. An sie seien diese Zeilen gerichtet! [HiG.01_40.08.20,02] Sie zweifeln an der Echtheit Meiner
Gnade. Doch wenn Ich auch zweifelsfähig wäre, so könnte Ich da auch sehr an
ihrer Liebe zweifeln! Denn sie haben wohl den Verstandesglauben, aber weit
entfernt ist noch von ihnen ein gläubiges Herz. – Statt das Herz durchs
Gefühl verständig und empfänglich zu machen, füllen sie nur immer mehr und
mehr den Verstand. Dieser ist ihnen von lauter Lesen angeschwollen wie ein
vollgefüllter Ball. Dieser Ball hängt durch die Schnur des Willens am Herzen.
Das Herz nun möchte sich ausdehnen und in vollen Zügen Meine Barmliebe in
sich schlürfen, besonders wenn Ich so etwas recht Demütigendes ein wenig
verhüllt gebe, so daß es wegen der Umhüllung nicht mehr durch die feinen
Poren des Balls ihres Luftverstandes dringen kann und demzufolge aufs Herz
fällt und da Eingang finden möchte. [HiG.01_40.08.20,03] Allein der mit den Luftgasen gefüllte
Verstandesballon zieht dann an der Willensschnur vermöge seiner spezifischen
Leichtigkeit gleich einem Luftballon so stark, daß die Einmündungen in die
Geisteskammern des Herzens dadurch fest zusammengeschnürt werden und die
Gaben auch hier nicht eindringen können. Was folgt aber daraus? Nichts
anderes als Zweifel, weil die lebendige Gabe zwischen den beiden Enden der
Willensschnur, gleichsam auf- und abrutschend, weder in das eine noch in das
andere den Eingang findet. Da muß Ich dann hinzutreten und den Verstand etwas
auslüften, damit er wieder zum Sinken kommt, die Schnur schlaff wird und so
das zusammengeschnürte Herz wieder Luft bekommt. [HiG.01_40.08.20,04] Der ordnungsmäßige Zustand aber soll
folgender sein: Das Herz wird mehr und mehr durch die demütige Darniederkunft
des Verstandes erweitert und nimmt denselben in sich auf. Da wird dann der
Verstand selbst von der Liebe erwärmt und dehnt sich im Herzen aus. Dadurch
wird auch die Liebe gespannter und gespannter, entzündet sich endlich in
ihrer beseligenden Wärme, und das Licht ihrer sanften Flamme durchleuchtet gar
lieblich sanfthell den Verstand. Da erglänzen dann die Schätze des Himmels im
Verstand, werden durch die Wärme des Lichts größer und größer und immer
zerlegter und zergliederter (wie unter einem Mikroskop) – woraus dann das
schöne Herzensverständnis der Liebe und des wahren, lebendigen Glaubens kommt
und das Senfkörnlein sich zum Baume umgestaltet und die Vögel des Himmels und
endlich auch Mich Selbst zum Wohnen in seinen Zweigen einladet. [HiG.01_40.08.20,05] Dieses Gesagte diene zu deiner
Beruhigung bei ferneren, ähnlichen Vorwürfen, als ob du (Jakob Lorber) ein
Diener Zweier wärest, oder als ob Ich Mich auch eines Werkzeuges des Satans
für Meine Gnade bedienen möchte. Das wenige Folgende aber diene zur Lüftung
des Verstandes bei den Zweiflern! [HiG.01_40.08.20,06] Ist es wohl löblich, wenn Kinder ihre
kranke Mutter verlassen und der Leidenden den Tod wünschen ihrer vielen
Gebrechen halber? – Ich sage, die römische Kirche ist eine Hure; aber ihr
seid denn doch in ihr geboren worden und habt die erste Kindermilch aus ihrer
Brust gesogen. Sie lehrte euch zuerst Meinen Namen nennen, nährte euch wie
eine recht zärtliche Mutter und untersagte euch nur das Naschen solcher
Speisen, die euch den Magen verdorben hätten. Sie weckte dadurch in euch den
Appetit zu kräftigeren Speisen der Seele und des Geistes, welche nach Meinem
Willen euch von Mir nie vorenthalten wurden, so daß ihr nach Herzenslust habt
schwelgen können. Und noch heutzutag schwelget ihr wie nicht bald jemand – in
ihrem Schoße! [HiG.01_40.08.20,07] Wie kommt es denn nun, daß ihr mit
Jakobus und Johannes rufet: „Herr, lasse Blitz und Schwefel regnen auf ihr
krankes Haupt!“? – Hört, da schaut noch ganz wenig wahre Liebe heraus! Meinet
denn ihr, Vernichtung sei der Weg zur Besserung!? O nein, da irrt ihr euch
gar abscheulich. So meinten denn auch alle Sektenstifter. Aber sie haben sich
ebenfalls sehr geirrt, und die Folge war: Bruderzwist, Krieg, Mord und Greuel
aller Art! – War eine solche Besserung gesegnet? Oder kann da eine Sekte
sagen: „Meine Lehre ist nicht mit dem Blute der Brüder besiegelt!?“ [HiG.01_40.08.20,08] Sehet, sie, die Römerin, ist dasjenige
ehebrecherische Weib, welches da hätte gesteinigt werden sollen. Ich aber
sage auch hier: „Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie!“ –
Wieder ist sie das kananitische Weib und hat einen großen Glauben und viel
Liebe. – Wieder ist sie das Weib, das da zwölf Jahre am Blutgange litt und
Mir aus Meinem Kleide die Heilung stahl und genaß, da sie viel Glauben und
Liebe hatte. – Und wieder ist sie gleich der großen Hure und hernach Büßerin
Magdalena, die da Meine Füße salbte. – Unter allen diesen Gestalten kann die
römische Kirche auftreten. [HiG.01_40.08.20,09] Dagegen sind andere „Jünger“ voll
Ärgers, so sie von Meinem „Fleische und Blute“ hören. Sie glauben, was sie
wollen, beleben sich mit den Brosamen, die von ihrer Herren Tische fallen
(was da ist mein zerstückeltes Wort) und wollen in ihrem übermütigen Taumel
beweisen, daß Ich gar nicht sei; und wenn doch noch etwas von Mir
übrigbleibt, so kann Ich erst dann sein, wenn sie so herablassend waren und
Mich in ihre „Idee“ aufgenommen haben. Wahrlich Ich sage: So irgendeine Sekte
im Vollbesitze Meines Wortes zu keiner besseren Vorstellung von Mir gelangen
kann als zu einer solchen, die auf Meine gänzliche Vernichtung ausgeht, da
sind Mir sogar die Türken in ihrer ehrlichen und strengen Blindheit lieber,
da sie Mich doch noch für etwas Höheres halten als ihren Abgott Mohammed; und
unvergleichlich lieber die Römischen, allwo man Mir, als Gott und Herrn doch
noch immer wenigstens ein äußerliches, sichtbares Opfer darbringt, welches
für viele ein lebendiges Denkmal Meiner Erlösung ist. [HiG.01_40.08.20,10] Sehet, so steht es also mit Rom! – Ich
habe kein Wohlgefallen am Vatikan noch an der Peterskirche. Und es wäre Mir
an deren Stellen ein Armenhaus überaus lieber. Rom ist eine Stadt, die mit
den Königen der Welt Hurerei getrieben hat. Sie ist eine Hure und tut wie
eine Hure. Sie schmückt ihr Fratzengesicht und zieht ihrem halbverwesten
Leibe schöne Kleider an, um auszusehen, als wenn sie noch eine Jungfrau wäre.
Seht, dieses alles und tausendfach anderes ist Mir wohlbekannt. Aber sagt ihr
nicht selbst: Eine Hure erzieht ihre Kinder oft besser als eine stolze
Mutter, die da glaubt, sie habe alle Meine Weisheit mit dem Löffel gegessen!?
So sage auch Ich: Diese Hure hat schon sehr viele gute Kinder erzogen und hat
dadurch Meine Füße gesalbt. Daher will Ich ihr helfen und sie ansehen, damit
sie Buße tue; denn sie hat viel gesündigt, aber auch viel geliebt! [HiG.01_40.08.20,11] Zu euch aber sage Ich, daß ihr in ihr
geboren und getauft wurdet, daher sollet ihr auch nicht Vernichtung, sondern
Heilung ihr wünschen. Ich gebe euch den Balsam und heile in euch das Erbübel.
So ihr nun lebet nach dem gegebenen Regeln, so wird euch die Kirche achten.
Und so sie an euch erfahren wird Wunderdinge, so wird sie selbst nach dem
Balsam verlangen und wird im stillen viele ihrer Wunden heilen. So ihr aber
wollet abtrünnig werden, so wird wenig Segen an eure Brüder gelangen! [HiG.01_40.08.20,12] Lebet, wie Ich euch gezeigt habe, dann
wird euch auch nie eine Untersuchung Meinetwegen treffen! Denn Ich werde euch
beschützen und Mein Werk wird ungehindert ans Tageslicht treten als ein
großer Magnet, der alles an sich ziehen wird. Aber ihr müßt ihn nicht
entkräften durch euren Ungehorsam und durch solche Zweiflerei. [HiG.01_40.08.20,13] So ihr sagt: Wie kann da ein
neunundneunzigfacher Segen darin sein? – Da sage Ich: Es werden im Himmel
sich die Engel über einen büßenden Sünder neunundneunzigmal mehr freuen als
über ebenso viele Gerechte, die da meinen, durch Mein Vollwort gerechtfertigt
zu sein. – Denn das sage Ich wahrlich: Luther, Calwin, Melanchthon u.a. mehr
wiegen nicht einen Johann vom Kreuz, noch einen Johann von Gott, noch einen
Franziskus, noch einen Thomas von Kempen, noch einen Taulerus, noch eine
Theresia und noch viele tausend andere auf. [HiG.01_40.08.20,14] Ja da hätten die namhaftesten
Protestanten noch sehr vieles lernen können! Selbst Swedenborg hat in Rom
manches erfahren, was ihm erst die Pforte zum inneren Leben ganz bedeutend zu
öffnen geholfen hat; denn er war einer, der sich aus allem die Quintessenz zu
verschaffen wußte und tatsächlich davon den Nutzen zog. [HiG.01_40.08.20,15] Seht, daher geht der Weise in die alte
Rumpelkammer und findet da oft große Schätze vom Staube der Zeremonie
bedeckt. Den Staub wischt er weg und legt das reine Gold in seine
Schatzkammer. Desgleichen tuet auch ihr! – Denn es steht geschrieben: „Laßt
die Kleinen zu Mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich
der Himmel“! Und wer nicht wird gleich ihnen, wird nicht kommen alsobald in
Mein Reich, als bis er wird wie sie, die da nicht grübeln, sondern in der
Einfalt den Eltern aufs Wort glauben und darnach tun; und selbst, wenn sie
durch Meine Gnade den Eltern entwachsen sind, noch immer ihr Wort ehren, wenn
sie es auch nicht benötigen. [HiG.01_40.08.20,16] Noah fehlte, da er sich berauschte;
aber er hat den Sohn verflucht, da er gelacht hat. Und die zwei, die, ihn
liebend, seine Blöße bedeckt haben, hat er gesegnet. Desgleichen (wie die
zwei besseren Noahsöhne) tuet auch ihr, wollt ihr neunundneunzigmal gesegnet
sein! – Das sage Ich, die Ewige Liebe und Weisheit. Amen, Amen, Amen. Vom Zweck der Neuoffenbarung. –
21. August 1840
[HiG.01_40.08.21,01] Was den Zweck aller dieser Eröffnungen
betrifft, so besteht dieser darin, daß dadurch fürs erste eurem hochgelehrten
Weltverstande gezeigt wird, wie gar so töricht sein Bestreben ist, Dinge
erforschen zu wollen und sie ins Bereich seiner unaussprechlichen
Verhältnis-Beschränktheit zu ziehen, die ihrer Tiefe, Größe und Heiligkeit
wegen ewig über seine Sphäre werden entfernt bleiben, da dergleichen nur dem
Einfältigen in sein frommgläubig Herz gelegt wird, ja, zum beschämenden
Zeichen der Weltweisheit, auch den Kindern in die Wiege, wie Ich es auch
sogar den Steinen geben kann. [HiG.01_40.08.21,02] Fürs zweite aber besteht dieser Zweck
auch darin, euch und aller Welt die wahren Wege Meiner erbarmenden Liebe zu
zeigen, welche sie einschlägt, um das ewige Heil aller Wesen zu gründen, und
wie, wann und warum dieses alles so ist und geschieht – damit dadurch allen
Weltzweiflern ein Ende werde und die Dinge in ihren urwahren Verhältnissen
mögen erschaut werden. Denn wie ein guter Baumeister doch gewiß am besten
weiß, wozu dies oder jenes bei einem großen Werke da sein muß, so kann es
auch nur Ich wissen, warum dies, warum jenes und wie, wann und wodurch. [HiG.01_40.08.21,03] Wer da forscht und grübelt ohne Meine
Gnade, der geht allezeit fehl. Wer aber zu Mir kommt und lernt es von Mir in
seinem Herzen, der hat es in der Fülle der Wahrheit, daran nie auch nur ein
Häckchen geändert wird in alle Ewigkeit. [HiG.01_40.08.21,04] Und fürs dritte aber soll daraus die
mannigfache Bosheit der Menschen aus allen Klassen und Ständen klar
ersichtlich werden – und wohl begriffen, wie solche Menschen ihrer blinden
Bosheit wegen das Heiligste und Reinste in ihren sinnlichen Weltschlamm
hartnäckig herabziehen und es scheußlich verunstalten zu ihren verdammlichen,
eigennützigen Zwecken. [HiG.01_40.08.21,05] Kurz und gut, es soll und muß alles
offen werden vor der Welt, damit dann ein jeder wisse, wie er daran ist. Ja
es soll der Mittelpunkt der Erde so offen vor der Welt Augen aufgedeckt werden
wie eine verdeckte Speise vor den Gästen zur stärkenden Nahrung. Und so soll
auch keine Sonne so weit entfernt sein, daß sie nicht sollte unter dem
Mikroskop des lebendigen Glaubens der Einfalt in kleinste Teile zerlegt
werden, und wäre ihr Umfang größer als der eures größten Gedankens, den ihr
nur immer zu denken vermöget. – Und es soll auch keinen noch so kleinen Faden
irgend geben, und wäre er noch so fein gesponnen, der da nicht käme an das
stark vergrößerte Licht Meiner Gnadensonne! Ja, Ich will aus Punkten
durchsichtige Weltkörper bilden und die Zentralsonnen in enthüllte Punkte
zerlegen, damit die Welt sehe, daß am Ende doch Ich alles in allem bin. [HiG.01_40.08.21,06] Wenn dadurch nun die Welt zur Einsicht
gelangen wird, daß außer Mir kein Heil zu suchen ist und gefunden werden
kann, so wird dann der Friede die Erde küssen und wird jedem sein Amt
gesichert werden zeitlich und auch ewig in aller Liebe zu Mir! Dann erst wird
der Kaiser wahrhaft Kaiser sein, wohl bezeichnet durch Meine Salbung, der König
ein König, der Herzog ein Herzog und der Fürst ein Fürst, ohne alle
verdammliche Konstitution, außer der Kontitution der Liebe aus Mir und der
alles überströmenden Gnade. Und da soll der Wolf dem Lamme einen
Krankenwärter machen! [HiG.01_40.08.21,07] Dadurch will Ich alles ebnen, damit da
keine „Wasserfälle“ und „Bergstürze“ je mehr vorkommen, sondern nur das Meer
Meiner Liebe und Ströme Meiner Gnade. Alles andere muß zu „flachem Lande“
werden. [HiG.01_40.08.21,08] Und sehet, alles dies soll geschehen, damit
die wahre Kirche bei den Menschen geläutert werde und ihr Sieg glänze mehr
denn das Licht aller Sonnen, in Eins vereinigt – wodurch dann „ein Hirt und
eine Herde“ werden möge, deren Schafe allezeit Meine Stimme hören sollen, bis
ans Ende aller Zeiten – allwann alle Materie vernichtet werden wird im Feuer
der göttlichen Liebe – oder aber auch, so diese Meine Warnworte sollten
fruchtlos im Schlamme der Welt verfaulen, alsbald im Feuer Meines gerechten
Zornes! [HiG.01_40.08.21,09] Sehet, nun ist die Zeit der „kleinen
Zeit“ gekommen! Wer sie wohl beachtet, dem werden große Dinge werden in
Ewigkeit. Wer sich aber daran ärgern und Bedenken tragen wird über Meine
Treue, dem wird die „kleine Zeit“ bald verrinnen und die große des ewigen
Zornes wird ihn ergreifen! – Daher: entweder – oder! – Wie jemand will, so
tue er es! – Wir aber werden uns allezeit treffen. Amen. Das sage Ich, die
Ewige Liebe und Weisheit. Amen, Amen, Amen! Die innere Leibesgestaltung der
Tauben und andern Vögel. – 23. August 1840
[HiG.01_40.08.23] Fortsetzung der Kundgabe vom 16. August
1840. – Schreibende: Andr. H., S. und D. [HiG.01_40.08.23,01] Was da die innere Einrichtung einer
Taube und das Fliegen derselben betrifft, so ist alles dieses gleich wie bei
jedem anderen Bewohner der Luft. [HiG.01_40.08.23,02] Ihr Äußeres ist bedeckt mit Flaum und
kleineren und größeren Federn. – Ihr Inneres aber besteht in einem
menschenähnlichen Herzen, in einem eigentümlichen Magen, in den Gedärmen wie
auch in einer ziemlich weiten Lunge und Leber, welche Eingeweide durch die
notwendigen leichten Glieder von der oberen Seite und, zur Hälfte, am unteren
Teile, nur durch eine weiche Haut eingeschlossen sind. [HiG.01_40.08.23,03] Das Herz hat in natürlicher Hinsicht
dieselbe Verrichtung wie das Herz des Menschen und alles warmblütigen
Getiers, ebenso auch die Lunge. Jedoch was den Magen und die Leber betrifft,
so besteht da ein großer Unterschied zwischen denen der Taube und denen des
Menschen sowie des anderen warmblütigen Getiers. [HiG.01_40.08.23,04] Was die übrige Fleischmasse eines
Vogels betrifft, so besteht das Fleisch meistens aus weichen, leichten und
weißlichen Fasern, welche durch ein feines, nervenartiges Gewebe miteinander
verbunden sind, vermöge welcher Verbindung es einer größeren Ausdehnung und Zusammenziehung
fähig ist als das Fleisch der anderen Tiere. [HiG.01_40.08.23,05] An dem Leibe der Vögel sitzt, meistens
auf einem langen Halse, ein kleiner Kopf, versehen mit außerordentlich
scharfen Sinnen. Denn da sieht ein Adler, wie auch fast jeder Vogel, mit
seinem Auge besser, als ihr durch ein gutes Fernrohr. Ebenso übertrifft sein
Gehör das eurige bei weitem. Seine Geruchsorgane sind schärfer als die Organe
des besten Spürhundes. Denn damit nimmt ein Adler ein mehrere Tagreisen weit
liegendes Aas wahr und weiß genau die Richtung, von welcher Seite die
stinkenden Dünste der Verwesung an seine Geruchsnerven gelangen. Desgleichen
ist auch sein Geschmack so stark, daß er sogar die Würze und das ihm
zusagende Salz in den festesten Steinen wahrnimmt. [HiG.01_40.08.23,06] Eben wie seine Organe in den Sinnen
mit der höchsten Reizbarkeit ausgerüstet sind, in einem ebenso hohen Grade
ist auch sein Gehirn reizbar und voll Tätigkeit. Und es ist in selbem mehr
Intelligenz als in allen übrigen Tieren, selbst den großen Elefanten nicht
ausgenommen. Aus diesem Grunde besitzt auch manche Vogelgattung vor allen
übrigen Tieren ein Gedächtnis von ganz besonderer Stärke, was ihr auch daraus
überzeugend entnehmen könnet, daß mancher Vogel sogar geregelte menschliche
Gesangsweisen wie auch Worte und oft auch ganze Sätze nachahmen kann, was
keinem andern, noch so gelehrigen Tiere möglich ist. Daraus könnet ihr auch
füglich schließen, daß dieses Geschlecht euch näher steht als das andere,
welches sich, wie ihr, mit seinen Füßen mühsam auf der Erde bewegt. [HiG.01_40.08.23,07] Dieses alles rührt daher, weil ein
Vogel vermöge seiner inneren Einrichtung so gestellt ist, daß er für die
Eindrücke der Außenwelt die höchste Empfänglichkeit besitzt und in seinem sehr
reizbaren Gehirne sich schon eine gewisse geregelte Vorstellung machen kann
von dem, was er durch die Sinne aufgenommen hat – aus welcher Ursache schon
im natürlichen Zustande eines Vogels seine Stimme oft recht wohl artikuliert
erscheint. [HiG.01_40.08.23,08] Nun fragt sich: Wie geschieht die
Fortpflanzung der Vögel? – Die Antwort liegt in deren Zeugung und in den
Eiern verhüllt. [HiG.01_40.08.23,09] Das Weibchen hat nach Meinem Willen
die Fähigkeit, durch die ihr unbewußt innewohnende Intelligenz aus der
aufgenommenen Nahrung sich selbst auf dem sogenannten Eierstocke
bläschenartig zu reproduzieren – was auf folgende Art geschieht: [HiG.01_40.08.23,10] Es gehen nämlich von ihrem Herzen ganz
außerordentlich feine Organe, durch welche ein weißer Stoff geleitet wird.
Alldort, wo die Organe auslaufen, bildet sich aus diesem Safte ein
netzartiges Gewebe, welches gleich uranfänglich zu bestehen beginnt. Hat nun
dieses Gewebe seine gehörige Form erhalten, wobei es aussieht, als wenn
lauter kleine, etwas unförmliche Trichterchen aneinandergereiht wären, dann
wird dieses Gewebe an dem Rückgrate durch die es bildenden Organe angebunden.
Ist nun dieses vor sich gegangen, dann reißen diese Organe ab und richten
ihre Mündungen in diese Trichterchen. [HiG.01_40.08.23,11] Wenn nun dieses so geordnet ist, dann
werden auch in gleicher Weise Gefäße, vom Magen ausgehend, durch die Leber
eben auch in die Mündungen dieser Trichterchen geleitet. Endlich, wenn alle
die Gefäße dadurch aus dem Herzen etwas erweitert worden sind, so wächst in
einem jeden solchen Gefäße noch ein Gefäß und richtet ebenfalls seine Mündung
in je ein solches Trichterchen. Wenn nun dieser ganze Organismus in der Zeit,
welche der Natur und der Größe des Vogels angemessen ist, vollkommen
ausgebildet wurde, alsdann wird aus den Säften des Magens zuerst ein zähes
Tröpfchen abgesetzt, so zwar, daß die Mündung der beiden
ineinandergeschobenen Organe in die Mitte dieses Tröpfchens hineinragt. [HiG.01_40.08.23,12] Ist nun auch dieses vor sich gegangen,
dann beginnen zuerst ganz wasserweiße Säfte aus dem Herzen sich durch das
äußere Organ zu ziehen, treiben dadurch das äußere, vom Magen herrührende
Tröpfchen gleich einer Seifenblase auseinander und füllen dasselbe bis zur
Größe eines Hanfkörnchens, auch gleich einer Haselnuß oder gar eines Apfels,
je nach der Größe und Beschaffenheit des Vogels. Alsdann fangen die Säfte,
unmittelbar aus dem Blute herrührend, an, in dieses weiße Knäuelchen zu
dringen und bilden den sogenannten Dotter. [HiG.01_40.08.23,13] Während solcher Bildung entwickeln
sich durch den Darmkanal ebenfalls gewisse außerordentlich feine Organe,
welche da diese neue Frucht gewisserart durchbohren. Und nun wohlgemerkt: [HiG.01_40.08.23,14] Die Henne, d.h. das Weibchen, hat zwei
Ableitungskanäle, einen zur Ableitung des Kotes und einen zur Ableitung des
zeitiggewordenen Eies. Jedoch vereinigt sich dieser zweite Kanal vor der
Mündung des Kotkanals mit demselben durch eben die vorerwähnten, aus dem
Darmkanal ausgehenden Organe. Diese bilden aneinandergereiht eine weite
Röhre, welche sich beim Eierstocke in ebensoviele Arme teilt, als es da
Trichterchen gibt. [HiG.01_40.08.23,15] Und durch diese Röhre wird bei dem
Akte der Begattung ein ätherisch-geistiger Stoff mit großer Schnelligkeit in
das Zentrum des Dotters geführt. Dieser Stoff aber ist das, was Ich schon
vorher von der Vereinigung des tierischen Lebens aus den Wassern wie auch von
der Erde erwähnt habe. [HiG.01_40.08.23,16] Wenn nun dieses vor sich gegangen ist,
so wächst dann das mittlere Organ aus dem Herzen zu einem außerordentlich
feinen Gewebe um diesen neuen Gast des Lebens, und zwar in der primitiven
Gestalt eines außerordentlich kleinen, ganz nackten Vogels, zieht sich dann
von seinem Zentrum aus nach allen Richtungen des Eies und öffnet somit demselben
die Wege der Nahrung. [HiG.01_40.08.23,17] Wenn nun dieses vor sich gegangen ist,
so schwitzt das Organ aus dem Magen – und zwar aus den aufgelösten Steinchen
– eine kalkartige Masse, welche alsobald durch die innere Wärme um das weiche
Ei zu einer festen Schale erhärtet. – Nun ist da Ei vollendet und zeitig! [HiG.01_40.08.23,18] Dieses Zeitigwerden des Eies kann zwar
auch ohne die Begattung vor sich gehen; allein da ist es dann nicht
lebensfähig. – Wenn es aber nun lebensfähig ist, so wird die Frucht durch die
vegetative Wärme der brütenden Vogelmutter vollkommen zeitig. Und nachdem sie
zu ihrer Ausbildung allen Vorrat im Ei verzehrt hat, bricht sie die Schale
durch und geht in die Außenwelt als vollkommener Vogel, welcher zwar noch
eine kurze Zeit von seinen Eltern gepflegt werden muß, dann aber auch schon
mit allen Fähigkeiten seiner Eltern begabt ist. – Nun, das ist also die
Bildung eines Vogels! [HiG.01_40.08.23,19] Da wir aber schon früher seinen Magen
erwähnt haben, so wisset, daß der Magen eines Vogels aus ganz stumpfen,
muskelartigen, dicken Blättern besteht. [HiG.01_40.08.23,20] Dieser Magen ist nicht zugleich
Vorratskammer und Verdauungswerkstätte wie bei den (Land-)Tieren; denn fürs
erstere dient der Kropf, oder wenigstens, wie bei den Raubvögeln, ein kleiner
Vormagen; der eigentliche Magen hat nur das Geschäft der Verdauung, welches
bei den sogenannten Kernfressern, wozu auch die Taube gehört, auf folgende
Weise vor sich geht: [HiG.01_40.08.23,21] Der Magen hat immer einen kleinen
Vorrat von Steinchen in sich. Er öffnet sich und nimmt aus dem Vormagen etwas
weniges auf. Ist nun diese Speise zwischen seine Blätter gekommen, so fangen
diese an, sich zu reiben, als wenn ihr euch die Hände reibet. Dadurch wird
nun die Speise zermalmt mit Hilfe der im Magen befindlichen Steinchen, bei
welcher Gelegenheit natürlich auch die Steinchen sich abnützen, indem
immerwährend Teilchen von ihnen abgelöst werden. Durch diese Reibung wird
aber zugleich auch eine elektrische Wärme entbunden oder erzeugt, durch
welche diese abgelösten Steinpartikel chemisch zerlegt werden. Das Kalkartige
wird verteilt an die euch schon bekannte Bestimmung; das Minneralische aber
dient zur Nahrung, Erhaltung und Festigung dieser Magenblätter; und der grobe
Niederschlag wird mit dem Kote weiterbefördert. [HiG.01_40.08.23,22] Nun fragt sich, wozu dem Vogel diese
mineralische Kost? – Die erste Ursache ist schon angegeben. Die Mineralkost
dient aber neben dem Verdauungs-Geschäfte, gleich einer sogenannten
voltaischen Säule, auch zur Entbindung des feinsten Wasserstoffgases, welches
da alsogleich nach Willkür aus dem häufig in sich aufgenommenen Wasser
entwickelt werden kann, und zwar auf dem euch schon bekannten chemischen
Wege. [HiG.01_40.08.23,23] Der Sauerstoff nämlich, oder das Herbe
des Wassers verbindet sich mit dem gleichartigen Mineralischen aus den
Steinen. Auch das eigentümliche schwere Fett des Gases wird abgesondert durch
ein außerordentlich feines, organisches Filtrum. Das reinste Gas aber strömt
in zahllosen kleinen Organen in die Kiele der Federn, welche vorher durch
Nebenorgane aus dem abgesonderten Fett, vermengt mit sonstigen aus dem Blute
gehenden Säften, gebildet werden. Allda befindet sich nämlich in dem Kiele
eine sogenannte „Seele“ oder „Federmutter“, die aus mehreren
aneinandergereihten Bläschen geformt ist. [HiG.01_40.08.23,24] Will nun der Vogel fliegen, so füllt
er in einem Augenblicke diese Bläschen wie auch seine übrigen Organe mit
diesem Gase, wodurch er bedeutend leichter wird. Alsdann breitet er sogleich
seine Flügel aus, erhebt sich mit großer Leichtigkeit, gibt sich mit seinem
Schweife die Richtung und lenkt seine Masse behende mit seinem Flügelpaare.
Nur zu Beginn des Fliegens braucht er die Flügel, um sich zu erheben, aber
während des Fliegens wird er leichter und leichter, wobei er dann seine
Flügel nicht mehr zum Tragen, sondern nur zum Vorwärtsbewegen gebraucht. [HiG.01_40.08.23,25] Will ein Vogel sich nun wieder zur
Erde niederlassen, dann läßt er nach Bedarf etwas Gas entströmen und füllt
dafür den Kiel mit atmosphärischer Luft. – Das ist nun das Geheimnis, wie ein
Vogel fliegt und wie dieses alles durch seine innere Einrichtung bewirkt
wird. [HiG.01_40.08.23,26] Nun hätten wir aber noch seine Lunge
und seine Leber übrig. – Auch die Lunge ist so beschaffen, daß ihre
Elastizität fürs erste weit größer ist als die aller andern Tiere. Denn da
kann ein Vogel nach seiner Art verhältnismäßig hundertmal soviel Luft in sich
ziehen wie ein Mensch. [HiG.01_40.08.23,27] Mit der Luft geht da ein ähnlicher
chemischer Prozeß vor wie mit dem Wasser im Magen. Das Gas davon strömt in
die hohlen Knochen. Der Sauerstoff vereinigt sich mit dem Blute zur Bildung
der Nerven, Muskeln, Sehnen und Knochen. Der Stickstoff allein wird wieder
ausgeatmet und kann nach Willkür zur Bildung der einem jeden Vogel
eigentümlichen Stimme verwendet werden. [HiG.01_40.08.23,28] Die Leber aber ist beim Vogel von
gleicher Beschaffenheit wie das Zellgewebe unter der Blase eines Fisches. Sie
besteht aus einer großen Menge pyramidenähnlicher Bläschen, welche nur mit
sehr leichten und mehr lockergehaltenen, schleimartigen Fäserchen aneinander
gefestigt sind. Diese pyramidalen Zellen oder Bläschen haben die Eigenschaft
kleiner elektrischer Fläschchen, saugen das durch die Reibung der
Magenblätter entwickelte elektro-magnetische Fluidum in sich und werden nun
der Reihe nach gefüllt gleich einer elektrischen Batterie. Dieses
elektro-magnetische Fluidum wird dann allezeit, so oft der Vogel fliegen
will, verwendet zur Bildung des schon bekannten Gases. [HiG.01_40.08.23,29] Was jedoch vom sogenannten
Kohlenstoffe bei einem solchen Prozesse entbunden wird, sammelt sich in einer
eigenen kleinen Gallenblase und wird von dem Magen wieder aufgenommen, wenn
irgendetwas schwer Verdauliches in den Magen des Vogels kommt, welches
vorzüglich bei der Taube der Fall ist. [HiG.01_40.08.23,30] Nun, da wäre also auch der natürliche
Vogel von seiner Entstehung bis zu seiner vollkommenen Wesenheit entwickelt.
Und somit bliebe nur noch die Ursache der verschiedenen Färbung der Federn
der Taube wie auch deren schnellen Fluges zu erwähnen übrig. [HiG.01_40.08.23,31] Die verschiedene Färbung des Gefieders
liegt teils in der verschiedenartigen Kost, teils aber auch eben in Meinem
Willen, um dadurch die größere Sanftmut anzuzeigen und um euch einen Wink zu
geben, welche Tiere euch zunächst eigentümlich und vertraut werden können. [HiG.01_40.08.23,32] Was den schnellen Flug betrifft, so
rührt dieser von der größeren elektro-magnetischen Quantität in einem Vogel
her, welche sich sehr leicht aus seinem blitzwendigen Fluge entnehmen läßt. [HiG.01_40.08.23,33] Nun wißt ihr alles, was euch
vorderhand in eurer natürlich-geistigen Sphäre zu wissen nötig ist. – Doch
was die weiteren Verhältnisse betrifft, so sind diese noch zu sehr über eure
noch stumpfe Begriffsfähigkeit erhaben, als daß ihr sie fassen könntet. Daher
alles zu seiner Zeit! Zuerst der Same, dann der Keim, dann erst die Pflanze,
hernach die Wurzel, der Stamm, die Blätter, die Blüte und endlich die reife
Frucht eures Geistes, entwickelt durch die Lebenswärme Meiner Gnadensonne in
euren Herzen. Amen. [HiG.01_40.08.23,34] Ich, der Meister in allen Dingen, voll
Liebe und Weisheit! Amen, Amen. Brüderliche Sorge. – 24. August
1840
Aus einem Schreiben Jakob Lorbers an seinen Bruder Michael,
Pfleger in Greifenburg, Oberkärnten. [HiG.01_40.08.24,01] Sei versichert, lieber Bruder, daß ich
dich allerzeit segne und für dich zu meinem und deinem Gott bete, der nun
mein bester, größter und liebevollster Freund geworden ist und durch mich
auch dir sagen läßt: [HiG.01_40.08.24,02] Du mögest nur beständig sein in deiner
Liebe und billigen Gerechtigkeit. Und du mögest dich, aus Liebe zu Ihm, so
viel als möglich vom Beischlafe enthalten, der bloß auf sinnliche
Befriedigung abgesehen ist. Dann sollst du auch bald einen so geweckten Geist
haben, vor dessen Blicken der Mittelpunkt der Erde wie ein Wassertropfen
unter dem Mikroskop enthüllt liegen soll. [HiG.01_40.08.24,03] Denn so spricht der Herr: „Sage ihm,
Ich bin ein wahrer Gott allen, die Mich lieben und Meine Gebote halten! – Wer
da sich reiniget in Meiner Liebe, der wird den Tod ewig nicht sehen, auch
wenn sein Leib tausendmal gestorben wäre. Denn wahrlich, sage Ich, es gibt
nirgends ein Leben als in Mir. Und nun ist nahe gekommen die große Zeit der
Zeiten! Wer mich aber liebt, zu dem werde Ich kommen und ihn gar wohl
schmecken lassen die Stärke Meiner Liebe und die große Kraft Meiner endlosen
Gnade.“ [HiG.01_40.08.24,04] O liebster Bruder, denke ja nicht, daß
das Worte meiner Erfindung seien. Sie kommen aus dem höchsten aller Himmel.
Daher beachte sie wohl in deinem Herzen! O Bruder, es liegt Unendliches
hinter ihnen verborgen. J. L., Theograph (Gottesschreibknecht). Vom Berge „Straßengel“ bei Graz.
– 29. August 1840, am Berge „Straßengel“,
[HiG.01_40.08.29.a] Schreibende K. G. L. und Ans. H. [HiG.01_40.08.29.a,01] So unordentlich und zweckwidrig euch
auch immer so manches Gebilde irgend vorkommen möchte, o glaubet, nicht ein
Stäubchen ruht oder bewegt sich von seiner Stelle außer nach der Vollkraft
Meiner ewigen Liebe und Weisheit. [HiG.01_40.08.29.a,02] Sehet, diese Gegend, in welcher ihr
euch soeben befindet, ist rings umher von unordentlichen, bald höheren, bald
niederen Bergen und Hügeln umschlossen. So ihr eure Naturgelehrten fragen
würdet: „Warum so?“ – so würden euch diese keinen andern Bescheid geben als
einen solchen, welchen ihr euch ohne dieselben hättet denken können. Sie
würden sagen: „Dieses alles ist durch die ungeschickt waltenden, rohen
Naturkräfte gleichsam zufällig entstanden und wird sich nach und nach
ebenfalls durch dieselben auch wieder mehr oder weniger verändern.“ Und
weiter werden da einige sagen: „Diese Art Berge ist entstanden durchs Feuer,
eine andere Art durch eine allmähliche Anlagerung von Südwest gegen Nordost“.
Wieder andere werden hinzusagen: „Dieser Berg ist durch Anschwemmung und so
dergleichen mehrere Entstehungsgründe entstanden.“ [HiG.01_40.08.29.a,03] Aber wie, wenn Ich nun einen solchen
Hügel in der Mitte öffnen und ihn teilen würde bis zur ebenen Fläche, und das
zwar nach verschiedenen Richtungen von seinem Scheitel aus – und die
Gelehrten mit ihrem Anschwemmungssystem würden kann durch diese nun
geöffneten Gassen wandeln und schauen das Eingeweide des Hügels, und dieses
würde ihnen alle ihre Bildungssysteme zugrunde richten, indem es zwischen
Lehm und Sandschichten zentnerschwere Steinmassen enthielte, hie und da
wieder Steingerölle, hie und da Kalk, hie und da Steinkohlen, hie und da
versteinerte Tierknochen sowohl von Landtieren wie auch von Tieren stehender,
großer Gewässer; und hie und da würden sich sogar Gerätschaften vorfinden, an
denen noch deutliche Spuren des Fleißes menschlicher Hände wären! [HiG.01_40.08.29.a,04] Was meinet ihr, was euch da die Naturgelehrten
sagen würden? – Ich meine, sie würden gewaltig mit den Achseln zucken und mit
ihren Köpfen wetterwendische Bewegungen machen, und ihr würdet aus ihnen
ebensowenig wie aus einem Baume herausbringen. – Und sehet, gerade ein
solches Konglomerat ist dieser Hügel. Und daher ist es auch fürs erste zu
eurer Kenntnis notwendig zu wissen, wie ein solcher Hügel entstanden ist, und
fürs zweite, warum? Und fürs dritte soll noch eine kleine geschichtliche
Notiz hinzugefügt werden. [HiG.01_40.08.29.a,05] Ihr wisset schon aus früheren
Mitteilungen, und zwar aus dem Tierreiche, woher, wie und warum dieses
entsteht und besteht. Aber es ist in eurem Wissen noch eine kleine Lücke, und
diese soll gerade bei dieser Gelegenheit ausgefüllt werden. [HiG.01_40.08.29.a,06] Ihr wisset, daß die Materie nichts
als eine große Demütigungsschule der hoffärtigen Geister ist. Ihr wisset, daß
das Wasser in seinen reinen Bestandteilen eine Gnadenflut aus Meiner
Barmliebe ist. Ihr wisset, daß das Licht der Sonne dem Leuchten nach aus
Meiner Gnade und der Wärme nach aus Meiner Liebe entspringt. [HiG.01_40.08.29.a,07] Aus dieser Ursache sind diejenigen
Tierchen, die aus dem Lichte entspringen, nichts als Träger Meiner
erbarmenden Liebe und Gnade von Meiner Höhe bis zur materiellen Tiefe der
Erde. Sie sind nichts als zahllose belebende Liebeteilchen, aus Mir strömend,
um den toten Geistern auf jene Art wieder Leben zu bringen, wie Ich euch
vorzugsweise bei der Darstellung der Pflanzenwelt und namentlich bei der
eines Baumes gezeigt habe. [HiG.01_40.08.29.a,08] Nun sehet, manchmal geschieht es,
besonders in Gegenden, da irgend große Gewässer sind (je mehr Gewässer, desto
mehr Gnade!), daß Ich in irgendeinem Teile eine große Reife der gedemütigten
Materie sehe. Allda lasse Ich dann auch einen größeren Strom des Lebens aus
Mir hinfluten. Dieses merken die freien guten Geister des Wassers und
empfinden darob eine große Freude ihr gemeinsames Leben durchströmen. Alsdann
entbinden sie sich aus ihrer Gemeinschaft und treiben ein loses Spiel mit dem
Gewässer, so daß sie dasselbe oft in einem Umkreise von einer Stunde in eine
unruhige, hüpfende Bewegung versetzen. [HiG.01_40.08.29.a,09] Je mehr sich aber der Strom des
Lebens von oben nähert, desto höher tragen sie auch die Fluten freudig empor.
Wie sich aber selbst bei dem Menschen eine große Freude in einer kreisenden
Bewegung ausspricht (NB. wodurch Ich freilich nicht euer Tanzen auf den
Bällen verstanden haben möchte, sondern das des Mannes nach Meinem Herzen
(David) vor der Bundeslade!) Ebenso vereinigen sich auch diese Geister in dem
Wasser, treiben dasselbe mit sich in einem schnell wogenden Kreise. Und wie
sie dann sehen und wahrnehmen, daß das Leben aus Mir aus der Höhe in einer
sichtbaren Wolkengestalt den erlösenden Arm weit ausgestreckt hat, alsdann
verdoppeln die munteren Geister in ihrer Freude ihre kreisende Flutbewegung
und erheben sich über den Spiegel bis zum erlösenden Arme Meiner Erbarmung. [HiG.01_40.08.29.a,10] Seht, eine solche Bewegung verspüren
dann weit umliegende Myriaden und strömen dann unterwässerlich von allen
Gegenden einem solchen Hauptstamme zu. Zu gleicher Zeit aber geschehen dann
solche Teilnahmen auch vom trocknen Lande her. Und es machen die Naturgeister
oft in kurzen Zeiträumen meilenweite Reisen. Und in ihrem Taumel schonen sie
nichts, was ihnen unterkommt: Bäume, Häuser, Gerätschaften, Menschen, Tiere.
Alles wird ohne die geringste Schonung in ihrer freudigen Raserei
mitgenommen. [HiG.01_40.08.29.a,11] Und da bieten solche oberländische
Erscheinungen zwei wesentlich unterschiedene Charaktere. – Es gibt da solche,
die da bescheiden sind in ihrem Eifer. Diese sprechen sich dann in einem so
genannten Wirbelwinde oder einer förmlichen Windhose aus. – Die andern aber
sind ungezähmter in ihrer Freude; diese erglühn dann in ihrem Eifer und
sprechen sich dann als sogenannte Feuerwirbel oder Feuerhosen aus. [HiG.01_40.08.29.a,12] Nun seht, wenn nun diese Wirbel sich
vereinigt haben mit allem dem, was sie auf ihren Reisen mitgenommen, alsdann
geschieht durch solches für euch unglaubliche Schnellkreisen eine große
Auflockerung der Materie in einem weiten Kreise – welche Materie, sei es
Sand, Steine, Wassertiere, Landtiere, Gerätschaften und dergleichen mehreres,
auf der Stelle, wo die Haupterlösung vor sich geht, zu einem Berge (wie eben
dieser Hügel ist) zusammengetragen wird. [HiG.01_40.08.29.a,13] Hier habt ihr nun das Wie. Und da
ihr solches habt, so wird euch auch das Warum nicht mehr ferne sein. [HiG.01_40.08.29.a,14] Denn das eine Warum ist schon in der
Beantwortung des Wie gegeben. – Das andere, die Art der Entstehung dieses
Hügels betreffende Warum, wird euch klar, wenn ihr einen Rückblick auf die
Darstellung vom Wesen eines Baumes werfet und das Holz desselben betrachtet,
worin die Bosheit solcher Geister in neu gefesteter Form erscheint. Ganz so
ist es auch der Fall bei einer solchen großartigen Befreiung! Denn wo immer
ein Mahl gegeben wird, da gibt es auch ungeladene Gäste oder auch solche, die
noch kein hochzeitliches Kleid angetan haben und daher noch nicht reif sind
fürs Leben. Diese werden dann wieder auf die euch sichtbare Art zur
demütigenden Prüfung in die äußerste Finsternis hinausgestoßen. [HiG.01_40.08.29.a,15] Jedoch muß vor allem noch eine
irrige Vorstellung bei euch berichtigt werden. – Ihr sollet euch nicht etwa
denken, als ob die sichtbare Materie, als da sind: Steine, Erde, Pflanzen,
Bäume und dergleichen, die Geister selbst seien. Sondern alles dieses ist nur
ein Kerker derselben und schneidet ihnen den Faden des Lebens aus Mir ab. Und
nur insoweit, als es Mein Wille reicht, wird denselben ein kleines Pförtchen
geöffnet, sich dem Tode nach und nach zu entwinden durch eine, jedem Geiste
innewohnende freie Willensintelligenz. – Was aber die Materie an und für sich
ist, so sage Ich euch, sie ist nichts als der durch Meine Barmliebe
gesänftete Zorngrimm. [HiG.01_40.08.29.a,16] Warum sich die Materie hie und da so
ausspricht, das wird euch, so ihr die bewußte Alpe besuchen wollt, nebst
mehrerem andern deutlicher auseinandergesetzt werden; am allerdeutlichsten aber
dann bei der Enthüllung des Mittelpunktes und der sonstigen Gestaltung der
Erde. – Doch nun noch ein wenig Geschichtliches! Geschichtliches vom Berge
„Straßengel“. – 29. August 1840, (Fortsetzung)
[HiG.01_40.08.29.b,01] Im Jahre 1263, da war in dieser Gegend
unter den hier wohnenden Menschen das Laster der Dieberei, des Mordes und der
Unzucht so stark herangewachsen, daß es nötig war, einen Würgengel mit einer
schwarzen Zornfackel hierher zu senden, die Eingeweide solcher Menschen
allenthalben anzuzünden und sie zu verderben. [HiG.01_40.08.29.b,02] Es war das diejenige allgemeine
Todesart, die damals nicht nur hier, sondern beinahe in ganz Europa in den
verschiedenen Teilen unter dem Namen „der schwarze Tod“ auftrat. [HiG.01_40.08.29.b,03] Es lebte aber zu dieser Zeit eine
Mir recht wohlgefällige Bauernfamilie gegen Abend am Fuße dieses Hügels. Dem
Hauswirte selbst war von Mir aus – seiner Frömmigkeit wegen – die innere Sehe
gegeben. [HiG.01_40.08.29.b,04] An einem schwülen Sommerabende zogen
sich hier schwere Gewitterwolken zusammen, und bald entleerten sich dieselben
gerade über diesem Hügel, von tausend gewaltigen Blitzen mit dem
furchtbarsten Donner begleitet. [HiG.01_40.08.29.b,05] Der Landmann merkte an diesem außergewöhnlichen
Wetter eine andere Bedeutung, als es eure heutigen Naturgelehrten merken
dürften, und sprach zu seinem frommen Gesinde: [HiG.01_40.08.29.b,06] „Liebe Kinder! Fürchtet euch nicht!
Der Herr vergißt auch in Seinem Zorne derer nicht, die Ihn aus ganzer Seele,
aus ganzem Gemüte und aus allen Kräften lieben. Schwer zwar liegt die
mächtige, strafende Rechte des ewigen Weltenlenkers über diesem schwarzen
Gewölk; aber Seine Linke ruht segnend auf den Häuptern derer, die Ihn lieben.
Und seid versichert, daß der Herr den nämlichen Engel, den Er der Welt
schickt zur Geißel, uns gewiß und wahr zum tröstenden Retter geben wird!“ [HiG.01_40.08.29.b,07] Und siehe, als der Landmann diese
Mir wohlgefälligen Worte zu den dankbaren Herzen seiner Angehörigen gesprochen
hatte, da vernimmt er von der schon damals vorbeiführenden Straße her
jemanden vom Blitz, Sturm und Hagel Bedrängten um Hilfe rufen. Eiligst
verläßt er das Zimmer, nimmt einen festen Tannenstock und eilt dem Bedrängten
zu Hilfe, findet da einen Menschen fast halbtot auf der Straße liegen, ladet
ihn alsogleich auf seine Schultern, trägt ihn in seine Wohnung und pflegt ihn
daselbst die ganze Nacht hindurch. [HiG.01_40.08.29.b,08] Des andern Tages sagt dieser
Fremdling zu dem Landmanne: „Folge mir auf diesen Hügel hinauf!“ – Und der
Landmann folgte ihm mit seinem Stocke. – Darauf sagte der Fremdling zu dem
Landmanne: „Stecke diesen Stock in die Erde!“ – Und der Landmann tat, wie ihm
der Fremdling befohlen. Und siehe da, alsbald grünte der Stock zu einem stattlichen
Baume! [HiG.01_40.08.29.b,09] Und der Fremdling sprach ferner:
„Siehe, das sei dir ein Zeichen meiner Sendung und deiner Treue! Denn ich bin
ein Bote des Herrn zur Erde und will das trotzige Menschengeschlecht
vernichten. Doch da du den Stock nahmst und eiltest mir zu Hilfe und
rettetest gleichsam in deiner frommen Einfalt einem Menschen das Leben –
siehe, so nehme ich von dieser deiner Freundschaft die Hälfte, und es soll
dadurch ein bedeutender Teil des mir gegebenen Zornes gesänftet werden!“ [HiG.01_40.08.29.b,10] Da griff der nun erkannte Engel nach
dem frischen Baume, brach ihn zur Hälfte ab und sagte zum Bauer: „Sieh her,
das sei die schwarze Todesfackel, an welcher viele Tausende und Tausende von
Menschen den Tod sowohl zeitlich als auch viele darunter ewig finden werden.
Die ganze Zeit aber meines Waltens will ich dich beschützen, und nach dem
Willen des Herrn sollst du dich vor nichts fürchten. Denn ich werde alle
Nacht bei dir einkehren. Du aber gehe des Tags hin an verschiedene Stellen und
sage den hart Bedrängten, daß wer vom Tode gerettet sein will, solle sich
flüchten auf den Hügel, allda der Baum ist, den wir jetzt gepflanzt haben,
und solle da Buße wirken und fasten drei Tage und drei Nächte. Alsdann soll
er von dem Baume ein Zweiglein nehmen, und so wird er durch dieses Zeichen
verschont bleiben vor meinem Zorne.“ [HiG.01_40.08.29.b,11] Nun sehet, das ist die ursprüngliche
Geschichte! Und dieser Bauer wurde von mehreren umliegenden Bewohnern, die
dadurch gerettet wurden, als ein „Engel an der Straße“ benamset. Doch er
wollte seiner Frömmigkeit halber diesen Namen nicht, sondern gab ihn dem
rettenden Würgengel. Der Engel aber gab im Angesichte des Landmannes Mir
diesen Namen. [HiG.01_40.08.29.b,12] Aus dieser Ursache pflanzten dann
spätere Nachkommen in frommer Einfalt Mein Bildnis auf diesen abgebrochenen
Baum, über welchem dann auch bald diese gegenwärtige Kirche erbaut wurde. [HiG.01_40.08.29.b,13] Jedoch was das fernere
Geschichtliche dieses Ortes betrifft, so könnet ihr dasselbe ohnedies in
jeder Chronik dieses Landes finden, da es bloß nur Geschichtliches ohne
weiteren moralischen Wert ist. [HiG.01_40.08.29.b,14] Sehet also hin auf diesen Landmann,
dessen Stock noch bis zur Stunde in dieser Kirche zu sehen ist. Und seid
ebenfalls voll Liebe und Einfalt! Dann werdet auch ihr überall und allezeit
sicher an Mir euren großen „Rettungsengel an der Straße“ finden! – Amen. Ich,
die Ewige Liebe und Weisheit. Amen. Krankheitsheilung. – 29. August
1840
[HiG.01_40.08.29.c] An Andreas H., der da wissen möchte
bezüglich eines armen Kranken, ob demselben zu helfen sei oder nicht – und
was da zu tun wäre. [HiG.01_40.08.29.c,01] Es kommt zwar die Frage aus einem
guten Herzen, aber auch zugleich aus einem schwachen Herzen, da es noch nicht
einsieht, daß Ich allzeit helfen kann und will, wenn es dem Menschen frommt
zum ewigen Leben! [HiG.01_40.08.29.c,02] Ich tue das um so eher, wenn Ich
durch ein festes Vertrauen von irgendeinem frommen Menschen dazu gewisserart
liebegenötigt werde. – Jedoch tuet ihr zuerst das Euere, dann werde Ich schon
auch das Meine tun, was da recht sein wird zum ewigen Leben! [HiG.01_40.08.29.c,03] Jenes Menschen Leib wird gequält von
einem dreifachen Übel. – Das eine ist innerer Nervenaussatz (oder versteckte
Skrofeln). – Das zweite ist bare Gicht. – Und das dritte ist eine an die
Brustteile zurückgelagerte sogenannte Grippe (allgemeiner Katarrh). – Wird
dem einen abgeholfen, so wird das andere ärger. Und es müßte hier dreien
Herren gedient werden, was sehr hart, ja beinahe unmöglich sein wird. – Wären
nicht Bäder (in vorangehendem Gebrauch) gewesen, so würde ein allgemeines
Zugpflaster bei Milch, frischem Weizenbrot und Wasserkost das beste gewesen
sein; und auf die Nacht etwas Lindentee mit frischem Honig. Jedoch jetzt wird
es nicht mehr viel nützen, wenn auch nicht schaden. [HiG.01_40.08.29.c,04] Es ist in solchen Fällen schwer zu
helfen, da die Kranken nur auf Ärzte und sehr wenig auf Mich vertrauen, damit
ihnen ihr Glaube hülfe. – Daher tuet ihr das Eurige, und Ich werde das Meinige
tun entweder noch hier oder in Meinen Reichen. Denn Ich bin allzeit und
überall ein Herr des Lebens und des Todes. – Amen. Vorwort zur Schrift „Die Fliege“. Die Fliege. – 3. September 1840
Größe der Schöpfung und der Liebe Gottes. Vom Feuersalz der Liebe. – 12.
September 1840
[HiG.01_40.09.12] Auf Anfrage über Markus 9, 49 und 50:
„Denn jeder wird mit Feuer gesalzen werden. Das Salz ist etwas Gutes; wenn
aber das Salz fade geworden ist, wodurch wollt ihr ihm die Würzkraft
wiedergeben? – Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander!“ [HiG.01_40.09.12,01] Schreibe zunächst folgende Anrufung:
„Herr! Wir zusammen wissen nichts; und unser Herz ist unverständiger als ein
Stein, denn wir haben es verhärtet durch unsere grenzenlose Torheit und
vielfältige Bosheit und können es ohne Deine Erbarmung nimmer recht
erweichen. Daher sei Du, o allerliebster Herr Jesu, unsere einzige Zuflucht
in allen Dingen und erweiche unser steinernes Herz mit dem Feuersalze Deiner
unendlichen Liebe, damit wir Dich, Du ewige Güte, immer mehr und mehr lieben
können ewig! – Amen!“ [HiG.01_40.09.12,02] Und nun schreibe die Erklärung: [HiG.01_40.09.12,03] O wie schwach ist noch eure Liebe – da
ihr nicht begreifet, was das Salz, und noch weniger, was das Feuersalz ist! [HiG.01_40.09.12,04] Sehet, wer da meint, es sei das Salz
die Weisheit, der ist noch sehr dumm! – Ist's denn nicht so, daß ihr saget
und lehret: Der Sauerstoff ist die Lebensluft in der Atmosphäre. Und so
dieser irgend nicht vorhanden ist, so wisset ihr, daß die Flamme der Fackel
erlischt und das Feuer nicht fortkommt in der Stickluft. Und ihr saget
ferner, wenn das Holz nicht trocken ist und hat dadurch nicht viel Sauerstoff
eingesogen, so wird es nicht gut brennen und somit auch wenig Flammen geben.
Auch wisset ihr, daß im reinen Sauerstoffe sogar das Eisen mit lichten
Sprühflämmchen verbrennt. Ja ihr wisset sogar, daß Phosphor eine reine Säure
ist und ein grünlich-weißes Licht in sich hat. – Sehet, das wisset ihr alles!
Wie ist es denn nun aber, daß ihr nicht wißt, was das Feuersalz des Lebens
ist?! [HiG.01_40.09.12,05] O ihr Tauben und Blinden, so höret und
sehet! – Es ist das Feuersalz ja nichts anderes als die wahre Liebe zu Mir,
mit welcher ihr durch und durch gesalzen werden müsset, wollt ihr eingehen in
Mein Reich. [HiG.01_40.09.12,06] Denn gleichwie das Salz die allein
lebenbringende Würze allen Geschöpfen und zugleich, durch seine
zusammenziehende Kraft, die Erhaltung aller Dinge ist – ebenso ist auch die
reine Liebe des Geistes zu Mir, gleich dem Feuersalze alles Lebens, die
allein erhaltend-wirkende Kraft des ewigen Lebens! [HiG.01_40.09.12,07] Wie aber auch nur der Sauerstoff
brennbar ist und helle Flammen bewirkt und mit selben auch die finsteren
Gemächer erleuchtet – ebenso ist auch nur die wahre Liebe allein Feuer und
Flamme und dadurch auch lichtfähig, welches Licht ein wahres Licht ist, da es
ein Ebenlicht Meines ewigen, wahren Weisheitslichtes ist. [HiG.01_40.09.12,08] Und wie ein schales Salz kein nütze
ist und nicht taugt zur Flamme, sondern nur eine faule Glut macht, da seine
Säure unlauter geworden ist – ebenso auch ist es mit einer lauen Liebe, die
nicht zur Flamme angefacht werden mag. Sie ist nur eine todbringende, faule
Kohlenglut in einem verschlossenen Gemache, die alles Salz verzehrt, denjenigen
aber, die sich daran trüglich wärmen, den Tod bereitet. [HiG.01_40.09.12,09] Sagt ihr nicht zur Magd, so sie eure
Gemächer räuchert mit Gewürze: „Wirf zuvor Salz auf die Kohlen!“? – Sehet,
desgleichen tuet auch ihr und werfet das Feuersalz Meiner Liebe auf eure
todbringende, faule Kohlenglut, damit die Liebesflamme über sie schlage, den
Wurm des Todes in euch zerstöre und euch erleuchte und erwärme zum ewigen
Leben. [HiG.01_40.09.12,10] Denn der „Wurm“ ist der Satan, und
sein Grimm ist die faule Glut; aber sie hat keine Flamme und somit keine
Liebe, kein Licht und kein Leben. Daher muß jeder mit und in dem Feuer Meiner
Liebe gesalzen werden, wie auch jedes Mir dargebrachte Opfer, wenn es Mir
soll wohlgefällig werden. [HiG.01_40.09.12,11] Ja, Ich sage euch: Ihr müsset ganz zum
Feuersalze werden, wollt ihr Meine lieben Kinder werden! – Sehet, wie das
Salz eine Würze ist der Speise, so sollet auch ihr eine Würze Meiner ewigen
Liebe werden. Amen! – Das sage Ich, Jesus, das ewige Leben! Die Choralpe. – 13. September
1840
[HiG.01_40.09.13] J. L., S., Andr. und Ans. H. bestiegen am
9. September 1840 den zur Choralpe gehörigen Speikkogel an der
steirisch-kärntnerischen Grenze. – Am 13. September 1840 sprach der Herr über
diese Gebirgsreise durch den Mund seines Knechtes J. L. das Folgende. –
Schreibende: K. G. L. – S. – D. – Andr. und Ans. H. [HiG.01_40.09.13,01] Die schon seit längerer Zeit bedungene
Reise auf die von hier etwas entlegene sogenannte Choralpe ist von euch nun
bewerkstelligt worden. Dabei werdet ihr bei genauerer Beobachtung dieser
Gebirgshöhe auf so manchen Zweifel gestoßen sein, und zwar vorzüglich aus
folgender Ursache: [HiG.01_40.09.13,02] Ihr habt nämlich gesehen, daß das
Hauptgestein, vom Fuße bis zu dieses Berges höchstem Scheitel, in einer fast
beständig gleichförmigen Plattenformierung sich befindet, welche Platten
jedoch nicht immer in ihrer Lage eine und dieselbe Richtung einnehmen. Denn
ihr werdet bemerkt haben, daß da eine solche Plattenrichtung sich bald gegen
Osten, bald wieder nach Westen erhöht, und bald wieder die Blätter senkrecht
in die Erde sich schieben. Ja ihr werdet gesehen haben, daß sogar
verschiedene solche Blätter bald einzeln, bald gruppenweise hin und her auf
der Oberfläche des Berges liegen. Und so habt ihr auch – wie bei dem euch
wohlbekannten Bauernhause und auch auf dem Rücken der Alpe selbst – ganz
große Blöcke frei auf der Oberfläche liegen sehen, welche gegen Westen ganz
frei und nur gegen Osten hie und da ein wenig mit Erde bedeckt waren. [HiG.01_40.09.13,03] Und als ihr ganz in die Nähe des
eigentlichen sogenannten „Speikkogels“ gekommen seid und erstaunt eure Blicke
hingerichtet habt auf seine kahlen Felsenplattungen, so habt ihr wieder
nichts anderes als ähnliche Plattsteine entdeckt. Und so war auch seine höchste
Spitze mit solchen Steinen übersäet. [HiG.01_40.09.13,04] Nun sehet, dies alles habt ihr mehr
oder weniger wahrgenommen und hattet auch verschiedene Mutmaßungen darüber in
euch aufkommen lassen. Allein Ich sage, da seid ihr mit keiner der Wahrheit nahegekommen.
Daher ist es vorerst nötig, euch die Ursache solcher Bildung zu zeigen und
dann erst euch dasjenige Gestein zu nennen, welches vor 6000 Jahren einer
andern Welt angehört hatte. [HiG.01_40.09.13,05] Die Bildung dieser Alpe und die
Entstehungsart derselben war folgende: Wie euch schon ehedem einmal
bekanntgegeben wurde, daß nicht nur dieses Land, sondern der ganze Boden
Europas unter den Fluten des Meeres begraben war, so war auch diese Stelle,
allwo jetzt schon durch viele tausend Jahre diese Alpe steht, nichts als
flacher, hie und da durch die Unterstufen des Meeres etwas unebener Grund. [HiG.01_40.09.13,06] Ihr werdet an den Blättern
(Gesteinsplatten) bemerkt haben, daß sie aus nichts als aus Sandglimmer, mit
Kalk verbunden, bestehen. Die Bildung dieser Schiefer war also keine andere,
als daß sich eine solche Sandschichte über die andere gelagert hatte, und das
zwar bei Gelegenheit der periodisch eintretenden, sogenannten
Äquinoktialstürme. Über die Sandschichte bildete sich dann bei ruhigem Stande
des Wassers ein Art schleimige Haut, über welche bei einem nächsten
Äquinoktialsturm wieder eine andere Sandschichte lagerte – und das so auf
diese Art lange Zeiten fort und fort, bis endlich mehr als 26000 solcher
Blätter übereinanderzuliegen gekommen sind. [HiG.01_40.09.13,07] Ihr werdet vielleicht fragen, woher
die Fluten immer diesen Sand genommen haben mögen, da immer eine Schichte um
die andere durch den oben erwähnten Kalkschleim gewisserart eingepanzert
wurde, von welcher Einpanzerung die Fluten natürlich nicht viel Sandkörner
abzulösen vermochten. [HiG.01_40.09.13,08] Seht, da sage Ich euch, die Erde ist
so eingerichtet, daß fürs erste beinahe vom Mittelpunkt des Erdkörpers aus
eine zahllose Menge von verschiedenartigsten Quellen und Adern nach allen
Richtungen zur Oberfläche führen. Ihr müßt aber nicht denken, daß etwa durch
diese Quellen und Adern pur Wasser strömt; sondern da gibt es vorzüglich
Feuerquellen, durch welche ein unterirdisches Feuer elektrischer Art
unablässig nach allen Richtungen strömt, und zwar vorzüglich gegen die Pole
der Erde. Dann gibt es mineralische Quellen, durch welche Metalle und Erze in
flüssiger Gestalt heraufquellen. Ferner gibt es Fettquellen, durch welche das
sogenannte Erdöl nach allen Richtungen strömt. Es gibt ferner noch vorzüglich
sehr viele Schwefelquellen, dann Erdpechquellen und dergleichen, nebst den
Wasserquellen – eine zahllose Menge aller erdenklichen Arten. [HiG.01_40.09.13,09] Seht, wenn nun diese Quellen zur
Oberfläche der Erde gelangen, getrieben durch die innere Macht der Geister
und des ihnen zu Gebote stehenden Feuers, so werden sie dann ebenfalls fester
und fester, das heißt, wenn sie vollends die Oberfläche der Erdrinde erreicht
haben und in die Masse des Meeres übergehen. – Daß dieses so ist, würde euch
jeder Materienscheider, oder bei euch Chemiker genannt, sachtätig erweisen. [HiG.01_40.09.13,10] Nun seht, daher also dieser Zuwachs
des Sandes und allerlei anderen mineralischen Konglomerates. Und nun wisset
ihr und kennet auch die Vorratskammer des vorerwähnten Glimmer-Schiefers und
Kernsandes wie auch des dasselbe verbindenden Kalkes. [HiG.01_40.09.13,11] Nun fragt es sich – da wir nun auf
diese Art eine mehr als zweitausend Klafter dicke Blätter-Rinde gebildet
sehen – wie ist denn aber nun diese Alpe entstanden mit allen ihren
Nebenverzweigungen? [HiG.01_40.09.13,12] Höret, vor mehreren tausend Jahren
(eine bestimmte Zahl ist hier aus dem Grunde nicht nötig, da der
Bildungsprozeß einer solchen Alpe an und für sich schon mehrere tausend Jahre
angedauert hat) wurde von Mir über sechzehntausend Klafter tief unter der
Erde ein kleiner Funke Meiner Barmliebe gelegt, und dieser hob nach Meinen
Willen vollkräftig diese Rinde, das Gestein nach allen Seiten sprengend, in
die Höhe, gerade so, als wenn ihr unter einer Decke wäret und hebet dieselbe
mit dem Finger über euren Körper empor. Und zwar wurde diese Blätterrinde von
Osten nach Westen gehoben und blieb da in einer horizontalen Richtung ruhen,
da sie alsogleich durch andere, aus dem Innern der Erde getriebene Massen
unterstützt wurde. [HiG.01_40.09.13,13] Die auf solche Weise emporgetriebene
Platte hatte ungefähr die Gestalt eines sehr großen Erdschwammes und wuchs
durch die Triebkraft des Feuers gleichsam beständig höher und höher über dem
Meeresspiegel empor und bildete endlich eine bedeutende Insel über der
Oberfläche des Meeres. Und wie diese Hauptplatte, so wurden auch mehrere
kleinere Platten auf diese Weise horizontal emporgetrieben, jedoch nicht alle
gleich hoch, und bildeten auf diese Weise einen großartigen Erdschwammwald.
Endlich aber wurden die massiven, solche Platten unterstützenden Stiele durch
die Fluten abgewaschen und abgenützt. Dadurch geschah es dann, daß eine
solche Platte das Gleichgewicht verlor, umstürzte und auf ihrem Stiele sich
anlehnte. Dadurch nahm eine solche Platte eine schiefe Lage an, wie ihr die
Plattenform auf dem sogenannten Speikkogel selbst bemerkt habt. Und da gab's
denn zur Bildung dieser „Choralpe“ wohl mehrere hundert größere und kleinere
Platten, welche notwendigerweise dasselbe Schicksal erlitten haben. Nur von
einigen wenigen sind noch Spuren da, aber keine ganzen mehr. [HiG.01_40.09.13,14] Wenn ihr nun einen Blick auf den
sogenannten „Kumpfkogel“ geworfen hättet, alldort hättet ihr noch eine
horizontal liegende Platte entdeckt, welche jedoch schon sehr verwittert und
nach allen Seiten abgefallen und zerbröckelt ist. Vielfach aber habt ihr
droben noch ein solches Geschiebe nach Westen gerichtet gesehen, auf welches
ihr von Morgen her recht leicht hinaufgelangen konntet. Jedoch gegen Westen
war es wie abgebrochen (wie der Fall auch wirklich ist). Denn vorzüglich an
den Stellen, wo ihr solche überstehenden Platten gesehen habt, da ragten
diese noch vor tausend Jahren, einem Halbdache ähnlich, zu hundert, fünfzig,
dreißig und zehn Klafter über die anderen Gebirgsschichten herüber. Durch
Erdbeben aber, gewaltige Stürme und starke Blitze wurden sie abgebrochen und
fielen auf die westliche Seite, was ihr dadurch leicht entnehmen könnt, daß
diejenige Steinmasse, die sich am westlichen Abhange befindet, eine ganz
entgegengesetzte Blattwende zeigt. [HiG.01_40.09.13,15] Was das Weiche (die lockeren Teile)
solcher Alpen betrifft, so ist es nichts als Anschwemmung, teils von Sand,
teils aber auch von zerbröckelten Blättern, die jünger und daher auch noch
weicher waren, weil sie von den letzten Bildungen herrührten. [HiG.01_40.09.13,16] Seht, solch eine Alpe hat nicht
eigentlich eine vulkanische Entstehung, wohl aber ist sie durch ein
unterirdisches Feuer auf die schon bekanntgegebene Art emporgehoben worden. [HiG.01_40.09.13,17] Nun sehet, das ist also die Bildungs-
und Entstehungsart dieser Alpe! – Hie und da werdet ihr auch unregelmäßige
weiße Steine herumliegen sehen haben, von denen auch einige mehr braun und
grau und einige ganz weiß wie der Schnee sind. Diese Steine sind nicht auf
diesem Grund und Boden gewachsen, noch auch auf die Alpe gefallen, sondern
ins Meer, mit Ausnahme der ganz weißen. In der letzten Periode nämlich, als
von Mir die Bildung dieser Alpe angefangen wurde, wurden bei Erhebung jener
Platten auch diese Steine emporgehoben. Und zwar solche, welche vorzüglich
zur Zeit Adams bei einer allgemeinen (Natur-)Revolution dahin gefallen sind
und ein mehr bräunliches Aussehen haben, und endlich solche, welche bei der
nachherigen Zerstörung eines größeren Planeten, welcher sich zwischen dem
Mars und dem Jupiter befand, auf die schon gebildete Alpe geschleudert
wurden, und zwar aus der Ursache, weil zur Zeit der Zerstörung dieses
Planeten die Erde gerade in einer Linie unter ihm gegen die Sonne sich
befand. Dieses geschah nach eurer Rechnung um die Zeiten fünfhundert Jahre
und etwas darüber vor Abraham. Daher rühren nun diese ganz weißen Blöcke her,
welche ihr hie und da gerade auf der Oberfläche dieser Alpe habt liegen
sehen. [HiG.01_40.09.13,18] Ihr werdet zwar fragen, warum Ich
einen solchen Weltkörper zerstört habe? – Seht, zerstört habe Ich ihn
eigentlich gerade nicht, sondern ihn nur ob einer daselbst unter den
Bewohnern entstandenen großen Zwietracht wegen in vier kleinere Welten
geteilt. Und seht, wie bei euch das Gold, Silber und Diamanten, so waren auf
diesem Planeten diese weißen Steine wahre Steine des Anstoßes. Denn um einen
solchen Stein, den ihr da nutzlos habt liegen sehen, haben sich diese
Bewohner zu Tausenden und Tausenden erwürgt und haben sich abgeteilt in vier
Hauptstämme, die sich gegenseitig solcher Steine wegen auf das hartnäckigste
verfolgten. Denn sie bildeten sich untereinander ein, daß wer keinen solchen
Stein besitze, nicht verständig sein könne und nur ein unverständiges Tier
sei. Daher sammelten die Mächtigeren solches Gestein haufenweise, ja
bergweise zusammen und ließen den Schwächeren davon nichts zukommen, damit
sie dieselben desto leichter tyrannisieren konnten. Und so ging diese Betrügerei
und Habsucht so weit, daß sich solche Steininhaber für Götter ansahen und
sich als solche dem andern Volke aufdrangen. [HiG.01_40.09.13,19] Unter solchen „Göttern“ wollte aber
einer über dem andern sein. Daher wühlte ein jeder, soweit es nur möglich war,
in den Eingeweiden dieses Weltkörpers herum, um seinen Steinhaufen möglichst
zum größten zu machen und dadurch sein Göttertum zu beweisen. – Was geschah
dann? Solche Götter mißhandelten das Volk auf das grausamste und ließen es
Tag und Nacht in den Eingeweiden dieses Planeten wühlen. Andere wieder mußten
sich in großen Rotten sammeln, um einem andern „Gott“ seinen Steinhaufen mit
Gewalt zu verringern. Und so ging das soweit, daß diese „Götter“, deren es da
zu Hunderten gab, sich gegenseitig bis auf vier aufgerieben haben. Diese vier
ließen nun durch ihre Völker solche Steine von allen Weltgegenden
zusammentragen und errichteten förmliche, weit ausgedehnte Berge mit diesen
Steinen. [HiG.01_40.09.13,20] Durch solche Steinkultur blieb nun die
andere Kultur des Landes im Hintergrund und die Völker samt ihren Göttern
waren auf dem Sprunge zu verhungern. Da haben nun diese vier Götter ein gar
schönes Gesetz herausgegeben. Nämlich die Völker des einen Gottes durften die
Völker des andern Gottes fangen und sie, wie ihr das Wildbret, verzehren!
Seht, das war der Zeitpunkt, wo sich diese Götter des Guten zu viel erlaubt
haben. Bei einer solchen Rechnung mußte Ich denn doch auch einen gewaltigen
Strich durchziehen. [HiG.01_40.09.13,21] Ein Wink von Mir, und ein Engel riß
den ganzen Weltkörper in vier Teile auseinander und bildete so vier
abgesonderte kleinere Weltkörper. Alle diese Steine aber wurden mit einem
Male in den weiten Weltraum hinausgeschleudert, von denen sodann einige nach
Meinem geheimen Willen zur Erde, einige in den Mond, sehr viele in die Sonne
gefallen sind. Die meisten jedoch sind noch bis auf den gegenwärtigen
Zeitpunkt auf dem Fall im unendlichen Raume begriffen. – Seht, das ist die
kurze, wohlbegründete Ursache des Aufsturzes solcher Steine in größeren und
kleineren Quantitäten auf euren Erdkörper, von denen sich hie und da ein
ganzer Gebirgszug auf der Erde gebildet hat. [HiG.01_40.09.13,22] Ich habe euch auch einst erwähnt, daß
ihr allda auf einem solchen Steine noch sehr zerstörte und verwitterte kleine
„Wohnungen“ antreffen dürfte. Allein dieses ist nicht so wörtlich zu nehmen,
sondern nur entsprechend. Und da zeigt die „Wohnung“ soviel als eine Schrift,
gleich den Hieroglyphen Ägyptens, welche Schrift außer Mir schwerlich auf dieser
Erde jemand würde lesen können, außer durch Meine Gnade. [HiG.01_40.09.13,23] Jedoch dort, wo sich ein solcher Stein
befindet, der mit einigen solchen Insignien versehen ist, seid ihr nicht
hingekommen. Denn dieser befindet sich fast eine Stunde nordwestlich vom
sogenannten: „Kumpfkogel“. Allein ihr hattet zu viel Furcht vor Wind und
Regen, und euer Verstand war mehr beschäftigt als die Liebe zu Mir. Auch
waret ihr für den Magen zu sehr besorgt; aus welchem Grunde Ich euch auch
nicht überall hinführen konnte, wo Ich euch hätte haben mögen, da Ich noch
nicht der Herr eures Willens bin! – Ich habe euch mit großer, leserlicher
Schrift durch die Trübung des Morgens und Heiterung des Westens anzeigen
wollen, daß eure Liebe schwach und trübe war, aber desto größer eure Eßlust.
Daher ließ Ich euch auch dann und wann durch einen kalten Luftzug sagen, wie
es um eure Liebe steht. Ja endlich, als ihr schon im Nachhauseeilen begriffen
waret, ließ Ich sogar durch einen kleinen Eisregen euch, doch gewiß
handgreiflich, merken, daß Ich mit eurer Geschäftsreise nicht ganz zufrieden
war. Denn sehet, wie hätte Ich es auch sein können? Ihr seid nur
dahingegangen, um recht gewaltig zu essen und zu trinken! Was aber Meine
Sache war, das habt ihr nur so leicht mitgenommen. Auch habt ihr eure Augen
weit hinausgerichtet, aber um das, was euch vor den Augen lag, habt ihr euch
nicht gar so sehr bekümmert. [HiG.01_40.09.13,24] Seht, aus dieser Ursache habe Ich euch
auch die zwei größten Merkwürdigkeiten vorenthalten, nämlich die des erwähnten
Steines und die des Sphärengetönes unter dem sogenannten „Speikkogel“, von
welchem Getöne Ich euch erst dann etwas Ferneres, für euch jetzt noch
Unbegreifliches, mitteilen werde, wenn einer oder der andere von euch aus
Liebe zu Mir den erwähnten Fehler durch einen Neubesuch dieser Gegend
gutmachen wird. [HiG.01_40.09.13,25] Denn seht, dieses läßt sich nicht von
Grund aus begreifen, wenn jemand nicht vorerst einen Scharfblick auf die
Materie gewendet und dieselbe in ihrem verschiedenen Gebilde genau beachtet
hat. Da ist für ihn – besonders wenn er noch nicht geistig vollwach ist –
eine nähere Erlärung gerade so, als wenn man einem den himmlischen Sinn aus
dem Worte gäbe, während er das Wort im Buchstaben-Sinne noch nie gesehen hat. [HiG.01_40.09.13,26] Seht, die Natur oder die Welt an und
für sich ist ein großes Buch, voll beschrieben von der Tiefe Meiner Weisheit
und Liebe! Wer diese recht erfassen will, der muß sich aus Liebe zu Mir schon
manchmal gefallen lassen, ein wenig in diesem Buche herumzublättern –
freilich aber nur soviel, als Ich aus Liebe es anrate. Denn Ich allein weiß
das rechte Ziel und Maß und weiß, was ein jeder vertragen kann, und auch,
wieviel es nottut, um ihn zu wecken. [HiG.01_40.09.13,27] Wer einmal geistig geweckt ist, der
braucht freilich nicht mehr zu reisen, aber wer noch schläfrig ist in seiner
Liebe, für den weiß Ich die besten Mittel, die ihn vor dem ewigen Schlafe
bewahren werden, wenn er sie nur aus Liebe und willigem Gehorsam gegen Meine
Anordnungen ergreift und an sich anwendet. [HiG.01_40.09.13,28] Kommen da auch oft kleine Prüfungen,
so soll ein jeder dieselben nur mutig im festen Vertrauen auf Mich bestehen.
Denn ehe er sich's versieht, wird die Sonne da, wo das Gewölk am dichtesten
war, erwärmend und belebend durchbrechen. Auch dieses habe Ich euch alldort
zu wiederholten Malen sinnbildlich angezeigt. Allein wo das Herz noch
unverständig ist, da gehen dergleichen Andeutungen freilich
unverrichteterdinge vorüber. [HiG.01_40.09.13,29] Dieses sage Ich euch darum, daß ihr
für die Zukunft voll Liebe und Vertrauen sein sollet. Denn alles, was da
geschieht in der Außenwelt, geschieht unmöglich anders als nur einzig und
allein durch Meinen Willen. Ich aber bin ein verständiger Gott, und daher
fällt auch kein Lüftchen auf die Häupter der Blümchen, ohne einen großen
Tiefsinn Meiner endlosen Weisheit. Und jedes Wölkchen, jeder Tropfen, der aus
dem Himmel fällt, wie auch jedes Steinchen, das nach einem schroffen
Gebirgsabhange rollt – das alles sind große und inhaltsschwere Buchstaben
Meiner allerbarmenden Liebe- und Gnadenschrift! [HiG.01_40.09.13,30] Sehet, also mit diesen Augen sollet
ihr in Zukunft die Dinge, die euch vorbenannt wurden, in Augenschein nehmen,
und ihr werdet daraus in großer Klarheit ersehen, daß Ich überall alles in
allem bin. Denn ihr werdet da sehen das große Walten Meiner Göttlichkeit,
Macht und ewigen Heiligkeit und daneben auch gar wohl erkennen Meine
unbegrenzte Liebe, Gnade und Weisheit. Ihr werdet dadurch, gleich den Bienen,
auf der großen Blumenwiese der Natur den Honig Meiner Liebe und das Wachs
Meiner Gnade sammeln zur ewigen Nahrung eures Geistes und werdet immer mehr
und mehr erkennen, daß Ich allezeit und überall euer guter, heiliger Vater
bin und sein will ewig. Amen. Vulkanische Erdvorgänge. – Nachtrag
zu „Choralpe“. – 20. September 1840
[HiG.01_40.09.20] J. L. spricht. – Andr. und Ans. H.
schreiben [HiG.01_40.09.20,01] Da ist noch eine kurze Hinzugabe, als
ein kleines Flämmchen, zu erleuchten so manche wirren Gestrüppe und Geklüfte
dieser von euch besuchten „Choralpe“! [HiG.01_40.09.20,02] Was die Perioden der Bildung dieser
Gebirgsgruppe betrifft, so treten diese erst nach Adam bis auf eure Zeit in
stets bewirkten und noch wirkenden Vorschein und ist die Art, deren in der
früheren Mitteilung erwähnt wurde, die eigentliche und die richtigste. [HiG.01_40.09.20,03] Die eigentliche deswegen, weil von Mir
alles, was da ist, in den ersten Uranfängen gemacht wurde, so wird auch stets
nur von Mir bewirkt, daß an der Stelle, da Ich es will, entweder ein Berg,
eine Quelle, ein Baum oder ein sonstiges Gewächs hervortritt. Und weil Ich
noch dazu, Meiner ewigen Ordnung gemäß, allezeit das tauglichste Mittel
wähle, um was immer ins Dasein zu rufen, und weil dieses Mittel allezeit von
Meinem höchsteigenen und freiesten Willen abhängt, so ist auch die erwähnte
Art der Entstehung dieser Alpe die eigentlichste. – Und sie ist auch die
richtigste aus dem Grunde, weil nur Ich, als die Ewige Liebe und Weisheit,
jede Meiner Handlungen so zu beginnen, durchzuführen und zu vollenden weiß,
daß dadurch in allen Dingen Meiner Heiligkeit volle Genüge geleistet werden
muß, und weil dabei nie auch nur um ein Haarbreit ein Fehlzug möglich ist. [HiG.01_40.09.20,04] Wenn da gemeldet wurde von der
Plattsteinform dieser Alpe und dabei angegeben wurden viele tausend Blätter,
welche scheinbar mit dem Zeitraume seit Adam in Widerspruch stehen, so müßt
ihr dabei nicht denken, daß solche Ablagerungen nur von Äquinoctium zu
Äquinoctium geschahen. Solche Plattungen von Äquinoctium zu Äquinoctium sind
nur diejenigen, welche mit einer krystallartigen, bräunlichen Urkalkschichte
getrennt sind. Die anderen Blätter, die oft kaum ein oder zwei Zoll dick
sind, wurden bewirkt durch das Vollwerden des Lichtes am Monde. Und hättet
ihr von solch einer Urkalkschichte die Blätter gezählt, so hättet ihr recht
gut den Lichtwechsel des Mondes von Äquinoctium zu Äquinoctium und noch
besser von Jahr zu Jahr entdeckt. [HiG.01_40.09.20,05] Ferner ist wohl zu verstehen, daß
solche Plattungen nicht vor Adam schon bestanden haben. Denn das Gestein der
Erde vor Adam war hier allenthalben fest und sah aus wie ein Kies und ließ
das Licht, fast eurem Glase ähnlich, durchpassieren. Und wo die Wellen des
Meeres Teile von diesem Gesteine auflösten, da bildeten sich (es versteht
sich von selbst nach Meinem Willen) kleine Körner. Und zwischen diesen
Körnern bildete sich dann durch die Ruhe des eingedrungenen Wassers eine
klebrige Substanz und verband auf diese Art solche Körner zu einem Ganzen.
Und so wurde dann dieses Ganze ebenfalls wieder fest und ward auf diese Art
zum Steine, und zwar zu jenem Steine, den ihr Granit nennet. [HiG.01_40.09.20,06] Auf diese Weise, wie der Granit
gebildet wurde, wurden in den späteren Zeiten durch allerlei
Elementar-Eruptionen noch andere ähnliche Steine gebildet. Solche Steine
werdet ihr überall finden, ihr dürft nur z.B. eure Mühlsteine ansehen, in
welchen allerlei Gestein durch die erwähnte Schleimmasse zu einem Ganzen
verbunden ist. [HiG.01_40.09.20,07] Aber solche Steine, wie sie z.B. euer
Schloßberg, der Schöckel, der Plavutsch und noch viele andere benachbarte
Berge und Hügel aufzuweisen haben, sind schon vor Adam als Steine in der Erde
bestanden und wurden durch lang anhaltende, sogenannte vulkanische Eruptionen
aus dem Innern der Erde herausgetrieben, und zwar an solchen Stellen, an
denen keine Plattenformation – wegen beständiger Wasserstürme aus dem Innern
– hatte stattfinden können. [HiG.01_40.09.20,08] Ihr werdet fragen, wie geht denn das
naturmäßig zu, daß sich in großer Tiefe der Erde ein Feuer bilde und das den
Stein umgebende Wasser in Dämpfe auflöse und durch die große Macht solcher
Dämpfe so große und feste Massen aus dem Innern der Erde oft meilen- und
meilenweit zur Oberfläche derselben treibe? – Da gebe Ich euch folgende Erklärung: [HiG.01_40.09.20,09] In dem inneren Gesteine der Erde
befinden sich viele hohle Klüfte; mit der Zeit dringt Wasser wie auch Luft
durch die Poren dahin. Nach und nach sammelt sich in solchen Klüften das
Wasser so sehr an, daß es alle Räume dicht ausfüllt. Nun, da aber eine
Wasserschichte auf die andere, vermöge der natürlich innewohnenden Schwere,
einen großen und, je tiefer, immer größeren Druck ausübt, so wird nun ein
solches Wasser, welches in einem solchen festen Raume eingeschlossen ist,
gewisserart von allen Seiten zusammengepreßt. Durch solches Zusammenpressen
des Wassers geschieht in seinen Teilen eine immer größere und größere
Reibung. Da aber nun, wie ihr wißt, auch in dem Wasser durch die ganze Erde
Geister verschlossen sind, so empfinden diese gar wohl einen solchen
zunehmenden Druck, zersprengen die Wasserhülschen, treten dann aus ihren
Kerkern, vereinigen sich in der Gestalt eines erbitterten Feuers, lösen das
Wasser in Dunst auf und zerreißen dann mit Leichtigkeit eine solche
Steinkluft und treiben alles, was sie hindern könnte, mit herauf zur
Oberfläche der Erde. [HiG.01_40.09.20,10] Und da auf solche Weise bei dem
Durchtriebe auch in anderen Schichten der Erde wieder neue Klüfte und dadurch
auch gewaltige Bedrückungen des Wassers geschehen, welche dann wieder zu
einer ähnlichen Eruption genötigt werden, so geschieht es denn, daß solche
vulkanische Ausbrüche oft länger oder kürzer dauern und auf diese Art die
höchsten Berge und Gebirgszüge bilden. Und wenn die Füße solcher Berge
Plattensteine, wie auf der Choralpe, aufweisen, so geschieht es dadurch, daß
Aufbrüche unter der Plattform stattfinden, die Platten zerbrechen und
dieselben nebst dem andern Gestein mit herauf zur Oberfläche treiben, wovon
euch der nahe liegende Schöckel einen augenscheinlichen Beweis liefern kann. [HiG.01_40.09.20,11] Wenn solches Feuer aus dem Innern
hervorbricht, so zerschmilzt es durch seine Heftigkeit die Steine, die ihm
nahe liegen, mit großer Leichtigkeit. Und wenn es in seinem Durchzuge auch
noch, wie es bei Neapel und Sizilien der Fall ist, auf die schon bekannten
Erdöl- und Erdharzquellen kommt, so entzündet es dieselben. Diese brennen
dann viele Jahre, hie und da fast ununterbrochen fort. Und wenn irgend noch
mineralische Quellen bei solcher Tätigkeit hinzukommen, die besonders
Schwefel aus dem Allinnersten der Erde heraufführen, so dringen dann diese
Schwefelquellen in alle Klüfte solcher Berge, bilden da große
Schwefelablagerungen, welche, mit dem Erdharz und Erdöl geschwängert, dann
unterirdisch fast unablässig brennen und rauchen. [HiG.01_40.09.20,12] Geschieht es dann, daß nach Meinem
Willen eine solche hauptvulkanische Mündung verstopft und das Wasser nach und
nach abgetrieben wird von einer solchen Gegend, so erlischt dann auch das
Feuer, die vulkanischen Eruptionen hören auf und ein solcher Berg wird dann
stille und ruhig und fördert das in seinem leeren Geklüften sich ansammelnde
Wasser durch seine früheren Feueradern ans Tageslicht. [HiG.01_40.09.20,13] So ist es jedoch nicht bei der euch
bekannten „Choralpe“; sondern da entstand auch zwar ein Feuer in der Tiefe
der Erde auf ähnliche Weise, hob aber nach Meinem Willen, wie schon bekannt,
nur Platten in die Höhe, schob unter dieselben verschiedenartige andere
Massen von Steinen, Erde, Kalk und dergleichen mehreres und hob alles samt
den Platten in die Höhe. Dadurch nun entstand ebenfalls ein großer leerer
Raum unter einer solchen Alpe, in welchen alsbald Wasser durch die Klüfte
hineindrang. Und auf diese Art kam gleichsam eine ganze solche erhobene Schichte
teilweise auf die Fläche des eingedrungenen Wassers zu ruhen und ruht noch
bis auf die heutige Stunde – wodurch es geschieht, daß durch den Druck,
welchen solche Massen auf die Oberfläche des Wassers ausüben, dasselbe durch
die verschiedenen Klüfte und Adern und kleinen Spalten oft bis zu der größten
Höhe getrieben wird. [HiG.01_40.09.20,14] Daher rühren auch all die Wässer einer
Alpe, wie die ist, die ihr bestiegen habt. Und sie sind frisch und kalt, da
sie nicht durch vormalige Feuerquellen getrieben werden. – Wohingegen Quellen
auf anderen Bergen, welche auf vulkanische Weise entstanden sind, oft noch
ganz heiß zur Oberfläche gelangen, da sie in ihrem Zuge vielfältig im Innern
solcher Berge noch glühende Stellen passieren müssen. [HiG.01_40.09.20,15] Seht, das ist nun das Wesentlichste,
was euch noch bezüglich der Bildung der Berge zu wissen nötig war. Es wäre
demnach nur noch zu berühren, wie die grauen und braunen Steine zwischen die
Plattenschichten dieser Alpe gekommen sind. Sehet, diese Steine sind die
eigentlichen Ursteine der Erde. Sie sind teils bei der Zeit Adams auf vielen
Stellen der Erde mehr zur Oberfläche gekommen und wurden dann bei der
Plattenbildung nach und nach unter dem Wasser selbst mit eingepanzert. – Die
Noahischen aber, die, wie ihr schon wißt, weißgraulich aussehen, wurden erst
unterwässerlich gebildet von Adam bis Noah und wurden zuerst durch eine
vorsintflutliche, partielle Feuer-Eruption zerbrochen und nach allen
Richtungen geschleudert, allwie sie noch jetzt häufig auf solchen Alpen in
größeren und kleineren Stücken und Massen anzutreffen sind. [HiG.01_40.09.20,16] Was endlich die ganz weißen,
überweltlichen Trümmer betrifft, so hat dieses seine Bewandtnis in dem schon
Gesagten. [HiG.01_40.09.20,17] Und somit ist nun die ganze Bildung
der Alpe wohlerläuternd gegeben, und es wird nie ein Weltgelehrter eine
andere ausfindig machen. Denn da weiß niemand das Wie, Wann, Woher, Warum und
Wodurch, als Ich allein und der, dem Ich es mitteile, damit er glaube, daß
Ich es bin, der alles dieses angeordnet und gemacht hat. Denn würde jemand
nur achttausend Klafter tief in die Erde graben, so würde er sich alsbald
überzeugen, daß es nur so ist, wie Ich es euch gezeigt und gesagt habe. Aber
zugleich wird er auch erfahren, daß solche eigenmächtige Untersuchungen wider
Meinen Willen sind und daß Ich dieselben gewiß allezeit mit dem zeitlichen,
wo nicht sogar mit dem ewigen Tode bestrafe. [HiG.01_40.09.20,18] Daher, wer da am Brunnen göttlicher
Offenbarungen ist und dürstet, der trinke das Wasser des Lebens in vollen
Zügen! Aber die Frucht vom Baume der Erkenntnis soll er erst dann essen, wenn
Ich den Baum für ihn gesegnet habe. Dann wird er sich sättigen zum ewigen
Leben von der Frucht, die reichlich am großen Baume Meiner Schöpfung hängt,
aber wohlgemerkt, nicht eher, als bis Ich den Baum ihm gesegnet habe, wie Ich
es jetzt eben vor euren Augen für euch tue. [HiG.01_40.09.20,19] In diesem Falle werdet ihr auch den
Segen des Lebens empfinden und seid vergnügt und zufrieden dabei, da euch
gegeben wird mehr, als ihr je hättet verlangen können. Der eigenmächtige
Naturgelehrte dagegen frißt wie ein Ochse im saftigen Kleefelde, bläht sich
dann auf und geht zugrunde, da er aß die für ihn ungesegnete Frucht. Ich
sage, solche Gelehrte sind Mir ein Greuel; denn sie suchen nicht Meine,
sondern ihre Ehre unter den Zweigen dieses Baumes. [HiG.01_40.09.20,20] Euch aber gebe Ich es in aller
Wahrheit und Liebe, damit ihr die große Herrlichkeit eures heiligen Vaters erkennen
möget, wie sie war, ist und ewig sein wird. – Das sage Ich, der Ich
wahrhaftig und getreu bin in jeglichem Meiner Worte. – Amen. Geistige Schau. [HiG.01] Aus der Ferne zeigt ein blaues Gebirge sich dir
als eine flache Wand. Doch kommst du in die Nähe, wird die Wand zu
weitgedehnten Ländereien. – Also ist es auch mit den geistigen Dingen! – Wo
dein Auge eins erschaut, Ich sage dir, da sind Trillionen! Erdbeben und deren Ursachen. –
27. September 1840
[HiG.01_40.09.27] Schreibende: K. G. L. und Ans. H. – Der
Herr offenbarte durch Seinen Knecht J. L. Nachfolgendes: [HiG.01_40.09.27,01] Es gibt der Erscheinungen in der Natur
noch sehr viele, sowohl im Großen als auch im Kleinen, über deren wahren
Grund noch keinem sogenannten Naturgelehrten je etwas geträumt hat. [HiG.01_40.09.27,02] Zu solchen Erscheinungen gehören z.B.
der Magnet des Nordpols, das Nordlicht, der Blitz, wie auch ferner die
sogenannten Schnellgebilde, dergleichen da sind die Sternschnuppen, Wölkchen
am reinsten blauen Himmel, die kristallinischen Bildungen, ferner die Ebbe
und Flut des Meeres, die Schwingungen der Erde, ein längeres Beben derselben,
wie auch gewaltige Stöße, welche, wie euch mehrere Beispiele und Erfahrungen
zeigen, schon öfter ganze Gegenden in wenig Sekunden gänzlich zugrunde
gerichtet haben. Zu diesen Erscheinungen gehören auch die Bergstürze, große
Erdlawinen, oft ganze Versinkungen der Berge und Inseln und noch ferner das
Sich-Spalten der Erde, das Ausbleiben der Quellen, das Versiegen der Brunnen,
das starke Zurücktreten des Meeres und bei solchen Gelegenheiten das öftere
Hervorbrechen von Rauch und Feuer aus den Klüften der Erde. Und dergleichen
Erscheinungen gibt es noch zahllose, welche teils schon beobachtet, teils
aber noch von niemanden beobachtet wurden. [HiG.01_40.09.27,03] Jedoch von allen diesen nun erwähnten
außergewöhnlichen und außerordentlichen Erscheinungen will Ich heute nur das
Erdbeben wie auch die Schwingungen der Erde und Stöße derselben wie auch
manches auf dieses Bezug habende näher beleuchten. [HiG.01_40.09.27,04] Das sogenannte Erdbeben ist keine
eigene, für sich entstehende Erscheinung, sondern ist nur die Folge eines auf
irgendeinem losen Punkte der Erde entstandenen Erdstoßes, welcher auf
folgende Weise bewirkt wird: [HiG.01_40.09.27,05] Tief in den innersten Gebilden des
Erdwesens befinden sich, gerade wie in dem Körper eines Tieres, gewisserart
Eingeweide. Es sind aber, wie schon erwähnt, durch alle Teile der Erde bis
zum Mittelpunkte derselben überall zahllose Heere der einst gefallenen Geister
gebannt, denen allen nach Meiner Ordnung eine gewisse Frist zu ihrer
Wiederbelebung gegeben ist. Wenn nun auf irgendeinem Punkte der Erde
irgendein Menschengeschlecht zu sinnlich und materiell wird, so daß beim
Sterben solcher Menschen ihre Geister nicht zum ewigen (Geistes-)Leben,
sondern wieder in den Tod der Materie übergehen, so treten dann eben diese
Geister wieder in die Tiefen der Erde zurück und werden gefesselt wie zuvor,
ehe sie geboren wurden. [HiG.01_40.09.27,06] Seht, wenn das lange fort und fort
dauert, so wird ein solcher Punkt im Innern der Erde nach und nach überladen.
Diese Geister fangen dann an, in ihren bösen Begierden sich zu drängen, zu
reiben und zu entzünden. Dadurch aber werden auch diejenigen Geister, die
noch nicht in ein Menschenleben geboren wurden, ebenfalls aus dem Zustande
ihrer Ruhe geweckt, zersprengen ihre kleinen Kerker, brechen dann in ihrem
beleidigten Eifer in mächtigen Feuersäulen auf die anderen Geister los und
wollen sie vernichten. Die geborengewesenen und wieder gefallenen Geister
aber entzünden sich da noch mehr, da sie glauben, ein solches Feuer rühre als
das sogenannte Höllenfeuer als Strafe unmittelbar von Mir, erbrennen dann in
Wut gegen Mich und wollen Mich, alle Engel und den Himmel zerstören und
vernichten. [HiG.01_40.09.27,07] Wenn dann solches vor sich zu gehen
anfängt, alsdann wird sobald ein frieden- und ruhestiftender Engel von Mir
abgesandt. Dieser öffnet die Schleusen irgendeines unterirdischen großen
Wasserbehälters. Und das Wasser stürzt dann, vom Engel geleitet, in
Blitzesschnelle hin auf einen solchen wuterglühenden Punkt der Erde. [HiG.01_40.09.27,08] Wenn nun das Wasser mit seinen
Friedensgeistern eine solche Stelle erreicht hat, alsdann treten diese hinaus
aus ihrer leichten Umhüllung, entzünden sich gegen solche bösen Rotten und
züchtigen dieselben mit dem Feuer des Friedens. [HiG.01_40.09.27,09] Das Wasser selbst aber löst sich
natürlich in die euch bekannten Dämpfe auf und übt durch solche plötzliche
Ausdehnung mit Hilfe seiner Geister einen so gewaltigen Stoß aus, daß an der
Stelle, die sich gerade über einem solchen Punkte befindet, Berge, Städte,
Märkte und Dörfer wie Spreu zusammengeschüttelt und übereinander geworfen
werden. [HiG.01_40.09.27,10] Dadurch entstehen nun im Innern der
Erde neue Spalten und Klüfte, die sich oft bis zur Oberfläche der Erde
heraufziehen, in welche Klüfte sich dann die ungeborenen Naturgeister,
vereinigt mit den friedlichen Wassergeistern, zur ferneren Ausbildung von dem
Engel geleiten lassen. Die bösen, gefallenen Geister aber, die da schon
geboren waren, bleiben dann gesänftet zurück in dem auf diese Art
entstandenen Schlammpfuhle. [HiG.01_40.09.27,11] Nun seht, das ist der eigentliche
Grund der Entstehung eines solchen Erdstoßes! [HiG.01_40.09.27,12] Was aber die sogenannten Schwebungen
und Schwingungen betrifft, welche mit dem allgemeinen Ausdrucke „Erdbeben“
bezeichnet werden, so sind diese nichts anderes als die vom Öffnen der
Schleuse durch den Engel wie auch durch das Fallen des Wassers
notwendigerweise erregten kleinen Rückungen der Erdschichten, welche teils
ein solches Becken umgeben, teils aber auch dadurch aus ihrer Ruhe gebracht
werden, wenn fürs erste durch solche höhere Kraft die Schichten unter dem
Becken bis zum losen Punkte gewaltsam getrennt werden; und fürs zweite dann
aber auch durch den gewaltigen schweren Fall der Wassermassen in einer länger
währenden Erzitterung erhalten werden. – Diese Bewegung ist nun also der
Grund der Schwingungen. [HiG.01_40.09.27,13] Was aber das Beben der Erde nach einem
solchen gewaltigen Stoße betrifft, so ist dies alles eine Folge des Rückzuges
der Wassergeister mit den ungeborenen Geistern in die verschiedenen neuen
Spalten und Klüfte des Erdkörpers. Denn darum ist die Erde erschaffen worden,
daß sie trage in ihren Eingeweiden ein gefallenes Geschlecht der Geister zur
endlichen Wieder-Entstehung in ein freies, ewiges Leben in und aus Mir. [HiG.01_40.09.27,14] Solange es nun irgendwo auf der Erde
ein widerspenstiges Geschlecht gibt, so lange auch werden solche Erscheinungen
um so häufiger vorkommen, je sinnlicher und gottvergessener irgendein
Menschengeschlecht auf der Oberfläche der Erde wird. [HiG.01_40.09.27,15] Denn sehet, daß dieses alles
buchstäblich wahr ist, könnet ihr sehr leicht daraus ersehen, wenn ihr fürs
erste eure Blicke über die ganze Oberfläche der Erde richtet und hie und da
solche Erscheinungen vernehmet in der ganzen Schrecklichkeit ihrer tobenden
Größe, wie z.B. die Zerstörung Lissabons, ferner die auf der Insel Jamaika
und dergleichen mehrere bis auf die jetzige Zeit in der Gegend des Berges
Ararat, welche letztere ganz wortgetreu in dem Sinne Meiner heutigen
Mitteilung vor sich ging und wovon nahe selbst bis zu euch her nicht
unbedeutende Spuren vor einigen Wochen vernommen wurden. Selbst bis nach
Amerika wurden ja wiederholte Stöße deutlich empfunden, was wie folgt bewirkt
wird: [HiG.01_40.09.27,16] Wenn unterirdisch sich entweder eine
kontinuierende Stein- oder Erdschicht ohne Unterbrechung bis zum losen Punkte
fortzieht, so wird ein solcher Stoß auf die nämliche Weise weithin
fortgepflanzt, wie wenn ihr sehr viele Stangen, aneinander befestigt, in
einer geraden Linie auf eine weitgedehnte Fläche legen möchtet. Wenn ihr dann
auf dem Punkte A einen gewaltigen Stoß auf diese kontinuierenden Stangen
ausüben würdet, so würde sich dieser Stoß bis zum Punkte B, allwo die Stangen
aufhören, im Augenblicke des Stoßes noch sehr bedeutend wahrnehmen lassen.
Auf diese Weise kann dann ein solcher Stoß selbst bis in die entferntesten
Gegenden fast zu gleicher Zeit wahrgenommen werden. [HiG.01_40.09.27,17] Obschon aber solche Wahrnehmungen
demnach natürliche Folgen sind, so sind sie aber doch nicht bloß als solche
anzusehen; sondern, wenn sie zweckwidrig wären, so könnet ihr euch wohl
denken, daß es Mir ein leichtes wäre, sie zu verhindern. Weil sie aber
zweckdienlich sind aus Meiner Liebe und Weisheit, so werden sie vielmehr an
solche Orte als warnende Mahnboten geführt, allwo sich Menschen vorfinden,
die von Mir kaum mehr etwas wissen als die Bäume in einem Walde. Solche Boten
sagen dann den Gott vergessenden Menschen, daß Ich noch nicht gestorben bin,
sondern noch bestehe in aller Meiner Macht und Kraft. Und da es von Mir nur
eines leisesten Winkes bedarf, so kann auch solchen benachrichtigten Stellen
der Erde ein Ähnliches ergehen wie der Gegend Ararat. [HiG.01_40.09.27,18] Denn seht, in einer Tiefe von kaum
zwanzigtausend Klaftern, ja hie und da von kaum zweittausend Klaftern, ist
euer Land, Steiermark genannt, durch und durch unterminiert mit großen und
sehr tiefen Wasserbecken. Und so ruhen denn eure Berge sowohl als das wenige
Flachland gewisserart schwimmend auf der Oberfläche des unterirdischen
Gewässers und werden hie und da durch Steinmassen, gleich großen Säulen, mit
dem Inneren der Erde verbunden. [HiG.01_40.09.27,19] Es braucht demnach nichts weiter als
noch mehr Vergessenheit Meines Wesens, als sie schon soeben in einem hohen
Grade eingetreten ist – so könnt ihr versichert sein, daß Ich auch hier
imstande bin, euch alsogleich ein noch größeres Elementar-Spektakel
vorzuführen. Jedoch sage Ich: Wehe den Menschen, welche Ich mit solchen
Erscheinungen heimzusuchen genötigt bin! Die werden wohl eine zweite
Schöpfung abwarten können, bis ihnen wieder irgendein Weg zu einem
abermaligen Freiheitsprobeleben gegeben wird! [HiG.01_40.09.27,20] Nun seht, so wie diese Ereignisse vor
sich gehen nach Meinem ewigen Ratschlusse, so auch fällt kein Tröpfchen aus
den Wolken, welches nicht zuerst in Meiner Liebe gedacht worden wäre! Und
glaubet es Mir, wenn Ich, so wie gestern, einen Regen zur Erde herab sende
aus den höheren Triften des werdenden Lebens aus Mir, durch die Regionen des
Lichtes, so hängt im Grunde die Erhaltung der ganzen Erde, ja des ganzen
Universums von dem ersten Tröpfchen ab, welches kaum ein Sandkörnchen
befeuchtete. [HiG.01_40.09.27,21] Da werdet ihr freilich sagen, das sei
fast unwahrscheinlich. Allein Ich sage euch: Wenn dieses Tröpfchen nicht zur
allerbestimmtesten Zeit eben dieses Sandkörnchen befeuchtet hätte, so hätte
der in diesem Körnchen gebannte und ergrimmte Geist das Körnchen zersprengt,
hätte dadurch die Geister, die ihn nachbarlich umlagerten, zu einer ähnlichen
Handlung geweckt, und diese wieder ihre Nachbarn, und so fort bis auf das
letzte Stäubchen der Erde. Und ihr könnt ganz vollkommen versichert sein, daß
in der nächsten Sekunde die ganze Erde in vernichtenden Flammen und Rauch
aufginge. Und wie hier ein Sandkörnchen das andere zur Zerstörung geweckt
hätte, so würde eine Erde die andere wecken und eine Sonne die andere, und so
fort bis ins Unendliche. Und dieses alles wäre das Werk fast eines und
desselben Augenblickes, geradeso als wenn ihr euch einen großen Haufen des
verfluchten Schießpulvers dächtet und würde da jemand nur ein Körnchen
entzünden, und wäre der Haufen so groß als die Erde selbst, so würden doch in
demselben Augenblicke alle Körner vom Feuer ergriffen werden. [HiG.01_40.09.27,22] Wenn aber zuvor ein solches
Pulverkörnchen, welches gerade ausgesetzt war zur ersten Aufnahme des Feuers
in einem Fünkchen, durch einen solchen Tropfen befeuchtet würde – was wird
nun geschehen, wenn das Fünkchen auf das befeuchtete Körnchen kommt? – Das
befeuchtete Körnchen wird sich nun nicht entzünden, und der ganze andere
große Klumpen wird dadurch gesichert sein vor der Zerstörung. [HiG.01_40.09.27,23] Seht, es hängt nichts, was ihr auch
immer ansehen möget, ja selbst nicht die Bewegung eines Sonnenstäubchens, von
einem sogenannten blinden Zufall ab – sondern dieses alles ist von Mir schon
von Ewigkeit her auf das allergenauste berechnet und bemessen. Und wäre es
einem Menschen oder selbst einem Engelsgeiste möglich, darinnen eine
Abänderung zu finden, und wirkete dabei Meine ewige Sorge nur einen
Augenblick nicht mit, so würdet ihr erfahren, welche Verheerungen aus der
unordentlichen Wendung auch nur eines Sonnenstäubchens vor sich gehen würden. [HiG.01_40.09.27,24] Ich aber sage euch: Der Schwerpunkt
einer Zentralsonne hängt in seiner Ordnung auf das intimste von der Wendung
eines für eure Augen nicht mehr sichtbaren Stäubchens ab. Denn meine Ordnung
ist so wohl berechnet und Meine Blicke sind so genau auf alles gerichtet, daß
vom Allergrößten bis zum Allerkleinsten eines da sei zur Erhaltung des
andern. [HiG.01_40.09.27,25] Nun werdet ihr auch fragen: Warum
diese großen Wasserbecken unter den Bergen und Flächen, wodurch die
Oberfläche keinen Augenblick sicher ist vor dem Versinken in die meilentiefen
Fluten solcher Gewässer? – Allein Ich sage: Es ist alles so eingerichtet, daß
es ewig bestehen kann, wenn nicht die freiwillige Bosheit der Menschen
Störungen in Meiner ewigen Ordnung verursacht, die Ich nicht hindern darf, da
sie von der Freiheit des Willens der Menschen herrühren und weil der freie
Wille auch nur eines Menschen (Mir) unendlich höher steht als ein ganzes
Sonnengebiet mit allen Planeten, Monden und Kometen. [HiG.01_40.09.27,26] Und nähme Ich das Wasser aus diesen
Becken, so saget, womit könnte das große Feuer in den inneren Gemächern der
Erde gesänftet und gemildert werden? [HiG.01_40.09.27,27] Ist euch eine solche Erscheinung wie
die der Gegend Ararat erschrecklich, so ist sie aber andererseits doch wieder
ein neuer Segen zur Erhaltung des Ganzen. Denn würde das nicht geschehen auf
die schon erwähnte Art, so würde im nächsten Augenblicke, statt der
Zerstörung einer kleinen Gegend, die ganze Erde ein völlig vernichtendes Los
erfahren. [HiG.01_40.09.27,28] Daher bin Ich in allem, was da euer
Auge und Ohr berühren kann, nichts als immerwährend die ewige Liebe Selbst.
Wie einst die Welt entstanden ist aus der Erbarmung Meiner Liebe, so besteht
sie in Meiner Liebe und so wird sie einst auch nur sanft aufgelöst werden in
Meiner Liebe. – Und ist auch der Zorn Meiner Gottheit das Sichtbare der
Materie, so wird aber dieselbe doch nur gesänftet erhalten von Meiner Liebe,
solange es Meine Ordnung für notwendig finden wird. [HiG.01_40.09.27,29] Und so könnet ihr auch vollkommen
versichert sein, daß wenn auf irgendeinem Orte unter einer Million Menschen
nur einer ist, der Mich in seiner Liebe erkannt hat, so wird der Ort, und
wäre seine Unterlage so dünn wie ein Blatt Papier, dennoch so fest und sicher
bestehen, als wäre sein Untergrund ein viele Meilen dickes und festes
Gestein. Allwo aber unter einer Million auch nicht einer mehr anzutreffen
ist, der Mich erkennen möchte als den liebevollsten Erhalter aller Welten und
aller Geschöpfe, alldort wird eine sonnendicke Diamantenkruste zu schwach
werden, um die vernichtende Notwendigkeit Meiner ewigen Ordnung aufzuhalten. [HiG.01_40.09.27,30] Sehet daher, so ihr Mich wahrhaft
liebet, sollet ihr gar nichts fürchten, und würde die Erde auch unter euren
Füßen in Trümmer zerbröckelt werden! – Wahrlich, Ich sage euch: Auch auf den
dampfenden Trümmern einer zerstörten Welt würdet ihr erfahren, daß Ich die
Ewige Liebe bin, und ein wahrer, einzig guter Vater denen, die Mich im Geiste
und in der Wahrheit der Liebe ihres Herzens erkannt haben. [HiG.01_40.09.27,31] Ja, Ich sage euch, Ich will Sonnen
zerstören und die Trümmer der Welt wie Blitze durcheinanderwerfen und
entzünden mit dem Feuer Meines Grimmes die ganze ewige Unendlichkeit, und
doch soll auch nicht ein Haar gesengt werden denen, die Mich lieben. Denn Ich
bin allezeit ein liebender und heiliger Vater Meinen Kindern! – Amen. Über Erdstöße und
Witterungserscheinungen. – 4. Oktober 1840
[HiG.01_40.10.04] Schreibende: K. G. L. – Andr. und Ans. H.
– Der heilige, liebevollste Geber aller guten Dinge gab uns durch Seinen
Knecht J. L. dieses Stück Brotes zum ewigen Leben. [HiG.01_40.10.04,01] Was da letzthin von den Erdklüften und
Erdsprüngen wie auch von den breiten Rissen der Erde gemeldet wurde, so haben
diese mit dem Ausbleiben der Quellen und Versiegen der Brunnen, wie auch mit
dem Zurücktreten des Meeres und mancher Seen einen und denselben Grund. [HiG.01_40.10.04,02] Nämlich bevor irgendein solcher gewaltiger
Erdstoß geschieht, da sammeln sich vorher die (argen Menschen-)Geister, die
von der Welt wieder in die Materie zurückgekehrt sind, in Rotten und großen
Horden. Diese Sammlung der Geister an gewissen Punkten der Erde bietet dem
natürlichen Menschenverstande folgende Erscheinung dar: Durch den
Zusammentritt von Mineralien mit dem Wasser geschieht gewisserart eine
chemische Zersetzung, was ihr im allgemeinen mit dem Ausdrucke „Gärung“
bezeichnet. Dadurch entwickeln sich verschiedene Gase und suchen einen
Ausweg. Und da geschieht es denn, daß sie bei einer solchen Gelegenheit in
einen leeren Raum gelangen, allda sammeln sie sich dann Jahre und Jahre oft
so gewaltig zusammen, daß sie durch ihre naturmäßige Spannkraft nach und nach
die über solchen Räumen befindliche Erdscholle zu erheben anfangen. [HiG.01_40.10.04,03] Wenn nun so die Erdscholle mehr und
mehr erhoben wird, so fängt sie natürlicherweise an, Ritze zu bekommen,
welche dann, je nachdem die Erhebungen fortdauern, immer größer und größer
werden und endlich förmliche Klüfte und tiefe Abgründe bewirken. Wenn nun auf
diese Weise die sich unterirdisch ansammelnden Gase durch kleine Risse bis zu
den großen Wasserbehältern gedrungen sind, so füllen sie nach und nach, durch
die Wässer aufsteigend, die Oberfläche derselben ebenso gewaltig an, daß dann
diese Wässer, von welchen alle unterirdischen Quellen meistens herkommen,
außer Verbindung mit den Oberadern gebracht werden und dann auch die äußere
Rinde der Erde oft bis zu achtzig, hundert, ja oft auch zweihundert Klaftern
erhöhen – bei welcher Gelegenheit dann natürlich alle Quellen, die daher
ihren Ursprung haben, ausbleiben, wie auch Brunnen versiegen und das Meer,
welches stets in Verbindung mit diesen unterirdischen Wässern steht, wie auch
andere große Seen, von ihren Ufern bedeutend zurückweichen, was natürlich
geschehen muß, da die große Vorratskammer der Wässer durch solche dazwischen
tretende Gase getrennt wird von den oberirdischen Wässern. [HiG.01_40.10.04,04] Nun seht, so stellt sich diese ganze Erscheinung
dem natürlichen Auge, das heißt dem Sinne des natürlichen Verstandes vor! –
Allein in der Wahrheit verhält es sich nicht also; sondern, wenn – wie schon
anfangs erwähnt wurde – durch die Ansammlung der Geister und durch deren
tolles Treiben die andern, noch ruhenden Geister beleidigt und aus ihrer Ruhe
gebracht werden, alsdann geschieht es gewöhnlich, daß ein friedenstiftender
Engel von den Himmeln dahin gesandt wird. Dieser öffnet im Inneren der Erde
Klüfte von den großen Wasserbehältern zu den Stellen, deren Insassen in ihrem
tödlichen Eifer gegenseitig glühend geworden sind. Nun suchen da die in den
Wässern verborgenen Friedensgeister solche ergrimmten Rotten zu sänftigen,
und da sammeln sich während solcher Tätigkeit dann solche Friedensgeister
durch den beständigen Beitritt des Wassers in großen Massen. Und das, was
früher von den Gasen gesagt wurde, seht, das ist die Überzahl der
Friedensgeister, die auf die Nötigung des Engels aus dem Wasser getreten
sind, um die ergrimmten höllischen Geisterhorden zu sänften. [HiG.01_40.10.04,05] Wenn dann solches fortgesetzte
Beispringen der Friedensgeister aus dem Wasser nichts fruchtet, alsdann macht
der Engel – wie schon aus der früheren Mitteilung von dem Erdbeben bekannt –
einen gewaltigen Strich durch die Rechnung solcher Grimmgeister, worunter die
sogenannten großen Weltgeister die ärgsten sind. Dieser Strich durch solche
bösen Rechnungen der Geister besteht darin, daß von dem kräftigen Engel die
Stelle durch und durch ergriffen und mit großer Gewalt in die kleinsten
Teile, allwo noch ungeborene Geister bedrängt wohnen, in einem Augenblicke
zerrissen wird. [HiG.01_40.10.04,06] Die nun losgewordenen Geister
entzünden dann, da sie selbst ganz glühend geworden sind, auch die oft
meilenweit angesammelten Friedensgeister (oder mit dem naturmäßigen Ausdrucke
„Gase“) – und dieser Entzündungs-Augenblick ist dann auch der Augenblick des
euch schon bekannten Erdstoßes. [HiG.01_40.10.04,07] Welche Folgen solche Entzündungen
haben, ist euch schon hinreichend bekannt. Allein damit solche Entzündungen
nicht allzu häufig vorkommen, da sie mit der Zeit ein gänzliche Zerstörung
des Weltköpers herbeiführen könnten, und zwar durch die Wirkung des nach
Meinem Willen freitätigen Engels (der, wenn er mit Meiner Macht zur Vollziehung
Meines Willens ausgerüstet ist, sich wenig kümmern würde, ob zur
Verherrlichung Meines Namens eine oder tausend Erden wie Spreu in den Wind
zerstäubt würden) – so habe Ich fürs erste hie und da auf der Erde beständige
Grimmableiter der höllischen Geister errichtet, durch welche immerwährend
Wasser zum Dämpfen der glühenden Stellen geleitet wird. Und wenn da auch
Ansammlungen von solchen euch bekannten Gasen geschehen, so werden sie, wie
der Rauch durch ein Kamin, gewisserart natürlich, ohne bedeutende
Verheerungen, abgeleitet. [HiG.01_40.10.04,08] Freilich sollten die Menschen nicht so
ganz nahe solchen Orten ihre Wohnungen errichten, weil in solcher Nähe doch
immerwährend größere oder kleinere Verheerungen notwendigerweise stattfinden
müssen. Denn es ist ja die Erde doch so ziemlich ausgedehnt, und daher ist es
nicht nötig, sich gerade an Kaminen der Hölle Wohnungen zu errichten. [HiG.01_40.10.04,09] Denn seht, in geistiger Hinsicht sind
die Vulkane nichts anderes als Grimm- und Zorn-Ableiter der Hölle. Diese
Vulkane haben unterirdisch viele tausend Gänge und Mündungen, welche nicht
unähnlich sind den Wurzelzügen eines großen Baumes. Dessenungeachtet aber
können sie doch nicht jede erdenkliche Stelle der Erde berühren, es müßte
denn die Erde nur gleich sein einem Badeschwamme, was denn doch nicht sein
kann, wenn sie fähig sein soll und muß zur Tragung der Menschen, Berge,
Länder und all der großen Gewässer, damit ihre Oberfläche sei eine gefestete
Schule zur Freiheit des Lebens in Mir. [HiG.01_40.10.04,10] Wo demnach die vulkanischen Gänge
nicht hinreichen, allda geschehen zwar wohl sehr oft solche Erhöhungen durch
die Ansammlung frei gewordenener Geister. Jedoch um einer solchen gewaltigen
Zerstörung vorzubeugen, werden in den Niederungen der Erde, wie auch öfter in
den Gebirgsklüften von einem zweiten Engel Öffnungen gemacht. Durch diese
Öffnungen strömen dann die Gase unentzündet, in der Art heftiger Winde, als
Stürme über die Oberfläche der Erde heraus. [HiG.01_40.10.04,11] Seht, solche Erhöhungen geschehen fast
tagtäglich. Ihr dürft nur das sogenannte Barometer beobachten, und ihr werdet
an dem Fallen und Steigen des Quecksilbers die immerwährende Ansammlung
solcher Geister hinreichend beobachten können. Denn wenn dasselbe fällt von
Linie zu Linie, so geschieht unterirdisch die Ansammlung. Die Erdscholle mit
der Rinde wird erhoben. Dadurch nun werdet ihr samt euren Städten, Bergen und
Flüssen von Klafter zu Klafter höher in die leichteren Luftschichten gehoben.
Und da die Luftsäule, welche auf das Quecksilber drückt, dadurch
natürlicherweise immer geringer wird, so fällt denn auch das Quecksilber in
der Röhre nach dem Maße des Leichterwerdens der Luftsäule über demselben. [HiG.01_40.10.04,12] Wird dann nach Meiner Liebe den freien
Geistern oder, naturmäßig gesprochen, „Gasen“, eine wohlberechnete
verhältnismäßige Ausgangspforte errichtet, alsdann strömen denn diese
allgemach aus, gerade wie die Luft aus einer Esse. Die Erdscholle und Rinde
sinken dann nach und nach wieder in ihre vorige Lage zurück. Und in welchem
Maße das Zurücksinken geschieht, in demselben Maße steigt dann auch wieder
das Quecksilber in der Röhre, weil die Luftsäule über demselben
natürlicherweise wieder länger, intensiver und schwerer wird. [HiG.01_40.10.04,13] Ihr würdet vielleicht, wenn auch nicht
jetzt, so doch nach und nach fragen, was denn mit diesen aus dem Wasser frei
gewordenen (Friedens-)Geistern ferner geschieht; da sage Ich euch nichts
anderes als das: Fraget euch selbst, was ihr selbst nach getaner Arbeit zu
tun pfleget! Nämlich, ihr begebet euch in eure Wohnungen, um alldort wieder
friedlich auszuruhen von dem mühsamen Tageswerk eurer Hände. – Sehet,
dasselbe ist auch der Fall bei diesen frei gewordenen Geistern und das um so
mehr, da ihnen der Weg bekannt ist, den sie zu gehen haben, bis zur Seele des
freien Menschen der Erde. [HiG.01_40.10.04,14] Sehet, diese Geister vereinigen sich
alsobald mit den Geistern, die da kommen aus den freien Sphären des Lichtes, ziehen
sich gegenseitig an, verbinden sich auf dem euch oft sichtbaren, meistens
aber unsichtbaren sogenannten elektro-magnetischen Wege, welcher freilich
besser „Natur-Liebe-Weg“ genannt würde, und fallen dann gewöhnlich im Regen,
oft auch im Hagel und Schnee wieder, die Erde befruchtend, darnieder. [HiG.01_40.10.04,15] Zwischen dem Regen, Hagel und Schnee
sind nur sehr geringe Unterschiede, welche durchgehends einen gleichen Grund
haben. – Bei dem Hagel haben sich mitunter auch noch bösere ungeborene Geister
mit den freien Geistern aus dem Wasser mitbegeben. Damit nun diese Geister
keine weiteren Verheerungen anrichten können, so werden sie durch die Geister
aus dem Wasser alsogleich gefangengenommen und festgebunden und also, von
ihrem Grimme abgegekühlt und gesänftet, in der Gestalt des Hagels wieder zur
Erde geführt – aus welcher Ursache ein solcher Hagelsturm auch gewöhnlich mit
größerer Hefigkeit als irgendein anderer Regen oder Windsturm vor sich geht. [HiG.01_40.10.04,16] Daß dem so ist, das zeigen euch die
vor einem solchen Sturme kreuz und quer fliegenden Wolken. Wenn ihr das seht,
so ist der Augenblick da, allwann solche bösen Geister von der Heftigkeit der
Friedensgeister kreuz und quer zusammengefangen werden, bei welcher
Gelegenheit sich solche Geister dann allezeit durch ein unwilliges,
vernehmbares Murren, Toben, häufiges Blitzen und Donnern kundgeben. Allein
alles dieses hilft ihnen wenig oder gar nichts. Am Ende werden sie doch samt
und sämtlich gefangengenommen und, wie schon bekannt, an den Ort ihrer
Bestimmung geführt. [HiG.01_40.10.04,17] Wenn sie nun die Erde erreicht haben,
so werden sie von der erweichten Materie wieder aufgenommen, und die
friedlichen (Wasser-)Geister gehen dann wieder ruhig von ihren festen
Klümpchen auseinander. – Hat dann auch so ein Hagelsturm hie und da manchen
Schaden an euren Früchten angerichtet, so sollet ihr aber euch dessen
ungeachtet doch nichts daraus machen. Denn dieser Schaden steht nicht in dem
allergeringsten Verhältnisse zu dem, was da entstehen würde, wenn die
Friedensgeister nach Meinem Willen nicht so tätig die Hand anlegten an die
„unzeitigen“ Zerstörer der Welt. Denn diese würden sich in ihrer Freiheit
alsobald entzünden, und der Erde würde es ergehen (wie schon letzthin
bemerkt) – wie einem großen Haufen Pulvers. [HiG.01_40.10.04,18] Daher sollet ihr in der Zukunft auch
nicht so ängstlich sein, wenn ihr solches vor euren Augen sehet. Denn alles,
was da geschieht, geschieht aus Liebe zu euch! Und wird auch jemand dadurch
verdientermaßen ein wenig gezüchtigt, so wisset ihr ja: wenn ihr eure Kinder
nur aus Liebe züchtiget, da ihr doch böse seid – um wie viel mehr werde Ich,
der alleinig gute Vater, Meine Kinder nur aus Liebe züchtigen! [HiG.01_40.10.04,19] Sehet, so steht es um diese bis jetzt
für jedermann unbegreiflichen Dinge! Und wie in einem geringen Verhältnisse
mit dem Hagel, so ist es, jedoch dafür länger während, der Fall mit dem
Schnee und ebenso auch mit dem Eise. Denn ihr müßt wissen, je nördlicher
irgendein Punkt der Erde liegt, desto verschlagener und böser sind die
denselben bewohnenden (Natur-)Geister. [HiG.01_40.10.04,20] Nun aber merket euch noch dieses: Nach
dem, was ihr bis jetzt über die Natur der Dinge aus Meiner Gnade erfahren
habt, könnet ihr euch schon einen kleinen Begriff machen, wie viel alle
Weltweisheit nütze ist! – So jemand aber ein Handwerk erlernen will, muß er
zu einem Meister gehen, ansonst er ein immerwährender Stümper und Flicker
bleiben wird. Ich aber bin ein wahrer und allereigentlicher Meister in allen
Dingen. Wer sie daher kennenlernen will, der muß sich von Mir, dem Urheber
aller Dinge, belehren lassen. Denn auf keinem anderen Wege ist es möglich, in
Mein Reich zu kommen, als nur allein durch die Pforte, die Ich euch gezeigt
habe. Wehe den Dieben und Räubern, die sich durch das Dach hineinschleichen
wollen, denen wird's ergehen wie den Geistern durch den Hagel; denn sie
werden in die äußerste Finsternis auf eine ganze Ewigkeit hinausgestoßen
werden. [HiG.01_40.10.04,21] Es soll aber der gemeine Mann dereinst
belehrt werden über alles, nach der Aufnahmefähigkeit seiner Liebe. Jedoch
die Weisen der Welt sollen beschämt werden von einem leeren Schneckenhause
und von den Larven ausgeborener Infusorien! Denn wahrlich, Ich sage euch, es
wird dereinst ein Regenwurm solche Weisen gewaltig beschämen in ihrer
vermeintlichen Weisheit. [HiG.01_40.10.04,22] Daher ist ein Tor der, der es nicht
von Mir lernt. Wer es aber von Mir empfangen hat, und wäre die Gabe noch so
klein, der wird das Empfangene in Ewigkeiten und Ewigkeiten jedoch nicht
aufzehren können. Denn Ich bin allezeit unendlich, wie im Größten, so im
Kleinsten. Und so ist ein Sonnenstäubchen als eine Gabe von Mir nicht minder
groß und unendlich als die größte der Sonnen, welche in der Mitte zahlloser
Sonnenheere wie eine Mutter in der Mitte ihrer Kinder segnend pranget. [HiG.01_40.10.04,23] Dieses nun Gesagte erfasset wohl in
euren Herzen! Denn Ich, der Geber aller guten Dinge, habe es euch gegeben –
ein gutes, wohl genießbares Stück Brotes zum ewigen Leben. [HiG.01_40.10.04,24] Daher freuet euch auch in euren
Herzen; denn ihr wisset ja, so ihr euren Kindern Brot austeilet, daß ihr
nicht fern von euren Kindern seid. – Sehet, dasselbe ist auch bei Mir der
Fall! [HiG.01_40.10.04,25] Wo Mein Brot des Lebens erscheint, da
glaubet auch, daß Ich, euer guter Vater, nicht ferne bin! – Amen. – Das sage
Ich, euer guter Vater. Amen. Vorsicht mit leiblichen Genüssen!
– 13. Oktober 1840
[HiG.01_40.10.13,01] So schreibe denn hier, du Mein sehr
fauler, unnützer, sehr schlechter und überaus törichter Knecht, der du nur
mit einem Auge auf Mich siehst und mit einem Ohre anhörst Meine Stimme – und
hast das andere Auge und Ohr noch hängen an der Welt! [HiG.01_40.10.13,02] Kehre alles zu Mir, damit du beim
Lichte Meines ewigen Tages erkennen mögest den unendlichen Wert dessen, was
Ich dir Nichtswürdigem gebe in solcher Fülle, daß selbst die Engel des
Himmels solche Fülle Meiner Gnade nicht begreifen und fassen können und sich
vor zu großer Ehrfurcht nicht in die Nähe getrauen, da ein solch heiliges
Licht entströmt Meiner Liebe zu euch schnöden Sündern! [HiG.01_40.10.13,03] Daher bedenke, was du empfängst und
von Wem du es empfängst! Und huldige in Zukunft nicht zu sehr dem Becher;
denn im Weine liegt der Geist des Fleisches und somit aller Hurerei. Und so
du das noch ferner tun wirst, so werde Ich dich in alle Hurerei verfallen
lassen – wie alle, die so tun wie du! Und dann möchtest du wieder lange Zeit
haben, bis du den Weg zu Meiner Gnade finden würdest. [HiG.01_40.10.13,04] Und nun schreibe an den N. N. und sage
ihm, daß Ich ihm sagen lasse: [HiG.01_40.10.13,05] Jeder Bauch- und Magengenuß, so er
unnötigerweise geschieht, taugt nicht zu Meinem Reiche. Denn der unnötige
Saft macht schwarz das Fleisch der Brust und finster Meine zukünftig
sein-sollende Wohnung, da der Geist nicht erweckt werden kann in der
dreifachen Nacht, d.h. in der Nacht der Liebe, in der Nacht des Willens und
dadurch in der Nacht der Sünde. [HiG.01_40.10.13,06] Ich gebe euch kein Gesetz, damit ihr
nicht wieder Sklaven der Sünde werden möchtet; sondern, daß ihr frei werdet
in Meiner Liebe, gebe Ich euch nur die Wege Meiner Liebe zu erkennen. [HiG.01_40.10.13,07] Daher lasset ruhen euer Fleisch im
Tode und wecket es nicht durch neue Reizmittel – damit da lebend werde euer
Geist in Meiner Liebe durch eine sichere Hoffnung, aus der Wurzel eines
wahren, lebendigen Glaubens, der da ist ein wahres Licht, entströmend Meiner
großen Gnadensonne, deren Mitte die allerwärmende Ruhestätte Meiner ewigen
Liebe ist. [HiG.01_40.10.13,08] Schauet euch um, und ihr werdet
alsobald diese Meine Sonne schon hoch am Morgen stehend erblicken und werdet
auch schon tüchtig empfinden ihre sanfte Wärme. Aber euer Fleisch sollet ihr
nicht wieder erwecken wollen zur Sünde; sonst würde und möchte Ich Meine Sonne
für euch zum Untergange stellen. Euer Boden würde zur heißen Sandwüste. Und
statt am wahren Brote der Himmel und an Meinem lebendigen Wasser würdet ihr
euch sättigen an der Fata morgana der Welt. [HiG.01_40.10.13,09] Wohlgemerkt, Mein lieber N. N., siehe,
Ich habe dich lieb und helfe dir über Hals und Kopf. Daher lasse das Fleisch
ruhen im Tode, damit Ich deine Liebe erwecken kann und du bald schmecken
mögest das ewige Leben in dir aus Mir. [HiG.01_40.10.13,10] Halte auch deine Kinder hübsch im
Zaume und lasse sie nicht in die Welt springen, und verrammle wohl die
Fenster deines Hauses, damit durch dieselben nicht ihre Sinne verwirrt
werden! Der Welt stehen zwar wohl alle Pforten der Welt offen und alle
Fensterläden ihrer Häuser. Allein nicht also soll es bei denen sein, die Ich
zu Meinen Kindern aufnehmen möchte. [HiG.01_40.10.13,11] Amen. Das sage Ich, euer aller Vater! Eine väterliche Einladung. – 14.
Oktober 1840
[HiG.01_40.10.14,01] So es sein kann – doch eurem freien
Willen sei es anheimgestellt – und Ich werde nicht, euch beschuldigend,
(nach)sehen, ob ihr es getan oder unterlassen habt; sondern da ihr Meine
Kinder und Freunde geworden seid, so könnt ihr es tun noch in diesem Jahre,
so ihr könnt und wollt. Doch aber, wenn ihr es tut, so sollt ihr alle Fünfe –
mit Meinem leichten Knechte eingezählt – beisammen sein. Doch werde Ich euch
einen sehr brauchbaren sechsten und, etwas später, noch einen siebenten
Jünger hinzustellen, die euch und Mir sehr viele Freude machen werden. [HiG.01_40.10.14,02] Nicht wahr, Kinder und Freunde, ihr
werdet jetzt auch denken: Aber was der gute Vater nun doch wieder möchte? Es
schaut gewiß schon wieder etwas außerordentlich Großes heraus. – Ja, sage
Ich, es schaut richtig schon wieder etwas außerordentliches Großes heraus, was
Ich euch zeigen möchte, euch aber doch ohne dieses kleine Opfer nicht zeigen
kann, da euch für diesen Zweck der natürliche Eindruck mangelt. Denn in
gewissen Dingen, da ihr noch nicht völlig im Geiste wiedergeboren seid, ist
euch eine naturgemäße Anschauung noch überaus nötig, so ihr wieder sollet in
einen größeren Tropfen Meiner Barmliebe eingeweiht werden. Und das ist nun
soeben der Fall! Ich will euch wieder eine Stufe höher ziehen und habe darum
dieses mit euch vor. Jedoch nur so ihr leicht könnet und wollet. Es soll
darob niemand etwas von dem Seinen verabsäumen! – Somit höret, was Ich meine
mit dem „so es sein kann!“ [HiG.01_40.10.14,03] Das aber ist nicht etwa Mein Wille,
sondern nur der Wunsch Meiner Liebe, daß ihr euch etwa an einem Sonntage, den
Ich euch recht gerne dazu beräume, hinbegeben möchtet zum Fuße der
sogenannten Kleinalpe – aber nicht etwa gar hinauf zu deren Scheitel, sondern
nur bis an den Fuß derselben, der bis nach dem Flecken „Übelbach“ nicht ferne
hinreiche. [HiG.01_40.10.14,04] So ihr aber dahin gelangen werdet, so
sollet ihr ja auf alles ein sehr aufmerksames Auge richten, und zwar zuerst
auf die vor euch liegenden Alpen, auf ihre Erhöhungen und Erniedrigungen, wie
und mit was für Bäumen sie bewachsen sind, mit was für Sträuchern, Kräutern
und Grasarten sie bekleidet sind um ihre Füße, und wie die Erde alldort
aussieht, was für Steine da seien, ob und was für Mineralien daselbst
enthalten sind in den Eingeweiden dieser Gebirge. Alles dieses sollet ihr so
viel als möglich selbst in Augenschein nehmen, oder euch daselbst wenigstens
recht sorgfältig darum erkundigen. [HiG.01_40.10.14,05] Hauptsächlich aber sollet ihr bei
allem dem auf eure Gefühle die größte Achtsamkeit verwenden. Denn das ist
eigentlich der Hauptgrund, warum Ich solches für euch beabsichtige. Und ihr
werdet daselbst durch eine besondere Zulassung von Mir euch von noch nie
geahnten und noch viel weniger gehabten Gefühlen bemeistert fühlen, welche
euch mehr sagen werden, als alle Bücher der Welt zu fassen vermöchten! [HiG.01_40.10.14,06] Warum Ich aber euch gerade auf diese
Gegend verweise, das wird euch bei der nachträglichen großen Erörterung
haarklein auseinandergesetzt werden. [HiG.01_40.10.14,07] Sehet, wenn euch irgendein weltlicher
Machthaber ein solches Geschäft anbefohlen hätte, so würdet ihr alles
verlassen haben, um demselben nachzukommen. Freilich würdet ihr dann
„Geschäftsdiäten“ bekommen. Aber auch Ich werde euch versehen mit den Diäten
Meines Reiches. Und so wird es euer Schaden nicht sein, zeitlich und ewig. [HiG.01_40.10.14,08] Daher aber sollet ihr euch in der
Welt, als der Vorschule des ewigen Lebens, schon ein wenig üben, zu hantieren
in Meinen Geschäften. Denn so ihr Mir liebetreu festverbleiben werdet, dann
werden euch in Meinem Reiche gar große Geschäfte erwarten, wovon ihr jetzt
noch keine Ahnung habt. [HiG.01_40.10.14,09] Sehet, einst sagte Ich zu Meinen
Knechten und Jüngern: „Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium
aller Kreatur! Und besiegelt selbes mit eurem Blute und Leben! Denn wer das
Leben sucht und liebt, der wird es verlieren, wer aber dasselbe hasset und es
verabscheuet um Meines Namens willen, der wird es erhalten, und wenn er
stürbe tausend Male. Und fürchtet nicht die, so nur den Leib zu töten
vermögen, der Seele aber kein Leid zufügen können, sondern fürchtet vielmehr
Den, der die Seele samt dem Leibe ewig verderben und töten kann.“ [HiG.01_40.10.14,10] Sehet, alles dieses sage Ich nicht zu
euch, da Ich eure Schwäche wohl erkenne; aber Ich sage zu euch: „Was stehet
ihr hier den ganzen Tag müßig, hat euch denn niemand gedinget? So gehet denn
auch ihr hin in Meinen Weinberg, und Ich will euch geben, was Rechtens ist.“
– Das, sehet, das sage Ich in diesem Nebenworte soeben zu euch allen! Darum
gehet hin, so ihr wollt und könnt, und tuet nach allem dem das Eurige. Ich
aber werde dann alsobald zu euch treten und tun das Meinige! [HiG.01_40.10.14,11] Daher noch einmal wohlgemerkt: „So es
sein kann!“ – Amen. Das sage Ich, euer liebender Vater. Amen. Amen. Amen. Fata morgana. – 18. Oktober 1840
[HiG.01_40.10.18] Schreibende: K. G. L. – S. – und Ans. H.
– Der Herr gab uns heute dieses Stück Brotes durch Seinen Knecht J. L.: [HiG.01_40.10.18,01] So merket denn! Unter die vielen
Erscheinungen, von deren Entstehungsgrunde noch keinem Weltgelehrten etwas
geträumt hat (und hätte es ihm auch geträumt, so konnte ihm nur der
allerbarste Unsinn davon träumen) – gehören auch die von den Gelehrten so
ganz unrichtig benannten Luftbilder. [HiG.01_40.10.18,02] Denn nicht nur diese Luftbildungen,
sondern noch zahllose andere Erscheinungen im Gebiete der Natur sind in ihrer
Entstehung von solcher Art, daß alle Gelehrten der ganzen Erde, wenn sie
tausend Jahre hintereinander sich mit nichts als bloß nur mit diesen
Erscheinungen beschäftigen würden, am Ende solcher Zeit gerade so viel wüßten
wie beim Beginne ihrer tollen Forschungen. [HiG.01_40.10.18,03] Was würdet ihr wohl einem Menschen
sagen, der seine Brille sucht, während er sie doch auf der Nase trägt!? Ihr
würdet zu ihm sagen: „Freund, was suchst du?“ Und so er antworten würde:
„Meine Brille!“ – dann würdet ihr ihm gewiß lachend bedeuten, daß er sie ja
auf der Nase trägt. So er aber nun in Zorn und Ärger ausbrechen würde über
eure von ihm gemutmaßte „ganz unter aller Kritik schlechte“ Meinung über den
Aufenthalt seiner Brille – saget, mit welchem Namen könnte man wohl einen
solchen außerordentlichen Menschen benennen? – Ihr würdet gewiß nach gar
nicht langer Überlegung untereinander den Entschluß fassen, einen solchen
Menschen sobald als möglich ins Tollhaus zu befördern. [HiG.01_40.10.18,04] Und sehet, was werdet ihr aber dazu
meinen, wenn Ich euch sage, daß ein solcher Tollhäusler noch einen ganz
tüchtigen Professor abgeben könnte für jene großen Welt- und Naturgelehrten,
die da – so sie eine „Mücke erschlagen“ haben, indem sie die Bahn einer
Zentralsonne bis auf ein Minimum berechneten und auch durch vieljährige
Erfahrungen eine Mondes- oder Sonnenfinsternis mit genauer Not herausbrachten
– schreien, es steht nun auch schon das ganze Universum enthüllt vor ihren
Augen!? – Ich sage, es wird noch die Zeit kommen, ja und sie ist schon völlig
da, daß diese großen Naturgelehrten sich noch werden bequemen müssen, statt
die Universitäten mit hochtrabender Stirne zu durchrennen, sich ganz demütig
zu einer schlichten Wiege eines Kindes zu begeben, um alldort die Masse ihres
Unsinnes zu erkennen. Ja, wahrlich, Ich sage: Ein Kind, das seine Eltern mit
tränenden Augen um ein Stück Brot bittet, verrät in dieser lallenden Bitte
mehr Weisheit als alle Weltweisen seit Plato, Aristoteles und Pythagoras. [HiG.01_40.10.18,05] Nun denn, da wir auf diese Art eine
kleine Betrachtung gemacht haben, wodurch euch die Unzulänglichkeit der
Weltweisheit vor die Augen gestellt wurde, so werde denn Ich einen Versuch
machen und euch zeigen, daß Mir auch nicht nur ein, sondern mehrere Gründe
zur allerklarsten Erläuterung der sogenannten „Fata morgana“ allezeit zu
Gebote stehen. [HiG.01_40.10.18,06] Seht, es gibt dreierlei Erscheinungen
dieser Art, die in ihren Entstehungsgründen sich himmelweit unterscheiden,
obschon sie in ihrer Erscheinlichkeit fast gänzlich eine und dieselbe Form
darbieten. [HiG.01_40.10.18,07] Die erste, gewöhnliche Art dieser
Erscheinungen ist diejenige, welche in der Luft die unter ihr befindlichen
Gegenstände verkehrt darstellt, wobei manchmal das Abbild ganz rein, manchmal
etwas trüb und verunstaltet, manchmal vergrößert, manchmal verkleinert
erscheint. Dieses geschieht auf ganz natürliche Weise, jedoch allezeit bei
einem sehr niederen Barometerstande, wenn eine gänzliche Ruhe in der Luft
eingetreten ist. Denn die Luft bildet vermöge ihrer spezifischen Schwere eine
scharf abgeschnittene Spiegelfläche, auf welcher der Äther ruht, so wie die
Luft über einem ruhigen Wasserspiegel. [HiG.01_40.10.18,08] Wenn nun die Luft eine solche Lage
angenommen hat, so spiegeln sich dann die unterhalb befindlichen Gegenstände
geradeso ab, als wenn ihr einen großen Spiegel in paralleler Richtung mit der
Oberfläche der Erde einige hundert Klafter in der Luft über dem Gegenstand
aufgerichtet hättet. – Ist die Luft ganz ruhig, so wird das Bild auch ganz
rein sein, hat sie aber irgend kleine Wellungen auf ihrer Oberfläche, so wird
das Bild unrein und undeutlich, wie ein Bild in einem etwas bewegten See.
Geschieht es aber, daß die Luft gegen die Erde herab eine Ausbauchung macht,
so wird das Bild verkleinert, wird dagegen der Luftspiegel erhoben, so macht
er gegen die Erde eine Höhle und repräsentiert auf diese Art einen
Hohlspiegel, wodurch dann die unten befindlichen Gegenstände je nach dem
Grade der Höhlung entweder mehr oder weniger vergrößert erscheinen. [HiG.01_40.10.18,09] Ja, es kann sogar noch eine
Erscheinung dieser Art stattfinden, nämlich daß ein und derselbe Gegenstand
vervielfältigt gesehen wird. Dieses kann nur bei Verkleinerungen geschehen.
Wenn nämlich der Luftspiegel mehrere Ausbauchungen gegen die Erde bekommt, so
bildet ein jeder solche Bauch einen abgesonderten Spiegel, in deren jedem
sich der Gegenstand geradeso darstellt, als wenn ihr mehrere Glaskugeln vor
euch hättet und würdet auf dem Bauche jeder einzelnen Kugel euer Ebenbild
bemerken, und zwar, wie schon bemerkt, in stets nach dem Grade der
Ausbauchung verkleinertem Verhältnisse. [HiG.01_40.10.18,10] Sehet, das ist nun der
Entstehungsgrund der ersten Art dieser Erscheinung. [HiG.01_40.10.18,11] In geistiger Hinsicht rührt diese Ruhe
der Luft von einer gewissen ruhigen Erwartung der Geister her, die da wohl
verspüren, daß bei einer langsam fortwachsenden Erhöhung der Erdoberfläche
große Dinge im Innern der Erde vorgehen, und daher denn ebenso ruhig sind und
harren, bis sie auf einen von Mir durch einen Engel gegebenen Wink mit großer
stürmender Gewalt losbrechen sollen zur Wiederherstellung der gestörten
Ordnung in den innern Gemächern der Erde. Das ist nun alles, was die erste
Art dieser Erscheinung materiell und geistig darbietet. [HiG.01_40.10.18,12] Daß aber die Gegenstände allezeit
verkehrt erscheinen, besagt, daß die Geister die Dinge der Natur in
Entsprechungen sehen und ihrer gewahr werden. Und so ist ein
aufrechtstehendes Bild der Sinn des Buchstabens, ein verkehrtes Bild aber der
innere, geistige Sinn. [HiG.01_40.10.18,13] Dieser Erscheinung ist die zweite
völlig gleich, durch welche sonst sehr entfernt liegende Gegenstände, als
dergleichen wären Berge, Städte, Flüsse und Seen, sehr nahe dargestellt
werden. Der Unterschied besteht nur darin, daß sie aufrechtstehend
erscheinen. – Nun, wie geschieht denn das? [HiG.01_40.10.18,14] Ein Beispiel soll die ganze Sache
hinreichend erläutern. – Wenn über einem entfernten Orte, wie z.B. Marburg,
eine Luftspiegelung erster Art stattfinden würde, es würde aber zugleich,
jedoch um viele Klaster höher, auch bei Ehrenhausen eine ähnliche Fläche sich
gebildet haben, und einige Stunden von hier eine dritte, aber sehr nieder,
jedoch so, da die gerade Winkel-Linie nicht durch irgendeinen materiellen
Gegenstand unterbrochen werden möchte, was wird nun geschehen? – Das
abgespiegelte Marburg wird von der zweiten Luftspiegelung aufgenommen, das
aufgenommene Bild aber wird je nach der Neigung der Luftspiegels in demselben
Winkel wieder weitergeführt bis zur dritten Spiegelfläche, allwo ihr dann
natürlicherweise dieses Bild aufrechtstehend erblicken müsset. Auf diese
Weise können oft tagereiseweite Gegenstände so nahe erscheinen, als wären sie
nur Stunden entfernt. Eure Fernrohre sind im Kleinen beinahe nichts anderes
als eine solche Luftspiegelung, denn dadurch vermeint auch ein jedes den
wirklichen Gegenstand zu sehen, während es doch nur das Abbild auf der
Spiegelfläche des Glases erblickt. [HiG.01_40.10.18,15] Es können zwar durch solche
Luftspiegelungen sehr entfernte Gegenstände euch wohl öfters auch verkehrt
erscheinen was jedoch sehr selten zu geschehen pflegt. Dieses würde nur
stattfinden, wenn ein hoher Luftstand ebenfalls zur Ruhe käme. Alsdann würdet
ihr am Horizonte gleichsam, wie zum Beispiel von Afrika aus, entfernt
liegende Inseln bemerken – versteht sich nur unter einem gewissen Winkel,
außerhalb oder innerhalb dessen ihr nichts mehr sehen würdet. – Solch eine
Erscheinung geschieht auf folgende Art: [HiG.01_40.10.18,16] So ihr euch denken könntet, gerade
über der Choralpe in einer Höhe von mehreren hundert Klastern wäre die Luft
so ruhig geworden, so würdet ihr da in diesem Luftspiegel z.B. Klagenfurt
entdecken, und zwar in verkehrter Richtung, was demnach dasselbe ist, als
wenn ihr seitwärts in einen Spiegel sehet und da in demselben nicht die
gerade vor ihm stehenden Gegenstände erblicket, sondern nur diejenigen, die
geradeso wie ihr, in entgegengesetzter Richtung, schief von der Fläche des
Spiegels abgewendet sind. [HiG.01_40.10.18,17] Was bei dieser zweiten Erscheinung die
geistige Sphäre betrifft, so hat sie ganz denselben Grund, wie bei der
Erscheinung erster Art. Nur wenn sie nach letzter Art in großen Höhen sich
vorfindet, so ist da das Augenmerk der Geister auf eine örtliche, nicht gar
zu tief liegende Unordnung entweder im Innern der Berge oder auch wohl
einzelner Inseln (welche ebenfalls nichts anderes als Berge im Meere sind)
gerichtet. [HiG.01_40.10.18,18] Nun sehet, was diese beiden
Erscheinungen betrifft, so haben wohl schon hie und da auch manche
schlichtere Naturforscher ähnliche Mutmaßungen gehegt. – Aber nun kommt die
dritte Art solcher Luftspiegelungen, durch welche dem Auge des Wanderers Gegenstände
produziert werden, die auf der ganzen Erdoberfläche sich gar nicht vorfinden. [HiG.01_40.10.18,19] Sehet, da haben weder die schlichten,
noch viel weniger aber die hochtrabenden Naturforscher etwas herausgebracht und
meinten diesen gordischen Knoten gleich einem Alexander durch einen Hieb zu
lösen, welcher Hieb freilich solchen Forschern keine große Mühe machte, da
sie solche außerordentliche Erscheinungen kurz ableugnen, oder sie höchstens
als Traumgebilde eines müden Wanderers passieren lassen. Das ist freilich das
leichteste Erklärungsmittel! [HiG.01_40.10.18,20] Wie sollte aber auch eine Sache
erklärt werden, die gar nicht ist? – Und doch sage Ich, daß die großen
Naturgelehrten mit keiner ihrer Erklärungen der Wahrheit nähergekommen sind
als eben mit dieser. Dadurch haben sie doch wenigstens ausgesagt, daß sie
nichts wissen, während in ihren anderen Erklärungen nur das zum Grunde liegt,
daß sie noch weniger als nichts wissen. Wer nicht redet, da er nichts weiß, der
tut keine Lüge. Wer aber redet, da er nichts weiß und nichts sieht, der macht
sich der Lüge schuldig und wird, je mehr er gesprochen hat, ein desto
größerer Schuldner der Wahrheit. [HiG.01_40.10.18,21] Ich aber sage, daß solche
Erscheinungen der dritten Art gar wohl bestehen und in den südlichen Gegenden
am häufigsten vorkommen, und zwar alsobald nach dem Sonnenuntergange, auch
wohl dann und wann vor dem Sonnenaufgange. [HiG.01_40.10.18,22] Ihr werdet nun gar erstaunte, große
Augen machen, so Ich euch dieses Geheimnis mit einem anderen Hieb kundgeben
werde als die Naturforscher! – Sehet, die Menschen haben schon die
größtmöglichsten Fernrohre verfertigt und wollten mittelst derselben den
ganzen gestirnten Himmel auf einen Schluck verschlingen; allein Ich bin
allzeit so frei gewesen und habe ihnen gewisse Striche durch die Rechnung
gemacht, wodurch sie am Ende doch wieder einsehen mußten, daß Mein Bau
großartiger ist als ihre Instrumente, ja daß Ich euch mit der geringsten Mühe
Weltkörper so weit weggestellt habe, daß es ihnen wohl nie gelingen wird,
auch mit tausendmal größeren Fernrohren dieselben ihrer hochtrabenden Nase
näher zu bringen. Aber seht, was Ich den Weisen oft und allezeit vorenthalte,
gebe Ich in großer Klarheit den unmündigen Hirten und Wanderern. [HiG.01_40.10.18,23] So ist es auch bei dieser Erscheinung
der dritten Art der Fall. Sehet, wenn in diesen südlichen Gegenden die Luft
aus schon erwähnten Ursachen geistig und physisch die höchste Ruhe erreicht
hat, und das zwar über großen, sandigen Ebenen, woselbst weder ein Gebirge
noch sonst irgendein erhabener Gegenstand vorhanden ist, da geschieht es dann
oft, daß der Spiegel der Luft so nieder über die Oberfläche der Erde zu
stehen kommt, daß er dem Wanderer kaum über den halben Leib reicht, und
dieser schmachtend, statt mit der atmosphärischen Luft, sich bloß mit der
Einatmung des Äthers begnügen muß, welches ihn freilich zu einem sehr
schnellen Atemholen zwingt und ihn nach kurzer Zeit betäubt auf den Boden
niederzusinken nötigt. [HiG.01_40.10.18,24] Da geschieht es denn, daß ein solcher
Wanderer in diesem vor ihm ausgebreiteten Spiegel der Luft nie geahnte Dinge
erblickt. – Was sind nun diese Dinge? – Seht, jetzt werde Ich den Hieb
machen! – Sie sind nichts anderes als sehr getreue Abspiegelungen der
Gegenden und Ortschaften anderer Planeten und Erdkörper. [HiG.01_40.10.18,25] Da werden die Gelehrten freilich sich
den Kopf zerreißen und werden sagen: „Wie ist das möglich, da wir durch
unsere besten Fernrohre nichts Ähnliches wahrnehmen können?“ – Allein Ich
kann da nichts anderes antworten als das, daß sie Mir schon erlauben werden,
wenn Ich Mich unterfange das von Mir zu behaupten, daß Ich auch ein etwas
besserer Optiker bin, als sie es sind. [HiG.01_40.10.18,26] Zugleich aber möchte Ich ihnen auch
eine Frage entgegen tun: Sie möchten nur die mathematische Formel zeigen,
unter welcher Ich, gewiß mit der größten Leichtigkeit, das Auge eines Adlers
konstruiert habe, welches besser ist als alle bis jetzt erfundenen
Seh-Werkzeuge; denn es sieht von der größten Höhe mit der größten
Leichtigkeit und Schärfe die Milben, welche ein irgendwo in einem Graben
liegendes Aas bekriechen. Und sollten sie etwa nicht imstande sein, diese
Formel zu erfinden, unter welcher ein Auge gleich fähig ist, Fernes wie Nahes
mit gleicher Schärfe zu schauen, so muß Ich doch andererseits schon auch
behaupten, daß es Mir ebenso ein leichtes ist, auf der Erde aus der Luft
einen solchen Reflexions-Spiegel zu errichten, der eine Gegend eines noch so
fernen Planeten, unter einem gewissen Grade der Beleuchtung, getreu
wiedergeben kann. [HiG.01_40.10.18,27] Daß aber dieses möglich ist, werde Ich
euch auch sogleich handgreiflich zeigen! – Nehmet irgendein Haus, welches da
stünde auf einer weiten Fläche! Wenn ihr euch davon mehr und mehr entfernt,
so wird das Bild desselben in einem immerwährend spitzigeren Winkel, nach dem
Verhältnisse der Größe eures Auges, auf dasselbe fallen, und zwar vermöge der
auslaufenden Strahlen, welche von allen Punkten dieses Gebäudes in der
erwähnten Richtung auf euer Auge fallen. Daß nun das Gebäude stets kleiner
und kleiner wird, liegt ja nur in euren Augen, mit welchen ihr, je mehr ihr
euch von dem Gegenstand entfernet, ja auch eine immer geringere Menge der
auslaufenden Strahlen aufzunehmen vermöget. [HiG.01_40.10.18,28] Nun denn aber setzen wir den Fall,
euer Auge wäre nicht konvex (vermöge welcher Konvexität nur eine sehr kleine
Fläche zur Aufnahme irgendeines Gegenstandes fähig ist, während die anderen,
abgewendeteren Flächen schon wieder für andere Aufnehmungen bereit sind,
damit ihr vieles auf einmal übersehen könnet) – also, wie schon gesagt, euer
Auge hätte eine große Ausdehnung und wäre nicht konvex, sondern ganz eben,
sehet, da könntet ihr euch tausend oder millionen Meilen von diesem Gebäude
entfernen, so würdet ihr es demungeachtet immer gleich groß erblicken, weil
von jedem Gegenstande zu gleicher Zeit, da nach allen Richtungen
zusammenfließende und auseinanderlaufende Strahlen ausgehen, auch ebensogut
gleichlaufende oder parallele Strahlen ausgehen, vermöge welcher das Bild
eines Gegenstandes selbst in der größten Ferne getreu dasselbe bleiben muß. [HiG.01_40.10.18,29] Nun sehet, das ist denn auch hier der
Fall! – Dieser große Luftspiegel ist ein optisches Werkzeug dieser Art, daß
er vermöge seiner außerordentlich hellen Glanzfläche die Parallelstrahlen
aufnimmt. Wenn noch dazu das Auge des Wanderers in dem Äther eine rechte
Ausdehnung bekommt, alsdann erblickt er solche Gegenstände als getreue
Abbilder anderer Weltkörper-Gegenden, zum Beispiele oft märchenhaft
aussehende Städte, großartige Paläste, Berge, Wälder, Flüsse und Seen, ja
sogar manchmal lebende Wesen und dergleichen mehreres, das sich vorfindet auf
einem entfernten Weltkörper. [HiG.01_40.10.18,30] Sehet, da habt ihr nun alles über die Fata
morgana! – Da auch hier bei der dritten Art der geistige Grund derselbe ist
wie bei den früheren, so bleibt Mir demnach auch nichts mehr zu sagen übrig
als das, daß ihr auch die Luft eurer Wünsche und Begierden um und in euch
baldmöglichst zu solcher Ruhe bringen sollet. Alsdann werdet ihr noch ganz
andere Fata morgana erleben, als die müden Wanderer auf den glühenden
Sandwüsten; denn alles Schauen ist ein Strahlen und Gegenstrahlen. [HiG.01_40.10.18,31] Daher machet euch bald fähig zur
Aufnahme der Strahlen, die Meiner Sonne entströmen, damit ihr da die Fata
morgana des ewigen Lebens in euch erblicken möget! – Amen. [HiG.01_40.10.18,32] Das sage Ich, der große Meister in
allen Dingen, der da heißet Jesus-Jehova. – Amen! Flut und Ebbe. – 24. Oktober 1840
[HiG.01_40.10.24.a] Schreibende: K. G. L. – L. – D. – Andr.
und Ans. H. – Der Herr teilte uns durch Seinen Knecht J. L. Nachfolgendes aus
Seiner Schatzkammer mit: [HiG.01_40.10.24.a,01] Es gibt der Meinungen viele über die
Erscheinung des regelmäßigen Steigens und Fallens des Meeres. Allein, wie mit
allem übrigen, so ist es auch mit dieser Erscheinung der Fall, daß alle bis
jetzt bekannten Meinungen und sogenannten „Hypothesen“ hinsichtlich der
Erklärung dieser Erscheinung zur Wahrheit sich verhalten, wie ein blinder
Schütze zum vorgesteckten Ziele, der da in seiner Nacht hingeht aufs weite
Feld, allwo irgendein Ziel aufgesteckt ist. Er geht auf der Ebene fort und
fort und sucht das Ziel, wohin er seine Pfeile abschießen möchte. Und seht,
da er nahe an das Ziel gekommen ist, wendet er sich von demselben ab und
sendet seine Pfeile ins Blaue. [HiG.01_40.10.24.a,02] Und hätte ein anderer Schütze, der
ebenfalls blind ist, gleichwohl auch eine so glückliche Wendung gemacht, daß
er gewisserart, wie ihr sagt, zufällig einen Pfeil ins Zentrum geschleudert
hätte, so würde ihm dieses aber demungeachtet nichts nützen, da er blind ist
und daher nicht wissen kann, wohin sein Pfeil geflogen ist; und wüßte er es
auch, was würde es ihm wohl nützen, da er das Zentrum selbst nicht sehen kann
– besonders wenn das Ziel, wie hier bei dieser Aufgabe, noch dazu so hoch
gesteckt ist, daß er es nicht einmal mit den Händen erreichen kann, um zu
fühlen, ob sein Pfeil in der Mitte steckt. [HiG.01_40.10.24.a,03] Und wenn er darauf einer ganzen
blinden Menge mit aller Beredsamkeit predigt, wie genau er das Ziel getroffen
habe, so werden einige, die noch viel blinder als er sind, sich
außerordentlich beifällig zu wundern anfangen, daß er mit solcher Sicherheit
das Ziel getroffen habe, und werden sagen: „Das wäre uns Sterblichen allen
unmöglich gewesen, indem wir alle blind sind“. – Er aber wird großtuend
erwidern: „Ja, mir ist es gelungen!“ [HiG.01_40.10.24.a,04] Doch die weniger Blinden, die werden
freilich sich nach und nach in die Ohren zu raunen anfangen und werden sagen:
„Ist denn nicht der Schütze auch blind? Woher dieser sichere Schuß? Hätte er
nicht auch ebenso gut einen nebenstehenden Baum treffen können wie das
vorgesteckte Ziel?“ [HiG.01_40.10.24.a,05] Angenommen, bei dieser Operation
wäre aber auch ein Sehender zugegen und würde sagen: „Höret Freunde! Ich bin
einer, der gesunde Augen hat, und sehe so gut in der Nähe wie in die Ferne.“
– Die Blinden aber würden ihm erwidern: „Was geht das uns an, wenn du siehst,
so wir doch blind sind? Und so können wir dir ebensowenig glauben wie dem
Blinden, da wir uns wirklich nicht überzeugen können, ob du siehst.“ – Der
Sehende aber würde dann sagen: „So ihr auch nicht sehet, so kann ich euch
doch begreiflich machen, daß ich sehe, und zwar auf folgende Weise: Mache
jemand von euch irgendeine Bewegung mit seiner Hand, mit seinem Fuße oder mit
seinem Kopfe, und so ich euch sage, wie ihr euch bewegt habt, glaubet es mir,
daß ich sehe.“ – Und die Blinden sprächen zu ihm: „So du das könntest, so möchten
wir ja glauben, da du sehest und uns auch sagen könntest, wohin der Pfeil
dieses samt uns blinden Schützen geflogen ist.“ – Das tät der Sehende denn
auch. – Dann aber würde er sagen: „Sehet, der Schütze war mit seinem Rücken,
statt an einem Baum, gerade an das Ziel gelehnt, als er den Pfeil losschoß,
aus welcher Ursache der Pfeil unmöglich ans Ziel gelangen konnte.“ [HiG.01_40.10.24.a,06] Nun sehet, was würde nun daraus
entstehen? Meinet ihr, die Blinden würden ihm glauben? – Ja, sage Ich, sie
würden ihm glauben, insoweit sie es mit den Händen greifen könnten. Da aber
auch der Schütze sich gar gewaltig auflehnen würde für seine Ehre, so würden
sich die Blinderen an die Beredsamkeit des Schützen halten, und die anderen
würden in ihrem Glauben immer in einem Flut und Ebbe ähnlichen Schwanken sein
und würden sagen: „Ja, es ist wahr, unsere Bewegungen hat er uns wohl richtig
gesagt, aber wer steht daür, daß er uns auch das andere richtig sagt, worin
wir uns nicht überzeugen können, ob es so ist, wie er es uns sagt?“ [HiG.01_40.10.24.a,07] Nun sehet, aus diesem kleinen
Gleichnisse werdet ihr ersehen, wie schwer es ist, der blinden Welt zu
predigen, und umgekehrt, wie schwer es auch der blinden Welt ist, die
gepredigte Wahrheit als solche zu erfassen und zu begreifen. [HiG.01_40.10.24.a,08] Sehet, so seid auch ihr allesamt
noch blinde Gläubige – und Ich allein bin der Sehende! Wenn Ich euch daher
Dinge eröffne und euch zeige die Fehlschlüsse der Weltschützen, so glaubet,
daß Ich euch gewiß allezeit die reinste Wahrheit sage und euch auch noch dazu
in jeder Meiner Offenbarungen eine ganz tüchtige Portion Augensalbe
mitspende, mittelst welcher ihr auch das Augenlicht wieder erhalten werdet,
vorausgesetzt, daß ihr die Salbe fleißig gebrauchet und euch mehr zur Ebbe als
zur Flut haltet. [HiG.01_40.10.24.a,09] Denn es ist die Flut ein Sinnbild
des Hochmutes – die Ebbe aber der Demut! Oder mit anderen Worten: Es ist die
Flut ein Sinnbild des Überflusses, des Reichtumes und der damit verbundenen
Unruhe – die Ebbe aber der Zurückgezogenheit, der Dürftigkeit und der stillen
Ruhe. [HiG.01_40.10.24.a,10] Dem Schiffer ist oft freilich die
Flut erwünschter als die Ebbe, wenn irgendein Sturmwind ihn auf eine Sandbank
festgesetzt hat. Allein, diese Nützlichkeit ist nicht eine wahre
Nützlichkeit. Denn das Schiff wird zwar von der Flut gehoben und dann
weiterbefördert – aber sind nicht noch wohlbekannterweise vor oder nach den
Sandbänken auch Klippen vorhanden? Seht, wäre nun das Schiff durch die Ebbe
nicht in den Stand der Ruhe gesetzt worden auf der weichen Sandbank, so hätte
der Sturm das Schiff auf eine Klippe geschleudert, wodurch dann alles
zugrunde gegangen wäre. – Daher sollet auch ihr euch mehr die Ebbe als die
Flut zum Spiegel eures Lebens wählen. [HiG.01_40.10.24.a,11] Nach dieser kleinen, nicht
unrichtigen Vorbetrachtung will Ich, als der einzige sehende Schütze, den
Bogen ergreifen und den Pfeil in die Ebbe und Flut senden; und wir wollen
sehen, ob auch Ich einen Baum statt der Zielscheibe getroffen habe. [HiG.01_40.10.24.a,12] So ihr aber einen Maschinisten
fragen würdet: „Sage mir, warum ist dieser Stift da in deinem Uhrwerke?“ –
wird es der Maschinenmeister nicht alsogleich wissen, warum dieser Stift da
oder dort angebracht ist? – Ja, sage Ich, er wird und muß es wissen, da er
sonst kein Meister wäre und das Werk nicht ein Werk seiner Hände. So Ich aber
der große Meister bin in allen Dingen ewig und unendlich, so glaubet es Mir,
daß Mir Ebbe und Flut recht wohl bekannt ist. [HiG.01_40.10.24.a,13] Nun werdet ihr euch denken: So
möchte ich denn doch schon einmal wissen, was denn die Ebbe und Flut ist? –
Ich aber sage: Nur noch eine kleine Geduld, es wird schon kommen! Macht ihr
es ja doch mit euren Kindern, da ihr ihnen etwas zu geben gesonnen seid, auch
oft also, wenn die Gabe auch nur in etwas sehr Unbedeutendem besteht. So Ich
aber euch etwas Bedeutendes gebe, wie soll Ich auch euch nicht zuvor ein
wenig lüstern darauf machen? [HiG.01_40.10.24.a,14] Nun sehet, alles, was nur irgendein
Leben äußert, hat eine gewisse ihm eigentümliche Atmung. Und hat diese
aufgehört, dann sind auch die Lebensgeister der Materie entflohen; diese
selbst aber sinkt dann in den Zustand der Trägheit zurück, stirbt und verwest
und geht so in den Tod über. So ihr zum Beispiel was immer für ein Tier
beobachtet, so wird und muß es atmen; denn hört dieser Akt auf, so lehrt euch
schon die tägliche Erfahrung, daß alsdann der Tod in diese (Lebens-)Form
getreten ist. Ihr sagt auch, so jemand den letzten Atemzug gemacht hat, daß
er gestorben sei, und ihr habt recht; denn mit dem letzten Atemzuge ist es
mit dem naturgemäßen Leben des Menschen zu Ende. So aber das physische Leben
in seinem Zentrum aufhört, so hört auch alsobald mit dem Hauptleben alles
vegetative Leben in einem Körper auf. [HiG.01_40.10.24.a,15] Was ist demnach Atmung und wozu ist
sie da? – Sehet, jedes Wesen bildet entweder eine positive oder negative
Polarität. Wie aber eine jede Polarität ein Bedürfnis hat nach der
entgegengesetzten Polarität und nicht entstehen und bestehen kann für sich
ein negativer oder positiver Pol allein, sondern nur einer durch den anderen,
sehet, so ist auch das ganze naturgemäßige Leben! Auch euer Leben besteht in
einem negativen Pole, welcher gegeben ist zur Aufnahme des Positiven. [HiG.01_40.10.24.a,16] Wie kann aber dies geschehen? –
Dadurch, daß der negative Pol fortwährend durch die Atmung angeregt wird,
durch welche Anregung immerwährend ein verhältnismäßiges Bedürfnis zur
Aufnahme des Positiven bewerkstelligt wird. [HiG.01_40.10.24.a,17] Nun sehet, ihr hättet zum Beispiel
eine Elektrisiermaschine. Diese Maschine kann jahrelang auf irgendeinem Orte
stehen und ihr werdet keine andere Erscheinung an ihr wahrnehmen als die
ihrer Form selbst. Bringt nun aber jemand die Scheibe der Maschine in
Umschwung, so wird dadurch die negative Elektrizität erregt und gleichsam in
sich verzehrt. [HiG.01_40.10.24.a,18] Nun fängt sie aber eben durch diese
Aufzehrung ihrer selbst an, ein neues Sättigungsbedürfnis zu empfinden. Was
kann denn nun geschehen? Obschon ihr es jetzt fast mit den Händen greifen
könnet, so will Ich es euch aber doch der Ordnung wegen sagen, was da zu
geschehen hat und muß. – Wie sich der Hunger nicht selbst stillen kann, so
auch kann sich der sich selbst aufzehrende Pol nicht wieder selbst sättigen –
gerade wie wenn euer Magen leer geworden wäre, ihr euch auch nicht sättigen
könnet mit der Leerheit eines anderen Magens, sondern ihr werdet sagen:
„Herr, mit dieser negativen Kost ist uns nicht gedient, wir haben das
Bedürfnis nach einer positiven Kost!“ [HiG.01_40.10.24.a,19] Sehet, so ist es eben auch hier der
Fall! Und so ist denn die positive Elektrizität eine Sättigung der negativen.
Ist diese Sättigung vor sich gegangen, so wird an dem Konduktor alsobald der
sättigende Erfolg in lebenstätige Erscheinung treten. [HiG.01_40.10.24.a,20] Und so ist denn auch die Atmung
dasjenige, was eure Lebens-Elektrisier-Maschine in Bewegung setzt, die
negative Polarität erregt und euer Wesen hungrig macht nach der positiven
Polarität. – Denn mit einem jeden Atemzuge wird eine beständige Reibung in
euren Körperteilen bewirkt. Durch diese Reibung wird das negative Leben
angeregt und fängt an, sich zu fühlen in seinem Hunger. Und je nach dem Grade
des Bedürfnisses wird dasselbe mit jedem Atemzuge gesättigt, welche Sättigung
darin besteht, daß der Stickstoff als negativer Pol den Sauerstoff mit großer
Begierde in sich aufnimmt. Hört nun dieses Atmen auf, dann fängt die negative
Polarität an, sich selbst aufzuzehren, wodurch es denn auch alsobald mit dem
naturmäßigen Leben ein Ende hat. [HiG.01_40.10.24.a,21] Nun denket euch, jedes lebende Wesen
ist eine „Welt“ oder eine „Erde“ im kleinen Verhältnisse. Wie aber ein jedes
solches Wesen ein Zentralleben besitzt und ein vegetatives Leben durch das
zentrale behält, solange die Atmung fortdauert, sehet, geradeso ist es der
Fall nicht nur mit der Erde, sondern mit jedem Weltkörper! – Freilich müßt
ihr euch nicht denken, die Erde sei deshalb ein Tier, weil sie ebenfalls
periodisch atmet; dessenungeachtet aber ist sie doch insoweit in ihren
inneren Gefügen organisch eingerichtet, daß sie einer Atmung fähig ist. [HiG.01_40.10.24.a,22] Demnach ist die Ebbe und Flut nichts
als bloß die Folge des immerwährenden Aus- und Einatmens der Erde. Geistige Beleuchtung von Ebbe und
Flut. – 24. Oktober 1840 (Fortsetzung)
[HiG.01_40.10.24.b,01] Aber wodurch wird denn dieses Aus-
und Einatmen der Erde bewirkt? – Gerade dadurch, wie es bei den Tieren
bewirkt wird, nämlich durch das immerwährend neu eintretende Bedürfnis nach
frischer Kost, wenn die vorhergehende verzehrt und dadurch wieder negativ
geworden ist. [HiG.01_40.10.24.b,02] Während des Verzehrens fallen die
Organe wieder näher aneinander, bis zu einem gewissen Grade, da sie sich
selbst in ihrem eigenen Hunger zu reiben anfangen. Alsdann geschieht
alsogleich wieder eine Sättigung, durch welche sich die Teile natürlich
wieder mehr und mehr ausdehnen. Daher kommt denn auch eben hernach die in
Frage stehende Erscheinung: durch das Bedürfnis nach positiver Kost die Ebbe
– und durch die Sättigung die Flut. [HiG.01_40.10.24.b,03] Ihr werdet freilich sagen: Wenn dem
so ist, so müßten wir ja diese Erscheinung auf dem Festlande und auf den
Bergen ebenfalls wahrnehmen. – Ich sage aber, es ist dem nicht so. Erweitern
sich wohl euer Kopf, eure Hände und Füße, so ihr atmet? – Und ihr werdet
sagen: „Nein, diese Glieder bleiben ruhig“. – So sage Ich euch, so können
auch die Festen der Erde gar wohl ruhig bleiben. [HiG.01_40.10.24.b,04] Damit ihr euch nun diese Erscheinung
desto einleuchtender versinnlichen könnet, so steiget denn einmal in eine
Badewanne und bemerket dann wohl das Wasser, das euch in der Badewanne
sparsam umgeben soll, und ihr werdet sicher bemerken, daß das Wasser bei
jedem Atemzuge ein wenig steigen und beim Aushauchen fallen wird. Nun, so ihr
dieses wohl überdenket, so werdet ihr sehr leicht einsehen, daß Ich ganz wohl
verstehe, Meinen Pfeil ins Zentrum der Zielscheibe zu schießen. [HiG.01_40.10.24.b,05] So euch aber jemand sagt: der Mond
sei die Ursache der Ebbe und Flut – so fraget ihn, wie denn der Mond, wenn er
sich gerade auf der entgegengesetzen Seite befindet, vermöge seiner Anziehung
auf der ihm schnurgerade abgewandten Erdhälfte eine Flut zu bewirken vermag? [HiG.01_40.10.24.b,06] Wer dieses behaupten könnte oder
wollte, der wäre noch über den blinden Schützen, der sich mit dem Rücken
gegen das Ziel wandte und zufälligerweise einen gegenüberstehenden Baum statt
der Zielscheibe traf. Oder, wem könnte wohl einfallen, so er in einer
Badewanne läge, zu behaupten, daß das Wasser deswegen steige und falle, weil
mehrere Klafter über ihm ein Apfel an einer Schnur aufgehängt ist, welchem
ein mutwilliger Knabe eine Schwingung beigebracht hat. Sollte dieser nicht
lieber auf seinen eigenen Bauch sehen, woselbst ihm dann, um Mich auch eines
gelehrten Ausdruckes zu bedienen, doch „empirisch“ klar werden müßte, daß
nicht der Apfel, sondern nur sein Bauch das Fallen und Steigen des Wassers
bewirkt. [HiG.01_40.10.24.b,07] Nun, so hätten wir denn
handgreiflich diese Erscheinung zur Genüge erläutert, jedoch wie schon
gesagt, ist alles dieses nur eine äußerliche Erscheinlichkeit, welche, mit
den Augen des Geistes betrachtet, nicht so aussieht, wie sie mit den
fleischlichen Augen zu sehen ist. Sondern da ist positiver Pol: Geistiges –
und negativer Pol: Naturmäßiges. Und ist positiver Pol: Substanz – und
negativer Pol: aufnehmendes Gefäß. Und ist positiv: Inwendiges – und negativ:
Äußeres. Und es ist das Positive gleich der Liebe und der Weisheit – und das
Negative gleich der Erbarmung und der Gnade. [HiG.01_40.10.24.b,08] Wenn das Negative nun nicht wäre, so
könnte die Liebe und die Weisheit an nichts als an sich selbst sich
offenbaren. Daher wurden aus Meiner Erbarmung Wesen. Und die Wesen sind Meine
Erbarmung selbst, und diese Erbarmung ist das Gefäß Meiner Gnade. [HiG.01_40.10.24.b,09] Wenn nun die Liebe nicht wäre, so
könnte auch keine Erbarmung sein. Weil aber die Liebe, so ist auch die
Erbarmung. Und so besteht, lebt und webt alles als Erbarmung aus Meiner
Liebe! [HiG.01_40.10.24.b,10] Wollt ihr nun also wissen, was die
positive, nährende Polarität ist, so sage Ich euch, diese ist nichts anderes
als Meine Liebe. [HiG.01_40.10.24.b,11] Die Erbarmung aus dieser Meiner
Liebe aber hat gebildet Wesen zur Aufnahme der Liebe aus Mir. Und die Liebe
nährt die Wesen fort und fort und bildet auf dem Wege ihrer ewigen Ordnung
ein Wesen um das andere, ein Wesen für das andere und ein Wesen aus dem
anderen – und bereitet so eine Stufenfolge von Leben, immer vollkommener und
vollkommener, damit sich die Liebe immerwährend in stets größerem und
größerem Umfange ihrer unendlichen Erbarmungen zu offenbaren und gleichsam
Sich Selbst in Ihrer Unendlichkeit mehr und mehr zu beschauen und lebendiger
und lebendiger zu werden vermöge. [HiG.01_40.10.24.b,12] Daher ist alles so eingerichtet und
geschieht alles so nach Meiner Ordnung, damit der Tod einst ganz zunichte
werde, und die ganze Unendlichkeit ein ewiger vollkommener Inhalt der Fülle
des Lebens aus Mir und in Mir werde! [HiG.01_40.10.24.b,13] Dieses, was Ich jetzt mitgeteilt
habe, überdenket in eurem Herzen recht wohl! Denn, habe Ich euch bisher auch
schon so manches Große mitgeteilt und geoffenbart, so habe Ich euch aber doch
noch nirgends so tief in den Plan Meiner ewigen Liebe und Weisheit blicken
lassen, wie eben jetzt. [HiG.01_40.10.24.b,14] Daher noch einmal – beherziget es
wohl, was hier gesagt wurde! Denn sehet, Ich habe euch anfangs lüstern
gemacht, und Ich wußte warum! Hätte Ich bloß nur eine einfache Birne in
Meinem Sacke vor euren Augen verborgen gehalten, so hätte Ich euch nicht so
lange zappeln lassen. Allein Ich habe diesmal einen reichen Schatz verborgen
gehalten, und daher hielt Ich auch ein wenig inne, um euch dadurch eine desto
größere Freude zu machen; zugleich aber auch, euch dadurch recht stark fühlen
zu lassen, daß Ich nur ganz einzig und allein euer liebevollster, wahrer,
heiliger Vater bin. [HiG.01_40.10.24.b,15] Amen. Das sage Ich, euer
liebevollster heiliger Vater. Amen. Vom Beten für Verstorbene. – 28.
Oktober 1840
[HiG.01_40.10.28,01] So schreibe der Durstigen in Meinem
Namen und sage der Hungrigen in Meiner Erbarmung, daß Ich sie recht lieb
habe. Und sie soll nur öfter im Tage fragen, ob Ich bei ihr bin. [HiG.01_40.10.28,02] Da solle sie nämlich sagen: „O Du mein
allerliebster Jesus, Du meine süßeste Liebe, Du mein Leben, Du mein
Bräutigam, ja Du mein Alles, Alles, Alles – bist Du noch bei mir? Hast Du
mich nicht verlassen? O Du mein allerliebster Jesus Du, siehe gnädig an das
Herz Deiner armen Geliebten, die so sehnsuchtsvoll zu Dir seufzet und in
ihrer Liebe nur einzig nach Dir, o Du allersüßester Jesus, schmachtet!“ [HiG.01_40.10.28,03] Und Ich werde ihr dann in ihr Herz
legen eine süße Antwort, welche also lauten wird: „Siehe Mich nur an in
deiner Liebe, Ich bin gar wohl bei dir und bin noch nie von deiner Seite
gewichen, und Mein Herz wird dir ewig zugewandt bleiben. Bleibe aber auch du
Mir treu, bleibe treu deinem lieben Jesus, der dich schon eher mit aller
Kraft Seiner Göttlichkeit liebte, bevor noch die Welt gegründet war!“ [HiG.01_40.10.28,04] Und so sie solches empfinden wird, so
kann sie auch schon gar wohl versichert sein, daß Ich als ein gar herrlicher
Bräutigam und mit Mir das ewige Leben – ihr gar nahe bin. [HiG.01_40.10.28,05] Und das sage ihr auch, daß die wahre
Liebe ein wenig gezanket sein muß – daher Ich mit ihr auch ein wenig zanken
muß. Das ist aber Mein Zank, daß sie ihre Töchter ein bißchen zu wenig zu Mir
kehrt und ihnen viel am Tage von weltlichen Dingen, aber nur wenig von Mir
erzählt oder sich von ihnen erzählen läßt. [HiG.01_40.10.28,06] Denn sage und melde ihr, daß Ich sehr
eifersüchtig bin und daher ungern sehe, wenn von anderen Dingen als von Mir
geplaudert wird. [HiG.01_40.10.28,07] Ich gleiche einem leidenschaftlichen
Liebhaber, der hinter der Türe seiner Geliebten horcht und lauscht und aus
übergroßen Freuden in die wonnigste Entzückung gerät, so er seine so innigst
Geliebte von nichts als von ihm schwärmen hört; aber auch alsbald traurig
wird, sobald seine Geliebte ihr Gespräch auf andere, nicht auf ihren
Geliebten Bezug habende Dinge lenket, wobei dann der traurige Liebhaber zu
denken und bei sich selbst zu sprechen anfängt: [HiG.01_40.10.28,08] „O du meine zu innigst Geliebte, wenn
du mich liebst, wie ich dich liebe, wie können da noch andere Gedanken dir in
den Sinn kommen, während ich doch beständig an dich denke und vor deiner Türe
gar ängstlich, um den baldigsten Einlaß flehend, harre!?“ [HiG.01_40.10.28,09] Siehe, du Mein Knecht, das sage ihr
nur alles, willst du Mein Liebesbote sein. Denn dieses ist mehr als die
Frage: „Wie man für die Verstorbenen beten soll?“ [HiG.01_40.10.28,10] Jedoch, da schon einmal gefragt wurde,
und zwar von einer geliebten Seele, so will Ich euch sagen, wie man für die
Verstorbenen beten soll. [HiG.01_40.10.28,11] Wer für die Verstorbenen beten will,
der muß zuerst recht wissen, wer und welche eigentlich die „Verstorbenen“
sind, und dann aber auch, wie und warum er beten soll? [HiG.01_40.10.28,12] Es werden aber unter den
„Verstorbenen“ nicht gemeint bloß die von der Welt Abgeschiedenen, sondern
vorzüglich auch die noch in der Welt Lebenden, die aber gestorben sind in
ihrem Herzen und haben keinen Glauben und keine Liebe und daher wahrhaft tot
sind. [HiG.01_40.10.28,13] Sehet, für solche sollet ihr zunächst
beten mit Rat und Tat, leuchtend vor ihnen wie eine Sonne dem müden Wanderer
durch Sand und Wüsten, und sie erquickend gleich dem reichlich auf das dürre
Moos des harten Gesteins gefallenen Tau – damit sie sich wieder finden
möchten an euch als den Grenzmarken Meiner Gnade und genesen möchten an dem
Moose Meiner Gnade, das da reichlich überzogen hat auch Meine Grenzsteine. [HiG.01_40.10.28,14] Da habt ihr, für wen, wie und warum
ihr beten sollet! – Es soll eure Liebe zu Mir und euren Brüdern allezeit das
vornehmste Gebet sein. – Wie und warum? soll euch ein kleines Beispiel
klärlich zeigen: [HiG.01_40.10.28,15] „Sehet, irgendein großer, mächtiger
Herr hatte in seinem Kerker mehrere Gefangene, die ihn zwar sehr dauerten, da
sie lauter arme Verführte waren. Doch aber konnte er in seiner Gerechtigkeit
das einmal gegebene Gesetz nicht aufheben und sie dadurch von der Strafe
befreien, die das Gesetz über sie verhängt hatte. Als sie nun aber schon
lange genug in den Kerkern der Besserung geschmachtet und dadurch den
heiligen Anforderungen des Gesetzes genügt hatten, da beschloß der Herr, sie
wieder frei zu geben. Allein er gedachte bei sich: „Ich habe ja auch eine
Geliebte! Damit meine Freude vollkommen sei, so will ich, daß sie durch
irgendwen erfahre, daß in meinem Kerker so viele Unglückliche schmachten. Sie
liebt mich unendlich und hat das vollste Vertrauen zu mir; sie wird gewiß
eilends kommen und wird mich mit pochendem Herzen um Gnade und Erbarmen für
die Gefangenen anflehen.“ – Und wie der Herr sich dachte, so geschah es dann
auch.“ [HiG.01_40.10.28,16] Was meinet ihr nun, was der Herr da
getan hat? – Der Herr hatte eine große Freude daran, daß er seiner Geliebten
hatte zeigen können, wie viel ihre Liebe und ihr Zutrauen vermochte, und daß
er zugleich aber auch seiner Geliebten eine Gelegenheit verschaffen konnte,
durch welche ihr die Früchte wahrer Liebe und Treue so recht anschaulich
wurden. Die Gefangenen aber werden den Herrn loben, so sie sehen werden, wie
er einzig und allein nur durch Liebe zugänglich ist, und werden dann selbst
Freunde und Kinder der Geliebten und so auch ihres Geliebten werden. [HiG.01_40.10.28,17] Sehet, so sollet ihr beten – und
sollet nicht denken, Mich etwa durch euer lautes Gebet zur Barmherzigkeit zu
bewegen; sondern damit ihr euch selber vor Mir in eurer Liebe stärken möget
und Mir darum wohlgefällig sei eure Bitte. Nicht um der Gefangenen willen,
sondern eurer selbst willen sollet ihr für sie beten. [HiG.01_40.10.28,18] Was aber die Abgeschiedenen betrifft,
so gilt dieses ebenso wie für die „Verstorbenen der Welt“. – Ihr wißt zwar
nicht, in welchem Zustande sich jenseits die Abgeschiedenen befinden. Allein
daran liegt auch nichts, sondern es liegt alles daran, daß ihr wisset, daß
Ich ein gar großer Freund der Liebe bin und ewig sein werde und daß die Liebe
jedermann wohltut. [HiG.01_40.10.28,19] Habt ihr doch Freude, so euch eure
Kinder Geschenke machen, obschon ihr wohl wisset, daß die Kinder dieselben
von eurem Gelde bestritten haben! Um so mehr wird es Mich freuen, wenn ihr
tut wie eure Kinder. Und nicht minder wird es auch freuen eure seligen
Abgeschiedenen, so sie erfahren werden, daß ihre Zurückgelassenen in wahrer
Liebe ihrer gedenken. [HiG.01_40.10.28,20] Sehet, so verhalten sich die Dinge,
und so müsset ihr auch handeln, wollet ihr wahrhaft Meine lieben Kinder sein. [HiG.01_40.10.28,21] Du aber, Meine geliebte Seele, bete
getrost – und Ich, dein lieber Jesus, werde dich nicht zuschanden werden
lassen. Amen. – Das sage Ich, dein lieber Jesus! Besuch der Kleinalpe. [HiG.01_40.10.25,01] Am 25. Oktober 1840 fuhren bei
Regenwetter J. L. – K. G. L. – S. – Andr. und Ans. H nach Übelbach und
begaben sich um die Mittagszeit unter Schneegestöber und frostigem Westwinde
an den Fuß der Kleinalpe. [HiG.01_40.10.25,02] An dem Punkte, wo die Alpe zur
Erscheinung kam, zeigte sich am nebligen Firmamente die Sonne wie eine blasse
Mondscheibe und wurde nach und nach immer leuchtender. Hie und da wurde der
Himmel blau und es hörte auf zu schneien. Auch ließen Frost und Winde nach. [HiG.01_40.10.25,03] Ein freudiges Gefühl bemächtigte sich
der Wandernden. Geistige Beleuchtung des
Kleinalpe-Besuchs. – 29. Oktober 1840
[HiG.01_40.10.29] Schreibende: K. G. L. – Andr. und Ans. H.
– Der liebevolle heilige Vater gab heute durch Seinen Knecht als „Diäten“
Nachfolgendes: [HiG.01_40.10.29,01] Nachdem der Auftrag des Besuchs der
Kleinalpe so ziemlich erfüllt worden ist, will Ich denn auch Mein Versprechen
halten und euch eine recht gute „Reisegebühr“ nachtragen. [HiG.01_40.10.29,02] Schon bei eurer Hinreise müssen euch
die beständig aufsteigenden Nebel, wenn auch nicht gar zu sehr, doch ein
wenig aufgefallen sein, nachdem ihr bemerkt haben werdet, daß diese Nebel
sich meistens in der Mitte eines Berges zu bilden angefangen haben und selten
über dessen Scheitel hinausreichten. [HiG.01_40.10.29,03] Fürs zweite muß euch aufgefallen sein,
besonders als ihr den Murboden verlassen und euch hineingewendet habt zu dem
wohlbekannten Markte mit dem Namen „Übelbach“, daß ihr sowohl links als
rechts dieses Tal von fast gleich hohen, wie auch meistenteils gleich
geformten Hügeln umlagert gesehen habt und daß diese Hügel mit allerlei
wohlbekannten Holzgattungen und Kräutern und Gesträuchern vom Fuße bis zum
Scheitel überdeckt sind und nur an solchen Stellen nackt erscheinen, welche
der menschliche Betriebsfleiß entblößt hat. [HiG.01_40.10.29,04] Ferner werdet ihr noch entdeckt haben,
daß das Tal auf ähnliche Art wie viele andere dergleichen Täler verschiedene
Biegungen macht. Und so ihr das Gestein hie und da in flüchtigen Augenschein
genommen habt, so werdet ihr auch an demselben, mit geringer Ausnahme einzeln
dastehender Posten, dieselbe Plattenformation entdeckt haben wie auf der
Choralpe; nur daß hie und da das Gefüge in breiteren Absätzen, als auf der
Choralpe, besteht. [HiG.01_40.10.29,05] Wenn ihr noch ferner den ziemlich
gleichmäßig steilen Abhang der Berge beobachtet habt, so muß euch auch darin
eine gewisse Übereinstimmung aufgefallen sein – häufig aber noch ganz
besonders die sich pyramidal darstellende Form der Hügel. [HiG.01_40.10.29,06] Und als ihr in ziemlich stürmischem
Wetter die Höhe erreicht hattet, um den höchsten Teil der Kleinalpe selbst zu
sehen, so wehte euch ein frischer, heiterer Wind an, trug euch einige leichte
Schneeflocken ins Gesicht, und bald darauf zeigte sich euch ganz unerwartet
die Sonne, nach deren Hervortreten alle Nebel um die Mitte der Berge
verscheucht wurden, so daß ihr für den vorbestimmten Bedarf alles Nötige ganz
wohl habt in Augenschein nehmen können. [HiG.01_40.10.29,07] Das ist nun das Materielle, was ihr
beobachtet habt. – Allein Ich hatte euch auch vorhinein von gewissen, euch
noch bis dorthin fremd gebliebenen Gefühlen vorhergesagt. Nun frage Ich euch,
habt ihr auch davon etwas wahrgenommen? – Ja, sage Ich, denn wenn Ich etwas
verspreche, dann halte Ich auch pünktlich Mein Wort. Und Ich sage euch, ihr
hättet noch viel mehr empfunden, wenn ihr in euren Gefühlen geblieben wäret. [HiG.01_40.10.29,08] Allein Ich muß euch hier auf einen bei
den Menschen allgemein vorkommenden Fehler aufmerksam machen, durch welchen
sich die Menschen um eine große Seligkeit diesseits bringen. Und dieser
Fehler besteht darin, daß, so die Menschen etwas Außerordentliches erwarten,
dann spannen sie ihre Erwartungen oft so hoch und weit über sich, daß auf
diese Art, durch die erwartende Tätigkeit, alles Herrliche und Erhabene, das
in ihnen vorgeht, unbeachtet gelassen wird, während ihre Blicke, Ohren und
sämtliche anderen Sinne weit und breit, ja wenn's möglich wäre, sogar die
Unendlichkeit überblicken und überfühlen. [HiG.01_40.10.29,09] Sehet, das ist auch so bei euch ein
kleiner Fehler gewesen. Ihr habt eure Blicke auf äußere Außerordentlichkeiten
gewendet und habt gewisserart erwartet, daß ein solches vorbenanntes Gefühl
gleich einem unsichtbaren Vogel in euch hätte hineinfliegen und dann in euch
gewisse zauberhafte Wirkungen hervorbringen sollen. [HiG.01_40.10.29,10] Darum merket euch für ein nächstes Mal
dieses kleine Gleichnis: [HiG.01_40.10.29,11] „Einst fuhr ein großer König in eine
fremde Stadt. Alles Volk ging ihm bis weit aus der Stadt entgegen, um da den
großen König und seinen herrlichen Einzug zu sehen. Der große König aber war
durchgehends kein Freund von so großartigem Majestätsgepränge. Er stieg noch
weit vor der Stadt aus seinem goldenen Wagen und mietete ein unansehnliches
Fuhrwerk, befahl seinem Hoftrosse, langsamer zu fahren, er aber fuhr eilends
auf diesem unansehnlichen Fuhrwerke, von allen ihm entgegenströmenden
Menschen unbemerkt, in die große, seinetwegen fast ganz menschenleere Stadt. [HiG.01_40.10.29,12] Als er daselbst anlangte, wollte er
eine Erfrischung haben. Er fuhr von einem Gasthause zum andern und fand eines
um das andere leer, bis er endlich in ein ganz kleines Wirtshäuschen eintrat,
woselbst ihm ein weinender Diener entgegenkam und ihn fast unwillig fragte,
was er möchte. [HiG.01_40.10.29,13] Der große König fragte ihn zuerst um
die Ursache seines traurigen Unwillens. Und der Diener antwortete, er sei
deshalb so traurig, weil er nicht auch habe hinausgehen können, um den großen
König zu sehen. – Allein der König antwortete ihm, wenn es sich nur darum
handle, so solle er nur sehr froh sein. Denn er werde sicher der erste von
der ganzen Stadt sein, der den großen König sehen werde. – Das wollte ihm der
ärmliche Diener durchaus nicht glauben. – Der große König aber sprach: „So du
der erste bist, der den König sehen wird, so soll dir eine große Belohnung
zuteil werden; und im Gegenteil aber würdest du für deinen Unglauben eine
ebenso bedeutende Strafe zu erleiden haben.“ [HiG.01_40.10.29,14] Und als sie so im Gespräche über das
Sehen oder Nichtsehen des Königs begriffen waren, fing das Volk wieder zur
Stadt hineinzuströmen an, und dem folgte dann endlich auch alsobald der
königliche Triumphzug, und zwar ohne König. [HiG.01_40.10.29,15] Nun fragte der ärmliche Diener: „Wo
ist denn der König, damit ich hinfliege und als erster ihn ansehe?“ – Der
König aber sprach: „Möchtest du erst den König suchen dort weit im Gedränge,
so würdest du deiner Strafe nicht entgehen; den sieh, da hätte ja alles Volk,
das weit hinausgeeilt ist, ihn schon lange eher gesehen denn du! Nun aber
siehe her, wie wir hier stehen auf der kleinen Flur des Hauses, so hat uns
noch nicht ein Mensch eines Blickes gewürdigt; denn sie haben ihre Augen auf
den Glanz des königlichen Gefolges gerichtet und spitzen auf den König! – Nun
siehe du Mich an!“ [HiG.01_40.10.29,16] Und der ärmliche Diener tat, wie ihm
der große König befahl. Aber da wußte der Diener nicht, was das bedeuten solle.
Und während er seinen Mann anzugaffen anfing, bemerkte er, daß der herrliche
Triumphzug sich vor der Flur dieses Häuschens aufstellte und den großen König
zu begrüßen anfing. Dann erst gewahrte der ärmliche Diener, daß dieser Mann
der große König selbst war, bereute aber auch zugleich die verlorene Zeit, in
welcher er den großen König mit seinen Sinnen außerhalb der Stadt erwartet
hatte, während dieser ganz bei ihm war und sich von ihm bedienen ließ.“ [HiG.01_40.10.29,17] Sehet, gerade so ist es auch mit euch
der Fall! – Während ihr den König außerhalb der Stadt in großartigem,
unerwartetem Gedränge erwartet habt, hat er euch einen kleinen Strich durch
eure etwas zu hoch angesetzte Rechnung gemacht und hat sich die Freiheit
genommen, während ihr das Rauschen des unsichtbaren Gefühlsvogels
sehnsuchtsvoll erwartet habt, sich ganz heimlich wie ein Dieb in euer Herz zu
schleichen und sich da auf eine kurze Zeit – euch unbewußt – mit eurem Geiste
zu besprechen. Jedoch aber ließ Ich in euch Meine Gegenwart durch eine
verklärende, leise Ahnung fühlbar werden. [HiG.01_40.10.29,18] Dadurch wäre nun der Hauptteil dieser
Aufgabe gelöst, da Ich euch gezeigt habe, daß Ich Mein Wort treulich gehalten
habe, obschon es euch nicht ganz gelungen ist, die in der Voraussage
bestimmten Bedingungen zu erfüllen – was freilich auch nicht gar so leicht
hat sein können, und zwar fürs erste, weil ihr Menschen seid und daher
unvollkommen, wie im einen so auch im andern, und fürs zweite, weil ihr noch
sehr schwach seid, und daher ohne Meine beständige Mitwirkung wenig oder gar
nichts tun könnt, und fürs dritte, weil ihr Meine Kinder seid. Daher muß Ich
Mich schon auch mit dem Willen als mit der Tat begnügen. Und sehet, daher ist
Mir auch sehr leicht dienen, da Ich auch für eine Stunde halber Arbeit den
ganzen Tageslohn gebe, den Kindern aber Kleid und Brot umsonst. [HiG.01_40.10.29,19] Da demnach der geistige Teil, was Mich
und euch belangt, beendet ist, so wollen wir noch einen ganz kurzen Blick auf
die Gegend werfen! [HiG.01_40.10.29,20] Was die Formation der umliegenden
Alpen betrifft, so ist dieses schon zur Genüge bei der Darstellung der
Choralpe gezeigt worden. – Wie aber ein solches Tal entstanden ist, da
braucht ihr nichts als ein Stück trockener Brotrinde zu nehmen und dieselbe
von unten herauf beliebig langsam brechen, so zwar, daß der Bruch nach oben
gekehrt ist. Und so ihr das getan habt, so ist damit auch erklärt, wie ein
solches Tal entstanden ist. Nämlich unterirdische, euch schon bekannte
Feuerkräfte erhoben die ziemlich dicke Steinkruste. Dieselbe brach in
mehreren Teilen entzwei, und längs dem Tale ging der Bruch ununterbrochen
fort. [HiG.01_40.10.29,21] Da nun aber zu gleicher Zeit ein
solcher Bruch nach oben vor sich ging, so gibt sich ja von selbst, daß nach
Innen, zu beiden Seiten des Mittelbruches, allezeit zwei Seitenbrüche
stattfinden mußten. Hie und da rutschten gewissermaßen die Seitenteile der
dadurch gebrochenen Platte tiefer hinein, hie und da aber stützten sie sich
gewölbartig, je nachdem der innere Bruch entweder mehr senkrecht oder schief
geschehen ist. [HiG.01_40.10.29,22] Daß mit der Zeit teils durch das
Abspülen des weicheren Steines, teils durch einen schlamm- und lavaartigen
Auswurf durch die Klüfte und Spalten, teils durch den Niederschlag von
verschiedenen mineralischen Quellen diese schroffen Steinbrüche ausgefüllt
worden sind und noch dazu von dem lange über denselben stehenden Gewässer
gewisserart abgesänftet und abgerundet, wie auch mit allerlei Erdarten
überzogen worden sind – das alles dürfte euch schon durch die vorhergehende
Mitteilung, wenn auch nicht ganz, so doch schon ziemlich klar geworden sein. [HiG.01_40.10.29,23] Aber daß die Bildung dieser
Gebirgsgegend um beinahe tausend Jahre älter ist als die der Choralpe und
noch anderer bedeutender Berge im untern Teil eures Landes, sehet, dieses
dürfte euch wohl nicht bekannt sein. [HiG.01_40.10.29,24] Aber, werdet ihr fragen, wie sollen
wir das erkennen? – Die Antwort ist leicht und klar! Denn je dichter
irgendeine Steinlagerung eines Berges ist und je mehr sie gebrochen und
wieder mit Kalk zusammengefügt erscheint, desto älter ist auch eine solche
Formation, da sie Spuren und deutlich leserliche Kennzeichen urzeitlicher,
großer Zerstörungs-Szenen in sich birgt – wogegen die Formation solcher Berge
wie die Choralpe und noch mehrere andere ihresgleichen feiner und sandiger in
ihrem Getäfel ist. Und da dieselbe fast an gar keiner Stelle bedeutende, mit
Kalk wiederverbundene Stellen aufzuweisen hat, sondern jeder Bruch ein neuer
Bruch zu sein scheint und auch wirklich ist, so ist auch die Formation viel
jünger und kann nicht eine urzeitliche, sondern nur eine vorzeitliche genannt
werden. [HiG.01_40.10.29,25] Das Gestein eures Schloßberges ist
älter als das der Choralpe und auch das der Kleinalpe, und so auch noch das
Gestein anderer kleiner Hügel, die sich in euerer Nähe befinden, obschon die
Bildung dieser Hügel viel jünger ist als die der sämtlichen Alpen. Aber was
die Bildung dieser kleinen Hügel oft vor der der Alpen voraus hat, ist
dieses, daß deren Gestein um vieles tiefer aus dem Innern der Erde gewaltsam
heraufgehoben wurde als das Gestein der Alpen. [HiG.01_40.10.29,26] Das wäre nun die naturmäßige Bildung
dieser Gebirge, wovon noch einige wenige pyramidenartige Hügel den nämlichen
Ursprung haben, welcher klar und deutlich euch von Mir schon zu „Straßnengel“
bekanntgegeben wurde. Und solcher Berge gibt es allenthalben sehr viele.
Besonders wo ihr bei solchen kleinen Hügeln Steinkohlen antreffen werdet, da
könnet ihr beinahe allezeit versichert sein, daß ein solcher Berg meistens
eine solche Entstehung zum Grunde hat, besonders wo sich die sogenannte
Braunkohle vorfindet. Denn das beurkundet das hie und da noch unversehrte
Holz, wo nur an der Rinde desselben wirkliche Verkohlungen ersichtlich sind, was
von den die Wälder ergriffen habenden Feuerhosen herrührt. Jedoch was die
Schwarzkohle betrifft, so rührt diese teils noch von der Noahischen Sündflut
her, teils durch später erfolgte vulkanische Eruptionen, teils aber auch
durch Bergabstürze und große Erdlawinen, welche in früherer Zeit umso
häufiger stattfanden, je höher noch die Fluten an die Berge hinaufreichten
und sie ihrer Vegetation beraubten. [HiG.01_40.10.29,27] Warum dieses alles geschehen ist, ist
euch zum Teil schon bekanntgegeben worden und wird bei der völligen
Enthüllung der Erde und besonders ihres Mittelpunktes noch ganz klärlich
auseinandergesetzt werden. [HiG.01_40.10.29,28] Jedoch was diese euch begleitenden
Nebel betrifft, so habe Ich euch dadurch nur etwas großartiger zeigen wollen
– und habe es gewisserart mit großer Fraktur-Schrift über die Berge
hingeschrieben – wie es mit euch steht. [HiG.01_40.10.29,29] Die Füße der Berge waren, was ihr doch
gewiß werdet bemerkt haben, durchgehends rein, ebenso auch die meisten
überschneiten Scheitel derselben. Allein um eure Füße und eure Köpfe war es
Mir auch nicht zu tun, daher ließ Ich die Nebel gerade an der Stelle
hervortreten, in welcher Gegend es bei euch auch noch so ziemlich nebelicht
aussieht, und diese Gegend ist die Brust. [HiG.01_40.10.29,30] Und wie ihr weiter und weiter euch
bewegt habt nach Meinem Willen (denn sonst wäret ihr nicht in diese Gegend
gegangen), werdet ihr auch bemerkt haben, daß sich die Nebel nach und nach
immer mehr und mehr verminderten und die Brüste der Berge frei wurden und
vielseitig eine recht reichliche Vegetation zeigten. Und als ihr euch weiter
und weiter bewegt habt, da habt ihr sogar eine ganz grüne Brust eines Berges
gesehen, was euch hat zeigen müssen, daß, je weiter Mein Wille verfolgt wird,
desto lebendiger auch die Hoffnung wird. [HiG.01_40.10.29,31] Und als ihr nun vollends zur
bestimmten Höhe gelangt seid unter Sturm und Schneegestöber und beinahe alle
Hoffnung aufgegeben habt, etwas zu sehen und nach Meinem Willen zu erfahren, sehet,
da ließ Ich, eurer Beharrlichkeit zuliebe, Meine Sonne mitten durch den
Wolkenschleier durchbrechen und euch sobald die Gegend erleuchten und klären.
Damit wollte Ich euch zeigen und sagen, daß Ich gerade dann komme, wenn ihr
es am wenigsten für möglich gedenket. [HiG.01_40.10.29,32] Das die Sonne nicht ganz rein sich
euch zu sehen gab, und das nur unter noch immerwährendem leichten
Schneegestöber – dadurch wollte Ich euch sagen, wie es noch mit eurer Liebe
aussieht. Wenn diese wärmer und wärmer wird, dann wird auch gewiß sich die
Sonne des Geistes klären, in deren Strahlen ihr sehr leicht eure Schatten
erkennen werdet. – Was aber der Schatten bedeutet, das sage Ich euch nicht,
denn das müßt ihr schon ohnedies wissen. [HiG.01_40.10.29,33] Schießlich werdet ihr noch bemerkt
haben, als ihr zu sehr nebeliger Nachtzeit nach Hause gefahren seid, daß es
einige Male geblitzt hat. Und das Dunkel der Nacht war so gut erleuchtet, daß
ihr euch darüber verwundert habt, und hattet auch Recht, euch darüber zu wundern.
Denn dadurch habe Ich euch absichtlich sagen wollen, wie es eigentlich in
eurer Brust aussieht, worüber ihr auch sehr froh und voll Heiterkeit sein
könnet – daß nämlich die Nacht eures Lebens schon so helle wie die Nacht
eurer Zurückfahrt geworden ist, da es auch hinter den Bergen eurer
Erkenntnisse durch die Nebel ein wenig zu blitzen angefangen hat. [HiG.01_40.10.29,34] Daher überdenket wohl diese Reise!
Denn darum habe Ich sie euch verordnet, um euch in der großen Natur ein
getreues Bild eurer selbst zu entwerfen. [HiG.01_40.10.29,35] Sehet, das sind die versprochenen
„Diäten“, die mehr wert sind als eine Sonne voll Goldes. Denn viele sind,
welche die Natur mit ihren Augen angaffen, aber wenige, die sich selbst in
derselben finden. [HiG.01_40.10.29,36] Amen. Das sage Ich, der große
Diätengeber! – Amen. Über den Knecht Lorber und einen
neuen Jünger. Lob der Sanftmut. – 30. Oktober 1840
[HiG.01_40.10.30,01] Für den künftigen Sonntag habe Ich mit
euch vor, daß ihr sämtlich schon um acht Uhr morgens zusammenkommen sollet,
bei welcher Gelegenheit Ich euch als nachfolgende „Reisediäten“ alles auf
dieser Reise Beobachtete umständlich erläutern werde, so zwar, daß die
gestrige Mitteilung auch bloß nur als ein purer Index zu betrachten ist. [HiG.01_40.10.30,02] Jedoch wohlgemerkt, eine so einfache
Sprache, wie Ich sie im Index geführt habe, werde Ich da nicht führen, weil
gestern einer oder der andere bei sich denken konnte, so etwas zu sagen wäre
vielleicht auch Meinem Knechte möglich, der doch nur ein purer armer Hascher
ist, da er nichts weiß, als was er von Mir erhascht. [HiG.01_40.10.30,03] Das weiß er freilich, und er redet
auch nichts aus sich und kann es auch nicht, da er viel weniger als jeder von
euch in irgend etwas eine Wissenschaft hat. Eben darum ist er Mir auch ein
ziemlich taugliches Werkzeug, da in seinem Kopfe fast nichts darinnen ist,
aber zeitweise desto mehr in seinem Herzen, welches Ich nur allein brauchen
kann, da im selben kein Gedächtnis ist, wohl aber eine Erinnerung der Liebe
in und zu Mir und in dieser Erinnerung die Anschauung dessen, was Ich will
und sage. – Dieser Zustand des Menschen ist der rechte. – Der Zustand der
„verständigen Köpfe“ aber ist ein ganz verkehrter und ist oft nichts als die
allereitelste Träumerei eines kranken, unnatürlich gebrauchten Gehirns. [HiG.01_40.10.30,04] Also nicht so einfach werde Ich das
Wort führen. Und euer Verstand wird gewürget werden, aber desto mehr wird
sich euer Herz freuen. [HiG.01_40.10.30,05] Wenn aber diese Mitteilung zu Ende
sein wird, dann möge K. G. L unter vier Augen an dem neuen Manne einen
Versuch machen, ohne jedoch mehr zu sagen, als daß jemand vermöge inneren
Schauens und wörtlichen Vernehmens ohne alle Vorbereitung und andere
wissenschaftliche Bildung auf Verlangen alsogleich über jeden Gegenstand
schriftlich oder auch mündlich wahre Mitteilungen zu machen imstande ist. [HiG.01_40.10.30,06] Dieser Mann ist derjenige, an den ihr
alle schon gedacht habt, und welcher, wenn er klug ergriffen wird, ein sehr
brauchbarer Arbeiter in Meinem Weinberge werden kann. Doch sollte seinem
freien Willen nicht der allerleiseste Zwang angetan werden, sondern er soll
stückchenweise vom Brote des Lebens kosten, und es wird ihn bald darnach gar
sehr zu hungern anfangen. [HiG.01_40.10.30,07] Auch soll er nicht alsobald
Bekanntschaft machen mit Meinem Knechte, sondern erst dann, wenn sein Hunger
größer und größer geworden ist. Und stellt sich bei ihm auch der Durst nach
dem lebendigen Wasser ein, alsdann erst sollen ihm die (Schrift-)Bogen Meiner
„Großen Haushaltung“ eröffnet werden und so auch die Nebenworte. So wird er
schon ein rechter Mann werden und wird Mich wiederfinden, wo er Mich am
wenigsten zu finden glaubte. [HiG.01_40.10.30,08] Wenn er aber sagen wird, es seien wohl
manche Dinge in diesen Meinen Mitteilungen sehr merkwürdig, aber es herrsche
da keine Ordnung und kein System zugrunde, da soll ihm bemerkt werden, daß
Meine Ordnung und Mein System ein ganz anderes ist als das der Menschen, die
da zählen eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn;
bedenken aber nicht dabei, daß jede dieser Zahlen nur eine Grenzmarke einer
Unendlichkeit ist. Was aber zwischen eins und zwei und drei und so fort
liegt, das bedenken sie nicht! Ich aber habe und kenne die rechte Ordnung und
sage daher nicht eins, zwei und so fort; sondern bevor die unendliche Kluft
zwischen eins und zwei nicht ausgefüllt ist, kann nicht zu drei
fortgeschritten werden. [HiG.01_40.10.30,09] Wem wohl ist der Anfang, die Mitte und
das Ende aller Dinge bekannt? Ich aber bin das Alpha und das Omega und bin
der ewige Mittelpunkt aller Dinge Selbst. Daher ist Meine Ordnung auch die
rechte, da Ich die ewige Ordnung Selbst bin. Und so der neue Mann Mich
wiederfinden wird, so wird ihm auch Meine Ordnung und Mein System
einleuchtend werden. [HiG.01_40.10.30,10] So jemand aber das nicht einsehen
könnte, der soll nur die Erde und ihre Vegetation betrachten! Da wird ihm
gewiß alles wie „Kraut und Rüben“ untereinander wachsend vorkommen. Und so er
seinen Blick erheben wird gen Himmel, wird er da die Gestirne nicht
erblicken, als wenn sie nur zufällig von jemandem gewisserart mit einem
phosphorisierten Pinsel wären leichtsinnig hingespritzt worden? – Und Ich
sage: Es ist doch überall die größte Ordnung! – Es wachsen giftige und
heilsame Kräuter auf einem Fleck, wie auch Disteln unter dem Weizen – und
doch ist überall die größte Ordnung! [HiG.01_40.10.30,11] So wirft auch der Maurer seinen
sandigen Mörtel zwischen die Steine, die er gelegt hat, und kümmert sich
wenig um die Lage jedes einzelnen Körnchens Sand. Doch sage Ich, es liegt in
der Lage der Sandkörner im Mörtel mehr Ordnung als im ganzen Gebäude. Die
Gelehrten freilich werden sagen, daß eine solche Behauptung an Unsinn grenze,
wo nicht der Unsinn selbst sei. [HiG.01_40.10.30,12] Sehet, so jener Mann das so ein wenig
nur beachtet, wird es sich mit ihm auch dann schon nach und nach geben. Aber
es gehört Klugheit und recht viel Liebe und Sanftmut dazu. – Höret! –
besonders recht viel Sanftmut! [HiG.01_40.10.30,13] In der Sanftmut müßt ihr euch
verstehen, / durch die Sanftmut rauscht ein heilig Wehen. / Nur der Sanftmut
Kraft wird es gelingen, / Schwaches zur Vollkommenheit zu bringen; / denn die
Sanftmut richtet kein Vergehen. / Alles kann somit durch sie bestehen. / Wo
sie wird im Bau gelegt zum Grund, / wird sie schließen einen festen Bund. Verständnis und
Duldsamkeit. [HiG.01] Es steckt in jeder Pflanze ein neuer Same, und auf
tausend Baumarten reifen auch ebensoviel verschiedene Fruchtarten. Kennst du
wohl den Nutzen aller? – Sicher nicht! – O sieh, es artet so sich auch des
Geistes Leben in den Menschen, die da eines guten Willens sind. – Die Arten
und Gattungen, wenn sie auch verschieden sind, machen (vor Mir) keinen
Unterschied. Es fragt sich nur, wie weit da alle nützlich sind. – Daher sollt
ihr niemand verdammen, sondern kennenlernen Meine verschiedenen Wege! Entsprechungslehre. Die äußere
Welt als Geistesschule. – 1. November 1840
[HiG.01_40.11.01] Schreibende: K. G. L. – Andr. und Ans. H. [HiG.01_40.11.01,01] Bevor wir zur sonderlichen
Durchleuchtung alles des in der vorigen Mitteilung Erwähnten schreiten
wollen, ist es notwendig, euch auf einen Irrtum aufmerksam zu machen, der so
viele Menschen gefangen hält und sie oft gar gewaltig um einen guten Teil
ihrer irdischen wie auch ihrer einstigen Seligkeit bringt. [HiG.01_40.11.01,02] Dieser Irrtum aber besteht darin, daß
die Menschen, wenn ihnen sehr vieles gegeben wurde, häufig der Meinung sind,
alles zu haben; einige aber wieder sind der Meinung, daß sie noch immer
nichts erhalten haben, und daher einem durchlöcherten Fasse gleichen, in
welches man vergebens schöpft. [HiG.01_40.11.01,03] Denn so jemand glauben würde, alles zu
haben, wenn Ich ihm Unendliches gegeben habe – wie könnte Ich ihm dann noch
mehr geben? Sehet, nach menschlichen Begriffen würde das freilich etwas
sonderbar klingen, und füglich hätte jemand scheinrechtlich Grund, zu sagen:
Wenn mir die Unendlichkeit treu geworden ist, was sollte ich noch empfangen,
das mehr wäre denn diese? – Das ist allerdings dem äußeren Schein nach
richtig, aber nicht so auch der inneren Wahrheit aus Mir gemäß, da Ich nicht
nur der Herr einer Unendlichkeit bin, sondern einer Unendlichkeit von
Unendlichkeiten – welches so viel sagen will als, daß alles und jedes
einzelne, da es aus Mir ist, Unendliches in sich birgt, indem Ich, als der
ewige Urgrund aller Dinge, in allem und jedem unendlich bin. [HiG.01_40.11.01,04] Wenn irgendein Mensch ein noch so
großes Werk zuwege gebracht hätte, so wäre dasselbe demungeachtet endlich,
weil sein Urheber ein endlicher ist. So aber Ich das kleinste Werk ins Dasein
rufe, und ist dieses auch seinem äußeren Umfange nach endlich und eng
begrenzt von allen Seiten, so ist es aber demungeachtet unendlich seinem
inneren Wesen nach, da es schon Unendliches seiner Art in sich birgt. Seht,
aus diesem Grunde irren denn auch die Menschen, wenn sie sehr vieles, das
heißt von Mir aus Unendliches, empfangen haben und dann glauben, auch schon
alles zu haben – da auf diese Art Unendliches gewiß noch immer nicht alles
ist. [HiG.01_40.11.01,05] Im Gegenteil aber spricht sich ein
offenbarer Undank bei jenen aus, die, wenn sie schon sehr vieles, das heißt
von Mir aus Unendliches, empfangen haben, noch immer meinen, nichts zu haben.
Diese Menschen haben noch nicht die leiseste Ahnung von dem inneren Werte der
Dinge. Sie zählen dieselben nur nach ihrem äußeren Volumen und kümmern sich
wenig oder gar nichts um das wertvolle innere Wesen der Dinge, bedenken aber
dabei nicht, daß die Schale der Nuß nicht genießbar ist, sondern nur die
innere ölige Frucht. – Solche Menschen geizen und scharren alles mögliche
zusammen, und bei aller ihrer Vielhabenheit hungern sie gleich jenem sehr
verkümmerten Geizhalse, der bei vollen Fässern Goldes an einer dürren
Brotkrume nagt und selbst bei diesem Nagen noch denkt, ob es um diese
Brotkrume nicht schade ist, daß er sie verzehrt; denn es hätte ja vielleicht
noch irgendeinen Menschen geben können, der ihm in seinem Heißhunger für ein
solches Brotstück recht gerne einen Pfennig geboten hätte. [HiG.01_40.11.01,06] Nun, da wir hier zwei Extreme
kennengelernt haben, so fragt sich: Wie sieht denn die gerechte Mitte aus,
oder wie soll sie aussehen, damit sie gerecht sei vor Mir? [HiG.01_40.11.01,07] Da sage Ich euch, die gerechte Mitte
soll eine wahrhaft kindliche sein, die da nicht rechtet nach dem Maße der
Gabe, sondern nach dem Bedürfnisse derselben und allezeit dankbar annimmt,
wie und was immer der Vater gibt. Ein rechtes Kind ist heiter, dankbar und
zufrieden mit jeder Gabe, die es empfängt aus den Händen des guten Vaters und
hat kein Bedürfnis über das Empfangene hinaus, da es weiß, daß der Vater ihm
allezeit geben wird, so viel es nur immer bedarf. Denn es weiß, daß der Vater
sehr reich und daher das Kind auch allezeit sehr wohl zu versorgen imstande ist.
Auch wird dieses Kind nicht unzufrieden sein mit der Gabe. Denn es ist noch
allezeit hinreichend gesättigt worden. Und weil der Vater aber auch zugleich
ein sehr weiser Vater ist, so gibt er dem Kinde auch nur das und so viel, als
demselben allezeit frommt. [HiG.01_40.11.01,08] Sehet, so sieht also die „gerechte
Mitte“ aus. Und in dieser gerechten Mitte sollet auch ihr euch befinden und
sollet nicht denken, ihr habet alles empfangen. Noch sollet ihr denken, daß
ihr zu wenig oder gar nichts empfangen habt, das heißt im Vergleiche dessen,
was ihr von Mir noch empfangen könnet und werdet, so ihr dankbar in der
gerechten Mitte verbleibet. Sondern ihr sollet gleich sein dem erwähnten
Kinde, das allezeit zufrieden und glücklich ist, da es seinen Vater wohl kennt.
So ihr Mich als den allerbesten Vater wohl erkennet in euren Herzen, seid ihr
alle wahre Kinder eines und desselben heiligen und allerbesten Vaters, der
Ich soeben hier unter euch gegenwärtig bin und durch den schwachen Mund des
Knechtes euch dieses in die Feder gebe. [HiG.01_40.11.01,09] Nun nach dieser notwendigen
Vorbetrachtung soll denn noch eine andere folgen, die ebenso nötig und
wichtig ist, wie die nachträgliche Erörterung, die nach dieser Betrachtung
folgen soll. [HiG.01_40.11.01,10] Ich sagte in der Vorauskündung, ihr
sollet da wieder um eine Stufe höher gehoben werden. Und diese Stufe soll
denn soeben in dieser zweiten Betrachtung euch vollends gegeben werden. [HiG.01_40.11.01,11] Sehet, es legen sich abends Millionen
Menschen auf ihr Schlaflager ihrer Glieder nieder, und wieder stehen am
nächsten Morgen Millionen Menschen mit ausgeruhten Gliedern auf, einige zur
gewöhnlichen Tagesarbeit, andere zum gewöhnlichen Tagesmüßiggange. Und so
stehen tausend Menschen auf, und von diesen tausend hat ein jeder etwas
anderes vor. Aber von allen diesen aufgestandenen Menschen ist nicht einer,
der da aufgestanden wäre, wie er hätte aufstehen sollen. Denn ein jeder ließ
die Erscheinung des Morgens wie auch des folgenden Tages ganz unbeachtet –
außer es hätte ihn nur irgendein gewaltiges Ungewitter geschäftsstörend
verdrießlich gestimmt, oder es hätte ein naher, baumzerschmetternder Blitz
durch seinen nachrollenden gewaltigen Donner ihm ein wenig ins Ohr geraunt:
„Höre einmal, du schwacher, geschäftiger Mensch! Wäre ich, der leuchtende
Blitz, nur um dreißig Ellen deiner Schwachheit näher gekommen, so wäre wohl
alle deine Weltrechnung mit einem Striche geschlossen worden.“ [HiG.01_40.11.01,12] Allein da ist der Mensch wie ein
Sperling, auf schaukelndem Weidenaste sich wiegend: wenn der Schuß fehlt, so
fliegt er erschreckt zwitschernd davon, als wollte er mit diesem
Angstgezwitscher sagen: „Das war doch eine Todesgefahr! Ich will diese Gegend
meiden! Und nimmer soll der Jäger mit seinem Feuerrohr den fernen Ast finden,
auf welchem ich mich nun sehr wohl verbergen will.“ – Allein nicht lange, so
sitzt der nämliche Sperling wieder auf dem Aste, an welchem er die gewaltige
Stimme des Todes vernommen hat. [HiG.01_40.11.01,13] So sind denn auch die Menschen! Eine
Gefahr bleibt nur so lange ihre Lehrerin, solange sie als solche gedauert
hat. Ist sie vorüber, ist alles vorüber! Der Mensch kehrt wieder in sein
Alltagsleben zurück und bleibt derselbe blinde Mensch, wie er zuvor und
ehedem war und gleicht einem Tauben und Blinden im Schauspielhause, der da
hineingeht, ohne etwas zu sehen, noch etwas zu hören. [HiG.01_40.11.01,14] Denn auch die Welt ist ein großes
Schauspielhaus, in welchem zahllose Szenen in jeder Sekunde aufgeführt
werden, von denen jede von unendlichem Werte ist. Wer da nicht taub und blind
ist, der wird gewiß eine eitle Lust daran finden. Wer da aber taub und blind
ist, der gleicht einem Polypen, der sich festgesetzt hat in einem finstern
Sumpfe des Meeres und kein anderes Bedürfnis empfindet, als mit tausend
Mäulern zu fressen. [HiG.01_40.11.01,15] So ihr aber aufwachet am Morgen, so
sehet mit aufmerksamen Herzen die Dinge um euch her, habet acht auf eure
Gefühle, die allezeit modifiziert erscheinen, auch schon, wenn nur ein
Wölkchen am Himmel die frühere Form verändert, ja die wieder anders werden,
so ihr in irgendeine andere Weltgegend eure Blicke richtet. Anders fühlet ihr
am Morgen, anders am Abende. [HiG.01_40.11.01,16] Wenn ein freundliches Lüftchen wehet,
werden da nicht eure Gefühle heiter und lieblich bewegt? – Wenn da wehet ein
warmer Südwind, der herrliche Wolkenmassen durch den blauen Himmel treibt und
ihr sehet die Vögel der Luft sich wetteifernd emsig herumtummeln in den
heftigen Wogen der Südluft – werden da nicht eure Gefühle selbst geweckt und heldenmäßig
gestimmt, daß ihr oft eure Arme gleich Flügeln ausbreitet, um euch Vögeln
gleich zu erheben in die wogende warme Luft und mutig zu kämpfen daselbst
gleich den Vögeln mit dem Flügelpaare gegen solches ziemlich gewaltsame
Strömen der Südluft. Wenn aber ein feuchter Ost- oder ein gewaltiger Nordwind
zu wehen anfängt, so werdet ihr ganz kümmerlich in euren Gefühlen und ziehet
euch bescheiden zurück vor diesen unfreundlichen, sehr gewaltsamen Winden.
Wenn sich der hohe West erhebt, dann schauet ihr empor, und eure Augen weiden
sich an den lämmerartigen Gebilden der Wölkchen und eure Gefühle werden
weiter und weiter unter den weiten Hallen des blau und weiß durchwirkten
Himmels. Und werden nicht wiederum eure Gefühle ganz anders, so euch am
heitern Morgen aus den roten Wölkchen des Aufganges ein frisches
Morgenlüftchen entgegenweht? [HiG.01_40.11.01,17] Und so möget ihr bei irgendeiner
Erscheinung zugegen sein, ja wo immer hinreisen, und selbst in was immer für
einer Handlung begriffen sein, so habet acht auf jegliche auch noch so
kleinfügige Erscheinung, und ihr werdet gewiß allezeit sicher gewahr werden,
wie sehr sich die Gefühle allezeit modifizieren, ja oft so stark, daß, so ihr
euer eigenes Gemach wieder betretet, euch dasselbe vorkommt, als wenn ihr es
zum ersten Male betreten hättet, oder es kommt euch doch im selben alles ein
wenig fremdartig vor. [HiG.01_40.11.01,18] Wer dieses von euch noch nie sollte
empfunden haben, weil er noch nie aufmerksam darauf gemacht wurde, der mache
sich nur einmal die Mühe und gehe oder fahre von hier aus nur zwei Stunden
weit gegen Süden, z.B. nach dem sogenannten „Feldkirchen“ oder „Straßgang“
oder „Fernitz“, und kehre dann wieder zurück und notiere sich die Gefühle,
die ihm dabei vorgekommen sind sich seiner bemeisternd, als er sein Gemach
wieder betrat. Am nächsten Tage aber mache er die entgegengesetzte Reise,
kehre zurück und tue in seinem Gemache dasselbe, und er wird gewiß einen
recht gewaltigen Unterschied in seinen Gefühlen bemerken. [HiG.01_40.11.01,19] Nun aber fragt sich, worin denn der
Grund solcher Erscheinungen liegt? Die Beantwortung dieser Frage ist der
eigentliche Hebel auf eine höhere Stufe. – Sehet, so wie ihr bei irgendeinem
Unterrichte, je nachdem derselbe geartet war (da sein Stoff entweder ein geschichtlicher,
ein technischer, ein geologischer, ein mathematischer, ein religiöser war) –
allezeit gewiß anders denken und empfinden werdet, so ist dieses um so mehr
der Fall, wenn ihr in Meiner großen Unterrichtsphäre wandelt, denn da rede
Ich durch alle die vorbenannten und noch tausend andere Erscheinungen
beständig zu eurem Geiste. [HiG.01_40.11.01,20] Allein, wie ihr schon wisset, ist den
Tauben und Blinden hart predigen; denn diese empfinden höchstens den Geruch
der Speise, wie aber die Speise aussieht, das sehen sie nicht. Und wenn man
ihnen sagt, woraus und wie sie verfertigt ist, so hören sie das nicht, weil
sie taub sind. – Sehet, so sind auch alle diese Erscheinungen zahllose, wohl
zubereitete Speisen für den Geist! Aber in diesen vorbenannten Gefühls-Modifikationen
empfindet ihr nur den Geruch dieser Speisen, aber sehen könnet ihr sie nicht,
da ihr ebenfalls noch blind seid. Und wie sie zubereitet sind, das könntet
ihr ebenfalls nicht vernehmen, der noch obwaltenden großen Taubheit wegen. [HiG.01_40.11.01,21] Das aber ist die höhere Stufe, daß Ich
euch in dieser Vorbetrachtung eine kleine Augensalbe gebe, vermöge welcher
ihr ein wenig sehend werden sollet, und zwar in eurem Herzen, um hernach aus
diesen Erscheinungen verständig in der Mitte eures Herzens zu denken, daß
dergleichen Dinge nicht geschehen ihrer selbst willen, sondern so, wie ein
Professor nicht seiner selbst willen auf den Katheder tritt, sondern seiner
Schüler wegen. [HiG.01_40.11.01,22] Denn es ist jede dieser Erscheinungen
nichts als ein heller Spiegel, welcher so künstlich eingerichtet ist, daß ein
jeder Mensch, der nur einigermaßen geweckt ist und nicht gar zu lange in den
„Tag“ hineinschläft, sein inneres Wesen von Sekunde zu Sekunde modifiziert in
selbem erschauen kann, wie auch das Gesamtbild aller Menschen und eines jeden
einzelnen in Beziehung auf die Gesamtheit. Ja, er kann erschauen im selben
das ganze Verhältnis der Hölle, der erlösten und unerlösten Geisterwelt, wie
auch im innersten Grunde dieses Spiegels den Himmel und alles das, was des
Himmels ist. Und er kann im selben alles dieses erblicken in unendlichen
Potenzen, weil Ich, als der Zulasser und Darsteller alles dessen, wie schon
gesagt, Selbst unendlich bin. [HiG.01_40.11.01,23] Wenn ihr daher in der Zukunft wie und
wann immer ausgehet, so haltet ja keine Erscheinung für so geringfügig, daß
sie nicht eures Beachtens würdig wäre. Und glaubet, daß Ich nicht zu viel
sage, wenn Ich euch selbst auf die kleinsten Wendungen eines Sonnenstäubchens
aufmerksam mache und auch auf das emsige Getrippel irgendeines winzigen
Insektes. Denn ist auch dieses ohne Bedeutung dann, wenn es von niemand
beachtet oder beobachtet wird (weil das Insekt dann nur auf eine Mich allein
angehende Art tätig ist) – jedoch nicht so ist es, so eure Augen irgendeinen
Gegenstand treffen. Denn alsdann wird sogleich ein Sonnenstäubchen, wie eine
Milbe und ein irgedeinem Schornsteine entsteigender Qualm von Mir für den
Beschauer zu einem Apostel geweiht und tritt in dem Augenblick als wohl
unterrichteter Lehrer in Meinem Namen vor eure Augen. [HiG.01_40.11.01,24] Sehet, das ist die „höhere Stufe“, die
Ich euch versprochen habe! Daher sagte Ich euch schon in der vorigen
Mitteilung vorbauend: Es gibt gar viele, welche die Erscheinungen der Natur
angaffen werden, gerade (wie ihr zu sagen pflegt) so wie eine Kuh ein neues
Tor. Aber ganz außerordentlich wenige gibt es, die sich selbst in den
Erscheinungen der Natur finden. [HiG.01_40.11.01,25] In der Nacht vorher, als ihr nach
Meinem vorbekannten Willen euch verfügt habt an den bestimmten Punkt der
Kleinalpe, da hat es, wie ihr wißt, recht gewaltig geregnet sowie in den
Gebirgen ebenfalls recht tüchtig geschneit. Dieses war für euch eine ganz
natürliche Erscheinung. Und da war keiner unter euch, dem es beigefallen wäre,
daß solches euretwegen geschehen sei, ja nicht nur euretwegen allein, sondern
der gesamten Menschheit wegen; ja nicht nur der gesamten Menschheit wegen
allein, sondern der gesamten Schöpfung wegen, ja nicht nur der gesamten
Schöpfung wegen allein, sondern der gesamten Hölle wegen; und nicht nur der
gesamten Hölle wegen, sondern der gesamten erlösten und unerlösten
Geisterwelt wegen; und wieder nicht dieser wegen allein, sondern auch des
gesamten Himmels wegen; aber auch nicht deswegen allein, sondern auch
Meinetwegen und euretwegen. [HiG.01_40.11.01,26] Da werdet ihr und noch mehr viele
andere, denen dieser „Segen“ in die Hände kommen wird, sagen: „Das verstehe,
wer es verstehen mag und will, allein wir verstehen es nicht! Denn wie eines
für eines allein und doch wieder nicht für eines allein, und wie eines eins
und doch nicht eins ist, das reime sich zusammen, wer es kann und will. Denn
wer da einen Apfel hat, der kann doch nicht mehr als einen Apfel haben!“ [HiG.01_40.11.01,27] Das ist wahr, sage Ich, aber es ist
auch wieder wahr, daß derjenige, der blind ist, nichts sieht und der Taube
nichts hört und daher auch nicht begreifen kann, wie eines zugleich auch
vieles sein kann, und so auch umgekehrt, und wie ein Bild einem Menschen ganz
vollkommen ähnlich sein kann und zugleich aber auch allen Menschen zum
Ebenbilde dienen kann. Und noch weniger kann er einsehen, daß das, was nicht
ist, noch zu sein scheint, doch alles ist und sein kann und daß im Gegenteile
alles, was ist und alles zu sein scheint, im Grunde doch nichts ist oder doch
wenigstens zu nichts wird. [HiG.01_40.11.01,28] So wäre demnach hier eine kleine
Verstandesschraube verfertigt, an welcher der Verstand hinreichend Stoff
findet, sich gar gewaltig zu würgen. – Aber das Herz wird sich des freuen, da
es daraus ersehen wird, daß die äußere Materie, die doch alles zu sein
scheint, im Grunde aber doch nichts ist, das Geistige aber in der Materie,
welches dem Blinden und Tauben nichts zu sein scheint, am Ende doch alles
ist! – Ja, das Herz wird sich freuen, wenn es daraus ersehen wird, daß am
Ende doch nur – Ich alles in allem bin! [HiG.01_40.11.01,29] So war auch dieser Regen schon eine
gar wichtige Erscheinung, es versteht sich von selbst nur für den inneren
Menschen – da durch ihn angezeigt wurde, und zwar ganz für euch allein, ein
ebenso gewaltiger Gnadenregen von Meinem geistigen Himmel in das Herz eures
Geistes. Aber nicht nur für euch allein, sondern für alle soll dereinst
dieser Regen gelten, ja nicht nur für alle, wie schon gesagt, auch zur Erhaltung
der Erde, wie auch dadurch zur Erhaltung der ganzen Schöpfung, kam dieser
Regen, da ihr schon wißt, was selbst von dem ersten Tropfen abhängt, wann und
wohin er fällt, daß die Erde und alle Schöpfung erhalten werde. [HiG.01_40.11.01,30] Aber wieder, wie schon gesagt, nicht
allein für diese Erde und die Erhaltung der ganzen Schöpfung kam dieser
Regen, sondern aus euch wohlbekannten Gründen auch in geistiger Hinsicht für
die Zurechtweisung der ganzen aufrührerischen Hölle; denn es geschieht nichts
in der geistigen Welt, was sich nicht entsprechend zugleich auch naturmäßig
darstellen möchte. Und so geschieht ebenfalls auch in der gesamten Natur
nichts ohne zureichenden entsprechenden geistigen Grund. Und daher, so ihr
solches sehet, so könnet ihr in der Zukunft auch schon wissen, wie und warum
solches geschehen ist. [HiG.01_40.11.01,31] Aber wieder nicht nur für die gesamte
Hölle, sondern für die gesamte erlöste und unerlöste Geisterwelt; für die
erlöste als eine geistige Gnadenspende zum Wachstum in Meiner Liebe, und für
die unerlöste als ein Erlösungsmittel aus der dadurch erweichten Materie;
denn da ist jeder Tropfen ein goldener Schlüssel zur Eröffnung eines viele
Millionen Jahre lang andauernden Kerkers; aber wieder nicht nur für diese
allein, sondern auch für den gesamten Himmel, damit er sich entledige und
erleichtere von seiner Gnadenüberfülle; aber nicht nur allein für den
gesamten Himmel, sondern für Mich, damit Meine Liebe wieder größeren Raum
finden möchte, in stets gewaltigeren Strömen und Strömen Meinem Vaterherzen
zu entquellen; und doch wieder nicht für Mich allein, sondern für euch, damit
ihr wieder desto mehr und mehr gewahren sollet, wie überaus gut euer heiliger
Vater ist. [HiG.01_40.11.01,32] Und so wie dieser Regen, war auch jede
nachfolgende Erscheinung nicht minder von großer Bedeutung. Denn jede war so
wohl berechnet, daß nicht ein Nebelsteifchen umsonst über den Abhang
irgendeines steilen Felsens schwebte, ohne daß es euch gesagt hätte: [HiG.01_40.11.01,33] „Sehet, die große Liebe des
allmächtigen Vaters, wie sie mich gefahrlos trägt über den schroffen,
tödlichen Abhang dieses hohen Gesteines und wie mich die sorgliche Liebe eben
dieses großen Vaters aus der Nacht meines ewigen Kerkers allmählich
hinaufzieht an Sein großes licht- und lebensvolles Vaterherz und wie ich zwar
jetzt noch als unförmlicher Nebel mich über diesen steilen Abhang erhebe und
noch nicht weiß, woher diese große Gnade kommt – aber doch sage ich nun euch,
unter meiner nottraurigen Nebelgestalt wandelnden und forschenden Menschen: [HiG.01_40.11.01,34] Es gab einst auch eine Zeit, da es
euch erging, wie mir soeben. Dieses bedenket! Und daß die Liebe des heiligen
Vaters auch mich bald wird erreichen lassen das zu sein, was ihr nun seid, um
zu loben den großen heiligen Vater, da Er so Großes tut an Seinen unwürdigen
Geschöpfen, die in ihrer Freiheit nicht haben erkennen wollen die große Liebe
und unbegreifliche Sanftmut und Herablassung des so großen und überheiligen
Vaters!“ [HiG.01_40.11.01,35] Sehet, das ist nun ein Evangelium
eines solchen Nebelsteifchens, welches ihr, so ihr euch die Mühe nehmen
wollet, in den ganzen, euch nun bekanntgegebenen Kreisen verfolgen könnet und
könnt da heraufsteigen zu Meinem Herzen, woraus ihr alle dereinst gegangen
seid, und könnet von da, ganz von Liebe erfüllt, wieder zu euch selbst
kehren, und zwar im Angesichte eures heiligen Vaters. [HiG.01_40.11.01,36] Wie bei dieser eurer Reise die
Erscheinungen sich gefolgt sind, so könnt ihr als eure geistige Vollendungsbahn
euch und eure geistige Entwicklung in dieser Ordnung denken. Und der Kreis
eurer ganzen Reise war eben gerade ein solcher, wie Ich ihn euch soeben
kundgegeben habe. Denn auf diesem Punkte, da ihr die Sonne erblickt habt, da
waret ihr wie in Meinem Herzen. Und von da seid ihr wieder zurückgekehrt –
verklärt, erfüllt von Meiner geheimen Liebe, in welcher sich euch alles um
euch her aufgeklärt hat und die Sonne Meiner Gnade euch sogar euren Schatten
außer euch erblicken ließ – welches so viel sagen will als: Wie unter den
Strahlen der Sonne der Schatten des Menschen außer ihm auf die Erde fällt, so
auch fällt der Schatten oder das Böse der Seele, welches eure Sünden sind,
unter den wärmenden Strahlen Meiner Liebe aus euch hinaus, da ihr nun erfüllt
seid durch die Liebe zu Mir mit dem ewigen Lichte Meiner Gnade durch und
durch. [HiG.01_40.11.01,37] Sehet, das ist nun der versprochene
große „Diätennachtrag“, von welchem ihr gewiß keine Ahnung gehabt habt –
daraus ihr aber auch ersehen und wohl erkennen sollet, daß, so Ich etwas
verheiße, Ich auch allezeit Mein Wort auf das allerpünktlichste halte. [HiG.01_40.11.01,38] Aber nur müsset ihr jetzt wieder nicht
glauben, als hätte Ich euch jetzt so viel gegeben, daß Ich euch nicht noch
mehr zu geben imstande wäre. Denn beharret nur fest in Meiner Liebe und übet
diese auch auf gerechte Art an allen euren Brüdern und Schwestern nach
rechtlichem Bedarfe aus, so werde Ich euch in diesem Jahre schon noch
irgendwo anders hin, und zwar gegen noch größere „Diäten“ wie diese sind, an
irgendeinem geschäftsfreien Tage bescheiden, allwo ihr wieder um eine gar
gewaltige Stufe sollt höher gehoben werden – wodurch euch erst klar werden
wird, warum die Erde ein Ort der Besserung und der größten Erbarmungen des
großen heiligen Vaters geworden ist. [HiG.01_40.11.01,39] Sehet, Ich habe noch recht viele
Stückchen Brotes in der weiten Tasche Meiner Liebe für euch aufbehalten.
Esset nur fleißig und habet keine Sorge ums tägliche Brot! Denn Ich habe des
Brotes so viel, daß ihr selbes wohl ewig nie aufzuzehren imstande sein
werdet. [HiG.01_40.11.01,40] Und Mein Brot hat noch die
Eigenschaft, daß wer nur ein wenig davon genossen hat, der wird schon satt.
Zugleich aber reizt dieses Brot den Appetit nebst der Sättigung auch so sehr,
daß man noch immer mehr und mehr davon genießen möchte. Und dann wird dieses
Brot auch immer süßer und süßer und wohlschmeckender, je länger und je mehr
man davon genießt. – Daher seid nur recht fleißig im Essen Meines Brotes! Und
sorget euch nicht um den Wein, denn Wein und Brot sind sowohl für den Hunger
als für den Durst. Daß sich dieses aber so verhält, werdet ihr auch stets
mehr und mehr bei euch selbst gewahr werden und so endlich in die höchste
Klarheit dieser Wahrheit gelangen. [HiG.01_40.11.01,41] Ist der Weg auch hie und da holpericht
und felsig, so machet euch ja nichts daraus, denn ihr dürfet ja nicht zu Fuß
gehen, sondern habt und könnet geistig und naturmäßig ein mutiges Pferdchen
vor euren Wagen spannen. Und wenn ihr dann auch hie und da, um das Ziel gänzlich
zu erreichen, eure Füße in Bewegung setzen müßt, so glaubet, es wird darob
keiner von euch krumme Beine davontragen. [HiG.01_40.11.01,42] Dieses merket euch wohl! – Tuet,
handelt und lebet in allem und jedem so nach Meinem Willen; dann wird auch bald
die wahre innere Sonne den Wolkenschleier eures Lebens in euch durchbrechen
und euch lebendig erleuchten durch und durch. [HiG.01_40.11.01,43] Amen. Das sage Ich, euer allerbester
heiliger Vater. Amen. An einen sehr Schwachen. – 4.
November 1840
[HiG.01_40.11.04,01] Es ist da ein sehr geschmeidiger
Mensch, der da hat lieber das Große als das Kleine (und zwar mehr des
Angenehmen als der Nützlichkeit wegen) – und macht viele Besuche den Höheren
seiner Ehre halber, damit er dann wieder jemandem sagen kann, er sei bei dem
und jenem Herrn gewesen und es habe ihn dieser oder jener Herr förmlich
geschmäht, daß er ihn schon so lange nicht mehr besucht habe – und der das
tut mehr des kleinlichen Ansehens als der eigentlichen inneren Freundlichkeit
wegen – und sich auch sehr viel zu tun macht mit der weiblichen Welt und
macht allenthalben den Hof dem reizenden Fleische der schönen Kinder Evas –
der auch viel hält auf alte Freundschaft, wenn sie in angenehmen Männern
besteht, obgleich er auch die ärmlichen seines guten Namens wegen nicht
verachtet – dem jedoch neue, ansehentliche, besonders weibliche
Bekanntschaften allezeit lieber sind als alte männliche gleichen Ranges. [HiG.01_40.11.04,02] So ist derselbe auch ein Freund der
Gelehrten und hält große Stücke auf renommierte Künstler – aber auch wieder
mehr seiner Ehre als der Ehre dieser Gelehrten und Künstler wegen (um dadurch
bei den Verständigen als ein einsichtsvoller Mann zu gelten!) [HiG.01_40.11.04,03] Und so rennt sich dieser arme Mensch
gar oft die Füße wund aus lauter Selbstgefälligkeit, um andern irgendeinen
kleinlichen Gefallen zu erweisen, an dem noch nie jemand gar zu viel gelegen
war – und ist bei aller seiner persönlichen Freundlichkeit doch stets mehr
Freund sich selbst als denen, die von ihm befreundlicht werden. [HiG.01_40.11.04,04] Diesem Menschen, da er doch, bei allen
diesen gewöhnlichen Menschenmängeln, ein ziemlich gutes und halbwilliges Herz
besitzt und insgeheim bei sich schon ein ziemlich reines Wohlgefallen hat an
Meiner nun darniedersteigenden Gnade und hat auch eine verborgene Sehnsucht
nach Meinem Reiche und fängt auch mehr und mehr an das Gute und Wahre
desselben um seiner selbst willen zu achten und in seinem Herzen zu schätzen
(was Mich auch vermocht hat, ihn in Meiner Liebe ernstlich anzublicken und,
so er will, ihm auch aus seinem Labyrinthe zu helfen) – also diesem Menschen
lasse Ich sagen: [HiG.01_40.11.04,05] Daß er sein zu nichts taugendes,
überschwenglich vielfältiges Visitenmachen so viel als nur immer möglich
einstellen und dafür lieber anfangen soll, Mir, Seinem Vater, Visiten zu
machen! Das wird ihm mehr nützen, zeitlich und ewig, als alle die tausend und
abermals tausend Visiten, die er den Menschen für nichts und wieder nichts
schon gemacht hat. [HiG.01_40.11.04,06] Denn aus seinen Besuchen ist weder für
ihn, den vielen schon oft lästig gewordenen Visitanten, wie auch für die
häufig ganz wertlosen Visitierten nie irgendein Vorteil hervorgegangen –
außer daß er vielfach hinterrücks ausgelacht wurde, indem man in seinem
Angesicht ihn lobte, hinter seinem Rücken aber häufig Fratzen schnitt. – Er
sah dies freilich nicht – aber Ich sehe und höre alles! [HiG.01_40.11.04,07] Jedoch damit er wissen möge, daß er
noch gar sehr gewaltig dumm ist, so soll ihm auch das Urteil derjenigen Menschen,
welche zu den besseren gehören, bekannt werden, als ein Lohn seiner
vieljährigen Bemühungen. – Was sagen denn diese? – Nichts, als daß er ein
guter Narr, aber dabei doch sehr unwissend und dumm sei und einem bekannten
gutmütigen Lasttiere gleiche, das allezeit willig um das schlechteste Futter
sich den Rücken vollknitteln läßt. [HiG.01_40.11.04,08] Um solchen Lohn also ist dieser Mensch
so emsig und läuft und rennt von Haus zu Haus, um sich seinen Rücken voll
geistig-materieller Schläge abzuholen! – O des Schwachen! [HiG.01_40.11.04,09] Ich will hier nicht berühren all die
Unannehmlichkeiten, die ihm schon um solcher Narrheit willen widerfahren sind
... Das Gesagte soll ihm nur zeigen, wie er bei weitem nicht zu solchen
harten Unannehmlichkeiten gelangt wäre, wenn er wenigstens den guten Rat
seiner sehr wenigen wahren Freunde, die auch Meine Freunde sind, befolgt und
sich hingesetzt hätte zum Brunnen Jakobs, um aus demselben das Wasser des
Lebens zu trinken und hätte da in stiller Ruhe Mir, seinem ewigen, heiligen
besten Vater, eine wohlgeziemende Visite gemacht. [HiG.01_40.11.04,10] Aber das würde ihn ja doch
melancholisch machen! – Wohlverstanden! – Aber wie ist es denn, daß er nicht
melancholisch wird, wenn er atemlos von einem weiblichen Wesen zum andern
rennt, um seine naturmäßige Liebe dadurch zu zerstreuen oder endlich gar zu
ersticken im tödlichen Schlamme solcher Tollheit?! [HiG.01_40.11.04,11] Er soll Mir antworten auf die Frage:
„Warum hast du denn noch nicht geehelicht irgendeine Jungfrau?“ – da du doch
schon Tausenden den Hof gemacht hast und hast schon mehrere mit der Heirat
vielfach angelogen und auf diese Weise auch schon, in deiner früheren Zeit,
einige unmündige Mädchen verführt! – Welche entschuldigende Antwort kannst du
Mir wohl geben, daß sie dich reinige vor Meinen Augen und Meine Heiligkeit
dich nicht verdamme!? [HiG.01_40.11.04,12] Ich sage dir, antworte lieber nicht!
Denn jede deiner Antworten würde dich verdammen! – Und sagtest du Mir: „Ich
habe noch nicht die Rechte gefunden, die da wäre ohne Fehler!“ – so sage Ich:
O du falscher Richter! Warum spähtest du so sorgfältig nach den Splittern in
den Augen der Mädchen und mochtest nicht gewahr werden deines Balkens, ja
vieler Balken in deinen Augen!? – Da du dich fürchtest, von ihnen betrogen zu
werden. Warum fürchtetest du dich nicht, daß sie vielmehr von dir betrogen
und unglücklich wurden!? – Darum weiche von Mir, du eigenliebiger Selbstler!
Denn es sind alle Mädchen so gut wie du hervorgegangen aus Meiner Liebe! –
Warum waren sie dir denn nicht recht? – Ich sage, weil sie in ihrer
Schwachheit besser waren, sämtlich, als du! [HiG.01_40.11.04,13] Darum antworte nicht, sondern schweige
in aller reuigen Demut, damit dich deine Antwort nicht verdamme! – Und
möchtest du sagen: „Mein Einkommen war zu gering, als daß ich vermöge
desselben imstande gewesen wäre, mir ein Weib zu nehmen und sie zu erhalten!“
– Da würde Ich dir darauf die Antwort geben: Höre! Da du dein Einkommen
bemessen hast und hast es für zu gering befunden – warum hast du denn nicht
auch zugleich bemessen deine geringen Fähigkeiten und deine großen Ansprüche
– und warum nicht auch bemessen das Übermaß deiner sinnlichen Begierden, da
du wohl sahest mit sehnsüchtigen Augen das üppige Glück der Großen und
Reichen der Welt und mochtest gleich sein denen, die da haben, danach du
begehrtest – aber so es nicht also gehen mochte, lieber kein Weib, sondern
jewaige freie Unzucht haben wolltest!? [HiG.01_40.11.04,14] O siehe, es gibt noch arme und brave
Mädchen in die Menge, davon du mehrere recht wohl kennst – warum ehelichtest
du sie denn nicht? – Du würdest sagen: „Der beiderseitigen geringen Mittel
halber nicht!“ – Ich setze aber, du wärest reich! – Ja, dann würdest du auf
eine Prinzessin ebenso mitleidig und sinnlich zugleich herabschauen wie jetzt
auf eine geringe Magd, die doch auch Meine Tochter ist. [HiG.01_40.11.04,15] Damit du aber erkennest, daß sich
dieses gerade also verhält, so mache Ich dich auf deine geheimen
Gedankenphantasien aufmerksam, in welchen du dich durch allerlei großartige,
romantische Träumereien zu den verschiedensten glänzendsten Verhältnissen des
irdischen Lebens befördertest; und wenn du dann irgendeinen Gipfelpunkt
erreicht hattest – wie schnapptest du dann gleich einem Sultane nach den
schönsten und reizendsten Mädchen herum! Ja du verbargst oft deine erträumte
Höhe und schlichst, wie ihr zu sagen pflegt, „inkognito“ zu irgendeiner
Jungfrau, die dir irgendwann einen Korb so recht derb gegeben hatte, und
hieltest um ihre Hand an. Da sie dir aber, in deinem Traume, die Hand
abermals verweigerte, so enthülltest du vor der Spröden deine phantastische
sultanische Kaiserwürde und verschmähtest die nun durch solche Enthüllung in
sich gegangene und gedemütigte Schöne und hattest große Freude, so du sie
weinen und zu dir, nun einem großen Kaiser, die Hände ringen sahst. [HiG.01_40.11.04,16] O siehe, solche Gedanken sind ein
treuer Spiegel und zeigen dem Menschen sehr genau die Richtung seiner
Begierden und Tendenz seiner Liebe, die nichts als Herrschsucht zum Grunde hat,
welche der Grund aller Verdammnis ist! – Darum antworte nicht, damit du dich
nicht selbst fangest und verdammest in deiner törichten Entschuldigung! [HiG.01_40.11.04,17] Oder möchtest du etwa sagen: „Ich kann
doch kein gemeines Frauenzimmer heiraten, da ich doch ein gebildeter Mensch
und königlich-kaiserlicher Beamter bin und lauter angenehme Bekannte habe!
Was würden diese letzteren dazu sagen!?“ – Ich aber sage: Es gibt in der
Stadt kein so gemeines Frauenzimmer, als daß sie zu gemein wäre für dich – obschon
du aus Zorn auseinandergehen möchtest, so dir jemand anders als Ich diese
Wahrheit zugestehen würde. Denn siehe, so da ist irgendeine gemeine Hure, so
ist sie eine solche oft nur aus doppelter Not geworden, nämlich zuerst aus
geistiger (denn da ist bei den Schafen die Wolle wie das Futter) – und dann
aber häufig aus natürlicher Leibesnot, der Forderung des Magens wie der
Befriedigung des Naturtriebes wegen, zu dessen frühzeitiger Entwicklung und
gewissenloser Förderung die arme, verlassene, nun verachtete Hure nur durch
solche, dir ähnliche Hofmacher gekommen ist. In ihrer Schwäche hat sie
leichtlich geglaubt den süßen Worten, die da entströmten der Hyänenbrust
eines dir ähnlichen süßen Hofmachers, der gewissenlos oft schon einem üppigen
zwölfjährigen Mädchen stromweise eine satanische Artigkeit um die andere in
ihre sehr empfängliche Brust, giftigen Dolchen gleich, senkte, um die geistig
Blutende mit lüsternen, begierdevollen Augen anzusehen und hernach zu lauern
gleich einem Tiger auf die nächste Gelegenheit, um der unglücklichen,
schwachen Gereizten den ersten Stich des Todes beizubringen, und um hernach
sich großmachen und sagen zu können: „Na, das wird einmal eine werden, da sie
schon jetzt alles mit sich machen läßt!“ [HiG.01_40.11.04,18] Siehe, da du ihre Natur zu solcher
Schandtat verdorben hast – du Hyäne, du Tiger! – wie wagst du in Meinen Augen
noch zu sagen. „Mir kann nicht behagen solche weibliche Gemeinheit!“? [HiG.01_40.11.04,19] Daher antworte lieber nicht, damit aus
deiner Entschuldigung nicht ein Mühlstein wird, der dir auf den Hals gelegt
werden sollte und mit dem du versenkt werden möchtest in den Grund des
Meeres! [HiG.01_40.11.04,20] So du aber sagen möchtest: „Mit einer
Armen ist mir nicht gedient!“ – da sage Ich aber: Du bist keiner Armen wert!
Denn die Armen sind Meine Töchter. Wehe denen, die sie verführen und
geringachten! Deren Herz soll stumpf werden wie ein Stein, damit es nimmer
gerührt werde von dem sanften Blick einer solchen Armen und ein solcher
Frevler weib- und kinderlos bleibe bis ans Ende und sein schnöder Name mit
ihm begraben werde! [HiG.01_40.11.04,21] Wer aber da ehelicht eine Arme aus
Liebe, der hat Mich zum Schwiegervater und genießt Meinen Segen! – Und es ist
besser, wenn Arme ehelichen als Reiche. Denn die Armen denken in ihrer Not
doch an Mich, ihren Vater, und suchen allzeit Hilfe bei Mir, wenn es ihnen
recht schlecht geht; während die meisten Reichen Mich kaum dem Namen nach
kennen und, wenn es ihnen schlecht geht, verzweifeln und nicht selten zu
Selbstmördern werden. – Siehe, daher antworte nicht, damit du nicht verdammt
werdest ob deiner törichten Entschuldigung! [HiG.01_40.11.04,22] Und möchtest du sagen: „Üble
Erfahrungen haben mich abgeschreckt. Was ich anderweitig gesehen habe, hat
mir den ganzen Ehestand verleitet!“ – so sage Ich aber: Verflucht sei der,
welcher sich so entschuldigt! Denn der gibt sich doch offenkundig als einen
eigenliebigen Verächter der schwachen weiblichen Menschheit an. Und sein
Gewissen schreit ihm laut zu: Weil du wohl weißt, wie wenig wert du selber
bist und wie ungetreu in aller deiner Lebenssphäre du von jeher dich benommen
hast, deshalb ist dir freilich deine Freiheit lieber als ein ärmlicher, aber
gesegneter Ehestand, der allein dich zur geistigen Ordnung zu bringen
vermöchte! [HiG.01_40.11.04,23] Denn wenn du dächtest, wie es ein
redlicher Christenmensch in seinem Herzen denken sollte, so würdest du sagen:
„O Herr! Ich bin Dir ein gar großer Schuldner! Habe Mitleid mit mir über alle
Maßen schlechtem Selbstliebler! Denn ich habe in meiner Unwissenheit gröblich
gesündigt vor Dir und habe mich groß versündigt an allen Deinen schwachen
Kindern und bin nun selber schwächer geworden als alle, die ich früher
schwach wähnte – und das alles durch meine grenzenlose, eigensinnige Torheit! [HiG.01_40.11.04,24] Daher bitte ich Dich inständigst, daß
Du mich wieder möchtest in Deiner unendlichen Liebe gnädig ansehen und mir
geben einen redlichen Sinn, damit ich wieder gewahren kann den wahren
Menschenwert Deiner Mägde und nicht blind bleibe, wie bis jetzt, wo ich, der
bösen Welt gleich, den Wert nur im Reichtum und in der jugendlichen Schönheit
und dazu noch in einer unglaublichen Treue und Abhängigkeit suchte (da ich
meiner großen Eigenliebe zufolge ein eifersüchtiger, dummer Esel war!). [HiG.01_40.11.04,25] O Herr, da ich nun meinen großen
Irrtum erkenne, so sei mir armem Sünder gnädig und barmherzig und laß mich
wiederfinden, was ich in meinem bösen, verkehrten Herzen gar so oft verachtet
habe. Denn da ich nicht einer bin, der sich je hätte vom Geiste ziehen
lassen, sondern allezeit vom Fleische, so weiß ich auch, daß ich bis jetzt
nur des Fleisches und nicht des Geistes bin. Daher lasse, o Herr, mich auch
redlich wieder ein gerechtes Dir wohlgefälliges Fleisch finden, damit ich im
selben geläutert werde, um einst nach Deinem heiligen Willen aus demselben im
Geiste zu erstehen! – Amen.“ [HiG.01_40.11.04,26] Siehe, diese Entschuldigung ist besser
als die übrigen, und in ihr allein waltet Leben statt des Todes! [HiG.01_40.11.04,27] Obschon Ich dir durch alles dieses
nicht geradezu die Pflicht auferlegen will, daß du ehelichen sollest – sofern
du irgend bessere Gründe hast, ledig zu bleiben, und zwar aus reiner Liebe zu
Mir, d.h. wenn du deren fähig bist und dich zurückziehen kannst von deiner
viel bevisitierten Welt – so will Ich dich dadurch aber doch ernstlich zur
wahren Reue und Buße ermahnet haben, daß du endlich einsehen sollest, wie
sehr du allezeit unrecht hattest, daß du emsig bemüht warst, alle Schuld von
dir hintanzuschieben und andern sie gröblich zuzuschanzen. Denke nur recht
fest bei dir, ob das von Mir wohl je in Ewigkeit hätte gebilligt werden
mögen? [HiG.01_40.11.04,28] Darum zeigte Ich dir nun das Nötige
durch Meinen armen Knecht, der aus sich auch nicht wissen kann, was da recht
und schlecht ist (da er selber noch weder recht noch schlecht ist), und der,
was er weiß, nur aus Mir weiß durch eine besondere, unverdiente, große Gnade
der andern wegen, nicht seiner selbst wegen – damit die andern gerichtet würden
in ihren Herzen durch ihn und er zuletzt erst durch sie – und damit auch du
gerichtet werdest in deinem Fleische, um dadurch dem ewigen Gerichte des
Geistes zu entgehen. [HiG.01_40.11.04,29] Denn wer da will in Mein neues Reich
aufgenommen werden, der muß zuvor gerichtet werden, damit er sich völlig
reinige von allem alten Schlamme seiner angewohnten Narrheiten! – Du aber
bist noch durch und durch närrisch und kreuz und quer verwirrt. Daher gab es
bei dir auch gar sehr viel zu richten und wird noch überdies so manches zu
richten geben, bevor dein Name voll eingetragen wird in das große Buch des
Lebens. Beherzige daher recht wohl dieses an dich gerichtete Wort! Es ist ein
neues Wort des Lebens voll Licht und Wahrheit und ebenso voll Liebe! [HiG.01_40.11.04,30] Willst du leben, so eheliche entweder
irgendein Mädchen in rechter Ordnung, und Ich will dich segnen mit Meinem
Frieden. Und du bringe dadurch in dir selbst ein kleines Opfer für die vielen
Opfer der weiblichen Treue, die du schon eingeschlürft und verschlürft hast!
Und habe keine Furcht, betrogen zu werden; sondern fürchte vielmehr, daß du
niemand betrügest mit dir selbst! Und habe nicht so sehr deinen Vorteil vor
Augen, als vielmehr den Vorteil derjenigen, die du dir antrauen lassen
möchtest! Dann wirst du gut fahren – kurz noch zeitlich und dann auch ewig. [HiG.01_40.11.04,31] Denn kannst du wohl denken, daß du
nochmals fünfzig Jahre leben wirst? – Oder mußt du nicht vielmehr denken, daß
jede Sekunde deines irdischen Lebens in Meiner Hand steht und daß Ich jedem
das Leben je nach seinem folgsamen Betragen entweder verlängern oder
verkürzen kann, da doch nur Ich allein sehe, wann die Frucht reif ist –
entweder so oder so! [HiG.01_40.11.04,32] Daher überlege wohl, was da besser
ist: Entweder so? – oder aber, ob du dich zu Mir wenden möchtest und aus
reiner Liebe zu Mir verzichten möchtest auf alles!? – Siehe, das kannst du
auch tun! – Aber dann bedenke wohl, daß Mir mit einem halben Dienste durchaus
nicht gedient ist – so du etwa dabei glauben möchtest, dadurch deine Freiheit
zu retten. [HiG.01_40.11.04,33] Denn siehe, in deiner vermeinten
Freiheit bist du nur ein Sklave deines Fleisches, deiner Begierden und deiner
freien Weltlust unter den Menschen, mit denen du gerne tolles Zeug plauderst
und hintendrein lachst über deine eigene Torheiten. [HiG.01_40.11.04,34] Sondern da muß dir all dein Fleisch,
müssen alle deine Begierden wie die allerderbsten Sklaven dir tief untertänig
werden, und du mußt allen deinen tollen Gewohnheiten auf einmal den barsten
Abschied geben und dich sodann alsogleich in allem zu Mir wenden! – Höre! –
Ich sage alsogleich! Denn von nun an würde dir jede Zögerung himmelhoch
angerechnet werden. [HiG.01_40.11.04,35] Nun urteile in deiner Schwachheit
selbst, was da leichter und heilsamer wäre! – Ich will dir keinen weiteren
Rat geben, was du zu sollst, sondern sage dir nur, daß der Lohn deinem
Gehorsam gleich sein wird. [HiG.01_40.11.04,36] Tue also, was du willst! – Mir ist es
ganz einerlei, so oder so. – Aber so zu verbleiben, wie du jetzt bist, das
rate Ich dir wohl nicht! [HiG.01_40.11.04,37] Siehe, auch du standest den ganzen
langen Tag müßig. So gehe denn nun auch du hin in Meinen Weinberg und arbeite
die letzte Stunde in demselben so oder so! Und Ich werde dir dereinst geben,
was recht sein wird. Amen. – Ich, die Ewige Liebe und Wahrheit Selbst! –
Amen. Nachbemerkung [HiG.01_40.11.04,38] Dieses Nebenwort muß, wie alle
übrigen, den „Nebenworten“ beigefügt werden und soll in einer eigens dazu
bestimmten Zusammenkunft dem unbenannten Vermeinten vorgelesen werden –
dessen er sich nicht etwa schämen, sondern nur sehr freuen soll, wenn er will
ein siebenter Jünger werden, was er erfahren wird, so Ich seinen Namen
aussprechen werde. [HiG.01_40.11.04,39] Sollte er sich aber darüber, wie er gewöhnlich
zu tun pflegt, selbst beschönigen und rechtfertigen wollen, dann soll er auch
erfahren, wie ferne er noch Meinem Reiche ist und wie sehr noch untauglich
für einen Jünger! [HiG.01_40.11.04,40] Denn dem Ich viel sage, dem will Ich
auch vieles geben und habe ihm, so er Meinen Willen tun wird, auch schon
dadurch vieles gegeben, daß Ich ihm vieles gesagt habe. – Denn so der
Baumeister irgendeinen breiten und weiten Grund legt, da wird er gewiß kein
Schneckenhaus darauf erbauen wollen, sondern da muß ja doch dem Grunde das
Gebäude entsprechen. Wenn aber schon ein irdischer Baumeister also verständig
handelt, um wie viel mehr werde da Ich tun, der Ich doch der mächtigste und
allerverständigste Baumeister der Unendlichkeit bin! [HiG.01_40.11.04,41] Darum auch soll sich der Vermeinte
nicht schämen, sondern sich gar gewaltig freuen! Denn umsonst gebe Ich solche
Gaben nicht! – Es muß aber jeder zuvor vor der Welt offenbar werden und in
seiner Demut Meinen Namen verherrlichen, wer da will von Mir dereinst ewig
verherrlicht werden. [HiG.01_40.11.04,42] Klein ist das, was Ich von euch
verlange; aber unendlich der Lohn dafür! Daher freuet euch alle, daß Ich
solches von euch verlange; denn Meines Reiches wird kein Ende sein ewig. –
Amen. Das sage Ich, euer aller Vater und Herr! Amen. Dankgebet des
Knechtes [HiG.01_40.11.04,43] Und ich sündiger, wertloser,
schlechtester Knecht wage in meiner großen Unlauterkeit hinzuzusetzen: [HiG.01_40.11.04,44] Ehre, Preis und Dank sei Dir, o
allerheiligster, bester Vater, von unseren schwachen, unreinen Herzen
dargebracht! – O reinige uns alle mit der heiligen Kraft Deiner unendlichen
Liebe und Barmherzigkeit! – damit wir Dir dereinst, o Du bester, heiligster
Vater Du, würdiger zu danken und Dich heiliger zu preisen vermöchten, als es
bisher in der großen Nacht unserer Sünden möglich war! [HiG.01_40.11.04,45] O heiligster, bester Vater, habe Dank
auch für das herrliche Geschenk dieses neuen, uns gegebenen Bruders in Deinem
allerheiligsten Namen! – O Dein heiligster Name werde dafür gepriesen! Ehre
sei dir, Vater, und dem Sohne und dem Heiligen Geiste in Dir und aus Dir – in
alle Ewigkeit! – Amen. Eine Lüge? – 8. November 1840
[HiG.01_40.11.08] Schreibende: K. G. L. – Andreas und
Anselm H. [HiG.01_40.11.08,01] Heute gab uns der liebevollste Vater
durch Seinen Knecht Jakob Lorber nachfolgende Lehre, und zwar mit der
angegebenen Überschrift. [HiG.01_40.11.08,02] Es wird euch sonderbar vorkommen, so
ihr zufolge dieser Überschrift etwa denken möchtet, Ich sei imstande euch
anzulügen. – Allein es ist natürlich dem nicht so; sondern die Sache verhält
sich ganz anders. Und es ist nicht alles Lüge, was als solches erscheint –
wie auch nicht alles Wahrheit ist, was als solches erscheint. – Daß die Sache
sich aber so verhält, soll euch alsbald eine kleine Erzählung belehren. [HiG.01_40.11.08,03] Es erzählte jemand seinem Freunde, daß
er in einer Gegend dieses Landes einen ungeheuren Drachen gesehen habe und
beschrieb sogar dessen Gestalt haarklein. Er machte dadurch seinem Freunde
die Sache so wahrscheinlich, daß dieser sich alsbald bewogen fand, selbst an
den Ort hinzureisen, wo sein Freund den Drachen gesehen haben wollte. [HiG.01_40.11.08,04] Als nun der Freund in die benannte,
genau beschriebene Gegend kam, da fand er auch nicht die leiseste Ähnlichkeit
dieser Gegend mit der von seinem Freund beschriebenen, ja sogar der Name war
falsch; und auf Frage wurde ihm berichtet, daß in diesem Lande wohl keine
Gegend unter diesem Namen und dieser Gestalt aufzufinden sein dürfte. [HiG.01_40.11.08,05] Und so kehrte denn der Freund wieder
zurück und sprach zu dem andern mit heftigen Worten: „Ei du loser, böser
Freund, was habe ich dir getan, daß du mich so arg mit deiner Lüge bedient
und mich dem Gelächter der Unsinnigen preisgegeben hast!?“ – Sein erzählender
Freund aber behauptete dennoch, daß er ihm keine Lüge gesagt habe. „Denn,“
sagte er, „ich habe nun einmal das Ungetüm gesehen, wie ich dir beschrieben
habe; und als ich mich bei den Menschen erkundigte, wie diese Gegend heiße,
da sagten sie mir, daß sie so heiße, wie ich dir angegeben habe.“ [HiG.01_40.11.08,06] Nun aber forderte den Erzähler sein
Gegenfreund auf, ihn an den Ort zu führen, auf dem seine Lüge gewachsen war.
Der Erzähler willigte ein und führte seinen Freund an einen Ort, der ungefähr
eine leichte Ähnlichkeit mit dem vorbeschriebenen hatte. Allein als er, der
Angelogene, die dortigen Menschen um den Namen dieser Gegend befragte, da
hatte dieser auch nicht die leiseste Ähnlichkeit mit dem von dem erzählenden
Freunde angegebenen. Und von irgendeinem Drachen wußte niemand eine Silbe
daselbst. [HiG.01_40.11.08,07] Nun, was meint ihr denn, nachdem ihr
solche Erzählung vernommen habt – hat der Erzähler seinen Freund angelogen
oder nicht? – Ja, sage Ich, er hat ihn angelogen, und das weidlich – und
wieder hat der Erzähler seinem Freunde dennoch eine allerreinste Wahrheit
gesagt. [HiG.01_40.11.08,08] Aber nun fragt sich, wie kann denn
eine Sache zu gleicher Zeit Lüge und Wahrheit sein? – Das bringt freilich ein
natürlicher Menschenverstand so wenig überzeugend heraus, wie daß schwarz
weiß und weiß schwarz ist. – Jedoch nicht also ist es bei Mir! – Denn es kann
eine Sache, mit geistigen Augen betrachtet, recht gut schwarz und weiß zu
gleicher Zeit und auf derselben Stelle sein. – Und so wird sich auch zeigen,
wie dieser vorbenannte, lügenhafte Erzähler dessenungeachtet die Wahrheit
geredet hat. [HiG.01_40.11.08,09] Dieser Mensch hatte nämlich an einem
Tage, da er unter dem kühlenden Schatten eines Baumes einschlief, einen so
lebhaften Traum, in welchem er das Erzählte so leiblich und lebhaft gesehen
hat, daß er unmöglich umhin konnte, bei sich selbst anders zu gedenken, als
er habe wirklich dieses alles also gesehen. [HiG.01_40.11.08,10] Denn obschon er wieder unter dem
nämlichen Baume erwachte, unter welchem er sich einige Stunden vorher zur
Ruhe gelegt hatte, so war aber doch sein Traum so beschaffen, daß es ihm
vorkam, er sei alsbald unter dem Baume aufgewacht, habe dann die Stelle
verlassen und sei zufolge eines weiteren Spazierganges in die vorbeschriebene
Gegend gekommen. Und als er daselbst in seinem Traum alles früher Erwähnte
gesehen und erfahren hatte, kehrte er alsbald zurück, kam gerade zum selben
Baume wieder, legte sich wieder, schlief ermüdet auf eine kurze Zeit ein und
erwachte dann wirklich unter demselben Baume, unter dessen Schatten er sich
einige Stunden früher in Wirklichkeit wohlbehalten begeben hatte. [HiG.01_40.11.08,11] Nun sehet, in der Natürlichkeit ist
das von dem Träumer Erzählte zwar eine Lüge, da im ganzen Lande keine Gegend
jener Art und kein Drache ausfindig gemacht werden kann. Allein es ist gerade
nicht nötig, daß, so irgend etwas in der Natur nicht vorgefunden wird, es
deswegen nicht geistig bestehend da wäre. [HiG.01_40.11.08,12] Und so verhält es sich überhaupt mit
einer jeden geistigen Anschauung! Nehmet nur einen Blinden und erzählt ihm
von diesem und jenem Gegenstande, den ihr sehet, daß er da ist! Ist für den
Blinden die Erzählung etwa eine Lüge, da er den Gegenstand eurer Erzählung
nicht selbst sehen kann? – Und so können viele Dinge vorhanden und wahr sein,
wenn sie auch nirgends aufgefunden werden – da neben der naturgemäßigen Welt,
ja sogar in derselben eine noch bei weitem größere Geisterwelt besteht. – Wer
möchte z.B. wohl behaupten, daß die Hölle eine Lüge sei, da sie doch nur aus
lauter Lüge besteht? Oder wer möchte behaupten, es gebe darum keinen Himmel,
weil er dem Auge des Forschers nicht ersichtlich ist? [HiG.01_40.11.08,13] So ist demnach das Sein und Nichtsein
und Doch-Sein keine Lüge! Denn ein materielles Sein ist kein geistiges Sein,
wie das geistige kein materielles – und doch ist das materielle durch das
geistige, wie auch wieder umgekehrt das geistige durch das materielle
bedingt. [HiG.01_40.11.08,14] Ein Beispiel wird euch dieses
hinreichend beleuchten! – Betrachtet einen Apfel, wie er da noch hanget am
Baume, so werdet ihr gewiß sagen, daß dieser Apfel auf diesem Baum gewachsen
ist. Und wieder werdet ihr sagen müssen, daß dieser ganze Baum aus einem
solchen Apfel gewachsen ist. Und so werdet ihr bald einen Apfel aus dem Baume
und bald wieder einen Baum aus dem Apfel entstehen sehen. [HiG.01_40.11.08,15] Nun fraget euch selbst, was ist denn
hier eigentlich die Frucht und welches ist das die Frucht Hervorbringende? –
Saget ihr, der Apfel sei die Frucht, so sage Ich: „Was ist demnach aber der
Baum, so er aus dem Apfel hervorwächst?!“ – Und saget ihr: „Ja, so ist doch
der Baum die Frucht!“ – da sage Ich aber: „Was ist demnach der Apfel, wenn er
aus dem Baume zum Vorscheine kommt?“ [HiG.01_40.11.08,16] Sehet, auch hier kann jede Behauptung
an und für sich zu gleicher Zeit eine Lüge und eine Wahrheit sein. Denn der
Apfel ist so gut Frucht wie der Baum – und eben auch so gut Hervorbringer wie
der Baum. [HiG.01_40.11.08,17] Jedoch, wenn man sagt: „Ja, es kann
doch nur eines wahr sein!“ – so sage Ich: „Es ist ganz richtig, daß die
Wahrheit nur eine ist!“ Aber töricht ist es von Menschen, in der
Beschränktheit ihrer Urteile zu behaupten und zu sagen: Dieses oder jenes sei
„das Erste“ – während ihr doch aus diesem Beispiele leicht ersehet, daß das
eine so gut wie das andere „das Erste“ sein kann. [HiG.01_40.11.08,18] Denn es stünde zum Beispiel irgendein
außerordentlicher Gelehrter auf und würde behaupten, Gott habe zuerst den
Baum erschaffen; ein anderer aber würde hinzutreten und ihm sagen: „Wenn Gott
zuerst den Baum erschaffen hat, warum hat er dann die Fähigkeit in den Apfel
gelegt, daß, so dieser in die Erde gelegt wird, ein Baum aus ihm zum
Vorschein kommt, der wieder ebensolche Früchte trägt, aus denen er selbst
hervorgegangen ist? Somit ist ja doch ersichtlich, daß Gott nicht zuerst den
Baum, sondern nur einen Apfel erschaffen hat!“ – Und wieder würde ihm auf
diese Äußerung der erste Gelehrte einwenden: „Ich glaube, daß es der Ordnung
gemäßer war, zuerst den Baum zu erschaffen und diesen mit der
Reproduktionskraft zu versehen.“ – Sehet, und so würden diese zwei Gelehrten
sich in einem ewigen Kreise herumtreiben, ohne je ans Ziel zu gelangen. – Und
würde einer, der da zwei ineinandergreifende Uhrräder vor sich hätte,
behaupten: „Dieser Zahn dieses Rades greift in die Zähne des andern Rades!“ –
und ein anderer würde ihm entgegnen: „Aber lieber Freund, bist du denn blind,
daß du nicht siehst, daß die Zähne des andern Rades nur in die Zähne dieses
Rades eingreifen?“ – Welcher von diesen beiden hätte da wohl nun wieder
recht? [HiG.01_40.11.08,19] Ich sage: Es hat ein jeder recht und
redet die Wahrheit – und wieder: Es lügt einer so gut wie der andere. Der
Anteil der Lüge besteht hier freilich bloß in der Einseitigkeit der
Behauptung, wodurch die eine Wahrheit sich wieder die andere auflehnt. Und in
dem Grade, als sie die andere Wahrheit anficht, ist sie Lüge. An und für sich
aber ist sie so gut wahr wie das von ihr Angefochtene. [HiG.01_40.11.08,20] Die eine Wahrheit aber ist diese: Es
besteht und entsteht eines aus dem andern – und eines ist für das andere da.
Ich aber bin der ewige Urgrund alles Seins und habe alles so eingerichtet,
daß das Naturmäßige entsteht und besteht aus dem Geistigen und das Geistige
aber wieder, umgekehrt, im beständigen und unwandelbaren Kreislaufe aus dem
Naturmäßigen. [HiG.01_40.11.08,21] Daraus wird euch auch klar, wie die
Geisterwelt beständig hineinragt in die naturmäßige und die naturmäßige
wieder in die geistige. Denn so irgendein Geist frei wird, so liebt, denkt
und handelt er in seiner ihm zugewiesenen Sphäre. Dieses Handeln und Wirken
eines Geistes, da es nun einmal vor sich ging, kann aber unmöglich so spurlos
vorübergehen, als wäre da gar keine Handlung und Wirkung vor sich gegangen.
Es fragt sich demnach, wie wird denn aber die Handlung und Wirkung des freien
Geistes ersichtlich? [HiG.01_40.11.08,22] Da sage Ich: Seht die Dinge an, wie
sie sind, wie sie entstehen und bestehen, und ihr werdet euch dabei sagen
müssen, daß jede diese Erscheinungen irgendeinen ausreichenden Grund der
Entstehung haben muß – aber wo liegt dieser Grund? – Gewiß nicht in der
Materie, sondern in dem geistigen Wirken und Handeln, welches Wirken und Handeln
ein inwendiges ist. [HiG.01_40.11.08,23] Wenn aber irgendein Baumeister ein
Haus aufbaut, so hat er doch gewiß das Haus nicht des Hauses selbst wegen
aufgebaut, sondern er hat mit dem Gebäude einen Zweck verfolgt, der seiner
Absicht völlig entspreche. Da schon ein Baumeister solches tut und selbst als
sterblicher Mensch seinem Werke eine ewige Dauer verschaffen möchte, um wie
viel mehr wird ein freier, ewiger Geist seine Handlungen und Wirkungen so
einrichten, daß sie seiner Liebe und seinem Wesen entsprechen! [HiG.01_40.11.08,24] Und so liegt ja wieder klar am Tage,
daß die Materie selbst nur ein Mittel ist, aus dem ein geistiger Zweck in der
Absicht des geistigen Erzeugers erstehen soll. [HiG.01_40.11.08,25] Und wenn ihr dieses so recht
betrachtet, so muß euch klar werden, wie das eine für das andere da ist und
wie immerwährend eines in das andere greift und hineinragt. Und aus dem
werdet ihr weiter deutlich ersehen, was die Lüge und was die Wahrheit ist,
und werdet erkennen, wie für den Reinen alles rein und wahr, für den geistig
Blinden aber die Wahrheit Lüge ist. – Auf diese Weise kann auch in Mir, als
dem ewigen Urgrunde aller Wesenheit, keine Lüge stattfinden; ja ihre Existenz
ist in Meinem Angesichte eine Unmöglichkeit. [HiG.01_40.11.08,26] Dem Blinden ist freilich die Existenz
eines Dinges wie auch die formelle Beschaffenheit desselben eine unglaubliche
Tatsache, da er sich von deren Wirklichkeit nicht überzeugen kann. Wenn er
aber glaubt, daß die Sache so ist, so hat er die Wahrheit. Glaubt er aber
nicht, so ist sein beharrlicher Unglaube die Lüge selbst, in der ihn seine
Blindheit gefangenhält. [HiG.01_40.11.08,27] Der Glaube ist demnach eine Augensalbe
für die Blinden. So sie ihn gebrauchen wollen in der Einfalt ihres Herzens,
werden sie bald zum Lichte ihrer Augen gelangen und die Dinge schauen, wie
sie sind. Und sollten sie dieselben auch anders finden, als sie ihnen
beschrieben wurden, so ist doch das, was ihnen gesagt wurde, auch für sie
wahr, weil sie es glauben, daß es so ist. [HiG.01_40.11.08,28] Daher auch wird jeder alles früher
oder später im Geiste finden, wie er es geglaubt hat! Denn wie das Licht, so
die Farbe der erleuchteten Gegenstände. Der Glaube aber ist das Licht des
Geistes; daher der Mensch auch sehen wird, wie sein (Glaubens-)Licht
beschaffen ist. [HiG.01_40.11.08,29] Es wird aber aus dem Baume kein
anderer Apfel zum Vorschein kommen, als der in den Baum gelegt ist; wie
wieder aus dem Apfel kein anderer Baum, als in den Keim gelegt ist. Und so
ist auch jeder Mensch die Frucht seines ihm eigenen Glaubens und der Glaube
selbst die Frucht der Liebe des Menschen. – Und daher kurz gesagt: Wie einer
glaubt, so wird er schauen, und wie er liebt, so wird er leben. [HiG.01_40.11.08,30] Wer aber Meinen Worten glaubt, der hat
Mich in sich aufgenommen, insoweit er glaubt, daß Ich es bin, der ihm solches
kundgebe. Und da jeder Mensch im Grunde seines Wesens seine eigene Liebe ist,
so werde dann Ich, wenn er Mich durch den Glauben in seine Liebe aufnimmt,
seine Liebe, wie er die Meinige wird. Denn wie er Mich aufgenommen hat, so
habe auch Ich ihn aufgenommen. Und so werden wir dann eins werden, wie der
Baum und der Apfel im Grunde doch nur eins sind – und werden
ineinandergreifen wie die Räderzähne einer Uhr – und daraus wird dann eine
Wahrheit werden. [HiG.01_40.11.08,31] Denn wer Mich durch den Glauben
aufgenommen hat in seine Liebe, der hat die ewige Wahrheit in sich
aufgenommen und wird selbst zur ewigen Wahrheit. Und da Ich die Ewige Liebe
Selbst bin, so bin Ich auch dann in aller Wahrheit als solche das Eigentum
des Menschen, der Mich zu seiner Liebe gemacht hat. [HiG.01_40.11.08,32] Und da wird der Mensch sein gleich
einem veredelten Baume, der das Höhere in sich aufgenommen hat, damit dieses
sein Eigentümliches werde, und wird darob tragen viele edle und kostbare
Früchte, in welchen dessenungeachtet seine freie Selbständigkeit doch nie
zugrunde gehen wird. Denn wie ihr aus dem Samenkorne eines veredelten Baumes
die Urwesenheit des Baumes wieder zurückbekommen könnt (da sie trotz des
Adels noch immer selbständig vorhanden ist) – so ist es auch mit dem durch
Mich veredelten Menschen, daß er ebenfalls, trotz Meiner Aufnahme und der
dadurch erfolgten Veredelung, seine Selbständigkeit frei und ewig behalten
wird. [HiG.01_40.11.08,33] Sehet, diese euch nun gegebene Lehre
ist gar wichtig, und ohne sie könnet ihr nicht leichtlich zu der inneren
Festigkeit eures Glaubens gelangen, und eure Liebe würde beständig ein in
sich selbst zurückkehrender Kreislauf bleiben. Allein so ihr wißt, daß euch
die Vereinigung mit Meiner Liebe in den unendlichen Kreis Meines ewigen
Wirkens aufnimmt, so könnt ihr denn auch mit größter Sicherheit den Schluß
machen, daß da neben der Unendlichkeit Meines Wirkens wenig Raum bleiben
wird, wohin sich eine Lüge verbergen möchte. Denn wer sich vom Lichte
absondert, der wird freilich nur auf einer Seite erleuchtet sein und auf der
entgegengesetzten Seite einen Schatten entdecken, der ein lichtloses Trugbild
der eigenen Selbständigkeit ist, wer aber in der Mitte der leuchtenden Flamme
Meiner Liebe sich befindet – fraget euch selbst, ob auch da irgendein
Schatten möglich ist? [HiG.01_40.11.08,34] Daher machet Mich durch den Glauben in
eurer Liebe zu eurer Liebe, damit euch das Licht umfasse und durchdringe und
ihr selbst zum Lichte werdet aus Mir. – Das sage Ich, die Ewige Liebe und
Wahrheit. Amen. Über Leben, Tod und Liebe. –
Weiteres von der Andritz-Quelle. – 15. November 1840
[HiG.01_40.11.15.a] Am 13. November 1840, nachmittags,
fuhren J. L., Andr. und Ans. H. zum Ursprung der Andritz und verweilten da
eine halbe Stunde, sich an der Ruhe und Klarheit der Quelle weidend. [HiG.01_40.11.15.a,01] Was dir als Meinem Knechte die dir
allein sichtbare (Quellen-)Jungfrau gesagt hat, als du sie in dir bei dem
Stege gefragt hast, ob sie ferner etwas über die Quelle mitteilen werde, das
diene auch hier als ein guter Eingang. Nämlich: „Es ist nur Einer, und nur
dieser Eine kann allein sprechen. Und wenn dieser Eine spricht, da schweigt
ehrfurchtsvoll die ganze Natur; denn sie versteht keines Wesens Wort, außer
das Wort dieses Einzigen.“ [HiG.01_40.11.15.a,02] Seht, das ist ein recht guter und
passender Eingang, denn es kann nichts Lebloses eine Sprache führen und auf
irgendeine Weise Rede und Antwort stehen; sondern Ich allein, der Ich das
Leben Selbst bin und somit lebendig durch und durch, kann lebendig machen,
was Ich will und was Ich ansehe und kann dem Steine selbst geben Augen und
Ohren, einen Mund und eine geläufige Zunge, zu sprechen die Sprache, die Mir
wohlverständlich ist wie auch jenem, dem Ich das Verständnis geben will. [HiG.01_40.11.15.a,03] Da es aber, wie schon einmal bemerkt
wurde, für den Lebendigen nichts Totes gibt, so kann es für Mich, als den
Allerlebendigsten, auch nichts Totes und somit auch nichts Sprachunfähiges
geben. Denn in Meinem Angesichte muß selbst die Asche eines verbrannten
Körpers auferstehen und Mir antworten auf jede Meiner Fragen. Denn ist wohl
in der ganzen Unendlichkeit irgend etwas, das nicht aus Mir wäre? [HiG.01_40.11.15.a,04] Ich aber bin, wie schon gesagt, von
Ewigkeit her das Leben Selbst gewesen und werde es auch ewig sein. Wie könnte
denn aber aus dem Leben etwas Totes hervorgehen? Ist auch eine Sache vor
euren Augen leblos, so ist sie doch nicht leblos vor Meinen Augen! Und seid
ihr auch an und für sich tot geworden durch die Sünde, so seid ihr aber doch
nicht tot geworden in Meinem Angesichte. Das erste ist wohl möglich, aber das
zweite ist eine gänzliche Unmöglichkeit. [HiG.01_40.11.15.a,05] Damit aber dieses genau begriffen
werden möchte als eine Voraussetzung zur folgenden Erörterung, so ist es
notwendig, daß ihr eine nähere Aufklärung über den Tod und über das Leben
selbst erlanget. [HiG.01_40.11.15.a,06] Alles, was aus Mir hervorgegangen,
ist lebendig hervorgegangen. Da aber Mein Leben in sich die Liebe und die
Weisheit in der größten Ordnung selbst ist, so sollte auch alles in dieser
Ordnung fortbestehen, in welcher und aus welcher es aus Mir zu gehen
genötiget wurde. Denn was nicht war, konnte nicht selbstwillig hervorgehen,
sondern mußte von Mir erst erschaffen werden und dann als erschaffenes Wesen
erst durch die Macht Meiner Ordnung heraustreten aus Mir nach Meinem Willen. [HiG.01_40.11.15.a,07] Wenn nun aber die Wesen
herausgetreten sind, so mußten sie auch mit dem Vermögen ausgerüstet sein,
sich frei nach Meiner Ordnung bewegen zu können – gleichwie das Kind alsbald
eine freie Bewegung mit seinen Gliedmaßen annimmt, sobald es aus dem
Mutterleibe getreten ist. [HiG.01_40.11.15.a,08] Solang das Kind noch schwach und klein
ist, wird es am Gängelbande geführt. Ist es aber einmal stark geworden, dann
laßt ihr es frei laufen. Und wenn es stärker und stärker geworden ist, so
gebet ihr demselben durch die Erziehung, die sich durch allerlei
sanktionierte Gesetze ausspricht, eine solche Richtung, die am meisten eurer
eigenen Ordnung entspricht. [HiG.01_40.11.15.a,09] Ich setze aber den Fall, es ist ein
Kind so arg, daß es sich nicht fügen will in eure Ordnung und ist beständig
wider dieselbe – was werdet ihr dann wohl tun mit dem Kinde? – Ich sage: Ihr
werdet es züchtigen, und das im gleichen Maße mehr, je mehr es eurer Ordnung
widerspricht. Und wenn auf alle eure Züchtigungen das Kind in seiner Freiheit
statt besser immer schlechter und am Ende sogar eurer Ordnung gefährlich wird,
sagt, was werdet ihr mit dem Kinde dann tun? – Werdet ihr nicht selbst sagen:
„Treibe ich das Kind vom Hause, so wird es mit der Zeit zurückkehren und wird
mir zur Nachtzeit, in seiner Bosheit sich rächend, das Haus über dem Kopfe
anzünden. Und da könnte die ganze Geschichte und meine häusliche Ordnung ein
übles Ende nehmen. Daher will ich das Kind nicht vom Hause treiben, sondern
ich will ihm Hände und Füße binden, es in einem verschlossenen Gemache bei
sparsamer Kost wohl verwahren und geduldig die Zeit abwarten, ob es nicht
doch einmal reuig in sich gehen und zu meiner Ordnung zurückkehren wird.“ [HiG.01_40.11.15.a,10] Sehet, was ihr da getan haben würdet
mit euren Kindern, dasselbe habe Ich auch getan mit dem, was aus Mir
hervorgegangen ist. Fraget euch aber selbst: Habt ihr das Kind deswegen
getötet in eurem Angesichte, wenn ihr es gerechtermaßen nur beschränkt habt
in der mißbrauchten Freiheit? – Gewiß nicht! – Und wie ihr das Kind nicht
getötet habt, obwohl ihr doch an und für sich samt und sämtlich böse seid, um
wieviel weniger werde Ich, die ewige, alleinige Güte Selbst, etwas töten, was
aus Mir hervorgegangen ist! – Da Ich lebendig bin, konnte nichts Totes aus
Mir hervorgehen; und da Ich überaus gut und liebevoll bin, so kann auch
nichts getötet werden. [HiG.01_40.11.15.a,11] Nun werdet ihr fragen, was ist denn
hernach „tot“, und was ist „der Tod“? – Ich sage darauf: Tot an und für sich
ist nur dasjenige, was wohlabsichtlich der Fähigkeit beraubt ist, sich wider
Meine Ordnung in seiner bösen Ordnung frei zu bewegen. Und der Tod selbst ist
demnach nichts anderes als eine Beharrlichkeit in allem dem, was wider Meine
Ordnung ist. Die Folge solcher Beharrlichkeit ist dann das nötigende Gericht,
durch welches einem ordnungslosen Wesen Hände und Füße gebunden werden und
sonach ein Gemach für dasselbe bereitet wird, in welches das ordnungswidrige
Geschöpf eingesperrt wird, bis es, durch Reue in sich gehend, zu Meiner
Ordnung wieder freiwillig zurückkehrt. [HiG.01_40.11.15.a,12] Was aber hernach das Leben ist, das
brauche Ich euch wohl nicht mehr zu sagen; denn so ihr wißt, was der Tod ist
an und für sich, so gibt sich das Leben von selbst. [HiG.01_40.11.15.a,13] Nun, da ihr dieses jetzt vernommen
habt und auch daraus ersehen könnet, warum nur Ich allein sprechen kann und
Mich die ganze Natur versteht, so könnet ihr hernach auch wohl begreifen, was
die Jungfrau unsichtbar an der Quelle zu Meinem Knechte gesprochen hat. [HiG.01_40.11.15.a,14] So ihr aber ein so eingesperrtes
Kind hättet, dessen Ich früher erwähnt habe, so frage Ich euch, wer kann denn
allezeit mit dem wohlverwahrten Kinde reden? Und ihr werdet sagen: „Wir
gestatten es niemandem als nur uns selbst, mit demselben zu reden, damit fürs
erste das böse Kind nicht noch mehr verdorben werde, als es schon ist, durch
irgendein unzeitiges, Barmherzigkeit heuchelndes Maul und zweitens, damit
durch den bösen Mund des Kindes auch nicht irgendein geordnetes Herz zur
Unordnung verleitet werde.“ [HiG.01_40.11.15.a,15] So aber ein ehrlicher Mann zu euch
kommen wird und wird sagen: „Vater, laß mich dein widerspenstiges Kind sehen,
ich habe ein gutes Wort in deinem Namen in meinem Herzen für dein Kind
gefunden. Daher laß mich zu selbem, damit ich es sehen und sprechen kann.“ –
Da wird der Vater sagen zu dem Freunde: „Laß mich zuvor das Wort hören, und
ich will dich dann führen zu meinem Kinde und dir eröffnen das finstere
Gemach desselben.“ – Seht dieser Vater bin auch Ich! – Wer da zu Mir kommt
mit einem redlichen, liebevollen Herzen und kommt zu Mir in Meinem Namen, so
werde Ich ihn auch alsobald erkennen, daß er um Meines Namens willen zu Mir
gekommen ist, um diesen Meinen Namen zu verherrlichen in sich und dadurch in
allen Meinen Geschöpfen. Sehet, zu dem werde Ich dann auch sagen: „Komme zu
Mir, und Ich will dich darob führen in alle Gemächer Meiner Gefangenen und
dir zeigen ihre Kerker und offenbaren deinem Herzen ihre Bosheit, damit sie
sich stoßen sollen an der Treue deines Mir ergebenen Herzens und sollen
daraus ersehen, was da besser ist, ein Freund oder ein Feind Meiner Ordnung
zu sein.“ [HiG.01_40.11.15.a,16] Seht, damit will Ich euch nichts
anderes sagen, als daß demjenigen, dem es vollkommen Ernst ist mit seiner
Liebe und mit der Verherrlichung Meines Namens, hernach auch alsobald alle
Gemächer Meiner unendlichen Schöpfung nach und nach aufgeschlossen werden.
Und es soll ihm auch nicht ein Punkt tot und fremd bleiben, und es sollen ihm
aufgetan werden die Gemächer der Luft, die Gemächer des Erdreiches. Und er
soll mit dem einen Auge schauen die große Welt der Geister und mit dem andern
Auge zu gleicher Zeit die Welt der Körper, damit er da gewahren könne, wie
eins aus dem andern hervorgeht und eines für das andere da ist. [HiG.01_40.11.15.a,17] Jedoch, wohlgemerkt, nicht eher soll
das jemandem zuteil werden – und würde er darum bitten Tag und Nacht – bevor
es ihm nicht ganz vollkommen Ernst mit seiner Liebe zu Mir geworden ist. Denn
das Himmelreich leidet allezeit Gewalt, und nur diejenigen werden es
besitzen, die es mit eiserner Gewalt an sich reißen. Diese „eiserne Gewalt“
ist aber keine andere als die Gewalt der Liebe. Denn die Liebe vermag alles! [HiG.01_40.11.15.a,18] So jemand aber unter euch sagen
möchte: „Ja, ich möchte wohl alles tun und möchte mich verleugnen bis auf den
letzten Tropfen Blut, wenn ich nur einmal auch etwas sehen oder vernehmen
könnte, damit ich doch wissen könnte, ob an allen dem wirklich auch etwas
daran ist?“ – Allein da sage Ich euch auf eine solche Äußerung: Fürs erste,
hast du denn wirklich noch nichts vernommen? Wer gab dir denn Licht der
Augen, wer das Gehör? Und wer alle die übrigen Sinne? Wer gab dir ein Herz,
zu lieben, und einen Verstand, zu denken? So du dieses nicht von dir selbst
empfangen hast, da du es doch, dir ersichtlich, besitzest – wie kannst du
sagen, daß du noch nichts gesehen und vernommen habest? [HiG.01_40.11.15.a,19] Bist du nicht vielmehr selbst in
deinem ganzen Wesen ein lebendiges Wort aus Mir? – So du aber ein Buch
liesest und lässest das erste Wort weg, welches das bedeutungsvollste ist und
um welches sich alle Worte im ganzen Buche drehen – wie willst du das übrige
Buch des Lebens verstehen? – Seht, ihr selbst seid das erste Wort in dem
Buche des Lebens! Wollt ihr dieses Buch lesen, und zwar verständlich lesen,
so müsset ihr dieses erste Wort zuerst vollkommen aussprechen, das ihr selbst
seid, und dann erst die übrigen Worte, welche alle zur Erläuterung des ersten
Grundwortes im großen Buche geschrieben stehen. [HiG.01_40.11.15.a,20] Wie lautet aber dieses Wort? –
Dieses Wort lautet: „Liebe!“ – [HiG.01_40.11.15.a,21] Was eure Liebe erfaßt hat, dasselbe
wird auch euer Leben erfassen! Hat eure Liebe sich selbst ergriffen, so habt
ihr dadurch euer Leben euch selbst zum Sklaven gemacht. Da aber euer Leben
nichts als eure Liebe selbst ist, so hat sich eure Liebe dadurch selbst
Fesseln an Händen und Füßen angelegt und hat sich verkrochen in das finstere
Gemach ihres Eigendünkels! [HiG.01_40.11.15.a,22] Hat eure Liebe aber Mich erfaßt, der
Ich das freieste Leben Selbst bin, so hat sie auch dadurch die größte
Freiheit erfaßt und hat sich auch frei gemacht durch die allergrößte Freiheit
Meines ewigen, einzigen und alleinwahren Lebens und wird selbst frei, so wie
auch das Leben frei ist, welches sie ergriffen hat. [HiG.01_40.11.15.a,23] Sehet, diese Vorbetrachtung ist
notwendig, um das Nachfolgende zu begreifen. – Ihr seid letzthin
hinaufgewandert zu einer Quelle, die ihr den „Ursprung der Andritz“ nennet. –
Nun fragt sich, was habt ihr da gesehen? – Ihr habt ein recht reines Wasser
ganz ruhig aus der Erde hervorkommen sehen. Und habt ihr auch wirklich nicht
bedeutende Löcher in dem Boden bemerkt, aus welchen das Wasser, dem Innern
der Erde entquellend, zur Oberfläche herauftritt, so habt ihr euch aber doch
wenigstens denken müssen, daß dasselbe durch den Sand und anderes
zerbröckeltes Gestein ganz leise durchsickert. Ferner habt ihr da noch ein
eigentümliches grünes Kräutlein unter dem Wasser recht häufig wachsen sehen.
Ihr habt noch gesehen Steine und Fische, wie allerlei andere, euch bekannte
Gegenstände. Doch alles dieses wollen wir für diesmal unbeachtet lassen, weil
ihr fürs erste das Naturmäßig-Wesentliche dieser Quelle durch Meine Zulassung
schon von der Quelle selbst empfangen habt, und weil fürs zweite vom Wasser
wie von andern Naturgegenständen noch ohnedies am rechten Platze ausführlich
gesprochen wird. [HiG.01_40.11.15.a,24] Was aber das sonderheitlich
Nützliche dieser Quelle ist, so gebe Ich euch kund, daß, so diese Quelle zu
einem anständigen Badeorte verwandelt würde, sie beinahe die Eigenschaft
hätte wir einst der euch bekannte Teich bei Jerusalem, und es würden daselbst
viele bresthafte und gichtische Menschen geheilt werden. Es gibt zwar viele
Quellen, aber nicht allen diesen Quellen ist beständig ein schützender
Engelsgeist beigegeben. Dieser Quelle aber ist – wie ihr schon wißt – ein
solcher Geist gegeben. Und daher wohnt ihr auch eine besondere heilende Kraft
inne! – Das ist nun das naturmäßig Nützliche dieser Quelle! [HiG.01_40.11.15.a,25] Das geistig Nützliche aber ist das,
daß jeder auf gleiche Weise still aus sich hervortreten soll durch kleine
Mündungen, so wird er das Leben in sich nicht trüben durch eine törichte
Heftigkeit und wird das Licht der Gnade ihn erleuchten können bis in den
innersten Grund und wird sein ganzes Leben sein voll lebendiger Hoffnungen,
wie dieser Quellengrund bewachsen ist mit schönen, hellgrünen Kräutlein. Und
so werden sich auch seine demütigen Erkenntnisse gleich den munteren
Fischlein in dieser Quelle in dem hellen Wasser seines Lebens frei nach allen
Richtungen bewegen. Und es wird das schwache Schilf nur in seiner
Äußerlichkeit vorkommen, aber die Tiefe seines Lebens wird frei sein,
allezeit die Strahlen der Gnade bis in den innersten Grund aufzunehmen. [HiG.01_40.11.15.a,26] Aber auch der ganze weitere Verfolg
dieser Quelle soll euch zeigen, daß wenn der Mensch zu sehr seine Kräfte ums
tägliche Brot anwendet, so wird dadurch auch das Wasser seines Lebens immer
mehr und mehr getrübt. So werdet ihr auch bemerkt haben, daß dasselbe höchst
reine Wasser bei weitem nicht mehr so rein ist, nachdem es im Verlaufe von
einer kleinen halben Stunde mehrere Mühlen in Bewegung gesetzt hat. – Ihr
werdet zwar sagen: „Ist es denn nicht recht, wenn man seine Kräfte nützlich
anwendet? Oder ist es nicht recht, daß an diesem Bache mehrere Mühlen erbaut
sind?“ – Oh, dawider habe Ich gar nichts einzuwenden – bis auf einige wenige
Mühlen, auf denen kein weißes, sondern ein schwarzes Mehl des Teufels erzeugt
wird. Auch daß ihr eure Kräfte nicht zum zeitlichen Wohle verwenden sollet,
will Ich damit nicht sagen, sondern nur, daß ihr sie gerecht nach Meinem
Willen anwenden sollet. [HiG.01_40.11.15.a,27] Denn gleich wie der Quelle ihre
Nützlichkeit schon in sich selbst zugeteilt ist, so ist sie auch jedem
Menschen zugeteilt, wenn er sie nur erkennen und danach handeln will. Aber
die verliehenen Kräfte für überflüssiges Zeug und sogar für schlechtes Zeug
anzuwenden, seht, das ist, was am Ende das Wasser des Lebens trübe macht. [HiG.01_40.11.15.a,28] Daher sollt ihr an dem Bächlein
eures Lebens auch nicht gar zu viele „Mühlen“, am allerwenigsten
„Pulvermühlen“ errichten; so wird dasselbe stets so klar bleiben, wie es war
vom Ursprung aus. Und wann es sich dann vereinigen wird mit dem Strome des
ewigen Lebens, so wird es daselbst klar und rein, wie der Strom selbst, sich
mit demselben vereinen und dem Gnadenmeere Meines eigenen, ewigen,
allerklarsten Lebens zuströmen. – Amen. Das sage Ich, euer Vater, euch zu
einer kleinen, wohlgeordneten Lehre! – Amen. Eine kleine Morgenandacht. – 15.
November 1840
[HiG.01_40.11.15.b,01] O du heiliger Vater! Sieh mich armen
Sünder gnädig an, wie ich in einer großen Armut des Herzens stecke. Mein
Glaube wanket, meine Hoffnung sinket und meine Liebe wird schwach, so Du Dich
nur einen Augenblick lang von mir abwendest! [HiG.01_40.11.15.b,02] O heiliger, bester Vater! Wende
daher ja nie mehr auch nur einen Augenblick Dein heiliges Auge weg von mir
armem Sünder und behalte mich stets in Deiner wahrhaft alleinseligmachenden
Gnade, Liebe und All-Erbarmung! – Amen. [HiG.01_40.11.15.b,03] Laß an jedem Friedensmorgen / mich
um nichts als Dich nur sorgen! / Laß mir mein getreu Gewissen / nicht vom
Satan je versüßen! / Laß mich allzeit treu verkünden / Deine Gnade! Liebe
finden / laß, o Vater, stets mich Armen! / Habe nur mit uns Erbarmen! / Lasse
allzeit Deinen Willen / uns, die Kinder, treu erfüllen, / daß verherrlicht
möchte werden / stets Dein Name hier auf Erden. / Und daß jeder möcht'
erfahren / und die große Huld gewahren, / so laß alle Gnade finden, / sich
mit Liebe an Dich binden! / Amen, sag' ich, Vater. Amen! / Amen, Heil durch
Deinen Namen! Von Jakob Lorber gedichtet aus ihm selbst. Friedensgruß zum Geburtstag. –
19. November 1840
[HiG.01_40.11.19,01] Solange noch zum geziemenden Empfange
der weltlichen Gratulanten eher alle Fußböden im Hause der Welt gereinigt
werden, als der einfache Boden des Herzens zu Meinem Empfange, kann Ich nicht
erscheinen vor jenen, für die der Boden zuerst gereinigt worden ist. Denn Ich
bin immer von ganzem Herzen demütig und sanfter denn eine Taube und harre oft
ängstlich genug, als wie ein schwaches Kind, vor der Türe, sehe da die stolze
Welt aus- und eingehen und getraue Mich nicht ins Zimmer zu treten in Meiner
Ärmlichkeit vor solchen oft gar so prachtliebenden und weltlich majestätisch
aussehenden Menschen. [HiG.01_40.11.19,02] Da warte Ich dann geduldig trauernd so
lange, bis ein solcher Rummel vorüber ist und auch die weltlichen Fußböden
ein wenig abgeschmiert worden sind, wonach Ich Mich dann erst ängstlich
getrauen kann, schüchtern einzutreten, um Meinen gnadenvollsten Wunsch am
Tage der Eingeburt einer Mich im stillen ein wenig liebenden Seele
darzubringen. [HiG.01_40.11.19,03] Liebes Kind, höre! Willst du Mich aber
haben als ersten Gratulanten, dann wasche zuerst den Boden und fege das
Gemach rein, da Ich eintreten möchte, und dann erst siehe auf den Fußboden
deines Hauses zum geziemlichen Empfange der Welt. Denn füglich sollte der
Vater wohl der Erste sein, auf den die Kinder Rücksicht nehmen, und Ihn
sollten sie zuerst erwarten in der Liebe heiligem Ernste und daraus im
lebendigen Glauben und vollsten Vertrauen. [HiG.01_40.11.19,04] Denn siehe, wenn eine schöne Jungfrau
unter vier Augen zu ihrem sie über alles liebenden Freier sagt: „Ich liebe
dich unaussprechlich!“ – so sie aber in der Welt hohen Putzgesellschaft auf
ihn mit ihren Augen stößt, eine ärgerliche Miene macht, und es ihr nicht
recht ist, daß er ihr aus großer Liebe auch dahin gefolgt ist; und so der
Liebhaber nun merken wird, daß ihn seine Geliebte in solcher Gesellschaft
kaum eines gleichgültigen Blickes würdiget – was meinst du, wie bei einer
solchen Gelegenheit dem redlichen, treuen Liebhaber um sein so heiß liebendes
Herz wird? – Ich sage dir, er wird über die Maßen traurig und am Ende
ärgerlich werden. Und es dürfte die Jungfrau recht viel kosten, bis sie ihn
wieder gewinnen wird. Und sollte sie mehrere Male so tun, dann dürfte er wohl
kaum mehr zu gewinnen sein. [HiG.01_40.11.19,05] Siehe, wenn aber schon ein weltlicher
Liebhaber solches täte, der doch mehr tot als lebendig ist, so kannst du dir
wohl auch denken, daß Ich, als der allerredlichste und getreueste Liebhaber,
der Ich doch das unendliche, ewige Leben Selbst bin, bei fast ähnlichen
Erscheinungen bei dir nicht ganz ungekränkt zusehen kann und darf, wenn du
dann und wann, Meiner unbekümmert, mit der Welt konversierest und auch den
Deinen nicht wohl zeigest den schmalen Weg zu Meinem Herzen. [HiG.01_40.11.19,06] Du möchtest nur, daß Ich beständig zu
dir kommen solle. Ich sage dir aber, es ist ein und derselbe Weg von Mir zu
dir. Daher könntest du nach tausend Meiner Besuche bei dir, Mir, deinem
Vater, schon auch einmal einen oder auch zwei Besuche ganz ernst in deinem
Herzen machen! [HiG.01_40.11.19,07] Siehe es hat mich gekränkt, daß du
diesmal so spät nach Mir verlangtest! Der weltliche Freier zwar kann nicht
ins Herz seiner Geliebten sehen. – Ich aber sehe das deinige, und da es
redlich geblieben ist, so komme Ich nun wieder zu dir. – Nimm Mich auf, auf
daß Ich dann auch dich aufnehmen kann in Meine große Gnade! [HiG.01_40.11.19,08] Das ist der große Wunsch des ewigen
heiligen Vaters, der Ich bin dein lieber Jesus und im selben die Wiedergeburt
und das ewige Leben. Amen. Das einzig Gute und
Wahre. Suche nicht das da „schlechter“ oder „besser“ wäre auf des
wirren Lebens matt erhellter Bahn; sondern denke: Eines ist nur gut und wahr,
und das bin Ich und Meine Liebe! – Alles andere ist eitel, schlecht und
falsch. Wahre Nächstenliebe. – 20.
November 1840
[HiG.01_40.11.20] An Anselm H.: [HiG.01_40.11.20,01] Die Nächstenliebe besteht nicht in den
Augen, noch im Ton der Rede, noch in sonst etwas Äußerlich-Vergnügendem –
sondern die wahre Nächstenliebe besteht lediglich im wahren Wohltun,
besonders gegenüber solchen, von denen an keinen wie immer gearteten
Gegendienst zu denken ist. [HiG.01_40.11.20,02] Wo immer die Liebe noch einen anderen
Nebengrund hat, da hört sie auf, eine wahre, reine Nächstenliebe zu sein und
ist dann gleich einem gewässerten Weine, in dem keine Kraft, kein „Äther des Lebens“
mehr inne ist, sondern der ein „Panschicht“, eine Ware schlechter Gastwirte
ist! – Verstehe es wohl! [HiG.01_40.11.20,03] Wer aber kann zweien Herren dienen!? –
Siehe, Ich und die Welt sind äußerst scharf begrenzte zwei. – Daher lieber
Mir, dem Einen, ganz gehören und dienen – da Ich durchaus keinen Nebenbuhler
dulde! [HiG.01_40.11.20,04] Wohlzutun ist also schon recht – aber
nur in Meiner Ordnung! – Amen. Vom Atmen der Naturwelt. – 22.
November 1840
[HiG.01_40.11.22.a] Schreibende: K. G. L. – S. – Andr. und
Ans. H. – Der Herr offenbarte auf die Frage: „Atmen die Pflanzen auch, und
wie?“ durch Seinen Knecht J. L. Folgendes: [HiG.01_40.11.22.a,01] Nicht nur die Pflanzen, ja sogar die
Steine atmen – jedes nach seiner Art! [HiG.01_40.11.22.a,02] So ihr die Tiere nach der Reihe
durchgehet, werdet ihr finden, daß jedes Tier atmet. Aber das Atmen ist jedem
Tiere auf eine besondere Weise eigen, wie die Art und Gattung es bedingt.
Anders atmet das Pferd, anders ein Stier, anders ein Hund, anders eine Katze,
und so jedes vierfüßige Tier auf seine Weise. Denn obschon das Atmen in
nichts anderem besteht als in dem Insichziehen und Wiederhinausstoßen der
Luft (wobei immer der zum Leben eines Tieres nötige Stoff aufgenommen und
darauf der untaugliche alsogleich hinausgestoßen wird), so ist aber doch die
Art und Weise verschieden, wie die Luft in sich gezogen, daselbst chemisch
zerlegt und das Unbrauchbare wieder hinausgestoßen wird. [HiG.01_40.11.22.a,03] Und so atmen denn Amphibien, Würmer
und Insekten ebenfalls; aber wie ganz verschieden ist das Atmen dieser
kaltblütigen und sogar blutlosen Tier-Gattungen! Denn die Insekten haben kein
Blut, sondern nur einen ihrer Beschaffenheit entsprechenden Saft, der sich
beständig in einer hin- und herrollenden Bewegung befindet, durch welches
Hin- und Herrollen denn auch die zum Leben solcher Tiere nötige Elektrizität
in den Gefäßen entwickelt wird. Und wie ganz anders ist das Atmen jener
Tiere, die unter dem Wasser leben. Und da es der Tiere unter dem Wasser
außerordentlich viele gibt in Hinsicht auf Art und Gattung, so müßt ihr euch
wohl denken, daß das Atmen wieder ebenso verschiedenartig ist wie die
Verschiedenheit der Tiere selbst. [HiG.01_40.11.22.a,04] Sehet, diese Fragen, die da gestellt
sind, sind allerdings einer Beantwortung würdig. Aber es ist eine Grundfrage
weggeblieben, ohne deren Beantwortung diese zwei Fragen nie völlig zur
gründlichen Einsicht der Menschen beantwortet werden können. Und diese
Grundfrage ist folgende: [HiG.01_40.11.22.a,05] Warum atmen die Tiere, Pflanzen,
Steine und alle Weltkörper? – Sehet, wenn man nicht einsieht, daß und wieso
das Atmen notwendig ist zum Bestehen der Dinge, so nützt es einem nichts, zu
wissen, ob und wie die Dinge atmen, da dieser Akt mit dem Auge nicht
bemerkbar ist. Weiß man aber, warum geatmet werden muß, dann ist das Ob und
Wie ja ohnedies schon soviel wie beantwortet. Denn es ist schwerer die
Notwendigkeit einzusehen, als das Ob und Wie. [HiG.01_40.11.22.a,06] Um aber dieses einzusehen, wollen
wir uns zuerst nicht etwa über die Tiere und Pflanzen, sondern über einen
Stein machen und sehen, ob dieser das Atmen nötig hat. Und werden wir finden,
daß er es nötig hat, so werden wir doch auch sicher finden, daß er atmet. Und
wie er atmet, wird sich dann wohl auch zeigen in der Notwendigkeit des Atmens
selbst. [HiG.01_40.11.22.a,07] Nun seht, ihr saget: Die Materie ist
nichts als der Ausdruck zweier sich widerstrebender Kräfte, nämlich der
Zentripetal- und Zentrifugal-Kraft. [HiG.01_40.11.22.a,08] Das Bestehen der Materie hat demnach
darin seinen Grund, daß die Zentrifugal-Kraft in demselben Grade der
Zentripetal-Kraft entgegenwirkt in dem beständigen Bestreben, sich nach allen
erdenklichen Richtungen endlos weit ausdehnen zu wollen, in welchem
Verhältnisse die Zentripetal-Kraft wieder das ganz entgegengesetzte Bestreben
äußert und sich beständig in einem Punkte zusammenziehen will. [HiG.01_40.11.22.a,09] Nun, wenn die Zentripetal-Kraft
nicht durch das beständige Annehmen der sie umgebenden gleichartigen
Hilfskräfte genährt oder unterstützt würde, so würde sie alsobald von der
Zentrifugal-Kraft überwunden werden, wodurch sie dann auch zunichte würde und
die Materie dadurch aus der Sphäre des Daseins träte. Daher hat denn der
Stein, je welcher Art er ist, beständig die ihn umgebenden gleichartigen
Teile in der Luft an sich zu saugen, das ihm ganz Geiche zu behalten und
dadurch die durch den gegenseitigen Kampf verbrauchten Teile zu ersetzen, das
Unähnliche aber vermöge der stets nach außen wirkenden Zentrifugal-Kraft
wieder hinauszuschaffen – damit er das bleibe in seiner Art, als was er
gebildet wurde. Dann und wann geschieht es aber auch, daß selbst ein Stein
gewisserart krank wird, wenn fremdartige Teile zu häufig mit den ihm
eigentümlichen eingesaugt wurden und diese durch die entgegenwirkende
Zentrifugal-Kraft nicht wohl mochten wieder hinausgeschafft werden und der
Stein dann in sich fremdartige Gebilde bekommt. Z.B. findet man da in einem
oder dem andern Steine sonstige Mineralien oder in einem unedlen Steine
edlere Steine; oder, was von euch ein jeder schon öfter wird beobachtet
haben, daß sonst durchsichtige Kristalle, oder selbst Diamanten, gewisse
undurchsichtige, moos- und federartige Partikeln in sich enthalten, welche
doch gewiß nicht der Natur dieser sie enthaltenden Steine selbst sind. [HiG.01_40.11.22.a,10] Nun, wie geschieht denn eigentlich
der Akt des Atmens bei den Steinen? – Diese Frage liegt zwar schon zur Hälfte
beantwortet in der Notwendigkeit des Atmens. Ein Stein atmet fürs erste auf
die tierische Art, nämlich durch die „Inhalation“ und „Respiration“ das
heißt, er zieht vermöge seiner groborganischen Bildung und seiner mit
derselben verbundenen Eigenschaft unausgesetzt ihm ähnliche Teile aus der ihn
umgebenden Luft in sich. Und wie bei den Tieren die chemische Zersetzung erst
im Körper selbst erfolgt, so erfolgt beim Stein diese Zersetzung schon auf
seiner Oberfläche; weshalb mit der Zeit auch die Oberfläche des Steins von
einer ihm fremdartigen, anderfärbigen, dünnen Kruste überzogen wird, welche
bei größeren Steinmassen oft so stark wird, daß sie nach ihrer Art entweder
ein eigenes Gestein bildet, oder je nachdem die ausgeschiedenen Teile sind,
sich oft auch als ein pflanzenartiges Gewächs unter allerlei Formen ansetzt. [HiG.01_40.11.22.a,11] Sehet, dies könnte gewiß nicht
geschehen, wenn der Stein nicht inhalierte und respirierte (d.h. ein- und
ausatmete). Aber eben diese Erscheinung muß ja auch jedem noch befangenen
Forscher auffallen. Denn sie sagt ihm klar: der harte Stein, der weder
Feuchtigkeit noch irgend etwas zum pflanzlichen Wachstum in sich enthält, wie
z.B. der blanke Gebirgskies, wie kann der wohl um seinen ganzen Umfang oft
einen Zoll dick mit ganz fremdartigen Gebilden umgeben sein, welche auf
irgend anderen Körpern nicht in der Art zu treffen sind wie um ihn, wenn er
nicht durch das Einatmen der ihm zusagenden Teile eben das in der Luftregion
zurückließe, was hernach durch einen anderen Prozeß zur Bildung der den Stein
umgebenden fremdarigen Formen tauglich ist? [HiG.01_40.11.22.a,12] Denn es geschieht hier dasselbe, wie
wenn ihr irgendeinen Körper eine Zeitlang in ein mineralisches Wasser legen
würdet. Da würde dieser Körper ebenfalls alsobald das ihm Zusagende in sich
aufnehmen, und das ihm nicht Zusagende, aber doch zunächst ihn Umgebende,
würde sich dann in irgendeiner salzarigen Kruste um den Körper anlegen. [HiG.01_40.11.22.a,13] Dafür kann euch die sonderbare
Erscheinung ein sichtliches Probestück liefern, so ihr ein Zinkstängelchen
nehmen würdet und selbes hineinhängen möchtet in ein Glas, welches angefüllt
wäre mit aufgelöstem Blei. Was wird hier geschehen? Das Zinkstängelchen wird
jetzt begierig einzuatmen anfangen und wird aus der Flüssigkeit das ihm
Zusagende einsaugen. Das Blei aber, welches durch diese Flüssigkeit aufgelöst
wurde, wird wieder um das Zinkstängelchen kompakt ersichtlich, nachdem es
sich alsobald unter allerlei, man könnte sagen zufälligen Gebilden um
dasselbe angelegt hat. – Seht, was durch dieses euch gezeigte Experiment
sichtlich vor sich geht, das ist auch der Fall bei allen Mineralien! [HiG.01_40.11.22.a,14] Nun hätten wir denn auch gesehen,
wie dieses Atmen geschieht. – Aber nebst diesem Ein- und Ausatmen gibt es
noch ein zweites und ein drittes Atmen. [HiG.01_40.11.22.a,15] Seht, das ist wieder etwas Neues! –
Da ihr begierige Neuheitsschnapper seid, so muß Ich euch ja auch schon wieder
etwas Neues auftischen. Denn Ich meine, es wird nicht mehr nötig sein,
hinsichtlich des ersten Atmens noch zu erörtern, ob die Steine atmen, nachdem
ihr doch gesehen habt, daß sie fürs erste atmen müssen und fürs zweite auch,
wie sie atmen. Wenn man nun diese zwei Grundbedingungen notwendig
einsichtlich weiß, dann werdet ihr wohl selbst bemerken, daß es mit dem „Ob“
seine geweisten Wege hat. Und sonach gehen wir zu unserer „Neuigkeit“ über! [HiG.01_40.11.22.a,16] Das nächste Atmen ist ein
elektrisches Atmen. – Dieses elektrische Atmen ist nichts anderes als das
Aufnehmen des magnetischen Fluidums, durch welches die beiden sich
widerstrebenden Kräfte in ihrer Beharrlichkeit gestärkt werden. Diese
Beharrlichkeit ist wieder nichts anderes als der sichtbare Ausdruck der
gegenseitigen Polarität – und das zwar darum sichtbar, weil, wie ihr schon
ohnedies hoffentlich ein wenig wissen werdet, die Materie in ihrer
Erscheinlichkeit nichts anderes ist als die Polarisation der sich
entgegenstrebenden Kräfte. [HiG.01_40.11.22.a,17] Diese Polarisation ist denn
gewisserart das Leben der Materie, welches solange fortwährt, als die
Polarisation sich als „Beharrlichkeit der gegenstrebenden Kräfte“ in der
Materie ausspricht. [HiG.01_40.11.22.a,18] Wird durch was immer für einen
bestimmten Umstand eine oder die andere Polarität in ihrer Beharrlichkeit
gestört, alsdann verwittert die Materie und zerfällt endlich in Staub,
welcher Staub selbst nur so lange als solcher existiert, solange in seinen
Partikeln noch irgend „Polarität“ vorhanden ist, geht aber endlich aus diesem
letzten Dasein in ein anderes über, sobald er durch irgendeinen Umstand eine
gänzliche andere Richtung zu nehmen genötigt wird. [HiG.01_40.11.22.a,19] Jedoch was die dritte Art des Atmens
anlangt, davon soll bei einer nächsten Gelegenheit nähere Meldung geschehen.
Und darüber sage Ich hier nur so viel: Da ihr schon ohnedies wohl wisset (aus
einem andern Gesichtspunkte, als dem der Weltgelehrten), was und wozu
eigentlich die Materie ist, so müsset ihr ja ohnedies euch wohl denken, daß
wenn die Materie, woraus das Haus gebaut ist, notwendig atmen muß, um als
solche zu bestehen, und sich in selber, durch das zweite Atmen, die zur
Existenz der Materie nötige Beharrlichkeit der Polarität aussprechen kann,
daß dann doch gewiß die Einwohner in diesem Hause nicht atemlos sein werden. [HiG.01_40.11.22.a,20] Ihr werdet doch verstehen, welche
Bewohner hier verstanden werden? – Da wir nun aber sogar die Steine haben „schnarchen“
gehört, so wird es gewiß ein noch viel Leichteres sein, die viel organischere
Pflanzenwelt in ihrer notwendigen Ein- und Ausatmung zu belauschen. Vom Atmen der Pflanzen. – 22.
November 1840 (Fortsetzung)
[HiG.01_40.11.22.b,01] Sehet, eine Pflanze, vom Baum bis
zum Grase, besteht, wie ihr im allgemeinen wißt, aus einem untersten Teile,
der allezeit in der Erde steckt und der Wurzelteil der Pflanze ist, welcher
Wurzelteil gleich ist einem Fuße, auf dem die Pflanze steht. Und zugleich
aber ist dieser vielästige Fuß auch ein barer Polyp, welcher die Nahrung
durch tausend Saugrüssel in sich saugt. [HiG.01_40.11.22.b,02] Auf diesem untersten Teil, mit
selbem in organischer Verbindung, steht über der Erde der Stamm, der da
gleich ist dem Leibe der Tiere, in welchem sich der „Hauptmagen“ zur
Verdauung der in sich genommenen Speisen befindet – neben welchem Hauptmagen
freilich noch, wie in jedem tierischen Körper, viele tausend kleine
„Nebenmägen“ sich befinden, von denen jeder die vom Hauptmagen aufgenommene
Speise wieder zu etwas anderem verdaut. Es ist hier nicht der Ort, um alle
diese „Nebenmägen“ in der Ordnung ihrer Verrichtung aufzuzählen, sondern es
soll unterdessen euch selbst überlassen sein, darüber eure Denkkraft in der
Liebe zu Mir zu schärfen. [HiG.01_40.11.22.b,03] Und so sehen wir, was über dem
„Leibe“ der Pflanze noch weiter zum Vorschein kommt, nämlich: die Krone, in
welcher der Stamm, vervielfältigt, in die kleinsten Zweige ausläuft. [HiG.01_40.11.22.b,04] Nun, das ist einmal das organische
Bild der Pflanze! [HiG.01_40.11.22.b,05] Bei den meisten Pflanzen werdet ihr
mehr oder weniger im Stamme selbst oder aber doch im Stiele der Blätter oder
Zweige einen hohlen Raum entdeckt haben, der mit keiner Flüssigkeit, sondern
bloß nur mit Luft angefüllt ist – welche Luft jedoch nicht ganz gleichartig
ist mit der äußeren, die Pflanze umgebenden atmosphärischen Luft, sondern
entsprechend der jedesmaligen Beschaffenheit der Pflanze. Daß ihr z.B. solche
Luft in der Blattstielröhre einer Kürbispflanze findet, wird wohl niemand von
euch bezweifeln. Wie ist denn aber da die Luft hineingekommen? [HiG.01_40.11.22.b,06] Sehet, das ist schon beantwortet
damit, daß die Pflanze die Fähigkeit in sich haben muß, die Luft an sich zu
saugen – denn sonst könnte wohl nicht leichtlich diese eigentümliche Luft
hier vorhanden sein, wovon euch schon eure Nase belehren muß, so ihr eine
solche Röhre abschneidet und dann die in derselben befindliche Luft eurer
Nase näher bringet. [HiG.01_40.11.22.b,07] Daß durch die Einatmung diese Luft
in der Pflanze vorhanden ist, beweist auch noch das, daß, so ihr die Pflanze,
wenn sie noch lebt, aus der Erde reißet und sie auf ein Feuer leget, ihr beim
Verbrennen derselben alsobald durch das blasende Gezische gewahr werdet, daß
Luft in derselben vorhanden ist. Denn wäre keine Luft vorhanden, so würde die
Pflanze ohne Gezische und Geprassel verbrennen wie ein in Öl getauchter
Faden. [HiG.01_40.11.22.b,08] Da würde ein Naturforscher
allerdings sagen: „Ja, diese Luft kann auch durch die Poren dahin dringen!“ –
O ja, sage Ich, und sage noch dazu, daß sie das tun muß. Denn wenn die
Pflanze so verschlossen wäre, daß sie nicht irgend auch allerfeinste Poren
hätte, saget, wodurch soll denn die Luft hineindringen, selbst dann, wenn die
Pflanze ihre Atmungsfähigkeit noch bedeutend sichtbarer äußern würde als
irgendein Tier!? [HiG.01_40.11.22.b,09] Wenn man z.B. euch Mund und Nase
verstopfen würde, wodurch wird wohl Luft in eure Lungen dringen nach dem
Bedarf, wie ihr derselben nötig habt zum Leben!? Da eure zwei größeren Mund-
und Nasenporen offen sein müssen, wenn ihr atmen sollet, so werdet ihr doch
auch nichts dawider haben, wenn eine Pflanze auch irgend mit Poren versehen
ist, durch welche die Luft in sie dringen kann nach ihrem Bedürfnisse. Und
ihr werdet die Pflanze um diese Fähigkeit umso weniger beneiden, da sie mit
dem Atmen viel ökonomischer ist als ihr. [HiG.01_40.11.22.b,10] Denn während ihr doch alle Sekunden
aus- und einatmet, atmet die Pflanze nur zweimal im Tage, Und zwar geschieht
der Einatmungsprozeß zur Tageszeit und der Ausatmungsprozeß zur Nachtzeit. Es
wird da nämlich die athmosphärische Luft, nach dem Bedürfnisse der Pflanze,
durch die Poren, ja bei einigen Pflanzen sogar durch eigens dazu bestimmte
Kanäle, langsam den ganzen Tag über in sich gezogen. Zur Nachtzeit aber, wenn
der chemische Prozeß vor sich gegangen ist und die Pflanze das ihr Zusagende
aufgesaugt hat, wird der überflüssige, der Pflanze nicht zusagende
Kohlenstoff mit anderen, der Pflanze ebenfalls nicht zusagenden Stickteilen
hinausgestoßen – welcher Ausstoßungsprozeß dann ebenso lange wieder
fortdauert, wie am Tage der Einatmungsprozeß gedauert hat. [HiG.01_40.11.22.b,11] Nun, da hättet ihr denn das Atmen
der Pflanzen und hörtet, daß es wirklich vor sich geht! – Warum es vor sich
geht, ist schon gesagt beim Steine. Denn es ist ein und derselbe Grund bei
der Pflanze wie beim Stein. [HiG.01_40.11.22.b,12] Jedoch wie die Pflanze atmet, das
ist etwas anderes. Denn obschon auch bei der Pflanze der nämliche Grund als
bewegende Ursache des Atmens vorhanden ist, so wird es aber doch durch ganz
andere, dem Organismus der Pflanze entsprechende Mittel erreicht, als bei der
anderen, ganz plump organischen Materie. [HiG.01_40.11.22.b,13] Fürs erste müßt ihr, um das Wie
recht zu verstehen, wissen, daß das Atmen nicht eine so ganz einfache
Verrichtung ist, wie es sich dem Äußeren nach zum Beschauen darbietet.
Sondern da ist ein Atmen immer die Folge eines anderen, vorhergehenden
Atmens. [HiG.01_40.11.22.b,14] Zum Beispiel, so ihr einen
Doppelblasebalg zur Hand nehmet und ziehet ihn auf mit der Hand, so wird die
Luft von dem unteren Blasebalg in den oberen gedrückt. Sobald der untere Teil
wieder losgelassen wird, schöpft er neuerdings wieder Luft. Und so ihr ihn
wieder drücket, so wird diese hineingeschöpfte Luft wieder in den oberen
gedrückt. Sobald der untere Teil wieder losgelassen wird, schöpft er
neuerdings wieder Luft. Und so ihr ihn wieder drücket, so wird diese
hineingeschöpfte Luft wieder in den oberen gestoßen. – Aber saget, hätte das
der Blasebalg auch für sich allein verrichten können, ohne daß ihn irgendeine
bewegende Kraft zu dieser Verrichtung genötigt hätte? – „Nein“, wird selbst
der blindeste Verstand sagen, „solches geht nicht an!“ [HiG.01_40.11.22.b,15] Wenn Ich nun also frage, welche
bewegende Kraft setzt denn die Pflanze in ihrem Organismus in den Stand, daß
sich die Organe in ihr verhältnismäßig erweitern und dadurch die Luft gleich
einem Blasebalg in sich saugen? Da werdet ihr sagen: „Das ist ja eben der
Punkt, wo es bei uns noch hapert!“ – Allein ihr sollt von eurer „Haperei“
sogleich befreit werden, müsset aber zuvor einen sorgfältigen Blick werfen
auf die zahllosen, oft kleineren und oft größeren rauhen Spitzchen, welche
sowohl den Stamm oft ganz, besonders aber die untere Seite der Blätter,
anfüllen. [HiG.01_40.11.22.b,16] Sehet, diese Spitzchen sind nichts
anderes als lauter Elektrizitäts-Sauger. Sie saugen begierig dieses
polarische Fluidum den ganzen Tag über in sich – und zwar am Tage das
Positive dieser Polarität. Durch dieses Insichsaugen der positiven
Elektrizität, welche entspricht der Zentrifugal-Kraft, da sie in sich eine
Fülle ausspricht, werden die Organe ausgedehnt, wodurch dann die Räume größer
und größer werden und die Luft durch die Poren notwendig in sich saugen
müssen. [HiG.01_40.11.22.b,17] Zur Nachtzeit aber ändert sich auch
die elektrische Polarität, und das elektrische Fluidum entströmt durch die
Spitzen oder entladet sich, wie ihr zu sagen pflegt, wodurch dann die Organe
wieder enger aneinander treten und die durch die Polarität der Elektrizität
selbst ausgeschiedene, unbrauchbare Kohlen(säure)- und Stickluft
hinausstoßen, welche zwei Luftarten der negativen Polarität entsprechen. [HiG.01_40.11.22.b,18] Nun, da habt ihr die aufgelöste
„Haperei“! – Nun werdet ihr sagen: „Jetzt haben wir's!“ – Ich aber sage: Ihr
habt es zwar wohl, aber eine Hauptsache geht uns noch ab. Und diese ist
folgende: daß namentlich diejenigen Pflanzen, die da fortbestehen über den
Winter, als dergleichen sind Gesträuche und Bäume, wie auch einige niedere
Pflanzen, die dem Botaniker wohl bekannt sein werden, noch ein großartigeres
periodisches Atmen haben, das im Verlaufe von einem Jahre einmal ein und
einmal aus geschieht. Das heißt, den Sommer hindurch geschieht mit dem
täglichen Atmen auch immerwährend das Haupteinatmen, und zwar auf folgende
Art: [HiG.01_40.11.22.b,19] Es geht durch jeden speziellen
Atemzug ein solcher Prozeß in dem Organismus des Baumes vor, daß, abgesehen
von dem natürlichen Verbrauche der eingeatmeten Luft, immer noch etwas von
dieser Luft in dem Organismus zurückbleibt, durch welchen Rest der Baum den
Sommer hindurch ganz besonders sein Wachstum im Umfang fördert. Ist nun aber
der Sommer vorüber, so wird der nicht verbrauchte, bedeutende Rest wieder
hinausgeschafft, was teils in der groben Rinde, teils aber auch in dem an
demselben häufig entstandenen Moose ersichtlich wird. [HiG.01_40.11.22.b,20] Wenn nämlich dieser Luftrest vermöge
der allgemeinen Beengung der Organe zur Winterszeit durch die Poren
allenthalben hinausgepreßt wird, so könnet ihr euch wohl leicht denken, daß
diese Luft durch die längere Gegenwart in dem Organismus des Baumes nicht
ganz rein geblieben ist. Wenn sie nun wieder hinaustritt in die freie atmosphärische
Luft, so muß sie, bevor sie von derselben aufgenommen wird, durch einen
eigentümlichen chemischen Prozeß das ihr Uneigentliche an der Rinde oder am
Stamme in der einen oder andern Form absetzen, wodurch dann die grobe Rinde
selbst wie auch das Moos auf derselben gebildet wird. [HiG.01_40.11.22.b,21] Sehet, das ist nun das große
periodische Atmen solcher Pflanzen! – Daß es vor sich gehen müsse, dafür
spricht das Bestehen einer solchen Pflanze selbst. Und die besprochenen
Erscheinungen bürgen laut für die Wahrheit dieser Offenbarung. [HiG.01_40.11.22.b,22] Aber, daß der Baum noch ein viertes
Atmen hat – wie die Tiere ein fünftes und sechstes und der Mensch ein
zahlloses – dieses zu erörtern ist hier nicht der Platz, wie es auch noch zu
früh wäre für das schwache Verständnis eures Gemütes. Jedoch zu seiner Zeit
wird euch alles in der Überfülle gegeben werden. Denn dieses hier Gesagte ist
kaum ein Sonnenstäubchen im Vergleich zu dem Unendlichen, was da noch zu
sagen wäre selbst nur von einem Sonnenstäubchen. [HiG.01_40.11.22.b,23] Obschon es zwar in Mir und für Mich
nichts Unendliches und nichts Ewiges gibt, da Ich Selbst unendlich und ewig
bin, so birgt aber doch alles Geschaffene Unendliches in sich, da es Mich
Selbst in sich birgt. Denn, wo wäre das Ding, das außer Mir wäre und Mich
nicht in sich trüge?! Was aber Mich in sich trägt, trägt Unendliches in sich
und kann daher auch für das endliche Wesen niemals endlich besprochen werden. [HiG.01_40.11.22.b,24] Daher könnt ihr auch versichert
sein, daß Ich für diejenigen, die Mich lieben, noch allezeit für alle
Ewigkeiten im Hintergrunde Unendliches verborgen habe, und daß diejenigen,
die zu Mir in die Schule gehen, in alle Ewigkeit nicht auslernen werden. [HiG.01_40.11.22.b,25] Denn je mehr da einer erkennen wird,
desto mehr wird ihm noch immer zu erkennen bleiben. Daher wird es in Meinem
Reiche auch keine „Gelehrte“ geben. Und da wird nie jemand können das
„Rigorosum“ zur Doktors-Würde machen. Denn da wird es stets heißen: [HiG.01_40.11.22.b,26] Wir bleiben ewig Schüler, und all
unser Erkennen und Wissen ist nichts als ein eitles Stückwerk gegen die
Allwissenheit unseres Vaters! [HiG.01_40.11.22.b,27] Sehet, daher seid froh und voll
guten Mutes! Wenn ihr auch nicht alles wißt, so wisset ihr aber doch, daß Mir
nichts unbekannt sein kann. Und wisset noch dazu, daß euch alles gegeben
wird, um was ihr Mich, euren heiligen Vater, bitten werdet. Amen. Das sage
Ich, euer wohlweiser Vater! „Die Heiligen der letzten Tage“.
– 24. November 1840
[HiG.01_40.11.24] O Herr! Was ist an der Sekte, die sich
nennt: „Die Heiligen der letzten Tage“, deren Mitglieder im Besitze von
Wunderkräften sein sollen und großenteils nach Amerika auswandern? [HiG.01_40.11.24,01] Was diese Sekte betrifft, die da sich
nennt: „Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“ so ist nicht
so viel dran, wie ihr meint. Denn sie nennt sich „heilig“, und doch bin nur
Ich allein heilig! [HiG.01_40.11.24,02] Wenn da aber jemand geheiligt wird in
Meinem Namen, so ist er darum noch nicht selbst „heilig“, auch wenn er mit
Mir durch die reinste Liebe völlig eins werden möchte. Denn wäre er nur im
allgemeinen heilig – im sonderlichen aber bleibe nur Ich allein heilig – und
er geheiligt durch Mein lebendiges Abbild in ihm. [HiG.01_40.11.24,03] Also sehet, wer sich „heilig“ nennt,
wenn auch um Meines Namens willen, der verherrlichet nicht meinen Namen,
sondern er tut nur also, auf daß sein Name möchte verherrlicht werden durch
den Meinen. Und wenn er auch preiset Meinen Namen, so preiset er ihn vielmehr
darum, daß er selbst Ehre und Heiligkeit für sich finden möchte durch die
Preisung der Heiligkeit Meines Namens. – Sehet, solche „Heilige“ stehen Mir
nicht wohl zu Gesicht! [HiG.01_40.11.24,04] Und dann fragt es sich weiter: wo
steht es denn geschrieben, daß jemand des Heils willen nach Amerika
auswandern soll, um dort, der größeren Gesetzlosigkeit wegen, bequemer und
ungehinderter zu leben? – Ich sagte doch allezeit: „Das Himmelreich leidet
Gewalt; die es nicht mit Gewalt an sich reißen, werden es nicht besitzen!“ –
und habe noch nie gesagt: Das Himmelreich leidet Bequemlichkeit; die es mit
Bequemlichkeit an sich reißen, werden es besitzen! [HiG.01_40.11.24,05] Wer zu Mir kommen will, braucht nicht
nach Amerika zu wandern, sondern nur in sein eigenes Herz! – Und hat er
selbiges recht gereinigt durch die wahre Liebe und den lebendigen Glauben
daraus, dann wird er Mich gar wohl finden, und das viel näher als in Amerika. [HiG.01_40.11.24,06] Die aber schon meinen, Mich gefunden
zu haben, und sich darob „Heilige“ nennen und nach Amerika wandern, um Mich
gleichsam besser verwahren zu können, wahrlich, die haben noch wenig
Festigkeit und werden sie in Amerika sicher noch weniger finden. Denn wer da
sich schon fürchtet, in seiner angewohnten Heimat weltlich vom Geiste
abgezogen zu werden, wie wird der wohl bestehen in einem fremden Weltteil, wo
ihn tausend Merkwürdigkeiten und Bedürfnisse treffen werden!? [HiG.01_40.11.24,07] Daher ist an dieser „heiligen“ Sekte
nicht so viel daran, wie ihr meint. – Sehet, den Mitgliedern dieser Sekte
schmeckt der Gehorsam gegen ihre Monarchen nicht. Darum wollen sie nach
Amerika ziehen, allda ein Freistaat ist, da fast jeder herrschen möchte, aber
keiner gehorchen; denn jede Republik gleicht allezeit mehr oder weniger der
Hölle, welche im allerstrengsten Sinne eine Republik ist. [HiG.01_40.11.24,08] Was aber die „letzten Tage“ betrifft,
so habt ihr mit dem „Ende aller Zeiten“ nichts zu schaffen, sondern nur mit
der Zeit, in der ihr lebet. Denn das ist eines jeglichen „letzte Zeit“. –
Darum wachet in dieser und seid emsig in der Liebe, damit diese Himmelskraft
euer Anteil werde ewig! – Amen. Gehorsam, Kirche, Rose – drei
Worte im geistigen Lichte. – 25. November 1840
[HiG.01_40.11.25,01] O Herr! Da wären drei inhaltschwere
Worte! – Möchtest Du sie mir nicht in Deiner großen Liebe gnädig enthüllen
zum leichten Verständnisse der Ansagerin W. H. und ihrer Geschwister – da
sie, obschon noch sehr jung, doch aber, wie es deinem sündigen Knechte
vorkommt, dann und wann schon so irgendeine kleine Sehnsucht nach Dir
bekommt. – O Herr! So es Dein heiliger Wille ist, erhöre diese kleine Bitte
Deines unnützen, faulen Knechtes und laß Mich nicht zuschanden werden in der
Verherrlichung Deines über alles erhabenen, mächtigen, heiligen Namens! [HiG.01_40.11.25,02] Nun so schreibe denn! [HiG.01_40.11.25,03] Weißt du noch den kurzen Satz, den Ich
dir gestern abend im Hierhergehen mitgeteilt habe? – Siehe, du hast ihn zur
Hälfte vergessen! Daher ist es nötig, dir denselben wieder ins Gedächtnis zu
rufen, bevor dir deine Bitte gewährt werden mag. [HiG.01_40.11.25,04] Dieser Satz aber lautete also: „Was
blickst Du die Sterne so verwundert an und ängstigst dich deiner Seele? Was
denkst du, was willst du, was ists, das du wissen möchtest? – Liebe! – so
wirst du erfahren, was du nicht weißt und wissen sollst.“ [HiG.01_40.11.25,05] Siehe, wie du gestern blind und
seufzend die Sterne angeschaut hast und wußtest nicht, wer der „Hausherr“ ist
– ebenso schaust du heute diese drei, von dem erwähnten Mädchen dir
vorgelegten Worte an und weißt nicht, was daraus werden soll. [HiG.01_40.11.25,06] Siehe, du hast dir eher das Thema
erbeten, als bei Mir die Erlaubnis, daß du so etwas tun möchtest! Wäre Ich
ehrgeizig gleich den Menschen, so würde Ich dich diesmal im Stiche sitzen
lassen, damit du gewahren mögest, ein wie großer Tor du bist! [HiG.01_40.11.25,07] Allein da Ich nicht bin wie die
Menschen und du dir nichts zugute hältst ob deiner außerordentlichen
Dummheit, so will Ich dir ja wohl allezeit sagen, woran dir redlich gelegen
ist, damit du es wissen mögest zum Nutzen der andern. [HiG.01_40.11.25,08] Siehe, „Gehorsam“ ist der Weg in die
wahre, lebendige Kirche, welche ist Mein lebendiges Wort, geschrieben und
ausgesprochen von Ewigkeit in jedes Menschen und Engels Herz. [HiG.01_40.11.25,09] Die „Rose“ aber besagt, die reinste,
wohlduftende Liebe zu Mir aus der Kirche des Herzens. Wie aber die
Meisterblume wächst auf dornigen Gesträuchen, so ist auch der Weg in die
wahre Kirche, als den Ort, da Meine Gnade einzig und allein nur zu Hause ist,
ebenfalls ein etwas dorniger. Aber eben darum ist auch dann die reine Liebe,
deren Wurzeln im Garten des kindlichen Gehorsams dem dornigen Strauche
wohlgedeihliche Nahrung zuführen, das höchste, schönste und heiligste Gut –
ja, sie allein ist das ewige, seligste Leben selbst. Und wer nicht diese
Königsblume geistig in seinem Herzen tragen wird, wird schwerlich eingehen in
das große, ewige Reich der Himmel. [HiG.01_40.11.25,10] Gehorsam ist also der Garten. – Das
Leben im Gehorsam sind die guten Rosenstrauchwurzeln. Obschon noch in der
dunklen, lichtlosen Erde, sind diese aber doch die Hauptträger des Strauches
und endlich der Blüte selbst. – Die Kirche aber gleicht dem dornigen
Strauche. Und es sind die Dornen daran all die Freiheitsprüfungen und
mannigfachen Versuchungen der Welt, aber zugleich auch die Feuersauger der
Liebe, wie die wirklichen Dornen am Rosenstrauche Sauger des elektrischen
Feuers sind. – Die Rose aber endlich ist das schöne Symbol der Liebe selbst! [HiG.01_40.11.25,11] Also höre du, Meine liebe junge
Erfinderin dieser drei Worte! Werde auch du eine Rose und werde als solche
Meine liebe Tochter, damit dir dereinst klar werden möge das Rätsel, das dich
noch gefangen hält am Weltlichen! [HiG.01_40.11.25,12] Komme daher alsobald in Meinen Garten
und erblühe daselbst zur herrlichen Blume des ewigen Lebens, da du wieder
vernehmen wirst die gar heimlichen Klänge Meiner väterlichen Stimme! [HiG.01_40.11.25,13] Was dir aber gesagt ist durch Meinen
Knecht, das gelte auch deinen Geschwistern! – Amen. – Da sage Ich, euer aller
liebevollster Vater, Amen. Reiseführung. – 29. November 1840
[HiG.01_40.11.29] Schreibende: Andr. und Ans. H. – Der Herr
sprach durch J.L. Nachstehendes aus Seiner Liebe: [HiG.01_40.11.29,01] Es haben sich am gestrigen Tage zwei
ohne Meinen Willen – in einem weltlichen Interesse – gegen Morgen verfügen
wollen – obwohl es doch füglich gewesen wäre, daß wenigstens Mein Knecht Mich
zuvor um Rat gefragt hätte, ob ein solches Unternehmen ersprießlich sein
möchte oder nicht (da Ich doch nie zurückhaltend war mit Meinem Rate bei was
immer für einer Gelegenheit!) – So aber habe Ich wollen, daß ein solches
Unternehmen nicht ausgeführt werden mochte, da es nicht gewesen wäre nach
Meinem Willen, darin doch nur allein das wahre Glück allzeit und in allen
Gelegenheiten zu finden ist – und ganz besonders für jene, welche schon mehr
oder weniger den Weg gefunden haben dahin, wo Mein Wille sich treulich kund
gibt, und zwar, wie ihr wißt, allzeit in wohlverständlichen und vernehmlichen
Worten. [HiG.01_40.11.29,02] Damit ihr aber auch wisset, warum Ich
die zwei in ihrer Reise habe verhindern lassen, so will Ich euch anzeigen,
daß Ich dadurch euch eine große Wohltat erwiesen habe. Denn es wären beide
nicht mit gesunden Körpern wieder zurückgekommen. [HiG.01_40.11.29,03] Da ein jeder Mensch, sei er gut oder
böse, allezeit den freien Willen hat in seinem Handeln, so kann Ich auch den
Bösen so wenig wie den Guten in seiner Handlung hindern. Und so wäre es denn
geschehen, daß ihr auf dem Wege von Lebring (so nennet ihr den Ort) bis Straß
(das ist der Ort, da ihr zu bleiben gedachtet) in die Hände eines bösen, sich
dort aufhaltenden Gesindels gefallen wäret und hättet viel zu tun und zu
kämpfen gehabt, um dieses Gesindel los zu werden; und hättet dadurch auch,
vermöge des darob entstandenen Ärgers, geistigen Schaden gelitten. [HiG.01_40.11.29,04] Um also für euch ein solches Ungemach
zu verhindern, machte Ich nur ein Rad eures Wagens unbrauchbar, und zwar an einer
Stelle, da links und rechts ziemlich weit und breit an keine Reparatur zu
denken war – wodurch ihr dann genötiget waret, in eure sichere Heimat
zurückzukehren. [HiG.01_40.11.29,05] Sehet, wer nicht beständig mit Mir
wandelt, der geht gar oft seinem Unglücke blind in die Arme und ahnet nichts
von selbem, bis es ihn durch und durch gefangengenommen hat! – So aber Ich
mit bin auf irgendeiner Reise oder anderartigen Unternehmung, so werde Ich es
nie zulassen, daß demjenigen, der an Meiner Seite wandelt, auch nur ein Haar
gekrümmt werde! [HiG.01_40.11.29,06] Und so diene euch auch das gestrige
Erleben zu einem starken Beweise! Denn obschon ihr Mich nicht um Rat gefragt,
auch nicht eigens gebeten habt, daß Ich euch dahin begleiten soll, so habe
Ich aber euch doch nicht aus Meiner allzeit beseligenden Acht gelassen. [HiG.01_40.11.29,07] Denn da Ich weiß, daß ihr hernach doch
erkennen werdet, daß Ich jene nicht verlasse, die Mich zu suchen und zu
lieben angefangen haben und sich treu bleiben in dieser Eigenschaft – so bin
Ich auch stets bei solchen – ob gebeten oder nicht gebeten. Denn wer Mir
freiwillig zugetan ist, dem bin auch Ich freiwillig zugetan. [HiG.01_40.11.29,08] Ferner aber möchte Ich noch das
bemerken (jedoch den freien Willen nicht im geringsten beschränkend), daß es
Mir in Hinsicht des verlassenen irdischen Weingartens, der noch dazu allen
möglichen Elementar-Unannehmlichkeiten ausgesetzt ist, lieber wäre, wenn
derselbe von Meinem Freund und Verehrer nicht angeschafft würde; sondern da
soll dieser lieber zuerst Meinen Weingarten recht gut bearbeiten und
zurichten. Und, so er will und Freude hat mit einem irdischen Weingarten,
dann werde Ich ihm schon mit der Zeit einen anderen anzeigen, mit welchem er
mehr Freude haben wird als mit diesem, der da angekauft würde mit einem
Gelde, das Ich nicht näher bezeichnen will. – Und somit genug von dem! [HiG.01_40.11.29,09] So ihr aber wollt und könnt, so könnt
ihr euch nach eurer Zeit und Muße auf einen anderen Ort verfügen, und das
zwar sobald als möglich. Und sorget euch dabei nicht, ob die Zeit schön und
hell oder trübe ist. Denn da wird gerade eine solche Zeit sein, wie sie sein
muß, um euch wieder um eine sehr bedeutende Stufe höher zu heben. [HiG.01_40.11.29,10] Und seid auch unbekümmert um die
„Diätengebühr“, da Ich euch ja letzthin doch gewiß gut bezahlt habe, und zwar
mit der allerechtesten und barsten Münze. War diese Münze nur eine blanke
Silbermünze – so will Ich euch für dieses Mal eure Reise im Golde bezahlen.
Und wie das Gold in seinem Adel über dem Silber steht, so wird auch diese
Bezahlung über der für die Reise zur Kleinalpe sein. [HiG.01_40.11.29,11] Denn damals waret ihr beschieden gegen
Abend, jetzt aber seid ihr beschieden gegen Morgen; und damals war es eine
gleichgültige Zeit, jetzt aber feiert ihr die bedeutende Zeit Meiner Ankunft!
Und es soll diese Zeit bei dieser Gelegenheit euch nicht mit der bloßen
Benennung, sondern werktätig zukommen. [HiG.01_40.11.29,12] Nun werdet ihr fragen: „Aber wohin
sollen wir denn eigentlich gehen?“ – Ich sage: Nicht gar weit! Denn sehet,
Ich habe zwei Punkte auserwählt, von denen der eine näher und der andere um
drei Stunden weiter liegt. Doch wäre es Mir billiger, so ihr ein größeres
Opfer brächtet und möchtet hinfahren an den Ort, allda ein Berg steht unter
dem Namen Kulm. – Jedoch so ihr dahin zu reisen, vermöge eurer Geschäfte,
nicht hinreichend Zeit hättet, so könnt ihr euch auch verfügen auf einen Ort
bei dem sogenannten Schlosse Lustbichel allda auf einem ziemlich bedeutenden
Hügel in derselben Richtung ein anderes kleines Schlößchen sich befindet, bei
welchem etwas mehr am Abhange noch eine Kapelle steht. [HiG.01_40.11.29,13] Wo ihr nun demnach hin wollet, da
gebet wohl acht auf alles, sei es auf der Erde oder in der Luft, sei es in
der Nähe oder in der Ferne; vor allem aber auf eure Gefühle! Denn darinnen
werdet ihr, so ihr an dem bestimmten Orte sein werdet, bei genauer
Aufmerksamkeit wohl zu gewahren anfangen, was das heißt, in Meinem Namen
etwas zu tun! [HiG.01_40.11.29,14] Und Ich sage euch: Himmel und Erde
werden vergehen, aber Meine Worte werden ewig bestehen – und das, was durch
sie bestimmt wird, wird bestehen über alle Schöpfung hinaus! Denn da Mein
Wort ausgegangen ist von Meiner Liebe, wie sollte es vergehen, solange die
Liebe besteht, die solche Worte aus Sich hat gehen lassen?! [HiG.01_40.11.29,15] Jedoch ganz anders verhält es sich mit
all dem Geschaffenen, das da hervorgegangen ist aus Meinen Gerichten, die nur
geschehen sind durch die Liebe, aber nicht aus der Liebe – und daher auch
vergänglich sind wie die Gerichte, aus denen sie hervorgegangen. [HiG.01_40.11.29,16] Das Gericht dauert nur eine Zeit. Denn
die Zeit selbst ist nur ein Gericht. Die Liebe aber besteht ewig. Denn die
Ewigkeit ist ja die Liebe selbst, und in ihr ist alles voll Liebe. [HiG.01_40.11.29,17] In der Zeit wirkt die Liebe durch das
Gericht und sänftet in selbem den Zorn(-eifer) Gottes. In der Ewigkeit aber
ist die Liebe Siegerin über den Zorn(-eifer) und somit auch über alles
Gericht. Und daher ist daselbst nichts als Liebe und die ihr entsprechende
unendliche Seligkeit. [HiG.01_40.11.29,18] So ich aber sage, daß diese Worte
nicht aus Meinem Gerichte, sondern aus Meiner Liebe zu euch gerichtet sind,
so denket auch, daß sie über alles Zeitliche ewig hinausragen werden! – So
ihr also könnt und wollt, so tut das Gesagte so bald als möglich! Denn es ist
der allzeit euch mehr und mehr beseligende Wunsch eures großen, heiligen
Vaters, der in allem ist die ewige Liebe und Weisheit Selbst. Amen! Geburtstag-Gratulation. – 30.
November 1840
[HiG.01_40.11.30.a,01] Das Folgende lasse Ich durch den
Knecht dir, Meinem sehr willigen Freunde, Andr. H.-„Willig“ sagen, da Ich
deinen Willen als bewährt gefunden habe! [HiG.01_40.11.30.a,02] Die Menschen wünschen sich zwar
gegenseitig vielfach allerlei Glück, aber es bleibt auch gewöhnlich bei dem
Wunsche nach der Weltmode, weil ihm kein wahres Wollen der Liebe, sondern nur
eine blinde, weltliche Gewohnheit zugrunde liegt. [HiG.01_40.11.30.a,03] Da wünscht oft einer dem andern
(wenn es noch gut geht) alles ordentliche „Beste“ – in der sicheren
Überzeugung, daß von all dem Gewunschenen nichts in Erfüllung gehen wird. Und
es ist bei all seinen Wünschereien oft auch nicht ein Sonnenstäubchen
ernster, der wahren Liebe entstiegener Wille – derjenigen hofsittlichen
Gratulationen nicht zu gedenken, die vermittelst der gedruckten Papierchen,
die ihr „Visitenkarten“ nennet, geschehen. [HiG.01_40.11.30.a,04] Fragst du, warum bei solchen
Wünschen nie etwas Erfolgliches herauskommt, so sage Ich: Darum, weil der
willenlose Wunsch nichts als eine heuchelnde, schmeichelnde Höflichkeit des
kalten Weltverstandes und somit eine bare Lüge und absurde Narrheit ist. [HiG.01_40.11.30.a,05] Wie ist doch der Mensch ein großer
Tor, der da zu einem Stein spricht: „Werde Gold!“! – Und siehe, doch wäre ein
solcher Tor nur klein zu nennen gegen einen Gratulanten, der seinem
Wünschling „tausend Lebensjahre“ wünscht, während er ihm das Leben auch nicht
für eine Terzie verlängern kann und, fürs zweite, ihn oft schon am nächsten Tage
unter der Erde wissen möchte, um dadurch etwas zu gewinnen. Und so ist
mancher, der da wünscht „Glück und Segen“, und in seinem Herzen ist er voll
Ärgers – oder der da wünscht „Gesundheit und heitere Lebenstage“ und kennt
oft den alleinigen Geber solcher Dinge kaum dem Namen nach. Oder ist da
endlich noch einer, der spricht: „Ich wünsche Ihnen, was Sie sich selbst
wünschen!“ – Weiß dieser Gratulant denn auch, ob das alles gut ist, was sich
die Menschen in ihrer Eigenliebe wünschen!? – Und so gratuliert die Welt sich
denn beständig Unsinniges in ihrer finsteren Leerheit! [HiG.01_40.11.30.a,06] Aber höre, nicht also soll es bei
euch sein! – Statt solcher Tollheit sollen Meine Freunde sich gegenseitig in
Meinem Namen voll Liebe im Herzen fragen: „Bruder, bedarfst du in irgend
etwas meines Beistandes, so sage es mir offen, und ich will dich nach
Möglichkeit meiner Kraft und meines Vermögens wohl unterstützen!“ Sage nicht:
„– wenn du solches wünschest!“ – sondern sage, daß du selber dessen
benötigest zur Ehre Gottes und zur Wohlfahrt deines Geistes! [HiG.01_40.11.30.a,07] Und hat dir der Bruder solches
gestanden, so sei liebewillig und tue es unverzüglich, so wirst du das Herz
deines Bruders erquicken. Und Ich, dein Vater, werde Freude haben ob solcher
werktätigen Gratulation. [HiG.01_40.11.30.a,08] Und so du gratulierest, da
gratuliere armen Hilfsbedürftigen – so werde Ich auch deine anderen
Gratulationen, die du verrichten mußt, um der Welt kein Ärgernis zu geben,
mit gnädigen, nachsichtigen Augen ansehen. [HiG.01_40.11.30.a,09] Und so trete also anstatt des leeren
Wunsches der volle, kräftige Wille auf im Herzen und anstatt der Gratulation
die reine, uneigennützige Liebe – so wirst du erst ganz sein ein Mann nach
Meinem Willen, welcher ist Meine unendliche Liebe zu euch! [HiG.01_40.11.30.a,10] Siehe, du hast schon so manches
getan, was Mir wohlgefiel, und daher habe Ich dir auch schon einen neuen
Namen gegeben, der da aufgezeichnet ist im großen Buche des Lebens. Und
dieser Name sei dir am heutigen Tage deiner Eingeburt in das irdische Fleisch
ein Geschenk als Name deiner Neugeburt im Geiste! – Aber tue das Gesagte
alles, so wirst du bald die große Freude der Wiedergeburt erleben! [HiG.01_40.11.30.a,11] Siehe, so ist Meine Gratulation
geartet! – Ich „wünsche“ nichts, sondern was Ich will oder liebe, das gebe
Ich oder lasse es zu, daß es geschieht. – Was würde wohl daraus werden, so
Ich euch das Leben wünschen möchte und ließe es beim Wunsche!? – Allein Ich
wünsche nicht bloß, sondern Ich will – und so lebet ihr! [HiG.01_40.11.30.a,12] Es heißt ja aber, daß ihr sollt
vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Nun denn, so tuet
auch ihr, wie Ich, euer Vater, es will und selbst tue! Könnt ihr auch nicht
tun, was Ich tue im Unendlichen, so tuet es doch im Kleinen! Dann werdet ihr
sein gleich einem kleinen Kreise, der ja in all seiner Geringfügigkeit doch
vollkommen gleich ist dem großen Kreise Meines unendlichen Wesens. Erziehungswink. – 30. November
1840, (Fortsetzung)
[HiG.01_40.11.30.b,01] Und nun höre, Mein lieber
Andreas-Willig, schließlich noch: Es ist ein kleiner Wunsch von Mir dir
gegenüber – und du weißt nun schon, was Ich unter „Wunsch“ verstehe, nämlich
die Vereinigung Meines Willens mit dem euren – daß du deinen Kindern nicht
zuchtlos den freien Willen lassen möchtest; sondern, was du sie lernen
lässest, das sollen sie willig lernen aus Gehorsam gegen dich, und nicht ob
es sie freue oder nicht. Sondern so du dies oder jenes für gut findest, so
muß es auch ihnen gut und recht sein, weil es dir gut und recht ist. Und es
wird dann auch wirklich daraus Gutes und Rechtes, so es geheiligt wird durch
den Gehorsam. Sonst aber wird alles schlecht und unnütze. [HiG.01_40.11.30.b,02] Siehe, der Fehler bei aller
Erziehung besteht gewöhnlich darin, daß die Eltern die Sache der Kinder für
zu wenig bedeutend nehmen. Aber bedenke nur, wo bei Mir die Erziehung
beginnt, von welcher Bedeutung Mir schon ein Sonnenstäubchen sein muß! Und
nun denke dir, wie hernach erst ein Kind! – So du das recht bedenkst, wirst
du wohl leichtlich einsehen, warum die Erziehung der Kinder sehr beachtet
werden soll! [HiG.01_40.11.30.b,03] Siehe, Mein lieber Willig, wandle
stets emsig auf Meinen Wegen, und Ich werde dich ewig nicht aus Meiner Liebe
lassen und werde allezeit sein dein guter, heiliger Vater und ewig dein
größter, allergrößter Lohn. – Amen. Fahrt nach Haberbach. – 1.
Dezember 1840
[HiG.01_40.12.01] Der Herr offenbarte durch Seinen Knecht
über die Fahrt nach Haberbach bei Lustbichel und über das vom sogenannten
Koppenhof aus Betrachtete Folgendes: [HiG.01_40.12.01,01] Ihr werdet schon dann und wann bemerkt
haben, daß Ich euch manches mit ganz gewöhnlichen Worten und manches wieder
mit Worten voll Kraft und Inhaltsschwere geoffenbart habe. – Es geschah das
aus dieser folgenden Ursache: Je nachdem der Gegenstand und die Verfassung
eurer Empfänglichkeit geartet war, darnach wurde auch das zu offenbarende
Wort gerichtet – entweder hoch oder nieder. [HiG.01_40.12.01,02] So ihr aber auf einen Berg gehet, so
seid ihr nach eurer Ansicht höher gekommen, als wenn ihr in der Ebene euch
befunden hättet. Und es ist somit für euch wohl ein Unterschied, ob auf einem
Berge oder im Tale. Denn von dem Berge blicken eure Augen weithin nach allen
Richtungen. Und je höher der Berg, desto weiter der Gesichtskreis. Allein im
Tale könnt ihr nur diejenigen Gegenstände anschauen, welche das Tal
umschließen. Und so ihr in einen Brunnen steigen würdet, wie klein wäre da
euer Gesichtskreis! [HiG.01_40.12.01,03] Aber sehet, nicht also ist es bei Mir!
Denn für Mich gibt es weder irgend etwas Hohes, noch etwas Niederes und
ebensowenig auch etwas Enges. Daher ist auch alles, was Ich euch offenbare
(ob mit hohen oder niederen Worten), gleich hoch und über alle Maßen erhaben.
Gleich hoch darum, weil es derselben Quelle entspringt; und gleich erhaben
darum, weil Ich, der Geber, im allergrößten wie im allerkleinsten gleich
erhaben bin. So wird und kann Mein geringstes Wort in seiner Erhabenheit von
den erhabensten Gesängen der allervollkommensten Engel in Ewigkeit nicht im
geringsten erreicht werden. Und so ist es auch einerlei, ob Ich in
großartigen Sätzen oder in einer gewöhnlichen Alltagssprache etwas mitteile. [HiG.01_40.12.01,04] Denn so ihr glaubet in euren Herzen,
daß Ich es bin, der euch solche Dinge offenbaret, so wird euch wenig an der
Form der Mitteilung, sondern alles an der Mitteilung selbst gelegen sein, da
ihr wisset, daß nur Ich es bin, dem alle Wesen innerlich und äußerlich, ja
bis ins Unendliche, wohl bekannt sind. [HiG.01_40.12.01,05] Aber das einzige könnet ihr vom
Unterschiede der Sprache euch merken: So Ich in hoher Sprache rede, so rede
Ich mehr aus der Weisheit, und die Liebe ist dann nur das Postulat; so Ich
aber rede in eurer Alltagssprache, so rede Ich vorzugsweise aus der Liebe,
und dann ist die Weisheit das Postulat. [HiG.01_40.12.01,06] Und so rede Ich mit Weisen und
Gelehrten der Welt aus Meiner ewig unerreichbaren Weisheit. Aber mit Meinen
Kindern, die Mir lieb geworden sind, rede Ich lieber als ihr guter Vater in
der ihnen mehr bekannten väterlichen Alltags- und Umgangssprache. Und es wird
euch demnach auch gewiß lieber sein, daß Ich mit euch rede aus Meiner
väterlichen Liebe, als daß Ich spreche hohe Worte der Weisheit. [HiG.01_40.12.01,07] So Ich hohe Worte spreche, spreche Ich
sie der Welt willen; ihr aber könnet allezeit versichert sein, daß Ich nie
anders denn als Vater mit euch reden werde. [HiG.01_40.12.01,08] Es liegt aber in einem Worte der
Weisheit nur die ausgesprochene Weisheit selbst darinnen und läßt keine
höhere und niederere Weisheit mehr zu. Aber nicht so ist es mit dem Worte aus
der Liebe. Denn jedes Wort aus der Liebe ist eine lebendige Frucht. Und da es
eine lebendige Frucht ist, so liegt in ihm, wie in jedem Kerne, Unendliches
und ebenso unendlich Mannigfaltiges, das da nimmer vollendet erfaßt werden
kann in Ewigkeit. Sehet, das ist also der Unterschied zwischen der höheren
Weisheitssprache und der niederen Sprache der Liebe! [HiG.01_40.12.01,09] In der Weisheit gebe Ich nur so viel,
wie Ich gebe und wie jeder zu ertragen imstande ist; aber in der Liebe gebe
Ich euch eine Unendlichkeit um die andere, wobei auch die höchste
Engelsweisheit nie zu einer endlichen Lösung der darin verborgenen Weisheit
gelangen wird. [HiG.01_40.12.01,10] Und nun steht es bei euch, in welcher
Art ihr über euren gestrigen Ausflug belehrt werden wollet! [HiG.01_40.12.01,11] Ihr seid also richtig dahin gegangen,
wohin Ich euch beschieden habe, und habt alldort Verschiedenes beobachtet und
gesehen sowohl auf der Erde rings um euch weit und breit, wie auch das, was
euch nahe gelegen war. Und ihr habt ebenfalls beobachtet das Wolken- und
Nebelgebilde der Luft, hoch und nieder. [HiG.01_40.12.01,12] Was euch aber zuerst aufgefallen ist,
das war euer nachbarlicher Berg, den ihr „Schöckel“ nennet. Ihr werdet euch
gewiß – denn Ich weiß es – gefragt haben: „Es sind doch weit und breit
überall hohe Berge zu sehen, warum muß denn gerade dieser unser Nachbar so
einen besonderen Wolken- und Nebel-Appetit haben, daß er fast alle in der
Luft entstandenen Wölkchen wie ein Geizhals an sich zieht und erst dann in
kleinen Dosen auch andern Bergen gewisserart zukommen läßt, wenn er sich
schon über Hals und Kopf satt gegessen hat?“ [HiG.01_40.12.01,13] Sehet, eine solche Erscheinung hat gar
viel zu bedeuten, namentlich aber dann, so sie euretwegen von Mir eigens also
angeordnet wurde. – Um aber dieses Bild recht zu begreifen, müsset ihr auf
alle dabei obwaltenden Umstände gar wohl aufmerksam gemacht werden. [HiG.01_40.12.01,14] Fürs erste steht der Berg von dort, da
ihr ihn betrachtet habt, genau gegen Norden. Fürs zweite ist er der höchste
nachbarliche Berg. Und fürs dritte hat er einen kahlen Scheitel, auf welchem
ein Baumwuchs nicht mehr gut fortkommen will, weil daselbst zu wenig fruchtbare
Feuchtigkeit ist. Und ferner muß noch bemerkt werden, daß nur der Fuß dieses
Berges einigermaßen bewohnt ist. Die Brust ist hie und da ziemlich bewachsen
mit unfruchtbaren Bäumen und zur Sommerszeit findet das Vieh nur ein mageres
Futter daselbst und ein noch schlechteres Wasser zur Stillung des Durstes. [HiG.01_40.12.01,15] Ferner habt ihr gesehen, wie nirgends
sonst als gerade aus der Brust dieses Berges zuerst Wölkchen aufstiegen, und
zwar nicht zu seinem Scheitel, sondern es wartete eins das andere ab,
vereinigte sich mit den anderen und bedeckte so die Brust des Berges, während
der Fuß wie der Scheitel frei blieb. [HiG.01_40.12.01,16] Und schließlich habt ihr noch gesehen,
wie fast allenthalben in der Luft niederstehende Wölkchen sich bildeten und,
von einem frischen Morgenwinde getrieben, hinflohen an die Brust dieses
Berges; und als sie sich da in großer Masse gesammelt hatten, dann erst
stiegen sie von der Brust auch hinauf zum Scheitel und nahmen denselben
gleichsam völlig gefangen. [HiG.01_40.12.01,17] Nebst diesen Wölkchen, die niederer
standen und vom Morgenwinde geführt wurden, habt ihr in dem hochmütigen
Westen auch hie und da, besonders über der Choralpe wie auch über der Stub-
und Kleinalpe, ganz weiße, hochstehende Nebelstreifen gesehen und habt die
Ebenen fast durchgehends mit einem bläulichen Nebel angefüllt erblickt. –
Sehet, das ist nun alles, was ihr notwendig habt bemerken müssen. [HiG.01_40.12.01,18] Aber nun fragt sich's: Was will
geistig dieses alles besagen – oder was habe Ich euch damit sagen wollen? –
Einer von euch hat schon gestern beim Anblicke dieses nachbarlichen Berges,
als er dessen Brust umhüllt sah, gesagt: „Mit der Liebe, da hapert's denn
noch immer!“ – Ja, es ist wahr, es hapert da noch recht stark! Es kann aber
auch nicht leichtlich anders sein, das sehe Ich wohl ein. Denn der Mensch
kann sich nicht so schnell in seiner Natur umkehren, wie die Wäscherin einen
Strumpf umkehrt. Aber nach und nach bei festem und gutem Willen und Meiner
beständigen, starken Mithilfe wird sich schon alles fein geben. [HiG.01_40.12.01,19] Und obschon es also, wie gesagt, mit
der Liebe noch hapert, so hat aber doch das gestrige Bild nicht die „Haperei
der Liebe“, sondern etwas ganz anderes angezeigt. [HiG.01_40.12.01,20] Denn sehet, es ist ein Unterschied, ob
die Nebel aus der Tiefe, aus den Gräben und Schluchten der Berge sich
entwickeln und emporsteigen und dann vom Nordwinde geführt, die Brust dicht
umlagern, während der Scheitel frei bleibt – oder ob solche Nebel aus der
Brust des Berges hervorkommen, eine ganze Legion von anderwärtig entstandenen
gleichartigen Wölkchen an sich ziehen und dann in solcher Vereinigung den
Scheitel gefangennehmen. [HiG.01_40.12.01,21] Damit ihr aber dies begreifet, so
fangen wir bei Punkt eins an. Der „Schöckel“ bedeutet bei jedem Menschen sein
eigenes Naturmäßiges – so sich der Mensch, vermöge seiner „nördlichen“ (d.h.
widrigen Lebens-)Stellung in sich selbst zu demütigen angefangen hat. Denn
wie dieser Berg zwar an und für sich immerwährend ein hoher Berg ist, so ist
er aber doch in Anbetracht seiner hohen Nachbarn nicht viel mehr als nur ein
Hügel. Und wie er allezeit sich demütigen muß, sobald jemand eine Parallele
über seinen Scheitel hinweg zu seinen Nachbarn zieht, ebenso beginnt auch die
Demut bei dem Menschen, wenn er die hohe Welt neben sich erblickt und sich
dabei sagt: [HiG.01_40.12.01,22] „Auch ich bin ein Mensch – warum sind
diese Menschen höher denn ich? Kann ich nicht werden wie sie, so will ich
aber doch sein, was sie nicht sind und auch nicht leichtlich werden können –
d.h. ich will demütig sein und will in meiner Demut mein inneres Feuer der
Liebe werktätig anschüren. Und wenn dasselbe zu brennen anfangen wird, dann
werden all die bösen Dünste durch das innere Feuer hinausgetrieben und werden
nach und nach bedecken meine Höhe, damit sie nicht von einem Hohen mit
ärgerlichen Augen erschaut werden möchte.“ [HiG.01_40.12.01,23] Sehet, so ist dieses Bild zu nehmen!
Diese Nebel sind nicht ein Zeichen, als wäre eure Brust noch so stark umnebelt
wie sie früher einmal war. Sondern sie sind, da sie der Brust entsteigen, ein
Zeichen, daß die innere Brust oder das Herz Feuer gefangen hat und dieses
Feuer solche Dünste aus sich treibt und sie offenbar werden läßt in den
hellen Strahlen der Sonne. [HiG.01_40.12.01,24] Was tut aber die Sonne danach? – Da
sie sieht, daß der Berg solches Gute in sich zu wirken angefangen hat und daß
er sich im Ernste demütigen will, so zieht sie allenthalben solche Wölkchen
zusammen und läßt sie durch den vielsagenden Morgenwind herbeiführen. Und
wenn sie sich dann angesammelt haben, so zieht die Sonne sie sogar über den
Scheitel des Berges hinauf und nimmt denselben gefangen. [HiG.01_40.12.01,25] Dieses aber will ja doch nichts
anderes sagen, als daß auch eure Liebe schon angefangen hat, solche Dünste
aus sich zu schaffen und mittelst derselben, vermöge Meiner Gnadenbeihilfe,
euren Verstand auf diese Art gefangenzunehmen, wie euch das Bild des
Schöckels handgreiflich gezeigt hat. [HiG.01_40.12.01,26] Nun sehet denn, daß ihr euch gestern
doch ein wenig geirrt habt, so ihr glaubtet, Ich hätte euch schon wieder mit
der „Liebehaperei“ necken wollen. [HiG.01_40.12.01,27] Jedoch, was das Verhältnis der anderen
Gebirge betrifft, so hielten diese euch, als ihr sie mittelst eines Fernrohrs
beobachten wolltet, wegen der bedeutenden Luftschwingung nicht stich, sondern
wurden zerrissen auf ihren nackten Kanten. – Dieses zeigt die Bosheit der
weltsüchtigen Menschen an, die, nur mit natürlichen Augen beobachtet, eine
gewisse prunkende Ruhe heucheln; allein werden sie mit dem Fernrohr des
Geistes dem inneren Auge nähergezogen, da zeigt sich dann alsogleich, wie es
mit ihrer prunkenden Ruhe steht. Und wenn erst vollends der Abend ihres
Lebens herannaht, was dann geschieht – davon hat am gestrigen Tage der Knecht
vom hiesigen Schloßberge mit seinem Fernrohr das sprechendste Beispiel
gesehen, da diese, für das natürliche Auge noch immer die gleiche Ruhe
heuchelnden Berge so sehr von den Wellen der Luft zerrissen wurden, daß sie
darob gar keinem Berge, sondern vielmehr einer stark wogenden nächtlichen
Meeresfläche glichen – während der nachbarliche Schöckel in seiner Demut
umhüllt blieb, und schon früher, als ihr euch noch am Orte eurer Bestimmung
befandet, seinen hohen Nachbarn von seiner Liebe etwas zukommen ließ und
andere kleine Berge zur ähnlichen Nachahmung gewisserart aufmunterte. [HiG.01_40.12.01,28] Was habt ihr aber heute gesehen? – Die
Erde mit dem Kleide der Unschuld bekleidet! – Sehet, so werdet auch ihr, die
ihr euch gedemütigt habt in euch selbst um Meiner Liebe und Meines Namens
willen, nach der Nacht dieses Erdenlebens angetan werden mit dem Kleide der
Unschuld! [HiG.01_40.12.01,29] Denn wahrlich sage Ich euch: Der
Sünder mag tun, was er will, er mag die Gebote noch strenger halten als der
Mond seine Viertel und die Erde ihrer Jahreszeiten, er mag beten bei Tag und
Nacht und mag Buße tun auf glühenden Eisen und mag fasten und sich kasteien,
daß alle Welt darob in das größte Erstaunen gesetzt würde, so sie die
außenordentlichen Werke seiner Buße sehen möchte – ja Ich sage, er möge seine
Haut ausziehen und einen Toten damit bekleiden, und er kann einen Glauben
haben, daß er sich sogar die Sterne untertänig machen mag – so er aber die
Liebe nicht hat, wahrlich, sage Ich, dann wird er wohl seinen Lohn bekommen,
um den er gearbeitet und solches getan hat; aber mit dem Kleide der Unschuld
wird er nimmer angetan werden, weil nur die Liebe einzig und allein das wahre
Kleid der Unschuld ist. Und es werden über seinem Haupte schweben mit dem
Kleide der Unschuld Angetane gleich den lichten Nebelstreifen, die ihr
gestern hoch über die Berge habt schweben gesehen. [HiG.01_40.12.01,30] Wer aber statt alles dessen das
einzige, unendlich sanfte Gebot der Liebe ergriffen hat und hat dasselbe lebendig
gemacht in seinem Herzen, der hat durch dieses innere, heilige Feuer alle
Schuld aus sich hinausgeschafft und hat sich vollkommen gereinigt in seiner
Demut durch Meine Liebe in ihm. Und es werden die sogestalt hinausgeschafften
„Dünste“ selbst geläutert werden durch Meine Gnade und lebendig durch den
Geist, der aus Meinem ewigen Morgen weht. Und so wird aus der gereinigten
Schuld selbst das Kleid der Unschuld für die bereitet werden, die Mich nicht
in ihrem Glauben, sondern in der Demut und in der Liebe gefunden haben. [HiG.01_40.12.01,31] Denn wenn es heißt, daß da vor allem
Mein Reich gesucht werden soll und alles andere dann als freie Gabe
hinzugegeben werde, so bedenket, dieses Meine Reich ist eben nur die Liebe! –
Wer Mich also sucht durch die Liebe und in der Liebe, der sucht Mich im
Geiste und in der Wahrheit. Und dieses ist „Mein Reich“. [HiG.01_40.12.01,32] Wer Mich alsdann so gefunden hat, der
hat auch Mein Reich mit Mir gefunden. Und da er das gefunden hat, saget
selbst, was er hernach noch suchen sollte, das er nicht schon dadurch
gefunden hätte? [HiG.01_40.12.01,33] Die Liebe bringet alles mit sich, der
Glaube aber nur sich selbst. Und es können viele glauben ohne Liebe, aber ihr
könnet unmöglich denken, daß die Liebe je vermöchte den Glauben
auszuschließen. [HiG.01_40.12.01,34] Daher sage Ich jetzt wie allezeit:
Wachset in der Liebe, so werdet ihr wachsen in allem! Denn die Liebe vergibt
alles und die Liebe gibt alles! Das sage Ich, euer Vater, als die Ewige Liebe
Selbst. Amen. Vom „Fuchs Herodes“. – 7.
Dezember 1840
[HiG.01_40.12.07] Ans H. bat den Herrn um die Erklärung der
folgenden zwei Verse im Evangelium des Lukas, Kap. 13,32 f.: „Und Er sprach
zu ihnen: ‚Gehet hin und saget diesem Fuchs: ,Siehe, Ich treibe Teufel aus
und mache gesund heute und morgen. Und am dritten Tage werde Ich Mein Werk
vollenden!‘ – Ja, Ich muß heute und morgen und den folgenden Tag wandeln;
denn es schickt sich nicht, daß ein Prophet umkomme außerhalb Jerusalem!‘“ [HiG.01_40.12.07,01] Wird schon wieder etwas gar so
Leichtes nicht verstanden? – O fraget doch einmal euer Herz, und ihr werdet
alsobald den schlauen, herrschsüchtigen „Fuchs Herodes“ darinnen erblicken,
der da zuerst herrschen möchte heute im Fleische, morgen in der Seele und am
dritten Tage im Geiste. [HiG.01_40.12.07,02] Es wird ihm das Ärgste sein, zu
erfahren, daß Ich zuerst richte durch die Kraft Meines Wortes das Fleisch,
nachdem Ich aus demselben hinausgeschafft habe alle Unlauterkeit, Bosheit und
Geilheit in allen Dingen – und mache dann, fürs zweite, die Seele lebendig
durch Meine Gnade – und mache dann frei den Geist durch Meine Liebe. [HiG.01_40.12.07,03] So müßt ihr also heute gesichtet
werden im Fleische, daß der Fuchs der Eigenliebe es nicht merke, und müßt
morgen befreit werden in eurer Seele von all den bösen Kröpfen, die vom
Fleisch in sie eingewachsen sind; und am dritten Tage soll der Geist frei
werden zur vollen Besitznahme der Seele und durch diese all des Fleisches,
damit dann Raum werde in eurem Herzen für Mich, damit Ich da, in diesem
Jerusalem, und nirgend anderswo (was sich wohl für Mich nicht schicken würde)
durch das Werk der Erlösung Mich Selbst vollende im Menschen, damit der
Mensch dadurch vollendet werde in sich durch Mich und werde wiedergeboren
durch Meine Vollendung in ihm durch und durch, d.h. heute, morgen und am
dritten Tage, oder was dasselbe ist: im Fleische, in der Seele und im Geiste;
oder in der Weltlichkeit, Geistigkeit und in der Liebe; oder in diesem Leben,
nach dem Austritt aus dem Leibe und endlich für und in dem Himmel! [HiG.01_40.12.07,04] Was hat aber der Mensch mit dem
„Fuchse“ zu tun? Oder was hat da der bildende Fortgang zu tun mit Herodes? –
Sehet, da gibt es keine ungerichtete Stufe, die da verfehlen möchte ihre
Bestimmung. Aber erst im Menschen tritt die Freiheit in die Erscheinung und
dadurch die Äußerung des Geistes in der Zeit zur Auferstehung für die
Ewigkeit. – Daher ist Herodes weder ein Fuchs noch irgendein anderes Tier;
aber er will schlau sein wie ein Fuchs, ohne zu bedenken, daß Ich noch schlauer
bin und gar wohl verstehe, die Eltern der Hölle aus dem Hause zu locken und
dann Meinen Bund mit deren Töchtern zu machen und sie allesamt zu entführen
in Mein Reich; und brauche nachher niemanden Rechenschaft zu geben, was Ich
tue, und kümmere Mich wenig um den Fuchs. Denn Ich bin ein Herr und tue frei,
was Ich will! [HiG.01_40.12.07,05] Siehe, das ist das leichte Verständnis
dieser zwei Texte! Mache aber auch du mit deinem „Fuchse“, wie Ich tat mit
Herodes. Dann wirst du bald eins werden mit Mir, deinem Herrn und Meister und
Vater! – Amen. Vom Ineinandergehen der
Naturreiche. – 8. Dezember 1840
[HiG.01_40.12.08.a] Schreibende: K. G. L. – S. – Andr. und
Ans. H. [HiG.01_40.12.08.a,01] Was die Atmungs-Organe bei den
Pflanzen betrifft, so gibt es im allgemeinen keine anderen als nur solche,
deren in der letzten Mitteilung umständlich erwähnt wurde. Jedoch wie bei
allen Dingen dieser (Natur-)Welt, mögen sie in ihren Extremen sich noch so
unähnlich sein in ihrer Art, so gibt es aber doch zwischen allen diesen Dingen
sich besonders annähernde Punkte, so zwar, daß da niemand mehr recht weiß, wo
die eine Klasse der Dinge eigentlich aufhört und eine andere anfängt. [HiG.01_40.12.08.a,02] Dieses Ineinandergehen der Dinge in
der Naturwelt werdet ihr nicht nur bemerken von einer Klasse zur andern,
sondern selbst auch bei Dingen einer und derselben Art, bei Mineralien oder
Pflanzen und Tieren. Denn betrachtet nur einmal den Kalkstein, und ihr werdet
in diesem schon die bedeutendsten Übergangs-Abstufungen gewahren. Dieser
Stein ist in den ersten Anfängen seines Bestehens ein fester und harter Stein
und hat hierin nicht viel Unterschiedliches von der Art des Kiesels. Von
dieser seiner härtesten Form geht er über, bis er endlich so weich wird, daß
zwischen ihm und einer nur einigermaßen gefesteten Lehmerde kein bedeutender
Unterschied mehr ist. Und solche Annäherungen gibt es von einer Art zur
andern durchgehends bei allen Mineralien. Und diese Annäherung geschieht
nicht nur speziell, sondern auch formell. [HiG.01_40.12.08.a,03] Und wie es bei den Mineralien der
Fall ist, so ist es auch bei den Pflanzen und Tieren. – Betrachtet nur einmal
die verschiedenen Gattungen des Apfelbaumes! Wer kann es bestimmen, wo diese
Gattung der Bäume anfängt und wo sie aufhört? Ebenso werden auch die Menge
Arten des Weinstockes auffallen müssen; aber wer weiß, wo der Weinstock
anfängt und wo er aufhört? Und doch gibt es zwischen jeder Gattung, wie schon
erwähnt, immerwährende Übergänge von der einen zur andern. Und es steht da
keine Gattung für sich allein so, daß sie nicht mit einer ihr vorhergehenden
und ihr nachfolgenden in irgendeinem beschaffenheitlichen und
eigenschaftlichen Zusammenhange stünde. [HiG.01_40.12.08.a,04] Dasselbe aber ist auch der Fall bei
den Tieren, betrachtet nur einmal alle Rassen einer und derselben Tierart.
Wer kann da behaupten und zeigen, wo eine Rasse anfängt, wo ihr Höhepunkt ist
und wo sie aufhört? [HiG.01_40.12.08.a,05] Nehmet z.B. den Hund und versuchet
zu bestimmen, wo dieses Geschlecht seinen Anfang nimmt und wo es aufhört, und
bestimmet den Kulminationspunkt dieses Tieres und zeiget an, welcher Hund da
am meisten „Hund“ ist. [HiG.01_40.12.08.a,06] Ich aber sage, es gehen alle diese
Gattungen, Klassen und Rassen ebenso eines in das andere über wie die Wellen
des Weltmeeres, da auch niemand wird bestimmen können, welche von diesen
zahllosen Wellen, die die Oberfläche dieses großen Gewässers beunruhigen, die
erste, mittlere und letzte ist. [HiG.01_40.12.08.a,07] Ich aber sage, und ein jeder
einfache Mensch wird es auch sagen: Da ist weder eine die erste, noch eine
andere die mittlere und noch eine andere die letzte! Sondern es treibt da
eine Woge die andere und geht in die andere über, ohne daß sie in diesem sich
schaukelnden Übergange etwas anderes wäre als das, was sie früher gewesen
ist, nämlich Wasser. Aber nur befindet sie sich nicht mehr an der alten
Stelle, sondern, nachdem sie eine frühere Woge verdrängt hat, wogt sie nun an
deren Stelle, während wieder eine ihr nachfolgende sie drängt. [HiG.01_40.12.08.a,08] Um dieses Bild noch richtiger zu
begreifen, denket euch einen Kreis, der da genau in gleiche Grade geteilt
wäre. Nun saget selbst, wie wäre die Behauptung, so jemand sagen möchte:
„Dieser oder jener Grad ist der erste!“ – Ich aber sage: Warum zanket ihr
euch ob der Primität eines Grades, da doch einer wie der andere ist und es
einerlei ist, welchen ihr für den Ersten annehmet. – Und es kann da leicht
sein, daß alle dieses einsehen und sagen: „Da einer ist wie der andere und
jeder von dem andern durch einen gleichen Zwischenraum getrennt ist, so
werden wir durch solchen nutzlosen Zank nicht weiser; sondern, da sei der
nächste beste der Erste, und von da zählen wir fort. So wir den Ersten
bezeichnet haben, so wird sich dann auch geben, wer der Letzte ist.“ [HiG.01_40.12.08.a,09] Sehet gerade so, wie sich dieses
alles verhält, so verhält sich's mit dem Kreis der Dinge in der Naturwelt. Es
geht immer eines unbemerkt in das andere über, wie eine Woge in die andere. Weiteres vom Atmen der Pflanzen.
– 8. Dezember 1840 (Fortsetzung)
[HiG.01_40.12.08.b,01] Vermöge der Übergänge in der
Naturwelt werdet ihr auch Pflanzen finden, welche sich dem Tierreiche nähern.
Und sehet, diese Pflanzen haben denn auch mehr oder weniger in ihren Organen
mit den Organen der Tiere Gemeinschaft. Und auf dieser Stufe werdet ihr auch
Pflanzen finden, die – fast den Tieren ähnlich – mit den Kelchen ihrer Blüten
kleine Tiere förmlich, wie man zu sagen pflegt, mit Haut und Knochen
verzehren. [HiG.01_40.12.08.b,02] Solche Pflanzen, die so eine gröbere
Nahrung von außen her in sich nehmen, müssen dann auch im Innern mehr Mägen
und andere Verdauungsorgane besitzen. Und so besitzen auch einige – nebst den
kleinen sonderheitlichen Mägen, die unter dem Blumenkelche sich vorfinden –
noch einen Hauptmagen in der Mitte der Pflanze, andere an der Stelle, da sie
aus der Erde zu ragen anfangen. [HiG.01_40.12.08.b,03] Wenn denn aber eine solche Pflanze
mit einem solchen Magen versehen ist, seht, da muß sie andererseits mit einer
der Beschaffenheit der Pflanze entsprechenden Lunge versehen sein. Damit ihr
aber einsehet, warum dieses so sein muß, so müßt ihr zuvor einen Blick auf
das Atmen der Tiere werfen. [HiG.01_40.12.08.b,04] Das Tier atmet nicht nur allein des
chemischen Prozesses wegen, sondern es atmet auch noch ganz vorzüglich darum,
weil es gröbere Nahrung in sich nimmt, damit es fester werde in seiner
Beschaffenheit. So muß der Magen, der sich allezeit unweit der Lunge
befindet, auch immerwährend durch die Ausdehnung der Lunge und anderer mit
der Lunge durch die Arterien verbundener Organe gerüttelt und gewisserart,
nach eurem Kunstausdrucke, „frottiert“ werden, damit die harte Speise in
demselben immerwährend umgerührt wird, sich in ihren Teilen reibt und durch
diese Reibung selbst die zur Verdauung gar so notwendige elektrische Wärme
erzeugt. [HiG.01_40.12.08.b,05] Sagt ihr doch selbst: „Ich habe mir
mit einer Speise den Magen verdorben“ oder „ich habe mir den Magen verkühlt.“
Das will nichts anderes sagen, als daß ihr eine der Beschaffenheit eures
Magens und der Tätigkeit eurer Lunge zu harte Speise zu euch genommen habt;
oder ihr habt eine Speise zu euch genommen, die vermöge ihres negativen
Verhältnisses zu wenig positiv elektrisch ist und durch sich nicht leichtlich
zu irgendeiner Gärung gelangen kann. [HiG.01_40.12.08.b,06] Zur Gärung ist nämlich die positive
Elektrizität unumgänglich notwendig, und zwar aus dem Grunde, weil die Gärung
an und für sich nichts anderes ist als das Freiwerden der Elektrizität,
welche als das Prinzip allen organischen Lebens in den Zellen der Organe wie
in kleinen Fläschchen vorhanden ist. Wenn die hier vorhandene Elektrizität
durch äußere Umstände erhöht wird, dann zerreißt sie diese Zellen und springt
entweder, sich mehr und mehr quantitativ vereinigend, frei über zur
allgemeinen positiven Elektrizität der Luft oder geht, so diese Freiwerdung
in einem tierischen Körper wie auch einem tierähnlichen Pflanzenkörper vor
sich geht, als neuer, vitaler Nahrungsstoff in die Zellen des Organismus des
Tieres oder einer solchen tierähnlichen Pflanze. [HiG.01_40.12.08.b,07] Sehet, wie aus diesem Grunde sich
bei den Tieren allezeit das Atmungsorgan oder die atmende Lunge notwendig
vorfinden muß, aus eben dem Grunde muß es auch bei solchen Pflanzen vorhanden
sein, damit es da die Verdauungsorgane in eine stete frottierende Bewegung
bringe. [HiG.01_40.12.08.b,08] Es ist kaum noch zu erwähnen nötig,
daß bei einigen Pflanzen die Wurzel mehr tierischer Beschaffenheit ist als
die Pflanze selbst. Eine solche Wurzelgattung wühlt und sticht gleich den
Würmern im Innern der Erde herum und sucht allda die der Pflanze zuträgliche
Nahrung. Und allda, wo diese Pflanzen ihre Tierähnlichkeit äußern, sind dann
auch jene Atmungsorgane zu finden. – Jedoch in diesem Klima kommen, bis auf
einige sehr wenige Gebirgswasserpflanzen, keine Pflanzen vor, welche diese
besondere, soeben auseinandergesetzte Tierähnlichkeit besäßen. Diese
(eigenartigen Wurzel-)Pflanzen finden sich vielmehr nur in den sehr warmen
und heißen Klimaten. [HiG.01_40.12.08.b,09] So aber jemand der Meinung ist, ein
außerordentlich vergrößerndes Mikroskop werde ihm dieses an jeder Pflanze
ersichtlich machen, da sage Ich, der möge sich ein Mikroskop anschaffen,
unter dessen Brennpunkte er eine Milbe so groß wie eine Welt erblicken
möchte, so soll er aber doch versichert sein, daß er bei einer gewöhnlichen
Pflanze nie etwas anderes erblicken wird, als die jeder Pflanze nach ihrer
Art eigentümlichen, größeren und kleineren, schon letzthin bekanntgegebenen
Atmungsporen. Und sollte ein solcher emsiger Beobachter sogar irgendwelche
Erweiterungen und Beengungen wahrnehmen, so soll er wissen, daß eine solche
Erscheinung eine optische Täuschung ist, die bei so großer Spannung bei dem
menschlichen Auge durch jeden Pulsschlag bewirkt wird – ein Umstand, welcher
besonders bei einem Menschen umso empfindlicher wird, je mehr seine Augen
durch Lektüre von kleinen Schriften und sonstigen vielfältigen Betrachtungen
kleiner Gegenstände mitgenommen wurden, wodurch dann solche Menschen auch gewöhnlich
ein äußerst „kurzes Gesicht“ bekommen. [HiG.01_40.12.08.b,10] Und ferner kann ein solches Beengen
und Erweitern eines solchen beobachteten, leblosen Pflanzenpartikels daher
rühren, daß da die positive Elektrizität, die noch immerwährend vorhanden ist,
solange die Pflanze grün und frisch aussieht, noch irgendeinen betrachteten
Teil erregt und etwas erweitert. Hat sich dann solch ein elektrisches Atom
aus irgendeiner Pflanzenzelle (verschwindend) empfohlen, so schrumpft dann
alsobald die Pflanze allda zusammen, wo sie einen solchen Verlust erlitten
hat, und zieht dadurch auch die nebenbefindlichen Zellen enger an sich.
Dadurch kann es dann wieder geschehen, daß die in solchen Zellen nun
ebenfalls beengte Elektrizität in das leere Hülschen übertritt, wodurch
dieses wieder etwas erweitert wird, und zwar so lange, bis die Elektrizität
sich aus diesem wieder empfiehlt. [HiG.01_40.12.08.b,11] Dadurch wird bei einem von dem
Stamme abgetrennten Pflanzenteile jene Erscheinung ersichtlich, die ihr das
sogenannte Welkwerden nennet. Denn da verliert die Pflanze ihre Elastizität
und ihre Frische, die sie nur auf einige Zeit dadurch retten kann, wenn sie
nicht gar zu lange nach dem Getrenntwerden alsbald ins Wasser gesetzt wird,
wodurch dem Entströmen der Elektrizität ein Hindernis bereitet wird und die
Elektrizität des Wassers der Elektrizität der Pflanze nicht nur das
Gleichgewicht hält, sondern dieselbe sogar noch eine Zeitlang ernähren kann –
besonders wenn die Pflanze nicht zu jenen gar zu sehr Elektrizitätshungrigen
gehört (wie z.B. ein Buchsstäudchen und sonstige ähnliche elektrizitätsärmere
Pflanzen), welche dann noch die längste Zeit mit dieser Nahrung vorlieb
nehmen und fast wie an der Wurzel fortbestehen, nur mit bedeutender
Unterbrechung der quantitativen Vegetation. [HiG.01_40.12.08.b,12] Nun sehet, das ist alles, was von
der Atmung und deren Organen bei den Pflanzen zu beachten ist. – Allein, was
da die geistige Atmung betrifft, das wird nächstens bei einer Gelegenheit,
und zwar nur für euch, zur Genüge hell und klar veroffenbart werden. Von den Eingeweidewürmern. –
Erzieherische Seelenheilwinke. – 9. Dezember 1840
[HiG.01_40.12.09,01] Was die heute von euch erwähnten
Eingeweidewürmer betrifft, so sage Ich euch vor der Hand nichts als das: [HiG.01_40.12.09,02] Es war da ein Landmann. Dieser
Landmann untersuchte alle seine Scheuern, Kästen und Mehltruhen und fand eine
Menge Mäuse und Ratten, und dies Geschmeiß machte ihm viel Schaden an seiner
Habe. Da beschloß er denn bei sich selbst, so viele Katzen zu halten, als ihm
nur möglich war. Und was er beschlossen hatte, das tat er denn auch. Und es
währte nicht lange, so war in all seinen Scheuern, Kästen und Truhen keine
Maus und keine Ratte mehr zu finden. [HiG.01_40.12.09,03] Als er aber auf diese Weise sein Haus
gereinigt hatte, so dachte er: Wozu jetzt ferner noch Katzen? Denn da diese
keine Mäuse und Ratten mehr finden, so machen sie sich über meine
Speisekammer und verzehren da dreimal so viel, als was mir früher die Mäuse
und Ratten verzehrten. Daher will ich die Katzen nun auch vertilgen. – Und
sehet, alsbald nach der Vertilgung der Katzen kamen wieder Mäuse und Ratten
herbei und taten ihr Unwesen wie zuvor. [HiG.01_40.12.09,04] Nun ging der Landmann nicht mehr zu
den Katzen um Hilfe, sondern er dachte bei sich: Wartet nur, ich werde euch
alles vergiften, und da wird euch der Appetit in meinen Scheuern, Kästen und
Truhen wohl vergehen. [HiG.01_40.12.09,05] Als er aber solches tun wollte, da
sagte ihm ein Freund: „Siehe, so du das tust, womit wirst du dich denn am
Ende sättigen, um nicht selbst umzukommen an dem Gifte, womit du umbringen
möchtest all die Mäuse und Ratten?“ – Und es sagte ihm dieser Freund ferner:
„Verschließe lieber alle deine guten Früchte in eiserne Kammern, daß sich
keine solche Maus oder Ratte durchbeißen kann, so wird sie der eigene Hunger
am Ende von deinem Hause treiben.“ [HiG.01_40.12.09,06] Solchen Rat befolgte dieser sonst
vermögliche Landmann, und er sah bald die guten Früchte dieses guten Rates.
Denn ohne Mühe und Kosten kann der Mensch zu nichts Wertvollem und Tüchtigem
gelangen. [HiG.01_40.12.09,07] Sehet, so ihr dieses Gleichnis
betrachtet, da werdet ihr freilich sagen: Wer dieses Gleichnis versteht, wie
es mit den Würmern in den Eingeweiden übereinstimmt, der muß mehr verstehen können,
als was ein gewöhnlicher Menschenverstand zu verstehen imstande ist. [HiG.01_40.12.09,08] Ich sage aber, dieses Gleichnis stimmt
gar wohl überein mit den Würmern in den Eingeweiden, die da sind
hauptsächlich dreierlei Art, nämlich: die sogenannten kleinen Knäulwürmer,
dann die langen, weißlichten, regenwurmartigen Würmer und endlich der
Bandwurm. Und es gibt da neben diesen drei Hauptgattungen der Würmer noch
einige andere, weniger bekannte Gattungen, darunter die sogenannten
Spulwürmer, die Gedärm- und Magenraupen, dann die Fadenwürmer und endlich
noch der Magenpolyp. [HiG.01_40.12.09,09] Sehet, alles dieses Ungeziefer
entsteht hauptsächlich dadurch, daß der Mensch in natürlicher Hinsicht
irgendeine Nahrung zu sich nimmt oder oft als Kind bekommt, die sehr viele
animalische Teile in sich enthält. Dergleichen ist für die Kinder: unreine
Milch oder zu fette Milch, sodann auch von den Vegetabilien solches Obst, das
da schon bekannt ist als am meisten fähig zur Aufnahme und Ernährung
animalischer Wesen. [HiG.01_40.12.09,10] Sehet, das ist nun die natürliche
Ursache solcher Erscheinungen. – Aber die Bildung derselben geht auf eine
bisher noch unbekannte geistige Weise vor sich. Denn da suchen sich die
unreinen Geister, die da schon bei der Geburt im Menschen mitgeboren werden,
aus solcher Nahrung das ihnen Entsprechende, umkleiden sich damit und werden
dann zu jenen sichtbaren, lästigen und scheußlichen Formen im Menschen, damit
sie demselben gleich anfänglich schon wenigstens an seiner physischen
Gesundheit nur einigermaßen schädlich werden können. Jedoch tun das nur die
plumperen und dümmeren, die alsbald durch eine gerechte Sorgsamkeit bestraft
werden, da sie auf die natürliche Art durch taugliche Mittel sich zu
entfernen genötigt werden. [HiG.01_40.12.09,11] Aber viel lästiger werden diese Wesen,
wenn sie, die Formen der äußeren Welt verlassend, wieder geistig
zurückkehren. Denn da lassen sie gewöhnlich den Körper in Ruhe und fangen an,
sich in die Eingeweide der Seele einzunisten, allwann sie dann die Kinder zu
allerlei Bübereien reizen. Und werden sie da durch eine kräftige geistige
Medizin getötet, so fragt sich's sehr, ob nicht die Seele dann in jeglicher
ihrer Nahrung tödlichen Schaden leidet. [HiG.01_40.12.09,12] Eine solche tödliche Nahrung wäre diese,
so den Kindern oder den jungen Menschen alsogleich alle Laster und deren
Schädliches und Schändliches bekanntgegeben würde. Dadurch wüßte dann die
junge Seele freilich mit allem, wie sie daran ist. Aber saget selbst, ob eine
solche Kost der Seele sich nicht gerade so verhielte, als so jemand, der in
seinem Hause die Ratten und Mäuse vertilgen möchte, entweder alles vergiften
oder das Haus anzünden wollte, um dadurch das Ungeziefer zu töten. Da ist
sicher der gute Rat des Freundes an bester Stelle, nämlich: man verwahre die
Kinder gar wohl zuerst vor solcher leiblicher Kost, deren schon erwähnt
wurde. Und fürs zweite, was die Seele anbelangt, verwahre man sie wohl in
eiserne Kammern, das heißt, man lasse ihnen, so lange sie noch irgendeines
Unterrichtes bedürfen, keinen freien Willen und führe sie beständig zum
pünktlichen Gehorsam und wahrer kindlicher Liebe hin. [HiG.01_40.12.09,13] Sehet, das ist das Verwahren der edlen
Frucht „in eisernen Kammern“! Und da dadurch dieses Ungeziefer keine Nahrung zu
seiner Existenz finden wird und kann, da es ihm verzweifelt langweilig und
hungrig zu Mute werden wird bei dem Nagen solchen Eisens, so wird es auch gar
nicht zu lange da verweilen, allwo es nichts zu essen gibt, sondern es wird
sich alsobald entfernen. Und da gleicht dann eine solche Handlungsweise der
leiblichen strengen Diät, die bekanntlich gegen alle Übel des Lebens die
beste Kur ist. [HiG.01_40.12.09,14] Sehet, das ist somit das Gleichnis! –
Nun hättet ihr noch die vielen Katzen übrig! – Diese vielen Katzen sind
naturmäßig ein zu vielfältiges Medizinieren, wobei zwar das Übel abgeschafft
wird. So aber das Übel weg ist und die Katzen oder die Medizinen nichts mehr
zu fressen haben, dann machen sie sich über die Speisekammer oder über die
Eingeweide, wie auch dadurch, die Gesundheit untergrabend, über den ganzen
Leib her. Und es wird am Ende schwerer sein, die Katzen zu bändigen und
wegzuschaffen, als das durch sie vertilgte Ungeziefer selbst. [HiG.01_40.12.09,15] In geistiger Hinsicht aber werden unter
den Katzen verstanden die oft zu vielen und vielartigen Instruktoren und
Lehrer der Jugend. Diese mögen auch einige Untugenden in den Seelen der
Jugend zunichte machen – wenn aber die Seele auf diese Art gereinigt wurde
und solche Lehrer dann nichts mehr zu reinigen finden, so gibt's da nicht
selten Fälle (die Mir wohl bekannt sind), da solche „Katzen“ dann Untugenden
in die Seele der Jugend legen, damit es dann für sie neuerdings wieder etwas
zu instruieren gibt. [HiG.01_40.12.09,16] Sehet, der gute Rat ist somit allein
und gleich ursprünglich anzuwenden. Dann werdet ihr weder der Katzen noch des
Giftes bedürfen, sowohl in natürlicher als in geistiger Hinsicht. Demnach
beachtet dieses Zeugnis wohl, und ihr werdet euch und eure Kinder frei machen
von allen derlei wohl zu verstehenden Schädlichkeiten. [HiG.01_40.12.09,17] Das sage Ich, die Ewige Liebe und
Weisheit. Amen. Zum Tanze. – 14. Dezember 1840
[HiG.01_40.12.14,01] Du fragst in dir, was ist da an dem
Tanze denn gar so Verabscheuungswürdiges und Mir Mißfälliges und daher
Verdammliches? – O siehe, du schwachsinniger Mensch, der du die Menschen
fürchtest und möchtest in deiner Furcht doch Dinge erfahren, die Ich nur den
Tapferen kundgebe. – Ich habe dir große Dinge gesagt und habe hinweggetan den
Schleier von deinen Augen, allein du hängst am Urteile der Menschen und
fürchtest über die Maßen ihre Schalkheit und denkst nicht, daß Ich über alle
Menschen hinausreiche. [HiG.01_40.12.14,02] Und so du auch für Mich denkest, so
denkst du doch stets in deiner Furcht, welche dir am Ende noch das Herz
verschließen wird und wird dich blind machen mehr denn einen Maulwurf und
dein Ohr verstopfen mit allerlei Unrat, daß du fürder nimmer vernehmen kannst
Meine Stimme in dir, so du von nun an nicht ernstlich verbannen wirst deine
Furcht, die zu nichts als zu lauter Unsinn führt. [HiG.01_40.12.14,03] Kannst du wohl dir solches denken, daß
Ich Mich des Satans bedienen werde, um einen Menschen zur Demut, Sanftmut,
Geduld, Ausharrung, ja zur Liebe zu Mir und daraus zu dem Nächsten, zum
strengen Gehorsam gegen den Monarchen und gegen irgendeine bestehende Kirche
und das alles im Geiste und aller Wahrheit, lebendig zu ermahnen?! – O Ich
sage dir, wer das behauptet, der ist es, der sich gar gewaltig vom Satan
leiten läßt! Für den sollet ihr beten wie für die gesamte römische Kirche,
daß sie einsehen möchte ihren Unsinn und erkennen möchte, was sie hat in
Meinem Geiste, in Meiner Liebe und in Meiner Wahrheit – sonst wird ihre
Flucht alsobald ins Werk gesetzt werden. Denn wer Meinen Namen liebt und zu
verherrlichen sucht in seinem Herzen, der ist ja für Mich und nicht wider
Mich. [HiG.01_40.12.14,04] Wie kann aber jemand aus dem Reiche
des Satan Meinen Namen nennen, da in Satan nichts von Meinem Namen, der da
Meine ewige Liebe ist, je möglich vorkommen kann und da der Satan der
allerschroffste Gegensatz der Liebe und daher nur die Quintessenz des Zornes
Gottes ist, als ein von aller Liebe ausgeschiedenes Wesen. [HiG.01_40.12.14,05] Wenn aber jemand ein Wort aussprechen
will, daß er damit eine Sache bezeichne, so muß er doch notwendig den Begriff
zuvor in und aus sich erfassen oder er muß wenigstens die Fähigkeit in sich
haben, solch einen Begriff sich aneignen zu können, damit er dann der Zunge
auszusprechen möglich wird. Wie kann aber jemand z.B. in der japanischen Art
„Vater“ aussprechen oder irgendeinen ihm ganz fremden Begriff, der nur diesem
Volke als ein Geheimnis bekannt ist – wenn ihm diese Sprache ganz fremd ist
und fürs zweite ihm sogar infolge seiner Stummheit alle Fähigkeit mangelt, so
daß er nicht einmal seiner Muttersprache, geschweige erst der japanischen, je
mächtig wird? [HiG.01_40.12.14,06] Und doch sage Ich: Es wäre
demungeachtet leichter möglich, den Stummen japanische Worte aussprechen zu
machen, als den Satan den Namen Meiner Liebe. Die bösen Geister können nur
weltlich agieren und zahllose Menschen zu allen erdenklichen Leidenschaften,
als da sind Herrschsucht, Hochmut, Stolz, Hoffahrt, Habsucht, Neid, Haß,
Hurerei, Wollust, Tanz, Prasserei, Völlerei usw. gar sicher verblenden und
verführen. Und in dieser Hinsicht ist ihnen Mein ihnen unaussprechlicher Name
ganz überflüssig. Und wenn schon Weltmenschen von Mir nichts hören wollen und
ihnen Mein Name ein Greuel ist und sie anwidert, um wie viel mehr muß er dem
Satan greuelhaft und unendlich anwidernd sein! [HiG.01_40.12.14,07] Wer aber da bekennet und liebet ohne
Furcht Meinen Namen, welcher ist Jesus, der „Sohn“ des lebendigen Gottes oder
das „Wort“ oder die „Liebe“ des Vaters – der liebet ja auch den Vater und
kann unmöglich sein wider den Heiligen Geist aus beiden, sondern für
denselben und von demselben erfüllt durch und durch. Wie und was soll denn da
der Satan im Zorne und aller Falschheit zu schaffen haben, wo der Geist der
Ewigen Liebe alles neu aus Gott dem Vater und so durch den Sohn schaffet?! [HiG.01_40.12.14,08] O sehet solches ein und seid allezeit
ohne Furcht! Denn Mein Reich muß allezeit unter mancher Prüfung an sich
gerissen werden. Und es muß die rechte Liebe allezeit die Feuerprobe
bestehen, wie das reine Gold; denn ohne solche Probe ist sie Meiner nicht
wert. [HiG.01_40.12.14,09] Sehet hin auf den reichen Jüngling im
Evangelium, und ihr werdet dort alsobald finden, wie weit er noch von Meinem
Reiche entfernt ist. Und betrachtet den Samen unter den Dornen (Weltlust
usw.), welche Frucht da zum Vorschein kommen kann! – Daher seid nicht gleich
diesem Jünglinge und nicht gleich dem Samen unter den Dornen, sondern zeiget
Mir das Gold eurer Liebe, so werdet ihr leben! [HiG.01_40.12.14,10] Was jedoch den befragten Tanz
betrifft, so habe Ich schon hinreichend gezeigt, welches Wohlgefallen Ich
daran habe und was er für Folgen hat. Nur soviel setze Ich hinzu, daß ja
keiner unter was immer für Namen und Art beschönigend sich entschuldigen
möchte, sonst wird er nimmer von seinem „Dreher“ los werden. Denn wie es im
Gehirne einen solchen Wurm gibt, als eine böse Krankheit, den ihr den Dreher
nennet, so gibt es auch einen „geistigen Dreher“, der viel schwerer als der
natürliche zu heilen ist und der nun eine allgemeine Pest geworden ist. [HiG.01_40.12.14,11] Eltern aber, die da ihre Kinder im
Tanze unterrichten lassen, legen sich selbst eine große verantwortliche Last
auf den Hals, wenn dadurch ihre Kinder von was immer für bösen Geistern
verdorben werden. Entweder die Mädchen in der Fruchtbarkeit, in ihrer
Reinigung, in ihrer heimlichen Zucht, in ihrer Sittlichkeit des Herzens, im
wahren Glauben und in der reinen Liebe zu Mir und daraus dereinst zu einem
allfälligen Gatten, im häuslichen Fleiße und in wahrer christlicher Tugend,
Geduld, Sanftmut, Beharrlichkeit in allen Prüfungen und Nöten, ja sogar in
dem jedem Weibe so nötigen frommen Frohsinne, allzeitigen Nüchternheit,
Frische, Heiterkeit und Munterkeit ihres keuschen Gemütes und stillen Ruhe
des Geistes. Oder die Knaben durch Unlust zu allen ernsten Betrachtungen in
der Gottesfurcht, in der geheimen Zucht, in der zu frühen Entwicklung des
Geschlechtstriebes und dadurch hernach aber auch in allem, was Mich, den
Urheber alles Guten und Wahren der Liebe, betrifft. Sehet, so solches
geschieht und auch notwendig geschehen muß, so denket selbst, wer daran
schuld ist und wer es dereinst zu verantworten haben wird! [HiG.01_40.12.14,12] Und ihr werdet dann gleichen jenem
Feigenbaume, der fruchtlos dastand, während es Mich unter seinen Zweigen
hungerte. Denn ihr Eltern seid solche Feigenbäume, eure Kinder aber sind die
Frucht. Sind diese aber verdorben worden durch den bekannten „Dreher“, so
oder so, da wird frühzeitig die Blüte und Frucht abfallen von den Zweigen.
Und wird der Herr vorüberziehen und den Baum leer finden, so wird Er tun, was
Er getan hat mit dem Feigenbaum! – Das merket euch wohl, ihr Eltern, und
bedenket, wer Der ist, der euch solches sagt! „Rühre Mich nicht an!“ – 16.
Dezember 1840
[HiG.01_40.12.16] Bitte: „O Herr, wir bitten Dich in aller
Demut um Aufschluß über nachfolgende Schriftstellen: [HiG.01_40.12.16] Bei Johannes, Kap. 20,17 heißt es: ‚Jesus
spricht zu ihr (Maria Magdalena): Rühre Mich nicht an! Denn Ich bin noch
nicht aufgefahren zu Meinem Vater. Gehe aber hin zu Meinen Brüdern und sage
ihnen: Ich fahre auf zu Meinem Vater, zu eurem Vater, zu Meinem Gott und
eurem Gott.‘ [HiG.01_40.12.16] Bei Johannes, Kap. 20,27 aber heißt es:
‚Darauf spricht Er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und siehe Meine Hände,
und reiche deine Hand her und lege sie in Meine Seite! Und sei nicht
ungläubig, sondern gläubig!‘ [HiG.01_40.12.16] Es sei kein Wille weder in der Höhe noch
in der Tiefe, denn der Deinige! Und was da geschieht in der Höhe wie in der
Tiefe, geschehe nach Deinem heiligen Willen! Amen.“ [HiG.01_40.12.16,01] So geschehe es denn, und du schreibe!
– Müßt ihr aber doch nicht selbst von euch bekennen, daß, je näher euch etwas
gestellt ist, ihr solches eben desto weniger begreifet!? Sehet, diese zwei
Texte liegen euch so nahe wie nur immer möglich! Allein statt in der Nähe zu
suchen, suchet ihr in weitester Ferne, sowohl dem Raume als auch der Zeit
nach, das Verständnis solcher leichten Dinge und findet daher dort auch
allezeit sicher nichts, wo nichts derart zu finden ist. [HiG.01_40.12.16,02] Wer wird wohl im Wasser sein Haus und
im Feuer seine Wohnung suchen wollen und nicht merken, daß er sich in seinem
Hause und in seiner Wohnung befindet, während er dieselbe blind sucht, da wo
sie nicht ist und nicht sein kann. [HiG.01_40.12.16,03] In welcher Kirche befindet ihr euch –
und wer war die Magdalena? – Welche Kirche entspricht aber Meinen Brüdern –
und wer bin Ich? – Sehet, in diesen zwei Fragen ist das ganze Geheimnis
enthalten! [HiG.01_40.12.16,04] Oder meinet ihr denn, daß die
vormalige Hure und Tänzerin vor allen Weltgroßen und Heiden, die da hatte
seit ihrem zwölften Jahre sieben Teufel des Fleisches in sich und wurde davon
durch Mich erlöst und tat viele Werke der Liebe und später ernste Buße –
geeignet gewesen wäre, Meine Heiligkeit anzurühren, da kaum ihre Tränen und
die Haare ihres Hauptes geeignet waren, Meine Füße anzutasten. [HiG.01_40.12.16,05] Sehet eure Kirche an – und das „Rühr
Mich nicht an“ werdet ihr sicher deutlich und klar finden! Aber doch sage Ich
auch zu ihr, was Ich zur Magdalena gesagt habe: Gehe hin und sage Meinen
Brüdern, daß Ich auch schon öfter unter deinen Kindern erstanden bin und nun
zu ihnen komme, daß sie Mich schauen möchten und legen ihre Liebe an die
liebedurchbohrte Seite und gewahren allda, gleich einem Thomas, die schmale
Pforte und den schmalen Weg, der da führet zum ewigen Leben und durch
dasselbe zum Vater, der da ist Mein Vater und durch Mich auch euer Vater, und
der da ist Mein Gott und dadurch auch euer Gott. [HiG.01_40.12.16,06] Darum sollet auch ihr alle eure „Hände
in Meine Wundmale legen“, damit ihr glauben möget, daß Ich das ewige Leben
Selbst bin aus eigener Macht – so wie Ich bin die Auferstehung Selbst und
habe auch nicht das Leben vom Vater, sondern bin das Leben im Vater Selbst;
wie der Vater nicht ist außer Mir, sondern Gott von Ewigkeit ist in Mir und
wie aller Geist der Heiligkeit in aller Macht und Kraft ausgeht aus Mir wie
aus dem Vater zugleich als einer und derselbe Geist. [HiG.01_40.12.16,07] Sehet, so Ich aber nach der
Auferstehung alles das war, was Ich jetzt bin und ewig sein werde – hätte
denn da sollen eine bekehrte Hure zugrunde gehen, so sie Mich angerührt
hätte, da sie noch bei weitem nicht gereinigt war durch eine wahre Buße!?
Solches ist nur gestattet denen, welche sich zuvor von Mir ihre Füße haben
willig reinigen lassen und mit Mir genossen haben das große Abendmahl. [HiG.01_40.12.16,08] Nun sage Ich aber euch: Lasset auch
ihr euch von Mir eure „Füße waschen“ oder euch „ziehen“ von Mir, um zu
empfangen den Platz an Meinem Tische der wahren Liebe! Und kümmert euch nicht
der Magdalena wegen, sondern glaubet, daß Ich es bin, der nun zu euch im
stillen kommt. Und leget euer Herz in Meine offene Seite, damit es da
gestärkt werde zum ewigen Leben! [HiG.01_40.12.16,09] Denn zu euch sage Ich nicht: „Noli me
tangere!“ – sondern euch sage Ich, was da gesagt wurde zum Thomas – da ihr
alle mehr oder weniger fast lauter Thomase seid, damit auch ihr gleich ihm
dereinst lebendig werden möchtet! Aber wohl gemerkt: Nur Ich, und nicht die
Magdalena, habe das Leben. Es ist daher noch nicht genug die Nachricht der
Magdalena, sondern erst wenn Ich völlig in euer Herz kommen werde, wird die
Weissagung erfüllt an euch, daß Ich „auffahre“ zu Meinem Vater und eurem
Vater und zu Meinem Gott und eurem Gott, und ihr in Mir und mit Mir. Amen.
Das sage Ich, die Auferstehung und das ewige Leben. Amen! Nochmals: „Rühre Mich nicht an!“
– 17. Dezember 1840
[HiG.01_40.12.17] Frage: „Bei Matthäus, Kap. 28,1 heißt es:
‚Bei der Morgendämmerung der ersten Tages nach dem Sabbat gingen Maria
Magdalena und die andere Maria, das Grab zu sehen.‘ [HiG.01_40.12.17] Und Kap. 28,9 heißt es weiter: ‚Und
siehe, Jesus begegnete ihnen und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten hinzu,
umfaßten Seine Füße und beteten Ihn an.‘ – Nach dem Evangelium des Johannes,
Kap. 20,17 wollte Magdalena Dich, o Herr, anrühren. Und Du sprichst zu ihr:
„Rühre Mich nicht an!“ – Nach dem Evangelium des Matthäus, Kap. 28,9 dagegen,
hat Maria Magdalena sowohl als auch die andere Maria Deine Füße umfaßt. Und
in der gestrigen Erklärung heißt es dagegen: ‚Hätte denn da sollen eine
bekehrte Hure zugrunde gehen, so sie Mich angerührt hätte?‘ [HiG.01_40.12.17] O Herr, sende gnädigst Dein Licht, um
dieses Dunkel aufzuhellen! – Es sei kein Wille, weder in der Höhe, noch in
der Tiefe, denn der Deinige! Und was da geschieht in der Höhe wie in der
Tiefe, geschehe nach Deinem heiligen Willen! Amen. Damit dadurch Dein
heiliger Name allezeit möchte gepriesen, gelobet und verherrlicht werden!
Amen. Amen.“ [HiG.01_40.12.17,01] Der Mensch, der solches nicht
begreift, ist blind, taub und stumm – oder er ist gleich dem fruchtlosen
Feigenbaum, den ein Gärtner lange Zeit im Garten pflegte, und da der Baum
nichts als Blätter zum Vorscheine brachte, kamen die Knechte und meldeten es
dem Herrn und rieten ihm, solchen fruchtlosen Baum abzuhauen, daß er nicht
fürder vergeblich Platz wegnehme in dem so köstlichen Garten. Da aber der
Herr solches vernommen hatte, so sprach er: „Lasset ihn noch stehen ein Jahr,
reinige und dünget ihn, und so er dann keine Frucht bringen wird, dann falle
eure Axt über seine Wurzeln und fälle ihn zum Verbrennen!“ [HiG.01_40.12.17,02] Siehe, du, der du fragest um so
leichte Dinge aus deinem eigenen Widerspruche, dir sei es gesagt, daß es
schwer ist, zweien so zu dienen, daß es jedem zur Genüge wird, dem Freunde
wie dem Feinde! – Wenn es dich um Mich kümmert, was kümmerst du dich denn der
Welt? – So du aber sorgest, um der Welt ebenen Pfad zu leihen, wo soll da
wohl geistige Frucht werden? [HiG.01_40.12.17,03] Siehe, Mein Wille steht höher denn der
Wille der Welt! Willst du aber beides, als da ist: ein Glück der Welt, dem
entgegen ist Meine Gnade – höre, das kann nicht sein! – Ich sage aber, es
wird das erste schon ohnehin zur rechten Zeit kommen. Aber alle deine und
deiner Kinder Wege sollen genau gerichtet sein nach Meiner Gnade – dann werde
Ich sorgen für alles! – So es dir aber behaget zu tragen so manche unnötige
Weltsorge, so trage sie immerhin, aber habe ja acht, daß die Zahl eins nicht
zu einer Legion gebrochen wird. [HiG.01_40.12.17,04] Die Liebe der Eltern ist allezeit
blind gegen ihre Kinder. Sie sehen nicht den Samen, sondern nur den Baum und
bedenken nicht, was alles in einem Samenkorne verschlossen ist. Es geht aber
der gute Same mit tausendfältiger Frucht nur in Meiner Erde auf. In der Erde
der Welt aber erstickt er alsobald. Aber der Weltsame gedeiht gar wohl, alles
Unkraut hervorbringend, in der Welterde. Aber frage dich selbst, wozu nütze?
Höre! – Zu Meinem Reiche und für Meine Scheuern nicht! [HiG.01_40.12.17,05] Siehe, dieses in dir selbst
bestehenden Widerspruches wegen sagte Ich dir dieses, damit dir dein
Widerspruch des Evangeliums klar werde. Dieses aber merke dir ganz besonders:
Wie du jetzt weißt, wer Der ist, vor dessen Augen alle Geheimnisse offen
liegen, so solltest du denn auch, wenn dir in weltlichen Dingen Irrwege
vorkommen entweder für dich oder deine Kinder, wissen, daß nur Ich es bin,
dem der rechte Weg allein bekannt ist. – Nun, derzeit sorge somit du für
deine etlichen drei – und lasse für die übrigen Mich sorgen! [HiG.01_40.12.17,06] Und damit der Matthäus in dir
schuldlos werde, so nehme diesen Widerspruch auf dich und verstehe, wenn Ich
sage zu Magdalena: „Rühre Mich nicht an, sondern falle zuvor vor Mir nieder,
umklammere die Füße und bete Mich an im Geiste und aller Wahrheit, und gehe
dann hin zu Meinen Brüdern und sage ihnen, daß Ich auferstanden bin!“ [HiG.01_40.12.17,07] Desgleichen sollet auch ihr tun und
nicht eher nach der Weisheit trachten, sondern nach der wahren, reinen Liebe,
die da entspricht Meinen Füßen und daraus zunächst nach der Läuterung eurer
Liebe, die in ihrer größten Reinheit doch noch immer etwas Sinnliches an sich
hat (und demnach ist gleich den „Füßen“ aus Mir, auf welchen allein ihr zum
Leben eingehen könnet). Daher soll auch euch vorderhand nicht gestattet sein,
Meine Weisheit „anzurühren“, bevor nicht Meine Füße in aller Liebe erfaßt
worden sind. [HiG.01_40.12.17,08] So ihr aber saget: „Herr, wie ist
hernach die Antastung des Thomas zu verstehen?“ – Da sage Ich: Auch er mußte
seine Blicke an die Wundmale der Füße und Hände richten, bevor Ich ihn hieß
anzurühren Meine breite und weite Wunde der Brust. – Damit aber dir, Frager,
dein eigener Widerspruch klarer werde, so will Ich dir noch einen Grund davon
zeigen, warum Ich zu Magdalena vorerst sagte: „Rühre mich nicht an!“ und
hernach aber doch zuließ, daß sie mit den übrigen Meine Füße umklammerte. [HiG.01_40.12.17,09] Siehe, Magdalena war auch sinnlich in
Mich bis zur Eifersucht verliebt und hielt Mich förmlich für ihren einzig
erwählten Liebhaber. Sie hatte von Mir nur die Meinung, daß Ich ein großer
Prophet sei, aber Meine Göttlichkeit war ihr noch fremd. In Anbetracht ihres
verliebten Herzens hatte somit durch Mein Leiden und Sterben auch niemand so
viel verloren wie gerade sie, da sie nicht nur ihren Retter, Herrn und
Meister, sondern im Ernste ihres Herzens auch ihren einzigen Geliebten
verloren hatte; daher sie auch untröstlich war. [HiG.01_40.12.17,10] Sehet, daher kam's denn auch, daß sie
die erste war, die sich nach Mir erkundigte im Beisein der übrigen, die
ebendasselbe mehr aus andächtiger Trauer als aus solch unbesiegbarer Liebe
taten. [HiG.01_40.12.17,11] Als sie Mich, ihren verlorenen
Geliebten, nun auf einmal vor sich stehen sah, da war ihr Herz aus allen
Fesseln gehoben. Sie schrie auf und wollte alsogleich im Ausbruch ihrer
leidenschaftlichen Liebe auf Mich losstürzen. Nun aber bedenke, wer und was
Ich bin – so wird dir klar das „Noli me tangere!“ – Bedenken sollst du aber
auch Magdalenas starke Liebe, und dir wird klar die Umfassung Meiner Füße. [HiG.01_40.12.17,12] Und denke noch hinzu, daß Mein
Liebling Johannes Mir aus der Seele, Matthäus aber aus Meinen „Füßen“
schrieb, so wird dir alles dieses noch klarer werden – und begreiflich auch
die große Buße der Magdalena nach Meiner vollen Auffahrt, da sie erst dadurch
erfahren hat, wer eigentlich hinter ihrem vermeinten Geliebten war, worauf
sie Mich dann erst durch ihre große Buße im Geiste der Demut und dadurch in
aller Wahrheit hat zu lieben angefangen. [HiG.01_40.12.17,13] Ich sage dir aber, so Mich jemand
nicht lieben wird gleich der Magdalena, der wird Mich nicht finden fürder und
eingehen zum Leben auf „Meinen Füßen“ und wird nimmer eine Auflösung finden
im steten Widerspruche seines Weltlebens. Siehe, Mein Reich ist von größter,
heiligster Klarheit, und es kann nichts Unreines je hineinkommen. Daher denke
nur an den Feigenbaum ohne Frucht im Garten und an den Diener zweier Feinde –
und löse den Widerspruch in dir! – Vergesse in der Zukunft nie mehr ob der
Welt, wer Ich, dein Gott, dein Vater, dein allzeitiger Ratgeber bin! [HiG.01_40.12.17,14] Siehe, heute rede Ich, morgen handle
Ich und übermorgen möchte Ich kommen! – Wer nicht zu Hause sein wird, vor
dessen Wohnung werde Ich vorüberziehen! – Amen. – Das sagt, Der da Sich
allezeit umklammern lässet Seine Füße! Eheliche Hausordnung und
Kinderzucht. – 5. Januar 1841
[HiG.01_41.01.05] O Herr, lasse gnädigst Dein heilig Wort
in mir ertönen! Jedoch wie allezeit in der Höhe und in der Tiefe, so geschehe
auch diesmal nur Dein heiligster Wille! Amen, Amen. [HiG.01_41.01.05,01] Nun so vernehme und schreibe denn: Ich
sage dir aber, wer nicht Mein Evangelium erfüllt, nachdem er es vernommen und
einigermaßen durchdacht hat, siehe, der ist noch lange nicht geschickt zu
Meinem Reiche, da er die Welt immer doch noch mehr fürchtet denn Mich. Er
möchte Mich lieben neben der Welt her; aber siehe, Ich bin nicht neben der
Welt zu lieben, da die Welt durchgehends nicht in Meiner Liebe, sondern bis
auf das letzte Stäubchen nur vermöge Meiner Erbarmung beständig in Meinen
unerbittlichen Gerichten steht und besteht. Denn Ich bin nur in der Liebe und
Gnade erbittlich, aber ewig unzugänglich in Meinen Gerichten, die da sind die
Heiligkeit Meiner ewigen Ordnung zufolge Meiner unendlichen Weisheit. [HiG.01_41.01.05,02] So aber der um ein Lichtwort bittende
Bruder gelesen hat im Buche Meiner Liebe und Gnade, daß da gesagt ist:
„Siehe, die Kinder der Welt sind oft klüger denn die Kinder des Lichtes!“
(Luk. 16,8) – warum mag er denn nicht die Klugheit seines Weibes anhören und
liebt seine Kinder mehr denn daß es billig ist und achtet nicht strenge
darauf, daß die Kinder möchten treulich ihrer Mutter gehorchen in der
häuslichen Klugheit, die da unvergleichlich besser ist, als alle nutzlosen
Wissenschaften, mit denen er seinen Kinder die Köpfe anstopfen lassen möchte.
O das letztere ist durchaus nicht der rechte Weg zu Meinem Reiche! [HiG.01_41.01.05,03] Er kann ja allerdings die Kinder beschäftigen
mit nützlichen Lehrgegenständen, aber dabei soll er anderseits nicht die
Bestimmung des Mädchens und wieder anderseits die Bestimmung des Knaben aus
den Augen und aus dem Herzen verlieren, sonst wird es ihm dereinst geschehen,
daß er eine große Not an seinen Kindern erleben wird. Denn diese werden dann
ihren ungebrochenen Willen über seinem Haupte aufbauen und mit ihren
ungebändigten Händen sein Herz erdrücken, da es jetzt schon zu schwach ist
und zu nachgiebig in vielen Dingen, um die nun noch weichen Hände der Kinder
zu bändigen! [HiG.01_41.01.05,04] Er sollte daher nicht anhören die
allfälligen Klagen seiner Kinder, sondern nur allezeit unerbittlich und
strenge genau untersuchen die Werke des blinden Gehorsams sowohl gegen seinen
Willen wie gegen die häusliche Leitung der Mutter, die doch den größten Teil
des Tages allein mit den Kindern zubringen muß. Und er soll sich aber auch
zuvor liebevoll und rechtlich nachgiebig, ohne deshalb von seinen
Vaterrechten etwas hintanzugeben, mit seinem Weibe im geheimen (d.h. nicht
vor den Kindern) verständigen und ihr in häuslicher Klugheit, nach Meinem
Rate, ihren mütterlichen Wirkungskreis nicht allzusehr schmälern. Dann wird
das Ganze bald eine andere, bessere Wendung nehmen. [HiG.01_41.01.05,05] Er möchte nur in Meinem Buch der Liebe
und aller Gnade sehen, daß Ich schon zu den Aposteln gesagt habe, wie ein gar
großes Ding es ist um einen klugen und treuen Haushalter, welchen der Herr
setzet über sein Gesinde, damit er ihnen allezeit zur rechten Zeit ihre
Gebühr gebe. Auch er soll nun die rechte Zeit nicht übersehen und nach Meinem
Rate die Gebühr wohl abwägen, daß da ja niemandem, weder leiblich und noch
viel weniger geistig, in seinem Kreise ein Eintrag oder Schaden geschehe! Denn
Ich sagte und sage dir nun wieder: „Selig ist der Knecht, welchen sein Herr,
wann er kommt, wird also tun finden. Wahrlich sage Ich, Er wird ihn über alle
Seine Güter setzen.“ [HiG.01_41.01.05,06] So aber dein Bruder nun auch ein
Sachwalter und Knecht Meines neu geoffenbarten Wortes der Liebe und Gnade
geworden ist – wie ist's denn, daß er Mich erwartet, und Ich noch nicht
kommen mag? – Das ist es, daß er sein Haus noch nicht fein genug bestellt
hat! Wenn aber ein Haus nicht fein bestellet ist, da gleicht es noch stark
einem vergoldeten Bleiklumpen, der zwar äußerlich glänzt, als wäre er Gold,
und auch die Schwere des Goldes hat – aber höre, was den inneren Gehalt und
Wert betrifft, da ist es denn doch nur ein wertloses Metall und noch weit
entfernt vom Golde. [HiG.01_41.01.05,07] So aber nun dein Bruder Mir ein recht
treuer und williger Arbeiter an der Hecke Meiner Neupflanzung ist und hat
selbst eine gewisse Not mit seinem Weibe, die da schon von Anfang an der Welt
mehr denn Mir gegeben – so möchte er als noch immer Mein lieber „Willig“ tun,
was da die Kaufleute tun, wenn unbillige Käuflinge auf den Markt kommen und
nicht wohl unterscheiden den Preis der Ware und anfangen, denselben zu ihren
Gunsten herabzuziehen. Da läßt dann der Kaufmann einen kleinen Vorteil
fahren, damit er nur seine Waren an den Mann bringt. – Siehe, desgleichen
soll Mein lieber „Willig“ nun tun, freilich anfangs nur in kleinen,
unmerklichen Beträgen, und so herab bis zum wohleinsichtigen Maße der
gerechten Billigkeit, so wird dadurch sein Weib in ihrer Sphäre an ihm keinen
unerbittlichen Stein nach ihrem Dafürhalten mehr finden und bald selbst nach
seiner geistigen Ware greifen. [HiG.01_41.01.05,08] Sehet, wie oft muß Ich zu euch einen
solchen Kaufmann machen! Und täte Ich es nicht, wo wäret ihr!? – Wie vieles
habe Ich euch schon nachgelassen!? – Und bedenket ihr euch noch über Meine
Ware, da ihr doch des Lichtes und nicht der Finsternis seid – so bedenket
dann, wie schwer der Handel erst geht mit jenen, die da „geistig arm“ und „Kinder
der Welt“ sind voll Blindheit! [HiG.01_41.01.05,09] Damit aber Mein lieber „Willig“ seine
mißlichen Haushaltungsverhältnisse in Betreff Meines Namens mit desto
geduldigerem und hie und da nachgiebig prüfendem Herzen durchschauen möge, so
gebe Ich ihm schließlich noch eine kleine Aufgabe, die er wohl überdenken
solle, indem Ich sage: [HiG.01_41.01.05,10] Meinst du, daß Ich herabgekommen bin,
Frieden zu bringen auf die Erde? – Ich sage euch, durchaus nein – sondern
Zwietracht! Denn so in einem Hause irgend sein werden etliche fünfe, diese
werden uneins sein unter sich und werden sein drei gegen zwei und zwei gegen
drei. Es wird da sein der Vater wider den Sohn, und der Sohn wider den Vater;
die Mutter wider die Tochter, und die Tochter wider die Mutter; und es wird
sein die Schwieger wider die Schnur, und die Schnur wider die Schwieger.
(Matth.10,34-36) [HiG.01_41.01.05,11] Siehe, diese Aufgabe soll „Willig“
recht wohl überlegen, und es wird ihm ein großer Stein vom Herzen genommen
werden. Und sollte er aber diese Worte nicht alsobald begreifen, so wird er
ja wohl wissen, wo „der arme Professor“ in derlei Dingen des Geistes zu Hause
ist – wo ihm dann alles treulich möchte gegeben werden zum nötigen
Verständnis in seinem „willigen“ Herzen, daß er Mir dann ein rechter Mann
werden möchte nach Meinem Herzen. [HiG.01_41.01.05,12] Siehe, es erscheint im Lichte der Welt
das Ding des Geistes gar oft als eine sich rein widersprechende Torheit.
Allein dem ist nicht also! Denn so der Docht unter dem weißen Lichte schwarz
wird und die Asche über der schwarzen Kohle weiß – ist das nicht auch sogar
in der Natur ein Widerspruch? Und doch, wer zweifelt, daß es also wäre!? [HiG.01_41.01.05,13] Daher, so ihr irgend auf Meinem Wege
Widersprüche findet, wie in der Natur und in eurem Welt- oder Leibesleben,
dann denket, daß der Schiffer, so er seine Segel nicht gegen den Wind zu
richten weiß, damit sein Schiff gegen den Wind und gegen alle die Wogen des
sturmbewegten Meeres laufe, noch kein wohlunterrichteter Seemann ist! [HiG.01_41.01.05,14] Wenn eine Lehre gegeben wird, daß sie
tauge zum Leben, so muß sie sein wie das Leben selbst, welches da ist eine
Regsamkeit des Todes – da dadurch das Leben wird ein Leben im Angesichte des
Todes, wie der Tod ein Tod im Angesichte des Lebens. [HiG.01_41.01.05,15] Nun schließlich ermahne Ich den Bruder
noch, daß er diese Schrift nicht möchte seinem Weibe vorweisen, da es noch
nicht an der Zeit ist; wohl aber werde Ich dem Knechte eine Weisung geben,
wie er sich zu benehmen hat. Bisher aber ist noch kein Fehler geschehen, und
so wird der „Winter“ bald zu Ende werden. Nur das Haus fein bestellen! Das
vergoldete Blech aus dem Hause schaffen! Die guten Gelegenheiten weise
benützen! Meinen Rat treu befolgen, ein guter Kaufmann und ein treuer
Haushälter sein! Bei Widersprüchen nicht kleinmütig werden und alle seine
Handlungen aus Liebe mit aller Geduld und Sanftmut lenken! Da wird euch in
allem der Sieg mit Meiner steten, starken Hilfe gewiß nicht schwer werden! –
Amen. Das sage Ich, euer starker Helfer! Gelehrtenbekehrung. – 14. Januar
1841
[HiG.01_41.01.14] Bitte: O Herr, Du heiliger Vater, der Du
bist voll Liebe, Geduld und Erbarmung – so es Dein heiliger Wille wäre,
möchtest Du uns nicht allergnädigst anzeigen, ob dem Verlangen dessen, den Du
wohl kennst, zu willfahren sei oder nicht? – Doch nur Dein heiliger Wille
geschehe allezeit. Amen! [HiG.01_41.01.14,01] Da sage Ich: so ihr wollt, könnet ihr
es ja tun – aber es wird ein hartes Stück Arbeit werden, den, der zu seiner
Rechnung sich eiserne Zahlen verfertigt hat, auf des Geistes zarte Bahn zu
setzen. [HiG.01_41.01.14,02] Denn sehet, es gibt manche Gelehrte,
die da härter sind als der Stahl. Solche trauen am Ende ihren eigenen Sinnen
nicht mehr und um so weniger erst den fremden, die ihnen als null und nichtig
erscheinen, weil sie eben nicht auch aus der gelehrten Eisen-Rüstkammer sind,
woselbst die ihrigen durch Feuer und Wasser zum Stahle gehärtet wurden. [HiG.01_41.01.14,03] Wenn irgendeine Wand aus Wolle ist, da
werden die hineingeworfenen Steine zwar wenig Lärm machen, aber
steckenbleiben werden sie auch nicht, da die Wolle bei einem Zwange
spannkräftig wird und alsbald wieder zurückwirft, was an sie geschleudert
wurde. Da heißt es, sich dann Zeit nehmen und die Gegenstände langsam in die
Wolle verwickeln, so werden sie dann wohl festgehalten, solange die Wolle
Wolle bleibt – ob mit Nutzen oder Schaden, das ist dann freilich wieder eine
andere Frage! [HiG.01_41.01.14,04] Wenn aber irgendeine Wand von weichem
Lehm ist, seht, da wird zwar alles darin haften bleiben, was ihr hineinwerfen
möget – aber fraget euch selbst, wozu nütze? Denn da wird der Lehm
unverändert bleiben wie zuvor, und die haftenden Gegenstände ebenfalls. [HiG.01_41.01.14,05] Und ist eine Festungswand von Eisen
und Stahl, höret, da wird selbst ein anhaltendes grobes Geschütz keine
bedeutenden Spuren zurücklassen. Und die Schützen werden sich wohl fein in
acht zu nehmen haben, daß sie nicht Schaden leiden von den oft gewaltig
zurückprallenden Kugeln. Da heißt es dann, klug die rechte Fernhaltung
beachten. [HiG.01_41.01.14,06] Ganz anders verhält es sich mit einer
Feuerwand, da alles angenommen und dann geläutert wird, auf daß es werde ein
feuerbeständiges Ding. Wenn die Wand Feuer ist, so geht die Sache von selbst.
Ist aber die Wand Eisen, höret, da muß ein tüchtig Feuer hinzukommen, damit
die Wand gleich dem Feuer wird! – Daher wird auch hier viel Feuers erfordert
werden, bis diese Wand flüssig wird in eine andere, beugsamere, sanftere
Form! [HiG.01_41.01.14,07] Daher kann der Versuch mit dem
eisernen Gelehrten schon geschehen! Aber mit feuriger Klugheit und
leuchtender Sanftmut! An der Zeit ist wenig gelegen; doch geht der Morgen vor
dem Abende und die Frühzeit vor der Nachtzeit! [HiG.01_41.01.14,08] Es ist aber dem Schützen wohl gut, daß
er nicht schußallwissend ist und nicht weiß die Wege seiner abgeschossenen
Pfeile. Denn sonst wäre er entweder kein Schütze mehr, oder er hätte das Wild
schon lange vernichtet, dessen Zweck und Ordnung ihm unbekannt ist. [HiG.01_41.01.14,09] So sollet ihr euch auch nicht des
Gelingens kümmern, da ihr ja wisset, daß Ich der Herr alles Gelingens bin! –
Tuet ihr nur das Eurige, und Ich werde das Meinige tun. Machet euch wenig
daraus, wenn das in rechter Weise begonnene Unternehmen oft eurem Sinne nicht
entspricht; sondern erwäget, daß Mein Sinn schärfer ist denn der eurige! [HiG.01_41.01.14,10] Und so ist die Arbeit euch nun
gegeben, das Gelingen aber bleibet bei Mir! – Und so wird am Ende jeder
Arbeiter seinen Lohn finden – nach der Arbeit. Ist die Arbeit gut, so wird
auch das rechte Gelingen nicht ferne bleiben wie auch der Lohn. Und wenn die
Arbeit schlecht ist, da wird es wenig Wolle geben, wohlgemerkt und
verstanden! Denn das sage Ich, euer lieber Vater, in dem alles Gelingen ruht
lebendig. Amen, Amen, Amen. Nochmals: Wider die Tanzsucht! –
17. Januar 1841
[HiG.01_41.01.17,01] Schreibe nur zu, denn Ich kenne gar
wohl die Frage und die ängstliche Bitte! Aber es ist zu spät, daß Ich darob
euch eine Antwort des Friedens geben möchte, bevor da gar bald kommen wird
über die drei tanzsüchtigen Töchter des weltfürchtenden Ans. H. eine Antwort
Meines Gerichtes! – Denn Ich habe viele Worte des Friedens verschwendet;
diese Töchter aber haben nichts davon verstanden und sind schalkhaften
Herzens geblieben und sehen ihre Mutter hinterm Rücken mit ärgerlichen Augen
an, so ihnen diese, Mir zuliebe, nicht gönnen will, darnach ihr Herz
gelüstet, und schmähen heimlich jetzt schon jeden, der ein Widerrechtler
ihrer Sinnenlust ist oder „verräterisch“ an ihnen handelt. [HiG.01_41.01.17,02] Siehe, der Tanzboden hat ihre Ohren
schon hinreichend abgeschliffen und glatt gemacht, so daß die Stimme Meiner
Milde, heimlich verachtet, abprallt und nicht mehr zum Herzen gelangen kann.
Daher werde Ich gar bald mit einer anderen Stimme sie heimsuchen, daß sie
Mich als Richter solcher weltsüchtigen und welthorchenden Kinder werden
erkennen müssen – da Ich ihnen als liebevollster, warnender Vater zu gering
war. [HiG.01_41.01.17,03] Denn sie wissen es so gut wie ihr, daß
Mir der ewig verfluchte Tanz unter was immer für einer Form, unter was immer
für einer Bedingung und an was immer für einem Orte eines der
allerwiderlichsten Laster ist, weil es fürs erste nichts als eine Art
sodomitischer Unzucht ist, durch welche sich heidnische Völker zu allen
möglichen Ausschweifungen aufreizen ließen; und fürs zweite, weil eben dieses
Laster heutzutage sogar unter einem weltlich-moralischen Anstriche gar
pflicht-frei, ohne eine Mißbilligung, gang und gäbe geworden ist. – Darum
soll es nun aber auch tausendmal tausend Male verflucht sein! [HiG.01_41.01.17,04] Und fürs dritte ist der Tanz ein
allerwiderlichstes Laster, weil er sogar schon die Kinder von Mir gänzlich
abwendet und ihre Herzen geistig versteinert, die Mädchen verdirbt und sie
häufig unfruchtbar oder doch sehr oft schlecht fruchtbar macht, und die
Frucht im Leibe schon mit einem oft unwiderstehlichen Triebe nach diesem
Laster versieht, der sich dann schon nach wenigen Jahren kundgibt – und weil
es noch dazu, wie kein anderes Laster, den Menschen, der sich ihm ergeben
hat, nicht nur auf eine Zeit, sondern mit sehr seltener Ausnahme für immer
von Mir abzieht, so daß ein solcher sich dann nimmer zu Mir kehren mag, außer
durch ein Gericht, welches ihn aber wenig mehr nützen wird. Denn zu dem Ich
im Gerichte komme, über den ist Mein Zorn gekommen mit dem ewigen Tode!! [HiG.01_41.01.17,05] Das beste Mittel gegen diese
widerliche Sucht aber ist dieses (so ihr es beachten wollet), daß ihr Eltern euch
der Welt zwar äußerlich gerade nicht wiedersetzet, aber durch ernste und
wohlmeinende Darstellung Meines Willens bei euren Kindern zu bewirken
trachtet, daß sie sich selbst verleugnen und selber widersprechen sollen den
tollen Anforderungen der Welt. Denn so die Kinder unter was immer für einem
verständigen Grunde nicht zum Tanze gehen wollen, so wird die Welt die Eltern
gewiß in aller Ruhe lassen. Im Gegenteile aber wird ihr alleiniges Bemühen,
außer einem gänzlichen Weltbruche, wenig fruchten und nützen. Möget ihr der
Welt vernünftigste Gegenreden stellen, so viel ihr nur immer wollt, so wird
euch diese allezeit etwas zu erwidern wissen, das euch betrüben wird; und
eure Kinder werden von ihr verschlungen werden so oder so und werden am Ende
euch in ihren Herzen zu hassen anfangen und eure größten Peiniger werden. –
Gestattet ihr ihnen aber, den Anforderungen der Welt zu folgen, da wisset ihr
ja ohnehin, welchen Dienst ihr dadurch Mir leisten möget! [HiG.01_41.01.17,06] O hätte der Ans. H. sich früher an
Mich gewendet, statt daß er seine blinde Verwandtschaft fürchtete, so hätte
er nun alles gewonnen. Allein er hat Mich damals ärgerlich auf eine Minute
zurückgesetzt. So möge er nun auch in allem Ernste schauen, wie er in allem
wieder zu Meiner Ordnung zurückkehren wird! Denn Ich werde dereinst mit
denjenigen Eltern nicht gut zu sprechen sein, die Mir ihre Kinder anders
zurückbringen, als Ich sie ihnen gegeben habe. Denn da soll jeder, der zu Mir
kommen will, sein gleich den Kindern. Wenn aber die Kinder, gleich der Welt,
voll Ärgernisse sein werden, da will Ich alles zur Hölle schicken und soll
die reine Lebenswohnung Meiner Heiligen nimmer befleckt werden mit dem
Drachenblute solcher weltverdorbenen Kinder! [HiG.01_41.01.17,07] Denn höret, es liegt Mir nichts an
tausend Welten voll solcher Kinder! Denn Mein Reich und Meine Schöpfung ist
unendlich. Und es liegt Mir an Millionen Welten gerade so viel, wie an einem
wurmstichigen Apfel, der unreif vom Baume gefallen ist und zertreten wird.
Aber jedem von euch muß alles an Mir gelegen sein, so er will, daß Ich ihn
ansehe in Meiner Erbarmung. [HiG.01_41.01.17,08] Der aber Meiner vergessen kann der
Welt wegen, nachdem Ich ihm so vieles schon getan habe von Ewigkeit her –
wahrlich, den werde Ich seiner Untreue wegen nicht mehr suchen und werde ihn
gehen und fallen lassen, dahin er will. Und Ich werde Mich in Ewigkeit nicht
mehr um ihn kümmern, da Ich auf ihn nicht anstehe, wohl aber er auf Mich. [HiG.01_41.01.17,09] Siehe, Ich bin ein überreicher
Bräutigam und freie und lasse Mich freien. Wo Ich aber freie, da bin Ich voll
Eifersucht; und wehe denen, die Meine Hand ausschlagen! – Wo Ich aber gefreit
werde, da bin Ich spröde und schaue Mir die Freier wohl an, ob sie mit
Hochzeitskleidern angetan sind? Wehe denen, die mit weltbeschmutzten Händen
nach Mir greifen! Diese sollen Meine Gerichte hart treffen! [HiG.01_41.01.17,10] Denn wer die Welt mehr fürchtet als
Mich, der ist Meiner nicht wert! Wer den Menschen mehr trauet als Mir, ist
Meiner nicht wert! Wer die Armut der Welt fürchtet, ist Meiner Schätze nicht
wert! Ja, wer Mich neben der Welt herziehen will, ist Meiner nicht wert! Und
ein großer Tor ist, wer Mich nicht zu seinem allerhöchsten Gute macht; auch
er ist Meiner durchaus nicht wert und wird einst an der ewigen Armut dafür
nagen müssen. [HiG.01_41.01.17,11] Dir aber, Meinem Knechte, sage Ich,
daß du mit diesen dreien tanzsüchtigen Töchtern so lange nichts zu tun haben
sollst, bis Ich es dir anzeigen werde. Auch sollst du derzeit keine Silbe mit
ihnen wechseln. Denn sie haben dein Wort im Herzen verspottet, darum du nicht
ihrer Sache warst. [HiG.01_41.01.17,12] Sonst, wenn diese drei nicht anwesend
sind, kannst du wohl ins Haus des Ans. H. treten und dann der Häuslichen
deinen Unterricht geben in der Tonsprache. Aber wohlgemerkt, zu einer andern
Zeit nicht – auch nicht einmal über den Tisch – als bis Ich es dir anzeigen
werde! Denn daß Ich das von dir fordere, geschieht aus Liebe für den Ans. H.
und dessen Weib. Das ist alles, was da wohl zu beachten und zu berücksichtigen
ist; und ohne dieses ist kein Heil! – Amen! Das sage Ich, die Ewige Liebe
noch. Amen. Amen. Amen. Ermunterung eines ängstlichen
Vaters. – 18. Januar 1841
[HiG.01_41.01.18,01] Das wenige sei noch hinzugesagt als
eine Salbe von Mir Meinem lieben Anselm „Wortemsig“ (denn das ist sein neuer
Name in Meinem Buche!) – daß er sich nicht über die Maßen betrüben soll, so
er Meinen Donner vernimmt, mit welchem gestern gesprochen wurde, auf daß sein
ganzes Haus möchte alsobald geweckt werden. Denn Meine Wahrheit kommt
allezeit unter großem Donner; aber Meine Liebe im sanften Wehen. Doch aber
geht das eine wie das andere von einem und demselben liebevollsten heiligen
Vater aus. [HiG.01_41.01.18,02] Wenn Ich aber zu dem Petrus sagte:
„Weiche von Mir, Satan; denn du bist Mir ärgerlich, da du nicht trachtest
nach dem, was Gottes ist, sondern nach dem, was der Welt angehört!“ – siehe,
so hat dabei Petrus gewiß nichts verloren, sondern nur unendlich gewonnen –
und blieb nachher Mein getreuer, steinfester Apostel! [HiG.01_41.01.18,03] Und siehe, Mein lieber Wortemsig, so
Ich zu dir sagen möchte, was Ich zu Petrus gesagt habe, so möchtest du
sterben vor Angst. Allein Ich kenne deine Stärke und gebe dir nach deiner
Kraft zu tragen und will es ansehen, als wenn du vieles getragen hättest.
Denn die Ich lieb habe, denen schicke Ich so manche kreuzigende Not und oft
ein außerordentlich groß scheinendes Kreuz, so daß, der es ansieht, gewaltig
davor erschrickt! [HiG.01_41.01.18,04] Aber Ich sage dir, daß das Kreuz nur
so groß aussieht; es ist gar nicht so schwer! Denn es ist nur von Papier und
von innen ganz hohl. Daher es auch gar leicht ist und ist nur ein „sanftes
Joch“ und eine „leichte Bürde“. [HiG.01_41.01.18,05] Daher sei nur getrost! Sei ernst mit
deinen Kindern und suche sie ohne Scheu auf Meine Wege zu bringen! Es wird
dir darob kein Haar gekrümmt werden. Und verlasse dich in jeder Not auf Mich
und tue das Deinige! Ich versichere dich, daß Ich getreu das Meinige nicht
unterlassen werde. [HiG.01_41.01.18,06] Siehe, selbst in weltlichen Dingen, so
du Not hättest, kann Ich dir geben zehnmal so viel, als du brauchst. Daher
fürchte dich nicht, denn Meinetwegen wirst du niemalen zu kurz kommen! Daß
eine kurze Zeit Mein schwacher Knecht sich aus Meiner Liebe zu dir und den
Deinen zurückziehen muß, das ist nichts anderes als eine erste Hilfe von Mir
zur Unterstützung deines Ernstes, und das nur auf eine sehr kurze Zeit, damit
deine Kinder desto eher einsehen möchten, daß es Mir vollkommen ernst ist,
sie alle für Mich zu gewinnen. Würdest du irgend gefragt ob solcher
Zurückgezogenheit, so kümmere dich nicht der Antwort; denn Ich werde dir die
Zunge lösen zur rechten Zeit. [HiG.01_41.01.18,07] Darum habe keine Furcht, Mein lieber
Wortemsig! Denn Ich werde dich ewig nimmer verlassen! Ich, dein lieber Vater.
Amen. Amen. Vereins- und
Gesellschaftssatzungen. – 24. Januar 1841
[HiG.01_41.01.24,01] Was die Gesellschaften betrifft, so
ist es schon im Evangelium hinreichend gesagt worden, daß, wo zwei oder drei
in Meinem Namen versammelt sind, Ich allezeit mitten unter ihnen bin. Daher
ist es auch nicht unziemlich, wenn Menschen in Gesellschaften zusammentreten,
um dadurch unter Meinem Beistande etwas Nützliches zu bezwecken. [HiG.01_41.01.24,02] Wo aber nun irgendeine Gesellschaft
sich befindet, da ist es natürlich, daß, je nachdem die Gesellschaft
irgendeinen Zweck vorhat, unter ihr auch diesem Zweck entsprechende
Verhältnisse obwalten müssen und daß diese Verhältnisse von jedem Mitgliede
der Gesellschaft als Gesetze oder, wie ihr zu sagen pflegt, als Statuten zu
beachten sind. [HiG.01_41.01.24,03] Es fragt sich demnach, wer da wohl die
Gesetze oder Statuten entwerfen oder vorschreiben solle. – Da soll nun aus
der Gesellschaft der verständigste, einsichtsvollste und erfahrenste Mann
gewählt werden; und dieser nun auf solche Art gewählte „Vorsteher“ soll dann
sich zur Seite, nach Umständen des Gesellschaftszweckes, drei bis sieben
„Beistände“ oder „Räte“ wählen. Und wenn nun ein solcher „Vorstand“
zuwegegekommen ist, dann sollen erst die „Gesetze“ oder „Statuten“ von diesem
Vorstande entworfen werden, die dem Zwecke entsprechen, dessen nützliche
Realisierung sich die Gesellschaft vorgesetzt hat. [HiG.01_41.01.24,04] Diese Satzungen sollen dann jedem
beitretenwollenden Mitgliede genau und anschaulich vorgelesen und erklärt
werden. Und da soll dann kein beitretendes Mitglied irgend etwas einzuwenden
haben; sondern, wenn es die Satzungen zweckvoll findet, so möge es beitreten,
im Gegenteile aber sich auch nach eigener Willkür fernehalten. Und es soll
wegen Gewinnung eines oder des anderen Mitgliedes nichts mehr an den
Satzungen verändert werden, sondern, wie sie ursprünglich gegeben wurden, so
sollen sie auch fortbestehen, solange der Verein einer solchen Gesellschaft
dauert. [HiG.01_41.01.24,05] Denn wenn, wie es gewöhnlich der Fall
ist, nach Umstand der Sache und der eintretenwollenden Mitglieder, solche
einmal gültig entworfene Satzungen bald hier, bald da eine Abänderung
erleiden, so geben solche Abänderungen nur einen sprechenden Beweis, daß eine
solche Gesellschaft auf schwachen und unverläßlichen Füßen beruht, die schon
ein leichter Windstoß zum Wanken bringt. Denn neue Gesetze machen die
bestehenden unvollkommen. Und wo immer durch ein neues Gesetz ein früheres
gewisserart unterstützt werden muß, ist das ein Zeichen, daß das frühere
Gesetz krank, gebrechlich und nicht viel nütze ist – woher es dann kommt, daß
durch dergleichen Erneuerungen eine gesellschaftliche Anstalt oder ein
zwecktunlicher Verein immer mehr in den Mißkredit hinabsinkt, sich endlich
gänzlich auflöst und mit ihm auch die bezweckte gute Sache zugrunde geht. [HiG.01_41.01.24,06] Daher ist auch dieses das beste
Grundgesetz zur Bildung irgendeiner zweckdienlichen Gesellschaft, daß da vor
allem ein einsichtsvoller und wohlerfahrener Mann an die Spitze gewählt wird,
dieser dann aber alsogleich das Recht hat, wie oben angezeigt, sich Helfer an
die Seite zu wählen. [HiG.01_41.01.24,07] Wenn nun dieses bei der Bildung einer
Gesellschaft beachtet und gehandhabt wird, dann wird die Gesellschaft einem
Menschen gleichen, in welchem ebenfalls das empfindende, fühlende und den
ganzen Lebensprozeß ordnende Herz sich lebendig in der Mitte des ganzen
Organismus befindet und zunächst den ihn umgebenden Körper mit den nötigen
Sinnen versieht und dieselben unterhält als gewissermaßen seine „Räte“, durch
welche Beschaffenheit dann der ganze Organismus des Menschen und durch
denselben der Mensch selbst gar wohl erhalten wird. [HiG.01_41.01.24,08] Wie würde aber der Mensch als solcher
fortbestehen, wenn in seinem Organismus fortwährend neue Anordnungen
getroffen würden!? Würde da nicht jede Hand, jeder Finger wollen Ohren,
Augen, Mund und Nasen haben!? Und wenn das, sofort nachgebend und alles
gewährend, ginge – wie würde in kurzer Zeit der Körper des Menschen aussehen,
da man nichts als lauter Herzen, Augen, Ohren, Nasen und Munde an ihm
entdecken würde! [HiG.01_41.01.24,09] Sehet, wie es sich mit dem Menschen in
dieser Hinsicht verhält, dessen Glieder alle eine wohlgeordnete Gesellschaft
untereinander ausmachen, dasselbe soll auch von jeder schon gebildeten oder
noch zu bildenden Gesellschaft genau beachtet werden! [HiG.01_41.01.24,10] Jedoch was die rein weltlichen
Gesellschaften betrifft, deren Entstehen oder Bestehen keine andern als nur
unterhaltende Zwecke hat, so finde Ich für derlei Gesellschaften kein anderes
Gesetz als das einzige, daß sie weder entstehen noch bestehen sollen. Wo sie
aber bestehen, da sollen sie kein Ärgernis geben und wenigstens einer solchen
Zucht entsprechen, daß ihr Beispiel nicht allzusehr die Menschen anlocke und
von Meiner Ordnung abziehe. [HiG.01_41.01.24,11] Wo aber irgend neue Gesellschaften für
solche irdische Unterhaltungszwecke sich bilden möchten, da sage Ich nur: Sie
werden nicht gar zu lange mehr bestehen unter was immer für Satzungen. Denn
Ich stehe vor der Türe und bin überladen mit allerlei Statuten für solche
Gesellschaften und werde Mir voraus einen Engel senden, der Meine Ankunft
verkünden und die Erde säubern wird mit seiner scharfen Sichel von dem
Unkraute, das da allezeit dem freien Wachstume Meines Weizens hinderlich war. [HiG.01_41.01.24,12] Und dieser Engel wird auch ein großes
Rauchfaß haben und wird mit demselben über die ganze Erde einen schrecklichen
Rauch machen, auf daß alle Pest auf derselben in dem Rauche zugrunde gehen
muß. – Verstehet aber wohl, was da unter der „Sichel“ und unter dem
„Rauchfasse“ verstanden wird! Nämlich, wer nicht Weisheit besitzt, der soll
wissen, daß die Sichel das „Schwert“ und das Rauchfaß das „scharfe Geschütz“
bedeutet. [HiG.01_41.01.24,13] Sehet, mit solchen Statuten werde Ich
die Welt ihrer unterhaltenden Gesellschaften und vieler andern, dadurch
entstandenen Übel wegen alsobald und unverzüglich heimsuchen. Jedoch soll Mein
Engel mit der Sichel und dem Rauchfasse die Häuser derjenigen verschonen, die
ihres Hauses Türpfosten mit dem Worte Meiner Liebe und Meiner Erbarmung
gesalbet haben. Denn Mein Wort ist eine große Gnade für den, der solches
empfängt, und ist für die Pfosten der Türe ein gutes Salböl. Es wird der
Engel an der Türe versuchen, ob sie knarret am Pfosten. Wo sie knarren wird,
da wird der Engel das Haus bis auf den Grund niederreißen. Da sie aber sanft
aufgeht, da wird das Haus verschont werden, und zwar aus diesem Grunde: [HiG.01_41.01.24,14] Wenn Ich nämlich komme, da werde Ich
kommen gleich einem Diebe und Mich in aller Stille in das Haus schleichen.
Daher müssen auch alle Pfosten wohl geschmieret sein. Denn wo die Türe
knarrt, da gehe Ich nicht hinein. – Das Herz aber ist die Türe! – Wenn dieses
voll Angst, voll Ungeduld, Furcht und Murren, Untreue, Zwiespaltigkeit und
dergleichen Untugenden mehr sich bei Meiner Ankunft Mir unausweichlich wird
offenbaren müssen – höret, da wird der „Dieb“ sich alsobald entfernen und
nicht einziehen durch eine solche verwahrloste Türe! Und noch weniger wird er
je mehr dahinkehren als der große Statutenbringer des ewigen Lebens! [HiG.01_41.01.24,15] Denn wahrlich, wo irgendein Mensch
ist, da ist er ja nicht allein, sondern eine ganze Gesellschaft ist mit ihm.
Und da bedarf es am meisten eines Hauptgesetzgebers, damit die Gesellschaft
eins werde unter sich und dieses Eins sei ein Leben aus und in Mir. – Wenn
aber irgendeine Gesellschaft oder ein Mensch in beständiger Angst schwebt
zwischen Mir und der Welt, denen will Ich ja recht gerne ihren Weltfrieden
gönnen und Mich mit Meinen Statuten des ewigen Lebens zurückziehen. Und da
mögen dann wohl wieder Gesellschaften der Weltunterhaltung gebildet werden.
Allein Ich werde da nimmer den Friedensstörer machen und nicht eher
wiederkommen, bevor Mein Engel mit der Sichel und mit dem Rauchfasse
erschienen ist! – Das sage Ich, der vor der Türe steht. Amen! Vom wahren Priester, Arzt und
Hirten. – Licht und Trost für Schwache. – 25. Januar 1841
[HiG.01_41.01.25,01] Da schreibe ein kleines Wort voll
höheren Trostes an die Seele, die da stets kranken Herzens ist und sich in
ihrer Schwäche weder zu raten und noch weniger zu helfen weiß. Sie hat sich
ohne Meinen Rat und ohne ein ausdrückliches Begehren des besseren Teiles der
kirchlichen Priesterschaft durch eine unnötige Beichte (oder sonst
kirchliche, priesterliche oder doktrinäre Influenz) in eine Spalte geklemmt,
deren Zusammendruck ihrem weichen Herzen eine sehr beklemmende üble Sache
machte. Dadurch gleicht sie einem Kranken, zu dem zwei Ärzte kommen, welche
feindselig gegeneinander fahren, da sich der Kleine gegen den Großen
auflehnt, indem er keine Einsicht von der Art und Weise hat, wodurch der
Große mit großer Leichtigkeit und Sicherheit seine Kranken heilet; während
der Kleine vorgibt, daß nur er die wahre Universalmedizin besitze, an deren
einzig und allein zu heilen vermögender Seite alles andere eitel und
verdammlich ist. [HiG.01_41.01.25,02] Dieser Kranken sage, daß nur Ich der
einzig und allein rechte Arzt bin und frei helfen kann, wem Ich will und daß
Ich Mich ewig nimmer binden lassen werde von irgendeinem gallsüchtigen
Kleinpriester, dem viel mehr eine vermeintliche Verkümmerung seiner
geistlichen Autorität als das wahre Seelenheil seiner sogenannten
„Beichtkinder“ am Herzen liegt. [HiG.01_41.01.25,03] Siehe, solche Mietlinge stehen Meiner
Herde nicht wohl an! Sie wehren die Wölfe von den Schafen nur der Wolle, aber
nicht des geistigen Lebens der Schafe selbst wegen ab. Der „rechte Hirte“
dagegen weidet und schützt die Schafe ihres Lebens wegen, da sie Sein
Eigentum sind, und kümmert sich weniger um die Wolle, wohl wissend, daß das
Leben, wenn es gewonnen wird, auch sicher die Wolle mitbringen wird. [HiG.01_41.01.25,04] O blicke du nur hinaus in Meine große
Schöpfung! Siehe, dieses alles besteht aus Meiner Liebe und Weisheit,
Erbarmung und Gnade! Meinest du wohl, daß Ich solches durch die vermeintliche
priesterliche Gewalt und Zulassung tue und so die Erde und alle zahllosen
Welten erneuere, erhalte und allenthalben bevölkere!? Oder muß Ich etwa einen
Priester fragen um die Erlaubnis und um einen Rat, mit wie viel Licht Ich die
Sonne versehen solle, und wann sie auf- und niedergehen möchte!? Oder welcher
Priester hat sich denn mit Mir ans Kreuz schlagen lassen!? Oder haben damals
nicht vielmehr eben gerade Meine Priester solches an Mir getan und Mich
gelästert, als ob Ich vom Teufel wäre gegen ihr vermeintliches Reich Gottes,
welches unter solchen Mietlingen vielmehr ein Reich des Satans geworden war
und zum Teile nun wieder ist!? [HiG.01_41.01.25,05] Oder, wenn ein Mensch lebt, lebt er
aus Mir oder dem Priester? – Ich sage dir, daß Ich ein vollkommen freier und
über alles mächtiger Herr, Gott und Vater bin und hange nicht im allergeringsten
ab vom Priestertume und kann allein Jedwedem seine Sünden vergeben, der sich
reuig in aller Liebe zu Mir wendet; denn Ich bin auch ein Herr über alle
Sünder! Und so Ich jemandem seine Schuld nachsehen will, vermöge seiner
vollen Sinnesänderung – siehe, da stehe Ich auch gar nicht an auf eine aus
törichten Gründen vorenthaltene Absolution eines „wolleverkümmert“ sich
wähnenden Priesters! [HiG.01_41.01.25,06] Denn wahrlich, so Ich gar bald
wiederkommen werde, da werden mich Hunde und Katzen eher erkennen als solche
herrschenwollende Priester, denen allezeit nur an der Wolle gelegen war, so
oder so, aber niemalen oder wenigstens sehr selten am Leben selbst! [HiG.01_41.01.25,07] So dir aber irgendein Priester nicht
möchte seine wenig sagende Lossprechung erteilen, so gehe zu einem zweiten,
dritten usw. Und solltest du keinen finden, der dich losspräche, alsdann
komme nur getrost zu Mir und gedenke des verlorenen Sohnes und sei
versichert, daß Ich als wahrer, heiliger, bester Vater Meine Kinder gewiß
eher denn alle die herzlosen Mietlinge in Mein Haus und Herz mit offenen
Armen aufnehmen werde! [HiG.01_41.01.25,08] Daher sei ohne Sorge in dir und folge
Mir! Und Ich werde dich ewig nicht zugrunde gehen lassen! – Kehre nur deine
Kindlein emsig zu Mir, wozu Ich dir schon an der Seite stehen werde! Und
denke, daß der Herr aller Schöpfung auch noch viel mehr ein Herr des Geistes
ist und tun kann, was Er will. [HiG.01_41.01.25,09] Siehe, Ich führe dich und werde dich
ewig führen! Daher kümmere dich nicht so sehr der blinden Leiter! – Amen! Das
sage Ich, dein lieber, guter Vater, dich segnend, Amen, Amen! Vertrauen zum himmlischen Vater.
– 26. Januar 1841
[HiG.01_41.01.26,01] Der Mensch ist ein Denker, doch Ich
nur ein Lenker. / Der heiterste Morgen bringt jedem noch Sorgen. / Doch wem
da beschieden der Abend im Frieden, / der denke am Ziele: Es war so Mein
Wille! [HiG.01_41.01.26,02] Schreibe nur zu und verkünde Meinen
Rat dem bekümmerten Anselm „Wortemsig“, daß er nur ganz allein auf Mich
vertrauen und Mir volltrauen solle! Denn Ich weiß es allezeit am besten, wo
jemanden der Schuh drückt, und bin auch ein sehr verlässiger Wegweiser. Mir
sind alle Wege wohl bekannt. Und Ich bin der nächste und kürzeste Weg Selbst!
Wer darauf wandeln wird, der wird das rechte Ziel nicht verfehlen ewiglich!
Denn wen Ich führe, der hat wahrlich einen sicheren Geleitsmann. Und wer auf
Meinen Wegen wandelt, der verfolgt ein sicheres Ziel, ja ein Ziel, das ein
Ziel aller Ziele ist. Denn Ich bin der Wegweiser, der Weg und das ewige,
lebendige Ziel Selbst! [HiG.01_41.01.26,03] Siehe daher, Mein lieber Wortemsig, du
sorgst und bekümmerst dich eitel, wenn du Mich liebst, treu rufst und
ungezweifelt glaubst, daß Ich, dein allmächtiger, großer und heiliger Vater,
es bin, der dir solches durch diesen Meinen Wortschreiber sagen läßt. Tue
daher nur soviel als du magst und kannst, alles übrige überlasse im vollsten
Vertrauen nur Mir! Und du kannst versichert sein, daß Ich alles zu einem
gerechten Ziele führen werde. [HiG.01_41.01.26,04] Wahrlich, so du Mich eine Stunde lang
geliebet und ebenso lange Mir vertraut hast, so hast du mehr getan, als so du
dich zehn Jahre vergeblich sorgtest und in solchen Sorgen für nichts und um
nichts gar oft von Meinen Gnadenwegen dich abwendetest! [HiG.01_41.01.26,05] Sage, magst du wohl allen deinen
Kindern ein Elle hinzufügen? Oder vermagst du die Schwachen zu stärken und
die Starken zu schwächen? Oder vermagst du wohl die Kleinen groß und die
Großen klein zu machen, oder daß die Blinden sehend und die Sehenden blind
werden, die Tauben das Gehör erhalten und die mit offenen Ohren doch nichts
hören und verstehen? [HiG.01_41.01.26,06] Siehe, Ich bin ein Herr über Lebendige
und Tote! Und so hört der Lebendige allezeit Meine Vaterstimme, versteht sie
und kehret sich danach. Aber auch den Toten kann Ich Mich als Herr mit Meiner
Donnerstimme allerschütternder Macht gar wohl verständlich machen, wenn es an
der Zeit ist. Und es müssen Mir gehorchen die ganze Erde, der Mond und all
die Sonnensterne und all das Weltgetümmel um sie! [HiG.01_41.01.26,07] Siehe, so aber solches alles und
zahllos mehreres, vom Kleinsten bis zum Größten, abhängt von Meinem Willen,
und du aber freiwillig hängest mit deinem Herzen an Meiner Vaterliebe, die da
ist der ewige Ursprung aller Dinge – wie kann dich dann noch etwas bekümmern,
so du Meiner Liebe allezeit versichert sein kannst, sein sollst und nun über
alle Maßen wahrhaft bist! [HiG.01_41.01.26,08] Siehe an Meinen Knecht – er hat kein
Vermögen, als das von Mir! Und doch sage Ich dir, daß er in seiner Armut
reicher und glücklicher ist, als einer, dem alle Schätze und Wissenschaften
der Erde zu Gebote stünden! [HiG.01_41.01.26,09] Siehe, die Ich versorge, die sind wohl
versorgt, zeitlich und um desto mehr noch ewig, und werden bei Meiner Kost
gar wohl aushalten! Und Mein Amt wird ihnen keine Amtsstunden vorschreiben,
sondern die seligste Freiheit ihrer Liebe. Amen. Besessenheit. – 30. Januar 1841
[HiG.01_41.01.30] Bitte des Knechtes: „Herr, Dein Wille
geschehe! Du weißt, wonach mich verlangt, auf daß Dein Name allezeit möchte
im Geist und in aller Wahrheit geheiliget werden!“ [HiG.01_41.01.30,01] So schreibe nur ein Wort über das, was
dich bedrückt! Denn es gibt Besessene gerade in dieser Zeit so viele, daß
dieser beklagenswerte Zustand der Menschen in allem Ernste „normal“ geworden
ist. [HiG.01_41.01.30,02] Siehe, wenn der Leib hie und da krank
geworden ist, so hat dies darin seinen Grund, daß durch irgendeinen Umstand
fremdartige Teile in denselben gekommen sind. Sodann bemüht sich der Leib in
seiner organischen Tätigkeit, diese fremden Stoffe (mittels des
Nervengeistes) hinauszuschaffen. Allein es ist hier der Fall wie bei
jemandem, der da ohne irgendein Hindernis in ein künstliches Labyrinth
geraten ist, daraus er sich nicht so leicht wieder finden kann, wie er
hineingekommen ist. Und so kann denn so ein fremdartiger Teil ebenfalls auch
nicht so leicht wieder aus dem Leibe geschafft werden, wie er hineingeraten
ist. [HiG.01_41.01.30,03] Wo aber dann im Leibesorganismus ein solcher
Fremdteil sitzt, da hemmt er die ordnungsmäßige Tätigkeit der Organe und
verursacht allerlei Störungen im Kreislaufe des Blutes und aller aus
demselben entspringenden Säfte. Und so dann dadurch diese nicht zur rechten
Zeit zur Sättigung zu den bestimmten Organen gelangen können, so werden die
Organe dann hungrig, schrumpfen zusammen und verursachen ein krampfhaftes,
schmerzliches Ziehen, werden matter und matter; und schließlich wird der Leib
völlig abgespannt, und die Organe verlieren alsobald samt der Elektrizität
ihre elektrische Spannkraft. Und die Folge davon ist, daß der Leib dadurch
hinfällig und krank wird. [HiG.01_41.01.30,04] Es sind solche fremdartige Teile, als
z.B. Gifte aller Art, in allen Elementen. Und sie können in den Leib auf
verschiedene Weise gelangen, entweder durch den Mund, die Nase, die Ohren,
die Augen wie auch durch die Poren der Haut. [HiG.01_41.01.30,05] Dann gibt es neben den Giften aller
Art auch sogenannte Kontagien, welche durch die Berührung oder oft schon
durch bloße Annäherung, gleich einem Sauerteige, durch die Poren in den Leib
dringen und demselben sich zu assimilieren anfangen, wodurch derselbe dann
oft sehr gefährlich krank wird, weil dann der Leib eine ganz fremde
Beschaffenheit anzunehmen genötigt ist. Und wenn da nicht schnelle Hilfe
geleistet wird, so ist es mit dem Leibe unfehlbar geschehen. [HiG.01_41.01.30,06] Weiter gibt es noch eine dritte Art
der Entstehung der Krankheiten, nämlich gewaltsame Verletzungen, welche
ebenfalls störend und oft tödlich auf den Organismus einwirken. Und zwar
versteht sich von selbst, daß es da zweierlei Verletzungen geben kann,
entweder äußere oder innere. [HiG.01_41.01.30,07] So ist also, kurz gesagt, eine wie
immer gestaltete Krankheit des Leibes demnach nichts als ein Besessensein
desselben von fremdartigen, dem Leibe nicht entsprechenden Elementen! [HiG.01_41.01.30,08] Obschon zwar der Leib alle Elemente
naturmäßig in sich begreift, so ist aber im Gesundheitszustand von jedem doch
nur soviel da, als es der Naturordnung gemäß ist. Demnach besteht die
Fremdartigkeit in den unverhältnismäßigen Proportionen, d.h. im ungeteilten
Zuviel oder, unter anderen Umständen, im Zuwenig. [HiG.01_41.01.30,09] Siehe nun, so da irgendein Mensch
schon von der Geburt aus verdorben wird, da schon vermöge des unordentlichen
Lebens der Eltern demselben fremdartige Teile eingeboren werden, so nennet
ihr ein solches Übel („angeerbt“ oder) „chronisch“. Und wenn aber ein solches
Übel sich dann auf eine ganze Generation übergehend erstreckt, da, sage Ich,
wird ein solches Übel „normal“ und ist auf natürlichem Wege nicht mehr aus
dem Leibe zu bringen, sondern nur durch Mich, auf dem Wege des Wunders, was
dann eine Gewalttat von Mir ist, da Ich dann durch Meine allerbarmende Liebe
gegen Meine Ordnung zu handeln gezwungen werde. – Andernfalls muß das Übel
völlig ausgezeitigt werden und zeigt sich dann auf dem Wege von allerlei
Aussatz und allerartigen bösen Fiebern und Seuchen, wo es dann, sich selbst
empfehlend, den betreffenden Menschen reiniget, oft aber auch, im zu heftigen
Auftreten, denselben wie auch ganze Generationen mitnimmt und so dem Arzte
hernach die Regel zeigt, daß es gegen so alte Schäden nicht gar viele
heilende Mittel gibt. [HiG.01_41.01.30,10] So aber jemand erfahren möchte, ob
auch in ihm ein heimlich schweigendes, angeerbtes, chronisches oder ein
selbsterworbenes Übel sei, so darf er nur recht fasten und bei solcher Diät
dann und wann ein sparsames Medikament, natürlich in entsprechender Art, zu
sich nehmen, so werden sich bald melden: unter den Nerven die angeerbten, in
den Gliedern die chronischen und in den Eingeweiden die selbsterworbenen
Übel. Und es ist das der Weg der sogenannten Homöopathie, die bei den Übeln
erster Art auch vorzuziehen ist. [HiG.01_41.01.30,11] Nun sehe, da Ich dir hier gezeigt habe
des Leibes Besessensein, so habe Ich dir auch gezeigt das geistige
Besessensein der Menschen. Denn es verhält sich mit dem geistigen gerade
also, wie mit dem leiblichen. [HiG.01_41.01.30,12] Und es ist solches Besessensein darob
nun so normal geworden, daß es die Menschen gar nicht mehr merken, welch
scheußlichen Mutwillen die bösen Gäste mit ihnen treiben. Ja, so sehr sind
die Menschen jetzt „besessen“, daß in ihnen das Bösgeistige und ihr Eigenes
völlig eins geworden ist. Da spricht der böse Geist nur für sein Haus und das
Haus für seine schnöde Wohnpartei. [HiG.01_41.01.30,13] Denn da sind Tanz, Hurerei, Groll,
Schelten, Fluchen, Rauben, Stehlen, Lügen, Stolz, Hochmut, Prahlerei,
Ehrabschneidung, Neid, Geiz, Hoffahrt, Fraß, Völlerei, Spott und Hohn gegen
alles Mich betreffende, Pracht, Mode, Luxus und dergleichen
Eigentümlichkeiten nichts als vollkommene, untrügliche Zeichen des
allerintensivsten Besessenseins. [HiG.01_41.01.30,14] Wer es nicht glauben will, der
versuche nur schnell die empfohlene Diät des Geistigen in der
Selbstverleugnung und nehme mehrere kleine Dosen Meines Wortes ein, und
wahrlich sage Ich, er wird sich bald überzeugen, welch ein „Herr“ da in ihm
wohnet. Und wird dieser durch Mich hinausgeschafft, dann werden diese Bestien
gleich die ganze Welt gegen einen solchen Befreiten reizen. [HiG.01_41.01.30,15] Wer daher nicht glauben möchte diesem
Worte, der versuche nur die „Homöopathie des Geistes“, und er wird sich
alsobald überzeugen, daß Ich, die ewige Wahrheit, treu bin in jeglichem
Meiner Worte. [HiG.01_41.01.30,16] Aber es ist die allgemeine
Auszeitigung nicht mehr ferne! – Dann dreimal wehe dem Inhaber solcher Güter!
– Amen. Das sage Ich, die urewige Wahrheit Selbst! Die wilde Jagd. – 1. Februar 1841
[HiG.01_41.02.01,01] Ein Nachtrag über das Besessensein! –
Doch so Ich dir hier für die Menschheit Schauerliches im Vollmaße verkünden
werde, so denke, daß Ich es bin, dem alle Dinge möglich sind! [HiG.01_41.02.01,02] Wenn irgend bei einem Menschen, der
sonst fromm und tugendhaft ist, sich böse, fremde Wesen entweder durch
Gebärden, und zwar sogleich wohl erkennbar, oder auch bei besonderen Fällen,
in fremdartigen Stimmen durch allerlei, mit Hohn und Spott lästernden Reden
zu erkennen geben, da sie den armen Besessenen martern, schlagen und hin- und
herwerfen, so hat diese Erscheinung einen dreifachen Grund. [HiG.01_41.02.01,03] Wenn da gefragt würde: wie kommt so
ein unschuldiger Mensch zu solcher Qual, warum und wann? – da denke dir
zuerst: [HiG.01_41.02.01,04] Wenn ein Reh auf der Jagd erlegt
worden ist, so wird nach demselben nicht mehr gejagt werden, da wird das
Erlegte nach Hause getragen als Beute der Jagd. Wo aber ein Wild von den
Hunden noch im Forste gewittert wird, siehe, da geben die keine Ruhe dem
Wilde und verfolgen es unausgesetzt, auf daß sie es brächten vor des Jägers
tödliches Gewehr, um dann wieder frisches Blut zum Lecken zu bekommen. – Und
dann hat fürs dritte jeder Weidmann aber auch seine Zeit und beobachtet die
Reife des Wildes und schonet es zuvor sorgsam und verhütet das Gebell der
Hunde, um das Wild nicht aus dem Forste zu schrecken. Das Wild aber ist
schuldlos, denn es vermag nichts zu merken von des Weidmanns Tücke. Und oft
geschieht es, daß es ein dummes Wild ist und bleibet wie gefesselt im dunklen
Revier des Todes und läßt sich erjagen von den Hunden und töten vom Jäger. [HiG.01_41.02.01,05] Siehe hier das Bild – und wisse, daß
der Fürst der Finsternis unablässig Jagd macht auf alle Menschen und sie
sämtlich als das Wild seines großen Revieres betrachtet. Und war er früher
nur ein Raubjäger, so hat er sich aber jetzt auf eine kurze Zeit zum
Jagdinhaber aufgeworfen und weiß daher sein Wild zu schonen bis zur
bestimmten Zeit, da er dann wieder eine große Treibjagd gibt, um mit reicher
Beute beladen heimzukehren. [HiG.01_41.02.01,06] Solche „Jagdzeiten“ aber sind
vorzugsweise jene öffentlichen Belustigungen, Krieg, Zwietracht, Hurerei und
dergleichen mehreres. Und da sind Tänzer, Krieger, Neider, Hurer und so fort
nichts als gehetztes „Wild“. – Wohl denen, die sich noch frühzeitig vor der
Hetzzeit in Mein Revier geflüchtet haben, so ihnen die Ahnung oder Meine
fernrufende Stimme verkündete, was da kommen wird gar bald über den Forst des
Satans! – Wehe aber den Gehetzten, wahrlich sage Ich, des Beute sie geworden
sind, des sollen sie auch bleiben! [HiG.01_41.02.01,07] Wehe den Musikern, die da stoßen gar
eifrig Tag und Nacht in die Jagdhörner des Satans, um das Wild zu betäuben
und zu hetzen zu dem tödlichen Feuerrachen des Fürsten aller Teufel! Höret,
ihr getreuen Söldlinge des Satans, die ihr die Sprache des Himmels stoßet in
die Posaune des Todes, euer Lohn wird groß werden im Reiche dessen, dem ihr
so getreu dienet! [HiG.01_41.02.01,08] Höre, du Mein Schreiber, solche können
nicht besessen werden, da sie ohnehin selbst zum Jagdgefolge des Satans
gehören. O zweifle nicht, daß es also ist, denn die Tanzmusik ist eine
trügerisch feine Stimme des Satans und gleichet dem Gesange der Sirenen, von
dem die Alten gar weise fabelten. Wer aber solche Stimme führt, ist kein
Besessener mehr, sondern einer, der da selbst fangt und Besitz ergreift. [HiG.01_41.02.01,09] Wehe euch Tanzmeistern und Vortänzern,
Ballgebern und Ballmeistern, auch ihr gehöret gleich den Musikern zum
Jagdgefolge des Satans und seid wohl brauchbare Schuß- und Treib-Teufel
selbst! Euch brauche Ich nicht euren Lohn für dereinst auszusprechen, denn in
dessen Amte ihr stehet, der wird euch euren Sold schon ohnehin wohl
ausgemessen haben! Ihr seid fleißige und gar treue Diener eures Herrn; jeder
Arbeiter aber ist ja seines Lohnes wert! Und so könnet ihr wahrlich ganz
vollkommen versichert sein, daß ihr dereinst, und zwar bald schon in der
letzten Zeit der großen Lohn- und Preisverteilung durchaus nicht zu kurz
kommen werdet! Denn wahrlich, es wird da gehen nach Meinem Ausspruche, und
der möchte euch wohl ein sicherer Bürge dieser Verheißung sein! [HiG.01_41.02.01,10] Siehe, du Mein Schreiber, auch diese
sind und werden nicht besessen, sondern überdenke diese Art Menschen wohl,
und du wirst gar bald finden, daß sie nichts als Mammons wohlgeschmeidige
Diener sind, denen es mit wohlleserlicher Schrift auf die Stirne geschrieben
steht: „Erlaubet es uns und gebt uns Geld, und wir wollen euch die ganze Welt
vergiften und Tanzsäle errichten, in denen Sonnen ihren Auf- und Niedergang
feiern mögen und Erden gleich Erbsen herumkugeln!“ O siehe, für so große und
herrliche Pläne wird dereinst ja auch ein gar großer Preis und Lohn folgen
müssen! Denn wahrlich, an solchen großdenkenden Geistern leidet der Himmel
die größte Armut! [HiG.01_41.02.01,11] Wehe euch Schülern solcher Meister! –
Wahrlich, Ich sage euch, der Fürst der ewigen Nacht hat eure Namen getreu
eingetragen in sein großes Buch des Todes. Und der Engel Meiner Gnade hat
dafür gleichzeitig dieselben ausgelöscht aus Meinem Buche des Lebens. Und
darob werdet ihr einst zu denjenigen gezogen werden, die da sagen werden:
„Herr, Herr, wir haben ja Deinen Namen angerufen, wir haben geglaubt, daß Du
der lebendige Sohn Gottes bist, haben wir auch keine Wunderfrüchte des
Glaubens getragen, so haben wir aber doch geglaubt und waren Zeugen Deiner
Gnade und wirkten in der Macht Deines Namens all unser Tun, da wir wohl
wußten, daß ohne Deinen Willen ja nicht einmal ein Sperling vom Dache zu
fallen vermag!“ [HiG.01_41.02.01,12] Ich aber werde dann so frei sein und
werde ihnen keck und trockenweg entgegnen: „Weichet von Mir, ihr Verfluchten
und Gehetzten, Ich habe euch noch nie als Mein Eigentum erkannt: Meint ihr,
daß Ich ein Räuber und Dieb bin und Mir fremdes Wild zueignen möchte!? Das
sei ferne! Dem ihr zu eigen geworden seid, dahin kehret, damit euch euer
Preis werde! Denn Ich kenne euren Inhaber, und Meine Gerechtigkeit gehet
weiter als ihr es denket. Und darob soll des Satans sein, was er sich
erworben hat, und Mein das nur, was von Meiner Stimme gelockt, früh genug
Mein Revier betreten hat. [HiG.01_41.02.01,13] Es soll dereinst der große Fürst des
Todes, dem ihr euch zu eigen gemacht habt, keine Sache wider Mich haben, als
wäre Ich je ungerecht gegen ihn gewesen. Sondern da soll dann das Seinige
ewig sein und das Meinige ewig Mein verbleiben – und zwar das Seine in des
Gerichtes und aller Verdammnis Feuerqual mit und bei und in ihm, wie das
Meinige in des Lebens höchster Seligkeit und Wonne mit, bei und in Mir!“ [HiG.01_41.02.01,14] Siehe, du Mein Schreiber, diese
„Schüler“ gehören schon zu den Besessenen. Denn wer da besitzt das Gebiet,
dessen ist auch das, was darauf Wohnung macht. – So aber jemand zur rechten
Zeit der Freilassung, welche die kurze irdische Lebenszeit ist, das böse
Gebiet freiwillig und gänzlich verläßt und kommt zu Mir, um auf Meinem Revier
Wohnung zu machen, den werde Ich aufnehmen und ihn zu Meinem Eigentume
machen. Und Ich werde Mein Gebiet wohl zu verschanzen wissen vor den Feinden
und (unbußfertigen,) gehetzten Überläufern, auf daß Mein Gebiet ein
geheiligtes bleibe und Meine Einwohner völlig gesichert seien. [HiG.01_41.02.01,15] Höret aber alle, ihr Gehetzten, das
ist Meine Stimme: Wahrlich, sage Ich euch, ihr werdet nicht hineingelassen werden
auf eurer Flucht in Mein Gebiet! Denn dessen Name einmal eingetragen wurde
ins Buch des Todes, für den werde Ich nimmerdar streiten und widerrechten!
Denn es soll ewig das Recht des Grundbuches von Mir gar sehr berücksichtigt
werden. [HiG.01_41.02.01,16] Zu dieser Klasse sollen auch gerechnet
sein alle Mode- und Luxushändler, alle die Fabrikanten solcher Scheusalsdinge
des Satans und auch alle jene, die dergleichen anrühmen, verteidigen,
gutheißen und sogar oft wohlmeinend fördern, wie auch alle jene, die daran
teilnehmen und Geschmack daran finden. Und so auch wehe dereinst jenen, die
dergleichen wohl verhindern mochten und es nicht taten aus zeitlichen
Intressen! Alle diese sollen nie zu Meinem Eigentume werden, wie auch jene
nicht, die diesem Worte nicht glauben werden, daß sie gerettet werden
möchten. [HiG.01_41.02.01,17] O zweifle nicht, du Mein Schreiber! Es
ist also! Und es werden einst gar viele kommen hin zu Meinem Gebiete und
werden da ohne innere Buße Meinen Namen anrufen. Aber wahrlich sage Ich dir,
sie werden nicht hineingelassen werden. Und siehe, da wird dann viel Lästerns
und Verwünschens vorkommen und werden sich da viele anklammern an das Holz
Meines Forstes, um es aus Rache zu verderben. Allein das Mark Meines festen
Holzes werden sie nimmer erreichen. Und so Ich alsobald die Bäume Meines
Forstes werde reinigen lassen, siehe, da bin Ich ein guter Förster und werde
die Äste schon wieder zurechtbringen. [HiG.01_41.02.01,18] Und daß Ich solches dulde und Selbst
aber keine Eingriffe in des andern Eigentum mache, geschieht, daß dereinst,
wie schon gesagt, Mein Feind Mich nicht der leisesten Ungerechtigkeit
beschuldigen kann. Daher suche Ich auch niemanden mit Zwang und Gewalt und
will nicht jemanden bereden zu Mir, sondern wer da kommt, Mich suchet und
pochet an der Türe Meines Gebietes zur rechten Zeit, und zwar laut schreiend
und mit aller Gewalt pochend und reißend an der Türe Meines Gebietes, dem
will Ich die Türe öffnen und ihn wohl aufnehmen. [HiG.01_41.02.01,19] Aber wer da zur rechten Zeit nicht
kommen und nicht schreien und gewaltsam pochen und reißen wird an der Türe,
wahrlich sage Ich dir, um dessen Besitz werde Ich mit Meinem Feinde nicht
rechten, sondern was da kommen wird über Meinen Feind, wird auch kommen über
sein erworbenes Eigentum! [HiG.01_41.02.01,20] Wie aber da gekommen ist der Tod durch
den Einen und wieder das Leben durch den Einen – so wird am Ende auch das
Gericht gehalten werden gegen jenen Einen und alles wird gerichtet werden
durch diesen Einen! – So aber der Fürst der Welt gerichtet wird von dem
ewigen Sohne des Vaters, da wird dann auch all sein Eigentum gerichtet werden
mit und in ihm. Denn so ihr einen Verbrecher richtet, richtet ihr da nicht
zugleich dessen Eingeweide? Und wird sich ein Glied lebend erhalten, wenn der
Verbrecher getötet wird?! – Siehe, desgleichen wird auch dereinst, und zwar
nicht gar zu lange mehr, geschehen! [HiG.01_41.02.01,21] Überdenket wohl, was Ich hier gesagt
habe! Ich habe noch vieles verschwiegen, doch lasset das Überflüssige! Es
soll da noch ein Nachtrag folgen! – Amen. – Das sage Ich, die Ewige Liebe!
Amen. Von den Arten der Besessenheit. –
2. Februar 1841
[HiG.01_41.02.02,01] Das Folgende sei der Schluß-Nachtrag
über das Besessensein! – Und so du auch hier im allgemeinen wenig Tröstendes
finden wirst, sondern Schauderhaftes über Schauderhaftes und Schreckliches
über Schreckliches, ja so du vernehmen wirst darinnen den Donner vom großen
Gerichte nicht mehr ferne erdröhnen, so denke, daß Ich die Ewige Liebe bin,
der alle Dinge möglich sind! Denn Meine Wege sind unendlich und Meine
geheimen Ratschlüsse unerforschlich! [HiG.01_41.02.02,02] So du hier aber willst der Welt wegen
Fragen stellen, so sollen sie geschrieben sein, und das sei dir gestattet!
Doch so du fragst, da frage bescheiden und verständigen Herzens. [HiG.01_41.02.02,a] Frage: „O Herr, in welcher Ordnung
kommt denn hernach des Besessensein vor, und gehören die Besessenen des Alten
und Neuen Testamentes wie die der neueren Zeit, deren Justinus Kerner und
Professor Eschenmayer erwähnen, auch in die Ordnung der von Dir bezeichneten
Besessenen?“ [HiG.01_41.02.02,03] Antwort: Siehe, die ersten vom
Jagdgefolge Satans sind die Locker in jeder böswilligen Absicht, und von den
Lockern diejenigen voran, deren verführendes Unternehmen am lockendsten,
reizendsten, dabei aber so gar geziemend und wohlanständig sittlich
erscheint, daß demnach durch solchen feinen Betrug des Satans die Menschheit
ordentlich gezwungen wird, sich von solchen Unternehmern ins ewige Verderben
ziehen zu lassen. [HiG.01_41.02.02,04] Zu dieser ersten Klasse gehören
demnach alle die Modisten im ausgedehnten Sinne, dann alle Tanz- und
Ballgeber, dann alle Tanzmusiker, dann alle Tanzlehrer, Tanzmeister,
Vortänzer und Vortänzerinnen, wie auch die sogenannten Frei- oder Ballet-Tänzer,
wie auch alle jene, die diese Vexier-Kunst des Satans anrühmen, gutheißen und
sie mit Wohlgefallen betrachten, und endlich auch noch diejenigen Jünglinge
und Mädchen, deren Herz daran hängt. [HiG.01_41.02.02,05] So du aber in dir sagen möchtest, dich
wundernd, warum der Tanz denn gar so eine gefährliche Hauptsache des Satans
sein kann, und solle der Mensch denn auf der Welt niemals sich lebensfroher
und heiterer Stunden erfreuen? – Darauf gebe Ich dir zur Antwort: [HiG.01_41.02.02,06] Höre, hast du denn niemalen vernommen,
auf welche Art der schlaue Fuchs die Hühner von den Bäumen lockt und die
Schlange die zarten Vöglein in ihren Rachen? Siehe, der Fuchs wirbelt unter
dem Baume, und die Hühner schauen unbesorgt dem lustigen Patrone zu, werden endlich
schwindlich und fallen dann vom Baume in seine Klauen. Und so auch ringelt
die Schlange im Grase, da sie die Vögelein wohl sehen mögen; und so sie diese
vergnügt schauen, verlassen sie alsobald ihre Zweige und fliegen ihr
schnurgerade in den Rachen! – Siehe, geradeso auch lockt diese unterhöllische
Vexierkunst des Satans die Menschen vom heiligen Baume des Lebens! Mehr
brauche Ich dir nicht zu sagen! [HiG.01_41.02.02,07] Was aber die „heiteren und
lebensfrohen Stunden“ betrifft, da sage Ich dir nichts als das: Werden außer
Mir lebensfrohe und heitere Stunden gesucht, siehe, da muß Ich als
Allwissender dir offen gestehen, daß Ich da wahrlich nicht weiß, ob solche
außer bei Mir noch irgendwo zu finden sein werden. In Meiner heiligen,
unendlichen Allheit gibt es keine solche! Und somit dürften solche
lebensfrohen und heiteren Stunden wohl nur künstliche Griffe des Satans sein,
die da gleichen den reizenden Genüssen in eitlen Träumen, durch welche die
ganze Natur verderblich betrogen wird. – Wem Ich als größte Erholung nicht
genüge, der ist wahrhaft ein Sohn Meines größten Feindes. [HiG.01_41.02.02,08] Und so kommen ferner, der Ordnung
nach, die Inhaber von Huren- und Spielhäusern, wie alle Kuppler und
Spielverdinger, und so auch alle Hauptteilnehmer und Unterstützer und
Protektoren solch höllischer Löblichkeiten des Satans. Dann alle
Ränkeschmiede, Kriegsstifter und Volksaufwiegler und Verräter. Wehe ihnen,
denn ihr Lohn wird sehr groß werden! [HiG.01_41.02.02,09] Und endlich gehören dazu alle
Geizigen, Wucherer, Neider, Heuchler, Schmeichler, Betrüger, Lügner,
Ehrabschneider, Lästerer Meiner Gnade, Diebe, Räuber, Mörder in geistiger und
leiblicher Hinsicht, und so auch alle Selbstmörder. [HiG.01_41.02.02,10] Siehe, alle diese gehören der Ordnung
nach sämtlich zum Jagdgefolge des Satans und sind, bis auf einige der zuletzt
genannten, kaum mehr besessen, sondern sie gehören zu den selbst Besitzenden,
Treibenden und Ziehenden und stehen alle Nummer eins. [HiG.01_41.02.02,11] All das „Wild“ und besonders alle „Bäume“,
das „Gras“ des bösen Forstes sowie der tragende „Boden“ gehören samt und
sämtlich zu den Besessenen und sind und stehen unter der Nummer zwei. [HiG.01_41.02.02,12] Solche werden hart genesen! Und die
„Bäume“, das „Gras“ und der „Boden“, als das Leibeigentum des Satans, schon
gar nicht; denn solche haben sich schon begründet in alledem und stehen fest
in allem Falschen aus des Satans Bösem; wehe ihnen, sie werden nicht
entrinnen dem bald folgenden Weltbrande! – Dem „Wilde“ aber soll noch eine
kurze Gnadenzeit verliehen sein, doch zur Hetzzeit und zu der dieser
folgenden Zeit der Flucht, höre, wird niemand mehr erhört werden und Einlaß
bekommen in Mein heiliges Revier! [HiG.01_41.02.02,13] Was jedoch die alt- und
neutestamentlichen und die Kernerschen und Eschenmayerschen Besessenen
betrifft, so sind diese zu verstehen unter jenen „Bäumen Meines Reviers“, an
die sich besagte Flüchtlinge anklammern, um, wenn es möglich wäre, dieselben
zu verderben. Allein diese „Bäume“ haben nichts zu besorgen, denn sie werden
darob an ihrer Seele keinen Schaden leiden. Denn Ich Selbst werde das Mark
ihres Lebens beschützen. [HiG.01_41.02.02,14] Denn sehet, wo sich irgendeine solche
Erscheinung bekundet, da kommt sie meist nur vor bei sonst gewöhnlich recht
frommen Menschen. Und es wird selten der Fall vorkommen, daß an irgendeinem
sehr schlechten oder auch nur gewöhnlichen Menschen der Welt solches zum
Vorschein kommen wird, außer wenn solche Menschen, durch ein Wunder angeregt,
sich plötzlich umkehren möchten, allwann dann ihre Besitzer sich schon melden
möchten von innen und außen, zum schreckenden Beispiele aller Nachbarn! [HiG.01_41.02.02,15] Bei manchen Irrsinnigen könnten über
dieses sprechende Beispiele eingezogen werden! – Jedoch sind nicht alle
Irrsinnigen dafür zu halten. Denn manche werden das dadurch, daß sie ihren
„Verstandes-Ballon“ zu sehr gefüllt haben, so daß dadurch die
„Willens-Schnur“, der zu großen Spannung zufolge, gerissen ist und dann die
Direktion aufgehört hat. Oder aber auch so irgendein Mensch, ohne
Berücksichtigung des Verstandes, das Herz nach irgendeiner eitlen Sache zu
sehr ausgedehnt hat, so wird der leitende Willensfaden ebenfalls zerrissen
und die Maschine des Lebens läuft dann außer aller Ordnung nach allen
erdenklichen Richtungen; und da sieht dann ein solcher Mensch nur dasjenige,
davon sein Herz und sein Kopf angefüllt ist, in wirren Kreisen vor seinen
zügellosen Sinnen schweben. – Solche Menschen aber sind nicht verloren und
gleichen den verwirrten Baumästen, die der gute Förster zu seiner Zeit schon
wieder zurechtbringen wird. [HiG.01_41.02.02,b] Frage: „O Herr, was wird denn mit den
Modisten und dergleichen Fabrikanten und „Lockern“ aller Art werden, so ihr
sie ernährendes Gewerbe solches von ihnen fordert? – So von jenen irgendeiner
sich zu Dir wenden möchte, was wird er anfangen müssen, um sein Leben zu
fristen?“ [HiG.01_41.02.02,16] Antwort: Höre, das ist eine gar zu
menschliche Frage, gleich der Warnung Petri, und ist über alle Maßen dumm!
Bin Ich denn ein armer Schlucker oder ein Bettler?! Oder sollte Der für einen
oder tausend Menschen nicht Futters genug haben, der unablässig so viele
Welten und Sonnen ernährt, deren Zahl und Größe sich ins Unendliche
steigert?! – Siehe, auf eine solche Frage, die eigentlich gar keiner Antwort
würdig ist, genügt diese Antwort zum Überfluß! Und frage daher nicht ferner,
so dich Dummes nur kümmert! [HiG.01_41.02.02,17] Schreibe aber zum gänzlichen Schlusse:
Wer Meiner Stimme folgen wird, der wird leben; der Taube aber wird dem ewigen
Tod anheimfallen! – Mein Wort ist Meine Liebe, Gnade und Erbarmung, und
dieser Same des Lebens soll an vielen Orten ausgestreuet werden. Da wo er
angreifen wird, da wird er Leben erwirken und die Besessenen frei machen zum
Leben. Wo er aber zertreten wird, da wird der Tod sein großes Erntefest
halten. [HiG.01_41.02.02,18] Siehe, nun mache Ich alles neu, damit
das Alte mit Spott und großer Schande abziehen möge! Wenn ihr aber einen
alten Rock umtauschet für einen neuen, so will Ich solches denn auch tun und tue
es bereits. Daher sehet euch um ein neues Hochzeitskleid um und versehet eure
Lampen wohl mit Öl! Denn Ich, der große Bräutigam, bin auf dem Wege! Und da
ihr es am wenigsten gedenken werdet, werde Ich da sein! Wohl dem, den Ich
bereitet treffen werde! [HiG.01_41.02.02,19] Das sage Ich, der große Bräutigam.
Amen! Segen der Barmherzigkeit. – 3.
Februar 1841
[HiG.01_41.02.03,01] So schreibe denn einen Rat aus Mir an
den A. W., da er wissen möchte, was da mit einem schwachen, kranken
Engelsknaben auf der Erde zu machen sein möchte? – Siehe, da ist ein guter
Rat nicht so teuer, wie ihr meinet. [HiG.01_41.02.03,02] Siehe, es war dereinst ein Vater, der
hatte zwölf Kinder und nur ein sehr schmales Auskommen, so daß nach eurer
Rechnung er kaum dreihundert Gulden jährlich zusammenbrachte, und diese nicht
sicher. Denn nur 150 Gulden waren bestimmt als eine landesfürstliche
Gnaden-Pension, das übrige mußte er sich kümmerlich durch seine Handarbeit
verdienen. [HiG.01_41.02.03,03] Siehe, da wurden einst mehrere seiner
Kinder krank, und dazu wurde noch sein treues Weib infolge krankensorglicher
Pflege der Kinder bettlägerig. Dadurch nun wurde der Mann gezwungen, seine
Nebenverdienste hintanzusetzen und dafür zu Hause die Krankenpflege zu
übernehmen. Da er aber eben dadurch um seine Nebenverdienste kam und wohl
sah, daß er mit der Hälfte nicht auslangen könne, und auch sah, da er selbst
schwächlich war, es werde sich mit neu zu suchenden Nebenverdiensten nicht
mehr wohl tun – so beschloß er denn bei sich: „Ich will zum guten
Landesfürsten hingehen, ihm meine herbe Lage so recht treulich vorstellen,
und er wird sich wohl meiner erbarmen.“ [HiG.01_41.02.03,04] Und siehe, wie er beschlossen hatte,
so tat er denn auch alsogleich, ging zum Fürsten hin und stellte ihm alles
vor. Als aber der Fürst solches vernommen hatte, siehe, da zuckte er mit den
Achseln, war aber innerlich doch ganz gerührt und sagte endlich äußerlich
etwas ernst: [HiG.01_41.02.03,05] „Höret, altes Väterchen, ich zweifle
nicht an eurer Aufrichtigkeit. Allein bevor ich euch helfe, will ich
nächstens euch in eurer Wohnung besuchen, um zu sehen, ob es also ist, wie
ihr es mir vorgestellt habt. Jedoch wehe euch, so ihr mich irgend angelogen
habt! Und nun gehet, Meiner Gnade befohlen!“ [HiG.01_41.02.03,06] Und siehe, da ging der alte Vater
zwischen Hoffnung und Furcht nach Hause. Denn er hoffte zwar von des Fürsten
Gnade, aber fürchtete nur, daß dieser noch lange verziehen möchte. Und so kam
er nach Hause, erzählte alles den Seinen, was ihm der Fürst gesagt hatte, und
machte Anstalt, alsobald so viel als möglich das Haus zu reinigen, und das
zwar gleich nach dem kargen Mahle. Und so wurde auch sogleich das Mittagsmahl
genommen. [HiG.01_41.02.03,07] Allein der edle Fürst bedachte sich
eines andern, verließ sogleich seine Burg und folgte dem armen Vater
unbemerkt. Denn er dachte bei sich: Solcher Not muß alsobald geholfen werden!
– Und die arme Familie verrichtete eben mit Tränen im Auge das Dankgebetlein,
da trat auch der Fürst schon ins Gemach und sagte: „Höret, Alter, warum habt
ihr mich denn angelogen? Denn ich sehe ja dreizehn Kinder und ihr habt mir
nur zwölfe angegeben!“ [HiG.01_41.02.03,08] Da fiel der alte Vater vor dem Fürsten
auf die Knie und sagte: „O edler, guter Landesvater! Dieses dreizehnte ist
ein fremdes, ich habe es aus Mitleid angenommen!“ [HiG.01_41.02.03,09] Und der Fürst erwiderte scheinbar
aufgebracht, im Herzen aber brennend voll von mildtätiger Begier: „Höret, so
ihr noch Fremde unterstützen möget, da muß es bei euch doch noch nicht gar so
übel aussehen, und ihr werdet wohl meiner Hilfe entraten können!“ [HiG.01_41.02.03,10] Da ermannte sich der alte Vater und
sagte, die Hand des Fürsten ergreifend und selbe an sein Herz drückend: „O
edler, guter Landesvater! Siehe, dieses dreizehnte habe ich vor zehn Jahren
in einem Wald, dem Tode ausgesetzt, gefunden. Es war kaum mit einigen
schlechten Lumpen umwunden und röchelte schon im Schlamme eines Sumpfes. Ich
nahm es auf meine Arme, trug es alsogleich hieher und sprach zu meinem Weibe: [HiG.01_41.02.03,11] „Siehe, der Herr hat mich einen Schatz
finden lassen im sumpfigen Walde! Es ist ein artiger Knabe. Siehe, dieser ist
doch gewiß vater- und mutterlos, daher lasse uns seine Eltern sein! Denn wo
zwölfe essen, da soll auch das dreizehnte nicht zugrunde gehen. Und müßte ich
betteln für dich und unsere zwölf Kinder, so wird das dreizehnte auch keinen
Unterschied in unserer Not machen!“ – Und sogleich nahm mir mein getreues
Weib das Kind vom Arme, küßte und pflegte es bis zur Stunde gleich den
eigenen. – Daher, o edler, guter Fürst, wolle nicht zürnen, daß ich dir
solches verschwiegen habe!“ [HiG.01_41.02.03,12] Und siehe, da der Fürst solches
vernommen hatte, ging sein Herz über, seinem Auge entrollten freudige Tränen
des Mitleids und er lobte darob den Alten gar sehr, sagend: [HiG.01_41.02.03,13] „Solches zu vernehmen, macht mir eine
große Freude! Und da ihr so stilledel gehandelt habt und dem Fremden bei
eurer Dürftigkeit ein Vater waret und ehedem ein Retter seines Lebens, so
will ich von nun an euer aller wohlbesorgter Vater sein! Und da das fremde
Kind eine Waise ist, so führet es zu mir, und es soll keine Waise hinfort
mehr sein! Denn Ich bin sein Vater und die Fürstin seine Mutter. Und nun
verlasset diese Wohnung und kommet mit mir, meine große Burg wird wohl Raum
für euch haben. Da aber, wo diese Wohnung steht, soll ein Denkmal errichtet
werden und euren Namen führen.“ [HiG.01_41.02.03,14] Nun siehe du, Mein lieber A. W., diese
Geschichte und lerne von ihr das, was du wissen möchtest! Denn Ich bin der
Fürst, du bist der arme Mann und dein Notkind ist der gefundene Fremdling im
Walde! [HiG.01_41.02.03,15] Tue, so viel du kannst, und denke
nicht: wie, wann, wo, wofür, zu was, warum und wodurch? – noch wozu du den
vom Mutterleibe aus Kranken und Schwachen wohl füglich verwenden könnest? –
Siehe, es wird sich gar wohl finden. Führe ihn nur recht fleißig zu Mir, den
Engel in seiner schwachen Prüfung, und sei dabei voll Heiterkeit und habe ein
aufmerksames Auge auf ihn! Und du wirst so manches an ihm erleben, das dir
innerlich gut zustatten kommen wird. [HiG.01_41.02.03,16] Siehe, Meine Kinder sind ein großer
Segen dem Hause, das sie bewohnen dürfen. Denn Ich bin ihr eigentlicher Vater
und werde als solcher zu sein ewig nie aufhören! – Mehr brauche Ich dir
dermal nicht zu sagen. Denn du würdest es nicht ertragen. Aber sei gefaßt,
Ich will dein Haus heimsuchen. – Daher sage Ich Amen, dein guter Fürst und
Vater! Amen. Unfruchtbare Gotteslehren. – 28.
Februar 1841
[HiG.01_41.02.28] Schreibende: K. G. L. – Andr. und Ans. H.
– J. L. sprach aus dem Herrn: [HiG.01_41.02.28,01] In der sogenannten bessern und
gebildeten Welt, wo die christliche Religion unter verschiedenen Sektenformen
gang und gäbe ist, wird die Moral zumeist nur also gepredigt, wie sie in
politischer Hinsicht den Machthabern entweder in weltlichen oder in geistigen
Dingen gerade am zweckdienlichsten ist. Es wird dem Volke eine graue Kenntnis
Gottes beigebracht, nicht darum, daß sie denselben erkennen und lieben,
sondern nur als den unerbittlichsten Tyrann aller Tyrannen unermeßlich
fürchten sollen. Und so wird die Gottheit nur als eine Geisel gepredigt, die
noch fruchten soll, wenn alle andern Geiseln schon fruchtlos geworden sind. [HiG.01_41.02.28,02] Statt daß die Gottheit dem Volke zum
allerhöchsten Troste bekanntgegeben werden möchte, wird Sie demselben nur
gegeben als ein Etwas, das nichts zu tun hat, als in jeder Minute Millionen
von moralisch verdorbenen und ungehorsamen Kindern ins ewige Feuermeer
unwiderruflich zu verdammen. Und so sehet euch ein wenig in der Welt um;
erblicket die zahllosen Kerker, die alle voll angefüllt sind mit allerlei
moralischen Verbrechern, und wie von Minute zu Minute diese Kerker
immerwährend einen großzähligen Zuwachs bekommen, daß wenn diese Kerker auf
einen Punkte vereinigt wären, ihr glauben müßtet, die ganze Generation der
Erde werde sich in wenigen Jahren bequemen müssen, allda hinein zu
marschieren. [HiG.01_41.02.28,03] Und fraget, was geschieht denn nun
diesen Menschen, die da hineinkommen? Da sehet nur ein wenig her gegen
Morgen! Sehet, da steht schon eine Anzahl totenbleicher Scharen, umgeben von
allerlei bewaffneten Menschen und giftigen Richtern, und sehet weiter da eine
Unzahl Mordinstrumente, mit denen diese Unglücklichen hingerichtet werden.
Allda sehet ihr brennende Scheiterhaufen, Galgen, Schafotte und vielerlei
andere Mordinstrumente. Sehet, das ist die letzte „Besserungsanstalt“ für
solche moralische Verbrecher! – Nun werdet ihr fragen, was haben denn alle
diese angestellt? – Ja, sage Ich, es gibt darunter Mörder, Räuber, Diebe,
Überläufer und Aufwiegler des Staates. Es gibt ferner noch Menschen, die
durch allerlei Betrügereien dem Staate großen Schaden gebracht haben;
darunter solche, die sich gegen die eine oder andere politische oder auch
moralische Anordnung schwer verstoßen haben. Sehet, da sind sonach die
Verbrechen dieser Unglücklichen aufgedeckt, insoweit dieselben als ein Grund
für die Rechtfertigung von derlei Strafen dienen können. [HiG.01_41.02.28,04] Nun aber wollen wir eine weitere Frage
tun: Worin liegt denn der Grund, daß diese Menschen zu solchen Verbrechern
geworden sind? – Und so ihr auch jemand andern fragen möchtet um diesen
Grund, so werdet ihr sicher keine andere Antwort bekommen als: Der Grund
liegt entweder in der vernachlässigten Erziehung oder, was ohnedies eines und
dasselbe ist, es waren schon die Eltern, Vor- und Ureltern jener Menschen
also gestaltet. – Ich frage aber wieder, woran lag es denn, daß diese
Menschen eine so schlechte Erziehung erhielten, ja daß man in der Erziehung
eine ganze Generation vernachlässigt hat? [HiG.01_41.02.28,05] Ihr dürfet gar nicht weit greifen, und
die Antwort wird sich euch von selbst aufdringen: Der Hauptgrund ist kein
anderer als die Politik, vermöge welcher die machthabende Menschenklasse sich
um nichts so sehr kümmert, als daß die Untergeordneten ja so viel als möglich
in aller Dunkelheit gehalten werden möchten, in der Furcht, daß wenn das Volk
nähere Aufschlüsse über Mich und dadurch auch über seine eigene Bestimmung
erhalten möchte, es da mit ihrer Macht und ihren zeitlichen Einkünften bald
ein Ende haben dürfte. [HiG.01_41.02.28,06] O diese Narren! – Ein Volk, das Gott
und seine Bestimmung erkennt, ist auch ein Volk voll Gehorsams und guten
Willens; und Tausende eines solchen Volkes können mit einem Federflaume
leichter regiert werden als zehn finstere Dümmlinge, die von Mir keine andere
Vorstellung haben als jene eines „vielleicht“ existierenden Tyrannen oder
eines Wesens, das gleich einem Vampir seinem Gläubigen zuvor den letzten
Blutstropfen aussaugt, bis es ihn, auf einer lichten Wolke ewig kniend und
anbetend, endlich mit dem ewigen Leben beseligt. [HiG.01_41.02.28,07] Sehet, ist es da nicht leicht zu
begreifen, daß die Menschen sich von einem solchen bösartigen Gotte so viel
als möglich loszumachen suchen? Und wenn sie auch noch irgendeine Religion
besitzen, so besteht diese in einer puren Zeremonie, und dies nur aus rein
politischen Rücksichten. – Die Folge davon war schon im Anfang keine andere,
als daß der weltsüchtigere Teil sich endlich von aller Religion und was immer
für einer christlichen Gotteslehre, wie ihr zu sagen pflegt, aus dem Staube
gemacht hat. Andererseits entstanden Kirchentrennungen und Sekten, und zwar
durch Männer, die mehr oder weniger die Torheit einer solchen Gotteslehre
einsahen und gewisserart in ihrem Geiste sagten: [HiG.01_41.02.28,08] „Höret, mit der Gottheit, wie sie da
gelehret wird, ist ja rein nicht auszukommen! Wir wollen daher die reine
Lehre selbst zur Hand nehmen, sie näher prüfen und sehen, ob der Gottheit nicht
irgend bessere Seiten abzugewinnen sind.“ – Und sie fanden in solcher Prüfung
auch wirklich, daß Ich denn doch kein solcher Tyrann bin; vergaßen aber auf
der andern Seite, daß Ich demungeachtet Gott bin, und nahmen dann Meinen
Willen ebenfalls zu lau. [HiG.01_41.02.28,09] Andere setzten Mich wieder so hoch
hinauf und philosophierten sich auf diese Weise jede Handlung, die in ihrer
Natur nur irgendeine Anregung fand, für gerecht und völlig Meinen Willen
gemäß, in der irrigen Idee, daß was ihnen da immer durch den törichten Sinn
fuhr, ein Wille von Mir sei. Und so entstanden anstatt der alten Torheit eine
Menge Albernheiten und Begriffsverschiedenheiten, daß es sich wahrhaft nicht
der Mühe lohnt, sie für euch aufzuzählen. [HiG.01_41.02.28,10] Der Grund von alledem war und ist aber
kein anderer, als wie schon oben bemerkt wurde, teils die (un-)moralische
Politik, hauptsächlich aber auch die Trägheit und die Furcht der Menschen,
die vorgezeichneten Wege zum ewigen Leben im Ernste zu wandeln. Denn wahrlich
sage Ich: Wer Mein Reich nicht nimmt, wie Ich es verkündet habe, der wird es
nicht erhalten, und sollte er auch alle Sekten in sich vereinigen oder unter
allen Sekten stehen. Denn Ich allein bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Vier Fragen im geistigen Lichte.
– 6. März 1841
[HiG.01_41.03.06] Die vier Töchter Anselm Hüttenbrenners
stellten wiederum je eine Frage mit der Bitte um Beantwortung durch den
Knecht Jakob Lorber. [HiG.01_41.03.06] Sie wünschen Aufklärung über „Judas
Ischarioth“ – die „unbekannte Zahl“ – den „gordischen Knoten“ – die „vier
Elemente“. [HiG.01_41.03.06] Schreibende: Die vier erwähnten Töchter.
– Der Herr sprach durch Seinen Knecht Jakob Lorber Nachstehendes: [HiG.01_41.03.06,01] O Kinder! Der Stoff, den ihr gewählt
habt, ist wahrlich ein vielsagender! – Aber wenn ihr auch alle die Elemente
verstündet in eurem Kopfe, so würdet ihr einem reichen Törichten gleichen,
der da nicht weiß, was er mit seinem Vermögen anfangen solle, und es darum
verscharrt in seinen Kästen, wo all sein großes Geld ihm ebensoviel nützt,
als hätte er keines. [HiG.01_41.03.06,02] Ja, ihr würdet bei der großen Lust
nach solchen Kopfschätzen auch nicht minder gleich sein einem Judas
Ischariot, der Mich um dreißig Silberlinge feilbot. Denn sehet, es ist ein
jeder diesem Verräter gleich, der sich mit was immer selbstliebig bereichert,
sei es mit Wissenschaften oder mit dem Golde. Denn so er alles dieses nicht
von Mir empfängt oder sich solches nicht wenigstens aus großer Liebe zu Mir
und seinem Nächsten erwirbt, so ist er, ebensogut wie ein Judas Ischariot,
ein Dieb und ein Räuber, da er alles dieses sich eigensüchtig zu eigen macht
und somit auf Meine Kosten sündiget. [HiG.01_41.03.06,03] Sind denn nicht Feuer, Luft, Wasser
und Erde Dinge, die Ich aus Mir gemacht habe!? Ist nicht jede Zahl eine aus
Meiner Ordnung verliehene Grenzmarke der Unendlichkeit!? Wie kann denn jemand
solches alles irgendwo anders empfangen als entweder aus der reinen Liebe zu
Mir oder, so er lebendigen Glaubens ist, unmittelbar aus Meinem Munde!? [HiG.01_41.03.06,04] Wüßte jemand auch, wann der erste
Funke zu glimmen begann – wären ihm auch bekannt alle Atome und Miasmen der
Luft – hätte er gezählt alle Tropfen des Wassers vom Mittelpunkt bis auf die
Oberfläche der Erde – und hätte er mit einem Mikroskope alle Stäubchen der
Erde gezählt, alles Moos auf den Bäumen und Steinklippen und angeschaut alle
Pflanzen, Gesträuche und Bäume und hätte jedem einzelnen einen eigenen Namen
gegeben – ja wenn ihm selbst bei seinen Forschungen kein Wesen aus dem Tierreiche
sowohl der Gattung als der Zahl nach unbekannt geblieben wäre – und wenn er
es in der Rechen- und Meßkunst soweit gebracht hätte, daß er die Größe,
Bewegung, Entfernung, das Licht und die Schwere eines jeden Fixsterns mit der
genauesten Sicherheit zu berechnen imstande wäre – wahrlich alles dieses
würde ihm nicht viel mehr nützen, als so sich jemand die Mühe genommen hätte,
all die Sandkörnchen zu zählen, die beim Baue eines Hauses verbraucht werden. [HiG.01_41.03.06,05] Und wollt ihr, liebe Kinder, euch
einen wahren Begriff von einem eigentlichen „gordischen Knoten“ machen, so
blicket den Kopf eines solchen selbstherrlichen und selbstsüchtigen Gelehrten
an, der, wennschon nicht hier, so doch ganz sicher jenseits jene selbe Lösung
finden wird, wie der ähnliche Knoten des Geizhalses Ischariot, da er unter
einem weiten Aste hing und der Höllenfürst ihm erwies, was einst mit dem
gordischen Knoten Mazedoniens Held getan. [HiG.01_41.03.06,06] So ihr aber lernet alle die Elemente,
o Kinder, lernet sie nicht mit dem Kopfe, sondern erfasset sie aus Liebe zu
Mir in eurem Herzen, so werdet ihr in wenigen Kenntnissen mehr finden als
alle Gelehrten in ihrem törichten Dünkel seit der Schöpfung der Welt gefunden
haben. [HiG.01_41.03.06,07] Wahrlich ihr werdet dann auf keinen
„gordischen Knoten“ kommen! Sondern die große „unbekannte Zahl“, die noch
kein Weltweiser gefunden hat, wird euch jedes Blümchen wunderherrlich
entziffern. – Denn höret, liebe Kinder! Diese „unbekannte Zahl“ bin Ich
Selbst, euer lieber, guter Vater! [HiG.01_41.03.06,08] Daher rechnet nur recht fleißig in
eurem Herzen und zerhauet aus Liebe zu Mir den Knoten eurer jugendlichen
Weltgelüste durch das scharfe Schwert der Selbstverleugnung! [HiG.01_41.03.06,09] O Kinder! Ihr vermöget es nicht zu
ahnen, welch einen vorteilhaften Tausch ihr da machen werdet! – Denn was da
hinter der verschleierten, euch noch „unbekannten“ Zahl steckt, werdet ihr
erst dann erfahren, wenn ihr euren (Weltlust-)Knoten gelöset habt. [HiG.01_41.03.06,10] Wer mit dem Kopfe lernet, lernet
schwer und unfruchtbar. Aber im Herzen wird ein Sonnenstäubchen zu einer
Welt! Daher lernet im Herzen, was ihr lernet! Denn da werde Ich, euer lieber,
guter Vater, euch ein Lehrer werden. – Amen! [HiG.01_41.03.06,11] Das sage Ich, euer lieber, guter,
heiliger Vater! Sklavenlos, Verbindung mit
Verstorbenen, Vaterunser, Krippe, Erholungsstunden. – Weitere Fragen im
geistigen Lichte. – 13. März 1841
[HiG.01_41.03.13] Es fragten, mit der Bitte um Aufschluß
durch den Knecht Jakob Lorber, Marie H.: „Wie ist es möglich, daß die armen
Sklaven und Deportierten ihr schreckliches Los ertragen können?“ – Wilhelmine
H.: „Gedenken unser unsere vier verstorbenen Geschwister?“ – Pauline H.: „Wie
soll man das Vaterunser beten, daß es Frucht bringe?“ – Julie H.: „Was
bedeutet die Krippe, in die Du, o Herr, als Kindlein gelegt wurdest?“ – Paul
H.: „Wie soll ein Student die Erholungsstunden Gott wohlgefälligst
zubringen?“ [HiG.01_41.03.13] Schreibende: Genannte fünf Geschwister. –
Der Herr antwortete durch Seinen Knecht J. L. wie folgt: [HiG.01_41.03.13,01] Liebe Kinder! Ich habe wohl vernommen
eure Fragen – aber denket, daß jemand auf zweierlei Art fragen kann und daß
diese zweiartige Frage dem zweiartigen Leben entspricht. Es kann nämlich eine
Frage nach dem naturmäßigen Äußeren oder nach dem geistigen Inneren gerichtet
sein, wie sie auch entweder aus dem einen oder dem andern hervorgeht. [HiG.01_41.03.13,02] Nun urteilet selbst, auf welchem
Grunde und Boden eure Fragen gewachsen sind. Denket, ob sie euch ein leichter,
wißbegieriger Vorwitz eingegeben hat, oder ob sie in der wahrhaft bekümmerten
Liebenot eures Herzens entstanden sind. Denn sehet, es ist ein unendlicher
Unterschied zwischen der einen und der anderen Art zu fragen. [HiG.01_41.03.13,03] Wer da fragt aus leichter,
halbgenötigter Wißbegierde, dessen Frage gleichet der eines Blinden, der da
geschäftig fragt nach den verschiedenen Farben eines Bildes. So ihm aber sein
geduldiger Freund alle Farben genau angibt, was meinet ihr, wird der Blinde
sich wohl von der Harmonie der Farben und aller ihrer Schattierungen und
Lichterhöhungen irgendeine Vorstellung machen können? [HiG.01_41.03.13,04] Liebe Kinder, Ich will euch nicht
zeigen, wo bei euch die Fragen gewachsen sind. Es wird euch schon das eigene
Verständnis Meiner getreuen Beantwortung sonnenklar den Geburtsort eurer
Fragen zeigen. [HiG.01_41.03.13,05] Was die ersten zwei Fragen betrifft,
so ist daran wenig gelegen, ob ihr wisset oder nicht wisset, wie die
„Sklaven“ möglicherweise ihre Mißhandlungen ertragen und warum es von Mir
zugelassen wird, daß sie solchen Mißhandlungen preisgegeben werden – und ob
ferner eure „verstorbenen Geschwister“ sich euer wohl erinnern. Aber es liegt
alles daran, daß ihr euch in euren Herzen bei jeder Gelegenheit Meiner wohl
erinnert. [HiG.01_41.03.13,06] Denn wer sein Herz voll Liebe
treugläubig Mir zugewendet hat, dessen werde auch Ich Mich ganz sicher noch
um vieles mehr erinnern. So Ich Mich aber jemanden in Meiner Erbarmung
erinnere, wie kann der noch fragen, was die tun, die in Mir wohnen! Oder
meinet ihr, daß eure Geschwister tot in Mir wohnen? Denket euch, ob das, was
in das Leben alles Lebens übergegangen ist, wohl des Todes fähig ist? [HiG.01_41.03.13,07] Nur der Tote ist keiner Erinnerung
fähig. Wer aber lebt und lebt in Mir, der wird doch wohl auch aus Meiner ihn
durchströmenden Weisheit eine Erinnerung empfangen, welche die eurige
ungezählte Male möchte zuschanden machen. [HiG.01_41.03.13,08] Was aber das „Vaterunser“ betrifft, so
steht es mit diesem Gebete geradeso, wie mit der Frage, wie man dasselbe
beten soll, daß es Frucht bringe. Denn wer dasselbe nicht betet im Geiste und
in der Weisheit, dem nützt es geradesoviel, wie dem bekannten Blinden die
Erklärung der Farben. [HiG.01_41.03.13,09] Wie kann der Geistesblinde sagen:
„Unser Vater“, da er sich noch nie die Mühe gegeben hat, den Vater in seinem
Herzen durch die Liebe und durch den lebendigen Glauben zu erkennen und sich
Ihm im Geiste und in der Wahrheit zu nähern? [HiG.01_41.03.13,10] Wie kann der sagen: „Der du bist in
dem Himmel“, der weder den Vater und noch weniger den Himmel kennt!? – Wie
kann der sagen: „Geheiligt werde dein Name!“, der da nicht kennt Meine Liebe,
noch weniger Mein lebendiges Wort und daher auch unmöglich das Leben des
Lebens und die Heiligkeit alles Heils und aller Neuwerdung aus Mir, was
allein Mein unaussprechlicher Name ist!? [HiG.01_41.03.13,11] Wie kann der sagen: „Dein Reich
komme!“, der mit allen Sinnen wie eine Schmarotzerpflanze an dem Früchte tragen
sollenden Baume, d.h. an dieser Welt hängt!? – Wie kann der sagen: „Dein
Wille geschehe“, der sich noch nie die Mühe gegeben hat, Meinen Willen zu
erkennen und gegen jedes noch so leichte Gebot in seinem Herzen entweder eine
große Lauigkeit oder oft schon in seiner Jugend den barsten Ungehorsam hegt
und in allen das ewige Leben betreffenden Dingen den allergrößten Leichtsinn
in sich trägt!? [HiG.01_41.03.13,12] Wie kann der sagen: „Gib uns das Brot
des Lebens“, der von dem erbetenen Brote gar keine Ahnung in seinem Herzen
hat, wohl aber eine desto größere Freßbegierde in seinem Magen, welcher das
eigentliche Hauptherz solcher fruchtlos Betenden ausmacht!? [HiG.01_41.03.13,13] Wie kann der um „Vergebung seiner
Sünden“ bitten, dessen Herz noch voll Unlauterkeit ist, da nichts innewohnt
denn Zorn, Neid, Hoffart, Mißgunst, Frechheit und noch viele andere Laster
der Art!? – Höret, zur fruchtreichen Erreichung der Vergebung der Sünden wird
mehr erfordert als durch günstige Verhältnisse feindlos zu sein. Denn wer
keinen Feind hat, wie soll der bitten: „Vergib mir meine Sünden, wie ich
meinen Feinden vergebe“. – Ich will damit nicht sagen, daß ihr euch Feinde
machen sollet, um dann etwas zu vergeben zu haben; aber das will Ich damit
sagen, daß euer Herz über jede Beleidigung, wie geartet sie auch immer sein
möge, erhaben sein solle. Sonst erbittet ihr euch, statt der Vergebung, das
Gericht und die Verdammnis auf den Hals. [HiG.01_41.03.13,14] Wie kann ferner der sagen: „Führe uns
nicht in die Versuchung“, der fürs erste Mich gar nicht kennt und solcherart
in die Luft betet, und der, so Ich ihn auch, ihm unwissentlicherweise, mit
jeglicher Versuchung verschone, selbst aber, einem Besessenen gleich, von
Gefahr zu Gefahr, von Abgrund zu Abgrund, von Tod zu Tod rennt!? [HiG.01_41.03.13,15] Sehet, wie ist hernach eine solche
Bitte! Gleicht sie nicht einem Tollen, der einen großen Wohltäter um eine
Unterstützung bittet, so er aber dieselbe erhalten hat, wirft er sie zum Teil
ins Feuer, zum Teil in schmutziges Wasser, zum Teil in stinkende
Kloackpfützen und zum Teil in Unrat und in Gräber voll Totenmoder. Denket,
was solchem Narren die Gabe nützt! [HiG.01_41.03.13,16] Wie kann endlich der sagen: „Erlöse
uns von dem Übel“, der mit allem Fleiße sich selbst in alle Übel stürzt!? [HiG.01_41.03.13,17] So ihr dieses Gebet fruchtbringend
beten wollet, dann müßt ihr es beten im Geiste und in der Wahrheit und wohl
überdenken, was dazu erfordert wird, um die wahre Frucht dieses Gebetes zu
ernten. Sonst wird aus diesem Gebete das Gegenteil des großen Segens für euch
wie für jeden andern erwachsen. [HiG.01_41.03.13,18] Was aber die zwei letzten Fragen
betrifft, so ist die „Krippen“-frage eine wohl kindliche, aber keine, auf
welche euch eine zweckdienliche, noch weniger aber eine für euch
verständliche Antwort gegeben werden kann, da erst der innere Sinn
erschlossen werden muß, um ein selbst für Erzengel zu tiefes Geheimnis zu
erfassen. [HiG.01_41.03.13,19] Daher bemühet euch, aus euren
„Erholungsstunden“ in stiller Ruhe und Zurückgezogenheit eures Gemütes Mir
geweihte Stunden zu machen – so könnet ihr früh erfahren, wie überaus gut und
voll Liebe Ich, euer Vater, bin. Und wahrlich, in einer Minute möchte Ich
euch da mehr geben, denn alle Welt in tausend Jahren. [HiG.01_41.03.13,20] So euch aber eure Erholungsstunden zu
was anderem dienen, so werdet ihr auch ebenso sicher erfahren, wie fremd,
unerforschlich und unerbittlich Ich jenen zu bleiben pflege, die den Unrat
der Welt und allen Trug des Satans Mir vorziehen. [HiG.01_41.03.13,21] Schließlich denket wohl gar sehr
darüber nach, von Wem diese Worte zu euch kommen! Machet euch frühzeitig
bekannt mit Mir! Machet den „Richter“ euch zum „Freunde“ und den ewigen
großen „Gott“ zu eurem „Vater“ – so werdet ihr froh und ohne Furcht es
schauen, wenn Ich Meine Gerichte über diese Erde donnern werde! [HiG.01_41.03.13,22] Denn der Welt werde Ich kommen als ein
unerbitterlicher Richter, aber wahrlich, zu Meinen Kindern werde Ich kommen
als der liebevollste, beste, heilige Vater! [HiG.01_41.03.13,23] Daher trachtet nach dem Vater, so
werdet ihr leben ewig im Schoße Meiner Liebe. Amen! [HiG.01_41.03.13,24] Das spricht Der, den ihr vor allem
suchen und erkennen sollet – als Vater. Amen! Zum Jahresgedenktag der
Neuoffenbarung. – Dankgebet des Knechtes Jakob Lorber. – 14. März 1841
Dankgebet des Knechtes Jakob Lorber. – 14. März 1841,
Sonntag, dem dem letzten Tage des ersten Jahres der unsichtbaren,
gnadenreichsten Auskunft und Offenbarung unseres heiligsten, liebevollsten
Vaters, dessen erste Mitteilung im neuen lebendigen Worte am Sonntag, den 15.
März 1840, morgens nach 6 Uhr, erfolgt war. [HiG.01_41.03.14.a,01] O Herr! Du allerbester, heiligster
Vater! Es ist bereits ein Jahr verflossen seit der denkwürdigen Stunde, in
welcher Du unser aller gedachtest und uns Unwürdigen Dein lebendiges Wort
mitzuteilen angefangen hast. [HiG.01_41.03.14.a,02] O Herr! O
Vater! Wie sollen wir Dir danken, mit welcher Zunge Dich loben und
preisen – da wir allesamt nicht einmal eines, geschweige erst so vieler
heiliger Worte und allerheilsamster Ermahnungen würdig sind!? [HiG.01_41.03.14.a,03] O Du heiligster, allerbester Vater!
Siehe, wir haben nichts als ein noch sehr unreines Herz, das unser eigen ist.
Das Gute darinnen aber ist nicht unser, sondern ewig Dein. Und so sei denn auch
die billigste Anerkennung, daß das Deine nicht unser ist, der einzige Dank,
das einzige Lob und der einzige Preis, den wir Dir darzubringen vermögen. Und
dieses Gute und Wahre aus Dir, o heiliger Vater, ist ein Tropfen Deiner Liebe
in uns! [HiG.01_41.03.14.a,04] Aus Deiner großen Liebe hast Du uns
es gegeben, des sind wir klar in uns. So lasse denn auch jetzt, wie allezeit,
in dieser Deiner heiligen Liebe, die aus Dir in uns gekommen ist, unsere
billigste Anerkennung Dir dadurch darbringen, daß wir Dich stets mehr und
mehr zu lieben möchten anfangen. Denn nur in der Liebe können wir Dir ein
wohlgefälliges Opfer bringen, und zwar mit der von Dir gegebenen heiligen.
Und so nehme denn diesen Dank von uns armen Sündern gnädigst auf! [HiG.01_41.03.14.a,05] Und da wir uns alle Deines heiligen
Namens recht von Herzen erfreuen wollen, heute am heilig denkwürdigen
Jahrestage wie auch fürder in aller Tat und Liebewilligkeit, so erhöre unsere
Bitte und komme auch Du zu uns, damit wir nicht Waisen sein möchten – da Du,
unser heiligster Vater, uns allen alles geworden bist und uns ohne Dich auch
keine Freuden mehr schmecken und ewig nicht mehr schmecken werden! [HiG.01_41.03.14.a,06] O heiliger, bester Vater, erhöre
unsere kindliche Bitte und belebe uns alle mit Deiner heiligen Gegenwart!
Amen! Vom Kommen des Vaters in Jesu. –
Antwort des Vaters an den Knecht. – 14. März 1841
[HiG.01_41.03.14.b,01] Nun, so schreibe denn ein kurzes
Wort, das euch verkünden soll Meine Ankunft in eurer Mitte! Denn so Ich als
Vater komme, komme Ich in aller Stille des Herzens. Meine Donner verkünden
euch nur den nahen Gott, und die Drangsale den großen, unerbittlichen
Richter, wie alle die großen Schöpfungen den großen, mächtigen Schöpfer und
Herrn über alles. [HiG.01_41.03.14.b,02] Aber so ihr in euren Herzen sanfte
Liebe empfindet zu Mir, eurem heiligen, guten Vater, dann wisset, daß der
Vater nicht ferne ist! Denn Mich kann niemand lieben, so er nicht hat Meine
Liebe. Meine Liebe aber kann niemand haben von anders woher denn von Mir. Wer
aber Meine Liebe hat, der hat auch Mich, der Ich die Ewige Liebe Selbst bin. [HiG.01_41.03.14.b,03] So aber Meine Liebe bei euch sein
wird, da werde ja auch Ich bei euch sein! Was immer aber ihr tuet in Meinem Namen,
das tut ihr in Meiner Liebe. Was ihr aber tut in Meiner Liebe, das tut ihr ja
auch in Mir. Wer aber in Mir ist und handelt, in und bei dem bin auch Ich. [HiG.01_41.03.14.b,04] So ihr Mich aber ladet, zu euch zu
kommen, wie sollte Ich da nicht tun, darnach euer Herz ein lebendiges
Verlangen trägt!? – Und so fraget euch denn auch heut im Herzen, und eure
Liebe zu Mir wird es euch getreu verkünden, ob und wann Ich zu euch kommen
werde! [HiG.01_41.03.14.b,05] Sehet, Ich bin Einer, der da folgt
der Liebe bis ans Ende aller Welten. Daher liebet und glaubet – so werde Ich
sein mitten unter euch und in euch – was euch getreu verkünden wird der große
Trost im Herzen. [HiG.01_41.03.14.b,06] Höret aber, wann Ich kommen werde,
müsset ihr nicht allzusehr euren Magen beschäftigen und allerlei
Weltgeplauder ans Ohr halten. Sondern unterredet euch wie die zwei nach
Emmaus wandelnden Jünger, so werdet ihr auch ihrer Freude teilhaftig werden.
So ihr aber tuet gleich den albernen Weibern und den verstand- und lieblosen
Dirnen, da wird euer heiliger Vater nicht gar zu lange in eurer Mitte
verweilen können. [HiG.01_41.03.14.b,07] Lasset die Welt sein, was sie ist,
denn Ich bin mehr denn alle Welt! – Lasset die Herrscher sein, was sie sind,
denn Ich bin mehr als alle Herrscher! – Lasset die Dirnen sein, wie sie sind,
voll Untreue in ihren Herzen, denn Meine Liebe ist sanfter, treuer und zarter
denn die aller der weltsüchtigen, wertlosen Mädchen und Buhldirnen. Denn
wahrlich, in dieser Zeit hat keine Jungfer eine Liebe mehr. Sie liebt an dem
Manne nur, was er hat oder ist; für den Menschen gibt sie keinen Heller,
geschweige erst ihre starke, eitle Eigenliebe. [HiG.01_41.03.14.b,08] Lasset die Weltgelehrten sein was
sie sind, denn Meine Gnade wiegt wohl unendlichmal zahllose Gelehrte auf! –
Lasset die äußere Kirche sein wie sie ist, und nehmet euch dafür ein Sinnbild
an der Spinne, wie sie bei schönem Wetter ihre Fangfäden weit ausdehnt, um
allerlei Getier in ihrem Netze zu fangen zur Sättigung ihres großen Bauches;
wenn aber ein anderes Wetter im Anzug ist, so gibt sich zwar dieses Tier alle
Mühe, ihr Machwerk vor der Zerstörung zu sichern, es kommen aber alsobald
starke Winde von den Höhen und gewaltige Platzregen und machen ihrem
Raubneste ein Ende! Blicket aber nun in die Ereignisse der Zeit, und Ich sage
euch, ihr werdet alsobald gewahren, daß es also ist! – Ich aber stehe höher
und tiefer denn jede Kirche! – Darum sehet auf Mich, die ihr Mich nun schon
ein wenig erkannt habt in euren Herzen, dann werden eure Ohren nimmer belästigt
werden von dem kirchlichen Zähnegeklapper. Denn die reine Liebe, welche die
alleinige wahre Kirche ist durch den lebendigen Glauben und durch das
lebendige Wort, klappert nicht! [HiG.01_41.03.14.b,09] Und so dergleichen mehreres
vermeidet aus Liebe zu Mir – und haltet Mich wie einen guten Freund, der sich
zu früh entfernen will. – Wenn der Forteilende sieht, wie seine Geliebte ihn
umklammert, da kehrt er wieder um und verläßt nicht eher das Haus, als bis er
die Braut völlig gewonnen hat! [HiG.01_41.03.14.b,10] Also tuet auch ihr wie eine
zärtliche Braut! – Horcht nicht der Geliebte am Pförtlein seiner Geliebten,
bevor er zu ihr tritt ins Gemach, daß er etwa von ihr vernehmen möchte ein
geheimes Lob aus ihrem Munde? Wenn er aber solches vernommen hat, wie wird er
voll Freuden und kann nicht erwarten, bis das Pförtlein sich öffne! Und ist
er einmal darinnen, da ruft er mit Petrus und Jakobus: „Herr, hier ist gut
sein!“ [HiG.01_41.03.14.b,11] So er aber antreffen wird seine
Erwählte in lauter törichte Zänkereien versunken, läppisches Zeug plaudernd
oder gar anderer Lob verkündend – höret, da wird der Geliebte, wie ihr zu
sagen pflegt, sich heimlich „aus dem Staube machen“ und die gewählte Törin in
aller ihrer Albernheit „sitzen lassen“! [HiG.01_41.03.14.b,12] So denket denn auch, daß Ich nicht
allezeit mit der Türe ins Haus falle, sondern auch warte vor der Türe! –
Vernehme Ich, was Mir wohlgefällt, da kehre Ich ein, wo nicht, da lasse Ich
im Staube nur Meine Tritte zurück! [HiG.01_41.03.14.b,13] Wollt ihr Mich zum Gaste haben, so
tuet, was dem Gaste behagt, so werde Ich einkehren. Bin Ich aber einmal
eingetreten, dann lasset Mich ja nicht wieder gehen, und zeigte Ich Mich euch
auch noch so genötigt! – Und wahrlich, so ihr tun werdet, was des Rechtes
ist, werde Ich bleiben in eurer Mitte jetzt und allezeit! [HiG.01_41.03.14.b,14] Aber höret, erst in der reinen Liebe
eures Herzens werdet ihre alle erkennen, daß der hohe, bleibende Gast euer
heiliger, guter Vater ist, der zu euch gekommen ist und Sein Reich mit Ihm! –
Amen. Das sage Ich, der hohe Gast, als euer heiliger, guter Vater! Amen. Rechte Heiligen-Verehrung. – 20.
März 1841
[HiG.01_41.03.20] Die vier Töchter Anselm Hüttenbrenners
stellten Fragen mit der Bitte um Beantwortung durch Jakob Lorber. [HiG.01_41.03.20] Und zwar fragte Marie: „Auf welche Art
soll man die Heiligen verehren?“ – Wilhelmine: „Wie soll man den Herrn recht
lieben?“ – Pauline: „Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und
Gott war das Wort – was besagt dieser Eingang des Johannes-Evangeliums?“ –
Julie: „Worin besteht die wahre Demut?“ [HiG.01_41.03.20] Schreibende: Diese vier Schwestern. – Der
Herr antwortete hierauf durch Seinen Knecht gnädigst wie folgt: [HiG.01_41.03.20,01] Liebe Kinder! Ist es denn wohl gar so
schwer, zu finden, was man möchte? – Wenn jemand Hunger verspürt, wird er
wohl lange brauchen, um sich irgendeine Speise aufzusuchen, damit sie ihn
sättige? – Oder wer da dürstet, wird der wohl, vom brennenden Durste
getrieben, von einer Quelle zur andern wandeln und die Wasser verkosten, die
da tauglich wären zur Löschung seines brennenden Durstes? Wahrlich, er wird
bei der nächsten Quelle verbleiben und da stillen seinen Durst. – Sehet, das
sei auch für euch der Fall! [HiG.01_41.03.20,02] Daß ihr alle im Geiste noch sehr
hungrig und durstig seid, werdet ihr doch sicher empfinden, so ihr das
Verständnis eures Herzens, welches ist der „Magen“ des Geistes, nur ein wenig
zu Rate ziehet und euch ein wenig nur befraget nach der Wesenheit der Dinge,
die euch zahllos umgeben, und nach dem euch noch gänzlich ungekannten inneren
Leben des Geistes. [HiG.01_41.03.20,03] Schauet nur hinaus auf den großen
Speisezettel der Schöpfung und darnach in die große Speisekammer des Geistes,
so wird es euch künftighin nicht mehr schwer fallen, zumal wenn ihr noch
bedenket, daß in Meinem Lichte, welches durch das lebendige Wasser aus dem
Brunnen Jakobs zu euch beschieden wird, sich ein Sonnenstäubchen zu einer
Welt vergrößert! [HiG.01_41.03.20,04] Wenn aber ein solches Sonnenstäubchen
schon so groß wird und übervoll von euch noch unbekannten Wundern, wir groß
erst werden euch jene Dinge werden, gegen die ein Sonnenstäubchen ins Nichts
hinabsinkt oder sich so gut wie gänzlich verliert – im Anbetrachte eines
Sandkörnchens nur, geschweige erst einer Pflanze, eines Baumes, eines Berges,
eines Tieres oder auch wohl gar eines Menschen selbst! [HiG.01_41.03.20,05] Nachdem euch nun gezeigt worden ist,
wie ihr für einen künftigen Fall eine taugliche Speise zu eurer Sättigung
leichter finden möget, so will Ich euch denn nun geben, danach euch nach
einem ziemlich mühseligen Suchen verlangt hat. [HiG.01_41.03.20,06] Was demnach die Verehrung der Heiligen
betrifft, da sage Ich euch nichts als das: Verehret durch eure Liebe und
demütigen Gehorsam nur den Alleinheiligen – so werden durch solche allein
gültige Verehrung auch alle euch bekannten und unbekannten Heiligen am
allerfüglichsten verehrt werden! Denn Mir allein gebührt alle Verehrung,
alles Lob, aller Dank, aller Preis und alle Anbetung. Nur durch Mich und in
Mir werden alle Menschen verherrlicht, wenn sie zuvor Meinen Namen in ihrem
Herzen durch die wahre Liebe und den lebendigen Glauben im Geiste und in der
Wahrheit verherrlicht haben. [HiG.01_41.03.20,07] Damit ihr aber dieses besser und
gründlicher verstehen möget, so bedenket noch hinzu, daß Ich allein die Türe
zum Leben bin. Und wer nicht da eingehet durch diese Türe, der ist ein Dieb
und Räuber. – Darum: wer da ist mühselig und beladen oder ist ein Kranker
voll Gebrechen, der komme zu Mir, auf daß Ich ihn labe und stärke. Denn
solches wird er nimmer finden irgend anderswo als bei Mir und in Mir! [HiG.01_41.03.20,08] Was die zweite Frage betrifft, so
liebt nur der Mich recht, der Mich allein liebt und seinen Nächsten durch
Mich. Wer Mich so liebt, der ist's, der Mich im Geist und in der Wahrheit
liebt! Denn wie könnte der Mich anders lieben, da Ich Selbst der ewige Geist
aller Liebe, aller Macht und Kraft und ebenso die ewige Wahrheit bin! [HiG.01_41.03.20,09] Wer Mich aber also liebt, der ist es,
der Meine Gebote hält. Wer aber Meine Gebote hält, zu dem werde Ich kommen in
Meiner Dreieinigkeit als Vater, Sohn und Geist und werde Wohnung nehmen in
seinem Herzen und werde da Mich offenbaren durch das lebendige Wort, welches
im Anfange war und ewig war und ist bei Gott. Denn Gott Selbst war, ist und
wird ewig sein das Wort, wesenhaft in allen Dingen, als das ewige Leben,
Liebe, Licht, Kraft und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. [HiG.01_41.03.20,10] Wer aber Mich auf diese Weise recht
liebt, der ist auch von ganzem Herzen demütig. – Oder kann wohl ein
Hoffärtiger jemanden lieben? Liegt nicht vielmehr im Hochmute die Verachtung
alles dessen zugrunde, was denselben umgibt!? – Der Hochmütige will nichts
Höheres über sich erblicken; kann er sich auch nicht auf den höchsten
Wahngipfel erheben und muß er sich noch einem Höheren gehorchend unterziehen,
so tut er solches nur aus Eigennutz. Und so er jemanden mit einer scheinbaren
Liebe umfaßt, so gilt das soviel, als wenn er sagen möchte: „Weil ich dich
nicht mit Gewalt beherrschen kann, so will ich dich mit der List fangen und
zu meinem Sklaven machen!“ [HiG.01_41.03.20,11] Desgleichen auch der Habsüchtige zu
seinen Freunden spricht, und ebenso die eitlen Weltbräutigame zu ihren
törichten Bräuten sprechen; denn alle diese erheben ihre Günstlinge nur in
derselben Absicht wie ein Adler eine Schildkröte, um durch deren Fall hernach
etwas zu gewinnen! [HiG.01_41.03.20,12] Sehet, liebe Kinder, aus allem diesem
geht hervor, daß nur der wahrhaft Demütige Mich wahrhaft, d.h. im Geiste und
in der Wahrheit, zu lieben vermag! [HiG.01_41.03.20,13] Wer Mich aber also liebt, der liebt
Mich ja als das lebendige, ewige Wort, welches da ist Jesus Christus, und das
ewige Leben und alle Dinge durch Ihn! Wer aber liebt Jesum Christum, den Gekreuzigten,
und verherrlicht Ihn vor der Welt und bekennet Ihn mit großer Freudigkeit
seines Herzens, den werde auch Ich, als derselbe einige Jesus Christus,
verherrlichen und bekennen vor dem Vater, d.h. er wird verklärt werden im
Angesichte Meiner Gottheit und aller Heiligkeit derselben. [HiG.01_41.03.20,14] Wenn denn also, wer immer Mich liebt
und verherrlich, dadurch wieder verherrlichet wird – da werden ja doch sicher
an solcher Verherrlichung auch alle Meine Glieder, welches da sind die
Heiligen in den Himmeln, nicht zu kurz kommen! Denn was Ich nehme, nehme Ich
nicht für Mich, sondern für euch und für eure Brüder. [HiG.01_41.03.20,15] Wer etwas Mir gibt, der gibt es allen.
Wer es aber einem andern gibt, der ist ein Tor; denn was er gibt, wird er nicht
zurückerhalten, und es wird auch die Gabe nicht zu den Beteiligten gelangen,
sondern wie eine unreife Frucht wird sie unter dem Baume des Lebens zertreten
werden. [HiG.01_41.03.20,16] Liebe Kinder, betrachtet diese Gabe
nicht als eine menschliche, sondern als eine, die voll Lebens ist! Fasset sie
wohl in eure Herzen und tuet darnach, so werdet ihr erkennen, daß das Wort
alles in allem ist und wie das Wort bei Gott und Gott Selbst das Wort ist
ewig! Amen. [HiG.01_41.03.20,17] Das sagt eben dieses Wort euch aus
Sich Selbst! Amen. Grund und Wesen des Zweiten
Gesichts. – 21. März 1841
[HiG.01_41.03.21] Schreibende: K. G. L. – Andr. und Ans. H.
– Als Zuhörer: F. S. [HiG.01_41.03.21,01] Es ist das sogenannte „Zweite Gesicht“
nicht etwa ein Zeichen von einem geweckteren Geiste, sondern es hat seinen
Grund bloß nur in einem etwas erhöhteren Seelenleben und ist überhaupt ein
Eigentum jener Menschen, die stets in großer Not und natürlicher
Abgezogenheit von der Welt zu leben genötigt sind. [HiG.01_41.03.21,02] Daß dieses Zweite Gesicht mit der
geistigen Gewecktheit keine Verwandtschaft hat, kann euch auch der Umstand
hinreichend bezeugen, daß eines solchen Zweiten Gesichts auch sogar die Tiere
fähig sind, deren Individualität durchgehends nichts Geistiges, wohl aber eine
Seele zur ferneren Ausbildung in sich trägt. [HiG.01_41.03.21,03] Ihr werdet nun freilich fragen, welche
Wirklichkeit dasjenige hat, was sich im Zweiten Gesicht beschaulich
darstellt? Allein es wird gar nicht schwer sein, diesen Knoten für euch zu
lösen. – Wenn ihr noch im tiefen Winter begraben seid und euch von allen
Seiten die starren Schnee- und Eisfelder schaurig anblicken, ja wenn ihr noch
dazu in kalten Gemächern zu wohnen genötigt wäret, saget, werdet ihr euch da
nicht nach dem Frühlinge und nach dem Sommer ganz gewaltig zu sehnen
anfangen? Und wird sich nicht die Phantasie eurer Seele vorzugsweise damit
beschäftigen, euch bildlich den Frühling und den Sommer vorzuführen? [HiG.01_41.03.21,04] Sehet, dieses sehnsüchtige, gleichsam
plastische Vorgefühl ist die erste Stufe des Zweiten Gesichts und hat seinen
Grund in dem leisen ätherischen Überwehen dessen, was die Seele in ihrem
gedrückten Zustande als wohltuend erwartet. Wenn nun jemand sich mehr und
mehr vertiefen würde, so möchte er wenigstens zur Nachtzeit nicht selten die
Bilder des Frühlings und des Sommers gleich matten Traumbildern vor sich
vorüberziehen sehen. [HiG.01_41.03.21,05] Wenn aber irgendeine Seele noch mehr
beengt wird durch leidende Verhältnisse, so geschieht mit ihr durch solchen
Druck das gleiche, wie wenn die Luft in einem zu hohen Grade gedrückt wird:
sie entzündet sich und tritt aus der leiblichen Sphäre hinaus. Es gibt
nämlich in dem sichtbaren Raume ebensogut seelische Wirkungen und Bewegungen,
wie es in dem weiten Lichtraume Wirkungen und Bewegungen des Lichtes gibt;
nur mit dem Unterschiede, daß die Schwingung des Lichtes sich auf dem
natürlichen Wege nicht anders als gradlinig fortpflanzen können; wogegen die
seelischen mehr ähnlich sind den Schwingungen des Schalles und sich nach
allen erdenklichen Richtungen, wie auch in allen erdenklichen Krümmungen mit
mehr denn elektrischer Schnelligkeit fortpflanzen können. [HiG.01_41.03.21,06] Jetzt denket euch irgendein Faktum –
welcher Art es auch immer sein mag, so hat es immerwährend drei Bedingungen
zum Grunde: eine materielle, eine seelische und eine geistige. – Was die
erste Bedingung betrifft, so kann das Faktum von den leiblichen Augen erst
dann erschauet werden, wenn es gerade eben geschieht, und zwar in einer
solchen Entfernung, die von der leiblichen Sehkraft erreicht werden kann. –
Was die seelische Bedingung anlangt, so werdet ihr es ohne viel Nachdenken
leicht einsehen, daß ein Faktum zuerst in der Seele vorangehen muß, bevor es
in die Körperwelt übergeht. Ist aber nun die Seele ihrer Decke enthoben, so
kann sie ein solches Faktum vermöge der schnellen seelischen Fortpflanzung
oft schon eine bedeutende Zeit früher ersehen, als es zur materiellen
Objektivität gelangt; oder sie kann auch ein verübtes Faktum nachträglich erschauen,
gleichwie ihr einen fernen Nachhall vernehmet. [HiG.01_41.03.21,07] Zum Überflusse will Ich auch noch drei
kleine Beispiele von dem seelischen Schauen hinzufügen! [HiG.01_41.03.21,08] Es sieht z.B. ein solcher mit dem
Zweiten Gesichte Begabter eine unbekannte Leiche vorüberziehen, während der
Bekannte noch ganz frisch und gesund ist und erst in einigen Monaten darauf
stirbt. Dies geht auf folgende, leicht faßliche Weise vor sich, nämlich: Die
Seele des zum Sterben Bestimmten ahnet die nahe Auflösung ihrer Hülle,
besonders zu einer Zeit, wenn sie ebenfalls durch ein merkliches Heraustreten
ihr zum Zusammenfallen reifes Haus klarer und richtiger beschauet. In diesem
Zustande ordnet sie dann schon alle betreffenden Vorkehrungen und Zeremonien
zum Übergange. Zu gleicher Zeit ist aber auch die Seele eines andern Menschen
in solchem erhöhtem Zustande und sieht da das ganze Faktum, was sich die
Seele des andern schon vorgeordnet hat, und zwar das alles auf die euch nun
schon bekannte seelische Mitteilungsweise. – Nun sehet, auf diese Weise
werden von der Seele dergleichen Dinge vorgesehen, wie von dem körperlichen
Auge diejenigen, die soeben geschehen. [HiG.01_41.03.21,09] Als zweites Beispiel: Eine Seele sieht
in irgendeiner weiten Entfernung etwas geschehen. Auch dieses Schauen
geschieht auf dieselbe Weise. Denn wo immer etwas geschieht, da Menschen
zugegen sind, entweder bloß als Zuschauer oder als glücklich oder unglücklich
Mitbeteiligte, da ist ja auch nichts natürlicher, als daß ein solches Faktum
in das Seelenleben der andern alsogleich aufgenommen wird und sich dann in
der seelischen Sphäre gleich einem allerzartesten magnetischen Fluidum, je
nach der Größe und Art des Faktums, oft mehrere tausend Stunden fortpflanzt.
Und wenn dann irgendein Mensch in einem erhöhten Seelenzustande sich
befindet, so nimmt er solche Schwingungen alsogleich wahr und bekommt das
Bild durch die Varietät der Schwingungen auf dieselbe Art zu Gesicht, wie
irgendein materielles Bild durch die Varietät der Schwingungen des Lichts von
dem Gegenstande, von dem sie ausgehen, zur körperlichen Anschauung durch das
fleischige Auge gelangt. [HiG.01_41.03.21,10] Als ein drittes Beispiel ist dieses
anzunehmen: Wenn irgendein Faktum, bei welchem mehrere Menschen verunglücken
werden, noch nicht erfolgt ist. Dieses Gesicht ist zwar etwas seltener, kommt
aber dessenungeachtet gleich den übrigen Fällen vor. Es ist auf folgende
Weise einzusehen: Wenn irgendeine Seele bei besonderen Fällen in einen
erhöhen Zustand gelangt, so wird auch der innewohnende Geist, freilich nur
auf kurze Zeit, geweckt. In der geistigen Bedingung (d.h. in dem Geist des
Menschen) aber liegen alle Fakta, sowohl die vergangenen als die zukünftigen,
unvergänglich zugrunde. Nun kann da das Schauen auf eine zweifache Art geschehen,
nämlich der Betreffende erschaut es zuerst aus seinem Geiste. Dieses
Erschaute geht natürlich in die Seele über. Sobald es aber in die Seele
übergegangen ist, so pflanzt es sich auch schon nach den euch bekannten
Gesetzen weiter. Und so dann irgendein Mensch im erhöhten Seelenzustande sich
befindet, so erschaut auch er ein solches gewisserart prognostisches Faktum
nebst allen den Umständen, die sich da zutragen werden. Und dieses Erschauen
ist dann die zweite Art, ein solches Faktum, welches erst künftig geschehen
wird, zu erschauen. [HiG.01_41.03.21,11] Daß ein solcher Mensch im erhöhten
Seelenzustande auch Seelen verstorbener Menschen sehen kann, wenn diese sich
sehen lassen wollen oder dürfen, braucht nicht näher erwähnt zu werden. [HiG.01_41.03.21,12] Nun sehet, da habt ihr das ganze Wesen
des Zweiten Gesichtes und könnet aus demselben zugleich ersehen, daß dazu
gerade keine Geistesgewecktheit erfordert wird. Denn das Schauen des Geistes
ist ein ganz verschiedenens von dem der Seele. Wie sich aber das Schauen des
Leibes zu dem Schauen der Seele verhält, so verhält sich auch das Schauen der
Seele zum Schauen des Geistes. [HiG.01_41.03.21,13] Und wie das Schauen des leiblichen
Auges kann verschärft werden durch materielle Mittel, dergleichen da sind: allerlei
optische Werkzeuge – so kann auch das Schauen der Seele erhöht werden durch
jene Mittel, welche natürlicherweise der Seele entsprechen. Diese Mittel sind
ein starker, ungezweifelter Glaube, ein festes Wollen und eine dadurch
wenigstens zu Hälfte erreichte geistige Gewecktheit. [HiG.01_41.03.21,14] Wie aber das seelische Schauen erhöht
werden kann, ebenso kann auch die Sehe des Geistes bis ins Unendliche
gestärkt werden, und zwar mittels derjenigen Mittel, die euch der große Seher
durch Seine Lehre gelehrt hat – welcher große Seher eben derjenige ist, der
euch jetzt daran erinnert! Der verlorene Sohn. – 23. März
1841
[HiG.01_41.03.23] Schreibende: K. G. L. – F. S. – Andr. und
Ans. H. [HiG.01_41.03.23,01] Ihr habt in Meinem Buche die
Geschichte des verlorenen Sohnes gelesen und werdet diese Geschichte nicht
nur einmal, sondern schon öfter gelesen und gehört haben. Aber Ich sage euch,
es gibt wohl in dem ganzen Buche keinen Vers und kein Kapitel, das da
Größeres in sich fassen möchte, als das Gleichnis vom verlorenen Sohn. [HiG.01_41.03.23,02] Auch wird es nicht leichtlich eine
Stelle geben, die für euch schwerer zu verstehen sein möchte als eben diese.
Und das zwar aus der Ursache, die ihr wissen sollet, da sie von größter
Wichtigkeit und als solche ein unerläßlicher Schlüssel zur inneren Beschauung
ist. [HiG.01_41.03.23,03] Es ist aber diese Ursache folgende:
Oft rede Ich aus Meiner Weisheit durch die Liebe erhabene Dinge; oft aber aus
der Liebe durch das Licht der Weisheit kleinlich Scheinendes. – Nun merket,
im ersten Falle wird euch nur so viel geboten, als es eurer jeweiligen
Individualität zu ertragen möglich ist. Im zweiten Falle aber wird euch eine
verhüllte Unendlichkeit gegeben, mit deren endlicher Entwicklung Ewigkeiten
nicht fertig werden. [HiG.01_41.03.23,04] Und sehet, eine eben solche kleinlich
scheinende Gabe ist auch „der verlorene Sohn“. Ja, Ich sage, wüßtet ihr, was
alles hinter dem „verlorenen Sohne“ steckt, wahrlich, es würden Erzengel zu
euch in die Schule kommen! [HiG.01_41.03.23,05] Ich habe euch in den vorhergehenden
Stunden so manches gezeigt, wie es in der gegenwärtigen Zeit auf der Erde
zugeht, wobei Ich euch freilich noch die allergrößten Schändlichkeiten
verschwiegen habe. Ich habe euch gezeigt das Mangelhafte der Rechtsordnung im
allgemeinen; Ich habe euch gezeigt die Tollheit Asiens, wie die Barbarei
Afrikas; Ich habe euch gezeigt die Schändlichkeiten Amerikas, freilich nur
einen sehr geringen Teil davon; Ich zeigte euch die Rechtspflege Englands,
vorzugsweise in seinen äußeren Verhältnissen, wie auch die Behandlung der
Verbrecher auf den euch bekanntgegebenen Küsten Australiens. So habe Ich euch
auch im tiefen Süden gezeigt ein mißhandeltes Land, wie es war und wie es
größtenteils noch jetzt ist. Jedoch eben bei diesem Lande muß Ich euch auf
etwas aufmerksam machen, und zwar zuerst vorzüglich auf das, daß ihr auf
dieses eben von diesem Lande Ausgesagte eine doppelte Aufmerksamkeit richten,
und fürs zweite, daß ihr eben das von diesem Lande Ausgesagte am
allerwenigsten buchstäblich nehmen sollet – warum, wird euch die Folge
zeigen. Ferner habe Ich euch noch gezeigt die höchst tyrannisch strengen
Verhältnisse anderer Inselstaaten und vorzugsweise des Japanischen und so
noch einiges in Kürze über den nördlichen Staat Rußland. [HiG.01_41.03.23,06] Obschon zwar sich die Sachen in der
Welt so verhalten, so sind aber dessenungeachtet diese Verhältnisse von Mir
euch nicht deswegen kundgegeben worden, damit ihr daraus ersehen sollet, wie
es allenfalls in der Welt zugeht. Denn solches und noch tausendmal Ärgeres
werdet ihr ohnehin künftig nur zu oft zu lesen bekommen; sondern die Ursache,
warum Ich euch solches kundgegeben habe, ist keine andere als diese, daß ihr
daraus das große Geheimnis des „verlorenen Sohnes“ ein wenig zu eurem größten
Nutzen tiefer erkennen möchtet. [HiG.01_41.03.23,07] Ihr denket euch jetzt freilich: „Was
hat denn der „verlorene Sohn“ mit all diesen Weltgrausamkeiten zu tun?“ – und
seid voll Neugierde, wie sich aus all diesem Weltlabyrinthe der „verlorene
Sohn“ zurechtfinden wird. Aber Ich sage euch: Es ist denn doch noch leichter
aus allen diesen Szenen den „verlorenen Sohn“ herauszufinden und selben darin
zu begreifen, als der Durchgang eines Kamels durch ein Nadelöhr. [HiG.01_41.03.23,08] Um das Ganze zu verstehen, ist es
nötig, daß ihr vor allem erfahret, wer eigentlich dieser „verlorene Sohn“
ist. So Ich euch den „verlorenen Sohn“ zeigen werde, auch nur dem Namen nach,
wahrlich, ihr müßtet mit mehr denn siebenfacher Blindheit geschlagen sein, so
ihr nicht im Augenblicke merken würdet, daß euch eine große Decke von den
Augen genommen wurde. Und nun bereitet euch vor und vernehmet den Namen! [HiG.01_41.03.23,09] Sehet, er heißet „Luzifer“! – In
diesem Namen steckt das ganze, für euch ewig unerfaßliche und endlose
Kompendium des verlorenen Sohnes. [HiG.01_41.03.23,10] Nun denket euch, daß beinahe die
gesamte gegenwärtige Menschheit nichts als Glieder dieses einen „verlorenen
Sohnes“ sind, und zwar namentlich diejenigen Menschen, welche aus Adams
ungesegneter Linie abstammen. Sehet, dieser „verlorene Sohn“ hat alles
Vermögen, das ihm gebührte, herausgenommen und vergeudet dasselbe nun durch
für eure Begriffe endlos weit gedehnte Zeiträume. [HiG.01_41.03.23,11] Ihr wisset aus der Geschichte des
verlorenen Sohnes, wie es mit seinem Endschicksale ging. Nun sehet all diese
Verhältnisse der Welt durch; und wahrlich, ihr werdet nichts anderes
erblicken als die Endschicksale des verlorenen Sohnes im ausgedehnten
Maßstabe ... [HiG.01_41.03.23,12] Was sagt ihr aber zu einem sehr
kranken Menschen, wenn seine Füße kalt geworden sind und auf seinem Haupte
kalte Schweißtropfen sitzen? Wahrlich, es bedarf dazu keines medizinischen
Rigorosums, um gewisserart in prophetischem Geiste aussprechen zu können: nur
einige wenige schwere Pulsschläge noch, und der Qual- und Lebensmüde hat
ausgerungen! [HiG.01_41.03.23,13] Fürs erste befühlet die Füße des
„verlorenen Sohnes“ im Süden der Erde. Fürs zweite befühlet sein Haupt in des
Nordens großem Reiche. Dann leget die Hand auf das alte, müde Kirchenherz,
wahrlich, ihr müßtet schon wieder blinder sein als der Mittelpunkt der Erde,
so ihr nicht an den Fingern ausrechnen möchtet, um die wievielte Stunde des
großen Tages es nun sei? ... [HiG.01_41.03.23,14] Aber sehet, jetzt geschieht mit der
Seele des „verlorenen Sohnes“, was Ich euch kundgegeben habe von den Seelen,
denen das „Zweite Gesicht“ wird! Sehet, ihre große Not breitet sich jetzt in
schnellen Schwingungen aus, und diese gelangen hin vor das große Vaterhaus.
Und die Schwingungen des liebeerfüllten Vaters liebwechseln mit den Angst-,
Elend- und Notschwingungen des „verlorenen Sohnes“. [HiG.01_41.03.23,15] Die Seele des „verlorenen Sohnes“
empfindet ein solch heiliges, sanftes Wehen vom Hause des großen Vaters. Sie
kehret aus diesen heiligen Schwingungen mutbeseligt wieder in ihr morsches
Haus zurück, erhebt dasselbe wieder und kehret in der größten, sich selbst
vernichtenden Demut in das ewige Vaterhaus zurück. [HiG.01_41.03.23,16] Was geschieht aber dort? – Sehet, die
Lumpen nur werden dem Sohne ausgezogen und verbrannt; allein der Sohn wird,
wie ihr wisset, wieder aufgenommen werden. [HiG.01_41.03.23,17] Sehet, nun habt ihr das ganze, bis auf
diesen gegenwärtigen Augenblick unenthüllte Geheimnis der prophetischen Zahl
des Menschen vor euren Augen enthüllt. Wenn ihr nur einigermaßen die
Verhältnisse der Zeit durchgehet, wahrlich, ihr müßtet mehr denn tot sein,
wenn ihr jetzt noch nicht gewahren solltet die heiligen Gnadenschwingungen,
die da nun ausgehen in Strömen von dem heiligen Vaterhause! [HiG.01_41.03.23,18] Auch ihr seid Glieder des verlorenen
Sohnes! Dehnet eure Seele weit aus und lasset erwecken den Geist in eurer
Seele! Und kehret in aller Demut gleich dem „verlorenen Sohne“ getrost in das
große Gebiet eures liebevollsten Vaters! Wahrlich, Ich sage euch: Er wird
euch auf dem halben Wege entgegenkommen! [HiG.01_41.03.23,19] Sehet, die Zeit Meiner Gnade ist nahe
herbeigekommen, und darum habe Ich euch auch solches gegeben, daß ihr
erkennen sollet, daß jene große Zeit da ist, von der die Propheten gesungen
haben, ja jene Zeit, die aus Meinem Munde selbst vorausverkündet wurde. [HiG.01_41.03.23,20] Darum verharret nur noch eine kurze
Zeit und freuet euch in großer Zuversicht! Denn wahrlich, das große Vaterhaus
ist euch näher gekommen als ihr es ahnet! [HiG.01_41.03.23,21] Wie ihr aber den „verlorenen Sohn“ und
alle diese Zeitverhältnisse in euch erkennen möget, und wie dieser „verlorene
Sohn“ in einem jeden Menschen wiedergefunden wird oder wie er vielmehr sich
selbst wiederfindet, wie der „große Mensch“ im Kleinen gewonnen wird, liebe
Kinder, davon wird euch die letzte Stunde getreue Kunde bringen. Amen! Der große Schöpfungsmensch und
seine Rückkehr. – 25. März 1841
[HiG.01_41.03.25.a] Schreibende: K. G. L. – F. S. – Andr.
und Ans. H. [HiG.01_41.03.25.a,01] Nachdem wir in der elften Stunde den
„verlorenen Sohn“ von seinem Aufgange bis zu seinem Niedergange begleitet und
beleuchtet haben und haben auch die Zeit berechnet und die Stunde nahe
bestimmt, die da zeugen soll von seinem Untergange – so wollen wir in dieser
zwölften Stunde sehen, wo und wie dieser „verlorene Sohn“, durch und durch
gedemütigt, wieder zurückkehren wird in das große Vaterhaus. [HiG.01_41.03.25.a,02] Um aber dieses völlig zu verstehen,
ist es nicht hinreichend, daß wir nur das Weltstäublein, Erde genannt, ein
wenig durchschauet haben; sondern es ist nötig, da Ich zu diesem Zwecke in
der euch bewußten Camera obscura des Geistes eine schon erwähnte kleine
Vorrichtung hinzugegeben habe, noch einmal in dieser neu eingerichteten
Kammer einen etwas weiter gedehnten Blick zu tun! – Ich sage euch aber zum
voraus: Machet euch gefaßt! Denn dieser Anblick wird euch etwas vor eure
Augen führen, das bis auf diese Zeit noch in keines Menschen Sinn gekommen
ist. [HiG.01_41.03.25.a,03] Vermöge dieser neuen Vorrichtung
wird die Tafel zur Aufnahme eines so großen Bildes auch wohl natürlicherweise
selbst etwas vergrößert werden müssen und statt der früheren wagrechten Lage
eine senkrechte annehmen. Nun sehet, unsere Vorrichtung ist getroffen! So
richtet denn eure Blicke hin auf die weitgedehnte Tafel, und sogleich werdet
ihr das große Bild auf derselben erblicken. Denn nur auf diese einzig und
alleinige Art ist es möglich, die endlos ausgedehnte Schöpfung unter einem
Bilde euch vor die Augen zu stellen. [HiG.01_41.03.25.a,04] Nun sehet nur genau hin auf die
Tafel, und sobald Ich das Wort „Epheta“ aussprechen werde, da werdet ihr das
großartige Bild auf der Tafel erschauen. Und nun denn, da eure Blicke dahin
gerichtet sind, sage Ich: Epheta! [HiG.01_41.03.25.a,05] Nun, was saget ihr zu dem Bilde? –
Nicht wahr, ihr erblicket auf dieser Tafel nichts mehr und nichts weniger als
die deutliche Gestalt eines Menschen, dessen Lenden nur kaum von einigen
Lumpen bedeckt sind und dessen Haare, zottigen Aussehens, ihm bis über den
halben Leib vom Kopfe herabhängen. [HiG.01_41.03.25.a,06] Nicht wahr, ihr werdet euch wohl
denken: „An diesem Bilde ist gerade nichts Besonderes zu sehen, außer daß es
auf dieser Tafel in einer sehr kolossalen Form dargestellt ist. Übrigens aber
hätte ein solches Bild auch ein jeder nur einigermaßen bewanderte
Figurenzeichner mit einer weißlichen Farbe auf eine schwarze Tafel entwerfen
können!“ – Und Ich kann euch nichts anderes dazu sagen, als daß euer Schluß
vorderhand seine Richtigkeit hat. Und so ihr noch etwas tiefer denken wollet,
so möchtet ihr auch wohl bald in dieser weißlichen Figur die Gestalt des
„verlorenen Sohnes“ erblicken. [HiG.01_41.03.25.a,07] Aber sehet, Meine lieben Kinder! Die
Tafel ist ein wenig zu weit weg gestellt für eure Augen, daher gehen wir
vollends an die Tafel hin! Denn die ganze Gestalt habt ihr jetzt schon
gesehen. Daher wollen wir die Farbe, mittelst welcher diese Figur an die
Tafel aufgetragen ist, ein wenig näher untersuchend beschauen. [HiG.01_41.03.25.a,08] Nun, jetzt sind wir an der Tafel! –
Seht, diese klafterbreite, schimmernde Fläche ist ein Teil des Fußes dieser
ganzen Gestalt. Sehet nur recht nahe hin und saget Mir, was ihr darauf
entdecket! – Seht nur recht genau! – Nicht wahr, ihr entdecket nichts als
lauter nahe aneinandergereihte, kleine, schimmernde Kügelchen! – Ihr wisset
ja, daß dieses Bild kein gemaltes ist, sondern nur ein Lichtbild eines
äußeren Gegenstandes. [HiG.01_41.03.25.a,09] Was meint ihr wohl, was diese
Kügelchen in der Wirklichkeit sind? – Sehet, Ich will euch nicht lange
herumraten lassen! Aber wenn ihr meinet, daß diese Kügelchen etwa Abbilder
sind von entfernten Sonnen, Planeten, Monden und Kometen, höret, da müßte Ich
euch wohl sagen: Kinderchen! Urteilet nicht zu vorschnell, sonst möchtet ihr
euch gar gewaltig irren! Jedoch bevor Ich euch das Wesen dieser kleinwinzigen
Kügelchen enthülle, bemühet euch, auf einem linsengroßen Flecke diese
Kügelchen zu zählen! [HiG.01_41.03.25.a,10] Nun, seid ihr schon fertig? – Ja,
ja, Ich sehe schon, ihr werdet damit nicht leichtlich fertig. Denn es ist
eine für euch kaum aussprechbare Zahl solcher Schimmerpünktchen auf dieser
linsengroßen Fläche vorhanden, und es möchten ihrer wohl mehr als eine
Trillion sein. Und da ihr euch so ein wenig vertraut gemacht habet mit der
„Farbe“, so sage ich euch, wovon ein solches Pünktchen eigentlich ein Abbild
ist. Wie schon gesagt, nicht etwa von einer Sonne oder von einem anderartigen
Weltkörper, sondern: ein jedes solches Pünktchen oder, wie es sich euren
geistigen Augen darstellt, Kügelchen, ist nichts mehr und nichts weniger als
das Abbild einer Hülsenglobe. – Was es aber mit der „Hülsenglobe“ für eine
Bewandtnis hat, brauche Ich euch nicht mehr zu erklären. [HiG.01_41.03.25.a,11] Nun treten wir wieder ein wenig
zurück und schauen uns wieder die ganze Figur an! – Sehet, wie es ist eine
vollendete Menschengestalt! – Und da ihr nun diese Figur hinreichend
beschauet habt, so sage Ich euch. Diese Figur stellet aus und nach Meiner
ewigen Ordnung das Universum dar und ist in seiner Art von niemandem außer
Mir in der Wirklichkeit also erschaulich. Auch hat dieses Bild, wie ihr es
jetzt erschauet habt, noch nie ein geschaffener Geist gesehen. [HiG.01_41.03.25.a,12] Aber Ich sehe schon wieder, was in
euch steckt. Ihr möchtet wohl gerne eure Erde in diesem Menschen erblicken. –
Solches euch zu zeigen, kann wohl nicht sein, solange die ganze Figur auf der
Tafel pranget. Aber wartet ein wenig! Denn sehet, Ich bin ein sehr guter
Optiker! Daher will Ich in unserer Camera erst eine kleine optische
Veränderung vornehmen, nach welcher von dieser ganzen Figur nichts als nur
ein einziges, leuchtendes Pünktchen zurückbleiben wird. [HiG.01_41.03.25.a,13] Nun sehet, die Figur ist verschwunden;
es ist bereits alles in der Ordnung! Treten wir jetzt nur wieder der Tafel
näher und suchen unser Pünktchen auf! – Nun, habt ihr es schon gefunden? –
Eines allein gibt freilich nicht viel Licht; aber strenget eure Sehe nur an,
ihr werdet es schon finden. [HiG.01_41.03.25.a,14] Ihr müsset nicht hinaufschauen auf
die hohe, weitgedehnte Tafel, sondern da ganz zuunterst sehet hin, da ihr
früher den linken Fuß der ganzen Figur gesehen habt, und da zwar am äußersten
Ballen der kleinen Zehe! – Dieses Kügelchen ist diejenige Hülsenglobe,
innerhalb welcher sich auch eure Erde befindet. [HiG.01_41.03.25.a,15] Damit wir aber zu unserer Erde
gelangen können, werde Ich denn schon auch wieder mit Meinem „Epheta!“ über
das Schimmerpünktchen kommen müssen. – Und so spreche Ich denn „Epheta!“ –
Nun sehet, wie dieses Kügelchen auseinandergegangen ist und nun beinahe die
ganze große, runde Gestalt der Tafel einnimmt. [HiG.01_41.03.25.a,16] Sehet die zahllosen leuchtenden
Pünktchen nun wieder durcheinander schimmern! Suchet nun euch eure Erde
heraus! – Nicht wahr, ihr möget sie nicht finden aus der großen Anzahl dieser
Schimmerpünktchen heraus! – Ja, Ich sage euch, ihr würdet euch auch
vergebliche Mühe machen! Denn diese Pünktchen, die ihr da sehet, sind schon
wieder keine Sonnen, sondern sind ganze Sonnenwelten-Gebiete. [HiG.01_41.03.25.a,17] Daher werde Ich nun wieder ein
Pünktchen, und zwar das rechte, heraussuchen und alles übrige auslösen von
der großen Tafel! Nun, da ist das erwählte Pünktchen! Und damit wir schneller
zum Ziele gelangen, sage Ich alsogleich wieder Mein „Epheta!“ [HiG.01_41.03.25.a,18] Nun sehet, unsere Tafel ist schon
wieder voll neuer leuchtender Pünktchen. Allein diese leuchtenden Pünktchen
sind auch wieder keine Sonnen, sondern sind lauter Sonnenwelten-Alle! Daher
wird es mit der Auffindung der Erde sich auch hier nicht tun. [HiG.01_41.03.25.a,19] Und so will Ich aus diesen Pünktchen
auch wieder das rechte erwählen und alles übrige von der Tafel löschen! –
Nun, da ist das Pünktchen! – Sehet, wie es einsam, matt schimmert auf der
großen Fläche! – Aber nun Mein „Epheta“ – Und das Pünktchen soll gleich eine
größere Ausdehnung bekommen! Darum: „Epheta!“ [HiG.01_41.03.25.a,20] Nun sehet, unsere Tafel ist denn
schon wieder voll von lauter glänzenden Pünktchen! – Möchtet ihr euch da
nicht die Erde heraussuchen aus all diesen trillionenmal trillionen
Pünktchen? – Allein Ich muß euch auch hier schon wieder sagen: Gebet euch
keine Mühe! Denn auch diese Pünktchen sind noch keine Sonnen, sondern
einzelne Sonnengebiete und sind das, was ihr unter einem sogenannten
Sternen-Nebel begreifet. [HiG.01_41.03.25.a,21] Allein damit wir schneller zum Ziele
gelangen, will Ich auch da das rechte Pünktchen erwählen und alles übrige von
der Tafel löschen und zugleich das „Epheta!“ hinzufügen. [HiG.01_41.03.25.a,22] Nun sehet hin auf die Tafel! – Nicht
wahr, ihr sehet eine Schimmergrießwolke, die sich horizontal über die ganze
Tafel verbreitet und siebenmal so lang als breit ist. Nun sehet, da hübsch
gegen die Mitte wollen wir uns wieder ein solches Schimmergrießpünktchen
wählen und alles übrige wieder auslöschen von der Tafel. – Nun, es ist schon
alles wieder geschehen, wie ihr sehet, und Mein „Epheta!“ gebe diesem
Pünktchen wieder seine rechte Gestaltung! [HiG.01_41.03.25.a,23] Nun sehet recht genau hin! Jetzt
werdet ihr euch wohl schon auskennen. – Sehet, da in der Mitte ein
leuchtendes, linsengroßes Scheibchen! – Es ist das Bild eurer Sonne! – Und
seht nun genauer hin! Der dritte, matt schimmernde Punkt von der Sonne auf der
linken Seite etwas abwärts ist eure Erde! [HiG.01_41.03.25.a,24] Ich brauche euch nun dieses Bild nur
ein wenig zu vergrößern, und ihr werdet eure Erde sogleich erkennen! – Und so
tue du Erdenpunkt dich auf, auf daß Meine Beschauer erkennen mögen! – Und sehet,
wie nun dieser Punkt sich allmählich ausdehnt! Und nun hat er denjenigen
Durchmesser erreicht, der da hinreichend genügt, euer naturmäßiges,
schmutziges Wohnhaus zu erkennen. [HiG.01_41.03.25.a,25] Da wir nun jetzt alles gesehen
haben, so kehren wir wieder zu unserem „verlorenen Sohne“ zurück! – Sehet hin
auf die Tafel! Schon wieder prangt unsere erste Figur auf derselben. Aber
sehet, jetzt wird diese Gestalt kleiner und kleiner! Und sehet, jetzt hat sie
nur kaum noch die Größe eines Kindes! Und sehet abermals hin, nun ist auch
dieses Kind zu einem Punkte zusammengeschmolzen! – Aber sehet, auf der
rechten Seite der Tafel fängt ein anderes großes Menschenbild an aufzutreten!
– Nun ist es in der Mitte der Tafel! – Und unter seinem linken Fuße entdecket
ihr noch das soeben eingegangene Pünktchen, welches da nun ist im rechten
Verhältnisse seiner Größe zur Größe dieses neuen Bildes. [HiG.01_41.03.25.a,26] Was meinet ihr wohl, was dieses neue
Bild vorstellt? – Ihr, die ihr mehr oder weniger den großen (Schöpfungs-)Menschen
in den Schriften Swedenborgs habt kennengelernt, werdet euch vielleicht
denken, das sei dieser größte Mensch. Ich aber sage euch: Weit fehl
geschossen! Dieser Mensch, den ihr da sehet, ist nichts mehr und nichts
weniger als der sich selbst wieder gefundene „verlorene Sohn“, der sich in
jedem einzelnen wiedergeborenen Menschen wiedergefunden hat! Oder mit
anderen, euch leichter verständlichen Worten gesagt: Das ist ein
Allergeringster in Meinem neuen Reiche! Und es ist hier in diesem Bilde euch
ein gerechtes Verhältnis dargestellt und euch das vollkommene Maß eines
Menschen gezeigt, welches unendlichmal erhabener ist denn das ganze, euch
durch die frühere Zergliederung gezeigte endlos scheinende Universum in der
Gestalt des „verlorenen Sohnes“! [HiG.01_41.03.25.a,27] Wenn ihr nun dieses Bild ein wenig
beherziget, so dürftet ihr auch schon ein wenig zu begreifen anfangen, was es
mit der „Rückkehr des verlorenen Sohnes“ für eine Bewandtnis hat. [HiG.01_41.03.25.a,28] Ihr müsset euch nicht etwa denken,
dieser euch in der „elften Stunde“ bekanntgegebene gefallene Luzifer wird als
Ganzer wieder zurückkehren. – Wenn solches möglich gewesen wäre, wahrlich, es
hätte nie eine materielle Schöpfung stattgefunden; sondern: [HiG.01_41.03.25.a,29] In einem jeden einzelnen Menschen,
der nach Meinen Worten lebt und wiedergeboren wird durch das Wort und durch
die Erlösung, wird dieser Verlorene wiedergefunden und zurückkehren in das
große Vaterhaus! [HiG.01_41.03.25.a,30] Ich sage euch nicht umsonst: in das
große Vaterhaus. Denn für so groß gewordene Menschen muß auch ein gar großes
Haus bereitet sein, allda sie werden Wohnung nehmen können wieder bei ihrem
Vater. [HiG.01_41.03.25.a,31] Daß es aber also ist, könnet ihr aus
all dem Vorhergegangenen ja klar und deutlich abnehmen. Denn leidet nicht bei
den allgemeinen Drangsalen ein jeder Mensch in sich selbst und wird nicht
jeder geschlagen für seine eigene Person? – Es gelten aber alle diese Schläge
einem und demselben „verlorenen Sohne“. [HiG.01_41.03.25.a,32] So aber ein Mensch geschlagen wird,
ist es nicht also, daß nur er als der Geschlagene den Schmerz empfindet,
während der Ungeschlagene oft genug nur zu schmerzlos zusieht? Oder so da
mißhandelt wird eine ganze Nation in einem andern Weltteile, saget, ob ihr je
einen Peitschenhieb auf eurer Haut wahrgenommen habt? So aber jemand stirbt,
stirbt er für sich oder für andere? Oder könnet ihr behaupten, daß je jemand
für einen anderen zur Welt geboren worden ist? Oder gilt Meine Erlösung und
Mein Wort nicht ebensogut einem jeden Menschen einzeln für sich wie für ganze
Völker? Und kann nicht jeder Mensch für sich Mich mit seiner Liebe und dem
lebendigen Glauben daraus völlig aufnehmen, daß Ich in ihm und er in Mir
wohne? [HiG.01_41.03.25.a,33] Wenn ihr nun alles dieses betrachtet,
könnet ihr nach dem allem nur die entfernteste Behauptung aufstellen, Ich sei
in einem Menschen weniger denn in allen zusammen? [HiG.01_41.03.25.a,34] So aber Ich mit einem Menschen eins
geworden bin und er mit Mir, saget, was gehet da noch ab von der
Wiederfindung des „verlorenen Sohnes“ in einem einzelnen Menschen? [HiG.01_41.03.25.a,35] Hat der nicht alles empfangen und in
sich aufgenommen, der Mich aufgenommen hat? – Wahrlich, ein jeder Mensch, der
mit Mir eins geworden ist, ist mehr, ja Ich sage, unendlich mehr, als der
große Luzifer je war in seiner euch auf natürlichem Wege unbegreiflichen
Größe! [HiG.01_41.03.25.a,36] Sehet, unter diesem „verlorenen
Sohne“, der da Luzifer heißt, wird demnach auch jeder einzelne Mensch für
sich verstanden. Und so ein ganzes Volk mit Mir eins geworden ist, wird
dieses ganze Volk ebenfalls nur ein Mensch mit Mir. Und alle Menschen, die je
auf der Erde gelebt haben und noch leben werden, wenn sie eins geworden sind
mit Mir, so werden auch sie nur sein ein Mensch in Mir. Das heißt, sie alle
wird beseelen und beleben ein und derselbe Heilige Geist aller Liebe, aller
Wahrheit und aller Macht und Kraft. Und es werden nicht sein viele mehr denn
einer, und einer weniger denn viele. – sondern alle werden sein vollkommen
eins in Mir. Und es werden nicht haben viele mehr Macht und Kraft denn einer,
und einer nicht weniger denn viele – sondern alle werden leben wie einer aus
derselben Kraft und Macht des Heiligen Geistes aller Liebe und aller Wahrheit
aus Mir! Die „Lumpen“ des verlorenen
Sohnes. – 25. März 1841 (Fortsetzung)
[HiG.01_41.03.25.b,01] Ihr habt gehört, daß die Lumpen des
„verlorenen Sohnes“ von den Winden zerstreuet wurden wie Spreu und die
übriggebliebenen aber wurden ihm ausgezogen und verbrannt. – Wisset ihr, was
unter diesen „Lumpen“ zu verstehen ist? [HiG.01_41.03.25.b,02] Es ist darunter nichts anderes zu
verstehen, als der eingegangene, frühere Universalmensch auf unserer Tafel.
Denn durch die Gewinnung eines jeden einzelnen Menschen ist das Edle, von Mir
Ausgehende, oder „Mein verlorener Sohn“ wiedergewonnen. Die „Lumpen“ oder das
eigentliche Erzböse aber wird verworfen werden in das Feuer, daraus es
eigentlich hervorgegangen ist. Es ist aber dieses Feuer dasjenige in der
Gottheit, aus welchem alle Dinge ihr materielles Dasein haben. [HiG.01_41.03.25.b,03] Wer somit sich an die Welt hängt und
klebet an der Materie, der klebet an den „Lumpen“ des verlorenen Sohnes! –
Wie aber alle Materie euch ihre große Feuerverwandtschaft zeigt, so gilt
dasselbe auch von den Lumpen an den Lenden des verlorenen Sohnes. [HiG.01_41.03.25.b,04] So aber wird es geschehen: Damit
Gott wieder werde ein freier Gott, in dem keine Materie mehr wallet, so wird
das Feuer- oder Zornverwandte wieder dahin zurückkehren müssen, woher es als
das, was es ist, gekommen ist. Und es wird gerade also geschehen, wie wenn
ihr an eurem Leibe habt irgendeine Verhärtung und leget da heiße Umschläge
auf, damit sie wieder erweichet werde – also auch wird Mein ewiges Feuer
diese erzböse Verhärtung in ihrer Allheit erfassen, um sie dadurch wieder
seinem eigenen Wesen selbst zu assimilieren. [HiG.01_41.03.25.b,05] Es ist noch eine Frage in euch
vorhanden, ob diejenigen Wesen, die unter den „Lumpen“ verstanden werden,
auch ein fortwährendes Selbstbewußtsein haben werden oder nicht? – Ich aber
sage euch: Diese Frage beantwortet sich schon beinahe von selbst, da ihr doch
unmöglich annehmen könnt, daß es in der Gottheit irgendeinen seiner selbst
unbewußten Punkt geben sollte. [HiG.01_41.03.25.b,06] Aber ob dieses
Seiner-selbst-Bewußtsein ein leidendes ist oder nicht – sehet, das ist eine
andere Frage! Um aber diese richtig zu verstehen, müßt ihr zuvor begreifen,
daß jedes Bestreben, sich selbst zu finden, ein gewisses Leiden in sich
selbst notwendig begreifen muß. Nur kommt es darauf an, ob dieses Leiden ein
schmerzliches oder ein wohltuendes ist. [HiG.01_41.03.25.b,07] Wenn dieses Leiden darin besteht,
daß sich das Wesen in sich selbst immerwährend ergreift und durch dieses
Ergreifen sich zur Einheit immerwährend zu bilden bemüht ist, dann ist ein
solches Leiden ein höchst wohltuendes und die Empfindung aus dem klarsten
Selbstbewußtsein eine höchst beseligende. [HiG.01_41.03.25.b,08] Wenn aber das Leiden oder die
selbstbewußte Empfindung eines Wesens in sich ein zerreißendes und
zerstörendes ist, dann ist es auch ein höchst schmerzliches. Das könnt ihr ja
auch aus der Natur sehr leicht abnehmen, wenn ihr nur je irgendeine
entzündliche Krankheit beobachtet habt, welche in nichts anderem besteht, als
daß sich gewisse Teile im Körper mehr und mehr auszudehnen anfangen. Je
heftiger ein solcher Akt vor sich geht, desto schmerzlicher wird er. – Aus
allem diesem geht hervor, daß der sich selbst bewußte, wesenhafte Zustand des
feuerverwandten Erzbösen eben auch ein höchst leidend-schmerzlicher sein muß. [HiG.01_41.03.25.b,09] Ihr werdet nun vielleicht meinen,
daß die Gottheit dadurch gewisserart in Ihrem Zornteile Selbst immerwährend
höchst schmerzlich leidend sein müsse. Allein es ist dem nicht also! Sondern
es ist geradeso, als wenn Speisen in eurem Magen verkocht werden; da bersten
auch die Hülschen der zu sich genommenen Nahrung, getrieben durch das Feuer
des Magens. Aber fraget euch selbst, ob im natürlichen Zustande dieser
schauerliche Zerstörungsprozeß im Feuer eures Magens euch je geschmerzt hat? [HiG.01_41.03.25.b,10] Jedoch, da Ich euch schon so weit
geführt habe, so will Ich euch bei dieser Gelegenheit einen bisher noch nie
ausgesprochenen Wink geben! Wollet ihr die Endursache solchen Zustandes aller
weltlich-materiellen Erzbosheit erschauen, so blicket in euren Magen, und
sehet alldort zu, was da mit der in sich genommenen Speise geschieht, wie und
warum – so werdet ihr eine große Strecke Meiner Wege erschauen, was da
geschehen wird. Jedoch die Zeit steht nicht geschrieben in eurem Magen, und
es genügt euch, daß Ich euch gezeigt habe den Zweck. [HiG.01_41.03.25.b,11] Nun sehet, liebe Kinder! Das ist
alles, was euch gegeben werden kann, und das ist auch alles, was ihr zu
ertragen vermöget. Mehr brauchet ihr nicht zu wissen, sondern beachtet dieses
von Punkt zu Punkt, und das zwar von der euch gegebenen ersten bis zur
letzten Stunde! Durchwandert auf diesem Wege die ganze Erde in euch und
findet auf diese Art in euch selbst – den „verlorenen Sohn“! [HiG.01_41.03.25.b,12] Tuet dasselbe, was dieser getan hat
und noch immer tut in jedem einzelnen Sünder, der nach Meinem Reiche
trachtet. Lasset in der inneren Kammer eures Geistes auf der Tafel eurer
Weltbegierden mit der Welt das geschehen, was ihr zuletzt auf der euch gezeigten
Tafel mit dem Universalmenschen sahet – so wird in einem jeden von euch der
„verlorene Sohn“ wiedergefunden werden und wird sein Verhältnis werden, wie
Ich es euch gezeigt habe, da ein anderer Mensch an die Stelle des früheren,
auf einen Punkt zusammengeflossenen getreten ist. [HiG.01_41.03.25.b,13] Dann erst werdet ihr als
Wiedergefundene die große Wahrheit des euch in diesen „zwölf Stunden“
Gegebenen in euch selbst im hellsten Lichte erschauen und erkennen. [HiG.01_41.03.25.b,14] Und da, wie früher gesagt wurde,
alle Menschen zusammen einen Menschen ausmachen, wie einer alle – so suchet
denn auch all das Übel in euch! Und habt ihr es gefunden und mit Meiner
kräftigen Beihilfe aus euch geschafft, da werde Ich, als euer heiliger Vater,
der Ich schon über den halben Weg euch entgegengekommen bin, vollends zu euch
kommen, euch gänzlich von euren „Lumpen“ befreien und dann aufnehmen in das
große Vaterhaus Meiner ewigen Liebe! [HiG.01_41.03.25.b,15] Schließlich mache Ich euch nur noch
darauf aufmerksam, daß Ich derzeit nicht nur euch, sondern auch schon vielen
anderen „verlorenen Söhnen“ entgegengekommen bin. [HiG.01_41.03.25.b,16] Merket aber vorzugsweise auf Meine
Ankunft in euch selbst und kümmert euch weniger um die allgemeine! Was ihr
fürs allgemeine empfindet, das traget Mir betend in eurem Herzen vor! Um
alles andere kümmert euch nicht! Denn das große Wann, Wie und Warum ist in
den besten Händen wohlverwahrt! Das sage Ich, euer großer, heiliger,
liebevollster Vater. Amen. Schneckenhaus, Rosendorn, Puppe,
Vogelnest. – Fragen im geistigen Lichte. – 27. März 1841
[HiG.01_41.03.27] Die vier Töchter Anselm Hüttenbrenners
stellten je eine Frage mit der Bitte um Beantwortung durch den Knecht Jakob
Lorber. [HiG.01_41.03.27] Es fragte Marie: „Was bekundet uns ein
Schneckenhaus?“ – Wilhelmine: „Was bedeuten die Dornen der Rose?“ – Pauline:
„Was lehrt und die Puppe eines Schmetterlings?“ – Julie: „Was besagt uns ein
Vogelnest?“ [HiG.01_41.03.27] Schreibende: Die vier Töchter und deren
Vater Ans. H. – Der Herr antwortete gnädigst durch Seinen Knecht Jakob Lorber
wie folgt: [HiG.01_41.03.27,01] Diese vier Fragen, liebe Kinder, sind
zu vergleichen dem Tun eines Menschen, der sich bei einer großen Schatzkammer
befand und dem frei gestattet war, sich aus den vielen Schätzen, welche die
Kammer umschloß, nach seinem Belieben vier Stücke zu wählen. Da er ganz
geblendet war von der großen Pracht dieser Schätze, so wurde er endlich
zweifelhaft in seiner Wahl und wußte nicht, wonach er greifen solle. – Es
verstrich aber mittlerweilen die Zeit der offenen Schatzkammerspende; und der
unschlüssige Tor, nun noch mehr verwirrt durch die herbeigekommene Sperre,
mußte endlich in der plötzlichen Übereilung, um nicht leer aus der Kammer zu
gehen, nach dem nächsten besten greifen. [HiG.01_41.03.27,02] Als er aber ins Freie gelangte, da zog
er seinen Schatzkammertribut hervor und besah denselben. Aber wie gar große
Augen machte nun der verblüffte Tor, als er statt des vermeintlichen Goldes,
Silbers und Edelgesteins und anderer Kostbarkeiten – vier halbverweste
Totengerippe in seiner Hand erblickte! [HiG.01_41.03.27,03] Nun sehet, Meine lieben Kinder, eine
solche „Schatzkammer“ steht euch tagtäglich offen, und ihr könnet euch daraus
nehmen, was und wieviel ihr wollt! Wie ist es denn aber mit euch, daß ihr
gleich diesem Menschen nicht nach dem Golde, Silber, Edelsteinen und anderen
Kostbarkeiten greifet, sondern nach Dingen, die da nicht viel fetter sind,
als die erwähnten Totengerippe!? [HiG.01_41.03.27,04] So habt ihr heute fürs erste ein „Schneckenhaus“
genommen! – Was hat euch denn die lebendige Schnecke getan, daß ihr sie aus
dem Hause verbannt habt? – Ebenso habt ihr den „Dorn einer Rose“ gebracht! –
Was hat euch denn der ganze Rosenstrauch getan, daß ihr von ihm gerade das
genommen habt, worin kein Leben und keine Fortpflanzung waltet. – So habt ihr
auch eine „Puppe“ genommen! – Da hättet ihr zuerst nach einer lebendigen
Raupe greifen sollen! Denn die Puppe ist ein Grab der Raupe. – Und endlich
seid ihr gar gekommen mit einem überaus toten „Vogelneste“! – Warum habt ihr
denn nicht lieber den Vogel aus dem Neste genommen, da er ein beseeltes Wesen
ist, statt des toten Nestes!? [HiG.01_41.03.27,05] Was würdet ihr wohl dazu sagen, wenn
Ich diese vier toten Dinge beleben möchte und daraus dann entstünden lebende
Schneckenhäuser, sich fortpflanzende Dornen, herumhüpfende Puppen und
herumfliegende Vogelnester!? [HiG.01_41.03.27,06] Saget, würde das euch nicht vorkommen,
wie ein fahrender Wagen, der sich da fortbewegt, aber statt daß ihn lebendige
Pferde zögen, schleppt er hinter sich zwei tote Pferde!? – Oder was würdet
ihr sagen, so ihr einen Baum antreffen möchtet, der da mit dem Gipfel in der
Erde steckte und seine Wurzeln in die Luft reichete – und statt daß er
Früchte trüge, hingen an den Wurzeln ausgedörrte Dornen!? – Oder was würdet
ihr sagen, so ihr einen Koch antreffen würdet, der seine Töpfe, statt mit den
Speisen, mit mattglühenden Kohlen anfüllte und an der Stelle des Feuers aber
allerlei eßbare Dinge aufhäufte!? – Oder was möchtet ihr sagen, wenn beim Bau
einer Brücke über ein Wasser die Bauleute die Jochstöcke nach aufwärts
richten, den Steig der Brücke aber ins Wasser legen würden!? [HiG.01_41.03.27,07] Sehet, liebe Kinder, wie alle diese
euch vorgeführten Verkehrtheiten – geradeso verhalten sich eure heutigen vier
Fragedinge, welche, wenn Ich sie beleben würde, für euer Herz sich nicht viel
besser ausnehmen würden als der erwähnte Wagen, Baum, Koch und die Brücke
unter dem Wasser. [HiG.01_41.03.27,08] Aber da ihr diese Dinge nun einmal zum
Vorschein gebracht habt, so will Ich denn für euch dessenungeachtet noch
etwas daraus machen und euch zeigen, warum ihr für diesmal keinen besseren
Griff gemacht habt. [HiG.01_41.03.27,09] Nun sehet, was Ich für „rare Dinge“
für euch daraus machen werde! – Werden diese Dinge euch auch ein wenig
sonderbar vorkommen, so denket, daß Ich für diesen gegenwärtigen Augenblick
nichts anderes daraus habe zuwegebringen können, das euch mehr frommen
möchte. [HiG.01_41.03.27,10] Sehet, aus dem „Schneckenhause“ habe
Ich euch auf eine künstliche Weise ein recht niedliches Spiegelchen gemacht!
– In diesem Spiegelchen sollte sich die Fragestellerin des Tages öfter
besehen, und sie wird nach und nach darinnen erkennen, daß ein Mensch, der
nur nach eitlen, weltlichen Dingen trachtet, gar wohl gleichet einem solchen
leeren Schneckenhause, das da seinen lebendigen Einwohner aufgezehrt und
verloren hat, weil eben dieser innere Einwohner sich selbst in das tote,
starre Haus (gewisserart sich selbst verzehrend) eingebaut hat. – Oder, damit
ihr es leichter verstehet, so sage Ich, daß sich die lebendige Schnecke so
nach und nach selbst zum Gehäuse gemacht hat; da nun aber das Gehäuse auf
diese Art zu groß und schwer geworden ist und der lebendige Rest der Schnecke
nicht mehr aus dem zu sehr vergrößerten Hause reichen konnte, die knapp
herausreichenden Teile auch nicht mehr die Kraft besaßen, sich nach
irgendeinem Nahrungsplane weiterzubewegen, so schrumpfte endlich auch noch
das wenige Leben bis auf den Grund des Gehäuses zurück und verzehrte sich
endlich selbst – d.h. es zog sich, modernd, bis auf einen Punkt zusammen,
welcher, als gänzlich erstorbenes Leben, sich an das tote Gehäuse anklebte. [HiG.01_41.03.27,11] Darum aber gabst du, Fragestellerin,
hier ein solches Ding zur Betrachtung, weil du deinem Äußeren nach noch
ziemlich viel Verwandtschaft mit demselben hast. Wirf daher das tote
„Scheckenhaus“, welches die äußerlichen Begehrlichkeiten darstellt, sobald
als möglich von dir, damit dir am Ende nicht das Los der Schnecke zuteil
wird! [HiG.01_41.03.27,12] Sehet, das ist das künstliche
Machwerk, welches Ich aus diesem „Schneckenhause“ euch habe bereiten können!
– Besehet euch alle darinnen, und handelt danach, so werdet ihr leben. [HiG.01_41.03.27,13] Was sollen wir aber aus dem „Dorne“
machen? – Etwas Kleines, das sich daraus machen ließe, würde euch wenig
fruchten; daher wollen wir diesem Dorne eine größere Ausdehnung geben und das
Machwerk dann als einen Blitzableiter auf ein Wohnhaus setzten, und so wird
dieses spitzige Gewächs, wie am Stauche, so nun, vergrößert, am Wohnhause
unter derselben Elektrizität saugenden Eigenschaft gelassen. [HiG.01_41.03.27,14] Betrachte du, Geberin, dich selbst als
ein solches Wohnhaus, darin ein lebendiger Einwohner hauset! Setze auf dieses
Haus diesen Ableiter, der da verfertigt ist aus einem vierfachen Metalle, als
da ist das Gold der Demut, das Silber der Bescheidenheit, das Eisen der Treue
und Beharrlichkeit und das Blei der Häuslichkeit – so wird dieser
blitzableitende Dorn dich bewahren vor dem Einschlagen des satanischen
Blitzes, der dein Wohnhaus mit allen bösen Leidenschaften entzünden würde, so
daß du dann leichtlich zugrunde gehen möchtest in den tödlichen Flammen
deiner entzündeten Leidenschaften. [HiG.01_41.03.27,15] Darum aber gabst du Mir den „Dorn“,
weil du, dir unbewußt, solche Not in dir empfunden hast. Ich sage darum:
unbewußt – weil dein „schlafender Einwohner“ dir solches, heimlich
schleichend, in den Mund gespielt hat. [HiG.01_41.03.27,16] Was soll Ich aber aus der toten „Puppe“
machen? – Ich sage euch zum voraus, es wird nicht viel Rares daraus zu machen
sein. Das Beste, das sich daraus noch machen läßt, wäre ein kleiner Sarg, und
so wollen wir denn auch dabei verbleiben. [HiG.01_41.03.27,17] Wozu ist wohl ein Sarg bestimmt? Nicht
wahr, zu nichts, als nur zur Aufnahme eines Toten! – Und was geschieht mit
dem Sarge samt den Toten? – Er wird begraben in die Gräber der Verwesung. [HiG.01_41.03.27,18] Was würdest du, Geberin, denn wohl
dazu sagen, wenn du Menschen sehen würdest, die statt des Kleides sich mit
einem Sarge umhüllen möchten! Würdest du nicht, von Angst ergriffen, halbtot
niedersinken zur Erde, besonders wenn dir zur Nachtzeit mit Särgen Bekleidete
begegnen möchten? Ich sage dir aber, die mit solchen Särgen Bekleideten könnten,
gleich dem Falter aus seiner Puppe, zum ewigen Leben erstehen. Aber es tragen
die gegenwärtigen Modepuppen viel ärgere Särge um ihren Leib gehangen, aus
welchem schwerlich je ein glänzender Falter zum ewigen Leben erstehen wird.
Denn dieser Kleidersarg macht den Leib zu einem Modergrabe, in welchem das
Leben von den Würmern der Eigenliebe, Eitelkeit, des Stolzes und der Hoffart
bis auf den letzten Tropfen verzehret wird. [HiG.01_41.03.27,19] Darum aber gabst du diese „Puppe“ Mir,
weil dein Inneres, das du noch nicht ahnest, von einer solchen Not bedrückt
wird! – Daher kleide dich lieber mit dem Kleide der Demut, tiefer
Bescheidenheit und großer, beharrlicher Empfänglichkeit für alles Liebegute
und Glaubenswahre, so wird aus deiner „Puppe“ einst auch ein herrlicher
Falter zum Leben erstehen. [HiG.01_41.03.27,20] Nun hätten wir noch das „Vogelnest“ –
Denket euch, wozu das Vogelnest ist, wenn der Bewohner ausgeflogen ist und
dasselbe allen Winden preisgegeben hat, weil er darinnen keine Sicherheit,
keinen Schutz, keine Wärme und keine Nahrung mehr findet! – Ihr werdet sagen:
„Es ist zu nichts mehr nütze!“ – Und Ich sage: Ihr habt recht geantwortet! –
Daher kann auch Ich für diesmal aus diesem Neste nichts mehr machen, gleich
wie Ich aus einem Menschen nichts mehr machen kann, wenn er vermöge seiner
Gewissenlosigkeit es so weit gebracht hat, daß Meine „Himmelsvögel“, welche
gleichsam die Stimme des Gewissens im Menschen sind, aus dem inneren „Neste
der Liebe“, welches im Herzen erbauet ward, ausgeflogen sind. [HiG.01_41.03.27,21] Dieses Nest wird dann auch den bösen
Winden preisgegeben werden. – Wollt ihr aber wissen, wie diese „Winde“
heißen, so will Ich sie euch sagen. Der erste Wind heißt Leichtsinn. Der
zweite Wind heißt die Lauheit zu allem Ernsten, Wahren, Guten und daraus
Schönen. Der dritte Wind ist die daraus hervorgehende selbstgefällige und
wohlbehagliche Trägheit. Und der vierte Wind ist dann endlich das Versinken
in allerlei irre und wirre Welttümlichkeiten und endlich daraus in die
gänzliche Vergessenheit Gottes. – Darum sehet wohl zu, daß euer Nest nicht
verlassen wird, sonst werdet ihr selbst zu einem solchen verlassenen
„Vogelneste“ werden und sein Los unter den bösen Winden erfahren. [HiG.01_41.03.27,22] Darum aber gab die vierte ein solches totes
Ding, weil die noch innehaltenden (Himmels-)Vögel es ihr zur Warnung auf die
Zunge gelegt haben! [HiG.01_41.03.27,23] Sehet, liebe Kinder, so habt ihr Mir
heute unbewußt eure Krankheiten vorgetragen! Ich habe euch daraus
wohlwirkende Arzneien bereitet. Gebrauchet sie nach Meiner väterlichen,
liebevollsten Anordnung, so werdet ihr auf eine wunderbare Art eure toten
Schneckenhäuser wieder beleben, den toten Dorn zu einem Lebenssauger machen,
aus der toten Puppe eine neue Herrlichkeit hervorbrechen sehen und in eurem
Neste wird der innewohnende Vogel Phönix zu einem neuen und ewigen Leben
wiedergeboren werden und wird dasselbe dann nimmer verlassen. Denn er selbst
wird aus demselben, verherrlicht, zum ewigen Leben hervorgehen. Amen. [HiG.01_41.03.27,24] Merket wohl, Wer euch dieses alles
gesagt hat! – Höret, es ist euer wahrer Vater, heilig, heilig, heilig! Amen. Leiden des Herrn, Fasten, Armut,
Liebe. – Vier Fragen im geistigen Lichte. – 9. April 1841
[HiG.01_41.04.09] Schreibende: Ans. H. und seine vier
Töchter. – Über die vorgenannten Gegenstände bekundete der Herr durch Seinen
Knecht allergnädigst Nachfolgendes: [HiG.01_41.04.09,01] Wenn ihr also fraget, so fraget ihr
recht! Denn in solchen Fragen liegt dasjenige zugrunde, was jedem Menschen am
meisten not tut. [HiG.01_41.04.09,02] Ihr habt zwar ein leichtes Anliegen
nicht in der Form einer Frage gegeben, dessenungeachtet sind die gegebenen
Worte nichts als Fragen aus eurem Herzen, deren sonderheitliche Beantwortung
euch jetzt gegeben wird. Die große Antwort aber wird euch erst dann, wenn ihr
sie durch die Beachtung der sonderheitlichen in euch finden werdet. Das
heißt, die sonderheitliche Beantwortung ist ein Wegweiser, der euch zeigt,
wie das menschliche Leben beschaffen sein soll im Geiste und in der Wahrheit,
voll Liebe und lebendigen Glaubens, um durch dieses Leben dann sicher
gelangen zu können zum inneren Leben des Geistes und endlich durch dieses
erst zu Mir. – Wer aber zu Mir gelangen wird, der wird dadurch auch gelangen
zur allgemeinen Beantwortung nicht nur dieser von euch gegebenen Fragen,
sondern auch jener unendlichen, die in diesen vieren enthalten sind. [HiG.01_41.04.09,03] Denn wahrlich, verstündet ihr in eurem
Herzen das große Geheimnis Meines Leidens, alle Engel des Himmels würden
ehrfurchtvoll und in allerhöchster Freude ewig zu euch in die Schule gehen
und allezeit nach beendigter Schulzeit mit unermeßlichen Wundern bereichert
zurückkehren. [HiG.01_41.04.09,04] Verstündet ihr in euren Herzen gerecht
zu fasten, wahrlich, ihr möchtet nimmer darnach fragen! Denn durch solches
Fasten wäre Ich euch schon lange ein sichtbarer Vater geworden, allda Ich
euch dann mit dem leisesten Hauche mehr geben könnte, denn sonst mit tausend
Worten. [HiG.01_41.04.09,05] Verstündet ihr in euren Herzen, was die
wahre Armut ist, wahrlich, schon jetzt wäret ihr reicher als manche Fürsten
des Himmels. Denn es liegt in der wahren Armut ein gar großer Schatz, welcher
mit keinem irdischen Maßstabe zu ermessen ist! Die wahre Armut ist es, die da
ewig gespeist wird mit Meinem Worte – wie ihr ja auch leset, daß das
Evangelium den Armen gepredigt werden soll. Auch wird die wahre Armut
verstanden also, daß sie gleich ist den „Hungrigen“ und „Durstigen“, die da
ebenfalls aus Meinen Worten vollauf gesättigt werden. [HiG.01_41.04.09,06] Und endlich verstündet ihr erst in
eurem Herzen die Liebe, wahrlich, da wäre an euch erfüllet die große
Forderung, die Ich an Meine Apostel gerichtet habe, da Ich zu ihnen sagte:
„Seid vollkommen, wie euer Vater in den Himmeln vollkommen ist!“ – Liebe
Kinder! Was meinet ihr wohl, was diese Anforderung besagt? – Sehet, diese
Anforderung besagt nichts mehr und nichts weniger, als bloß die ziemlich
große „Kleinigkeit“, daß der Mensch vollkommen Mir in allem gleichen solle! –
So ihr euch nur einen allerleisesten Begriff von Meiner Größe, Macht und
Kraft und von allen Meinen unendlichen Vollkommenheiten machen könnet, so
werdet ihr euch ja wohl auch davon einen kleinen Begriff machen können, was
das heißen will, wenn Ich zu euch sage, daß auch ihr so vollkommen werden
sollet, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Denn wenn „der Sohn“ die
Seinen zu Miterben gemacht hat, auf daß Er vollkommen brüderlich teile das
große Erbe vom Vater, so will auch das nichts anderes sagen, als daß die
Seinen zu derselben Gerechtigkeit, zu derselben Macht und Kraft des Geistes
Gottes gelangen sollen, welche dem Sohne im Vater und dem Vater im Sohne von
Ewigkeit her innewohnt. [HiG.01_41.04.09,07] Bevor Ich euch jedoch alles dieses
noch etwas näher auseinandersetzen werde, wollen wir zur sonderheitlichen
Beantwortung eurer vier Hauptfragen zurückkehren. [HiG.01_41.04.09,08] Was Mein Leiden betrifft, so habe Ich
also gelitten an Meinem Leibe wie ein jeder andere Mensch, und zwar in
derselben Ordnung, wie ihr es leset in den Evangelien. Weil aber das
menschlich leidende Ich noch ein anderes, göttliches Ich in sich schloß, so
war dieses Leiden auch ein doppeltes, nämlich das äußere, leibliche, und das
innere, göttliche. [HiG.01_41.04.09,09] Worin das äußere Leiden bestand, wisset
ihr – aber worin das göttliche Leiden bestand, das ist eine andere Frage. –
Damit ihr euch davon einen Begriff machen könnet, so denket euch, was das
heißen will, wenn der unendliche Gott in dieser Leidensperiode Sich aus
Seiner unendlichen und ewigen Freiheit zurückzog und in dem Herzen des
leidenden „Sohnes“ Seine Wohnung nahm! [HiG.01_41.04.09,10] Nun sehet, Mein Äußeres wurde durch
die bitteren Leiden bis auf den Punkt des Todes gedrückt. Die im Herzen
sitzende Gottheit aber mußte den Tod und die Hölle von dem innersten Punkte
aus besiegen. Nun denket euch den leidenden Gottmenschen, der da nun gestellt
war zwischen zwei Feuer: Von außen her drückte Mich der Tod und die Hölle mit
all ihrer Gewalt so lange, bis Mein natürliches Leben bis zu dem innersten
Punkte Meines Herzens getrieben ward. Von innen aus aber wirkte diesem Drucke
die Gottheit mit all Ihrer unendlichen Macht und Kraft entgegen und ließ Sich
nur durch die Liebe selbst bis auf einen Punkt zusammentreiben. [HiG.01_41.04.09,11] Nun denket euch wieder: Dieselbe Macht
und dieselbe Kraft, welche mit einem Hauche alles, was da lebet und webet in
der ganzen Unendlichkeit, in einem Augenblick zerstören könnte, dieselbe
Macht und Kraft, die alle Ewigkeiten und Unendlichkeiten nicht erfassen,
welche die ganze unendliche Schöpfung aus Sich werden hieß – o höret! –
dieselbe Macht und Kraft in Ihrer vollsten Allheit hat Sich so weit aus ihrer
Unendlichkeit heraus, wie schon gesagt, auf einen Punkt beengen lassen, welche
Beengung die größte freiwillige Demütigung der Gottheit in Mir war! [HiG.01_41.04.09,12] Wenn ihr dieses nur ein wenig in eurem
Herzen zu fassen imstande seid, welchen leidenden Kampf Ich da als die Ewige
Liebe zu bestehen hatte, so werdet ihr euch wohl auch einen kleinen Begriff
machen können, was alles unter Meinem Leiden verstanden wird. [HiG.01_41.04.09,13] Dieses Leiden dauerte bis auf den
Punkt, da Ich am Kreuze ausrief: „Es ist vollbracht! Vater, in Deine Hände
empfehle Ich Meinen Geist!“ – oder mit andern Worten: „Siehe Vater! Deine
Liebe kommt zu Dir zurück!“ – Und sobald wurden von der unendlichen Macht
Gottes alle Bande des Todes und der Hölle zerrissen. Hinaus stürmte die ewige
Macht mit verunendlichfältigter Gewalt. Die ganze Erde bebte, angerührt von
der Allgewalt Gottes. Freiwillig öffnete sie ihre Gräber und trieb die
Gefangenen zum Leben hervor. [HiG.01_41.04.09,14] Und weiter drang dieselbe Allgewalt
über alle sichtbare Schöpfung hinaus, erfüllte in diesem Augenblicke die
Unendlichkeit wieder. Und alle Sonnen in allen endlosen Räumen zogen ihr
Licht aus übergroßer Ehrfurcht vor der sie neu berührenden Allgewalt Gottes
in sich zurück. Daß aber die Gottheit bei diesem neuen Austritte in diesem
Augenblicke nicht alles zerstört und vernichtet hat, war allein die Liebe
schuld, die da nun völlig wieder mit ihr vereinigt war. [HiG.01_41.04.09,15] Nun sehet, Meine lieben Kinder, das
ist, so viel ihr es fassen könnt, zu verstehen unter „Meinem Leiden“! –
Allein es liegt noch Unendliches darin verborgen, darin ihr Ewigkeiten genug
zu erforschen haben werdet, und das zwar immerwährend Größeres und
Unendlicheres. Denn was Ich euch jetzt gesagt habe, verhält sich zur Vollheit
geradeso wie ein Punkt zur Unendlichkeit. [HiG.01_41.04.09,16] Wenn ihr aber fastet, da fastet in der
wahren Verleugnung eurer selbst aus reiner Liebe zu Mir an allem, was die
Welt euch bietet, so werdet ihr durch solches gerechte Fasten zu dem „Brote
des Himmels“ gelangen. [HiG.01_41.04.09,17] Wie eine Braut an ihrem Hochzeitstage
alle ihre früheren Kleider auszieht, sich wäscht am ganzen Leibe, dann ihre
Brautkleider anzieht und sich schmückt mit allerlei Blumen und Edelsteinen,
auf daß sie dem Bräutigam wohlgefalle, so er kommt und sie führet in sein
Haus – ebenso sollet ihr durch das gerechte Fasten alle euere weltlichen
(Selbstliebe-)„Kleider“ ausziehen, euch waschen mit lebendigem Wasser und
anziehen dann Kleider der wahren (Gottes-)Liebe, der Unschuld und aller Demut
und euch schmücken mit allerlei Blumen und Edelsteinen aus den Werken der
(Nächsten-)Liebe! [HiG.01_41.04.09,18] Und wenn sodann der große Bräutigam
kommen und euch treffen wird also wohlbereitet, da wird auch Er tun, was von
dem bildlichen Bräutigam gesagt wurde. Und wenn ihr euch dann in dem Hause
des Bräutigams befinden werdet, da wird Er euch eine Schatzkammer auftun und
euch beschenken mit den unermeßlichen Schätzen des ewigen Lebens, welches da
ist eine Folge Meines bittern Leidens oder der Erlösung. [HiG.01_41.04.09,19] Und was das Fasten ist, das ist auch
die Armut. Denn wahrlich, wer nicht arm geworden ist an allem, was der „Welt“
ist, der wird nicht eher in Mein Reich eingehen, als bis er der Welt den
letzten Heller zurückgegeben hat. – Sehet, das ist also die wahre Armut im
Geiste und in der Wahrheit! [HiG.01_41.04.09,20] Daß da aber die freiwillige Armut
einen unendlichen Vorzug hat vor der genötigten, versteht sich so sehr von
selbst, daß eine nähere Erörterung darüber im höchsten Grade überflüssig
wäre. Denn es kann die genötigte Armut nur durch die gänzliche Ergebung in
Meinen Willen und in Meine Liebe der freiwilligen gleichkommen. [HiG.01_41.04.09,21] Nun aber fraget euch: Was ist das
Verhältnis einer Braut zu ihrem Bräutigam, für den sie keine Liebe hegt im
Herzen? Wird sie sich wohl auch so schmücken für die bewußte Stunde, da sie
weiß, daß der Verachtete kommen wird? Wird sie diese Stunde mit der großen
Sehnsucht ihres Herzens erwarten? – Ich sage euch: Mitnichten! Denn sie wird
diese Stunde in ihrem Herzen verwünschen und verfluchen. Sie wird sich nicht waschen,
sondern sich eher beschmieren mit allerlei Schmutz, und sie wird anbehalten
ihre Alltagskleider und ihr Haupt bestreuen mit Asche, in der Meinung, wenn
der bewußte Bräutigam kommen wird, so wird er sich entsetzen vor ihr und wird
ablassen von seinem Begehren. [HiG.01_41.04.09,22] Und wahrlich, wenn der Bräutigam
kommen und seine Braut also antreffen wird, Ich sage euch, da wird er sie
nicht nehmen (so er Mir gleicht), sondern wird die Lieblose bereitwilligst
dem überlassen, dem sie ihre Liebe zugesagt hat. [HiG.01_41.04.09,23] Nun sehet, da eine Braut für den
rechten Bräutigam sich nur schmückt, so sie ihn liebt, so wird euch auch wohl
sehr leicht klar werden, daß ohne Liebe zu Mir an kein Fasten und keine Armut
zu denken ist und somit auch an keine hochzeitliche Ausschmückung. – Da wird
aber auch kein „Nachhauseführen“ der Braut erfolgen, welches
„Nachhauseführen“ nichts anderes ist als die Erlösung vom Tode zum Leben. [HiG.01_41.04.09,24] Sehet, wie sich da eure Fragen
verhalten! – In Meinem Leiden ist die Liebe. Das Fasten und die Armut ist das
Leiden der Liebe. Und das Leiden der Liebe ist die Ausschmückung derselben.
Und in der Ausschmückung, welches das Leben ist, ist die Erlösung. – Somit
ist die Liebe, das Leiden und die Erlösung eines und dasselbe. [HiG.01_41.04.09,25] Wer demnach liebt also, wie es euch
gezeigt worden ist, der hat sich der Erlösung teilhaftig gemacht, und sein
Teil wird gleich sein dem Meinen. Gleichwie aber der Bräutigam all seine
Güter teilt mit seiner Braut, also wird es auch sein in Meinem Hause. Alsdann
werdet ihr erfahren, was das heißt: „Seid vollkommen, wie euer Vater im
Himmel vollkommen ist!“ [HiG.01_41.04.09,26] Amen! – Das sage Ich, ebenderselbe
Vater im Himmel! Amen. Gebet – das beste
Erziehungsmittel. – 18. April 1841
[HiG.01_41.04.18,01] Höre du, Mein lieber Andreas-Willig,
was deinen Neffen L. betrifft, so ist er von einem trägen Geiste gelähmt am
tätigen Willenseifer. Daher wird er wohl zu allem Guten durch was immer für
Zwangsmittel nicht leichtlich anzueifern sein, und das zwar so lange, bis
dieser Geist aus ihm entwichen ist. [HiG.01_41.04.18,02] Es sind aber derlei Geister nicht
hinauszubringen, denn durch anhaltendes Beten – das heißt nicht etwa
stundenlange Gebete, sondern daß da im festen und lebendigen Glauben und
Vertrauen mit dem Gebete an Meinem Namen angehalten wird, in welchem allein
jede Bitte sichere Gewährung finden kann und wird. [HiG.01_41.04.18,03] Wann aber das Gebet die gerechte
Glaubenskraft erreicht hat, das weiß nur Ich. Das Gelingen richtet sich
allezeit nach der selbsttätigen Glaubenskraft. Je mehr diese fest und
unerschüttert anhält an Meinen Namen, desto näher liegt auch das Gelingen,
welches allezeit in der gänzlichen, ungezweifelten Ergebung, Geduld und aller
Liebe und Sanftmut liegt. [HiG.01_41.04.18,04] Wann aber diese den rechten Grad
erreicht hat, das weiß nur Ich, wie schon gesagt. Daher darf in jeder Bitte
die Geduld nicht ausgeschlossen werden, damit sich ein jeder selbst prüfe,
wie stark er an Meinem Namen hält. [HiG.01_41.04.18,05] Zu jeder Bitte aber soll hinzugesetzt
werden: „Herr, führe uns nicht in die Versuchung, sondern erlöse uns vom
Übel!“ – Desgleichen tue auch du, so wirst du schon erreichen, daß dein Neffe
ein willig-eifriger Mensch wird. [HiG.01_41.04.18,06] Lasse ihn aber öfter mit dir beten und
sage ihm, daß er auch selbst fleißig beten und sich überwinden soll. Wenn es
ihn noch so viel Anstrengung kosten sollte, desto mehr Freude wird ihm in
Meinem Namen der errungene Sieg über sich bereiten. Dieses ist das beste Mittel
und das unfehlbar wirksamste! [HiG.01_41.04.18,07] Übrigens ist ein jedes Mittel, das aus
Meiner Liebe in dir sproßt, ein taugliches und nach und nach zum Zwecke
führend. – Die demütigenden sind die bessern, welche wohl nur dann anzuwenden
sind, wenn ein widerspenstiger Geist sich in einem bedeutenden Grade zeigen
sollte. Denn die trägen Geister haben meist kleine widerspenstige Geister bei
sich als treue Gefährten. Aber wie schon gesagt: Ein anhaltendes Gebet ist
gegen alles das beste Mittel! [HiG.01_41.04.18,08] Übrigens sehe, Mein lieber Willig, bei
allen deinen Kindern nur auf die Bildung des Herzens! Denn diese zählt bei
Mir allein. Alles übrige hat bei Mir keinen Wert. Und würden deine Kinder
mehr wissen denn Salomo in aller seiner Weisheit, so würde alle deine Mühe
gleichen der der Goldmacher, deren Unternehmen noch allezeit zu Asche
geworden ist. [HiG.01_41.04.18,09] Lehre die Kinder daher demütig sein
und vertrauen auf Meinen Namen, so wirst du ein guter Arbeiter Meines
Weingartens werden und mit Meinem Lohne zufrieden sein ewig! Amen. [HiG.01_41.04.18,10] Das sage Ich, in Dessen Namen alle
Macht und Kraft verborgen ist! Wahres Glück. – 21. April 1841
[HiG.01_41.04.21,00] Wenn da einem ist beschieden / Meiner Liebe
heiliger Frieden, / wem der Vater neues Leben / will aus Seiner Fülle geben,
/ wen der Vater angenommen / und wer in Sein Herz gekommen / – dem darf
wahrlich nimmer bangen. / Hat nach Mir er nur Verlangen, / fühlt er ein
lebendig Ziehn, / daß ihn Welt und Sünde fliehn, / dann hab Ich ihn schon
ergriffen / mit all Meinen Liebes-„Kniffen“. / Ja, Ich trage ihn auf Händen,
/ um sein Leben zu vollenden! [HiG.01_41.04.21,01] Siehe, du Mein lieber
Anselm-Wortemsig, auf menschliche Art wünsche Ich dir nichts, sondern, was
Ich dir wünsche, das gebe Ich dir auch alsogleich – und habe es dir schon
gegeben und habe noch Unendliches für dich im Vorrate, so du es nur annehmen
willst. [HiG.01_41.04.21,02] Siehe, Ich will dir alles im
Überflusse geben: „Silber, Gold und Edelsteine“ aus Meinem Vaterherzen! –
Silber gebe Ich dir deiner Kinder wegen, Gold für dein Weib, und dich aber
will Ich schmücken mit allen Edelsteinen! [HiG.01_41.04.21,03] Aber glaube fest an Meinen Namen! Baue
auf Ihn wie auf einen Diamantfelsen! Und liebe über alles Mich, deinen
überguten, heiligen Vater, so wirst du bald das große Wunder der Kraft und
Macht Meines Namens Jesus in deinem Herzen gewahr werden! [HiG.01_41.04.21,04] Das sage Ich, dein heiliger Vater.
Amen! Ordenswesen und wahre Barmherzigkeit.
– 25. April 1841
[HiG.01_41.04.25] Bitte des Knechts: „O Herr, Du unser
allerheiligster, bester Vater! Möchtest Du mir armem Sünder denn nicht sagen,
wie man es mit diesen neugegründeten sogenannten „Barmherzigen grauen
Schwestern“ halten soll, damit man bei einer allfälligen Frage über dieses
wohltätig scheinende Ordenswesen eine gerecht beurteilende Antwort zu geben
imstande ist. Denn sonst könnte es ja leicht geschehen, daß entweder so oder
so ein unrichtiges Urteil gefaßt wird. – O Herr, vergib mir meine große
Dreistigkeit, daß ich es wage, Dich wie einen Menschen zu fragen. Allein Du
bist ja unser Vater! So vergib dem törichten Kindern, wenn ihre Fragen ihnen
gleichen! Amen.“ [HiG.01_41.04.25,01] So schreibe: Fürwahr, diese Frage ist
überaus albern! Wie kannst du nur so etwas fragen!? [HiG.01_41.04.25,02] Hast denn du noch nie ein Evangelium
gelesen? – Sage Mir, bei welcher Gelegenheit habe Ich denn je einen Orden
gestiftet – und am allerwenigsten einen Weiberorden!? – Oder gehören Träume,
welche von manchen galle- und schwachsichtigen Ordensstiftern geträumt
wurden, auch zu den Evangelien? [HiG.01_41.04.25,03] Was sagte Ich zu den Aposteln? – Daß
sie untereinander Brüder in aller Liebe sein sollen, das sagte Ich ihnen! –
Wie nannten diese nach Meinem Gebote alle Menschen? – Nicht anders als:
„Liebe Brüder“ usw. – Was soll's denn da mit der Kasterei? [HiG.01_41.04.25,04] Ihr aber sollet untereinander sein
eines Ordens der reinen Liebe zu Mir, als lauter Kinder eines und desselben
Vaters und als einerlei Erlöste durch Meine Menschwerdung! Und ihr sollet
eine und dieselbe liebevolle, barmherzige Bruder- und Schwester-Kaste sein in
der lebendigen Kraft Meines Wortes und Namens, da ihr alle durch denselben
Jesus Christus seid zu Kindern Meiner Liebe, Erbarmung und Gnade gemacht
worden. [HiG.01_41.04.25,05] Wenn aber Menschen – wenn auch zum
Teil aus redlicher Absicht – sich von andern absondern, um dadurch eine
gewisse, so oder so geartete, tugendheldliche Kaste zu bilden, zu der nur die
wenigsten können hinzugelassen werden – was kann da heraus für ein Segen dem
Volke erwachsen, so nicht alle sind wie einer und einer wie alle?! [HiG.01_41.04.25,06] Es mag einer wohl nicht zugleich ein
Weber, Schneider, Schuster, Schmied usw. sein; es muß ja eine Verschiedenheit
der Arbeiter wie der Stände dem Äußern nach geben. Aber nicht also ist es dem
Innern nach! Da sollen alle gegenseitig lauter liebeerfüllte, barmherzige
Brüder und Schwestern sein! [HiG.01_41.04.25,07] Was soll denn eine bezahlte
Barmherzigkeit für eine Barmherzigkeit sein? – Oder besteht die
Barmherzigkeit nur in der Krankenpflege? [HiG.01_41.04.25,08] Ich sage: Wer nicht Barmherzigkeit
übet als ein freier Bekenner Meines Wortes und Meiner Liebe, und das aus
allen seinen Kräften ohne Entgelt, dessen Werk werde Ich ansehen als das
eines Tieres, das da in seiner gerichteten Ordnung allezeit ein und dieselben
Werke verrichten muß, weil es nicht anders kann und darf vermöge der
gerichteten Ordnung, welche Werke aber so gut wie gar keine „Werke“ sind. [HiG.01_41.04.25,09] Der freie Mensch muß auch frei und
ungebunden handeln in der unendlich freien Ordnung Meiner ewig freien Liebe,
wenn er wünscht, daß Ich sein Werk als etwas ansehe. – Wer aber handelt unter
einer gewissen Ordensschraube und öfter unter der noch viel erbärmlicheren
Klausur der ist gar selten mehr denn ein zu einer gewissen Arbeit bedungener
Faulenzer, der nie auf die Arbeit, sondern nur auf den Mietgroschen sieht. [HiG.01_41.04.25,10] Das genüge dir auf die Meiner nicht
gar würdige Frage! – Fürs künftige aber verschone Mich mit derlei! Denn:
weltprunkende Anstalten sind Mir ein Greuel! – Wer aber Barmherzigkeit übt,
der übe sie im verborgenen und nicht vor aller Welt Augen! [HiG.01_41.04.25,11] Das sage Ich, der nur die Werke im
verborgenen ansiehet! – Amen. Amen. Amen. Die wahre Kirche. [HiG.01,01] Eine Kirche ist nur Kirche, wenn sie lehret
Meinen Willen und das Leben predigt aus der Liebe, die am Kreuze für die
ganze Erde, ja für die ganze Schöpfung blutete. [HiG.01,02] Aber eine Kirche, die sich nur segnet und alles
andere verfluchet, ist wie ein Geizhals, der allen den Tod wünscht, damit er
aller Habe habhaft werden möchte. Es wird aber ein Kamel eher durch ein
Nadelloch traben als ein solcher „Geizhals“ in den Himmel. Vom Kreuzessegen. – 28. April
1841
[HiG.01_41.04.28,01] Das Kreuz ist eine wahre Not(durft)
des Lebens! – Wenn das Leben keine Not hat, so zerstreuet es sich und
verflüchtigt sich wie ein Äthertropfen. Die kein Kreuz tragende Seele
ermattet und stirbt und verliert sich in die Nacht des Todes. [HiG.01_41.04.28,02] Die Not des Lebens aber ist ein Gefäß
des Lebens, in welchem dieses gefestet wird gleich einem Diamanten, der da
auch nur ein gefesteter Äthertropfen ist, obschon nicht ein Lebenstropfen. [HiG.01_41.04.28,03] Daher nehme jeder das Kreuz auf seine
Schulter und folge Mir in aller Liebe nach, so wird er sein Leben erhalten
ewig! [HiG.01_41.04.28,04] Wer mit seinem Leben zärtelt, der wird
es verlieren. Wer es aber kreuzigt und von Mir kreuzigen läßt, der wird es
erhalten für alle Ewigkeiten. [HiG.01_41.04.28,05] Das sage Ich, der Gekreuzigte. Amen! Von Tod und Todesnot. – 29. April
1841
[HiG.01_41.04.29,01] Des Leibes Tod ist des Lebens letzte
Not und ist gleichsam die Anheftung ans Kreuz. [HiG.01_41.04.29,02] Wäre nicht des Leibes Tod, so ginge
alles Leben verloren. Aber durch des Leibes Tod wird das Leben gesammelt und
gefestet, damit es nach dem Abfalle des Leibes selbst im schlimmsten Falle
doch noch als etwas bestehen kann. [HiG.01_41.04.29,03] Die mit dem Tode verbundene,
vorhergehende Angst ist eben der Akt der Vereinigung des Lebens, welches
vorher nur gar zu häufig schon in alle Weltwinde zerstreut war. [HiG.01_41.04.29,04] Daher geschieht es auch, und das
überaus notwendig, daß die Weltlichen einen oft überaus bitteren Tod
schmecken müssen. Denn würde solches nicht geschehen aus Meiner übergroßen
Erbarmung, so würden sie vollends ewig zunichte. [HiG.01_41.04.29,05] Und daß solche weltliche Seelen nach
dem herben irdischen Tode in einen höchst unfreien Zustand kommen, ist
ebenfalls wieder nur, damit ihr im Leibestode nur schwer gesammeltes Leben
sich nicht wieder verflüchtige und endlich gänzlich zunichte werde. [HiG.01_41.04.29,06] Und so ist denn selbst der angst- und
qualvolle sogenannte ewige Tod nichts als eine durch Meine große Erbarmung
gesetzte Lebensverwahrung. [HiG.01_41.04.29,07] Welche Menschen aber schon bei ihrem
Leibesleben ihr Leben durch Selbstverleugnung, Demut und Liebe zu Mir in Mir
vereinigt haben, wahrlich, diese werden von des Leibestodes Angst nicht viel
verspüren. – Und wenn ihr irdisches Lebensschifflein einmal an den trüglichen
Weltklippen zerstäuben wird, so wird der Wanderer schmerz- und sorglos sagen:
„Ich bin mit meiner Habe im trockenen!“ [HiG.01_41.04.29,08] Bemühet euch daher, euer Leben schon
hier zu vereinen in Mir, so wird euch der Tod des Leibes dereinst vorkommen
wie eine große aufgehende Sonne dem nächtlichen Wanderer an einem
Meeresgestade, welches voller Klippen und Abgründe ist. [HiG.01_41.04.29,09] Glaubet es Mir, daß es also ist, so
wird niemand mehr euch den innern Frieden rauben! [HiG.01_41.04.29,10] Das sagt der Herr des Lebens und des
Todes! – Amen. Amen. Amen! Das Zeichen des Menschensohnes. –
1. Mai 1841
[HiG.01_41.05.01.a] Ans. H. bat um Auskunft über Matthäus
Kap. 24,30: „Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am
Himmel. Dann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen
kommen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und
Herrlichkeit.“ [HiG.01_41.05.01.a] Der Herr bekundete durch Seinen Knecht
J. L. folgendes: [HiG.01_41.05.01.a,01] Wißt ihr denn nicht, welcher
Unterschied zwischen dem „Zeichen“ und dem „Menschensohne“ obwaltet? Und wißt
ihr nicht, was da zu verstehen ist unter dem „Himmel?“ [HiG.01_41.05.01.a,02] Wahrlich, ihr möget euch nichts
Törichteres denken, als etwa am gestirnten Himmel ein sogenanntes Kruzifix zu
erblicken. Fraget euch nur selbst, was würde das der Welt wohl nützen, wenn
nicht nur ein, sondern eine ganze Legion Kruzifixe am Himmel zu sehen wären!?
Würden die Menschen deshalb besser werden in ihren Herzen? – O gewiß und
wahrlich nicht! [HiG.01_41.05.01.a,03] Würden da nicht alsobald die
Gelehrten bei der Hand sein und alle diese Kruzifixe für Ausgeburten
pfäffischer Trügerei erklären?! Und würden sie nicht beweisen wollen, daß
alle die am Himmel schwebenden Kruzifixe keinen andern als einen
ärostatischen Ursprung haben und vermöge der Verabredung von
Jesuiten-Kollegien aufgestiegen sind!? [HiG.01_41.05.01.a,04] Sehet, diesen Effekt und noch
manchen andern würde eine solche Erscheinung in der gelehrten Welt
hervorbringen! Ja, es möchten noch mathematisch gelehrtere Wissenschaftler
solche Erscheinungen sogar auf dem Wege der Optik zu erklären suchen. [HiG.01_41.05.01.a,05] Was würde aber der gemeine Mann dazu
sagen? – Ich sage euch, der würde alsobald vor übermäßiger Angst tatlos
verstummen. Denn da wäre es für ihn nach der irrig eingepflanzten Lehre doch
gewiß, daß der „Jüngste Tag“ vor der Türe ist. [HiG.01_41.05.01.a,06] Und so würde diese Erscheinung fürs
erste die Gelehrten töten darum, weil sie durch ihre Meinung und Erklärung
sie zuvor töteten; der gemeine Mann aber würde getötet werden im Augenblicke
des ersten Auftretens jener Erscheinung in aller seiner stets tätig sein
sollenden Freiheit. – Das wäre demnach der Nutzen einer solchen Erscheinung! [HiG.01_41.05.01.a,07] Daß sich die Sache so verhalten
würde, könnet ihr aus dem entnehmen, so ihr nur mit einiger Aufmerksamkeit
eure Blicke auf jene Zeit hinwendet, für welche von gewissen
weisheitskramenden Propheten schon mehrere Weltuntergänge vorherbestimmt
worden sind. Wie da die Menschen teilweise verzweifelten, teilweise lachten
und teilweise sich dem Vielfraße und anderartigen Schwelgereien preisgegeben
haben (so würde es auch jetzt wieder gehen). Wenn aber schon solche leere
Prophezeiungen solche üble Erscheinungen hervorbrachten, nun denket euch, was
da ein riesenhaft großes Kreuz, unter den Sternen schwebend, hervorbringen
würde?! – Ich brauche euch den tödlichen Erfolg nicht näher zu beschreiben! [HiG.01_41.05.01.a,08] Es ist aber unter „Himmel“ zu
verstehen: die gesamte Glaubenswahrheit aus dem Worte, welches ist die
„Kirche“ in ihrer Echtheit. [HiG.01_41.05.01.a,09] Das „Zeichen des Menschensohnes“
aber ist die in dieser Kirche wieder neu erwachte Liebe mit allen ihren
himmlischen Attributen, als Barmherzigkeit, Geduld, Sanftmut, Demut,
Ergebung, Gehorsam und Duldung aller Beschwerden des Kreuzes. Sehet, dieses
lebendige Zeichen des Menschensohnes wird am Himmel des inneren, ewigen
Lebens erscheinen und wird nicht töten, sondern überaus beleben. [HiG.01_41.05.01.a,10] Es werden bei solcher Gelegenheit
freilich die „weltsüchtigen Geschlechter der Erde“ heulen, jammern und
wehklagen, da all ihr Höllentrug, der da in den zahllosen Kaufs- und
Verkaufsartikeln besteht, außer allen Kurs kommen wird. Denn die Menschen
Meines Zeichens werden mit den Weltträumern, Mäklern und Wechslern nicht mehr
viel zu tun haben. [HiG.01_41.05.01.a,11] Diese werden ihre Augen nur dahin
richten, da sie sehen werden des „Menschen Sohn auf den Wolken des Himmels
mit großer Macht und Herrlichkeit kommen“ – welches ist das lebendige Wort im
Herzen des Menschen oder Meine ewige Liebe im Vollbestande und daher ist „von
großer Macht und Herrlichkeit“. Und es sind die „Wolken des Himmels“ die
unendliche Weisheit Selbst in diesem lebendigen Worte. – Sehet, das ist also
das kurze Verständnis dieses Schrifttextes! [HiG.01_41.05.01.a,12] Die „Wolken“ aber werden Jenseits
euch Selbst in Mein Reich aufnehmen und werden eure Wohnung sein ewig. Das
heißt, ihr werdet da erst in der höchsten Wonne die große Macht und
Herrlichkeit des Menschensohnes anschaulich vollends erkennen. Vom geistigen Frühling. – 1. Mai
1841
[HiG.01_41.05.01.b] Wilhelmine H. fragte: „Was ist der
Frühling und was kann man vom Frühling lernen?“ [HiG.01_41.05.01.b] Schreibende: Ans. H. – Wilhelmine H. –
Julie H. – Der Herr antwortete durch J. L.: [HiG.01_41.05.01.b,01] Was hier den Frühling anbelangt, so
ist er in natürlicher Hinsicht nichts anderes, als was ein jeder Mensch am
Morgen nach dem Erwachen erlebt, nämlich eine geweckte Tätigkeit aller
Lebensgeister. [HiG.01_41.05.01.b,02] Wenn diese Lebensgeister durch das
Licht und durch die zunehmende Wärme aus ihrem Schlafe geweckt werden, so
beginnen sie ihre ordnungsmäßige Tätigkeit von vorne. Alle Sinne erschließen
sich; der Magen kündigt sein Bedürfnis nach Nahrung an, und alle Säfte des
Körpers beginnen einen lebhaften Kreislauf. [HiG.01_41.05.01.b,03] Sehet, also ist es auch in der
großen Natur! Zahllose Äonen (Natur-)Geister werden durch das Licht und die
Wärme der Sonne aus ihrem starren Winterschlafe geweckt, beginnen ihre
vegetative Tätigkeit von neuem und fangen an, allerlei Pflanzen, Kräuter,
Sträuche und Bäume wie auch zahllose Heere der kleinen Tierwelt zu bilden und
zu entwickeln, und das alles nach der festgesetzten Ordnung. [HiG.01_41.05.01.b,04] Sehet, das ist der natürliche
Frühling! – Was kann man aber von diesem lernen? – Ich sage euch – sehr
vieles! [HiG.01_41.05.01.b,05] Ihr wißt, wodurch er
natürlicherweise entsteht, nämlich durch das wachsende Licht und durch die
Wärme. [HiG.01_41.05.01.b,06] Nun sehet, wenn ihr recht emsig treu
Mein Wort anhöret oder selbst leset, so nähert sich da ebenfalls die große
Geistessonne eurer irdisch oder weltlich noch kalten nördlichen Winterzone
des Herzens. Dieses „Sonnenlicht“ entbindet da auch nach und nach stets mehr
und mehr Wärme, welche die Liebe zu Mir ist, zur wahren geistigen
Lebenstätigkeit. [HiG.01_41.05.01.b,07] Wenn nun solches vor sich zu gehen
anfängt, dann ist bei dem Menschen der „geistige Frühling“ eingetreten. [HiG.01_41.05.01.b,08] Wie es aber ist, daß der natürliche
Frühling nebst vielen nützlichen Pflanzen und Tieren auch ebensoviele giftige
und schädliche ins Leben erweckt, also ist es auch mit dem geistigen
Frühlinge, daß dadurch im Menschen auch viele giftige und schädliche böse
Geister geweckt werden, aus welcher Ursache dann auch die Versuchungen zur
Sünde mächtiger werden als in dem leblos starren Winter, welcher ist die laue
weltliche Gewöhnlichkeit des Menschen. [HiG.01_41.05.01.b,09] Daher muß der Mensch in diesem
geistigen Frühlinge einem sorgfältigen Gärtner gleichen, der seine Bäumchen
und Pflanzen sorgfältig von den schädlichen Raupen reinigt und alles Unkraut
ausjätet, damit der edlen Bäume und Pflanzen Leben keinen Schaden leide. [HiG.01_41.05.01.b,10] Wer nun auf diese Art seinen
Lebensbaum von allen den bösen Begierden und Leidenschaften durch die
kräftigen Werkzeuge, welche sind die Selbstverleugnung und die Demut, emsig
reiniget, der wird dann gewiß auch im Sommer und Herbste seine Tätigkeit mit
den herrlichsten, reif gewordenen Früchten belohnt sehen. [HiG.01_41.05.01.b,11] Diese Früchte aber sind keine
anderen als die Erscheinung des „Zeichens des Menschensohnes am Himmel.“ Die
„Geschlechter der Erde“ sind die hinausgeschafften bösen Begierden und
Leidenschaften. Und darauf erfolgt „das Kommen des Menschensohnes auf den
Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.“ Kunde vom Mond. – 1. Mai 1841
Julie H. fragte: „Was ist der Mond? Gibt es dort auch
Menschen so wie hier?“ – Schreibende: Ans. H. – Julie H. und Wilhelmine H. –
Als Antwort auf die Frage der Julie H. über den Mond empfing der Knecht Jakob
Lorber an diesem und an verschiedenen nachfolgenden Tagen eine umfassende
Eröffnung über die Beschaffenheit des Begleiters unserer Erde und über das
auf demselben sich findende Leben. Unter anderem wurde gesagt: An Jesus. – Gebet. – 4. Mai 1841
[HiG.01_41.05.04.a,01] O mein allerliebster Jesus! Hilf
mir, daß ich Dir in allem möchte gehorsam sein und nicht wanke weder zur
Linken noch zur Rechten, sondern allezeit acht habe auf Dich, der Du der
alleinige Anfänger und Vollender aller guten Werke bist! [HiG.01_41.05.04.a,02] Ich gebe mich Dir ganz hin,
überlasse mich Dir ganz und gar und lege mich mit allen Sinnen und Gliedern
zu Deinen allerheiligsten Füßen. Ich ergebe mich Dir samt allen den Meinigen
in Deinen allerheiligsten Willen, in Deine allerbeste und reinste Vorsicht,
in Deinen göttlichen Schutz und Deine liebevollste, gnädigste Regierung! [HiG.01_41.05.04.a,03] Du bist der wahre, einzige Vater,
Gott und Herr! Dir ist niemand gleich und außer Dir gibt es keinen mehr! Wir
alle sind in Deiner Hand, daher tue mit uns, wie es Dir wohlgefällt, und
lasse Deinen allerheiligsten Willen an uns, in uns und durch uns allezeit
vollkommen geschehen! [HiG.01_41.05.04.a,04] Denn Dein Wille ist Liebe über
Liebe, Gnade über Gnade und Erbarmung über Erbarmung! Daher lasse uns auch
allezeit und ewig nur Werkzeuge Deiner Gnade und reine Gefäße Deiner Liebe,
Erbarmung und Ehre sein! O gib, daß wir um Deiner unendlichen Liebe willen
allezeit würdig vermöchten Deinen allerheiligsten Namen über alles hoch zu
preisen aus unserem ganzen Wesen, es sei im Leben oder im Tode! Amen. [HiG.01_41.05.04.a,05] O ich bin unwürdig Deiner so großen
Güte, mein Jesus, mein Vater, mein Gott und Herr, die Du mir stets so endlos
liebevollst erweisest! Darum will ich Dich aber auch ewig loben, lieben und
preisen und überall und allezeit Deinen allerheiligsten Namen verherrlichen! [HiG.01_41.05.04.a,06] Ehre, Lob, Dank und Liebe sei Dir, o
Gott, als Vater, Sohn und Heiliger Geist, jetzt und in alle Ewigkeit! – Amen. Gebet des Herzens. – 4. Mai 1841
[HiG.01_41.05.04.b,01] O Vater, Herr und Gott, Dich loben
wir, Dir danken wir! – Dich, Gott und Vater, ehret die Schöpfung weit und
breit, alle Sterne und alle Himmel sind voll von Deinem Ruhme! Alle Engel und
alle Himmelsheere dienen allzeit Deinem Willen! Cherubim und Seraphim singen
mit hoher Stimme: „Heilig ist unser Gott, heilig ist unser Vater! Alle Lande,
alle Welten, alle Himmel sind Seines großen Namens voll!“ [HiG.01_41.05.04.b,02] Ach, mein Gott und Vater, hilf,
hilf, hilf, daß dieser Dein allerheiligster, über alles mächtiger und
kräftiger Name allerwürdigst auch von uns und durch uns möchte geheiliget
werden! – Lasse ja nicht zu, daß er je möchte verunreiniget werden durch
Gedanken, Worte oder Werke! Erbarme Dich, erbarme Dich über mich und die
Meinigen und über alle Menschen! [HiG.01_41.05.04.b,03] Siehe, mein Gott und Vater, Du hast
mir allergnädigst einen hellen Schein in mein Herz gegeben und lässest mich
wissen und erfahren die heimliche Weisheit, die im verborgenen ist und allein
aus Deiner unendlichen Liebe und Erbarmung in mein noch höchst unlauteres
Herz fließet! – Oh, verbirg Dein göttlich Antlitz vor meiner Missetat und
schaffe, schaffe, schaffe in mir, o Gott und Vater, ein reines Herz und gib
mir einen gewissen Geist, ja Deinen Heiligen Geist gebe mir! [HiG.01_41.05.04.b,04] Verwirf mich nicht, o mein Gott und
Vater! Tröste, tröste, tröste mich allezeit mit Deiner Liebe und Gnade! Ach
mein Vater, Gott und Herr, bekehre Du uns, so sind wir bekehrt! Hilf uns, so
ist uns geholfen! – Und erbarme Dich aller Menschen, Seelen und Geister! –
Amen. – O mein Jesus, in Deinem allerheiligsten, über alles mächtigen und
kräftigen Namen – Amen! Ein bester Rat und wahrer Trost.
– 5. Mai 1841
[HiG.01_41.05.05,01] Alle Menschen sind nicht für diese
Welt erschaffen, sondern für das jenseitige große Vaterhaus – und zwar
entweder so oder so! Wie ihr Leben in der Welt, danach ist auch ihr Zustand
in jenem ewigen, großen Hause! [HiG.01_41.05.05,02] Wen Ich prüfe – und wahrlich, solches
tue Ich nicht umsonst! – den will und werde Ich auch zu etwas machen; denn er
ist schon in Meiner Schule. Ein Student aber muß sich die Prüfung gefallen
lassen, wenn er etwas werden will. [HiG.01_41.05.05,03] Bei Mir wird niemand in der Prüfung
verworfen, sondern jeder kann bestehen, entweder schon hier oder doch sicher
im Jenseits. [HiG.01_41.05.05,04] Wer aber Meine sanften Prüfungen
flieht und macht einen argen Ausreißer, der wird dann von der Welt und vom
Satan geprüft, ob er tüchtig sei zur Bosheit. [HiG.01_41.05.05,05] Ich nehme jeden zu jeder Stunde in
Meine Schule auf. Wer aber nicht mehr denn ein Schweinehirte, ein Eseltreiber
oder ein Ochsenfütterer werden will und im Unrate seine Seligkeit findet,
wahrlich, der wird je weder im Amte, noch in seinem Vergnügen gestört werden! [HiG.01_41.05.05,06] Ihr aber – höret und begreifet es –
seid auf Meiner „Universität“! Ich möchte überaus vieles aus euch machen!
Daher müssen euch schon auch manche besondere Prüfungen auf dieser Hochschule
nicht befremden. [HiG.01_41.05.05,07] Ich habe die Aussätzige (für die ihr
um Hilfe gebeten habt) zu Mir genommen und habe sie erweckt zum Leben, indem
Ich ihr die unreine Last des stinkenden Leibes abgenommen habe. – Möchtet ihr
sie wieder zum Tode erwecken!? [HiG.01_41.05.05,08] Warum trauerst du, so Ich deine
Schwester zu Mir nahm? Ist ihr denn etwas Arges begegnet? – O ihr
Kleingläubigen! Meinet ihr, der Verlust eurer Schwester drücke euer Herz? – O
nein, sage Ich, euer schwacher Glaube ist noch immer eure größte Not! [HiG.01_41.05.05,09] Denn wer da glaubet und liebet im
Geiste und in der Wahrheit, der wird allezeit voll Freude und Dankbarkeit
sein im Herzen, da er gar wohl im hellsten Lichte sehen wird, daß Ich, sein
ewiger, heiliger, liebevollster Vater, gewiß nur allezeit das Beste tue! [HiG.01_41.05.05,10] O Kinder, erkennet, erkennet doch
einmal, daß Ich, euer liebevollster Vater bin, der euch in jeder Prüfung euer
Leben ums Tausendfache erhöht und vermehrt! [HiG.01_41.05.05,11] Danket Mir mit freudigem Herzen, daß
Ich eurer Schwester umsonst das ewige Leben alsogleich im Reiche der Kinder
gegeben habe und ihr von da einen hellen Weg ins große Heiligtum Meiner
ewigen Vaterliebe bahne! [HiG.01_41.05.05,12] Wahrlich, es ist also! Wer kann noch
trauern, so er Mich liebt und festhält an Meinem Namen!? [HiG.01_41.05.05,13] So seid denn nun fröhlich und voll
guten Mutes! Denn eure Schwester ist nun schon überselig in Meinem Schoße!
Hier aber in der irdischen Welt wäre sie schon in fünf Monaten samt dem Manne
für ewig verloren gewesen! Wieso und warum – wird euch nicht entgehen mit der
Zeit! [HiG.01_41.05.05,14] Nun aber ist alles gut und wird ewig
gut bleiben! Daher frohlocket und lobpreiset allezeit Meinen Namen! [HiG.01_41.05.05,15] Das sage Ich, euer wahrer Vater und
Bruder. Amen! Die Zeit der drei Tiere der
Offenbarung. – 7. Mai 1841
[HiG.01_41.05.07] Frage: Was besagt Offb. Joh., Kap. 13,
Vers 15-18: „Und es ward ihm gegeben, daß es dem Bilde des Tieres den Geist gab,
daß das Bild des Tieres sogar spreche und bewirke, daß, die das Bild des
Tieres nicht anbeten, getötet werden. Und es bringt alle, die Kleinen und die
Großen, die Reichen und die Armen, die Freien und die Knechte dazu, daß sie
sich ein Malzeichen machen auf ihrer rechten Hand oder ihrer Stirn, damit
niemand kaufen oder verkaufen könne, der nicht das Malzeichen habe mit dem
Namen des Tieres oder der Zahl seines Namens. Hier zeige sich die Weisheit!
Wer es versteht, der berechne die Zahl des Tieres, denn es ist eines Menschen
Zahl. Und seine Zahl ist 666.“ [HiG.01_41.05.07,01] In Meinem Namen schreibe nur zu, Ich
weiß schon, woran es euch gebricht! [HiG.01_41.05.07,02] Für gar ferne Dinge reichen eure
„verlängerten Augen“ nicht hin, um sie zu erschauen. Bei mittelfernen
Gegenständen sehet ihr die einseitige Rinde nur. Und von den sehr nahen sehet
ihr darum nichts, weil sie euch zu nahe liegen und daher auch zu wenig
Interesse bieten. [HiG.01_41.05.07,03] Diese Verse der Offenbarung sind doch
mit den Händen zu greifen, und ihr möget sie nicht erfassen! – Ja, je
leichter etwas ist, desto stumpfsinniger seid ihr dabei! – Ein nächstes Mal
fraget aber nach dem, was euch am allerleichtesten vorkommt! Wahrlich, ihr
werdet dabei sicher demütiger werden als durch diese vorliegenden,
überleichten vier Verse! – Und nun habet acht: [HiG.01_41.05.07,04] Es ist fürs erste in diesem Kapitel
von drei Tieren die Rede: erstens vom Hauptdrachen, zweitens vom Tiere, das
dem Meere entsteigt mit sieben zehnhörnigen Köpfen, und drittens von einem
lammartigen Tiere mit zwei Hörnern am Kopfe. [HiG.01_41.05.07,05] Wer der Hauptdrache ist, werdet ihr
etwa doch schon wissen, nachdem Ich euch schon so oft, und zwar besonders in
den „zwölf Stunden“, von Meinem Erzfeinde hinreichende Meldung getan habe. [HiG.01_41.05.07,06] Wollt ihr aber das zweite Tier
erkennen, so wendet eure Augen auf die nahe gelegene Eigenliebe, und ihr
werdet alle Attribute an ihr bestätigt finden! – Es entsteigt dem „Meere“
aller habsüchtigen Begierden und hat „sieben Köpfe“, das heißt für ein jedes
Gebot der Nächstenliebe einen eigenen mit „zehn Hörnern“, durch welche vom
einen wie vom andern Haupte gleichermaßen allen zehn Geboten (Mosis)
entgegengestrebt wird. – Ein „verwundetes Haupt“ ist der überall strafbare Diebstahl
und Raub. Aber schadet das dem Tiere etwas? O nein, denn dieses verwundete
Haupt ist ja durch all die politischen Staats- und Handelsgesetze vollkommen
geheilt. Und so lebt die ganze Welt unter solchen Gesetzen und handelt
darnach – und spottet dadurch dem Lamme und dessen Geboten täglich. [HiG.01_41.05.07,07] Das dritte Tier entsteigt der Erde,
sieht aus wie das „Lamm“, hat aber auch „zwei Hörner“. – Was etwa ist doch
das? – Ich sage euch, dieses liegt euch am allernächsten! – Es ist die das
Wassertier sehr unterstützende und am Ende selbes sogar vergötternde
allgemeine Industrie, die mit ihren zwei Hörnern den (Haupt-)Geboten der
Liebe schnurstracks entgegenstrebt! – Daß es also ist, blicket nur nach
Amerika und England usw.! [HiG.01_41.05.07,08] Wie sehr aber dieses dritte Tier eben
solche Industrie ist, zeigen euch z.B. die grausamen Kindermißhandlungen in
den englischen und amerikanischen Fabriken, da dieselben oft von fünf Uhr bis
über neun Uhr abends, beständig stehend, beinahe halbnackt arbeiten müssen,
und das oft schon von ihrem achten Lebensjahre an. Es wird ihnen kein
Unterricht erteilt – außer dem ihrer industriellen Sklavenbestimmung! [HiG.01_41.05.07,09] O könntet ihr das Wesen der Industrie
schauen mit Mir und durch Mich, so würdet ihr sagen: „O Vater, das ist ja der
Drache selbst!“ [HiG.01_41.05.07,10] Übt dieses dritte Tier nicht alle
Gewalt des zweiten Tieres, dessen Kopfwunde geheilt wurde? Und macht es
nicht, daß fast von aller Erde, d.h. wenigstens von ihren Hauptbewohnern, das
zweite, verwundete Tier völlig angebetet wird? Wird da nicht von angebeteten
Königen, Fürsten und anderen (industriellen) Gründern und Erfindern
allenthalben gesprochen!? Werden ihnen nicht in aller Welt Denkmäler
errichtet? Macht es nicht die größten Zeichen und läßt Feuer vom Himmel
fallen, d.h. lehrt es nicht ganz vernünftig vor den blinden Menschen, als sei
solcher Fleiß das eigentliche Wesen aller Religion und die Gottes würdigste
Verehrung, wo nicht selbst die beste Anbetung?! – Wie ist das doch ein barster
Raub des Feuers vom Himmel, dem Menschen glauben machen, daß Ich auch durch
Greuel mag verehrt werden! (Aber nur eine ganz kurze Zeit währet solches
noch!) [HiG.01_41.05.07,11] O sehet die Verführung der
Erdbewohner! Das Bild des Tieres mit der Schwertwunde aller politischen
Gerechtigkeit ist nun vollkommen lebendig! Die Menschen wurden genötigt, mit
ihrem Blute dieses Bild aufzurichten! Und nun pranget es und redet und
gebietet, tötet und wird angebetet von allen Würmern und Speichelleckern, die
darum „Gelehrte“ und „Journalisten“ betitelt werden, und noch von einer
Anzahl Schmeißfliegen, die von allem etwas haben müssen, um dadurch, ohne zu
arbeiten, etwas zu verdienen. [HiG.01_41.05.07,12] Es wage aber nun jemand, dieses Tier
nicht anzubeten – so wird er gar bald wahrnehmen, wieviel es weltlich für ihn
geschlagen hat! [HiG.01_41.05.07,13] Das aber ist der „Geist“ (oder das
„Leben“) im Bilde des Tieres, daß die Eigenliebe und Habsucht bei all den Weltgroßen
den höchsten Gipfel erreicht hat, das ist die Vollzahl 666, wobei die
Eigenliebe ist gleich 600, das geraubte Himmelsfeuer gleich 60 (d.h. das
göttliche Gebot ist zehnfach zum Eigennutz angewendet!) und die Nächstenliebe
endlich nur gleich 6 (d.h. es gilt die allervollkommenste Sklaverei)! – Statt
zu geben für 1 Hundert, fordert man für 1 Hundert! [HiG.01_41.05.07,14] Sehet und begreifet nun die
Bezeichnung der „rechten Hand“ und der „Stirne“, sowohl bei Großen und
Kleinen, Reichen und Armen, Freien und Knechten! Ist es nicht die
Herrschsucht, entweder durch Macht oder Weltverstand!? – Saget, ob jemand nun
ohne diese Zeichnung etwas vermag!? Was gilt ohne dieses Zeichen der Mensch
dem Menschen? – Wahrlich, sage Ich euch, so aus euch jemand Töchter hat, wird
er sie wohl einem „Unbezeichneten“ geben, oder werden sie einen
„Unbezeichneten“ verlangen? Kann jemand, wenn er nicht ein Zeichen hat oder
ein Amt vom Tiere erhielt, noch irgendein Weltglück machen!? [HiG.01_41.05.07,15] Ihr selbst seid „bezeichnet“ – bis auf
Meinen Knecht, den Ich mit großer Mühe bis jetzt noch unbezeichnet erhielt.
Ich sage euch aber, wenn Ich es zuließe, daß er eine eurer Töchter
verlangete, ihr würdet ihn ganz sonderbar bedenklich ansehen und ihm
freundlich raten, davon abzusehen, da es sich doch nicht tun möchte, weil er
nicht „bezeichnet“ ist! [HiG.01_41.05.07,16] So ihr aber schon solches tätet mit
einem, den Ich euch in der Nacht der Nächte zur Leuchte gemacht habe, was
würdet ihr erst tun, so sich ein anderer „Unbezeichneter“ unterstände solches
von euch zu verlangen? – Ich sage: Ihr ließet die Töchter eher lebendig
einmauern – wohl verstanden! [HiG.01_41.05.07,17] Ich bin der Meinung, nun dürfte euch
die „Bezeichnung“ wohl so ziemlich klar sein! Wer vermag nun zu kaufen und zu
verkaufen ohne dieses Zeichen? [HiG.01_41.05.07,18] Aber die „42 Monate“ sind bald zu
Ende, da die Gebote der Nächstenliebe schon über 5 mal 7 fach auf die
Eigenliebe angewendet wurden. Ich aber sage euch, suchet das „Zeichen“ durch
das Feuer Meiner Liebe zu vertilgen, sodann werdet ihr zum wahren, inneren
Leben gelangen! [HiG.01_41.05.07,19] Darum aber ist es gerade jetzt so
schwer, zum inneren Leben aus und in Mir zu gelangen, weil das „Zeichen“
jeden in die Welt hinausbrennt. Daher lasset euch von Mir von der Welt des
Tieres zurückbrennen durch Meine Liebe, so werdet ihr das Leben finden, jetzt
und ewig! [HiG.01_41.05.07,20] Das spricht der Heilige, Große, Erste
und Letzte. Amen, Amen, Amen! Gott und Welt. – 10. Mai 1841
[HiG.01_41.05.10] Johannes 7, 7: „Die Welt kann euch nicht
hassen, Mich aber hasset sie; denn Ich zeuge von ihr, daß ihre Werke böse
sind.“ [HiG.01_41.05.10,01] Höre du, die Ich lieb habe! – In
diesem Verse der Worte Meines Zärtlings Johannes liegt jene große Wahrheit,
daß alle, die nicht von der Welt sind, bei der Welt in keinen Gunsten stehen,
dieweil sie durch Mich und Mir kein Wohlgefallen haben an ihren eitel bösen
Werken. [HiG.01_41.05.10,02] Euch wird zwar die Welt nicht hassen,
wie Mich, der Ich allezeit wider ihre Werke gezeuget habe; aber frohlocket,
wenn euch die Welt verachtet! Denn wer Meinetwillen verachtet wird, der kann
ja doch völlig versichert sein, daß Ich ihm nicht ferne bin. [HiG.01_41.05.10,03] Siehe, die Welt gleicht da den
Trüffelhunden und den Adlern. Jene wittern verborgenes Leben und der Adler
aber ein Aas meilenweit. [HiG.01_41.05.10,04] Die Trüffelhunde suchen zwar nicht die
Pflanze, sondern nur einen Braten und scharren daher die Erde auf und suchen
emsig die Pflanze, damit ihnen ja nicht der schon öfters genossene Braten
durch- oder verlorengehe. Wenn aber unter den Trüffeln schon längere Zeit der
Braten ausgeblieben ist, alsdann sind die Hunde kaum mehr tauglich, daß sie
die Trüffeln aufsuchen, welche ihnen dann nur ein Gegenstand der Verachtung
werden. [HiG.01_41.05.10,05] Siehe, solche „Bratendiener“ sind
wahrlich keine eigentlichen Trüffel-Sucher, weil noch nie die Trüffel,
sondern allezeit der Braten der Gegenstand ihres Suchens war! – Wenn dich
aber solche Diener mißachtend im Stiche lassen, so denke, daß Ich, der von
der Welt Allesverhaßteste, in dir eine „Trüffel der Liebe“ angepflanzt habe
und habe aber keinen Weltbraten hinzugegeben. Daher lasse diese „Bratenjäger“
und habe keine Furcht in dir vor ihnen, denn sie kümmert nicht die Trüffel,
sondern nur der Braten! [HiG.01_41.05.10,06] Die Adler aber versammeln sich, da sie
ein Aas verspüren. – Siehe, Ich bin der Welt ein „Aas“. Denn sie flieht Mich
und hasset Mich ärger denn ein Aas! – Es gibt aber eine Unzahl Weltvögel und
nur sehr wenige Adler darunter. Allein es ist nicht genug, als Krähe mit den
Adlern am „Aase des Lebens“ zu zehren, sondern du mußt selbst ein „Aar“
werden, willst du, daß dir ein Leben aus dem „Aase“werde! Siehe, wer da nicht
aus dem „Aase“ neu geboren wird, der wird zum Leben nicht eingehen. Der Welt
stinkt zwar das „Aas“ unerträglich, aber nicht also den „Adlern“, denn für
sie ist es erfüllt vom höchsten aller Wohlgerüche. [HiG.01_41.05.10,07] Das „Aas“ ist aber ein
allergetreuester Weltspiegel und zeigt der Welt ihre wahre Gestalt. Und die
Welt hasset es darum, weil es ein Spiegel ihrer bösen Werke ist. Aber die
„Adler“ hassen nicht des „Aases“ hellen Moderglanz, denn sie wissen, daß
durch den Moder des „Aases“ ihr eigener aufgenommen und vertilget wird. [HiG.01_41.05.10,08] Wie aber Ich der Welt ein „Aas“ bin,
so wird die Welt dereinst jenseits ein Aas sein von Mir und allen Meinen
Engeln ewig! [HiG.01_41.05.10,09] Wahrlich, wollt ihr leben, so müsset
ihr durch Mich „verpestet“ werden und die Welt muß euch fliehen um der Pest
Meines Namens willen und muß Kordone ziehen vor eurem Hauche. So ihr aber
solches merket, da frohlocket, denn da seid ihr sicher schon „angesteckt“ von
der „Pest des ewigen Lebens“. Sonst täte die Welt euch, was sie tut, so ihr
wäret wie sie. Allein, da ihr nicht mehr der Welt seid, sondern seid allzumal
Meiner Liebe geworden, so geltet ihr auch stets weniger bei der Welt. [HiG.01_41.05.10,10] Wahrlich, ahnete sie, was in euch
verborgen durch Mich vorgeht, sie würde euch ärger fliehen denn die
eigentliche Pest. [HiG.01_41.05.10,11] Darum aber kann euch die Welt nicht
hassen, denn sie weiß es nicht, was in euch ist. Mich aber hasset sie über
die Maßen, da sie weiß, was in Mir ist, nämlich ein harter Spiegel, der ihr
ihre Greuel unablässig vorhält. [HiG.01_41.05.10,12] Nun siehe du, was es ist, das Ich dir
heute zum Angebinde bringe! – Ein verhaßtes stinkendes „Aas“! Und lade dich
ein vom „Aase“ mit den „Adlern“ zu speisen, ja selbst ein „Aar“ zu werden! Ja
sogar „verpesten“ will Ich dich für und vor der Welt! [HiG.01_41.05.10,13] Allein mache dir nichts daraus! Siehe,
Ich bin ja Selbst der Welt die allergrößte und verhaßteste „Pest“. Fürchte
dich nicht vor Meiner „Pest“, denn sie ist das ewige Leben selbst! Wohl dir,
daß du von Meiner „Pest“ angesteckt wurdest! Denn darinnen wirst du leben das
Leben Meiner Liebe ewig. [HiG.01_41.05.10,14] Denn Ich bin das „Aas“ des Lebens, und
diese „Pest“ ist Meine Liebe ewig. Amen! Das sagt dir Der, den alle Welt
hasset, da Er wider sie zeuget ewig. Amen. Höret, schauet und erfahret! –
15. Mai 1841
[HiG.01_41.05.15,01] Liebe Kinder, so ihr Mir nachfolget,
da folget Mir vollkommen in allem nach! [HiG.01_41.05.15,02] Habet nicht Lust, zu wandeln in
„tiefen Tälern, Gräben und Schluchten“, die da oft sind voll Ungeziefers,
unreiner Luft und nicht selten voll Haders, voll Zankes, Hasses und aller
Dieberei und gegenseitigen Fluches unter den Nachbarn, sondern gehet mit Mir
gerne auf „Berge und Höhen“! Da sollet ihr allzeit entweder eine Bergpredigt
oder eine Verklärung oder eine Sättigung mit wenig Brot oder eine Reinigung
vom Aussatze oder einen Sieg über die stärksten Versuchungen, eine Erweckung
vom geistigen Tode und derart vieles und für euch jetzt noch
Unaussprechliches erfahren! [HiG.01_41.05.15,03] Ja, nehmet sogar Kinder mit, und ihr
sollet den Segen der Berge auch an ihnen gar deutlich erkennen. Und wer da
ist schwachen Leibes, der soll nicht fürchten die gesegneten Berge, denn ihre
Scheitel sind umflossen vom stärkenden Hauche der Geister des Lebens.
Fürwahr, auf den Bergen und Höhen, da drehen sich selige Reihen und schmücken
die duftenden Scheitel mit goldenen Blumen der ewigen Liebe. [HiG.01_41.05.15,04] O prüfet noch heute Bewohner der
Berge, ob sie nicht zumeist groß beschämen die Haderer der Täler, der Dörfer,
der Märkte und Städte. Die christliche Gastfreundlichkeit wohnt ungeschändet
nur noch auf Bergen! Verträgliche Eintracht wohnt nicht in den Städten der
Tiefe, in Tälern und Gräben; auf Bergen nur müßt ihr sie suchen; da ist sie
zu Hause, wie unter den Pflanzen, so unter den Tieren und eben nicht selten
auch unter den Menschen. [HiG.01_41.05.15,05] O lasset zwei Feinde betreten die
duftenden Scheitel der Alpen! Ihr werdet nicht selten erfahren und sehen, daß
die Feinde als Freude sich kosen. [HiG.01_41.05.15,06] Und schauet zurück auf die ersten der
Väter auf Erden! Sie wohnten auf Höhen der Berge! Vom himmelan ragenden Sinai
gab Ich dem Mose die heiligen Tafeln, auf welchen mit goldenen Zeichen des
ewigen Lebens gar freie Gesetze den Menschen der schmutzigen Tiefe gezeichnet
und eingegraben einst waren. Ich brauche euch nicht mehr von allen den
heiligen Bergen zu sagen, auch nicht von der Schule der Seher und Künder des
ewigen Wortes aus Mir. [HiG.01_41.05.15,07] So gehet nur öfter auf Berge und
weilet recht gerne auf selben! Da werdet ihr allzeit in Fülle den Segen der
ewigen Liebe des heiligen Vaters erfahren. [HiG.01_41.05.15,08] Der Kulm, schon einmal von Mir euch
geraten, wird geben dem, welcher aus Liebe zu Mir wird besteigen den
grünenden Scheitel, was einstens der Tabor dem Petrus, Jakobus und Meinem
Johannes. – Doch höret, Ich sage nicht „Muß“ und nicht „Soll“ – nur wer kann
und wer will, folge Mir, Seinem Meister und Vater, so wird er gar bald auch
erfahren, warum Ich die Predigt des Himmels vom Berge zum Volke gesprochen! –
Die Zeit steht euch frei, doch je eher, je besser, das merket euch! Amen. [HiG.01_41.05.15,09] Das sage Ich, Vater, ganz heilig, voll
Liebe zu euch! Hört es! Amen, Amen, Amen. Der Berg Kulm. – 22. Mai 1841
[HiG.01_41.05.22] Schreibende: K. G. L. – Andr. und Ans. H. [HiG.01_41.05.22] Über die am Mittwoch, den 19. Mai 1841
von Jakob Lorber und einigen Freunden unternommene Reise auf den Kulmberg bei
Michelsdorf im Grazer Kreise, offenbarte der Herr gnädigst durch Seinen
Knecht Nachfolgendes: [HiG.01_41.05.22] (NB. Statt von Graz nach Waiz zu fahren,
um auf den Kulm zu gelangen, schlugen wir den Umweg über Gleisdorf ein. Und
statt von Gleisdorf gerade nach Pischelsdorf zu fahren, gelangten wir auf die
Ilzerstraße, und zwar nach Sonnabendkirchen (Sinabelkirchen), von wo aus wir
erst nach Pischelsdorf fuhren. Der Kulm wurde erst abends um 1/2 7 Uhr
erstiegen.) [HiG.01_41.05.22,01] Wenn ihr ein nächstes Mal eine
Gebirgshöhe in Meinem Namen betretet, da richtet es also ein, daß ihr fürs
erste euch im voraus um den nächsten Weg bekümmert, und fürs zweite, daß ihr
auf einer solchen Höhe wenigstens drei Stunden lang verweilet. [HiG.01_41.05.22,02] Denn wenn es sich um eine äußere
Anschauung eines Wunders handelt, da muß das Sinnenwesen zuerst durch den
weitgedehnten Anblick der äußeren Dinge gewisserart voll gesättigt werden.
Durch diese Vollsättigung gerät dann das Gemüt in eine Art Betäubung, welche
nicht unähnlich ist dem euch bekannten magnetischen Zustande. [HiG.01_41.05.22,03] Wenn ihr euch da dann an Mich wendet
im Geiste der Liebe und aller Wahrheit, sodann erst kann Ich das innere Auge
der Seele mit dem Auge des Geistes verbinden und diese doppelte innere Sehe
dann richten vor das Auge des Leibes. Dadurch könnet ihr dann in den Stand gesetzt
werden, Dinge der Natur in einem ganz anderen Lichte zu schauen und mitten
unter den naturmäßigen Dingen Geistiges also zu entdecken, daß dasselbe im
strengen Verhältnisse mit den naturmäßigen Dingen gewisserart durchsichtig
bildlich zur Erscheinung kommt und also seinen Standpunkt einnimmt, wie die
Ursache zur Wirkung. [HiG.01_41.05.22,04] Wenn ihr aber schon eine Speise zu
euch nehmet, die nur für den Magen berechnet ist, da verweilet ihr nach der
Mahlzeit eine kurze Zeit in der Ruhe und saget, solches sei der Verdauung
wegen nötig. Meinet ihr denn, eine solche Ruhe sei nur dem Magen zuträglich,
so er seine Speise zu sich genommen hat? [HiG.01_41.05.22,05] Ich sage euch aber, ihr bedürfet
solcher Ruhe um so mehr, wenn der noch sehr schwache Magen eures Geistes ein
wenig geschwelget hat. Denn wenn solche Ruhe nach der Sättigung des Geistes
wegbleibt, so gehet auch die geistige Verdauung schlecht vor sich. Es muß
aber ja allezeit jede Speise eher verdaut sein, bevor sich der das Leben
fördernde Stoff entbindet und aufsteigt als Nahrung für das höhere Leben. [HiG.01_41.05.22,06] Denn jeder Nahrungsstoff nährt zuerst
die unterste Potenz des Lebens. Ist diese genährt, so wird der Stoff
verfeinert zum Dienste eines auf einer höheren Kräftestufe stehenden Lebens,
und das so lange fort, bis er zu der hohen Sphäre des Selbstbewußtseins und
endlich der vollen Sich-selbst-An-und-Durchschauung gelangt. [HiG.01_41.05.22,07] Nun denket euch, wenn ihr auf eine
solche hohe geistige Speisekammer gelangt und raffet da vieles in einem
Augenblicke heißhungrig zusammen, sobald ihr euch aber durch einen solchen
Schnellfraß einigermaßen gesättiget fühlet, da laufet ihr fort, als wenn ihr
Diebe wäret! – Fraget euch selbst, wo da die Verdauung und die aufsteigende
Verfeinerung des Nahrungsstoffes bleibt? [HiG.01_41.05.22,08] Daher, wie schon gesagt, richtet es
euch ein nächstes Mal besser ein, und das zwar eures schwachen Glaubens
wegen, vermöge dessen ihr mehr oder weniger lauter „Thomasse“ seid. Denn
solange es nichts zu gaffen und zu greifen gibt, wahrlich, da seid ihr noch
immer im halben Glauben und ebenso auch in halber Liebe und im halben
Vertrauen. So aber jemand sich die Augen verbindet oder von der Stelle
weichet, da Ich ihm ein Schaustück bereitet habe, so bin nicht Ich, sondern
ist er selber Schuld daran, wenn er nichts gesehen und eben auch gar nicht zu
viel empfunden hat. [HiG.01_41.05.22,09] Damit ihr aber dessenungeachtet zu
einer inneren Anschauung durch das Wort gelanget, so will Ich vermöge Meiner
immerwährenden, unbegrenzten Liebe und Barmherzigkeit euch gegen den Schluß
dieser Schrift das Versäumte zeigen und nach der Ordnung vorführen. – Zuvor
aber muß euch das Naturmäßige dieses Berges sowohl als auch dessen
weitgedehnte Umgebung und Fernsicht, wie auch die atmosphärischen Gebilde,
näher erklärt und berichtigt werden. [HiG.01_41.05.22,10] Was den Berg selbst betrifft, so hat
er denselben Ursprung, wie die euch schon im vorigen Jahre gezeigte Chor- und
Kleinalpe. Denn das Gestein hat die nämliche Blätterformation, wie die schon
bekannten zwei Alpen. – Seine Neigung ist von Südost nach Nordost. Denn also
kam die über hundert Klafter dicke Blätter-Steinmasse als gefestigter
periodischer Niederschlag des Meeres nach der schwammartigen Erhebung aus dem
Grund an ihre eigene Untermasse zu lehnen, nachdem diese Untermasse von den
damaligen noch großen Wasserströmungen abgespült worden war, was euch alle
die Kleinhügel zeigen, da sie bis zu einer Höhe von hundert Klaftern und auch
darüber von abgerundeten Kieseln mit untermengtem Flugsande oft mehrere
Klafter tief überdeckt sind. [HiG.01_41.05.22,11] Ihr werdet zwei vorzügliche Ausläufer
von diesem Berge entdeckt haben, von denen sich der eine südlich, der andere
aber mehr östlich mit mehreren kleinen Auszweigungen hinzieht. Diese
Ausläufer sind, allda sie am höchsten stehen, ähnlichen Ursprungs. Die
Niederungen aber oder die Zweige dieser Hauptausläufer sind nichts als
Anschwemmung; der Abhang gegen Norden und der kleinere Ast gegen Nordost ist
nur eine Form des Urbruchs aus der Tiefe und ist dessen sanfter und sanfter
auslaufender Fuß, entstanden teils durch das Abbrechen der hoch über ihre
Unterlage ragenden Felsenzinnen, teils aber ebenfalls durch Anschwemmung und
Niederschlag von Sand und kleineren Steinchen, welche die Flut oft weit her
mit sich geführt hat und dort fallen ließ. [HiG.01_41.05.22,12] Sehet, das ist nun die Grundbildung
dieses Berges! – Wenn ihr dann und wann eure Augen auf den betretenen Boden
geheftet habt, so werden euch auch hier kleine abgerundete Quarzbröckchen
notwendig zum Vorschein gekommen sein; nur mit dem Unterschiede, daß ihre
Farbe nicht weiß, sondern rötlich ist. Dieser Quarz ist nicht desselben
Ursprungs wie der weiße auf der Choralpe, sondern er rührt aus der Noahischen
Zeit, allwann – wie euch schon ein wenig bekanntgegeben wurde – der großen
Wasserflut, welche damals fast über dreiviertel Teile von Asien und ganz
Europa und über die nördliche Hälfte Afrikas ging, eine hauptsächlich in
Europa und dem westlichen Asien überaus heftige Feuer-Eruption voranging,
d.h. ungefähr 77 Jahre vor der darauf folgenden Wasserflut. [HiG.01_41.05.22,13] Daß sich in den unterirdischen
Wasserbehältern durch den Niederschlag eine solche Quarzmasse bildet, könnet
ihr daraus ersehen, daß sich eben diese Quarzmasse auch in den oberirdischen
Gewässern durch einen schleimartigen Niederschlag bildet, wenn ihr den
zahllos vorkommenden Quarz an den Ufern der Flüsse nur ein wenig ins Auge
fasset. [HiG.01_41.05.22,14] Nehmet ihr einen solchen abgerundeten
Quarzklumpen im Gewichte von etwa einem Pfund, leget denselben in eine
Wasserkufe, entweder am Brunnen oder auch irgendwo anders, da ihr Wasser
haltet zur Feuerversicherung, lasset ihn bei zwei Jahre lang darin liegen und
wäget ihn hernach auf einer genauen Waage, so werdet ihr finden, daß er fürs
erste gewichtig geworden ist und fürs zweite auch ganz gewiß ums kennen etwas
umfangreicher. Wenn aber schon eine so kurze Zeit in Hinsicht der Bildung des
Quarzes einen solchen merklichen Ausschlag gibt, da denket, wie stark die
Bildung dieser Steinmassen erst in den großen unterirdischen Wasserbehältern
seit so vielen Jahrtausenden her sein muß! [HiG.01_41.05.22,15] Wenn die Feuer aus der noch größeren
Tiefe der Erde hervorbrechen und auf ihrem blitzschnellen Wege die über ihnen
befindlichen großen Wasserbecken samt der über den Wässern mehrere tausend
Klafter dicken Erdkruste zerreißen, so muß es ja geschehen, daß bei einem
solchen Ausbruche allerlei zerrissene Steinmassen aus der Tiefe der Erde bis
hoch über die Wolken hinausgeschleudert werden, von wo sie dann
natürlicherweise teils wieder in den Abgrund und teils auf die Oberfläche der
Erde niederfallen, wo sie dann, wenn irgendeine Gebirgsplatte noch nicht
gehoben ist, mit derselben dann bald darauf miterhoben werden. Oder sie
fallen auch schon auf gebildete Gebirgserhöhungen nieder, was auch bei dem
Kulm der Fall war. Denn dieser war schon da, als auf der nördlichsten Gegend
– namentlich zwischen den Ortschaften Buch und dem Schlosse, das Ich nicht
benennen will – eine solche unterirdische Feuer-Euruption vor sich ging,
davon die euch bekannte regellose Unebnung des Bodens herrührt. [HiG.01_41.05.22,16] Wenn ihr auf den Zug der Täler nur ein
wenig Aufmerksamkeit gewendet habt, so werdet ihr mit leichter Mühe entdeckt
haben, daß sie sich samt und sämtlich mehr oder weniger südöstlich hinziehen.
Dieses bekundet nichts anderes, als den Zug der vormaligen großen
Wasserströmung, welche einst ihr Ufer an den Kärntnerischen Alpen und
andererseits an den Karpaten Ungarns hatte und somit eine beinahe dreimalige
Breite des Adriatischen Meerbusens hatte, da dieser am breitesten ist. [HiG.01_41.05.22,17] Später hat sich das Wasser mehr und
mehr verloren, und es waren dann nur ebensoviele einzelne Ströme von
derselben Breite zu sehen, wie ihr jetzt noch die einzelnen Täler erblickt.
Und von allen diesen Strömen ist nun nichts mehr übriggeblieben als die in
den Tälern vorfindlichen Bächlein, welche nur dann einen etwas bedeutenderen
Fluß ausmachen, wenn sie sich zu Hunderten nach längerem Zuge vereinigt
haben. [HiG.01_41.05.22,18] Nun sehet, wenn ihr ein nächstes Mal
auf irgendeine solche Höhe kommet, sei es die nämliche oder eine von euch
gewählte oder eine von Mir bestimmte, so müsset ihr eure Phantasie und
Einbildungskraft in diesem Gefühle erwecken und schauen die Vorzeit im
Vergleiche der Gegenwart, und zwar allezeit das nur, was die Erde selbst euch
zur Anschauung bietet, so habt ihr den wahren Grund zur inneren Anschauung
gelegt. [HiG.01_41.05.22,19] Darinnen werdet ihr Meine Arbeit entdecken
und Meine Baukunst bewundern und werdet euch Mir nahen in eurem immer wacher
werdenden Gefühle. [HiG.01_41.05.22,20] Wenn ihr aber auf einer solchen Anhöhe
nichts anderes zu tun habt, als nur mit Kalk übertünchte Stein- und
Holzhaufen anzugaffen, da tut ihr ja bei weitem besser, wenn ihr zu Hause in
eurer Stadt bleibet, daselbst ihr nicht das Auge so abzumühen habt, um eine
Menge von übertünchten Steinhaufen mit einem Blicke zu überschauen, welche
noch obendrauf zum größeren äußeren Vergnügen des Auges kunst- und
prachtvoller erbaut sind als die Mir über alles widrigen Landespreßkammern,
in welchen Menschen wohnen, welche sich darum für mehr als die andern
Menschen halten, weil sie neben vielen tierischen Eigenschaften auch noch die
der Blutegel und Vampire besitzen, vermöge welches traurigen Prädikates sie
für nichts und wieder nichts ihren vermeintlichen Untertanen das Blut ihrer
kärglichen Habseligkeiten ohne alles Bedenken abzapfen können. [HiG.01_41.05.22,21] Es hat wohl jeder Monarch für die wahren
Staatsbedürfnisse seine Untertanen mit verhältnismäßigen Steuern zu belegen,
aber daß ein solcher sogenannter „Gutsherr“ auch Steuern fordert von seinen
vermeintlichen Untertanen, wahrlich, Ich sage euch, das ist Mir ein Greuel.
Und wenn ein solcher sogenannter Gutsherr nicht durch häufige Wohltaten an
seine vermeintlichen Untertanen solchen alten Frevel soviel als möglich zu
tilgen strebt, so wird er dereinst eine harte Rechnung abzulegen haben und
wird sich müssen über den letzten Heller überaus vollkommen ausweisen, wozu
er ihn verwendet hat. – Wehe denen, die ihre Renten verpraßt, vergeudet und
verhuret haben! Wahrlich, Ich werde sie begraben lassen unter ihre höllische
Preßkammer! Und sie sollen da so lange gepreßt werden von den Materialien, davon
ihre Preßkammer erbaut wurde, bis das letzte Steinchen durch den
darniederfallenden Regen in Tau und Staub aufgelöst worden ist. [HiG.01_41.05.22,22] Nun sehet, daher sollet ihr von einer
solchen Höhe die Anschauung solcher allerletzten Dinge auch auf die
allerletzte Zeit ergehen lassen und dann euch auf der Höhe in die anfangs
besprochene Verdauungsruhe setzen. Dann habt ihr die Dinge in Meiner Ordnung
angeschaut, habt auf Meiner Welttafel ordentlich gespeist und werdet dadurch
auch zur Nützliches befördernden Verdauung gelangen. [HiG.01_41.05.22,23] Habt ihr auch Fernrohre mit euch, so
gebrauchet dieselben nach eben der Ordnung, aber nicht umgekehrt. Und wenn
ihr schon damit anfanget, fernliegende Gebäude euren Augen näher zu bringen,
so richtet sie zuerst auf ärmliche Hütten und Keuschen. Ich sage euch, der
Anblick einer solchen Wohnung der Armut wird für euer Gefühl, für eure
Phantasie und Einbildungskraft mehr lebendige Stärkung bieten als der
vielfache Anblick irgendeiner entlegenen, verrosteten Stadt oder eines
halbzerfallenen Schlosses oder eines gar nichtssagenden Glockenturmes bei
einer Kirche aus Steinen, Ziegeln und Mörtel! [HiG.01_41.05.22,24] Ist denn nicht jeder Baum, jede
Pflanze ebensogut und mehr noch ein lebendiger Tempel, durch welchen sich
Meine Macht, Weisheit und Liebe treulich kundgibt dem, der diesen gewiß viel
künstlicheren Tempel mit dem Geiste und dessen Liebe betrachtet? Daher ist
euch fürs erste nötiger, diese lebendige Tempel Meiner Liebe und Erbarmung zu
betrachten und hernach erst diejenigen mit hohen Glockentürmen. [HiG.01_41.05.22,25] Denn bei den hohen Glockentürmen, da
muß Ich gewisserart die sonderbare Ehre haben, als ein immerwährender
Arrestant in irgendeinem vergoldeten Tabernaculum zu sitzen und zu warten,
bis der Priester, entweder durch seine Ordnung oder manchmal auch durch einen
klingenden Beutel genötigt, Mich dem armen, halb und oft auch gar nichts
glaubenden Volke zur meistens sehr uninteressanten Anschauung, Anmurmelung
und Anrufung ausstellt. Nach einem ein- oder zweimaligen metallenen Segen mit
Begleitung des Metallgeklingels und Chorgeplärrs aber muß Ich Mich dann von
neuem wieder untätigermaßen einsperren lassen. [HiG.01_41.05.22,26] Daß solches ein allerbarster Unsinn
ist, welchen die spätere Glanzsucht ausgeheckt hat, möget ihr wohl ohne
Fernrohr auf den ersten Blick aus Meinen Evangelien ersehen und an den ersten
echtkirchlichen Gebräuchen zu den Zeiten der Apostel und ihrer Nachfolger
durch mehrere Jahrhunderte hin. [HiG.01_41.05.22,27] Wo Ich Mich mit der Materie verbinde,
da wird die Materie lebendig. Denn mit dem Tode hat der lebendige Besieger
desselben nichts zu tun. Wer aber Mich im Brote sucht, der glaube, daß Ich
das Brot und den Wein eingesetzt habe als bleibendes Denkmal Meiner
Menschwerdung auf Erden. Aber das Brot und der Wein müssen sein, was sie
sind; und müssen nicht eingeschlossen sein und gesteckt und gefaßt ins tote
Metall; sondern sie müssen gefaßt sein in den lebendigen Glauben und in die
wahre Liebe! [HiG.01_41.05.22,28] Und so wie das Brot ein echtes Brot
sein soll, an welchem man sich sättigen kann, und der Wein ein echter Wein
zur Stärkung der Lebenskraft und zur Stillung des Durstes – also soll auch
sein der Glaube gleich dem Brote und die Liebe gleich dem Weine! [HiG.01_41.05.22,29] Es ist aber in solchen steinernen
Kirchen der Glaube nun gleich der Hostie, die nur die Form des Brotes in
einer höchst unsättigenden Potenz enthält, und die Liebe ist ebenfalls
entweder gar keine, weil kein Wein – oder mit zeitlichen Interessen gewässert,
wie bei dem sogenannten „Meßopfer“. [HiG.01_41.05.22,30] Mehr brauche Ich euch darüber nicht zu
sagen, da ihr aus diesem wenigen gar leicht entnehmen möget, ob für den Geist
ein blühender Baum nicht mehr Nahrung bietet als ein solch glaubensloser und
liebekalter Tempel. [HiG.01_41.05.22,31] Nun, nachdem Ich euch sowohl für
diesen als für einen künftigen Fall mit allem wahrhaft Zweckdienlichen
bekanntgemacht habe, so will Ich – wie schon anfangs erwähnt – euch auch noch
dasjenige zeigen, das ihr allda hättet an euch selbst erfahren sollen, wenn
ihr nicht gar zu nötig gehabt hättet, wieder in euer Nachtquatier
zurückzukehren. [HiG.01_41.05.22,32] Wenn ihr irgendwo in Meinem Namen euch
befindet, da tut ihr sehr unrecht, wenn ihr euch um was immer sorget, sei es
um die Gesundheit des Leibes oder um andere allfällig mögliche Gefahren des
Zurückkommens. Denn wo Ich euch als Führer diene, da seid ihr in der Mitte
der Nacht so gut geborgen wie am hellen Mittage, ob ihr lieget, stehet oder
gehet. Oder könnt ihr Mir einen Vorwurf machen, daß euch bei irgendeiner
Reise in Meinem Namen nur ein Haar gebrochen worden ist? [HiG.01_41.05.22,33] Daß ihr auf dieser Reise ein wenig von
dem eigentlich nächsten Weg abgewichen seid, hat keinen anderen Grund gehabt
als das „werktätige Zeugnis“, aus welchem ihr gar füglich ersehen möget, daß
der Mensch oft weniger aus schlechtem Willen als aus Unkunde den weitesten
Weg nach dem vorgesteckten Ziel einschlägt, ohne zu bedenken, daß auch im
Geiste – wohlverstanden – der gerade Weg der kürzeste ist. [HiG.01_41.05.22,34] Denn es gibt bei Mir durchgehends
keine „hohen Ämter“ und keine „Sonntagskirchen“ (in der Volkssprache
„Sunnwendkirchen“ oder „Sinabelkirchen“), die ihr zuerst durchmachen und
passieren müßt, um zu Mir zu gelangen. Und in Meiner großen Staatsverwaltung
bin Ich die unterste und oberste Instanz Selbst. Solches aber habt ihr nicht
gesehen und nur sehr leise empfunden. [HiG.01_41.05.22,35] Auf dem Berge ganz in der Höhe aber,
da ein ärmlichstes Kapellchen ist, werdet ihr einen Luftzug vom Morgen her
gar deutlich körperlich verspürt haben. In diesem Luftzug habe Ich euch
angewehet, davon euch sicherlich eine heiter-ruhige Stimmung und eine große
Stärkung eurer ermüdeten Glieder und ein geheimnisvolles Rauschen durch die
Wipfel der niedlichen Bäumchen eine nicht geringe Kunde gegeben hat, daß ihr
darob sicher hättet sagen können: „In einem geheiligten Winde aus Morgen her
hat der Herr mich angeweht!“ [HiG.01_41.05.22,36] Wäret ihr nun über den Verlauf der
siebenten Stunde da geblieben und hättet euer Herz und euer Auge zu Mir
gerichtet, so hättet ihr auch von dem Berge bis nach dem Friedhof dieses
Pfarrortes, da ihr geblieben seid, eine Auferstehung der Toten gesehen, wie
Ich sie eine Minute lang – unter dem Verbote, euch davon Meldung zu tun –
Meinen Knecht habe sehen lassen. Welches Bild sich da zeigte, mag euch der
Knecht nach dieser Mitteilung entweder mündlich, so ihr es aber wollt, an
einem Tage auch in die Feder sagen! [HiG.01_41.05.22,37] Es bleibt uns demnach nur noch die abendliche
Trübung der Atmosphäre zu erklären übrig. – Der „Abend“ ist die Weltsphäre
des Menschen. Wenn der Mensch sich dem „Morgen“ naht, und dieser sich vor ihm
mehr und mehr aufzuklären anfängt, da wird es etwa doch notwendig sein, dem
noch sehr abendlich gesinnten Morgen-Wanderer, den „Abend“ so viel als
möglich zu verhüllen, auf daß seine Augen ja keinen anlockenden Gegenstand
finden sollen, der sie von der Beschauung des „ewigen Lebensmorgens“ abziehen
möchte! Sehet, darum war auch der Abend so sehr mit Dünsten aus der Erde
angefüllt, um euch ebenfalls zu belehren, daß wenn einem der „Morgen“
geöffnet wird (wenn auch hie und da noch ein wenig getrübt), er seine Blicke
nicht dem dunstigen „Abende“ zukehren solle, sondern dem „Morgen des Lebens“,
d.h. nicht der Welttümlichkeit, sondern dem, was des Geistes und Meiner
ewigen Liebe ist. [HiG.01_41.05.22,38] Am nächsten Tag – als an einem Feier-
oder Ruhetage – habt ihr alles im reinsten Lichte gesehen, ohne die geringste
dunstige Trübung. – Dieses soll euch besagen, daß nur in der stillen Feier
der „Verdauung“ der von Mir gereichten Speise endlich alles Trübe und
Finstere sich aufhellet und die klare, selbstbewußte Anschauung dann in
großer Klarheit aus des Lebens neu erwachtem Morgen in das wunderbare Dasein
tritt. [HiG.01_41.05.22,39] Also erwäget auch ihr dieses Bild in
eurem Herzen! Wandelt geraden Weges und befleißiget euch, daß ihr der
„verdaulichen Ruhe“ nicht vergesset, so werdet ihr auch in euch, wie den
„neuen Morgen“ voll Glanz und Licht, so auch den gereinigten „Abend“ eures
Weltlebens gar wohl erleuchtet schauen in euch. [HiG.01_41.05.22,40] Machet euch die Berge zu Freunden, die
Täler zur Anschauung der Demut und Mich zum Führer durch die Täler auf die
Berge der Ruhe und des Friedens, so werdet ihr jetzt wie immer und in alle
Ewigkeit erkennen, daß nur Ich, euer Vater, der wahre Weg, das Licht und das
ewige Leben selbst bin ewig! [HiG.01_41.05.22,41] Das sage Ich, der allerbeste
Wegweiser. Amen. Friedhofseelen. – Gesicht des
Knechtes als Hinzugabe zum „Kulm“. – 25. Mai 1841
[HiG.01_41.05.25.a] Schreibende: K. G. L. – Andr. und Ans.
H. [HiG.01_41.05.25.a,01] Nachdem die Sonne untergegangen war,
und zwar in der Zeit, als ihr bei der Rückfahrt den ersten Stern am Himmel
erblicktet und auch zugleich des Friedhofes ansichtig wurdet, auf dessen
oberster Stelle eine unausgebaute Kapelle sich befindet – in derselben Zeit
wurde dem Knechte auf einige Minuten das Auge der Seele geöffnet, damit er
einen Blick machen sollte dahin, wo die Verstorbenen verwesen und die
Unsterblichen nach und nach auferstehen. [HiG.01_41.05.25.a,02] Wie sah denn der Knecht diese
Erscheinung? – Damit ihr euch von dem Gesichte einen anschaulichen Begriff
machen könnet, so stellet euch ein Glas mit Wasser gefüllt vor, in welchem
einige Bröckchen Zuckers liegen. Beachtet, wie allda aus dem Zucker
immerwährend Bläschen aufsteigen und kleine Klümpchen Zuckers mitheben,
welche sich unterm Wege zum Teile auflösen und dadurch einen
sternschnuppenartigen Schweif hinter sich lassen, der unaufgelöste Teil aber
dann, sobald das Bläschen die Oberfläche des Wassers erreicht hat, sich
wieder vom Bläschen trennt und in die Tiefe sinkt und dort sich entweder viel
langsamer auflöst oder sich aber auch öfters an ein neues Bläschen anklebt
und mit demselben eine neue „Auferstehung“ beginnt. [HiG.01_41.05.25.a,03] Ebenso auch müsset ihr euch
vorstellen die Seelen, deren Herz sehr stark an der Welt gehangen ist! Diese
hängen noch gar lange nach dem Hinscheiden an der materiellen Erde und
namentlich vorzugsweise gerne an dem Orte, wo ihr Leib verweset. Und manche
verweilen so lange auf den Friedhöfen über den Gräben ihrer Leiber, bis nicht
ein Atom mehr von ihrem Leibe durch den Akt der Verwesung übrigbleibt. [HiG.01_41.05.25.a,04] Da die Seele nach dem Tode immerwährend
mit ihrem freien Geiste vereint bleibt, dessen vollkommenen Leib sie
eigentlich selbst ausmacht, so wird auch in Hinsicht der ewig zu achtenden
Freiheit des Willens diesen Wesens durchaus kein Zwang angetan. Sondern sie
werden nur von Zeit zu Zeit belehrt, können aber im übrigen tun, was sie
wollen, gerade so, als wenn sie noch leiblich auf der Welt lebten. [HiG.01_41.05.25.a,05] Die Hauptursache, daß sich die
Seelen also auf den Friedhöfen aufhalten, ist wohl die falsche Lehre von der
Auferstehung des Fleisches. – Die Seelen werden zwar allezeit belehrt, daß
der verstorbene Körperleib sie gar nichts mehr angeht, daß aus demselben für
sie in alle Ewigkeit nichts mehr herauswachsen wird und er daher für sie
nicht mehr zu beachten ist als ein gänzlich zerrissener, zugrunde gerichteter
Leibrock, aus welchem auch in alle Ewigkeit kein neuer Rock mehr auferstehen
wird. [HiG.01_41.05.25.a,06] Allein solche Lehre nützt bei diesen
Wesen geradesoviel, als so ihr mit dem allerbesten Willen einem Erzmönche beweisen
wolltet, daß Ich auch ohne ein sichtbares kirchliches Oberhaupt Meine Kirche
lenken und regieren möchte, oder wenn ihr ihm beweisen wolltet, daß seine
Kutte um kein Haar besser ist als die Jacke des geringsten Knechtes; oder
wenn ihr ihm beweisen wolltet, daß eine sogenannte „Reliquie“ keinen anderen
Wert hat, als ein in einem Dunghaufen halb verwester Strohhalm. Oder NB. wenn
ihr ihm beweisen wollet, daß ein kurzes Gebet im Geiste und in der Wahrheit
aus dem Herzen eines Mich liebenden Bruders, und wenn es nur 10 Worte lang
ist, einen unendlichen höheren Wert hat als 10000 Hochämter in einer fürs
Volk unverständlichen Sprache, wenn sie noch so gut bezahlt wären von
Gläubigen und gelesen bei den privilegierten Gnaden-Altären. [HiG.01_41.05.25.a,07] Sehet, geradesoviel ihr in dieser
Hinsicht bei einem solchen Erzmönche ausrichten würdet (der euch bei eurer
Erklärung nicht viel besser traktieren würde, wie Mich die Juden vor dem
Hohenpriester Kaiphas traktiert haben, da sie Mich für den größten Ketzer hielten
und für einen, der mit allen Teufeln Gemeinschaft hat) – ebenso ergeht es
auch den vom Himmel gesandten Lehrern, wenn sie solche Seelen von dem Irrwahn
abbringen und ihnen beweisen wollen, daß das Fleisch des Leibes in alle
Ewigkeit nicht wieder auferstehen wird. [HiG.01_41.05.25.a,08] Wenn die erst vor kurzem
Verstorbenen solche Lehren vernehmen, da entsetzen sie sich und werden
überaus traurig darüber, daß es ihnen fürder nicht mehr gegönnt sein solle,
in ihre vermeintlichen verklärten Leiber zurückzukehren – aus welchem Grunde
denn auch in der Geisterwelt der Hauptunterricht auf dem Wege eigener
Erfahrung bewerkstelligt wird. [HiG.01_41.05.25.a,09] Wenn diese Wesen nach und nach
ersehen, daß aus allen ihren Erwartungen, aus falscher Lehre und falschem
Glauben, nichts wird, so verlangen sie von den höheren Lehrern weggeführt zu
werden, und zwar nirgends anders hin als schnurgerade in den „Himmel“. [HiG.01_41.05.25.a,10] Solches wird ihnen alsogleich auch
gewährt. Allein, wenn sie da in die Wahrheit des Himmels gelangen, so glauben
sie durchaus nicht, daß dies der „Himmel“ sei, weil er nicht so aussieht, wie
sie sich ihn fälschlich vorgestellt haben. [HiG.01_41.05.25.a,11] Denn wenn sie da Menschen antreffen
mit allerlei Arbeiten beschäftigt, wie auf der Erde, und zwar aus dem Grunde,
weil die Freude des Himmels in nichts anderem besteht, als in einer
Liebetätigkeit um die andere und in einem ersprießlichen Wirken nach dem
anderen – wenn sie dann solches im Himmel ansichtig werden, so fangen sie oft
gewaltig über den Himmel loszuziehen an und sagen: [HiG.01_41.05.25.a,12] „Das wäre mir ein schöner Himmel, wo
ich wieder arbeiten müßte! Solches habe ich auf der Erde zu meinem größten
Überdrusse tun müssen, und hab es nur getan des Himmels wegen! Jetzt aber, da
ich in den Himmel gekommen bin, sollte ich arbeiten wie zuvor auf der Erde,
und das dazu noch ewig! Da ist es ja doch viel gescheiter, ich kehre
alsogleich zur Erde zurück und warte auf meinem Grabe bis zum Jüngsten
Gerichte, allwann mein Leib gewiß auferstehen wird, weil es also geschrieben
steht und mich auch die heilige römische Kirche also zu glauben gelehrt hat!“ [HiG.01_41.05.25.a,13] Und sobald kehren solche Wesen in
allem Ernste wieder zurück. – Wenn sie aber an ihrem gewünschten Orte wieder
alsobald angelangt sind, so werden sie von den da Harrenden kreuz und quer
ausgefragt, was der heilige Petrus zu ihnen gesagt habe, ob er sie geschwind
hineingelassen habe, oder ob sie auf der gewissen Wartebank lange harren
mußten, bis es dem Petrus einmal gefällig war, sie hineinzulassen. [HiG.01_41.05.25.a,14] Und so lassen sich oft diese Geister
über ein langes und breites fragen, bis sie mit einer lächerlichen Antwort
zum Vorscheine kommen, welche allerlei höhnende Formen annimmt. Als z.B., daß
sie sagen: „Der Himmel ist nichts als ein Bauerngrund“. Oder: „Er ist nichts
als eine Dienstboten-Wirtschaft“. Oder: „Die himmlischen Freuden bestehen
darin, daß man nun von neuem über einen Hausknecht arbeiten soll“ –
dergleichen Erklärungen des Himmels eine Menge. [HiG.01_41.05.25.a,15] Solche Erklärungen aber finden
allezeit – wie leicht einzusehen ist – keinen großen Glauben bei den noch
nicht im „Himmel“ Gewesenen. Und dessenungeachtet wünschen doch viele in den
„Bauernhimmel“ zu kommen. [HiG.01_41.05.25.a,16] Welche dann solches wünschen, die
werden von den Lehrern (Schutzgeistern) hinweggeführt und über das Wesen des
Himmels unterrichtet. Es wird ihnen gezeigt, daß der wahre, eigentliche
Himmel aus ihnen selbst hervorgehen muß, und daß sie durchaus nicht „in“ den
Himmel kommen können, sondern nur der Himmel in sie durch den lebendigen
ernstlichen Willen, stets mehr Gutes zu tun und darum auch stets geringer zu
werden, um desto mehrfältig in die Gelegenheit zu kommen, jedermann dienen zu
können. [HiG.01_41.05.25.a,17] Wenn dann solche Lehre in ihnen
Wurzel gefaßt hat und sie eine große Lust bekommen, anderen in allerlei zu
dienen und wohlzutun, alsdann werden sie von den Lehrern neuerdings enthüllt,
auf daß sie sich fürs erste ganz durchschauen können und hinreichend prüfen
können ihren himmlischen Entschluß. [HiG.01_41.05.25.a,18] Haben sie sich dadurch bewährt
gefunden, daß sich ihre wahre Himmelsbegierde offenbar hervorgetan hat,
gänzlich verzehrend alles noch irdisch Anklebende, so geht dann diese
himmlische Begierde wunderbar gewisserart nach allen Seiten auseinander und
bildet fürs erste den wunderherrlichen Weg und, sich immer mehr und mehr
ausbreitend, endlich auch den Himmel selbst. [HiG.01_41.05.25.a,19] Und dieser Himmel vereinigt sich
dann mit dem gleichen Himmel der schon seligen Geister, wie sich gleichsam
Liebe mit Liebe vereinigt und wie sich vereinigt das Liebe-Gute mit dem rein
Glaubens-Wahren und, umgekehrt, wie das rein Glaubens-Wahre mit dem
Liebe-Guten. [HiG.01_41.05.25.a,20] Sehet, also sah der Knecht einige
Minuten lang diese Seelen sich raschen Fluges nach oben erheben und bald
wieder zurücksinken. Und es war das Schauspiel nicht unähnlich dem
Feuerspiele der sogenannten „römischen Lichter“, welche sich auch leuchtend
erheben, aber in der Höhe, halb oder oft ganz verlöschend, umkehren und
wieder zur Erde fallen – nur daß diese aufsteigenden (Seelen-)Lichter nicht
so feurig aussehen wie jene aus den römischen Kerzen, sondern ihr Licht
gleichet vielmehr dem eines vom Monde erleuchteten kleinen Wölkchens. [HiG.01_41.05.25.a,21] Doch müßt ihr euch nicht denken, als
habe der Knecht menschliche Formen gesehen, denn solches vermag nur das Auge
des Geistes – sondern nur ein solches Steig-und-Fall-Gaukelspiel von
luftig-matt-schimmernden Wolkenbüscheln. Und dieses hättet auch ihr gesehen,
wenn ihr so lange auf dem Berge verweilt hättet. Von Geisterspuk, Helden- und
Liebestaten. – 25. Mai 1841, (Fortsetzung)
[HiG.01_41.05.25.b,01] Ihr werdet in eurem Innern denken:
Diese (auf der Rückfahrt vom „Kulm“ vom Knecht geschaute
Friedhof-)Erscheinung, wenn auch geistig, hat gerade nicht gar zu viel
außerordentlich Ausgezeichnetes in ihrem Anblicke! – Es ist wahr, daß oft so
manche Erscheinung aus der Geisterwelt in ihrer möglichen Äußerlichkeit
nichts Außerordentliches für ein Auge bietet. Aber es geht bei allen
geistigen Erscheinungen so: Je größer sie sind in geistiger Hinsicht, desto
geringfügiger sind sie allezeit in ihrer äußerlichen Erscheinung. Je
großartiger aber irgendeine geisterhafte Erscheinung auftritt, desto weniger
ist im Grunde daran. [HiG.01_41.05.25.b,02] Ihr werdet öfter gehört und gelesen
haben, daß in manchen alten, verfallenen sogenannten Ritterburgen oft so
großartige Erscheinungen und „Spukereien“ vor sich gehen, daß davon mehrere
Provinzen und Länder eine ganz unheimliche Kenntnis erlangen. Und wenn ihr
Gelegenheit hättet, selbst einer solchen nächtlichen „Spukerei“ beizuwohnen,
da würdet ihr sicher ausrufen: „Ach, das ist doch etwas Außerordentliches!“
Und wenn ihr, gleich vielen anderen Menschen, sehen würdet, wie solche
verwunschene Burgprinzen nächtlicherweile Steine und andere Gegenstände um
sich her werfen oder umhertragen, wahrlich ihr würdet das Außerordentliche
solcher Erscheinung euer ganzes Leben lang vor lauter Größe nicht verdauen! [HiG.01_41.05.25.b,03] Wenn Ich euch dabei aber euer
geistiges Auge öffnen würde, so würdet ihr darüber nicht viel anders
urteilen, als wenn ihr unterwegs einige Gassenbuben angetroffen hättet,
welche sich damit vergnügen, einige nichtssagende, lose Bubenstreiche
auszuführen! [HiG.01_41.05.25.b,04] Die kleinliche Erscheinung, daß sich
zwei Mücken begatten, woraus ihr euch soviel wie gar nichts machet,
übertrifft ja doch an Größe und Bedeutung alle Burgspukereien seit den
urältesten Zeiten bis auf euch und weit fernerhin. [HiG.01_41.05.25.b,05] Ebenso ist es übrigens auch mit den
„Taten“ der Menschen! Es gibt ja „Helden“ darunter, die vor tausend und
tausend Jahren die sogenannten größten Taten ausgeführt haben, und noch
heutigentags werden sie besungen und von tausend Geschichtsschreibern für das
arme Gedächtnis neu geboren. Jedoch wahrlich, Ich sage euch, wenn euch
dereinst die große Bibliothek in Meinem Reiche aufgetan wird, so werdet ihr
darinnen so manche „Großtatenhelden“ mit ganz vergeblicher Mühe suchen. Wohl
aber werdet ihr euch darüber höchlich verwundern, wie in diesen ewigen
Büchern des Lebens oft eine von niemand bemerkte, ganz im geheimen verübte
Liebestat sich großartig für alle ewige Zeiten von neuen und immer neuen
Wundern bezeichnet ausnimmt! [HiG.01_41.05.25.b,06] So wäre z.B. einem von euch je auf
irgendeinem Wege ein armer, mühseliger Mensch oder ein armes, hilfloses Kind
was immer für eines Geschlechtes untergekommen, und ihr hättet ihm eine
Barmherzigkeit erwiesen – fürwahr diese Tat allein überwiegt schon alle
ordentlichen Großtaten aller Welthelden, welche Menschen zu Tausenden und
abermals Tausenden schlachten ließen, als wären sie, gleich Mir, Herren über
Leben und Tod, während sie doch nicht auch nur ein verdorrtes Grashälmchen zu
beleben vermögen. Und könnten sie es auch, wie gering wäre solche Tat gegen
die, durch welche ihr nicht nur ein Grashälmchen, Ich sage euch, unendlichmal
mehr denn ein Grashälmchen, höret und verstehet wohl, durch welche Tat ihr
einen Meiner Brüder belebet habt! [HiG.01_41.05.25.b,07] Wenn ihr nun von solch großartiger
Schlachtung bis zur Belebung eines Grashälmchens und von da bis zur Belebung
eines unsterblichen Bruders die endlosen Unterschiede im Geiste erwäget, so
wird es euch gewiß klar werden, warum in Meiner Bibliothek solche
Erdheldentaten gar nicht vorhanden sind und warum wieder andere, auf der Erde
oft gerade gar so wenig beachtete (Liebes-)Taten, in Meinem Reiche ein so
außerordentliches, sage, ewig wunderbares Aufsehen erregen. [HiG.01_41.05.25.b,08] Es geht mit diesen kleinscheinenden
Liebestaten auf der Erde beinahe geradeso, als wenn jemand mit der Spitze
einer Nadel seinen Namen in die zarte Rinde eines jungen Bäumchens
eingegraben hätte, allda der Name wächst wie der Baum selbst. Und könnte der
Baum wachsen ins Unendliche, wie in Meinem Reiche, so würde auch der Name mit
dem Baume selbst also ins Unendliche wachsen, daß ein jeder einzelner
Schriftzug am Ende zu einem unendlichen Felde würde, auf welchem wieder neue
und zahllose Wunder sich zu enthüllen einen großen Raum haben möchten. [HiG.01_41.05.25.b,09] Daher auch, Meine lieben Freunde: Wo
ihr in Meinem Namen immer hingehet, und was ihr in Meinem Namen immer ansehet
und beobachtet, wollet ihr wahrhaft Großes beobachten, dann wendet eure Augen
auf kleine Dinge und geringfügig scheinende Ereignisse! [HiG.01_41.05.25.b,10] Wahrlich, in eurem Geiste werdet ihr
es ohne Mühe empfinden, was da größer ist: eine strahlende Zentralsonne oder die
Träne eines armen, weinenden Kindes. Wahrlich, habt ihr die Träne getrocknet
und habt dem Hungrigen auch nur ein mageres Stückchen Brotes gereicht, so
habt ihr mehr getan, als wenn ihr eine Trillion Zentralsonnen erschaffen und
wieder zerstört hättet. [HiG.01_41.05.25.b,11] Denn diese und alle Welten mit ihren
Herrlichkeiten werden einst vergehen und zunichte werden – aber aus den Taten
der Liebe werden an ihrer Stelle unvergängliche Sonnen und Welten hervorgehen
und werden wachsen und herrlicher werden in alle Ewigkeit der Ewigkeiten. Und
ihr werdet darinnen schauen die große Herrlichkeit des „neuen Himmels“ und
der „neuen Erde“, welche da sein werden und jetzt schon sind: reine,
unvergängliche Werke der ewigen Liebe – wie die jetztigen Welten sind Werke
des Zornes und seiner tödlichen Macht. [HiG.01_41.05.25.b,12] Tuet daher Liebe jedermann ohne
Unterschied und helfet nach Vermögen jedem, der eurer Hilfe bedarf, so werden
eure Werke vollkommen sein und ihr in euren Werken – wie Ich, euer
liebevollster Vater im Himmel, vollkommen bin. [HiG.01_41.05.25.b,13] Das sage Ich, dem das Kleine lieber
ist als das Große. Amen! Gottesliebe und Menschenliebe. –
Einer jungen Seele zum Namenstag. – 28. Mai 1841
[HiG.01_41.05.28,01] An die, welche einen männlichen Namen
hat und eine Tochter des Ans.-Wortemsig und der E. H. P. W. ist und heute den
nicht viel sagenden Tag ihres irdischen Namens feiert – schreibe folgendes
Wörtlein von Mir, auf daß sie daraus wieder erkennen möge die schon in der
Wiege oft gehörte Vaterstimme, darum sie als kleines Kind gar so weinerlich
war, wenn die süße Vaterstimme sich nicht alsbald meldete. [HiG.01_41.05.28,02] Gabiela! Ist dir fremd geworden Meine
Vaterstimme? Liebst du Mich nicht mehr also, wie du Mich geliebt hast in der
Wiege? [HiG.01_41.05.28,03] Gabiela Mein! Mußt Meiner nicht
vergessen! Und nicht dein Auge und dein Herz schlank gewachsenen jungen
Männern durchs Fenster insgeheim ehesüchtig nachsenden, und zwar heute
diesem, morgen jenem und übermorgen einem dritten usw., sondern stets Meiner
gedenken und dein Auge und dein Herz Mir nachsenden und lieben Einen nur! Und
dieser Eine bin Ich, dein heiliger, liebevollster Vater. [HiG.01_41.05.28,04] In dieser allein gerechten Liebe wirst
du leben zeitlich glücklich und ewig dann im Schoße deines Vaters! [HiG.01_41.05.28,05] Die Menschenliebe, siehe, liebe
Gabiela, ist kein nütze, wenn sie nicht aus Meiner Liebe stammt. [HiG.01_41.05.28,06] So du aber aus Mir zu jemandem dich
hinneigen möchtest, da siehe, ob er im Besitze Meiner Liebe ist! – Ist er
das, so ist er dir gleich und deinem Herzen der Nächste. – Ist er's aber
nicht, da betrachte ihn als einen irrenden Bruder, der noch zwischen Himmel
und Hölle wandelt und seine Augen mehr auf Abgründe ewiger Nacht als zu Mir,
dem ihm noch völlig unbekannten „Vater“, richtet. [HiG.01_41.05.28,07] Der Gerecht-Liebe-Lichte wird dich
wenden zum Lichte, woher du und der Liebe-Lichte im Geiste stammet. – Der
Abgrundforschende aber wird dein Auge kehren, dahin er sein eigenes gewendet
hat. Wenn der finstere Abgrund sein Augenlicht verzehren und er beim nächsten
Tritte in den Abgrund fallen wird, so wird sein Fall dich zum Mitfalle
zwingen. Und es möchte dann schwer halten, dich im Abgrund aller Nacht
wiederzufinden und loszulösen von den Ketten, welche eine arge Weltliebe um
dein zartes Herz geschmiedet hätte tausendfältig. [HiG.01_41.05.28,08] Daher, Meine liebe Gabiela, liebe nur
Mich! Ja sei oder werde ganz verliebt in Mich, gleich einer Magdalena! Und
mit dem Herzen siehe nur Dem nach, den Ich dir, erfüllt mit Meiner Liebe,
vorstellen werde! Jeden andern aber achte und liebe, insoweit auch er ein
Mensch ist! [HiG.01_41.05.28,09] Gegen die Armen aber sei mitleidig und
für die arg Irrenden und Fallenden bete zu Mir, deinem Gott und Vater, so
wirst du vollkommen Meine liebe, glückliche Gabiela sein – hier und dort in
Meinem Schoße ewig! [HiG.01_41.05.28,10] Dieses Wörtlein sei dir ein teuerstes
Angebinde zu deinem irdischen Namenstage! – Und in dem Wiedervernehmen deines
inneren, eigenen Namens aber bedenke, daß Ich, dein ewiger, heiliger,
liebevollster Vater, dir nicht ferne bin, jetzt wie ewig! Amen. [HiG.01_41.05.28,11] Gedenke Mein, liebe Gabiela! Ich, dein
Vater, sage es dir, daß du Meine liebe Gabiela bist und bleiben sollst ewig!
– Amen, Amen, Amen. Leben und Tod. – 6. Juni 1841
[HiG.01_41.06.06,01] Im Tode wirst du leben – und im Leben
sterben! – Und so ist das Leben im Tode – und der Tod im Leben! [HiG.01_41.06.06,02] Der Tod ist das Leben. Und wer nicht
hat den Tod, dem ist das Leben nicht eigen. [HiG.01_41.06.06,03] Es muß über alles der Tod kommen, was
da leben will, möchte und soll. [HiG.01_41.06.06,04] Das Leben kommt durch den Tod, und er
ist des Lebens Samenkorn! [HiG.01_41.06.06,05] Wer also das liebt, daß er lebe, der
fliehe das Leben, so wird er es erhalten. Denn dem Tode mußt du unterliegen,
sonst bist du ein „ungesäter Same“. – [HiG.01_41.06.06,06] Der wahrhaft tote Tod aber ist die
Sünde! – Amen. Wichtige Erziehungswinke. – 20.
Juni 1841
[HiG.01_41.06.20,01] Es möchte Andr. H.-Willig erfahren,
was mit einem „porzellanen Gefäße“ zu tun sei, so selbes durch einen
unvorsichtigen Stoß irgendeinen kleinen „Sprung“ erhielt, so daß es darum nun
den edlen Saft (der in diesem Gefäße erst seine volle Altersgediegenheit,
gleich dem Weine, erreichen sollte) durchsickern läßt und darum auch
befürchten macht, daß der edle Saft sich am Ende gänzlich verliere und im
gesprungenen Gefäße nur noch die der Welt angehörigen Trebern zurückbleiben. [HiG.01_41.06.20,02] Höre, es ist ein solches Gefäß, schwer
zusammenzukitten solange noch irgendeine Flüssigkeit darin enthalten ist und
somit den Sprung beständig feucht hält, so daß der harzfette Kitt nicht
angreifen mag und kann. [HiG.01_41.06.20,03] Aber so du merkst, daß dein Gefäß
schon einige Zeit geflossen hat, da wird es ja auch schon von ober her ein
wenig leer geworden sein. Siehe, da nehme du das Gefäß und neige es also, daß
die Leere gerade unter den Sprung kommt. Erwärme dann den gesprungenen Teil
des Gefäßes und tue den Kitt darüber, so wird das Gefäß schon wieder
zusammengreifen am Sprunge. Und der zurückgebliebene edle Saft wird nicht
mehr durchsickern und sich endlich ganz verlieren können, sondern wird sich
wohl erhalten. Besonders wenn du noch dazu den Pfropf ausziehest und das
Gefäß mit dem Safte kindlicher Liebe voll anfüllest und es dann wieder gut
neu zupfropfest mit dem Pfropfe klar gezeigter kindlicher Pflichten gegen
Gott und gegen den Willen der Eltern. [HiG.01_41.06.20,04] Aber höre, den jungen „Eckstein“ mußt
du zur Seite bringen! Denn sonst läuft das Gefäß stets eine neue Gefahr, mit
der Zeit auch ganz zerschlagen zu werden. Du wirst es verstehen, was Ich
meine! [HiG.01_41.06.20,05] Es hat aber dein Weib zu wenig
Kinderliebe. Und du aber kannst deines Amtes wegen nicht stets bei den Kindern
sein. Wenn aber die „junge Rebe“ einmal zu treiben anfängt, dann sucht sie
einen Gegenstand, daß sie ihn umranke. Sind da keine „Rebstöcke“ gesetzt, so
ergreift die Rebe auch den nächstbesten Baum und umrankt denselben. Wenn aber
der sein dichtes Laub dann auch getrieben hat, da wird mit der Zeit die Rebe
anfangs geschwächt und wohl endlich auch oft gar zu Grunde gerichtet. [HiG.01_41.06.20,06] Da aber dein Weib Mangel hat an
„Rebstöcken“, welche da sind die Mutterliebe, so nehme eine ehrliche Lehrerin
ins Haus, d.h. die da durch Liebe, Rat und Tat deine „Weibreblein“ zu
bearbeiten und durch eigenes Beispiel zur gerechten, tugendhaften Anrankung
zu leiten versteht, so wirst du vieler Mühe enthoben werden, und es wird in
Meinem Namen schon alles wieder gut werden. [HiG.01_41.06.20,07] Für die Knaben aber nehme irgendeinen
verständigen, gesetzten Mann ins Haus, der ihnen zur sittlichen und
wissenschaftlichen Hilfe dient. Und nebstbei aber lasse einen befähigten
sogenannten Schulinstruktor ins Haus kommen, so wirst du auch da in Meinen
Namen gut fahren. [HiG.01_41.06.20,08] Aber die Religion vernachlässige bei
den Töchtern ja nicht und halte mit ihnen an im Gebete, desgleichen auch mit
den Knaben, so wirst du bald des Segens Fülle in deinem Hause gar leichtlich
bemerken. [HiG.01_41.06.20,09] Und teile der Jugend die Zeit, da sie
eines und das andere tun und lernen soll, fest und bestimmt ein, so wirst du
sie frühzeitig an die notwendige Ordnung gewöhnen, welche die Grundfeste
aller Weisheit und aller Liebe ist. [HiG.01_41.06.20,10] Und also tue und glaube und liebe, so
wirst du gut fahren in Meinem Namen. [HiG.01_41.06.20,11] Verstehe wohl, von Wem dieser Rat
kommt! Amen. Muttersöhnchens Erziehung. – 24.
Juni 1841
[HiG.01_41.06.24,01] Höre, deinen Sohn beherrschen drei
Geister böser Art! Und da ist Nummer eins: der großherrliche Träge! [HiG.01_41.06.24,02] Es sind diesem aber zwei andere
beigegeben von unten her! – Der eine ist stets auf Vergnügungen bedacht,
beständen sie in was immer! – Dieser Geist zieht zu seiner Bedeckung den
Geist des Widerspruchs, der geheimen oder offenbaren Widerspenstigkeit und so
auch aller Lüge und alles Truges mit. [HiG.01_41.06.24,03] Siehe, der Träge ist und will keine
Tätigkeit; sondern seine Sache ist: träge genießen. – Der zweite ist
sozusagen sein Hofnarr. Und der dritte ist die Schildwache und sorgt dafür
oder muß vielmehr sorgen, daß dem sich stets süß tun wollenden Geiste der
Trägheit ja möglichst kein Eintrag geschehen möchte. [HiG.01_41.06.24,04] Siehe, das ist die eigentliche,
verborgene Ursache vom Seelenübel des Sohnes, was da eine unkundige Folge ist
dessen, daß der Knabe von mütterlicher Seite, den Töchtern entgegengehalten,
zu sehr fürgedeckt wurde, wodurch er als Kind insgeheim zu willensfrei
geworden ist und ohne deine Gegenwart tat, was er wollte, dieweil er wohl
wußte, daß seine Schwestern aus Furcht vor mütterlicher Rüge von allen den
geheimen Bübereien dir nichts melden mochten und es sich auch nicht getrauen
(was noch heutzutage ein wenig der Fall ist). [HiG.01_41.06.24,05] Jedoch was Ich der Mutter nicht zur
Last lege, das lege auch du ihr nicht zu, da die Mutterliebe zumeist völlig
blind ist und neben dem Zuge ihres Herzens nichts davon merkt, wie da eine
Natter um die andere durch solche Blindeliebe-Wärme ausgehegt wird. [HiG.01_41.06.24,06] Jedoch, da sich nun die Sache also
verhält, so ist nun vor allem nötig, dem Kranken wieder zu helfen. – Das aber
ist das Rezept: [HiG.01_41.06.24,07] Erstens, verlange für die Zukunft von
allen deinen Kindern ein offenes Geständnis über ihn. [HiG.01_41.06.24,08] Zweitens, lasse dem Knaben nun
druchaus keinen freien Willen! Schreibe ihm darum zur Erholung eine bestimmte
Beschäftigung genauest vor, die er bei strenger Ahndung pünktlichst
verrichten muß, so wirst du gar bald die leere Unterhaltungslust bei ihm
töten. [HiG.01_41.06.24,09] Drittens, lasse ihn vor jeder
Beschäftigung bei einer Viertelstunde laut beten, und zwar allezeit recht
langsam und wohlbedächtig ein „Vaterunser“ und dann mehrere passende Stellen
aus Psalmen Davids, aus den Propheten und so manches aus dem Buche Sirach.
Dadurch wird er gar bald seiner üblen Gesellschaft los werden. [HiG.01_41.06.24,10] Und solches mag er dann beständig
fortsetzen fürs ewige Leben und zur einst möglichen, sicheren Gewinnung Meiner
Gnade, die mehr wiegt denn alle hohen Schulen der Schulen. [HiG.01_41.06.24,11] Viertens aber mußt du dich bei dir,
d.h. im Herzen, ja nicht ärgern, sondern denken, Ich, dein himmlischer Vater,
gebe auf der Erde allen Meinen Nachfolgern ein ihnen am allermeisten
zusagendes Kreuz, darüber sie nicht murren sollen, sondern alles Mir wohl
aufopfern. – Tue desgleichen, so wirst du deinen Kindern ihren Weg mit
Edelsteinen pflastern. [HiG.01_41.06.24,12] Binde dich, fünftens, nicht allzusehr
auf den Fortgang der (weltlichen) Schule, du weißt ja ohnehin, wie viel sie
bei Mir zählt! – Was liegt denn daran, ob jemand um ein Jahr früher oder
später der Welt zu dienen fähig wird!? – Aber alles liegt daran, wie
frühzeitig er Mich erkennt und Mich zu lieben anfängt! Denn nicht von der
Welt, sondern von Mir kommt alles Leben! [HiG.01_41.06.24,13] Sechstens sollst du nicht auf das
horchen, was der Knabe möchte; denn alles solches rührt von den geheimen
Einflüsterungen jener von außen einwirkenden Geister her, welche auf die eine
oder die andere Art ihren Einlaß bekommen möchten. Es liegt auch in der
Eigen-Standeswahl allezeit Eigenliebe und Eigenwille bei den Kindern, da sie
nur das werden möchten, wozu sie ihrer Sinnlichkeit wegen die meiste Neigung
haben, d.h. nach dem Triebe ihrer argen, innewohnenden Geister! [HiG.01_41.06.24,14] Siebentens mußt du die andern Knaben
nicht minder also handhaben – den Peter wie den Paul. Und auch dem jüngsten
lasse nicht sein Begehren, außer er bittet; und dann gib ihm nur so viel, als
es zu seiner Eindrittel-Befriedigung erforderlich ist. Dann wird er leiblich
gesund und möglichst lenksamen Willens emporwachsen. [HiG.01_41.06.24,15] Siehe und beachte diese sieben Punkte
genau, so wirst du alsobald andere Erfolge an deinem Knaben bemerken. [HiG.01_41.06.24,16] Sage aber auch den Mädchen, daß sie
ihn ruhig lassen und den Bruder nicht mit wertlosen Worten ankneifen möchten,
daran nicht viel Geschwisterliebe hanget; sondern sie sollen für den noch
nicht geweckten Bruder beten und ihn also lieben, statt, wie gesagt, ihn
durch beständige und allerlei Kneifereien zu reizen und zu ärgern. – Dein
Weib aber soll sich verhalten gleich dir! [HiG.01_41.06.24,17] So aber irgendeins der Geschwister den
Knaben etwas Fremdes tun sieht, so soll man es dir – wie schon anfangs
bemerkt – insgeheim alsogleich unverhohlen anzeigen – doch, wohlgemerkt, daß
solches aus Liebe und nicht aus einer Art Anrächelung geschehe! Denn für ein
rachsüchtiges Anzeigen, das etwa noch hinzulügelnd geschähe, könnte der
Anzeiger von Mir empfindlich gestraft werden! [HiG.01_41.06.24,18] Was dir aber immer nutzlos Tätiges an
dem Knaben bemerkbar wird, dazu verbinde ihn am nächsten Tage und, sollte das
nicht hinreichen, auch für mehrere Tage, daß er dasselbe pünktlich, also wie
seine Schulaufgabe, bei strengster Ahndung vollziehe; und du wirst in kurzer
Zeit ihn von aller sinnlichen Unterhaltungslust losmachen! [HiG.01_41.06.24,19] Verstehe es wohl und handle danach! –
Es sind aber alle deine Kinder mehr oder weniger etwas träge in einem und dem
andern Dinge. Daher habe auf alle Acht! Lasse sie ja nicht in andere Häuser,
die nun allenthalben mit Nattern, Schlangen und Skorpionen angefüllt sind!
Wie leicht ist da eine böse Erbschaft! [HiG.01_41.06.24,20] Ich habe dir nun alles gezeigt bis auf
eins. Handle danach im Glauben und in der Liebe genau, so wirst du die Kraft
Meines Wortes erproben. [HiG.01_41.06.24,21] Solches sagt dir dein Emanuel, hoch
und über alles heilig, in aller Liebe! Amen. Naturmäßige und geistige
Hauserneuerung. – 26. Juni 1841
[HiG.01_41.06.26.a] Schreibende: K. G. L. – Andr. und Ans.
H. – Frage: J. G. bittet um Aufschluß, ob und inwiefern wir uns im Geleite
eines Schutzgeistes („Schutzpatrons“) befinden. [HiG.01_41.06.26.a] Hierauf antwortete der Herr gnädigst
durch Seinen Knecht J. L. folgendes: [HiG.01_41.06.26.a,01] Je nachdem der Glaube bei den
Menschen, also ist auch die Wirkung desselben beschaffen. Denn der Glaube ist
dasjenige mächtige Band, durch welches der Leib, die Seele und der Geist
miteinander verbunden werden. [HiG.01_41.06.26.a,02] Es kann aber unmöglich eine Wirkung
in der Körperwelt also vor sich gehen, daß sie nicht fußen möchte auf dem
Geistigen. So jemand nun irgendein Bedürfnis empfindet, d.h. solange er
selbst naturmäßig mit der naturmäßigen Welt verkehrt, da sucht er auch
alsobald irgendein Mittel, das da helfend entspräche seinem Bedürfnisse. Da
aber jeder Mensch in seinem anfänglichen Dasein notwendigerweise nur
naturmäßig ist, so weiß er darob wenig vom Geistigen, noch sieht er es, noch
hört er es – und das darum, weil wie gesagt, er selbst noch naturmäßig ist. [HiG.01_41.06.26.a,03] Wie aber alles Naturmäßige
gebrechlich ist, also auch ist es der Mensch dem Leibe nach. [HiG.01_41.06.26.a,04] Was tut wohl ein Hausherr, wenn an
seinem Hause sich Brüche oder andersartige Mängel zeigen, welche ihn
befürchten lassen, daß, wenn er dem nicht alsobald abhilft, das Haus am Ende
also locker werde, daß es auch nicht einer kleinen Erschütterung Widerstand
leisten möchte? Wird der Hausherr hier nicht alsobald nach den geeigneten
Mitteln greifen, um seinem Hause wieder die gehörige Festigung zu geben? – Er
wird solches sicher tun, insofern er nicht lau ist und wohl achtet der
Schadhaftigkeit seines Hauses. [HiG.01_41.06.26.a,05] Was meinet ihr denn, welche Mittel
dieser Hausherr ergreifen möchte? – Ihr dürftet nicht lange raten, und sobald
werdet ihr ihn finden, wie er sein Haus untersuchen läßt von einem
Bauverständigen. Wenn aber der Bauvertändige zu dem Hausherrn sagt: „Höre, du
mein Freund! Mit deinem Hause sieht es übel aus! Denn der Fehler, der sich da
zeigt an den Wänden, rührt her von dem schlechten Grunde. Was nützt es dir,
so ich die zersprungenen Wände mit Mörtel überwerfen lasse und verputze es
also von außen wie von innen!? So da ein allerleisester Erdstoß kommen wird,
dann wird es dich samt den Deinigen unter dem Schutte begraben.“ [HiG.01_41.06.26.a,06] So aber der Hausherr solches üble
Zeugnis vernimmt von dem Baukundigen, da wird er kleinmütig über die große Schadhaftigkeit
seines Hauses und beratet bei sich selbst: „Was soll ich nun tun? Soll ich
diesem Bauverständigen glauben, das Haus ganz niederreißen und vom Grunde aus
ein neues bauen, was doch mit bedeutenden Unkosten verbunden ist? Oder soll
ich noch andere Verständige in diesem Fache herbeiziehen und mein leckes Haus
ferneren Untersuchungen überlassen?“ [HiG.01_41.06.26.a,07] Nachdem er solches gedacht, beratet
er also mit sich: „Was des ersten Baukundigen Rat betrifft, so ist der an und
für sich wahr. Aber wenn es sich dabei um das Aufbauen eines neuen Hauses
handelt, so ist er für die Reperatur dieses lecken nicht brauchbar. Denn ein
neues Haus läßt sich überall aufbauen; hier aber handelt es sich um die
nötige Ausbesserung des bestehenden schadhaften!“ [HiG.01_41.06.26.a,08] Also wird zu einer neuen Beratung
geschritten, dazu nicht nur einer, sondern mehrere Baumeister herbeigezogen
werden. Nun entscheiden aber einige wie der erste. Andere aber schlagen
Mittel vor, wie dieses Haus wieder also hergestellt werden kann, daß es so
fest wird wie ein neues, vom festen Grunde. [HiG.01_41.06.26.a,09] Was meinet nun ihr, für welchen Rat
sich der Hausherr beifällig entschließen wird? – Sicher für keinen anderen,
als für den zweiten Rat. [HiG.01_41.06.26.a,10] Nun sehet, eines jeden Menschen Leib
ist nichts anderes als ein bewegliches Haus des Geistes. [HiG.01_41.06.26.a,11] Diesem Hause drohen oft
mannigfaltige Gefahren. Diese Gefahren sind gewisserart schon wirkliche Risse
in dem Hause oder sind so gestellt, daß das Haus vermöge der Erfahrungen an
anderen Häusern irgend lebensgefährliche Risse erhalten möchte. [HiG.01_41.06.26.a,12] Da der naturmäßige Mensch solches
wohl sieht, was ist dabei auch wohl natürlicher, als daß er sich mit allerlei
beratet, auf welche füglichste Art und Weise er sein entweder schon
zerklüftetes Haus wieder herstellen könnte, als wäre es ein neues, oder, wenn
er andere zerklüftete Häuser sieht aus seinem noch unzerklüfteten, er dann
denkt, wie er sein Haus verwahren möchte vor Beschädigungen. [HiG.01_41.06.26.a,13] Auch er wendet sich zuerst – nach
dem Rate des Wortes, das Ich da gesprochen habe zu allen Menschen – an Mich,
als den Hauptbaumeister. Aber dieser Baumeister verlangt, daß das morsche
Haus gänzlich niedergerissen und auf dessen Stelle ein neues und festes vom
Grunde aus erbauet werde. [HiG.01_41.06.26.a,14] Allein ein solcher Rat kostet den
Hausherrn zu viel. Daher wendet er sich auch an andere, wenigstens seiner
Meinung nach, Bauverständige. Von denen raten ihm viele also wie der
Hauptbaumeister, darum sie auch nicht seinen Beifall haben. Andere aber, die
nicht mit dem großen Baumeister sich an dem Worte fest und ungezweifelt
halten, geben ihm den Rat der Ausbesserung, wodurch er gleichsam sein Haus
gleich einem neuen erhalten und befestigen könne – welchen Rat der dadurch
hinters Licht geführte Hausherr auch zuerst befolgt. [HiG.01_41.06.26.a,15] Was meinet ihr aber, ist dieser Rat
wohl ein guter Rat? – Für den Hausbesitzer ist er wohl gut, da er seinem
Wunsche entspricht. An und für sich aber ist er nicht gut, weil das Haus nur
eine scheinbare, aber keine wirkliche Festigkeit erlangt. [HiG.01_41.06.26.a,16] Sehet hier die Wirkung des Glaubens!
Dieses Band verbindet nun den Hausbesitzer mit dem Bedürfnisse des Hauses
selbst und mit der ihm gar nicht zu kostspieligen Hilfe desselben. Aber wie
der Glaube, so auch die Hilfe! – Fraget euch aber selbst, wie sich solches
bei Mir ausnimmt? [HiG.01_41.06.26.a,17] Ich will euch ein kleines Gleichnis
geben, und es soll euch zu einem geistigen Spiegel dienen, darinnen ihr
ersehen sollet das Bild eines kostenscheuenden Hausbesitzers, wie es ihm am
Ende eine bei weitem größere Mühe und Arbeit kostet, wenn er sein Haus
verschmieret, statt daß er selbes alsobald abbrechen und unter der Leitung des
großen Baumeisters ein neues, festes Haus aufbauen möchte. [HiG.01_41.06.26.a,18] Dieses aber ist das Gleichnis:
Jemand ist in dem vollsten, überzeugtesten Bewußtsein, daß der Monarch eines
Staates ein so herablassender, guter Mensch ist, demnach ein jeder, der bei
ihm etwas ansucht, es ohne alle weitere Beanstandung erhält. Trotz dieser
Wissenschaft aber getrauet sich der Bedürftige nicht vor die Schwelle des
Monarchen, sondern kriecht bei allen Hofleuten herum, welche ihm endlich den
Zutritt zum Monarchen also erschweren, daß es ihm eine platte Unmöglichkeit
scheint, je zu dem Monarchen zu gelangen und noch weniger vom selben etwas zu
empfangen. [HiG.01_41.06.26.a,19] Daher bleibt er dann auch bei den
Hofleuten stehen und sucht alles bei denselben und korrespondiert in der
unbegreiflichsten Kriecherei mit dem Monarchen. [HiG.01_41.06.26.a,20] Der Monarch aber sieht solche
Zaghaftigkeit; und damit dem Supplikanten kein Zwang angetan werden möchte,
so läßt er es auch bei dieser demütigen Kriecherei bewenden bis zur Zeit, da
es dem Monarchen zu bunt wird, daß sich bei aller seiner unbegrenzten Güte
und Herablassung die armen Menschen verleiten lassen, durch andere
gewinnsüchtige Mäkler den Haupthelfer zu scheuen und Hilfe zu suchen bei
denen, die nie helfen können und, wenn sie es auch könnten, nicht helfen
wollen, weil sie eigennützig sind, und auch darum nicht, weil der Monarch sie
übel ansehen würde, so sie sich etwas anmaßen möchten, das doch allezeit nur
einzig und allein die Sache des Monarchen selbst war, ist und sein wird. [HiG.01_41.06.26.a,21] Sehet, wie dieses Gleichnis zeigt,
also steht es mit dem Menschen, der irgendwo anders Hilfe sucht, als allein
bei Mir. Vom einzig wahren „Schutzpatron“.
– 26. Juni 1841
[HiG.01_41.06.26.b,01] So jemand an die Hilfe und Führung
von gewissen Schutzgeistern und Engeln glaubt, der ist gleich dem, der da
wohl kennt den Monarchen, daß er überaus gut ist, aber aus Furcht, es möchte
dem Monarchen vielleicht doch nicht recht sein, daß er ihn selbst belästigen
würde mit seiner vermeintlichen Ungeschicklichkeit, so schlingt er sein Band
um andere Schutz- und Hilfswesen und glaubt am Ende, daß diese ihm in allem
Ernste allein geholfen oder ihn vor Gefahren geschützt haben, während doch
nur der Monarch als der Hauptbauherr dem Schwachgläubigen seine Hilfe und
seinen Schutz durch diejenigen hat zuteil werden lassen, auf welche sich der
Schwachgläubige berufen hat. [HiG.01_41.06.26.b,02] Denket das einmal so recht in euch!
Ihr wisset, daß alle Menschen und alle Geister und Engel nichts sind, als von
Mir frei getragene Gedanken, die allezeit ihr Leben und ihr alles aus Mir
haben, und zwar ein jeder so viel, als es Meiner ewigen Ordnung gemäß für ihn
gerade am zweckdienlichsten ist. [HiG.01_41.06.26.b,03] Wenn aber nun einer kommt zu dem
andern und sagt ihm: „Helfe mir in diesem und jenem!“ – und wenn dann der
andere dem Anrufenden wie aus sich helfen will, ist das nicht gerade so, wie
wenn ein Blinder den andern führen und ein Toter dem andern das Leben
einhauchen oder ein Übertrauriger den andern Übertraurigen trösten möchte? [HiG.01_41.06.26.b,04] Ich sage euch, es hat jeder Mensch,
Geist und Engel genug, daß er für sich steht, und hat auch nicht ein Atom
mehr, daß er aus sich für einen anderen stehen könnte. [HiG.01_41.06.26.b,05] Wer aber zu Mir kommt, mit was immer
für einem Bedürfnisse und schlingt das lebendige Band des Glaubens um Mich,
den allein Lebendigen, wie soll dem nicht werden, darum er sich mit Mir durch
den lebendigen Glauben verband? [HiG.01_41.06.26.b,06] Es gibt demnach auf dem Wege der
reinen Wahrheit nur einen einzigen wahren Schutzgeist – und dieser bin Ich
Selbst! [HiG.01_41.06.26.b,07] Alle anderen „Schutzgeister“ rühren
her von einem durch gewinnsüchtige Anstalt der äußeren Kirche hervorgerufenen
Schwachglauben. [HiG.01_41.06.26.b,08] Da sich aber Menschen darauf berufen
haben, sich noch jetzt berufen und in die Zukunft berufen werden, so bleibt
vorderhand, um die Freiheit der Menschen unbeschadet zu lassen, nichts
anderes übrig, als den Schwachgläubigen auf dem Wege der vermeintlichen
Dazwischenkunft (Mittlerschaft) Meine Hilfe und Vorsehung angedeihen zu
lassen. [HiG.01_41.06.26.b,09] Auf der andern Seite müsset ihr aber
nicht denken, daß darob die Liebetätigkeit der Seligen aufhört. Sie ist nur
nicht also beschaffen, wie es der Schwachglaube lehrt. Sondern weil alle die
Seligen in Mir sind, wie Ich in ihnen, so sind sie auch von einer und
derselben Liebe ihres heiligen Vaters beseligt und für alle ewige Zeiten
belebt. [HiG.01_41.06.26.b,10] Es lebt nicht ein Mensch auf dieser
Erde, dem nicht Geister aus einer besseren Welt beigegeben wären. Und diese
Geister sind auch beständig bemüht, denjenigen, zu dem sie beschieden sind,
zum Lichte und zum Leben alles Lebens zu führen. [HiG.01_41.06.26.b,11] Aber woher rühret und was ist dieses
überaus liebtätige Bestreben solcher Geister? – Bin nicht Ich es, der alles
dieses in ihnen wirket? [HiG.01_41.06.26.b,12] Wie ist es hernach doch ungerecht,
wenn der Mensch Mich umgeht und Hilfe sucht bei denen, die aus sich nichts
haben, sondern alles nur aus Mir! [HiG.01_41.06.26.b,13] Was will aber der Mensch anderwärts
suchen, wenn er weiß, daß Ich als der Allerhöchste mit ihm ein Mensch, ja ein
Bruder sogar werden mochte, damit er daraus ersehen sollte, daß Ich, mehr
denn ein jeder Mensch, von ganzem Herzen demütig und sanftmütig und überaus
herablassend bin und nicht bin ein Gott in der Ferne, sondern ein Vater und
Bruder euch zuallernächst – so daß euer eigenes Leben euch ferner ist, als
Ich Selbst. [HiG.01_41.06.26.b,14] Es sei denn, daß der Mensch im
Ernste lebensscheu geworden ist und hat sich mit dem Tode befreundet, daß er
dann nicht mag das wahre Leben ergreifen und greifet in die Ferne und durch
große Umwege nach dem, was ihm doch zuallernächst ist und ihn beständig
sozusagen auf den Händen trägt. Denn auf eine andere Art möchte es wohl die
höchste Weisheit (gleichalso wie einen viereckigen Kreis) als rein unmöglich
finden, daß ein Mensch, der das Leben liebt, es nicht vor allem (da er es
doch kann, so er es nur will) in der Wurzel erfassen möchte. [HiG.01_41.06.26.b,15] Gehet aber zurück und fraget ein
jegliches Evangelium, fraget alle Apostel und andere Verbreiter Meines Wortes
und zeiget Mir irgendeine Stelle, in welcher da gelehret wurde, sich auch an
gewisse „Schutzgeister“ neben Mir zu halten. Oder heißt es im Evangelium
nicht vielmehr: „Kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, denn
Ich will euch alle erquicken!“ [HiG.01_41.06.26.b,16] Ist in dieser Einladung jemand
ausgenommen oder jemand dem Schutze der Engel anbefohlen? – Gewiß nicht! –
Was da gesagt ist, ist gesagt für die ganze Unendlichkeit und für die ganze
Ewigkeit! [HiG.01_41.06.26.b,17] Wer aber von euch möchte dann noch
behaupten, daß dieses Mein Wort nicht vollkommen ist, oder daß Ich damals
nicht alles gehörig erwogen habe und Mich erst in späterer Zeit eines
besseren besonnen? – Eine solche Mutmaßung würde sogar jeden weltlichen
Herrscher ärgerlich machen, der doch unvollkommen ist in jeglichem Worte aus
sich. Wie möchte sie dann, auf Mich angewendet, sich ausnehmen!? [HiG.01_41.06.26.b,18] Sehet, daher ist ein solcher
(Schutzpatronen-)Glaube gleich einer Schmarotzerpflanze auf dem Baume des
Lebens. – Wer aber möchte behaupten, daß die Schmarotzerpflanze von irgendwo
anders, denn aus dem Baume, auf dem sie sitzt, ihr Leben saugt? [HiG.01_41.06.26.b,19] Was aber ist die Frucht des Baumes,
und was die Frucht der Schmarotzerpflanze? – Nur auf dem Baume wächst die
wahre Frucht. Wer sie isset, dem gereicht sie zum Leben. Aber was die Frucht
der Schmarotzerpflanze betrifft, so kann ihr Saft höchstens dazu dienen, um,
wenn es möglich wäre, selbst die Vögel des Himmels für den Tod zu fangen. [HiG.01_41.06.26.b,20] Sehet, also geht es mit allem, was
nicht mit Mir sich verbindet, d.h. das nicht mit Mir vom Grunde aus
auferbauet wird! Da ist das eine entweder ein übertünchtes Haus oder es ist
eine Schmarotzerpflanze auf dem Baume des Lebens, wovon eines so viel nütze
ist wie das andere. [HiG.01_41.06.26.b,21] Ich allein bin der Weg, die Wahrheit
und das Leben! Wer nicht mit Mir sammelt, der zerstreuet! [HiG.01_41.06.26.b,22] Eine Rebe, die vom Weinstocke
getrennt ist, wird sie nicht alsobald verdorren und nie eine Frucht bringen?
– Wer daher etwas benötiget, der komme zu Mir und glaube, so wird er es
erhalten! [HiG.01_41.06.26.b,23] Wen irgendein Zweifel drückt, der
denke, daß der Zweifel nur eine Folge dessen ist, daß jemand nicht mit Mir
wandelt und sich nicht von Mir ziehen läßt. Wer aber einen Zweifel hat, der
komme zu Mir und glaube, so wird ihm Licht werden in dem, worüber er
gezweifelt hat. [HiG.01_41.06.26.b,24] Wer da blind ist und taub und lahm
und gichtbrüchig und stumm und besessen, der komme zu Mir und glaube, so wird
er gewiß die allersicherste Hilfe finden! [HiG.01_41.06.26.b,25] Aber wohlgemerkt, Ich bin kein
kleiner, sondern ein übergroßer Gott. Wer Mich daher erfassen will, der
breite seine Arme weit aus, d.h. der muß Mich vollkommen umfassen und nicht
nur denken, daß Ich helfen könnte, so Ich wollte. Sondern er muß denken, daß
Ich auch allezeit am allermeisten helfen will. – Wenn er solches in sich
vereinigen wird, so wird sein Glaube erst recht lebendig. [HiG.01_41.06.26.b,26] Es dürfte aber vielleicht, d.h. nach
eurem Maßstabe gesprochen, hie und da manchem beifallen, daß er seinen
Glauben bezöge auf so manche Schutzgeister-Erscheinungen, besonders auf die
im Reiche des sogenannten Somnambulismus vorkommenden. [HiG.01_41.06.26.b,27] Da sage Ich: Diese bei solcher
Gelegenheit vorkommenden schutzgeisterhaften Erscheinungen sind nichts
anderes als Schöpfungen des eigenen Glaubens und haben große Ähnlichkeit mit
jenen Träumen, in welchen dem Menschen unter allerlei Umständen das bildlich
und lebendig zu Gesichte kommt, worüber er im wachen Zustande äußerst
lebhaft, nicht in seinem Verstande, sondern in seinem Gemüte, gedacht hat. [HiG.01_41.06.26.b,28] Wie aber auf der einen Seite diese
Traumgebilde etwas sind, so ist auch solche besagte Erscheinung bei den
Somnambulen nicht bloß eine leere Erscheinung, sondern sie ist auch etwas
Wirkliches. – Aber was ist dieses Wirkliche? – Dieses Wirkliche ist nichts
als eine Schöpfung des eigenen Glaubens in Verbindung mit der alles
realisierenden Liebe. [HiG.01_41.06.26.b,29] Denn es kann kein Mensch bei was
immer eine Hilfe suchen, daß er nicht zuvor glaubete und dann dasselbe mit
seinem Gemüte liebend und vertrauend umfassete. Und es kann schon ein
materieller Bildner keine Figur zuwegebringen, die er nicht zuvor gewisserart
in sich selbst erschaffen hat. [HiG.01_41.06.26.b,30] Wie hat er es aber erschaffen? – Er
dachte sich zuerst irgendeinen Gegenstand. Dieser Gegenstand behagte ihm. Da
er ihm aber behagt, so erfaßt er ihn in seinem Gemüte und ward gewisserart
verliebt in seine Idee. Wie er aber seine Idee mit der Liebe umfaßt hat, so
wird er sie auch, wenn er anders die Fähigkeit dazu besitzt, unfehlbar ins
Werk setzen. [HiG.01_41.06.26.b,31] Nun sehet, also geht es mit allen
Erscheinlichkeiten, besonders in dem sogenannten somnambulen Zustande, in
welchem nur dann die Gesichtstäuschungen aufhören und die Eigenschöpfungen
sich wie Nebel verflüchtigen, wenn nicht nur die Seele, sondern der lebendige
Geist der Somnambulen erwacht, in welchem Zustand (der freilich etwas selten
vorkommt) dann die Somnambulen gar wenig mehr von all den früher beobachteten
„Schutzgeistern“ usw. Erwähnung machen werden, da der Geist im klaren Schauen
nur den einzigen und alleinigen großen Schutzgeist aller Schutzgeister sieht,
hört und anerkennt. [HiG.01_41.06.26.b,32] Was aber neben den somnambulen
(Schutzgeister-)Erscheinungen noch jene mönchschwärmerischen betrifft, da
werdet ihr doch schon selbst so viel weise Klugheit besitzen und nicht,
gleich den Heiden, des übertörichten Glaubens sein, alle diese Schwärmereien
an der lichtvollsten Seite Meines Wortes als bare Münze anzunehmen und am
Ende gar noch eines Viertelsglaubens sein, als könnten sogar hölzerne,
steinerne und gemalte Bilder von gewissen „Schutzpatronen“ euch eine Hilfe
leisten. [HiG.01_41.06.26.b,33] Ich sage euch: Ein solcher Glaube
ist nicht um ein Haar besser als jener der Baalsdiener! – Wenn der lebendige
Mensch, schon seinem Bruder nicht helfen kann, und es in der Schrift heißt,
daß alle Menschenhilfe nichts nütze – was sollte da erst ein geschnitztes
Holz oder eine andersartige tote Materie leisten? [HiG.01_41.06.26.b,34] Oder möchtet ihr etwa gar der
Meinung sein, es stecken bei solchen helfenden Gelegenheiten die
„Schutzgeister“ selbst in ihren materiellen Abbildern? – Davon mag euch
dieses wenige zur Übergenüge verneinend überzeugen. [HiG.01_41.06.26.b,35] Nehmet z.B. das beste Bild, das Mich
Selbst am Kreuze hängend darstellt, zählet alle die Kruzifixe in der
katholischen und auch andern christlichen Welt, deren es schon manchesmal in
einem einzigen Hause mehrere Dutzende gibt von verschiedener Größe – sollten
nun alle diese Bilder zusammen mehr helfen als eines, oder sollten die
größeren mehr Kraft haben als die kleineren? [HiG.01_41.06.26.b,36] Oder sollten vielleicht die geweihten
Christusse kräftiger sein als die ungeweihten – und das geweihte Bild in
einem Hochaltar noch bei weitem kräftiger, als ein anderes in einer
Seitenkapelle?! – Sehet ihr die Albernheit nicht auf den ersten Blick? [HiG.01_41.06.26.b,37] Wenn aber schon Ich, als der
lebendige Helfer Selbst, keines Menschen, ja nicht einmal eines Engels und
noch viel weniger eines geschnitzten Bildes bedarf (denn so Ich helfe, da
helfe Ich im Geist und in der Wahrheit, nicht aber im Holze, im Stein und in
der Farbe!) – was können demnach erst die Abbilder der „Schutzgeister“ für
Kraft und Wirkung haben, da die „Schutzgeister“ selbst an und für sich
durchaus keine helfende Kraft und Wirkung haben? [HiG.01_41.06.26.b,38] Setzen wir aber den Fall, sie hätten
nach dem Schwachglauben irgendeine helfende Kraft aus sich, würden aber
angefleht zu gleicher Zeit von vielen hunderttausend Menschen, die da knien
vor ihren Bildnissen – wie müßte da ein solcher unteilbarer Schutzgeist durch
alle seine Bildnisse herumblitzen, um mit seiner Hilfe nirgens zu spät zu
kommen! [HiG.01_41.06.26.b,39] Oder meinet ihr, ein Geist kann
überall gleichzeitig gegenwärtig sein? – Der ewige Geist kann solches wohl,
da alle Dinge in Ihm sind. Aber ein geschaffener Geist wird solches ewig nie
können, dieweil er, im Verhältnis zu Mir, nur ein endlicher Geist ist. [HiG.01_41.06.26.b,40] Welcher Mensch aber kann tausend
Gedanken auf einmal denken? – Es ist aber das Denken ja nur ein Werk des
Geistes und ein Schauen der Seele, die da in sich aufnimmt entweder die
Gedanken oder, besser, die geistigen Werke aus dem Geiste, wie äußerlich die
großen Gedanken oder sichtbaren Werke des ewigen Gottesgeistes. So aber in
euch der Geist nur einfach oder nacheinander einen Gedanken um den andern
denken kann, so ist er ja selbst nur einfach und unteilbar und kann dadurch
Meine Werke, die Ich mit einem Gedanken in der größten Klarheit festhalte,
nur nach und nach erschauen und wird mit diesem Erschauen auch in alle
Ewigkeiten nicht fertig werden. – Wie möchte er erst hernach als irgendein
„Schutzpatron“ in all den Bildnissen gleichkräftig helfend und auch
gleichzeitig zugegen sein? [HiG.01_41.06.26.b,41] Es werden aber die
(Menschen-)Geister, die in die andere Welt gelangt sind, nur mühsam geheilt
von dieser Schutzgeister-Krankheit. Und es geschieht sehr oft, daß ihnen alle
die vermeintlichen „Schutzgeister“ müssen aus dem Wege geräumt werden. Denn
wenn solches nicht geschähe, so würden Mich die meisten Römisch-Katholischen
fliehen und sich zu ihren Schutzgeistern wenden. [HiG.01_41.06.26.b,42] Ich darf nicht weit zurückgreifen,
sondern gerade jetzt, da ihr dieses schreibet, rennen die armen Geister bunt
durcheinander und suchen ihre „Patrone“ mit allem Eifer. Mich aber, der Ich
ihnen sichtbar wie ein Bruder und liebevollster Vater entgegenkomme und ihnen
zurufe, daß nur Ich es bin, den allein sie zu suchen und zu finden haben,
Mich fliehen sie in allem Ernste, und die Mutigeren bitten Mich sogar, Ich
möchte sie zu ihren Schutzgeistern bringen. [HiG.01_41.06.26.b,43] Sehet, wenn solche Torheit sogar bei
den Geistern, die schon jenseits wohnen, sich also stark vorfindet, welche
Belege gegen solche Torheit mögen dann wohl all die
(„Schutzgeister-)Erscheinungen“ auf dieser materiellen Welt liefern, und zwar
dem, der nach dem Geiste der lebendigen Liebe und der lebendigen Wahrheit im
Glauben trachtet? [HiG.01_41.06.26.b,44] Daher, so euer Haus schadhaft ist
oder ihr irgendeinen Schaden befürchtet, so wendet euch nur allezeit an Mich,
der Ich bin der allerverständigste Seelenhausbaumeister und der am sichersten
helfende Schutzgeist aller Schutzgeister – und ihr könnet versichert sein,
daß, wenn Ich ein Haus niederreiße, Ich es auch zu den allerbilligsten
Preisen und am allerehesten werde gewiß fest genug wieder aufzubauen
vermögen. [HiG.01_41.06.26.b,45] Und denket, daß ein Monarch wie Ich
durchaus keine Vermittler benötigt, sondern: Ich bin alles in allem Selbst! [HiG.01_41.06.26.b,46] Und wer zu Mir will, der komme, und
er wird Mich allzeit zu Hause treffen, und zwar gerade also, wie wenn Ich
nichts zu tun hätte, als dem Mich Suchenden allein zu dienen. [HiG.01_41.06.26.b,47] Also vertrauet und bauet auf Mich!
Denn Ich bin ein fester Grund! [HiG.01_41.06.26.b,48] Wer auf diesen Grund bauet, dessen
Haus wird ewig nimmer leck werden. Denn wer das Material aus Mir nimmt, der
hat es lebendig, wie Ich Selbst der allein Lebendige bin und das Leben gebe
jedem, der es bei Mir sucht. [HiG.01_41.06.26.b,49] Suchet es auch ihr bei Mir, so
werdet ihr leben ewig! Amen. – Das sagt, der allein das Leben hat und gibt.
Amen. Ruf aus der Tiefe. – 27. Juni
1841
[HiG.01_41.06.27.a,01] O mein Gott und Herr, mein
allergeliebtester Herr Jesu! Siehe, es kommen nun über mich allerlei Trübsale
und Bedrängnisse. Ich achte nicht derer des Leibes, sondern derer der Seele.
O Herr, Du kennest sie alle und Dir ist wohlbekannt alles Ungemach meiner
Seele und jegliche Krankheit! O Du allerbarmender Jesus, Du Helfer aller
Helfer, Du Führer der Führer, Du sanftester Lehrer und allerbester Hirte, der
Du jegliches verlorene Schaf so lange suchest, bis es gefunden wird fürs
ewige Leben – o komme, komme, komme auch zu mir armem, schwachem Sünder und
wertlosem Knechte und richte gnädigst wieder auf meine darniederliegende
Seele, die da noch ist ein großer Schwächling in der Liebe zu Dir! [HiG.01_41.06.27.a,02] O gib, daß ich vermöchte Dich,
meinen geliebtesten Jesus, unendlich mal mehr zu lieben, denn alles, alles in
der Welt! [HiG.01_41.06.27.a,03] O Herr Jesus, siehe, mein Herz ist
bedrückt durch so manches undankbare, unüberlegte Wort aus dem Munde derer,
gegen die Du doch allezeit so liebevoll bereitwilligst Dich zeigtest und die
Du aufsuchtest, da sie standen über den Abgründen, und sie alsogleich
leitetest auf den sicheren Weg Deiner Gnade und Erbarmung. O befreie mein
Herz von solchem Druck und lasse mich eher ziehen von dannen bis ans Ende der
Welt, als daß ich erleben muß, daß Dein heiliges Wort von jemandem auch nur
im allergeringsten gelästert werden sollte entweder durch den Verstand, der
Deine Weisheit nicht mag und kann erfassen, oder durch den Unglauben, der da
über alles spottet und alles verlästert, was da über seine Leibesbedürfnisse
hinausgeht. [HiG.01_41.06.27.a,04] O mein Gott und mein Herr, mein
allergeliebtester Jesus, erbarme Dich meiner, tröste mich in meiner Not, auf
daß ich wieder aufleben möchte und sei voll munterer Tätigkeit nach Deinem
allerheiligsten Willen! [HiG.01_41.06.27.a,05] Tröste und stärke aber alle, die da
angenommen haben Deine große Gnade und Erbarmung in dieser allerfinstersten
Zeit, in welcher Sonne und Mond keinen Schein mehr geben und alle Sterne
schon lange vom Himmel gefallen sind, wodurch die Erde gleich einer Hölle
geworden ist, in welcher Eigenliebe, Stolz, Hoffart, Lüge, Trug und allerlei
schändliche Bosheit herrschen. [HiG.01_41.06.27.a,06] O lasse sie nicht fallen, die
Wenigen; sondern ergreife sie und lasse allergnädigst auch auf das Auge ihres
Geistes einen Strahl Deines übersanften, ja über alle Himmel erhabenen
Lichtes fallen, auf daß sie künftighin mehr und mehr erkennen möchten die
innere geistige und himmlische Tiefe und Erhabenheit Deiner durch meine Hand
und Feder darniedersteigenden unaussprechlichen (und von meiner Seite
allerunverdientesten) Gnade und Erbarmung! – Amen. [HiG.01_41.06.27.a,07] Aber nur allezeit Dein allerheiligster
Wille geschehe! – Amen. Antwort aus der Höhe. – 27. Juni
1841
[HiG.01_41.06.27.b,01] Sei ruhig und mache dich nicht
selbst untätig dadurch, daß die Menschen nicht so weise und mächtig werden
können, wie Ich Selbst es bin und ewig sein werde! [HiG.01_41.06.27.b,02] Denn siehe, wo ist der, der da
möchte mit Mir einen Weisheitskampf beginnen, und das noch dazu mit dem
Weltverstande!? – Wahrlich Ich sage dir, der täte gleichwohl viel klüger, so
er hinge eine Angel an eine Fischerschnur und hielte dieselbe auf einer
langen Stange hoch in die Luft empor, um damit Sterne vom Himmel gleich
Fischen zu fangen, als daß er ausspannte das morsche Netz seines Verstandes,
um in selbes Meine ewige Weisheit zu fangen und sie dann zu zerlegen nach
seinem Belieben! [HiG.01_41.06.27.b,03] So aber Meine Gabe allzeit eine
doppelte ist, nämlich aus der Liebe und aus der Weisheit – ist denn da nicht
für jeden klar zu ersehen, daß nur das der Liebe Entstammende für die Kinder
wahrhaft ein „Brot“ zum ewigen Leben ist!? – Der „Wein“ der Weisheit wird nur
gegeben zur Dämpfung des Weltverstandes, damit der Mensch daraus erschaue,
daß all sein törichtes Wissen an diesem „Ecksteine“ scheitert, der da ist ein
wahrer saurer „Weinstein“, ein Stein jeglichen Anstoßes! [HiG.01_41.06.27.b,04] Wenn Jesus zu euch redet im Herzen
und prediget euch Seine Erbarmung, so möget ihr es verstehen, auf daß ihr zum
Leben gelangen möget. So euch der Vater ziehet, auch da möget ihr erkennen
Seine Stimme. Wenn aber der Geist Gottes über euch kommt und lehret euch
Weisheit, da glaubet ihr, so euer Verstand die unerreichbare Höhe und Tiefe
nicht zu fassen vermag, der Geist Gottes sei entweder mit sich selbst im
Widerspruche, oder das Werkzeug, durch welches der Geist geredet hat, sei
schlecht und gebe das Wort anders, als es dasselbe vernommen habe. – Merket
ihr aber dabei denn nicht, daß ihr dadurch widerstrebet dem Geiste!? [HiG.01_41.06.27.b,05] Was ist denn wohl ärger, zu hadern
mit dem Geiste der ewigen Weisheit, oder zu behaupten durch ein Wort des
Verstandes, der Geist habe sich ein untüchtiges Werkzeug gewählt, oder gar zu
meinen, der vermittelnde Mensch ziehe sich alles eigenmächtig aus seinen
Fingern, was ebensoviel ist wie die Behauptung, daß sich die Welt und auch
alles, was auf ihr ist, selbst erschaffen habe. [HiG.01_41.06.27.b,06] Es sagt der ungläubige Mensch: „Wenn
die Sache nicht eine mathematische Gewißheit hat, wer kann sie dann als
vollkommen wahr annehmen? Zweimal zwei ist vier – das ist eine ausgemachte
Wahrheit und ist daher jedermann einleuchtend!“ [HiG.01_41.06.27.b,07] Ich sage aber: Siehe zu, du
Einmaleinsweiser, daß deine gar so sichere Weisheit nicht zu großen Schanden
wird! Denn wenn Du von der Rechenkunde nichts weiter verstehst, als nur daß
zweimal zwei vier ist – fürwahr, da hast Du Weisheit genug, um ein Öchsler zu
werden! – Wie kann jemand Mir mit solcher Ziffernweisheit kommen, um Mich
dadurch der Wahr- und Weisheit wegen herauszufordern, da er doch noch nie
eingesehen hat und auch nie einsehen wird, daß zweimal zwei auch ebensogut
fünf, sechs, sieben, acht, neun oder so weiter ins Unendliche jedes beliebige
Produkt geben kann. [HiG.01_41.06.27.b,08] O der Eitelkeit des blinden
Menschen! Was alles die Menschen doch wissen und wie scharf bezeichnend ihre
Urteile sind! – Den Himmel bemessen sie mit dem Zirkel, stechen meine Sonnen
gleich Erbsen vom Himmel herab und schauen sie dann mit dem scharfen
Mikroskope ihres Weltverstandes also durch und durch an, daß ihnen nach ihrer
Meinung beinahe kein Atom entgeht! Die Größe, Entfernung, Bewegung und den
Zweck der Gestirne zu bestimmen, ist ihnen nur ein reiner Spaß! Und das alles
darum, weil sie wissen, daß zweimal zwei gleich vier ist. – Ja, das heißt
doch, es in der Weisheit weit gebracht zu haben! [HiG.01_41.06.27.b,09] Zwei Dinge gehen ihnen jedoch zur
vollen, Mich beinahe übertreffenden Weisheit noch ab – und zwar: die
„Quadratur des Kreises“ und das sogenannte „Perpetuum mobile“. Haben sie das,
so wird es mit Mir aus sein! Wenn Ich einer Furcht fähig wäre, so könnte Ich
Mich beinahe ein wenig zu fürchten anfangen, die Menschen möchten dann etwa
wieder einen ganz fein ausgedachten „babylonischen Turm“ zu bauen beginnen,
welcher gefährliche Bau jetzt nicht einmal mehr durch eine Zungenverwirrung
aufzuhalten wäre, da es nun Dolmetscher in allen Sprachen gibt! Oder sie
könnten wohl auch gar mit der scharf zunehmenden Weisheit Eisenbahnen, wo
nicht gar Luftdampfschiffe nach allen Sternen errichten und dann etwa gar
einen Sirius oder noch eine andere, größere und wahrscheinlich auch
goldreichere Zentralsonne, gleich dem Lande China, blockieren und scharf
beschießen – etwa gar aus zweitausend Achtundvierzigpfündern! [HiG.01_41.06.27.b,10] Siehe, was alles Ich zu befürchten
habe! Und womit werde Ich Mich da verteidigen, da Ich im Himmel wirklich
keine Kanonen, Bomben, Granaten, Haubitzen und Kartätschen habe!? Die
Chinesen werden unterjocht und haben doch Schanzen und Batterien – wie werden
sich da die batterielosen Sterne erwehren!? [HiG.01_41.06.27.b,11] Siehe, welche Gefahren – und das
alles, weil zweimal zwei gleich vier ist! Wäre Ich gleich dir, so möchte auch
Ich vielleicht ausrufen und sagen: „Gott sei Dank, daß die Menschen die
„Quadratur des Kreises“ und das „Perpetuum mobile“ noch nicht entdeckt haben
und auch nie entdecken werden! Denn im Falle dieser Entdeckungen wäre das
Unglück fertig! [HiG.01_41.06.27.b,12] Es gibt aber schon jetzt Menschen in
Nordamerika und auch in England, die Mich darum leugnen und Mir Mein Dasein
streitig machen, weil Ich bei der Erschaffung der Erde die Anlegung der
überaus zweckmäßigen Eisenbahnen ganz und gar vergessen habe. Wie hätte denn
einem höchstweisen Gotte so etwas nicht einfallen sollen?! Wenn der Mensch
schon aus lauter Industrie zusammengesetzt zu sein scheint, wie sollte es
Gott nicht sein, so Er wäre und das All erschaffen hätte!? Da aber in der
Natur nirgends Eisenbahnen und vielleicht auch keine Dampfschiffe anzutreffen
sind, so kann es auch keinen Gott geben, der doch gewiß auch alles erschaffen
hätte, wenn Er irgend einer wäre! – Siehe, welche Weisheit sogar in den
Eisenbahnen! [HiG.01_41.06.27.b,13] Ich sage dir aber: Sei mit Mir ohne
Furcht! – Habe Ich auch keine Geschütze und keine Dampf- und Linienschiffe,
so habe Ich aber doch eine sehr starke Lunge und eine Zunge am rechten Flecke!
Und Mein Odem ist stärker als alle Kanonen! Und durch Meine Zunge soll jede
menschliche Weisheit zu Tode geredet werden! [HiG.01_41.06.27.b,14] Bringe du daher nur stets fleißig
aufs Papier, was du vernimmst! Denn darum gebe Ich es dir, damit Ich der Welt
dadurch einen neuen Eck- und Grenzstein setze, über den viele fallen werden,
die nicht auf den darin bezeichneten Wegen der Demut, der gänzlichen
Selbstverleugnung, der Geduld, Sanftmut und aller Liebe wandeln werden! [HiG.01_41.06.27.b,15] Wer aber zu Mir hat gerufen und dem
Ich gebe eine rechte Gabe, der soll das Gebotene allzeit dankbar und genau
befolgend annehmen! – Tut er solches aber nicht, was geht das fürder Mich und
dich an!? [HiG.01_41.06.27.b,16] Lassen wir daher auf dem Acker, was
da gesäet ist, bis zur Reife wachsen! Meine Schnitter wissen es schon gar
lange, was dann zu geschehen hat! – Wohl dem, der sich nicht an Mir ärgert! [HiG.01_41.06.27.b,17] Den Weltweisen aber soll dereinst
durch eine Klappermühle Meine Gnade gepredigt werden, daß darob alle ihre
Zähne klirren sollen gleich den schweren Ketten, welche Vater-, Mutter-, und
Brudermörder in den tiefsten Gefängnissen festhalten. Amen! [HiG.01_41.06.27.b,18] Sei du daher ruhig, da du es weißt,
wer Der ist, der dir solches alles offenbaret. Amen! – Ich, dein Jesus! Amen. Der Planet Saturn. – 5. Juli 1841
[HiG.01_41.07.05] Schreibende: Andr. H. – Der Knecht Gottes
J. L. diktierte. [HiG.01_41.07.05] Mit diesem Diktate begann die große
Eröffnung über die Beschaffenheit und Zweckbestimmung des zu unserem
Sonnensystem gehörigen Planeten Saturn und über das auf diesem Weltkörper
sich findende Pflanzen-, Tier- und Menschenleben. Diese Schilderung
erstreckte sich in vielen einzelnen Kundgaben über ein Jahr hindurch bis zum
29. Juli 1842. [HiG.01_41.07.05] Aus der ersten Mitteilung vom 5. Juli
1841 seien hier nachstehende Worte angeführt! Der Herr beschreibt zunächst
kurz die bedeutende Größe und Sonnenentfernung des Planeten, erwähnt den
seltsamen Ring und die zahlreichen Monde, welche diesem Weltkörper ein ganz
besonderes Gespräge geben, und fährt dann fort: [HiG.01_41.07.05,01] Aus diesen Angaben könnt ihr nun schon
leicht schließen, daß dieser Weltkörper vermöge seiner Größe, seiner
verschiedenartigen Konstruktur und auch vermöge seiner sieben Monde keine
geringe Bestimmung im Weltenraume hat. [HiG.01_41.07.05,02] Denn je künstlicher irgendein
Mechaniker ein Werk eingerichtet hat, desto mannigfaltiger muß ja auch der
Zweck eines solchen Werkes sein. Und so wie ein Mechaniker in ein
künstlerisches Werk eine um so mannigfachere Bestimmung zur Erreichung
mehrartiger Zwecke hineingelegt hat, also werde auch Ich als der allergrößte
Weltmechaniker einen solchen Weltkörper nicht ohne eine bedeutend große
Bestimmung so künstlich in den weiten Weltraum hinausgestellt haben. Da Ich
schon sogar mit Sonnenstäubchen nicht zu spielen pflege, um wie viel weniger
wird erst ein solcher Weltkörper, wie eben der benannte Planet, von Mir nur
als eitles Spielzeug erschaffen worden sein. [HiG.01_41.07.05,03] Die Folge dieser Offenbarung über
diesen Weltkörper wird euch seine Bestimmung von einer so großartigen Seite
kennen lehren, daß ihr euch darüber kaum werdet zu atmen getrauen. Denn habt
ihr bei der Enthüllung des Mondes schon große Augen gemacht und einen großen
Gemütslärm geschlagen, wie wird es euch erst gehen, wenn ihr diesen
Weltkörper an Meiner Hand ein wenig bereisen werdet!? – Ja, Ich sage euch,
machet euch nur auf sehr Großes gefaßt und bereitet euer Gemüt wohl! Denn ihr
werdet es kaum ertragen. Wo so große Dinge von Mir enthüllend geoffenbart
werden, da gehören auch große Gemüter dazu, um das Große zu fassen und zu
ertragen. Und wenn ihr erst das Ganze von diesem Weltkörper, insoweit es euch
zu ertragen möglich ist, werdet empfangen haben, alsdann werdet ihr erst ein
wenig einzusehen anfangen, was die Stelle im Evangelio besagt, die da also
heißt: „Keines Menschen Auge hat es gesehen, keines Menschen Ohr gehört, und
noch nie ist es in eines Menschen Herz und Sinn gekommen, was Gott denen
bereitet hat, die Ihn lieben!“ [HiG.01_41.07.05,04] Was jemand von Mir empfängt, ist
allzeit die höchste Gabe des Himmels, da Ich das Allerhöchste des Himmels wie
aller Welten Selbst bin. Und ob Ich euch enthüllen möchte den Himmel oder die
Hölle, so wird euch allzeit das eine wie das andere zur höchsten Seligkeit
gereichen. Denn besage Mein Wort, was es wolle, so ist es durchaus lebendig
und macht den, der es empfängt und aufnimmt in aller Liebe, Dankbarkeit,
Demut und lebendigem Glauben selbst ewig lebendig und somit in Mir schon hier
wie vorzugsweise jenseits überaus selig. Gleisnerische Wohltätigkeit. –
11. Juli 1841
[HiG.01_41.07.11] An die E. H. und an den A. H.-W.! [HiG.01_41.07.11,01] Möchtet ihr wohl befolgen einen fang-
und verratsüchtigen Rat einer überaus töricht-schwachen, mit den Dienern
Babels buhlenden Schwester und Schwägerin!? – Sehet, diese fängt es recht
fein an, um sich für ihren schnöden, überaus blinden Kasten-Geistlichen (oder
vielmehr dieser durch sie) an Mir bei euch zu rächen! [HiG.01_41.07.11,02] Ich sage aber, es wird ihnen schwer
werden, gegen den Stachel zu lecken! – Wer Mich versuchen will, der wird bald
seinen letzten Schritt gemacht haben! [HiG.01_41.07.11,03] So aber deine andere Schwester, die da
verheiratet ist, eine Wohltat ausüben will, die Mir wohlgefällig wäre, so
soll sie nur arme, dürftige Waisen suchen und sie an Kindesstatt annehmen.
Dadurch wird sie sich einen Schatz für den Himmel bereiten, sonst aber für
die Welt und, was der Welt Lohn ist, jenseits empfangen. [HiG.01_41.07.11,04] So euch aber irgendein von Mir
geschenktes Kind überflüssig sein sollte, dann kann Ich es euch ja allzeit
wieder zurücknehmen. Und ihr werdet dann nicht nötig haben, auf einen
weltsüchtigen und dazu noch verräterisch argen Rat ein Kind von euch zu
lassen, damit es außer euren Augen und Ohren zu einem vorzeitigen Verräter
Meiner zu euch darniedersteigenden Gnade werden möchte! [HiG.01_41.07.11,05] Sage aber deiner gleisnerisch und
kastengeistlich buhlenden Schwester, daß du viel lieber möchtest drei Kinder
noch annehmen, als eines vor der Zeit von dir lassen. Und sie möchte sich
künftighin vorzugsweise nur um sich selbst kümmern, auf daß sie los werde
ihres schwarzen Würgegeistes! Denn das ist, was ihr not tut! Um alles andere
hat sie sich nicht zu kümmern. [HiG.01_41.07.11,06] Dieser sie besitzende Geist aber ist
der Geist eines verstorbenen Kastenpriesters Babylons, eines Jüngers der
äußeren, toten, der Welt, nicht aber Mir dienenden Kirche, in den sie fürder
schon überall vernarrt war – wie sie gegenwärtig vernarrt ist in einen, der
da macht die Hölle zum Himmel und umgekehrt und Mich zum Teufel alles Todes,
die tote Materie aber zum ewigen, lebendigen Gott! [HiG.01_41.07.11,07] Oh, des armseligen und überaus
stockblinden, betrogenen Betrügers und feilen Mietlings der römischen Tiara!
– Ich sage euch aber: Seid auf eurer Hut und habet acht auf die Lauergriffe
des Satans! Denn er will es heimlich anstellen, um Mein Werk zu vereiteln! [HiG.01_41.07.11,08] Behaltet eure Kinder und leitet sie zu
Mir! Dann werde schon Ich sie hier und jenseits nicht nur an Kindesstatt,
sondern als wirkliche Kinder annehmen und allzeit und ewig bestens für sie
sorgen. – Deinen Schwestern steckt aber nur das Kloster im Kopfe, welches da
schon eine leibliche, aber viel mehr noch eine geistige Gefangenschaft der
Toten ist, aus der noch sehr wenige zum Leben hervorgegangen sind! [HiG.01_41.07.11,09] Wie aber bei Mir (oben-)bezeichnete
kostümierte und kastische „Wohltäter“ angeschrieben sind, habe Ich euch schon
ohnehin bei Gelegenheit der Mitteilung über die „grauen Schwestern“ in hohem
Grade mißfällig zu erkennen gegeben. – Nun sage Ich euch aber: Verflucht sei
derjenige „Wohltäter“, der da einen eigens geformten Rock trägt, um sich als
solcher hoffärtig bemerkbar zu machen! – Wer nicht Gutes übt selbstlos und
ganz im verborgenen, ist ein Täter des Übels! [HiG.01_41.07.11,10] Daher behaltet ihr eure Kinder nur
unter eurem Dache und sorget für sie in Meinem Namen, so werde Ich wahrhaft
ihr Vater sein! [HiG.01_41.07.11,11] Das sagt euch euer Vater, der da ist
heilig, heilig, heilig. Amen. Vom Geheimnis der Berge. –
Gedichtworte zur „Kleinalpe“. – 15. Juli 1841
[HiG.01_41.07.15] Am 14. Juli bestiegen J. L. – G. B. –
Andr., Jos. und Ans. H. bei günstiger Witterung die höchste Spitze der
Kleinalpe bei Übelbach und verweilten – ungeachtet eines anhaltenden, kalten
Sturmes aus Westen – drei Stunden auf der Höhe, von wo aus die bedeutendsten
Hochgebirge der Obersteiermark wie auch die Städte Judenburg und Leoben
deutlich erblickt werden konnten. – Am 15. Juli erging dann an den Knecht des
Herrn J. L. folgende Kundgabe: [HiG.01_41.07.15,00] Schreibe! Es ist ein lieblich Wort
wohl zu vernehmen von den Höhen der Berge auf der freien, schönen Spitze der
Kleinalpe: [HiG.01_41.07.15,01] 1. Was starrst du, müde Schar, dahin
nach jener Berge Reihen, / da schroffe Scheitel Mir, dem Schöpfer, ihre Düfte
weihen? / Erkenne deine Schuld! Und lern' es wohl von diesen Helden, / was
all's sie dir von deinem Vater, ihrem Schöpfer, melden. / Wie kühn und
mächtig sie da stehen, diese großen Zeugen, / und wollen nimmer, so wie ihr,
von Meiner Größe schweigen! / Um ihre heil'gen Spitzen häufig frohe Nebel
kreisen / und helfen dankend ihnen still den großen Vater preisen. / Und
heitre Winde rauschen mächtig über hohe Zinnen. / um anzuzeigen, daß die
Felsen dort Mein Lob beginnen. [HiG.01_41.07.15,02] 2. Es banget dir, du matter Seher, vor
den ries'gen Höhen, / du schauerst, wenn der Alpen reine Geister dich
umwehen, / als kühle Winde deinem Auge manche Trän' entlocken! / Doch wenn du
sehen möchtest, wie Äonen weißer Flocken / sie emsig aus den müden Wolken
freudig formen, bilden / und sie dann sorglich steu'n auf all den hohen
Moosgefilden, / und möcht'st du sehen all dies noch mit deines Geistes Augen
/ und seh'n, wozu all diese Geisterarbeit möchte taugen – / sodann erst
möcht'st du rufen: „Wer da achtet Gottes Werke, / hat eitle Lust! Sie zeigen
ihm des heil'gen Vaters Stärke!“ [HiG.01_41.07.15,03] 3. Ihr habt geseh'n des Oberlandes
kühn gestellte Berge / und auch geschaut auf deren Schoß die niedern
stein'gen Zwerge. / Den hohen „Schwab“ und „Reiting“ saht ihr alle duftend
prangen, / den „Pred'ger-Stuhl“ und andre Berge, die mit Wolken rangen. / O
höret diese selt'nen Berggebilde sprechen! / Vernehmt ihr Wort in eures
stein'gen Herzens sand'gen Schwächen! / Es lautet kurz also: „Du schwacher
Mensch auf dieser Erde! / Du schaust ganz wonnetrunken, stumm für unsere
Beschwerde, / die hehre Pracht an uns. Doch würdest du uns näher treten, /
dann möcht'st du schauern wohl vor unsern schweren Prüfungsketten!“ [HiG.01_41.07.15,04] 4. Und also weiter legen Worte euch
ans Herz die Berge, / also verständlich: „Seht uns an und schaut die alten
Särge, / wie wir dasteh'n und majestätisch in die Lüfte ragen, / also auch
eine Unzahl Tote stets in uns wir tragen. / Und wenn die Barmlieb' Gottes uns
nicht möchte kühlen, / fürwahr des Grimmes Wüten würde bald das Land
erfüllen. / Denn die wir fest in unsern harten Leibern müssen halten, / die
möchten, flammend, schier in einer Stund' die Erd' umstalten. / Doch solches
zu verhüten und zu wahren euch den Frieden, / drum tragen wir an eurer Statt
die große Last hinieden!“ [HiG.01_41.07.15,05] 5. O laßt der Berge mächt'ge Worte
tief ins Herz euch bohren! / Denn wieder weiter legen sie die Zung an eure
Ohren, / also vernehmlich: „Wenn die Nebel uns behend umkreisen, / verhüllend
unsre hohen Scheitel, sehet, da bereisen / gar hehre Wesen mächtig uns, schon
alte Totenwächter, / und sänften da mit ihrer Lieb' in uns die Gottverächter
/ durch ungezählter Tränen Menge aus der Liebe Augen. / Die da in uns der
Liebe Spende sorglich in sich saugen. / die werden dann erweckt, um zu
erstehn ins freie Leben. / und nach und nach ins höh're, wie's euch Menschen
ist gegeben.“ [HiG.01_41.07.15,06] 6. Und da der Berge Mund für euch
schon einmal offen stehet, / so horcht noch ferner, was der Hohen Hauch zu
euch hinwehet: / „Wenn mächtig über unsre Häupter frische Winde eilen, / daß
ihr darob auf uns nicht lange könnet forschend weilen. / da ist's, daß
Legionen neue Leben sich erheben / und, sorglich eilend, nach den
pflanzenreichen Eb'nen streben. / Um solches vorbestimmte Ziel baldmöglichst
zu erreichen, / vereinen sie zu Nebeln sich nach alten Lösgebräuchen / und
fallen dann als leichter Regen über Pflanzentriften, / allda sie,
neubelebend, selbst sich in das Leben lüften. [HiG.01_41.07.15,07] 7. Und wenn im spätren Herbst die
frühen Flocken uns bekleiden, / darob uns alles warme rege Leben pflegt zu
meiden, / ja selbst so manche heit're Quelle eisig stockt im Fallen, / und
alles so verstummt auf unsren freien Lebenshallen, / da winkt dir, Forscher,
eine neue Zeit, ihr treu zu bleiben / mit deinem Aug' und Ohre. Denn da fängt
sich's an zu treiben / hinauf, hinab. Nach allen Seiten siehst du nichts als
streben / nach einer festen Form, um so zu künden sich als Leben. / Denn
solches ist die Heimwehzeit, da alles sich möcht' finden. / Darum da jeder
Geist sich gerne läßt durch andre binden. [HiG.01_41.07.15,08] 8. Und wenn dann erst der volle, treue
Winter ist gekommen, / alsdann wird nicht gar selten unsre feste Brust
beklommen. / Denn da ereilen uns des hohen Nordens Friedensrichter, /
bestreuen unsre tiefen Furchen bald durch ihr Gelichter / von tiefem Schnee
und starrstem Eise, uns zur Probe drückend. / O seht, dann ist's auf unsern
Höh'n zu wandeln nicht entzückend. / Denn da wird jedes freie Leben also hart
ergriffen, / daß es wohl nimmer fühlen mag der Liebe süßes Triefen. / Und
wenn des Frühlings Hauch zerreißet auch des Nordens Bande, / da kehrt kein
Leben mehr zurück zum früher'n Heimatlande! [HiG.01_41.07.15,09] 9. Nur wenn das stumme Schnee- und
Eisgelichter ist gewichen, / allwann ein warmer Frühling hat den Winter
weggestrichen, / da kehret dann das Pflanzenleben wohlgestärket wieder. / Doch
nimmer wiederkehren da erfror'ner Vöglein Lieder. / Selbst Menschen, die auf
unsrem Rücken hat der Nord erdrücket, / die werden schwerlich mehr von unsrer
Sonne Strahl erquicket. / Doch so ein freies Leben hier gefährdet ist
geworden / durch ein zu friedsam Walten unser's übertreuen Norden, / so soll
darob wohl niemand gar zu sehr uns Berge klagen. / Denn solch Gefang'nen
fängt ein andres Leben an zu tagen!“ [HiG.01_41.07.15,10] 10. Und so mag dieses Liedchen euch zu
einer „Fahne“ dienen, / mit der ihr all der Berge Sinn könnt überleicht
gewinnen / und leichter auch verstehen, was Ich euch noch werde geben. /
Fürwahr, ihr könnt durch diese „Fahne“ manchen Zweifel heben. / Denn leichter
ist's: auf Berge geh'n und von da andre schauen, / als zu versteh'n, woher
auf selben rührt solch wonnig Grauen. / Darum denn gab Ich vor der größer'n
Gabe diese „Fahne“ / zu Handen euch, damit sie euch getreu zuvor ermahne, /
daß Meine nächste Gabe sich in Weisheit wird ergießen, / die ihr durch diesen
Schlüssel euch gar leichtlich könnt erschließen. Die Zweckbestimmung der Berge. –
17. Juli 1841
[HiG.01_41.07.17] Schreibende: Andr. und Ans. H. – Heute
erhielten wir vom Herrn durch Seinen Knecht J. L. Nachstehendes als Gabe
bezüglich der Kleinalpe: [HiG.01_41.07.17,01] Was sind Alpen, höchste Berge und
kleine Hügel, über das sparsame Planum der Erdoberfläche ragend? – Nichts als
der Staub auf einem Apfel, der von einem Baume herabfiel auf eine mit Staub
beladene Straße. Aber nur locker hängt der Staub am Apfel, während die Berge
feste Auswüchse der Erde sind. – Mit wem sollte man aber die Berge
vergleichen? Etwa mit dem Staube am Apfel, oder mit den Auswüchsen einer Nuß
oder gar den kleinen Wärzchen auf der Oberfläche einer Eischale? [HiG.01_41.07.17,02] An und für sich tut es das eine so
wenig wie das andere. Aber nehmet alle drei zusammen, und es wird der
bestaubte Apfel, die Nuß und das Ei das jedesmalige und jedem
Eigentümlichentsprechende an der Erde finden. [HiG.01_41.07.17,03] Welches aber mögen wir zuerst nehmen?
– Sehet, es wird hier wenig zu wählen sein. Nehmet ihr aber alle drei
zugleich, so habt ihr das rechte Maß getroffen. [HiG.01_41.07.17,04] Muß denn aber ein Apfel vom Baume
fallen, um bestaubt zu werden? Oder können nicht vielmehr Winde kommen, den Staub
von der Straße lösen und so leichtlich einen Apfel anstäuben, so er an der
Straße hänget. [HiG.01_41.07.17,05] Oder wie ist es mit der Nuß? –
Gestaltet sich die innere Frucht nach den Einbügen der Schale, oder bekommt
vielmehr die feste Schale die Einbüge von der Frucht? – Es ist hier sicher
besser, so man sieht auf die Beschaffenheit der Frucht – da sich doch ein
jeder seinen Rock nach dem Leibe machen läßt und man nicht den Leib nach dem
Rocke machen läßt. Und also geht die Wirkung von innen aus, und nicht von
außen nach innen – da des Lebens wirkende Kraft allezeit im Zentrum, aber
nicht außen, am Kleide, seine Wohnung hält. [HiG.01_41.07.17,06] Aber wie steht es mit den Wärzchen an
der Eischale – wie entstehen sie und warum sind sie da? Es könnte ja doch
eine Henne leichter ein glattpoliertes Ei legen als ein solches, dessen
Oberfläche mit tausend und abermal tausend Wärzchen übersäet ist! – Könntet
ihr aber nicht ebenso leicht und mit demselben Grunde sagen: „Wozu die Berge
auf der Oberfläche der Erde? Eine glatte Erde würde sich ja doch offenbar
leichter um ihre Achse drehen als eine mit so vielen Bergen besetzte!“ [HiG.01_41.07.17,07] Es sei aber hier bemerkt, wer möchte
denn dann auf der Erde die Luft und das Wasser zur Mitumdrehung nötigen, da weder
das eine noch das andere mit Ketten und Stricken mit dem Körper der Erde
unverrückbar fest verbunden ist?! [HiG.01_41.07.17,08] Wenn das Ei keine Wärzchen hätte,
woran möchten sich in dem Gebärkanale einer Henne eigens daseiende Stoß- und
Drucknerven stemmen, um dasselbe zur Außenwelt zu fördern. Und wenn das Ei
dann in der atmosphärischen Luft sich befindet und hätte solche kleine
Auswüchse nicht – womit sollte es zur ferneren dauernden Erhaltung des
Lebensstoffes das demselben verwandte elektro-magnetische Lebensfluidum
einsaugen und wodurch erst dann in der Brütezeit den erwärmenden Stoff aus
der Brust der Henne oder aus den Strahlen der Sonne oder auch aus dem
erwärmten Sande an sich ziehen? [HiG.01_41.07.17,09] Wäre die Erde eine flache Kugel, so würde
es ihr auf allen ihren Punkten, selbst die unter dem Äquator nicht
ausgenommen, nicht viel besser ergehen als der Spitze des Chimborasso oder
dem Nordpole selbst, wo ewig Eis und Schnee herrschet. [HiG.01_41.07.17,10] Die Berge aber sind auf der Erde das,
was die Wärzchen sind am Eie! Sie sind nicht nur Luft- und Wassertreiber,
sondern sie sind noch vielmehr Wärmesauger. Und was sie an dem Wärmestoffe
einsaugen, das können sie natürlicherweise nirgends anders wohin spenden, als
nur in die zuunterst liegenden Täler und Ebenen. [HiG.01_41.07.17,11] Sind aber irgendwo weit gedehnte
Ebenen zu ferne von den Bergen, so werdet ihr alldort ebensowenig Vegetation
antreffen, ja oft noch weniger, als auf den höchsten Gebirgsspitzen – und
dieses aus einem doppelten Grunde! [HiG.01_41.07.17,12] Fürs erste, weil zu weit von den
Bergen, daher auch zu wenig fruchtbare Wärme! – Was die brennende Hitze auf
dem Heiden betrifft, so ist sie nichts als ein von den benachbarten
fruchtbaren Gegenden über sie ausgehauchter Stickstoff, der zwar auch die
Strahlen der Sonne gleich der atmosphärischen Luft konzentrierend aufnimmt.
Aber, wie gesagt, solche Wärme ist keine Fruchtwärme, sondern gleichet jener,
die da herrührt von glühenden Kohlen in einem verschlossenen Gemache. Wenn sie
schon auf das tierische Leben nicht also zerstörend wirkt, so wirkt sie aber
alles zugrunde richtend auf das Leben der Pflanzenwelt. Und es ist gar nicht
schwer zu erweisen, daß, wo irgend das Pflanzenleben aufhört, es auch für das
tierische Leben kein langes Bleiben ist. [HiG.01_41.07.17,13] Es gibt aber auch Gegenden, besonders
in Afrika und auch im südlichen Amerika, wo benachbarte, sehr fruchtbare
Gegenden also stark die Stickluft aushauchen, daß sich diese dann gleich
einem Flammenmeere über weitgedehnte Heiden, Steppen und Wüsten ergießet; und
was da dieser Flammenstrom erreicht, ist in seiner natürlichen Lebenssphäre
so gut vernichtet, wie wenn es in einen stark brennenden Kalkofen geworfen
worden wäre. [HiG.01_41.07.17,14] Aber noch aus einem andern Grunde sind
solche Gegenden unfruchtbar: nämlich, weil sie einen großen Mangel an Wasser
haben. Ihr möget aber die Erde kreuz und quer bereisen, und es wird euch
schwerlich gelingen, irgendeinen Berg zu finden, der nicht wenigstens aus
seinem Fuße mehrere reichliche, unversiegbare Quellen von sich geben möchte. [HiG.01_41.07.17,15] Was sind also die Berge noch – während
sie schon ohnehin „Wasser- und Lufttreiber“ und, nun bekannt, auch
„Lebenswärmeerzeuger“ sind? – Sie sind auch „Wasserleiter“, und zwar in
doppelter Hinsicht. Denn da sie, wie euch schon mehrfach bekanntgemacht
wurde, samt und sämtlich über großen Wasserbecken stehen, so treiben sie das
Wasser durch ihren immerwährenden, gleichen Druck nicht selten bis zu
bedeutenden Höhen empor. Und diese Leitung des Wassers zur Oberfläche der
Erde ist die erste Art, wie die Berge gar wohl imstande sind, auf den
verschiedensten Punkten die reichhaltigsten Quellen des reinsten Wassers von
sich zu geben. [HiG.01_41.07.17,16] Da aber die atmosphärische Luft ebenfalls
immerwährend mit den Dünsten geschwängert sein muß, welche zum Teile aus dem
unermeßlichen Äthermeere auf dem Wege der primitiv-animalischen Produktion
herrühren, so sind die Berge gleich den Polypen im Meere allezeit als wahre
Vielfraße schlagfertig, um jede ihnen nahekommende Feuchtigkeit aus der Luft
an sich zu ziehen und in sich einzusaugen. Durch dieses „ätherische Wasser“
wird dann erst das unterirdische belebt und nach eurem chemischen Ausdrucke
gewisserart geläutert, damit es dann zum nötigen Lebensgebrauche hinreichend
tauglich ist. Denn das Wasser aus dem Innern der Erde ist zum Leben so wenig
zu gebrauchen wie das lediglich ätherische. [HiG.01_41.07.17,17] Ihr müßt unter dem „ätherischen
Wasser“ aber nicht etwa das Regenwasser nehmen, welches nur dann zum
Vorschein kommt, wenn irgendwelche Wolken zuvor aus den naheliegenden Bergen
hinreichend mit Sauerstoff sich gesättigt haben; sondern das rein „ätherische
Wasser“ ist untropfbar in der Luft, namentlich aber auf den Bergen enthalten. [HiG.01_41.07.17,18] Die erste Sichtbarkeit des
„ätherischen Wassers“ bekundet sich in den sogenannten „Lämmerwolken“. – Wenn
diese nach und nach mehr und mehr elektrisch schwer werden, so fallen sie
auch immer niederer und niederer, bis sie endlich bis zur mittleren
Wolkenregion herabgezogen werden, allda sie dann schon anfangen, den
Sauerstoff in sich zu saugen. Und wenn sie dadurch dann gewisserart auch
lebensschwerer werden, so senken sie sich herab in die Nebelregion der Berge,
welche dann anfangen, ihnen den elektrischen Stoff auszuziehen. [HiG.01_41.07.17,19] Da beginnen dann auf den Bergen
gewöhnlich sehr heftige Winde zu wehen. Und wer da nicht glauben möchte, daß
solche Winde nichts als die von den Bergen aus den Wolken (oder vielmehr nun
Nebeln) entsogene Elektrizität sind, der verfüge sich nur mit einem
sogenannten elektrosaugenden Schilde oder gemeinweg „elektrischen Drachen“
auf die Alpen und befestige diesen Schild auf einer klafterlangen, entweder
ganz gläsernen oder wenigstens gut überharzten Stange und nähere sich
alsdann, wenn er den Mut hat, einem solchen Schilde, so wird ihm alsbald zur
Belehrung ein stark leuchtender und sogar zu tot niederschlagender Beweis in
wahrhafter Blitzesschnelle entgegenkommen. [HiG.01_41.07.17,20] Also sehet, auf diese Weise sind die
Berge auch in der zweiten Art „Wasserleiter“. [HiG.01_41.07.17,21] Was sind denn die Berge noch? – Ihr
dürfet nicht gar zu weit ins Oberland reisen, so werden euch die vielfachen
und verschiedenartigen Erze alsogleich anschaulich offenbaren, was die Berge
noch sind! – Nämlich sie sind noch Fabrikanten von allerlei Metallen. [HiG.01_41.07.17,22] Woher kommt denn das Metall in die
Berge? – Dieses kommt, wie das Wasser, von unten und von oben in dieselben
und ist im Grunde ein Produkt von oben her aus den zahllosen Strahlen der
Gestirne und von unten her ein Produkt fürs erste des unterirdischen Feuers
und fürs zweite der auf allen Höhenpunkten der Erde sich beständig
entgegenkommenden und wechselnden Polarität der Erde. [HiG.01_41.07.17,23] Es sind die Metalle zwar verschieden
und haben doch nur eine und dieselbe Grundursache. Es geht denn nun einmal
nicht anders! Denn auch auf einer Wiese gibt es verschiedene Kräuter, und
doch ist überall dieselbe Erde, dasselbe Licht der Sonne und derselbe Regen! [HiG.01_41.07.17,24] Die Menschen vermögen solches freilich
wohl nicht, und es ist niemand imstande, mit einem und demselben Bohrer
verschieden große Löcher zu bohren oder mit einer und derselben Hebelkraft
alle erdenklichen Lasten zu heben. Niemand kann da machen und gebrauchend
lenken einen unendlichen Bohrer, dessen Spitze feiner wäre als ein Gedanke
und dessen letzte Schneidschnecke hinausreichen würde über alle
möglich-denkbare Räumlichkeit. Und ebenso vermag auch niemand einen Hebel
zuwege bringen, mit welchem er vermöchte eine Sonne aus ihrem Zentrum zu
heben. [HiG.01_41.07.17,25] Sehet, da aber der Mensch schon zwei
so einfache Werkzeuge nicht zuwege zu bringen vermag, wie möchte er es dann
wohl anstellen, um zu erklären, wie aus ein und derselben Ursache so
unendlich verschiedene Wirklichkeiten hervorgehen können, und wie beweisen,
daß all die Metalle in den Bergen aus einer und derselben Quelle fließen und
doch keines dem andern gleicht!? [HiG.01_41.07.17,26] Allein Der, den ihr kennet, vermag solches
gar wohl und versteht die eben nicht unbedeutende Kunst, in einem und
demselben Kessel alle möglichen Färbungen also zu bereiten, daß, so ihr
unzählige Stoffe hineinleget, ihr keinen herausnehmet, der da wäre von einer
und derselben Farbe. [HiG.01_41.07.17,27] Also ist demnach die Erklärung leicht,
wenn hier Eisen, dort Zinn, anderswo Blei, Silber, Kupfer, Zink und
dergleichen mehreres zum Vorscheine kommt, daß dazu nichts mehr gehört, als
daß da einem jeden Berge, wie einem Samenkorne, verliehen ist eine besondere
Form und eine besondere Eigenschaft, vermöge welcher er einen und denselben
Stoff, den er in sich saugt, gar leicht verwenden kann nach seiner ihm
eigentümlichen Eigenschaft – wie jeder Same einen und denselben Stoff
verwenden kann zu dem, was eigentlich nur aus ihm hervorgeht. [HiG.01_41.07.17,28] Wer da solches noch nicht begreifen
möchte, der kann folgenden Versuch machen, und es wird ihm alsobald ein
bedeutendes Licht über seinen noch viel bedeutenderen Unverstand aufgehen! [HiG.01_41.07.17,29] Er nehme irgendein geräumiges Gefäß,
z.B. etwa irgendeinen großen Gartentopf, gebe in denselben ganz vollkommen
gleiches Erdreich, lege in dieses Erdreich aber verschiedene Samenkörner,
begieße dieselben mit chemisch gleichem Wasser und, was die Gleichartigkeit
der Sonnenstrahlen betrifft, so darf er ohne Sorgen sein, denn diese sind
heute noch dieselben, wie sie vor einigen Trillionen Jahren waren. Beobachtet
er dann die Pflanzen, die da aus den verschiedenen Sämereien aufgehen werden,
dann wird er sich überzeugen müssen, daß seine Arbeit und Sorge eine rein
vergebliche war. Denn es wird, alles dessen ungeachtet, aus dem Nelkensamen
eine Nelke mit all ihrer Eigentümlichkeit, aus dem Veilchensamen ein
Veilchen, aus dem Rübensamen eine Rübe, aus dem Kornsamen eine Kornstaude
usf., aus jedem Samen die entsprechende Pflanze mit allen ihren
Eigentümlichkeiten zum Vorscheine kommen. [HiG.01_41.07.17,30] Wer da nur einigermaßen denkt und ein
Fünkchen Leben hat in seinem Gemüte, das nach oben und nicht nach unten
treibt, wird der nicht alsobald wenigstens sich selbst im stillen fragen
müssen: „Aber wie ist dieses möglich, daß aus einer und derselben Erde, aus
einem und demselben Wasser und aus einem und demselben Licht- und
Wärmestrahle der Sonne so höchst verschiedene Produkte zum Vorscheine
kommen!? Und doch, wenn ich alle diese Samenkörner chemisch untersuche, so
finde ich im Grunde nur immer einen und denselben Grundstoff! Ja selbst, wenn
ich jede Pflanze für sich verbrenne, so bleibt mir denn doch stets eine und
dieselbe Asche übrig! [HiG.01_41.07.17,31] Wenn ich die grüne Pflanze auspresse,
so bekomme ich wohl von jeder einen etwas verschieden schmeckenden und
riechenden Saft. Allein zerlege ich die Säfte wieder chemisch, so zeigt
sich's am Ende doch nur wieder, daß da alles auf eines hinausgeht. Und bis
ich auf meinen wohlbekannten Kohlenstoff und Grundsauerstoff gekommen bin, so
bin ich auch mit meiner schweren Untersuchungsarbeit fertig und muß am Ende
eingestehen, daß ich in meiner mich so berühmt machenden Kunst ein
allerpurster Pfuscher bin?“ [HiG.01_41.07.17,32] Sehet, wer nach einem solchen Versuch
zu diesem Ergebnisse gekommen ist, der ist schon an der Schwelle des
Vorhofes! Wenn er da anklopft, so kann er eingelassen werden, wenn auch nicht
alsogleich in den Tempel, so doch wenigstens in den Vorhof. Und es ist
besser, sich mit geraden Gliedern des Geistes in dem Vorhofe zu befinden,
denn als Gichtbrüchiger am dürren Ufer Siloahs zu harren, bis ein Engel, des
Teiches Wasser rührend, dasselbe mit Heilkraft sättigt. Denn wer da etwas
verloren hat, tut besser, wenn er es sucht, um es wiederzufinden, als daß er
unbekümmert auf einem Punkte wartet, bis etwa ein redlicher Finder
wiederkehre und ihm den verlorenen Schatz einhändige. [HiG.01_41.07.17,33] Die Erde ist ein Platz voll Bergen,
Klüften, Abgründen, Gräben, Tälern und Ebenen und hie und da weit und breit
bewachsen mit undurchdringlichem Gebüsche und Gestrüppe. Wer da einen Schatz
hat und hält denselben nicht fest, wie leicht kann ihm derselbe entfallen.
Und so er ihn verloren hat, wie schwer läßt er da sich wiederfinden auf einer
Erde, die so reich an finsteren Schlupfwinkeln ist! Und wer da etwas verloren
hat und das Verlorene nicht einmal zu suchen der Mühe wert hält, wie wird der
es wohl wiederfinden, besonders wenn er dazu noch aus sich selbst heraus das
Unglück hat, lichtscheu zu sein?! [HiG.01_41.07.17,34] Wahrlich ein solcher wird nicht viel
tüchtiger werden, wenn er auch alle höchsten Gebirge der Erde bestiegen
hätte. Denn wer immer da auf einen Berg steigt, hat eine große Mühe, bis er
den Gipfel erreicht. [HiG.01_41.07.17,35] Und was ist nun der Lohn seiner Mühe?
– Der, den er für die alleinige Hauptsache hält, ist eine weitgehende
Fernsicht auf andere Berge, Gegenden und Ortschaften – den eigentlichen Genuß
aber, der in der Einatmung der reineren Lebensluft besteht (worin eigentlich
der Hauptlohn für seine Mühe zu betrachten wäre), nimmt er nur ganz
gleichgültig mit. [HiG.01_41.07.17,36] So ist auch der naturmäßige Mensch ein
immerwährender Bergkletterer seines eigenen, hochgepriesenen Verstandes und
klettert von einer Verstandeshöhe zur andern hinauf. So oft er da irgendeine
scheinbare Höhe erstiegen hat, wähnet er sich auf dem allerhöchsten und
herrlichsten Aussichtspunkte zu sein. Aber wenn er sich nach allen Seiten
sattgegafft hat, kommt ihm der Gedanke: wenn er nur auch auf jene andere,
ferne Gebirgsspitze hinauf könnte – da müßte erst eine alles Gefühl
zerreißende Aussicht sich bewähren. Und nach dem alten lateinischen
Sprichwort eines klugen Heiden sagt er ebenfalls: „Der Mensch kann ja mit
seiner Tollkühnheit sogar den Himmel erstürmen, was sollte mich denn hindern,
auch die Spitze dieses entlegenen Berges zu besteigen; denn bis auf den Mond
oder gar in die Sonne reicht sie ja doch nicht!“ – Und also gesagt und getan! [HiG.01_41.07.17,37] Der Mensch ersteigt auch diese Spitze
unter großen Beschwerden, in der Meinung, von hier aus werde er wenigstens
die halbe Erde auf einmal zu Gesichte bekommen. Allein auch hier werden seine
großen Erwartungen sehr wenig befriedigt. Denn dieser Berg hat hinter sich
schon wieder höhere gelagert. Und so sieht unser Bergbestürmer schon wieder
nichts anderes als lauter Berge um sich, die er, wenn es möglich wäre, nun
alle auf einmal besteigen möchte. [HiG.01_41.07.17,38] Also ist es auch mit dem Verstande des
Menschen, er steigt von einer Verstandeshöhe zur andern. Was aber erblickt er
hier überall? Nichts als lauter sich immer höher türmende Berge und
Gletscher, die für ihn nimmerdar ersteiglich sind! Und wohl ihm, wenn er es
durch seine lang fortgesetzte Verstandeskraxelei so weit gebracht hat, daß er
endlich bei sich selbst gesteht: „Die ganze Erde kann man von keinem Berge
übersehen; und je mehr man gesehen hat, desto klarer wird es einem, daß man
gegenüber dem, was alles noch zu sehen wäre, erst so viel wie gar nichts
gesehen hat!“ was verdolmetscht so viel heißt als, daß derjenige in der
Verstandes-Wissenschaft es am weitesten gebracht hat, der es einsieht, daß er
nichts weiß. [HiG.01_41.07.17,39] Euch aber sage Ich: Es ist nicht
schwer, einen bestaubten Apfel vom Staube zu reinigen; denn der Staub klebt
nur an der Rinde. Schwerer wäre es, eine Nuß glatt zu polieren, und sehr
schwer, die Wärzchen am Ei zu vertilgen, ohne die Schale zu zerbrechen. [HiG.01_41.07.17,40] Die Erde aber ist in Wahrheit ein
„bestaubter Apfel“; denn es ruht auf ihr ein natürlicher urzeitlicher,
anderweltlicher Ruinenstaub. – Sie ist ferner ein „bestaubter Apfel“, denn um
dieselbe ist meilenweit gelagert ein ätherischer Atomenstaub. – Und drittens
ist sie in geistiger Hinsicht ein also außerordentlich schmutzig-bestaubter
Apfel, daß durch den dichten Staubwolkenschleier nur hie und da ein
spärliches Licht von der großen Sonne der Geisterwelt auf diesen „Erdapfel“
eindringen kann. [HiG.01_41.07.17,41] Die Erde ist ferner eine „Nuß“. Denn
sie hat fürs erste für jeden ihrer Bewohner etwas Tüchtiges zum Aufbeißen. –
Und wieder ist sie eine Nuß, insofern ihre äußere Rinde vom Grunde aus
entspricht ihrer inneren knorrigen Beschaffenheit. Dieser knorrigen
Beschaffenheit zufolge sind die Urgebirge das, was die äußeren Auswüchse an
einer Nuß sind. – Und sie ist ferner nochmal eine Nuß, da ein jeder, der
immer auf ihr zum inneren freien Leben des Geistes dringen will, zuerst eine
bittere Umhüllung und dann erst eine harte Schale wegzuschaffen hat, bis er
erst zur lebendigen Frucht des Lebens gelangt. [HiG.01_41.07.17,42] Die Erde ist auch ein „Ei“. Denn wer
die innere Beschaffenheit der Erde kennenlernen will, der siede ein Ei,
zerschneide dann dasselbe in zwei Teile und studiere dasselbe mit einem
starken Mikroskop, so wird er so ziemlich die innere Beschaffenheit seiner
Erde kennenlernen. – Und wieder ist die Erde ein Ei, in welchem durch die
natürliche Wärme der Sonne verschiedene Küchlein ausgeboren werden. – Und die
Erde ist auch noch in geistiger Hinsicht gleich einem Ei. Denn wie das Ei nur
in der ruhigen, stillen Wärme die Frucht des Lebens zum Vorschein bringt,
also wird auch der Mensch nur durch die stille Zurückgezogenheit und durch
die Wärme seines Herzens zu Mir in sich selbst neu und wiedergeboren, in
welchem Zustande es ihm auch ergeht wie einem Küchlein, das da seine eigene
Gefangenschaft durchbricht, lebendig aus derselben hervorgeht und dann die
Schale nimmer beachtend verläßt. [HiG.01_41.07.17,43] So sollte auch in geistiger Hinsicht
der Mensch sein, so wird er von jeder Tiefe wie von jedem Berge im hohen
Gefühle des freien Lebens mit einem Blicke nicht nur die ganze Erde, sondern
ein ganzes materielles und geistiges Sonnengebiet übersehen. [HiG.01_41.07.17,44] Schließlich aber diene euch die
Besteigung der Alpe noch dazu, daß der Weg, der ins geistige Leben führt,
nicht viel anders beschaffen ist, als der Weg auf eine solche Alpe. [HiG.01_41.07.17,45] Denn da glaubt von der Ferne jeder,
die Alpe sei nicht gar so hoch. Doch wenn er in ihre Nähe kommt, verliert er
immer mehr und mehr ihren Scheitel aus seinem Gesichte. Und fängt er dann am
Fuße zu steigen an, so hält er auch schon jeden nächsten baumlosen Hügel für
der Alpe höchsten Punkt. Aber je höher und höher er kommt, desto mehr
überzeugt er sich, daß es noch ziemlich viele Steigtritte benötigen wird, bis
er auf der Spitze des Berges das lichte „Triangulierungszeichen des ewigen
Lebens“ ansichtig wird, von da aus er erst zu jener höchsten Überraschung
gelangen wird, von welcher er früher keine Ahnung hatte. [HiG.01_41.07.17,46] Beachtet dieses Beiwort wohl in euren
Herzen. Nehmet die „Fahne“ zur Hand und beachtet das Geistige, das da in
entsprechender Fülle des Lebens gegeben ist. [HiG.01_41.07.17,47] Wendet es und forschet darinnen, und
ihr werdet nicht nur in den Bergen, sondern auch in den kleinsten Sandkörnern
vollbewohnte Welten entdecken! – Amen. Pharisäertum von heute. – 19.
Juli 1841
[HiG.01_41.07.19,01] Nicht heute, sondern morgen fange an
zu schreiben am Hauptwerke! – Heute kümmert und besorgt es dich
törichterweise der Predigten und üblen Nachreden von manchem überblinden
Stein-Papisten, die da sind voll Eigennutzes, da sie entweder trachten nach
den weltlichen Schätzen oder doch wenigstens nach dem nicht viel besser als
türkisch gearteten, faulmütigen Wohlleben des Himmels, (der freilich wohl
nirgends besteht und ewig nirgends bestehen wird) – Mich aber loben und
preisen sie, wenn es noch gut geht, nur des gewissen Himmels wegen, meistens
aber bloß zum Scheine, der Weltgüter und hohen Ehrenämter halber; und fast
keiner ist unter ihnen der da Mich lobe, bitte und liebe Meiner Selbst
willen. [HiG.01_41.07.19,02] Damit aber darob du und jeglicher
Gleichgesinnte mit dir in sich den hinreichendsten, beruhigendsten Trost
finden möge, so betrachte zuerst im 23. Kapitel des Matthäus den 13., 14. und
ganz besonders den 15. Vers! Diese drei Verse werden dir hinreichend dartun,
wie es mit dem heutigen Pharisäismus steht, zu dem der jüdische nur ein
prophetisch-vorbildender war. [HiG.01_41.07.19,03] Dann aber wende die Blätter und lese
das 23. Kapitel des Lukas, und zwar auch den 13., 14. und 15. Vers! Da wirst
du das Zeugnis des Pilatus über Mich finden und eine große Beruhigung für
dich! Und wiederum wirst du auch das wahre Liebeverhältnis der jetzigen
Pharisäer zu Mir ersehen. Oder meinst du nicht, so Ich heute in die Welt käme
und möchte dem Papste seine Herrschaft streitig machen, daß er sich bei
weitem ärger gegen Mich setzen möchte als dereinst der Kaiphas?! [HiG.01_41.07.19,04] Wahrlich, er würde sich bei allen
Regenten verwenden, um Mich zum abschreckenden Beispiele unter der
schauerlichsten, ewigen Höllenverfluchung öffentlich als den größten
Erzketzer am flammenden Scheiterhaufen verbrennen zu dürfen. – Gekreuzigt
werde Ich ohnedies täglich und stündlich viele tausend Male, wie auch
verkauft und verraten! – Du verstehest es! [HiG.01_41.07.19,05] Im 13. Kapitel des Johannes aber, und
zwar im 18. Verse, wirst du finden, wer und was die nun privilegierten
„Brotesser“ und „Weintrinker“ sind und wie sie zumeist gegen Mich gesonnen
sind. Denn wahrlich, diese sind es, die Mich noch allezeit mit den Füßen
getreten haben! [HiG.01_41.07.19,06] Verstehe es wohl: Judas war nur ein
arger Prophet für sie, und sie sind nun in corpore das, was Judas im argen
Bilde war! [HiG.01_41.07.19,07] Deinen und euern Zustand aber bemesset
nach dem dritten Kapitel, Vers 12-14, des Briefes Pauli an die Römer. Allda
werdet ihr deutlich finden, wie es mit euch stehet, und was ihr fortwährend
zu tun habt! Denn am Tage sind die Werke der Finsternis kein nütze; wer da
streitet, der streite mit den Waffen des Lichtes – und lasse die Wohlfresser
und Wohlsäufer in ihren betürmten Kammern zugrunde gehen! – Ihr aber seid
ehrbar in allen Dingen und haltet es nicht mit den Fressern und Säufern,
sondern haltet es mit Mir in aller Liebe, Geduld und Sanftmut und zieht Mich
also an – so werdet ihr leben! [HiG.01_41.07.19,08] Wenn ihr aber des Leibes wartet, da
tuet es also, daß er nicht üppig wird und ihr gar leichtlich ersticken
möchtet im Fleische und in allem, was des Fleisches ist! Verstehet es wohl!
Denn ihr alle habt noch viel „Fleisch“! Wer aber fällt im Fleische, der
stehet schwerer auf als ein vollbelasteter Elefant, der in einen Sumpf
gefallen ist. [HiG.01_41.07.19,09] Darum schreibet auch ihr euch den 14.
Vers jenes erwähnten Briefes recht nagelfest ins Herz, so werdet ihr einen
ebenen Weg ziehen! Amen. [HiG.01_41.07.19,10] Das sage Ich, den die Bauleute
verworfen haben und über den sie noch allezeit hergefallen sind und auch noch
fürder herfallen werden. Amen. Dank des Knechtes [HiG.01_41.07.19,11] O Du mein allerliebster Herr Jesus, Du
wahrer Tröster Du! Überall und allezeit findest Du das allerrichtigste und
wirksamste Trostwort für uns arme, schwache Sünder! – Darum sei Dir für alles
ewiger Dank, ewiges Lob und alle unsere Liebe und Anbetung! Und allezeit
Halleluja und Hosianna Dir in Deinem allerheiligsten Namen! Mahn- und Trostwort. – 31. Juli
1841
[HiG.01_41.07.31,01] So schreibe denn ein kurzes Mahn- und
Trostwort an die Th. M. H., die da aus einer kastenmäßigen Liebe zu Mir in
hohen Ehren hält die „Gefangenen im Geiste und am Leibe“, die da halten viel
größere Stücke auf die Geistlichen als auf Mich und so auch manchmal mehr auf
die Kalenderheiligen als auf Mich und mehr auf die heidnischen Zeremonien und
Gebräuche als auf Mich und mehr auf ein lateinisches Gebetsbuch, das sie
nicht verstehen, als auf Mich und ehren sich untereinander und die
Geistlichen so gut und noch mehr als Mich und halten die Beichte höher als
die wahre Buße und die Vergebung der Sünden. Darum sie denn auch beständig
beichten, aber auch nach der Beichte sogleich wieder in ihre vorigen Sünden
zurückfallen. Und die da so manchen Klostertrug für unbestreitbare Wahrheit
halten, die Heilige Schrift aber fliehen und es für eine große,
widerspenstige Ketzerei ansehen, so jemand das Buch des Lebens und der
heiligen Liebe lesen möchte. Aber ein nichtssagendes Andachtsbüchlein von
einem gleisnerischen, stark pharisäischen Mönche halten sie dagegen für einen
wahren Himmelsschlüssel! [HiG.01_41.07.31,02] O der armen Blinden! – Einst wird
ihnen dafür schon ein helleres Licht angezündet, wenn sie nur nicht etwa auf
Grund ihrer klosterkastisch-privilegierten Heiligkeit die innere Demut
hintangesetzt haben und sich nicht insgeheim für besser halten als
irgendeinen andern, freien, unklösterlichen Menschen. [HiG.01_41.07.31,03] Dies aber sei das Mahn- und Trostwort
an die Th. M. H.: [HiG.01_41.07.31,04] Suche du vor allem nur Mich durch die
wahre Selbstverleugnung, innere Liebe, Geduld und Sanftmut! Denn so du Mich
allein suchest, wirst Du Mich auch finden. Und hast du Mich gefunden, dann
hast du alles gefunden. Denn Ich allein bin der größte Schatz aller Schätze
und bin mehr als alle Welten und alle Himmel! [HiG.01_41.07.31,05] So du mich suchest, da mußt du Mich
aber bei dir und nicht bei andern suchen! Denn kann Der in der Fremde gesucht
werden, der da beständig in dir zuhause ist und deiner harret!? – Wie du dein
Leben nicht lebest in einem fremden Leibe, sondern in deinem eigenen, so mußt
du auch Mir in dir zu leben beginnen und Mich in dir suchen! Da wirst du Mich
sicher finden! Denn für dich lebe Ich nur in dir! Und wäre es nicht also, wie
möchtest du leben, atmen, denken, fühlen, wahrnehmen, empfinden und dann zu
Mir beten!? [HiG.01_41.07.31,06] Siehe, das ist der rechte Weg zu Mir!
Jeder andere leitet stets auf Abwege. Daher wandle diesen frei, mutig und
ohne Furcht, so wirst du das ersehnte Ziel gar leicht und bald finden und
wirst dann erst auch einsehen und erkennen, wie sanft Mein Joch und wie
leicht Meine Bürde ist! [HiG.01_41.07.31,07] Nimm aber auch gerne das Neue
Testament zur Hand und lese es sorgfältig, so wirst du darinnen gar bald des
wahren Lebens Schule entdecken. – Und wirst du erst danach zu handeln
anfangen, so wirst du mit Strömen des ewigen Lichtes übergossen werden und
aus deinen Lenden wird fließen lebendiges Wasser! [HiG.01_41.07.31,08] Sei auch allezeit heiter in deiner
Dürftigkeit! Denn je geringeren Anteil jemand hat an der Welt und ihren toten
Götzen, desto mehr ist er bei Mir und desto mehr hat er in Mir seinen ewigen,
unvergänglichen Anteil zu überaus hohen Wucherinteressen angelegt! – Daher
sei du fröhlich, denn Ich bin dir näher, als du es wähnest! [HiG.01_41.07.31,09] So du aber das Neue Testament zur Hand
nimmst, da schlage dir zuerst auf das 15. Kapitel des Johannes und betrachte
darinnen den 17. bis 23. Vers! – In diesen Stellen wirst du einen großen,
verborgenen Schatz finden. Er wird dir aufgetan werden und du wirst erschauen
mit erstaunten Augen den „wahren Schlüssel“, mit welchem du gar leicht das
Kämmerlein eröffnen wirst, darinnen Ich in dir deiner harre! Amen. [HiG.01_41.07.31,10] Das sagt dir dein wahrer Bräutigam
durch den trägen Knecht, Amen! [HiG.01_41.07.31,11] NB. Der Schlüssel oder das eröffnete
Reich ist schon gezeigt in den vier letzten Versen dieses Kapitels, das ist
im 24., 25., 26. und besonders 27. Verse. Denn was hier an die Apostel
gesprochen ist, ist gesprochen zu aller Welt! Das sagt dir der Erste und der
Letzte. Amen. Anweisung an den Schreibknecht. –
8. August 1841
[HiG.01_41.08.08,01] Schreibe nur! Denn Ich weiß es schon
gar lange, was du und der Andr. H.-W. wollet! – Solches aber antworte Ich
euch: [HiG.01_41.08.08,02] Du, Mein Knecht, bedenke wohl, was dir
von Mir für ein Amt verliehen ist und wieviel du noch zu tun hast, bis nur
das Hauptwerk beendet sein wird. Denn dazu wirst du von nun an, nach deiner
Schrift, noch beinahe ebensoviel brauchen, wie für das, was jetzt schon
vorhanden ist. Siehe, eine solche Sache braucht bei regem Fleiße noch nahe
ein Jahr von dir, indem du eben nicht der geläufigste Schreiber bist. Und es
wäre gut, so du täglich fünf Stunden dazu verwenden könntest. [HiG.01_41.08.08,03] Denn der noch zu verhandelnde Stoff
des Hauptwerkes ist: Ein drei Tage langer Aufenthalt bei Adam (nach dem
Sabbat), woselbst noch unerhörte Dinge vorkommen werden zur tiefsten
Beachtung eines jeden, der es zu lesen bekommen wird. Dann erfolgt die
Rückkehr in die Tiefe und ein kurzer Überblick über alle damalige
Erdbevölkerung. Dann Adams Tod und nach und nach die Geschichte aller seiner
euch bekannten Hauptstammkinder bis auf Noah; und so unter anderem die Vermischung
der Kinder Jehovas mit den schönen Töchtern der Welttiefe. Dann, kurz
durchgeschaut, Jehovas Kriege, Noahs Berufung, die von ihm in die Tiefe
gesandten Bußprediger, Noahs Antrieb zum Bau der Arche; seine verspottete und
gefährdete Arbeit; seine Wächter. Dann die großen Erdbeben, sichtbare Zeichen
am Firmament; und endlich erst die Flut mit allen ihren Vor- und
Nacherscheinungen. Und von da dann noch einige Blicke bis zu Abraham und dem
Hohenpriester Melchisedek und noch einige Nachworte. [HiG.01_41.08.08,04] Und alsdann erst ist das Ende des
Hauptwerkes da, welchem dann noch gewisse, schon gegebene Hauptnebenworte
einzuverleiben sein werden, die zu seiner Zeit näher bezeichnet werden. [HiG.01_41.08.08,05] Siehe, solches hat und fordert noch
das Hauptwerk! – Es steht aber auch noch eine große Menge von Naturzeugnissen
und die Enthüllung des gestirnten Himmels sowie der Geisterwelt allenthalben
auf und zwischen den Sonnen, Erdkörpern, Monden und Kometen bevor. [HiG.01_41.08.08,06] Da rechne du, wie du mit dem allem in
zwei Jahren fertig wirst! Denn bis dahin soll es fertig sein – das heißt, so
ihr es wollt und euch daran etwas gelegen ist. [HiG.01_41.08.08,07] Ist euch aber eben nicht soviel darum
zu tun, so habe Ich schon noch andere Amtleute, und zwar in anderen Landen,
die solche große Geschenke aufnehmen werden und sie vollenden bis zum letzten
Häckchen. [HiG.01_41.08.08,08] Siehe, Ich sage dir nicht, was du tun
sollst; aber so du Mein Wort hast, so sollst du demselben doch wenigstens
täglich, mit Ausnahme der Feiertage, bei acht Stunden die zwei Jährlein
hindurch widmen, um alles zu beenden, was vorderhand von größter Wichtigkeit
ist. [HiG.01_41.08.08,09] Denn die Menschen sollen daraus bald
völlig erkennen, wie eitel töricht all ihr weltlich Tun und Treiben ist! [HiG.01_41.08.08,10] Was dein übriges Tunwollen betrifft,
namentlich in der Tonsprache, dafür hast du deinen freien Willen. – Es ist
aber allzeit eine Sünde der Trägheit, so der Mensch etwas, das er von Mir
erhalten hat, leichtsinnig hintansetzt, bevor Ich es Ihm auf die eine oder
andere Art abnehme. [HiG.01_41.08.08,11] Siehe, Ich habe dich für die Menschen
geistig gemacht zu einem Hofmeister des Herzens und der Liebe. Und solches zu
tun und dein Leben selbst zu kehren nach dem Worte, ist dir von Mir
aufgetragen. – Es wird dir zu keinem Verdienste gerechnet, daß du solches
empfängst; denn solches ist eine große Gnade nur für jeden, der es empfängt;
sondern zum Verdienste wird nur gerechnet, zu leben nach dem Worte in aller
Liebe, Geduld, Sanftmut, allem Glauben und Vertrauen, aller Selbstverleugnung
und duldsamer Ertragung von allerlei Kreuz und mancherlei Leiden, damit
dadurch das Herz vollkommen rein werde von allen Schlacken der Welt. [HiG.01_41.08.08,12] Und so hast du schon vollauf zu tun
mit dieser Hofmeisterschaft und wirst daher schwer noch einer anderen
obliegen können. Allein wohnen kannst du überall – nur nicht neben
irgendeiner Hure, wohlverstanden! [HiG.01_41.08.08,13] Ist demnach dem W. damit gedient, so
kann ja immerhin dein Segen heimlich seine Kindlein stärken. Und du kannst
denselben auch in freier Zeit in mancherlei behilflich sein. Aber eine
sogenannte Hofmeisterstelle mit allen ihren Erfordernissen ist gegenwärtig
für dich nicht möglich annehmbar. – Doch so du hinziehest, da ziehe du ganz
unvermerkt hin. Denn die gewisse Welt hier in dem Orte darf davon nichts
merken, ansonst sie sich darum gewaltig ärgern möchte – und ihr euch dann
ihretwegen. [HiG.01_41.08.08,14] Verstehe du es wohl! Denn es
beobachtet jemand Gewisser mit hundert Augen deine Schritte und lauert, daß
er etwas fände, das ihm auffiele. – Hat der W. einmal Amt und Ort gewechselt,
dann könnet ihr ohne Sorgen beisammen sein. Unterdessen aber nur unter
gehöriger Vorsicht! [HiG.01_41.08.08,15] Dann höre du, W.! Gewisse Leute meinen
ohnehin, der Knecht erteile dir und deinen Kindern heimlich den Unterricht im
Luthertume und aller sogenannten antikatholischen Ketzerei – und die Musik
sei nur ein politischer Deckmantel. [HiG.01_41.08.08,16] Wenn der Knecht L. nun auf einmal hier
aufsagt und dann zu dir, W., zieht, so könnte das sehr leicht einige kleine
Verdrießlichkeiten verursachen. – Daher ist, um solches zu vermeiden, des
Knechtes gegenwärtiges Zimmer also noch einundeinhalb Monate beizubehalten.
Und zur Zeit werde dann schon Ich euch anzeigen, wie da die ganze Sache
sicher abzumachen ist. [HiG.01_41.08.08,17] Überdies aber soll der Knecht in der
Zeit noch beim Ans. Wortemsig seine Ordnung nicht zu sehr ändern, d.h. so er
hinzieht zu Dir, Willig, soll er noch wenigstens zwei bis dreimal in der
Woche zu Mittag speisend bei ihm zubringen und sonst, wie gewöhnlich,
möglichst täglich bei ihm weilen. [HiG.01_41.08.08,18] Vor allem aber hast du, W., Dich auch
annehmbar zu verständigen mit deinem Weibe, so sie ihre Forderung über das
Ausgemachte an den Knecht stellen sollte! Denn die sehr Sparsamen suchen
beständig selbst die erforderlichsten Bedürfnisse zu vereinfachen. Du wirst
es wohl verstehen, wie es gemeint ist. [HiG.01_41.08.08,19] Solchen Rat überdenket wohl und
handelt darnach! [HiG.01_41.08.08,20] Das sagt Der, dem alle Dinge bekannt
sind! – Amen, Amen. Rat für Weinbergarbeiter. – 10.
August 1841
[HiG.01_41.08.10,01] Höre! Also lautet es im Rate der
ewigen Weisheit und Liebe deines Herrn, deines Gottes, deines Schöpfers,
deines Erlösers und – dadurch erst – deines Vaters, der da ist heilig,
heilig, heilig: [HiG.01_41.08.10,02] So du magst läuternd umgehen mit
Personen des anderen Geschlechtes, da beachte zuvor die dir noch verborgene
Tiefe deines Herzens! Denke, daß da kein merklicher äußerer Unterschied ist
zwischen nützlichen guten und unnützlichen giftig-bösen Sämereien. [HiG.01_41.08.10,03] Das unerforschte Herz ist gleich einem
ungedüngten Grunde, in welchem das Unkraut eher wurzelt als der Weizen. Daher
lasse dich nicht verleiten durch schöne Sämereien, da du nicht weißt, was
daraus für Früchte hervorgehen möchten! [HiG.01_41.08.10,04] Du kannst in Meinem Namen dich
jedermann zwar nahen, aber Mein Reich wirst du nirgends finden als allein bei
Mir durch Glaube und Liebe und gänzliche Selbstverleugnung – und höre, das
erst dann, so du in deinem Herzen, ganz losgetrennt von der Welt, getreuest
wirst sagen können: [HiG.01_41.08.10,05] „Herr, hier bin ich! Die Welt ist mir
zum Ekel geworden. Du aber bist mir alles, alles, alles! Ich will nun nichts
mehr als Dich allein!“ [HiG.01_41.08.10,06] Siehe, dann erst kann Ich kommen! – Wo
du nützen kannst, da handle in Meinem Namen und habe acht auf die Tiefe und
wahre Gesinnung deines Herzens! Denn da liegen noch allerlei Sämereien. Ich
aber will nur segnen, was du in Meinem Namen tun wirst denen, die Ich dir
gegeben habe! [HiG.01_41.08.10,07] Was diejenige anlangt, nach der du
fragest, so schauet sie in ihrer Dürftigkeit mit einem Auge hinauf, ob keine
Hilfe von dort möglich – mit dem andern aber siehet sie zur Erde, ob da
nirgends Edelsteine für sie seien. – Sie soll lieber beide Augen, Ohren und
ganz besonders ihr Herz unverzüglich zu Mir kehren, so wird sie den größten
Schatz finden und wird ihr geholfen sein in allem! [HiG.01_41.08.10,08] Du aber bewahre und reinige dein Herz,
auf daß, so Ich dereinst etwa unerwartet zu Dir kommen möchte, dasselbe also
bestellet sei, daß Ich nicht genötigt werden möchte, zu verziehen oder gar umzukehren!
– Denke: Eines nur tut not! Und wer sich dieses eine erwählet hat, der hat
sich schon den besten Teil erwählet! [HiG.01_41.08.10,09] Das sage Ich, dein beständiger Erlöser
und unablässiger Wiedergebärer! – Amen, Amen, Amen. Ein neues Licht der Liebe. – 26.
August 1841
[HiG.01_41.08.26] Brief aus Greifenburg an den Freund und
späteren Lebensschilderer Jakob Lorbers: Karl Gottfried Ritter von Leitner in
Graz. [HiG.01_41.08.26,01] Geliebtester, hochverehrtester Freund!
Es wäre mir unmöglich, aus meiner Kraft auch nur ein Sonnenstäubchen groß von
all dem würdig mit der Feder zu geben, was alles ich hier doppelt gesehen,
gehört und gefühlt habe und noch sehen, hören und fühlen werde! – Fürwahr,
für Gegenden dieser Art sollte der Mensch mit hundert Augen, Ohren und Herzen
versehen sein! Denn man wird mit den gewöhnlichen Sinnen hier zu einem
förmlichen geistigen Geizhalse und Nimmersatte, da einen die große,
schlagende Wunderfülle beinahe ohnmächtig macht und man sich dabei stets
sorglich fragen muß: Wohin mit all dem unübersehbar vielen? Wie werde ich
diese ungeheure Ernte unter mein armseliges Dach bringen? [HiG.01_41.08.26,02] Wahrlich wahr, hier ist des Großen und
Guten zuviel, besonders für ein geistiges Auge. Ich übergehe alle die hohen
Berge und will nicht berühren alle die vielen Naturseltenheiten, am
allerwenigsten die vielen, im Ernste sehenswürdigen Ortschaften u. dergl.;
aber was die naturgeistige Tätigkeit betrifft, da sage ich Ihnen, geliebter
Freund, so auffallend sichtbar und auf den ersten Blick wohlbegreiflich wäre
es mir nie im Traume eingefallen! – Fürwahr, wenn hier nicht ein Blinder auch
nur bei einiger geistig-ärztlichen Mithilfe alsbald möchte sehend werden, da
müßte ich selbst zu einem Gottesleugner werden. Denn wer da nicht lebendig
gläubig wird, für den ist im Ernst alle Taufe und alles Chrisam rein
verdorben! – Ich habe hier Erfahrungen gemacht, von denen ich früher keine
Ahnung hatte. Mir ist ein ganz neues Licht angezündet worden. Und in dieses
seltenen Lichtes Strahlen sehe ich ein endloses Meer von Wundern über
Wundern, die gewisserart eines das andere so gut wie ganz niederschlagen! [HiG.01_41.08.26,03] Geliebtester Freund! Ich vermag Ihnen
für diesen Augenblick nichts anderes zu sagen, als daß Ich fürs erste schon
so mancherlei von meinem hohen Diktator aus in die Feder erhalten habe und
der allerbesten Hoffnung bin, noch so manches überaus Seltene zu empfangen.
Und fürs zweite aber getraue ich mir die schließliche Bemerkung noch
hinzuzusetzen, daß Ihnen diese meine geistigen Sammlungen sowohl schriftlich
als auch bei gefälliger Gelegenheit mündlich nicht ohne geistig nützliches
Interesse sein werden! [HiG.01_41.08.26,04] Denn also lautete es anfänglich in
mir: „Siehe, ein neues Licht gebe Ich dir! Es ist nicht genug, die Rinde der
Dinge sowie das Holz und das Mark durchzubrechen, sondern (es gilt zu
schauen), was da wird aus der Rinde und aus dem Holze und aus dem Marke. Wer
das sehen will, der schaue, daß er recht sehe! Und wer da hören will, der
horche fein, auf daß er alles höre! Und wer da empfinden will, der lege seine
Hand auf die Brust und zähle jeglichen seiner Pulsstöße und erwäge, von
welchen Gefühlen jeglicher umlagert war! Alsdann erst wird er bald sich und
all den Dingen auf den wahren Grund zu schauen in den Stand gesetzt werden. –
Verstehe es wohl! Denn siehe, das ist ein neues Licht der Liebe, das dir die
werdende Frucht in dem Marke, das Mark im Holze und das Holz in der Rinde
zeigen wird. Und ebenso nach deinem Tun das ewige Leben in dir! – Siehe, das
ist ein neues Licht, und was du hier empfangen wirst, das soll dir werden in
diesem neuen Lichte. Amen. Verstehe es wohl! Amen.“ [HiG.01_41.08.26,05] Sehen Sie also, geliebtester Freund,
nach diesem wenigen zu urteilen, können Sie mit Recht so manches erwarten,
das Ihnen sicher sehr viele Freude machen wird. Ich bin jetzt nur ein
Sammler, hoffe aber doch auch baldmöglichst ein Mitteiler zu werden!
Unterdessen aber habe ich vorzugsweise nur einen Wunsch für Sie, geliebter
Freund, wie auch für alle übrigen lieben Freunde, daß Sie nämlich dieses mein
schlichtes Schreiben bei der allerbesten Gesundheit antreffen möchte! [HiG.01_41.08.26,06] Des Herrn Jesu Christi Liebe und Gnade
sei mit Ihnen jetzt und ewig! Amen. Das ist der stets sehnlichste Wunsch des
Sie ewig liebenden Freundes und Bruders im Geiste Jakob Lorber, d.H.K. Zum Tode eines Kindes. – 23.
Oktober 1841
[HiG.01_41.10.23,01] Das sage in Meinem Namen dem, den Ich
für würdig befand, daß Ich ihn heimsuchte und sein jüngstes Weltkindlein zu
Mir nahm, darum er sehr trauert und weinet und nicht wohl bedenkt, daß Ich es
bin, der ihm solche Gnade erwies, deren Größe er wohl in Ewigkeit nicht wird
erfassen können. [HiG.01_41.10.23,02] So aber zum A. H.-Willig ein Weltfürst
gesagt hätte: Möchtest du mir nicht dein Kindlein überlassen, damit ich es
erziehe zu einer großen Fürstin und, wann es Jahre und Bildung in gerechter
Genüge zählen und haben wird, es dann auch alsogleich belehne mit vieler
Länder Kronen und es alsdann mache zu einer großen, regierenden Fürstin,
Königin und Kaiserin – würde sich da A. H.-Willig nicht vor Freuden außer
sich befinden, auch nur schon des alleinigen ernstlichen, großen Antrags
wegen, und würde auch suchen, seine Dankbarkeit auf jede erdenkliche Art dem
Kaiser an den Tag zu legen!? [HiG.01_41.10.23,03] Oder irgendein guter Fürst käme zu ihm
und setzete sein Kindlein zum Alleinerben ein für einen großen Teil seiner
Güter – was möchte A. H.-Willig in dem Falle tun mit dem Fürsten? – Oder es
käme ein regierender Prinz und begehrte zur künftigen Kaiserin die Hand einer
seiner Töchter – würde da der A. H.-Willig einen solchen Brautwerber wohl vom
Hause weisen? [HiG.01_41.10.23,04] Jedoch was ist alles dieses im
Vergleich zu dem, so da Ich komme und tue alles das im lebendigen, ewigen, unendlichen
Sinne! – Und da kann, da mag der A. H.-Willig klagen, weinen und trauern?! [HiG.01_41.10.23,05] O wie schwach ist das noch! – Braucht
denn außerordentliche Hilfe nicht auch außerordentliche Mittel? Oder muß die
Arznei nicht sein wie die Krankheit, damit das Übel ein Ende nehme? – Wer
aber geht zum Arzte und zeiget ihm die Wunde; und wenn der Arzt ihm ein
heilsam Öl in die Wunde gibt, dann weinet und trauert er, so das Öl anfängt
die Wunde zu heilen! – O sehet wie blind ihr noch seid! [HiG.01_41.10.23,06] Wenn euch die Schuhe drücken, da rufet
ihr beständig um Hilfe; und komme Ich endlich, euch zu helfen und frei und
fest zu machen eure wankenden Füße, da werdet ihr voll Traurigkeit! – Warum
das? – Weil euer Herz noch blind ist, darum ihr zwar die Hilfe suchet, aber
das sicher helfende Mittel fürchtet und fliehet! [HiG.01_41.10.23,07] Siehe, Ich habe dir nun eine ebene
Bahn gezeigt und eine eherne Pforte gesprengt und eine große Scheidewand
niedergerissen! Durch eine große Wüste habe Ich Brunnenröhren zur belebenden
Leitung des lebendigen Wassers gelegt! – Siehe, die Wüste wird erblühen – und
da magst du trauern darüber!? [HiG.01_41.10.23,08] O lerne Mich in Zukunft besser kennen!
Denn dein Vater bin Ich! – Wie magst du trauern, wenn dich dein heiliger
Vater in der höchsten Liebe heimsucht und dir dein Haus bestellt? [HiG.01_41.10.23,09] Darum traure fürderhin nicht mehr!
Denn Ich, dein heiliger, liebevollster Vater, habe es ja also gewollt!
Bedenke das und du wirst ewig leben!
Amen. Schlüssel zur
Schrift. – 13. April 1840 Von weltlicher
Amtsmacht. – 18. April 1840 Ein Gruß aus
der Höhe der Höhen. – 19. April 1840 Rechte
Elternliebe. – 23. April 1840 Kreuz, Krone
und – Liebe. – 24. April 1840 An Meine
Freunde. – 9. Mai 1840 Kirchengeist
und Liebesgeist. – 14. Mai 1840 Unnötige
Sorgen. – 24. Mai 1840 Wie sollen wir
die Propheten lesen, um sie recht zu verstehen? – 26. Mai 1840 Über den Eid
oder Schwur. – 28. Mai 1840 Irdische und
himmlische Rechtsordnung. – 28. Mai 1840 Geduld zur
Reife. – 30. Mai 1840 Bildnis des
Herrn. – 1. Juni 1840 Das vornehmste
Gebot. – 2. Juni 1840 Die bösen
Sieben. – 4. Juni 1840 Über
Kindererziehung. – 8. Juni 1840 Poesie des
Himmels. – 9. Juni 1840 Der Vater bei
den Konzilien, in den Kirchen und – im Kinderskreise. – 29. Juni 1840 Falsche und
rechte Wohltätigkeit. – 7. Juli 1840 Von Bällen und
Vergnügungsstätten. – 17. Juli 1840 Wichtiger
Erziehungsrat. – 17. Juli 1840 Weltsinn und
Herzenslicht, Nachtrag zum „Engel“. – 17. Juli 1840 Vom geistigen
Schauen und Vernehmen. – 24. Juli 1840 Ein Wort über
die Fürbitte. – 28. Juli 1840 Jedem das
Seine. – 2. August 1840 Vom Leben des
Baumes. – 6. August 1840, im Freibergerwald bei St. Leonhardt, Graz. „Liebe will
Ich!“ – 8. August 1840 Evangelium des
Weinstocks. – 9. August 1840 Das
Wesentliche. – Nachtrag zur „Untat“. – 11. August 1840 Seid
unbesorgt! – 13. August 1840 Die
Perlenmuschel – und die Urstufen der Tierwelt. – 15. August 1840 Die
Naturseelenentwicklung im Tierreich. – 16. August 1840 Entstehungsgeschichte
und Lebensbestimmung der Taube. – 16. August 1840 (Fortsetzung) Stellung zur
Kirche. – 20. August 1840 Vom Zweck der
Neuoffenbarung. – 21. August 1840 Die innere
Leibesgestaltung der Tauben und andern Vögel. – 23. August 1840 Brüderliche
Sorge. – 24. August 1840 Vom Berge
„Straßengel“ bei Graz. – 29. August 1840, am Berge „Straßengel“, Geschichtliches
vom Berge „Straßengel“. – 29. August 1840, (Fortsetzung) Krankheitsheilung.
– 29. August 1840 Die Fliege. –
3. September 1840 Vom Feuersalz
der Liebe. – 12. September 1840 Die Choralpe.
– 13. September 1840 Vulkanische
Erdvorgänge. – Nachtrag zu „Choralpe“. – 20. September 1840 Erdbeben und
deren Ursachen. – 27. September 1840 Über Erdstöße
und Witterungserscheinungen. – 4. Oktober 1840 Vorsicht mit
leiblichen Genüssen! – 13. Oktober 1840 Eine
väterliche Einladung. – 14. Oktober 1840 Fata morgana.
– 18. Oktober 1840 Flut und Ebbe.
– 24. Oktober 1840 Geistige
Beleuchtung von Ebbe und Flut. – 24. Oktober 1840 (Fortsetzung) Vom Beten für
Verstorbene. – 28. Oktober 1840 Geistige
Beleuchtung des Kleinalpe-Besuchs. – 29. Oktober 1840 Über den
Knecht Lorber und einen neuen Jünger. Lob der Sanftmut. – 30. Oktober 1840 Entsprechungslehre.
Die äußere Welt als Geistesschule. – 1. November 1840 An einen sehr
Schwachen. – 4. November 1840 Über Leben,
Tod und Liebe. – Weiteres von der Andritz-Quelle. – 15. November 1840 Eine kleine
Morgenandacht. – 15. November 1840 Friedensgruß
zum Geburtstag. – 19. November 1840 Wahre
Nächstenliebe. – 20. November 1840 Vom Atmen der
Naturwelt. – 22. November 1840 Vom Atmen der
Pflanzen. – 22. November 1840 (Fortsetzung) „Die Heiligen
der letzten Tage“. – 24. November 1840 Gehorsam,
Kirche, Rose – drei Worte im geistigen Lichte. – 25. November 1840 Reiseführung. –
29. November 1840 Geburtstag-Gratulation.
– 30. November 1840 Erziehungswink.
– 30. November 1840, (Fortsetzung) Fahrt nach
Haberbach. – 1. Dezember 1840 Vom „Fuchs
Herodes“. – 7. Dezember 1840 Vom
Ineinandergehen der Naturreiche. – 8. Dezember 1840 Weiteres vom
Atmen der Pflanzen. – 8. Dezember 1840 (Fortsetzung) Von den
Eingeweidewürmern. – Erzieherische Seelenheilwinke. – 9. Dezember 1840 Zum Tanze. –
14. Dezember 1840 „Rühre Mich nicht
an!“ – 16. Dezember 1840 Nochmals:
„Rühre Mich nicht an!“ – 17. Dezember 1840 Eheliche
Hausordnung und Kinderzucht. – 5. Januar 1841 Gelehrtenbekehrung.
– 14. Januar 1841 Nochmals:
Wider die Tanzsucht! – 17. Januar 1841 Ermunterung
eines ängstlichen Vaters. – 18. Januar 1841 Vereins- und
Gesellschaftssatzungen. – 24. Januar 1841 Vom wahren
Priester, Arzt und Hirten. – Licht und Trost für Schwache. – 25. Januar 1841 Vertrauen zum
himmlischen Vater. – 26. Januar 1841 Besessenheit.
– 30. Januar 1841 Die wilde
Jagd. – 1. Februar 1841 Von den Arten
der Besessenheit. – 2. Februar 1841 Segen der Barmherzigkeit.
– 3. Februar 1841 Unfruchtbare
Gotteslehren. – 28. Februar 1841 Vier Fragen im
geistigen Lichte. – 6. März 1841 Zum
Jahresgedenktag der Neuoffenbarung. – Dankgebet des Knechtes Jakob Lorber. –
14. März 1841 Vom Kommen des
Vaters in Jesu. – Antwort des Vaters an den Knecht. – 14. März 1841 Rechte
Heiligen-Verehrung. – 20. März 1841 Grund und Wesen
des Zweiten Gesichts. – 21. März 1841 Der verlorene
Sohn. – 23. März 1841 Der große
Schöpfungsmensch und seine Rückkehr. – 25. März 1841 Die „Lumpen“
des verlorenen Sohnes. – 25. März 1841 (Fortsetzung) Schneckenhaus,
Rosendorn, Puppe, Vogelnest. – Fragen im geistigen Lichte. – 27. März 1841 Leiden des
Herrn, Fasten, Armut, Liebe. – Vier Fragen im geistigen Lichte. – 9. April
1841 Gebet – das
beste Erziehungsmittel. – 18. April 1841 Wahres Glück.
– 21. April 1841 Ordenswesen
und wahre Barmherzigkeit. – 25. April 1841 Vom
Kreuzessegen. – 28. April 1841 Von Tod und
Todesnot. – 29. April 1841 Das Zeichen
des Menschensohnes. – 1. Mai 1841 Vom geistigen
Frühling. – 1. Mai 1841 An Jesus. –
Gebet. – 4. Mai 1841 Gebet des
Herzens. – 4. Mai 1841 Ein bester Rat
und wahrer Trost. – 5. Mai 1841 Die Zeit der
drei Tiere der Offenbarung. – 7. Mai 1841 Höret, schauet
und erfahret! – 15. Mai 1841 Friedhofseelen.
– Gesicht des Knechtes als Hinzugabe zum „Kulm“. – 25. Mai 1841 Von
Geisterspuk, Helden- und Liebestaten. – 25. Mai 1841, (Fortsetzung) Gottesliebe
und Menschenliebe. – Einer jungen Seele zum Namenstag. – 28. Mai 1841 Wichtige
Erziehungswinke. – 20. Juni 1841 Muttersöhnchens
Erziehung. – 24. Juni 1841 Naturmäßige
und geistige Hauserneuerung. – 26. Juni 1841 Vom einzig
wahren „Schutzpatron“. – 26. Juni 1841 Ruf aus der
Tiefe. – 27. Juni 1841 Antwort aus
der Höhe. – 27. Juni 1841 Der Planet
Saturn. – 5. Juli 1841 Gleisnerische
Wohltätigkeit. – 11. Juli 1841 Vom Geheimnis
der Berge. – Gedichtworte zur „Kleinalpe“. – 15. Juli 1841 Die
Zweckbestimmung der Berge. – 17. Juli 1841 Pharisäertum
von heute. – 19. Juli 1841 Mahn- und Trostwort.
– 31. Juli 1841 Anweisung an
den Schreibknecht. – 8. August 1841 Rat für
Weinbergarbeiter. – 10. August 1841 Ein neues
Licht der Liebe. – 26. August 1841 Zum Tode eines
Kindes. – 23. Oktober 1841 _______ *
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